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jchieden, der sich hervorragende Verdienste um 2tadt Limburg erworben hat.
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Aus Gberhesien u. den heff. Aemtern.
* Marburg, 28. Mai 1912. In vor etz'er Nacht verschied in Wildungen der langjährige Lehrer am Gymnasium Phillppinum, Professor Dr. Wilhelm Wilhelmi. Der Verblichene gehörte seit 1875 dem Lehrkörper des Gymnasiums an. — In der letzten Woche wurden hier mehrsach falsche Markstücke angehalten. Die Stücke tragen das Münz- zeichen A.
A Wetter, 27. Mai 1912. Auf der kahlen Hochebene bei Niederasphe, der sog. »Hains Birken', wurde heute unter Beteiligung von etwa 20 Kriegervereinen seitens des Krieger Vereins Niederasphe, der zugleich sein 2ö jähriges Bestehen feierte, ei» Kriegerdenkmal enthüllt. Die Weihrede hielt Landrat v. Löwenstern zu Löwenstein aus Marburg. TaS Denkmal, ein Longstein - Obelisk, wird von einem Adler oekrönt.
:: Naumburg, 28. Mai 1912. Am 23. d. M. fand hier in zwar sehr bescheidener, aber doch würdigen Weise die G r u n d st e i n l e g u n g zum neuen Hause de: barmherzigen Schwestern statt, das bereits mit seinem Untergeschoß aus der Erde emporgestiegen ist. Der Bauleiter Regierungsbaumeister G. Kegel zu Kassel legte kurz die Gründe dar, warum bei dem Bau in feierlicher Weise der Grund-
sten gelegt werde, und verlas die Urkunde, die in den Stein versenkt werden sollte. In dieser ist besonders der hochherzigen Wohltäter gedacht, durch deren Opferwilligkeit die Ausführung des Baues ermöglicht wurde, nämlich des noch in Naumburg lebenden Ehepaares August Prinz und Frau Anna geb. Draud-e, die das schöne Grundstück schenkten, auf dem der Bau errichtet wird, und der bereits verstorbenen Witwe Bovermann, die für den Bau des Hauses eine beträchtliche Summe vermachte. Nachdem Herr Pfarrer Martin darauf die Mauern geweiht hatte, erfolgte die Vermauerung der in kupferner Kapsel befindlichen Urkunde in der üblichen Weise. Mit den drei Hammerschlägen der zunächst Beteiligten schloß die Feier. Möge der Bau eine Zierde der Stadt werden und zum Heile derer dienen, für die er bestimmt ist.
* Gudensberg, 28. Mai 1912. Aus Dankbarkeit gegen die alten Vaterlandsverteidiger von 1870-71 sowie gegen diejenigen, die in China und in Süd- und Ostafrika gekämpft haben, will unsere Nachbargemeinde Besse ihren Söhnen zum Andenken an jene großen Zeiten ein Denkmal errichten. Es sind zu den Kosten dieses Denkmals, welches durch den Bildhauer Damm-Besse aufgestellt wird, schon weit über 1000 Mark an freiwilligen Gaben aufgebracht. Die Einweihung des Denkmals soll mit der Kreiskriegerverbandsfeicr des Kreises Fritzlar, welche in Besse nächstes Jahr abgehalten wird, verbunden werden, sodaß zu erwarten ist, daß sich die Einweihung des Denkmals würdig gestalten wird.
Amt Geisa und Umqebunq.
* Vacha, 28. Mai 1912. Die Stadt Vacha bewilligte zur Bienenwirtschastlichen Äus- st e l l u n g, die vom 28.—30. Juli hier stattfindet, 75 Mark. Viele Ehrenpreise, so von den Gewerkschaften, dem Wirteoerein usw., sind in Aussicht gestellt.
* Dermbach, 29. Mai 1912. Anstelle des von hier versetzten Hauptmanns Mila ist Major M ü 1 l e r bisher Jngemeur-Oifizier vom Platz in P.llen- Huhn zum Bezirksosfizier ernannt worden.
M 121.
Mtw-ch «tu 29. Mal 1912.
39. 3at)tgeng.
haltig. ,
* Aus Franken, 28. Mai 1912. Der französische Pilot Grazioli, der in Würzburg auf einer Lendnermaschine einen Probeflug machte, wurde von einer Windbö erfaßt und stürzte ab. Der Apparat wurde stark beschädigt. Grazioli blieb unverletzt. — In Aschaffenburg verbrühte sich das zwei- jährige Kind des Steinmetzmeisters Keicher mit heißem Wasser so stark, daß es im Spital an seinen Verletzungen starb.
* Limburg, 28. Mai 1912. Am zweiten Feier- tage slarb der crne Beigeordnete der Stadl Limburg Dr. Jakob Wolff im 66 Lebensjahre. Mik Dem Verblichenen ist ein Mann aus dem Leben
Priilzesiin Luise von Sachsen-Altenburg verheiratet ist und äls älterer Bruder des in kinderloser Ehe lebenden regierenden Herzogs dem Thron am nächsten steht. Auch der jüngere Bruder des Herzogs, Prinz Aribert, hat keine Nachkommen, wogegen der Ehe des Prinzen Eduard noch ein weiterer Sohn, jetzt neun Jahre alte Prinz Eugen, entspros-
vermischtes.
** Soldatengesang. Zur Förderung des Marschgesanges und der Marschmusik bei den Fußtruppen hat der Kaiser soeben acht Marschlreder unter Begleitung durch die Spielleute und vier Märsche für Spielleute eingeführt. Ferner hat der Kaiser befohlen, daß das Singen anstößiger Lieder allgemein zu verbieten ist. Die vom Kaiser ausgewählten acht Marschlieder sind — wie die „Mil.-Pol. Korrespondenz" meldet — „O Deutschland, hoch in Ehren", „Morgen marschieren wir", „Marsch ins Feld", „Der gute Kanterad", und die allgemein bekannten „Heil Dir im Siegerkranz", „Ich bin ein Preuße", „Deutschland, Deutschland über alles", „Die Wacht am Rhein". Neben diesen acht Liedern bleibt den Truppen das Singen weiterer guter, in den verschiedenen Landesteilen heimischer und dem Mannschaftsgeschmack entsprechender Lieder überlassen. Die Begleitung dazu durch die Spielleute muß durch die Musikmeister bearbeitet werden. Als „Märsche für Spielleute" sind die Armeemärsche „Der Torgauer Parademarsch", „Der Schwedische Kriegsmarsch", „Preußens ®loria"_ und „Der Schwedische Reitermarsch" ausgewählt worden. Diese Märsche sind für Spielleute gesetzt und können auch von den Musikkorps in der Tonart für Spielleute gespielt werden. Die Märsche müssen von allen Spielleuten erlernt werden und sind vorzugsweise dann zu spielen, wenn die Mannschaften nicht singen. Das Spielen weiterer guter Märsche bleibt den Truppen überlassen.
Keine Rose, feine Nelke i
Kann blühen so schön —"
Da brach sie mitten im Liede ab. Hannes Mutter war hinzugetreten und sagte: „Aber Mädchen,
Aus dem Nachbargebiele.
:! Johannesberg, 28. Mai 1912. Daß ein Verein an* ohne öffentliche Feste leben kann, bat sich hier gezeigt. Vor etwa 15 Ja wen hat d r hiesige k a t h o - tische Arbeiterverein seine Fahnenweihe ge- feiert. Er hat feit Dieser Zeit in monatlichen Versa nmlungen durch Vortrag, Gesang und geselliges Zusammensein die Ausgaben des Vereins in ernster Weise zu lösen gesucht, dabei aber jedes öffentliche Fest unterlassen. So war es dem Verein« aller Dmgs zu gönnen, wenn lein gestriges Fest in solch' schöner Weise verlausen ist, wie cs in der Tat war. Die allgemeine Beteiligung, der schöne Festzug unD Das gut ausgesührle Konzert nut der folgenden Belustigung erweckten eine Freude, die auf jedem Gesichte zu lesen war. Besonders wurde die Festfreude noch erhöht durch die zahlreiche Teilnahme au-.wärliger Vereine, unter denen der Geiangverein von Horas durch Vortrag verfchiedener Lieder die Festgäste erfreute.
!:! Lehnerz bei Fulda, 28. Mai 1912. Die an der Straße von Lehnerz nach Niesig aufgestellte, umzäunte Muttergottes st atue wurde in der Nacht auf Dienstag durch ruchlose Hände schwer beschädigt. Der Figur des Jesuskindes wurde der rechte Arm und die Finger der linken Hand abgeschlagen, an der Figur der Muttergottes die Krone zertrümmert. Heutigen Tages ist den Rohlingen eben nichts mehr heilig.
* Schlitz, 27. Mai 1912. Im Jahre 812 weihte Erzbischof Richolf von Mainz die Kirche in Schlitz zu Ehren der heiligen Margarete ein. Zur Erinnerung an diesen Tag soll bekanntlich am 20. September das elfhundertjährige Jubiläum des Bestehens der Kirche durch die evangelische Kirchengemeinde in Schlitz festlich begangen werden. Zur Feier dieses Festes werden nach Blättermeldungen voraussichtlich Kaiser Wilhelm und Großherzog Ernst Ludwig von Hessen in Schlitz anwesend sein.
n Groß-Auheim, 28. Mai 1912. Am nächsten Sonntag den 2. Juni, dem Feste der allerheiligsten Dreifaltigkeit, wird ein neugeweihter Priester, Johannes R o ß m a n n, gebürtig von Altenmittlau (Freigericht) in der hiesigen St. Paulus-Kirche sein erstes hl. Meßopfer feiern. Die kathol. Pfarrge- meinde Groß-Auheims rüstet sich, dieses für die hiesige Gegend seltene Fest würdig zu begehen. Sämtliche katholische Vereine haben ihre Beteiligung an der Primizfeierlichkeit zugesagt. Der Haupt- gottesdienst beginnt an diesem Tage um 8 Uhr. Danach wird der Primiziant den Primizsegen erteilen. Die Gemeinde Groß-Auheim wird an diesem Tage zeigen, daß noch ein fester, katholischer Stamm darin sich findet, der den Priester und das katholische Priestertum achtet und trotz tnannig- sacher, gegnerischen Einflüsse den katholischen Priester hoch in Ehren hält. Bemerkenswert ist, daß der jetzige 9teuf>riefter der zweite Priester ist, der aus seiner Familie hervorgeht. Ein älterer Bruder, der schon vor mehreren Jahren zur Würde des Priestertums gelangt ist, wirkt z. Z. als Pfarrer in Amerika.
♦♦ »affei, 28. Mat 1912. Der vom 16. bis 18. Juni unter dem Protektorat des Herzogs Johann Albrecht zu 9)ledlenburg hier stattfindende evangelische Kolonial-Niisfionstag wird vor» ausuchllich sehr stark besucht werden. Dem Ehren- attsschuß gehören die Spitzen unserer staatlichen und städtifchen Verwaltungen au, darunter Se. Exzellenz der Oberpräsident Hengstenberg, Se. Exzellenz der kommandierende General Frechen von Scheffer- Boyadel, Regierungspräsident Graf von Bernstotff, Oberbürgermeister Müller und viele andere.
* Gn tz-n, 28. Mai 1912. Gestern abend wurde hier aus Dem Zuge heraus eine Dame festge -
2. Blatt
Drück ual vertag der fiwlbaer IttkekwÄtel ’ bi $*IH.
was fällt euch ein! Statt Korn mähen tut ihr Schelmenlieder singen! " Sie ging immer ein wenig gebückt, wie unter einer schweren Last, hatte weiße Haare und ein vergrämtes Gesicht und zwei blaue stille Augen, die jetzt vorwurfsvoll auf den Mädchen ruhten.
„Ach, Mutter Gret", entschuldigte sich Ev, „seid nur net bös! Zwischen die schwere Arbeit hinein da schmeckt so ein Lied tote ein frischer Trunk Wohl, wohl, Mutter Gret: gleich fangen wir wieder zu schaffen an."
Während die beiden Mädchen das Reff schwangen, raffte die alte Gret die Halme zusammen und breitete sie auf den stachligen Stoppeln aus. Dabei wischte sie sich heimlich die Tränen weg und flüsterte: „Ach, das alte Lied, das alte Lied! —" und ez war ihr dabei, als sei eine alte Wunde in ihrer Brust aufgerissen worden, die nun zu bluten an sing. Hier war es gewesen, dort drüben am Feldrain, unterm Holderbusch — wo ihr geschehen war, was nun die Mädchen zum Klang der Sensen sangen:
„Und i weiß no wie heut,
's hat der Mond so schön g’(d)eintt Bist no g'seffen bei mir, *
Eh i fort bin von Die.
Hast nti druckt bei der Hand, Hast mer 'nauszeigt ins Land, Hast Dein Köpferl an mi g’leint, Und hast so bitterli g'weint! —"
Bei jedem Sensenschnitt fielen die Halme mit leisem Rauschen und Knistern zu Boden und deckten den heißen Ackergrund.
Ach, wenn er hätte reden können, dieser heiße, glühende Ackergrund! — Wie viel Schweißtropfen hatte er schon getrunken — und wieviel Tränen! —< Wie viele waren über chn hingeschritten in Hatz oder in Liebe, in Freude oder in Sorgen! Wie viele Flüche, von ungeduldigen Säeleuten ober zornigen Schnittern ausgestoßen, schwebten über ihm in der Luft! — Wie viele Seufzer hatte er vernommen, tote viele Gebete und fromme Wünsche waren in seine Furchen versenkt! — Wie viele Wandlungen hatte et durchgemacht im Laufe der Zeiten, durch wie viele Menschenhände war er gegangen? -» <
MoHMA folgt)
Km Kopftuch hcrvorleuchten, das sie zum Schutze gegen die Sonnenglut lose ums Haupt geschlungen haben.
Schwarz ist die. eine von Haar, mit blitzenden Augen und mit kecken Grübchen in den rosigen Wangen, — und wenn sie lacht, guckt aus ihnen der Schelm, der neckische Kobold.
Etwas größer und blond von Haar war die andere — schlank und biegsam wie eine junge Tanne, mit zartem Gesicht und kleinen Händen, die fast zu zart sind für ein Bauernmädchen. Unter den seidenweichen Wimpern hervor schauten zwei große, blaue Augen, die träumend ins Weite gingen, und der sinnende Zug um den feingefchnittenen Mund verlieh dem schönen Gesichte einen eigenen Liebreiz.
„Du, Hanne," sagte die Schwarze, stemmte den Sensenschaft auf den Boden und ftihr mit dem grün- schillernden Wetzstein in langem Zug über die stählerne Senfenschneide, „meine Sense will heute net recht schneiden. Ter Schmiedhanns hat schlechte Arbeit gemacht."
„Vielleicht liegt's an der Mähdrin," sagte Hanne und hielt nun ebenfalls in der Arbeit inne. „Dir dengelt (das Scharfmachen der Sense) doch der Schmied besser als allen Mädchen im Dorf."
,,£> mein, o mein," lachte Ev, die Schwarze, und stieß den Wetzstein in den „Kumpf", „laß mich mit dem rußigen Schmied in Ruh'! — Wenn der ein Mädel läßt, nachher hat's einen schwarzen Ring ums rote Schnäbelein —"
Die Mädchen lachten. Das klang so hell und fein wie zwei Glöcklein übers Feld. Und als ob sie den Schmied und sein Handwerk höhnen wollte, fing Ev zu fingen an:
„Sein Feuer, lei te Kohle ' —
Kann brennen so heiß, ' f Als heimliche Siebe,
Von der niemand nichts weiß: —*
nommen, die in Gießen einen Betrag von etwa IS 060 Mk. in Goto und Papier gestohlen haben lott. Das Geld batte sie ihrem Besin
!! Klein-Krotzenburg, 28. Mai 1912. Nächsten Sonntag den 2. Juni ftndet die erste Wallfahrt auf die Liedscanenhatde tt-stt. Um 6 Uhr ist dort Gelegenheit zur hl. Beicht. Ein Franziskanerpater leistet Aushilfe. Um 1/08 Uhr ist eine hl. Messe und Austeilung der hl. Kommunion. Die hl. Messe wird gehalten, wenn auch die Witterung ganz ungünftig sein sollte. Nach der hl 'Messe ist sakramentalrsche Betstunde bis zum Beginn der Festpredigt und Andacht. Um 1410 Uhr ist hier Hochamt und Predigt. Nachmittags 2 Uhr Prozession nach der Kapelle, dort 3 Uhr Predigt und Andacht. Um 2,31 lUr kommt ein Zug von Frankfurt, Offenbach und Hanau in Hainstadt an, der zum Besuche des Gnadenortes sehr günstige Gelegenheit bietet.
* Aus dem Nheingan, 27. Mai 1912. Bei den Bohrungsarbeiten zur neuen Rheinbrücke ist man auf eine Salzquelle gestoßen. Die Quelle wurde bei Geisenheim in einer Entfernung von etwa zwanzig Metern vom rechten Ufer mitten im Fahrwasser angebohrt und zwar in einer Tiefe von 22 Metern. Das Waster sprudelt mit hohem Drucke aus dem Bohrloche heraus und ist sehr stark salz-
ergießt sich behaglich-glucksend in den moosüberspon- neuen Trog, auf dem ein Paar Täubchen sitzen und ihre Schnäbel in die kühle Flut tauchen, und ein Heer von Insekten tanzt und geigt lautlos über dem schillernden Wasserspiegel.
Alles laute Leben hat sich von dem Dorfe zurückgezogen, hinaus auf die Straße und auf die Felder. Dorther ertönt Wagengerassel und gellender Peitschenknall durchschneidet die Luft. Manchmal steigt auch ein Helles Lied von den Feldern auf u. schwingt sich wie ein jauchzender Vogel empor: ein Gruß der Erde zum Himmel!
Allenthalben rühren und regen sich fleißige Menschen — Menschen mit breiter Brust und starken Armen, voll von strotzender Kraft und von freudiger Siegeszuversicht. Denn ob sie auch im Schweiße ihres Angesichts die Erde bebauen, fühlen sie sich doch jetzt, wo sie die goldenen Früchte einheimsen. als Herren der Erde, als kleine Könige auf dem Fleckchen Heimaterde, das ihr Eigentum ist, an dem sie mit heißer Liebe hängen, mit dem sie verwachsen sind wie das Herz mit dem Leibe.
Und voll Stolz blicken sie auf die Frucht ihrer Arbeit und ihres Fleißes und haben allen Grund dazu: hoch und dicht steht das Roggenfeld, so oft ein Windhauch darüber streicht, neigen sich die Halme wie glänzende Wogen und die schwanken Aehren mit den langen, seinen Grannen blitzen wie goldene Funken aus dem Halmenmeer auf. Dann aber fallen sie unter der Hand der Schnitter, schmiegen sich zu schweren Garben zusammen, füöen die Wagen und bilden eine überreiche goldene Last, die sorgsam in den Scheunen geborgen wird.
Aus dem breiten Ackerfeld, dicht an der staubigen Landstraße, schwingen zwei junge Schnitterinnen mit kräftigen Armen das blitzende Reff (Reff = Sense mit leichtem Holzgestell zum Zusammenraffen der Halme), daß der blanke Stahl zischend in die zittern- den Halme sährt und sie der Mutter Erde, der sie entsprossen, an die Brust legt.
Zwei blühende Mädchengestalten in roten Röcken und weißbauschigen Blusen, aus deren kurzen Aer- meln die kräftigen Arme mit ihrer lichtbraunen Tönung wie erzgegossen hervortreten, während Hals wäch «nd weiß wie frischer Schn« unter
"MauernbLut.
1] Roman von Felix Nabor.
Erste- Kapitel.
Ein glühendheißer Sommertag mit glitzerndem Sonnenschein in den Lüften, ein stilles Träumen in der Natur, ein wonniges Rasten nach langer reisender Arbeit, welche die Fülle gebar und den reichen Gottessegen übet das Land ausstreute: wogende Kornfelder und fruchtschwere Bäume!
Erntezeit! Blauer, strahlender Himmel und goldener Sonnenschein, der Berg und Tal mid Wälder und Felder überschüttet und das Dorf, das träumend im Schatten der Bäume liegt, in Glast und Glanz einhüllt.
Wie ein goldenes Meer dehnen sich die Fruchtfelder, füllen das Tal und steigen breitwallend die Hügel hinan, auf deren schimmernden Kämmen sie frohlockend ihre glänzenden Fahnen schwingen.
Gegen Norden steigen, von blauem Duft umsponnen, die dunklen Wälder an, und ihre Wiesel erstrahlen in rotgolbenem Schimmer, als habe der liebe Herrgott Goldstaub in die satten Farben gemischt. Da, wo sich die Wälder zu den Tälern und Schluchten hinabsenken und der Sonne entbehren, liegen sie dunkel und geheimnisvoll, und weiße Wölkchen ziehen wie silberne Schwäne Über sie hin.
Ein Tag, so schön wie ein hohes Freudenfest, ein Hymnus zum Preise des Schöpfers, der in den rei- fenben Feldern eine Allmacht und Größe, seine Fürsorge und feine Liebe verkündet und im Wirken der geheinmisvollen Kräfte der Natur täglich tausend schöne Wunder offenbart. Auch das Wachsen und Reisen der Früchte auf den Feldern und auf den Bäumen ist solch ein Gotteswunder, das sich in strahlender Schönheit vollzieht; denn alle Halme und Achten, alle Kveige und alles glitzernde Laub, jedes Dach und jeder Stein, jeder Grashalm und alle Büsche sind von Gold umsponnen und werden von der Liebe Gottes wie von zarten Mutterarmen gewiegt und von seinem Odem umweht!
Das Dorf liegt in tiefstem Schweigen. Nur der Brunnen schtoM ohn^UMerlatz, j«, bünnetjfaa^
Deutsches Reich.
+ Ein Rechtfertigungsversuch des Herrn von .Aarborff. Ter sreikonservative Abg. v. Kardorff hatte bekanntlich bei der 3. Lesung des sogen. Be- sitzbefeftignngsgesetzes die Geschmacklosigkeit begangen, dem Zentrumsredner Abg. Marx vorzuhalten, daß, obwohl er ein hohes Staatsamt bekleide, die Ostmarkenpolitik der Preußischen Regierung bekämpfe. Herr v. Kardorff sucht sich jetzt in einer Zuschrift an die „Post" damit herauszureden, daß er nicht gegen Ausführungen polemisiert habe, die der Abgeordnete Marx im Abgeordnetenhause gemacht habe, sondern gegen Aeußerungen, die „der Oberlandesgcrichtsrat Marx vor einigen Jahren in Breslau zu tun für gut befunden hat". Diese Feststellung des Herrn v. Kardorff ändert an der Sache gar nichts, und Herr v. Kardorff hätte bester getan zu schweigen, wenn er nichts anderes vorzubringen wußte. Wenn Herr v. Kardorff übrigens am Schluß seiner Zuschrift glaubt, der Zentrumspresse einen Vorwurf daraus machen zu können, daß sie ihm „eines Mangels an Wohlanständigkeit" geziehen hat und sich dabei darauf beruft, daß der von der Zen- trnmspariei „inszenierte minutenlange Lärm und die gegen mich gerichteten ehrenbeleidigenden Zurufe" sich als eine schwere Verletzung der parlamentarischen Würde charakterisiere, so heißt das doch, die Tatsachen auf den Kops stellen. Herr v. Kardorff hat das Zentrum in der schwersten Weise herausgefordert, und wenn dieses daraus durch Zwischenrufe protestierte, so wird niemand darin ein beleidigendes Verhalten des Zentrums erblicken können. Aber selbst, wenn das der Fall wäre — einen Beweis dafür, daß vom Zentrum beleidigende Zurufe gemacht worden sind, vermag Herr v. Kardorff nicht zu erbringen, er selbst muß zugeben, daß sie erfreulicherweise nur zum Teil Aufnahme im an lichen Bericht gefunden haben — so wäre das doch noch lange keine Entschuldigung für die schwere Beleidigung, die Herr v. Kardorff dem Abg. Marx zugefügt hat.
* Die Getreidepreise fallen. „Die Getreidepreise steige n," so kann man noch immer in der roten Presse lesen. In der Tat sind sie auch gegen Ende April ziemlich angestiegen, besonders bei Weizen, während der Roggenpreis — infolge der großen Jn- landsvorräte, wie" die Marktberichte besagen — nur mäßig nach auswärts ausschlug. Wir haben schon öfter auf die bemerkenswerte Tatsache hingewiesen, daß die sozialdemokratischen Blätter nur immer die jeweiligen Preis aufschläge in dem immerwährenden Auf und Ab der Preise verzeichnen, von den Senkungen der Preiskurven jedoch nichts vermelden. So auch jetzt. Seit Anfang bis Mitte Mai sind nämlich die Preise wieder merklich zurückgegangen. Die Roggenpreise stehen sogar (nach Ausweis des Wochenberichts der Preisberichtstelle des Deutschen Landwirffchastsrats Nr. 20) wieder auf dem Stand toie vor der Steigerung. Auch die Weizenpreise sind auf die Höhe zurückgefallen, die sie Mitte April hatten. Wie sehr wir recht hatten, vor Ueberschätzung der zu Zwecken der Preistreiberei in die Welt gesetzten schlechten Saatenstandes und Ernteaussichten vor ollem aus den Ueberfeelänbern zu warnen, zeigt sich letzt. Ende April hieß es ja, daß in den Ausfuhrländern überall Mindereriräge zu erwarten seien, und gar erst der „Kälteschaden" hatte die Dinge noch sehr verschlimmert. Heute weiß man, daß an den Börsen von Chicago und Newyork eine wohlorgani- Jierte Preishochtreiberei tätig war, die nunmehr zu- ammengebrochen ist. Die schlechten Nachrichten wa- ren also im Interesse jener Spekulation schwarz gekörbt. Heute lauten die Nachrichten aus allen Ausfuhrländern ganz wesentlich günstiger, und darum fallen auch bei uns wieder die Preise. Die ganze Aufregung war also umsonst, und wir hatten völlig recht, vor diesen internationalen Bluffs und deren parteipolittscher Ausbeutung zu warnen.
t — Dessau, 28. Mai 1912. Bei dem Prinzen Joachim Ernst von Anhalt ist eine Blind- darmoperation borgettommen worden. Sein Befinden gibt zu ernsten Befürchtungen Anlaß. — Es handelt sich um den zukünftigen Thronfolger, einen im zwölften Lebensjahr stehenden . Sohn des Prinzen Eduard von Anhalt, der mit der