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Samstag den 18. Rai 1912.

59 Zayrsanz.

m fuldaer U Zeitung

2. Blatt.

U vr«<k unb ©erlag 6er guibatr Zdtent ni(?erd ii Suita.

veutscher Keich.

Lund kann versichert sein, wenn er nach seinem

K Die Nerven in Ser PsNtrk.

d e r n Seite Vorhaltungen machen will, sorge vor

** Einen Fall krasser Intoleranz schildert der Abgeordnete Erzberger in einem Artikel, den wir in

heit. Das hat schon mancher beklagt oder gar als einen Fehler der Weltordnung gescholten. Aber ist nicht die Unsicherheit eine Stütze und ein Trost? Wenn der Mensch die Gewißheit hätte, noch so und so lange zu leben, so würde er nur zu oft der Versuchung unterliegen, in der garantierten Zwischenzeit noch über die Stränge zu schlagen. Manchem ginge es ähnlich, wie dem Schüler, der für die sünf Ferien­wochen eine Portion Aufgaben bekommt. Ach, fünf Wochen ist ja eine furchtbar lange Zeit! Die Ar­beit wird verschoben und verschoben, bis sie schließlich nicht mehr zu bewältigen ist. Und welche Angs! würde uns befallen, wenn die garantierte LebenS- frist zu Ende ginge? Wir würden die Todesqual je vervielfältigt zu überstehen haben. Darum seien wir zufrieden mit der Verschleierung des Tages und der Stunde. Die Vernunft ward uns ja nicht umsonst gegeben, und wenn wir von der Vernunft Gebrauch

in der Vollkraft seiner Jahre sagt sich vielleicht, daß sein Herz und sein Gehirn noch stark genug seien, sodaß er einen plötzlichen Tod durch Schlaganfall nicht zu befürchten habe. Als wenn das jähe Ster­ben immer von innen heraus kommen müßte! Auch die jungen und die kräftigsten Körper können in einem Nu zerschmettert werden durch irgend einen Unfall, der im Getriebe des modernen Lebens noch häufiger auf uns lauert, als in den früheren ein­fachen Verhältnissen. Wenn ich nach Vollendung dieses Artikels die Straße entlang gehe, so kann ein fallender Blumentopf, ein wildgewordenes Pferd, ein versagendes Automobilsteuer und so manch an­dere „zufällige Kleinigkeit" meinem Leben ein Ziel setzen, sodaß meine Angehörigen mich ebenso aus der

Der Bürgerkrieg in Persien steht für die Regierung sehr schlecht. Der Sadar el Dauleh hat die Negierungstruppen bereits ohne Hilfe seines eigentlichen Rückhaltes, der Kurdistaner, glänzend besiegt, England und Rußland haben natürlich ihre Hand im Spiele und lasten das unglückliche Land nicht zur Ruhe kommen.

liberalen auf die Dauer nicht völlig an die Wand gedrückt werden wollen.

Dänemark steht an der Bahre seines Königs Friedrichs VHL, der im 69. Lebensjahre ganz uner­wartet auf der Durchreise in Hamburg am Herz­schlag verschieden ist. Den königlichen Thron Mne- marcks besteigt jetzt Kronprinz Christian, der mit Alexandrina von Mecklenburg vermählt ist.

In England ist die Homerulevorlage mit 372 gegen 271 Stimmen in zweiter Lesung angenommen wordem Die hohe Präsenzziffer des Hauses tat kund, wie hoch die Bedeutung dieser Vorlage von allen Parteien eingeschätzt wurde. Die Opposition versuchte noch im letzten Augenblick, die Vorlage zu Fall zu bringen, aber der Premierminister war sei­ner Sache sicher. Die Opposition gegen das Arbei­terversicherungsgesetz mehrt sich dagegen immer mehr und die Unionisten haben sich toieber fest zusam­mengeschlossen. Bedenklich erscheint es, daß dem britischen Reiche wieder ein neuer Streik droht, der um so verhängnisvollere Folgen haben könnte, als die Wunden des Kohleuarbeiterstreiks noch keines­wegs vernarbt sind. Diesmal handelt es sich um einen Ausstand der Seeleute, denen sich auch die Transportarbeiter, die Kohlentrimmer usw. 'an­schließen wollen. Die radikalen Elemente der eng­lischen Arbeiterschaft sind in rühriger Wühlarbeit tätig

Charakter, und es bleibt mir die ernste Mahnung übrig, daß bei den unvermeidlichen Hebe v-

Augenmaß gewahrt und nervöse Entgleisungen der Zunge vermieden werden.

g a n g s s ch w i e r i g k e i t c n die größte Vorsicht geboten ist und namentlich bei der Behandlung von erregenden Einzelheiten die weise Rück­sicht auf das g r o ß e n n d g a n z e nicht außer Acht gelassen werden darf. Das gilt für beide Seiten. Wer den verantwortlichen Männern auf der a n

ßen und heftigen Debatten seinen Gegnern zurufen, sie möchten nur seinen Puls fühlen, der bleibe bei 60 Schlägen. Ein ganz glänzendes Beispiel von seiner Nervenzucht gab er in der bekannten Kull- man n-Debatte vom Herbste 1874, als Bismarck der Zentrumsfraktion den Attentäter an der Rock­schöße hängen wollte, so daß der Abg. Graf Balle­strem in das weltberühmte „Pfui" ausbrach. In­mitten des parlamentarischen Orkans schritt Windt- horst langsam die Tribüne hinauf und hielt bann in aller Ruhe unb in meisterhafter Sachlichkeit eine Rebe zur Berichtigung unb Beschwichtigung, bie zu seinen bebcutenbsten Erfolgen gerechnet werben barf.

Tie Beherrschung der Nerven ist für ben prak­tischen Politiker notwendig, um ihn von Entgleisung der Zunge und vor Irrungen im Augenmaß zu bewahren. Wenn bie Nerven vibrieren, so ver­schieben sich leich die Größenverhältnisse; Kleinig­keiten werden überschätzt und von der gereizten Phantasie zur Hauptsache ousgcbauscht, während die großen und entscheidenden Gesichtspunkte und In­teressen dahinter xurückgedrängt werden. In dieser Stimmung drängen sich heftige Worte auf die Zunge und sprudeln hervor, ehe sie abgewogen sind. Wenn der Zuhörer nun auch nervös ist, so berücksichtigt er nicht bie Umstände, die den Stimmungsausbruch verschärft haben, sondern legt die impulsiven Worte in der denkbar schärfsten Weise aus, als ob hinter jeder Silbe eine wohlüberlegte Ansicht und eine fest- beschlossene Absicht stecke. Noch schlimmer wird die Sache, wenn unter d-m (mittelbaren und unmittel­baren) Zubörern sich arglistige Elemente befin- finben, bie das Augenblickswort für gegensätzlichen Zweck auszubenten suchen. So ergibt sich aus der Mißstimmung auf der einen Seite Mißstimmung auf der anderen Seite, aus dem Mißverständnis hüben Mißverständnisse drüben, aus der übertreiben­den Anrede noch mehr übertreibende Gegenrede.

Wenn im gewöhnlichen Leben bie Geister unb bie Zungen aufeinanderprallen, so finbet man oft einen glücklichen Beruhigungspunkt in ber Formel: Es war nicht so schlimm gemeint! Auf dem Ring­platz des öffentlichen Lebens kommt man nicht

machen, so werden wir uns einfach andauernb bereit halten. „Bereit sein ist alles", sagt ein welt­weises Wort von militärischem Ursprung. Darin steckt auch höhere Weisheit. Bereit sein ist bas beste unb einzig wirksame Mittel gegen die lieber« raschung durch ben Tod. Bereit fein, immer bereit fein ist bie Gewähr dafür, baß ber Todestag zum Himmelfahrtstage weiche.

Am Himmelsahrstag ist das schönste Fest ber Hoff nun g. Ta kann man sich wahrhaft bes Lebens freuen. Wieso? Bringt benn bas Le­ben auf Erben so viel Erfreuliches mit sich? Leider nein. Wo man auch hinsieht, bekommt man Häß­liches und Trauriges vor Augen, unb wo man hiu- horcht, vernimmt man echte Seufzer neben trüge­rischen Lustausbrüchen. Viele Leute sagen, bie Welt werde schlechter mit jedem Tag. Soweit braucht man im Mißmut nicht zu gehen. Aber richtig ist, daß bie Welt schlecht bleibt auch in unseren modernen Tagen. Und doch sollen wir uns des Lebens freuen? Nun ja, gerade deshalb, weil das gegenwärtige man­gelhafte Leben uns die Möglichkeit gibt, ein besseres zukünftiges Leben uns zu sichern. Das Leben auf Erden ist bei Güter höchstes nicht, aber es ist ein Mittel, um ber Güter höchstes zu erringen. Wer noch lebt, ber kann noch für feine Himmelfahrt for- gen. Es kommt nur auf ben guten Willen an. Da­her bie beruhigende Hoffnung, daher die Lebens­freude, daher der starke Mut und die unerschütter­liche Ausdauer in den Mühen und Nöten des Erben­wallens. —

Wir leben noch. Aber wie lange noch? Darauf weiß uns niemanb zu antworten, und wir selbst erst recht nicht. Der Mensch in seiner Jugendblüte oder

zwar wiche Gefahren, die sich aus den Lebensgewohn heften und der Betätigungsart in den sogenannten besseren Kreisen ergeben. Darum ist der blinde Neid auf jeden anscheinend „Bchergestellten" nicht bloß häßlich, sondern auch unklug. Es ist doch noch sehr fraglich, ob er wirklich das bessere Los für bie irdische Laufbahn gezogen hat.

In Marokko haben Frankreich und Spanien schwer zu kämpfen. Die französischen Machtinhaber sind dort viel zu selbstherrlich vorgegangen, als daß das so sehr unabhängig gesinnte marokkanische Volk sich darein gesunden hätte. Jetzt steht das ganze Land in Hellem Ausruhr, und sogar die Spanier an der Nordküste, die sich doch nach dem bitteren Kampfe des letzten Herbstes einigermaßen gesichert fühlen dürsten, haben schon wieder mit Unruhen zu tun. Frankreich hat sehr bedeutende Truppenmassen nach Marokko geschickt. Der Sommer ist aber inzwischen mit seiner Hitze hereingebrochen, so daß für abseh­bare Zeit eine bis in die abgelegensten Wüffen- gegenben an ber algerischen Grenze reichende Be- ruhignngsaktion sicher nicht möglich sein wirb.

Auch für Tripolis steht eine schwere Zeit für die Italiener bevor. 7'" ~ ‘ ~

mehreren Blättern finden. Im Elisabethstist der Grauen Schwestern in Berlin befinden sich neben kath. auch einige p r o t e fi a n tif ch e Personen, bie letzteren, einige Pvftbeamtinnen, fönst meist h o ch- b e t a g t e I r a n I e Ü e u t e. Diese müssen nun in­folge einer polizeilichen Verorbnung gegen ihren ausgesprochenen Willen aus dem Stift heraus, weil ber Polizeipräsident nicht bulbet, daß sie a l s P r o t e ft a n t e n in einer katholischen

in Berlin seinen dritten Bundestag ab. Wer noch bisher an bie parteipolitische Neutralität des Bundes — eine ber wesentlichsten Voraussetzungen für eine wirtschaftliche Vereinigung — geglaubt hat, ist durch diesen Bundestag eines bessern belehrt worden. Daß wieder offiziell im Geschäftsbericht das Publikations­organ des Bundes, die „Deutschen Nachrichten", die nichts anderes sind als ein linksliberales Parteiorgan, empfohlen wurde, daß sogar von Mit­gliedern des Bundes selbst festgestellt wurde, das offizielle Organ: „Die neue Beamtenzeitung" ver­letzte die parteipolitische Neutralität dadurch, daß es nur die Anträge bringe, die von liberalen Parteien im Reichstag gestellt worden sind, soll nur nebenbei erwähnt werden. Der Bundestag befaßte sich in der Hauptsache mit der Aenderung seiner P r o - g r a m m foröerungen unb ber Ausstellung von Richtlinien für bie Beteiligung an politischen Wahlen. Dabei kam klar zum Ausdruck, wie man sich in den Kreisen des Bundes bie parteipoli­tische Neutralität denkt. Das Bundesprogramm enthält heute schon die Forderung ber Erweiterung ber Neichserbschaftssteuer unb ber Ein­schränkung ber indirekten Steuern auf bas un­erläßliche Mindestmaß. Einer der Führer im Bunde der Festbesolbeten sprach es offen aus, daß er gerade von der Stellung des Bundes zu diesen beiden For­derungen seine ganze Stellung zum Bunde ab­hängig machen müsse. Wenn der Bund die Wirt­schaftspolitik des Freihandels nicht propagiere, bann habe er seinen Beruf verfehlt. Man fragt sich, was geht denn ben Bund ber Festbesoldeteu die Erb­schaftssteuer an? Den nationalliberalen, konserva­tiven unb Zentrumswählern, die alle auf dem Standpunkt unserer heutigen Schutzzollpolitik stehen, macht der Bund bie Mitgliedschaft durch seine frei» händlerischen Forderungen einfach unmöglich. Der Bund soll doch ehrlich Farbe bekennen. Er sollte sich doch ehrlich als eine Filiale der Fortschritt­lichen Volks Partei erklären; denn es erregt nur Lachreiz, wenn der Bund trotz alldem in seinen

den. Ist das der Fall, so wird man ein erregtes Augenblickswort nicht noch durch eine nervöse Aus­deutung verschärfen, sondern vielmehr nur den­jenigen Kern heran sfchälen, der realpwli- t i | cf) als Symptom unb Willensmeinung haltbar

llrsprungsstelle des Slimmungsansbruchs ist. Die Politik ist wie eine Dor-ellankammer; wenn die Ner­ven walten, gibt's Scherben.

Bedauerlich, aber menschlich! Es wird immer

Der Bund der Frstbrsoldetcn, die vor zwei Jahren gegründete wirtschaftspolitische Vereinigung ber Staats-, Kommunal- unb Privalbeamten, hielt

Wochen-Uundichau.

I:] Fnlva, 18. Mai 1912.

Ter Reichstag hat, wie kürzlich bie Wehrvorlagen, so auch jetzt die M a r i n e ö o r l a g e in zweiter Le­sung gegen bie Sozialdemokraten unb einige kleine Gruppen angenommen, unb zwar, um ben Ernst des beutschen Volkes in ber Festigung ber deutschen Wehrmacht zu bekunden, einmütig ohne Debatte. Die Einmütigkeit war so groß, daß man sich sozial- demokratischerseits über bett neuen „Bewilligungs­block' entrüstete. Diese Entrüstung trifft doch wohl daneben. Gewiß darf nicht aufs Geratewohl hin ohne Kritik und Nachprüfung alles bewilligt werden, was von irgend einer Seite verlangt ober angeregt wird. Aber die Arbeiten der Kommission sind doch sehr gründlich und bauen sich auf eine weitreichende sachkundige Untersuchung der militärischen und in­ternationalpolitischen Lage auf. Große Reden im Plenum des Reichstages Hütten diese Untersuchung in der Kommission weder vertiefen noch weiter klä­ren können. Der Verzicht auf Reden zum Fenster hinaus wird unseren geliebten Vettern jenseits des Wassers gezeigt haben, daß wir bei aller Friedens­liebe nicht gesonnen sind, uns an die Wand drücken zu lassen.

Tie Zusammenstöße der Sozialdemokra- t e n im preußischen Abgeordnetenhause mit dem Präsidenten werden ein gerichtliches Nach­spiel haben, da ber Staatsanwalt gegen bie Abg. Borchardt und Leinert wegen Hausfriedensbruchs ' und Widerstandes gegen bie Staatsgewalt einschrei- ten will. — Im dayerischen San b tage neh­men bie scharfen Reibungen zwischen rechts unb links kein Ende, es kann jedoch bestätigt werden, daß die Förderung der Etatsberatung in den letzten Ta­gen gute Fortschritte gemacht hat.

Ter Kaiser ist von seiner Erholungsreise nach Korfu zurückgekehrt. Bei feiner Rückkehr wurde der bisherige Botschafter in Konstanttnopel, Mar­schall von Biberstein zum deutschen Gesandten in London ernannt anstelle bes hochbetagten Grafen Wolfs-Metternich. Man sagt bem Herrn v. Mar­schall nach, daß er ber fähigste Diplömat fei. — Der Kaiser stattete bei feiner Reise durch Süddeutschlanb auch den R e i ch s l a n ö e n einen Besuch ab. Dort sollte er nun seinem Unmut über bie letzten Aus­einandersetzungen in ber neuen reichsländischen Kammer in überaus großer Offenheit Ausdruck ge­geben hoben. Er soll gesagt haben, wenn es nicht anders toürde, bann schlüge er bie neue Verfassung entzwei unb mache die Reichslcmde zu einer preu­ßischen Provinz und ähnliches. Daß ber Kaiser über manche Beschlüsse, bie sich bie neue Kammer geleistet hat, nicht gerabe entzückt gewesen sein wird, ist wohl glaubhaft. Er wirb aber als großer Men­schenkenner nicht übersetzen haben, daß berarttge Er­scheinungen bei allen jungen Parlamenten zu ver­zeichnen sind, die man besser nicht allzu tragisch neh­men sott.

Ter nationalliberale Parteitag ist, wie cs nicht anberS zu erwarten war, durchaus programmätzig verlausen. Bon ber „Einheit und Geschlossenheit" der nationalliberalen Partei ist auf bem Parteitag zwar viel gerebet worden, in Wirk­lichkeit aber bedeutet ber Parteitag nichts mehr als eine bloße Verkleisterung des klaffenden Risses in ihr. Es bleibt alles beim alten, wenn man nicht noch weitergehen will und sagt, daß der Einfluß und die Machtstellung des Reichsverbandes ber Jungliberalen eine erhebliche Steigerung erfahren hat. Ter Reichsverdand hat zwar formell feine Rechte verloren, tatsächlich aber bleibt er nach wie vor eine Partei in ber Partei. Wie es mit der Wahrheit bestellt ist, kann man erkennen, wenn man daran denkt, wie auf dem Parteitag von der einen Seite ein Paktieren mit ber Sozialdemokratie unbe­dingt abgelehnt, von der anderen Seite aber ein Zu­sammengehen mit ihr als Notwendigkeit bezeichnet wurde. Ein weiterer Beweis, daß es mit der Ein­heit nicht allzu weit her ist, ist der, daß rechtsstehende Elemente innerhalb der Partei sich nach dem Muster des Neichsverbandes der Jungliberalen ebenfalls zu einer besonderen Organisation zufammenschließen wollen. Tas wird allerdings auch eine Notwendig­keit fein, wenn bie Rechtsliberalen durch die Jnng-

an. Ob es eine Himmelfahrt fern toirb, das ist I Gefahren für bie Gestindtzeit entgegenstehen und bann die alles entscheidende Frage zwar solche Gefahren, die sich aus den Lebensgewohn

Alle sollten sich klar machen, daß die B e herr­sch ungder Nerven eines der wichtigsten Hilfs­mittel für politische Erfolge ist. Ruhig Blut

। wird noch etwas Bitteres tzincingeprcßt. Es wird umsomehr gebeutelt um) ausgebeutst, je höher die

Unb ber Christ sagt sich obendrein: Ach, was kommt denn schließlich auf das irdische Los an? Erst wenn der Tod die Menschen mit seinem unerbittli­chen Finger berührt hat, bann wird entschieden über Glück ober Unglück, über Ehre ober Schande, über Heil oder Verderb. Tie Totenglocke ruft alle gleich mäßig zum Gericht, und von der Gerichtsstätte teilen j » --------U11U) VUCU|y UUS) UKl

sich die Pfade: rechts auswärts zur Himmelfahrt, die ! Leichenhalle hcraussuchm müßten, wie bie Ange- Vielleicht noch durch einen Läuterungsprozeß etwas i hörigen des Königs von Dänemark ihren vermißten verzögert, aber nicht aufgehoben wird, — links ab- I Monarchen. Keinen Augenblick sind wir in Sicher- wärts zur Fahrt in bie Verworfenheit. !,pit «,ü,.— --

Unpolitische Zeitlaufe

N. Berlin, 9. Mai 1912.

«Nachdruck verboten.)

Ter Tod ist ein Demokrat, ein rücksichtsloser De­mokrat, der vor nichts und niemanden Respekt hat. König Friedrich von Dänemark ist soeben bem Tode zum Opfer gefallen, als er auf der Durchreise durch Hamburg einen Spaziergang durch die Straßen machte. Ter alte Herr liebte solche Wanderungen nach Art des Harun al Raschid; auch in Kopenhagen mischt: er sich oft ohne jede Begleitung int bürger­lichen Kleid unter die Straßenpafsanten — bis — er zufällig erkannt wurde und sich der öffentlichen Aufmerksamkeit entziehen mußte. In Hamburg er­kannte ihn niemand, als nur ber grimme Tob, besten unsichtbarer Finger gegen ihn bereits gezückt war. Unb als bei alte ferr unter einem Herzschlag zu­sammenbrach, ba erkannte ihn auch der Schutzmann nicht, der zur Hilfe des Wankenden herbeieilte. Der König vermochte kein Wort mehr zu sprechen. Man brachte ihn ins Krankenhaus und dort nach festge­stelltem Tode in die Leichenhalle — gerade wie jeden anderen Unbekannten, der auf der Straße zusam­menbricht. Ob man nicht dem fast siebzigjährigen unb schon lange leibenben Herrn einen Begleiter hätte folgen lassen müssen — wenigstens e.inen heim­lichen Begleiter auch ohne sein Wollen unb Wissen

haben wir nicht zu untersuchen. Der erschüt­ternde Vorgang toirb überall als ein Memento mori totrfen, als eine ernste Mahnung an bie stete Todes­gefahr. Mitten in dem Leben sind wir vom Tob um­fangen — wir alle, bie Großen biefer Welt unb bie gewöhnlichen Leute, bie Reichen unb bie Armen, bie Alken und bie Jungen. Wenn wir ausgehen, so wissen wir nicht, ob wir auf eigenen Füßen heim­kehren werben, und wenn wir irgendwo eintreten, fo wissen wir nicht, ob man uns nicht toirb hinaus­tragen müssen. Das irbische Leben hängt fortwäh­rend nur an einem 1 eibenen Faden, der jeden Autzen- olick reißen kann. Tann sinkt ber Körper in sich zu­sammen zu einer kraftlosen Masse, unb bie Seele intt in demselben Augenblicke die Fahrt ins Jenseits

Es gibt Letzte, bie schon hier auf Erden alles „g l e i ch" machen wollen. Ihr Ideal ist ein Wald, in dem alle Bäume auf die gleiche Breite und Höhe gestutzt sind. Keiner soll vor dem anderen irgendwie etwas voraushaben. Das entspricht nicht ber Na­tur, wie sie sich hier in ber irdischen Wett entfaltet. Die Natur ruft fortwährend und überall ungleich­mäßiges hervor: sie schafft bie mannigfaltigsten Ver­schiedenheiten unb Wstufungen. Im Diesseits gibt es keine Gleichheit der Formen, der Kräfte, der Fähigkeiten und der Erfolge. Aber diese Ungleich­heit, welche die Naturgesetze herbeiführen, findet schließlich wieder ihren Ausgleich. Zunächst darin, daß alles nur vergänglich ist. Auch das größte und erhabenste, was in der irdischen Welt sich bil­den kann, hat nut ein Augenblicksbasein. Es ver­geht und versinkt, und die Dauer seines Bestandes ist wie ein Nichts, wie der millionste Teil einer Sekunde int Vergleich zu der Ewigkeit. Am deutlichsten zeigt sich die Vergänglichkeit in ber menschlichen Herrlich­keit. Die Schönheit, die Gesundheit^ die Kraft und die Macht und der Besitz und alle sonstigen Vorzüge der Mitmenschen, die so sehr geliebt und gepriesen unb betreibet werden, sind im Grunde genommen nicht mehr wett, als das Blümchen am Wegesr.rnd, das jeden Augenblick unter einem Rade oder einem Fußtritt oder unter der Hand eines mutwilligen Kindes zunichte werden kann.

Der Tod macht alles gleich, sagt man. Aber doch sind wir nach dem Tode nicht alle in der glei­chen Lage. Der Tob behanbelt alle gleichmäßig; er schont auch bie reichsten und mächtigsten und bie berühmtesten nicht. Auch bie Gehilfen des Todes, bie Krankheiten, gehen unparteiisch vor ohne Ansehen ber Person. Vielfach glaubt man, baß bie Großen dieser Welt von Krankheft und Siechttmi besonders geschützt seien, da alle Heilkünste und alle Gesundheitsmittel zu ihrer Verfügung ständen. Aber ist es wirklich um die Gesundheit und die Lebensdauer der Wohlhaben­den und Vornehmen im Durchschnitt erheblich bester geftellt? Ich glaube nicht, und die Erklärung liegt wahrscheinlich darin, daß den künstlichen Mit­teln zur Erhaltung der Gesftndheft natürliche

neu aufgestellten Richtlinien für die parteipolitische Detäuguua noch behauptet: Ter Bunde trete nicht als eine selbständige parteipolitis« Gruppierung,

.. , , ,, , : so leicht zu einem Ausgleich ans einer solchen Grund-

. ... ... D« Sonnenglut der Sand-Jage. Tas heftige Woit, das da gefallen ist, wird

wüste ist wohl für die Amber, nicht aber für die anSgepreßt bis auf den letzten Tropfen, und häufig Italiener erträglich. Das Hauptgewicht der Kriegs 1,1 ' ■ — • • -

operativ» richtet sich daher offenkundig neuerdings auch gegen die Inseln im griechischen Meere. Diese Besetzung der türkischen Inseln aber läßt die Tür­ken kalt und macht höchstens den Griechen Freude, die sich schon übet das „Prinzip" freuen, wonach eine dreimal von der Türkei losgerissene Insel nut christlicher Bevölkerung ihr nicht wieder zusallen dürfe, worüber natürlich nicht das „Prinzip", son­dern die Mächte entscheiden werden.

tut gut!

wieder mal Vorkommen, baß die Nerven an Stelle des bedächtig abinägenben Verstanbes den Augenblick beherrschen. Tann gilt es, sich mit diesem gelegent­lich anftretendeu Temveramentsansbruch abzu- finden in ruhiger Priismig aller Mißstände und,___ _____ , , , _______ _ ,,

in einer v o r s ichtigen Urteilsbildung. 1 sondern als eine parteipolitisch neutrale' Organi- Man muß zurückgehen auf die Wurzeln der Miß-1 sattou auf. Der Bund hat auf seinem Verbands- stimmung und auf die Ursachen der Mißverständ-1 tag durchblicken lassen, daß er bis heute noch keine niste, und man braucht sich selbst nichts zu vergeben, Apolitischen E r j o I g e hat erzielen können. Der wenn man bei nachträglicher Prüfung anerkennt, ' Bund kann versichert sein, wenn er nach seinem daß diese oder jene Einzelheit, die eine unangenehm j neu ausgestellten Muster arbefteu will, dann braucht psychologische Wirkung ausgeübt hat, in der Form ■ er auch in Zukunft keine Lorbeeren zu erwarten, oder in der Sache etwas anderes hätte gemacht wer-1 Für die Beamtenschaft ist das Ganze ein Beweis, den können. Erst wenn man über die ei g e n e n wie recht diejenigen handeln, die sich von dem Nerven zu Gericht gesessen und mit dem eigenen ’ Bunde fernhaltem Gewissen sich redlich abgefunden hat, vermag man f sich über das Echo der Vorgänge recht klar zu wer- :

Wenn W i n d t h o r st bei seinen politischen Be­ttebungen so reichen Erfolg hatte, so verdankte er das zum großen Teil seiner Nervenruhe oder besser gesagt seiner Nerv en zücht. Er ließ sich von den Schwingungen dieser feinen, aber gefährlichen Organe nicht hmreißen. Er hatte freilich auch Ner­ven; und wir erinnern uns z. B. eines Falles, wo *e ./kM i’t öffentlicher Sitzung einmal ausuahms- ' erscheint. Bei dieser ruhigen Ueberlegüng verliert imfe durchgingen Bezeichnenderweise bei einer ! ber sensationelle Zwischenfall ben bedrohlichen Kleinigkeit, als nämlich der alte Abg. v. Kardorff ’- ■ - - 1 ™ -

bezweifelte, ob er als Hannoveraner über eine alt- ireußische Frage vollgiltig mitreden könne. Windt- horst gab sofort eine scharfe Antwort, und die fiel gegen alles sonstige Herkommen grob aus. Zu Ehren der kleinen Exzellenz muß aber beigefügt wer­ben, daß er den Ausbruch eines nervösen Augen­blicks am andern Tage durch eine persönliche Ans­prache wieder gut machte. Eine solche Ausnahme bestätigt die Regest Windthorst konnte null; bei gro-

Anstalt wohnen; umgekehrt duldet es aber derfelbe Polizeipräsident, daß kath. Personen in Protestant. Stiften wohnen bleiben. In anderen Berliner Stts- ten dec Granen Schwestern wurden protestaittische Personen von der Polizei ausgewiesen unb ihnen von der Polizei einfach Wohnungen zudikttcrt; „ i ... - . . „ sie können also nicht wohnen, wo sie wollen, sondern

allem dasur, daß auf seiner Sette das rechte wo die Polizei will. Diese Fälle von Intoleranz