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Erstes Blatt

Fulda, Dienstag den 14. Mai 1912.

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39. Jahrgang

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liberale Partei erst durch weiteren Schade, (erduldete, und angerichteteu) klug genug werden WA, um von dem Bassennannffchen Jrpwege auf die Bennigsen sschen Pfade sich zurückzufinden.

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dem Künstler den Roten Adlerorden 4. Klaffe verlieh. Nachdem die Herrschaften den Tee eingenommen hatten, verließen sie gegen 6 llhe die Burg. Um 7Mi Uhr traf der Kaffer wieder im Kaiserpalast ein. Später war Diner beim Statthalter Graf von Wedel, an dem mit dem Kaiser die anderen Fürstlichkeiten und die Umgebung teilnahmen.

* Straßburg, 13. Mai 1912. Dem Unterstaats­sekretär Mandel wurde der Titel Exzellenz ver­liehen. Man sieht darin eine Art Kundgebung deS Kaiser- für den Unterstaatssekretär und eine Genug­tuung für daS Mißtrauensvotum, das ihm die Zweite Kammer gegeben hat, wril hauptsächlich auf Betreiben Mandels der Maschinenfabrik Grafen« Staden Staatsausträge wegen ihrer angeblich deutschfeindlichen Haltung entzogen bezw. nicht mehr verliehen worden sind.

* Karlsruhe, 13. Mai 1912. Der deutsche Bot­schafter in Konstantinopel, Freiherr v. Marschall, ist beute vormittag auf sein Stammgut Neuers- hausen abgereist und begibt sich von dort aus am nächsten Freitag vorläufig nach Konstantinopel zurück. Erst im Juni geht er nach London.

richtigI rechts). Die Behauptung, die Stellung der Offiziere in der Duellfrage fei eine Art U e d Hebung gegenüber de» anderen Ständen, ist meiner Ansicht nach grundfalsch. ES ist unrichtig, daß der Offizier sich über Recht mrd Gesetz leicht hinwegsetzt, im Gegenteil, er unterwirft sich ohne Murren den für daS Duell anSgesetzten Strafen, wohtwif- send, daß an dem GewissenSbmflikt, in dem er sich be» findet, nicht zum mindeste« der Gesetzgeber Schuld ist. Der das Duell verbietet. (Lebhafter Widerspruch.) Der Gesetzgeber sMtzt Leben und Vermögen hinrei­chend, aber daS, was höher steht, die persönliche Ehre,

*♦ Die Reife des Kaisers.

lieber die Zusammenkunft des Kaisers mit dem Kanzler und dem Botschafter Fehrn. von Marschall find, abgesehen von Aeußerlichkeiten, bisher noch keine Mitteilungen an die Oeffentlich- keit gelangt. Der ReichStanzler ist bereits am Montag früh von Karlsruhe in Berlin wieder ein- getroffen. Weder der ,Reichsanzeiger^ noch die ,Nordd. Mg. Ztg/ machen in ihren Ausgaben vom Montag abend irgendwelche Mitteilungen über die Zusammen!un st.

' Straßbrrg i.«, IS. Mai 1912. Der Kaiser und Prinzessin Viktoria Luise sind um 11 Uhr 45 Min. hier eingetroffen. Zum Empfang waren anwesend Prinz Joachim, Prinz August Wilhelm, der Statthalter Graf v. Wedel, Fürst zu Fürsten- berg, Staatssekretär Frhr. Zorn v. Bulach u. a. Die Einfahrt des Kaiser» vollzog sich unter leb- hasten Kundgebungen der Publikums und dem Ge- läute der Glocken. Die Straßen und Häuser waren festlich geschmückt. Der Kaiser hat im Kaiserpalast Wohnung genommen. Der Kaiser, die Prinzen und die Prinzessin mit ihrer Umgebung nahmen beim Staatssekretär Frhrn. Zorn v. Bulach das Frühstück ein. Um 21/* Uhr trat der Kaiser mit Begleitung eine Fahrt nach der Hohkönigsburg an. Um 3 Uhr 25 Min. passierte er Schlettstatk, wo sich in den neuen Anlagen ein zahlreiches Pub- litum versammelt hatte, das den Kaiser herzl ch be­grüßte. Gegen 4 Uhr erfolgte die Ankunft auf der Hohkönigsburg. Unter Führung des Prof. Bodo Ebhard wurden die «ea eingerichteten Säle, speziell der Kaisersaal, besichtigt, ia dem die neuen Gemälde von Schnug»Straßburg angeführt find. Die Ge­mälde fanden den vollste» Beifall d«S Kaisers, der

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 13. Mai 1912.

Die Beratung des Militäretats wird fortgesetzt. Es liegen dazu die

Duellresolutionen

jot. Die Budgetkommiffion hat die von den Sozial- demotratm beantragte am weitestgehende Resolution abgelehnt und eine neue aus den Anlrägen des Zentrum» und der Bolkspartei kombinierte Resolution zum Be­schluß erhoben.

Wbg. Ledebour (Soz.): Wir hatten vom Zentrum eine größere Standhaftigkeit erwartet. Das Duell be­kämpfen wir nach wie vor alS ein Verbrechen. Der Krtezsmimfter stellte sich mit seinen neulichen Aus­führungen außerhalb des Gesetzes. Er ist nicht um Haareebreite zurückgewichen. Auf der allerniedrigsten Stufe der Moral steht, der für sich selbst und seine Fami'ie das Duell ablehnen würde, jedoch als Inhaber der Kowmandogewalt zum Duell zwingt. (Präsident Dr. Kaempf ersucht den Redner, die Person des Inhabers der Kommandvgewalt aus der Debatte zu lassen.) Würde einmal ein Prinz niedergeknallt so käme sehr bald aus Sanssouci eine Kabineltsorder, die das Duell verbietet. Der Kriegsminister nimmt für sich das Vorrecht in Anspruch, dre Gesetze brechen zu können. Der Gistbaum des Duells muß beseitigt werden.

ü(bg. Groebrr <Ztr.): Will man wirklich einen Grfolg erreichen, so darf man nicht so vorgehen wie verr Ledebour und nicht gegen eine Partei polemisieren, wudern möglichst einmütig den Vorstoß machen. Es güt, die Forderungen von Recht, Gesetz und Vernunft durchzusetzen und den falschen Ehrbegriff im Offizierstande zu beseitigen und in den Volks- Iteifen, die ihn nachäffen. (Beifall.) Gelingt es, beim Offt'ziertorps in dieser Beziehung die Achtung vor dem Strafgesetz durchzllschen, dann werden auch die aka- demuchen Kreise usw. folgen. Wenn man unter vier Augen mit Offizieren spricht, bekommt man zum Teil recht vernünftige Ansichten über die Torheit des ganzen Duell nvanges. Die Offiziere sind dazu da, rhr Leben für das Vaterland einzusetzen, aber nicht für persönliche Streitigkeiten. (Sehr richtig!) Es handelt sich jetzt nicht darum, ob das Duell jemals überhaupt völlig verschwinden wird, sondern darum, ob man das Duell als eine offizielle Einrichtung der Standesehre betrachtet, und ob man daraufhin direkt oder indirekt einen Duellzwang ausüben wird, ob man also, wie man zu sagen pflegt, das Duell als ein notwendiges Uebel betrachten und behandeln darf. Der Kriegsminister hat in der Budgetkommrsston eine Erklärung abgegeben, die von höchster Bedeutung ist und ie ich den Präsidenten bitte, dem Protokoll der öffeiulichen Reichslagssitzunz einzuverleiben. Der Redner verliest sie: u. a. hat der Kriegsminister da erklärt: »Trotzdem sehe ich den Zweikampf als ein Uebel an und werde mit allen Mitteln für feine Beseitigung eintreten, wie es meine Pflicht als Kriegs Minister ist. Ihn mit Gewalt zu beseitigen, ist aber -richt möglich; die Allerhöchste Order von 1897 weist den Weg." Der Redner verwaist auf England, wo das Duell ganz aus der Armee verschwunden ist. Die Frage muß kühl und ruhig behandelt werden. Der GntrüstungSsturm hier im Haufe war der Ausdruck der Hellen Empörung. Wenn man aber dann gesetz­geberisch vorgehen will, daun kann man nicht mit Entrüstung und Empörung kommen, dann soll man nicht auf Tischplatten und Pultdeckel los- fchlagen, wie manche Redner. (Heiterkeit.) Wenn wir das Duell wirksam bekämpfen wollen, muß die persönliche Ehre vom Gericht höher taxiert werden, wie das bisher der Fall war. Allerdings muß ich zu­geben, daß unsere Gesetzgeber einen Teil der Schuld an dem Duellunwesen tragen, denn gar manche Straf­bestimmungen über den Zweikampf sind zum Teil ge* ^radezu als eine Privilegierung des Duells anzusehen. Was soll man beilpielsweise dazu sagen, wenn es im Strafgesetzbuche heißt, daß bw Tötung oder Verwundung im Zweikampfe nur dann mit den ordentlichen Strafen geahndet werden soll, wenn die vereinbarten oder hergebrachten Regeln des Zwei­kampfes übertreten worden sind? Wenn eS zu einer Revision des Strafgesetzbuches kommt, werden wir diesen Bestimmungen unsere ganz besondere Aufmerk­samkeit zuwenden müssen. Ich glaube, es würde auch von heilsamen Folgen begleitet sein, wenn festgesetzt wird, daß sür denjenigen, der das Duell herauf­beschworen hat, neben der Bestrafung auch dieDienst - entlasfung einititi. Wenn die Verpflichtung deS Ehrenrats, möglichst einen glücklichen Ausgleich herbet- zuführen, überall beachtet würde, wenn auf eine sinn­gemäße und scharfe Durchführung dieses Grundsätze» hingeorbeitet würde, so würden dadurch schon zahl­reiche Duelle vermieden werden. Bor allem sollte darauf gesehen werden, daß Personen mit ehrloser Gesinnung für eine solche ehrengerichtliche Ver­handlung im Voraus ausscheiden. (Sehr richtig! und Zustimmung im Ztr.) Es darf nicht sein, daß der be­trogene Ehegatte sich zur Reparierung seiner Ehre dem Ehebrecher als Scheibe hinstellt. (Sehr richtig! im ■ftr.) Jetzt werden in gehässiger Weise mit der größten Bosheit und Raffiniertheit gerade Personen beleidigt, von denen man weiß, daß sie aus religiöser und sitt­licher Ueberjeugung das Duell ablehnrn. Das muß aufhören. Wir sind der Meinung, daß in solchen Fällen vor allen Dingen gegen die Belrid iger selbst schleunigst und scharf vorgegangen werden soll. (Sehr richtig! und Zustimmung im Ztr.) Wenn der Kriegs­minister auf der einen Seite sagt, daß es durchaus nicht unehrenhaft wäre, wenn ein Offizier ein Duell ablehnt, auf der anderen Seite aber der Offizier wegen seiner Dnellweigernng aus dem Heere ausgeschlossen wird, so ist das doch ein innerer Widerspruch, den ich nicht begreife. Der Kaiser ist der Beschützer de» Rechtes und der Bekämpser des Unrechtes. Er möge das große und machtvolle Wort sprechen, daß dem Duell als offizielle Einrichtung beim Heere ein so­fortiges Ende gemalt wird. Wenn er dieses große Wort spricht, dann wird ihm das ganze deutsche Volk dankbar zujubeln. (Leich. Beifall im Ztr.)

Graf Westarp (k.): Ich habe namens meiner » freunde zu erklären, daß auch nach unserer i)er Zweikampf gegen die menschlichen Gesche r • . deshalb eine Beseitigung nach

E e i t zu erstreben ist. Den vorgeschlage- "mL°JUilon»en ^nnen wir nicht z u st i m m e n, 8 grundsätzlichen Erwägungen heraus

7Vro auf dem Standpunkte, daß es ledig» M ® Kaisers ist und bleibt, in Bezug

Mf das Duell dre erforderllchen Maßnahmen zu tref­fen und emzufuhren. (Bravo! rechts)

Kriegsminister v. Heeringen: Kaiser Wilhelm bat im Jahre 1884 in seinem Erlasse u. a. gesagt: „Ein Offizier, welcher imstande ist, die Ehre eines Käme- teben in frevelhafter Weise zu verletzen, wird ebenso» "wenig in meinem Heere gedraldet werden können, wie yin Offizier, welcher seine Ehre nicht zu wahren weiß."

ist nicht in ausreichender Weise geschützt. (Erneuter Widerspruch, Beifall rechts.) Tritt nun ohne sein Verschulden die Gefahr eines Zweikampfes cm ihn her­an und er hält den Zweikampf mit den Grundsätzen seines Glaubens nicht vereinbar, nun, so kann er als Ehrenmann in Frieden auS unseren Reihen auSschei- den. Wenn man, wie eS die Resolution will, die Offiziere noch mit Nebenstrafen belegen wollte, fo würde man dadurch zweierlei Recht schaffen, und es würde dieS einen Eingriff in die Kommandogewalt des obersten Kriegsherrn bedeuten. Auch die Armee sieht das Duell als ein Nebel an, und bekämpft es nach Möglichkeit. (Lachen bei den Soz.) Ich bin be­reit, dafür einzutreten, daß die von den Resolutionen gegebenen Anregungen geprüft werden und einer Be- ratnng, betreffend die dolle Durchführung der aller- höchsten Order Don 1897 näher getreten wird. DaS hochgespannte Ehrgefühl deS Offizierkorps (Lachen bei den Soz., Pfuirufe rechts) hat daS deutsche Offizier­korps befähigt, da» deutsche Volk durch die großen Siege deS vorigen Jahrhunderts hindurchzubringen. (Lachen bei den SozJ Wer daran gewaltsam rüttelt, zerbricht unter Uwstande» »ehr, als für das Wohl deS Vaterlandes dienlich ist. (Beifall rechts.)

Abg. Schiffer (nall.): Besonders schwierig ist die Frage vom Standpunkte der Antiduellanten. Da 'omnti die Staatshoheit mit sich selbst in Konflikt, mit der Rechtshoheit in Gestalt der Rommanbogeroalt, und daS ist um so unerträglicher, al» eS eben ein und dieselbe Stelle ist, der Träger der Krone, der in sich selbst diesen Konflikt zum Ausdruck zu bringen hat. In die­sem Widerspruch höchster Mächte, die in einer Hand liegen, liegt ein Zug ton innerer Unwahrhaftigkeit (Sehr wahr!), woduvch unser öffentliches Leben ver­giftet wird. Die Art und Weise, wie Herr Ledebour die Person deS Kaisers hereingezogen hat, ist ein wenig taugliches Mittel, irgendwie praktisch voranzukommen. (Sehr richtig!) ihn so energischer müssen wir den Weg beschreiten, der überhaupt zu praktischen Erfolge« zu führen verspricht, und da» ist der Weg der Hand­habung und Weiterbildung der Grundschze der Ka- binetisorder vom L Januar 1907.

Abg. Heyn (Dp.): Wir find grundsätzliche Gegner deS Duells. Wir verwahren uns gegen die Darlegun­gen des Kriegsministers. Die Ehre der Offiziere ist keine andere als die anderer Leute. DaS Duell macht den Lumpen honorig, den Betrüger, Ehebrecher und Fälscher. Da» gibt zweierlei Ehre und zweierlei Recht. (Beifall link».)

Abg. Mertiu (Rp.): Wir werden gegen die Reso­lution stimmen. Die Mißstände sich nicht so schlimm. Denken Sie an das liberale Frankreich und Ungarn.

Abg. Brandys (Pole): Wir sind prinzipielle Gegner deS Duell». Die Resolution geht uns noch nicht weit genug.

Abg. Herzog (Wirtfch. vgg.): Wer feine Ehre per­sönlich wahrt, findet Verständnis. Die schärfsten Stra­fen schaffen da» Duell nicht «ms der Welt.

Nach weiteren Erörternnge« wiederholen die So­zialdemokraten ihren Antrag ans der Kommission, wonach ein Offizier, der ein Duell ablehnt, unter kei­nen Umständen ans dem Heere entlassen werden darf. Dieser Antrag wird durch Hammelsprung mit 144 gegen 122 Stimmen angenommen, desgleichen die Re» solutionder Budgetkommiffion. Damit ist die Duell­frage erledigt.

Im weiteren gelangen die Zentrumsresolutionen bett. Berücksichtigung der Handwerkermeister, Hand- werksgenossenschaften und Innungen sowie der Ber- eingungen ton Heimstätteuarbeitern bei Vergebung von militärischen Lieferungen zur Annahme. Ein so­zialdemokratischer Antrag, wonach auch die Arbeiter­genossenschaften bei den militLrischen Lieferungen be- rückfichtigt werden sollen, wird abgelehnt.

Hierauf vertagt sich daS Haus.

Dienstag: Kleine Anfragen, MilitäretatS, Marine- totlage und Marineetat.

Zeitung

«. Verlag der fnlbett

m<makb-llagi: „Küdaer SffchichkblAter"

deutsches Mich.

♦» Strlm, 13. Mai 1912. Beim Reichs- kanzlrr fand am Montag abend ein großes Diner MU, an dem außer dem Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg zahlreiche Gesandte, Staatssekretäre, Minister und andere hervorragend« Persönlichkeiten teilnahmen. — Eine reichsgesetzliche Regelung der Arbeitsverhältnisse des Krantenpflegeperso- »als ist der »Poss zufolge von der Regierung ge­plant. Es kommen dabei alle diejenigen Perjonen in Betracht, die in öffentlichen und privaten Kranten- häuser« usw., sowie in der privaten Krankenpflege tätig find.

a Die Budgetkommisfio« deS Reichstages führte am Montag die Generaldebatte über die Flo11envor - läge zu Ende. Die Aussprache betraf auch heute ausschließlich die Stellung zu England, sowie dre Spionage und war zum großen Teil vertraulich. Bon den Konservativen, dem Zentrum und den Ratio- nalliberalen wurde der bei der englischen Bevölkerung vorhandene Wunsch, mit Deutschland dauernd in Frie- den und Freundschaft zu leben, durchaus anerkannt, daber aber hervorgehoben, daß im deutschen Volke die gleiche Friedensliebe gegenüber Englarrd herrsche. Auch Staatssekretär ton T i r p i tz betonte noch einmal, daß kern vernünftiger Mensch in Deutsch- land unsere Flotte als Angriffsmittel gegen England betrachte, e» handele sich lediglich um eine Vervollkommnung der Kriegsbereit­schaft für den Fall eines Angriffes von außen. Bei der Abstimmung wurde die gesamte Vorlage ohne jeden Abstrich gegen die Stimmen der So­zialdemokraten angenommen. Hierauf wurde der Ergänzungsetat für die Marin« bewilligt.

+ Die Duellresolntwn der Budgetkommisfion des Reichstags, die im wesentlichen der von uns vor einigen Tagen mitgeteilten Resolution des Zentrums entspricht, ist,om Montag vom Reichstag ange­nommen worden. Dir Sozialdemokratien, die bereits in der Kommiffion weitergehend^ Anträge gestellt hatten, hatten auch hn Plenum einen Zu­satzantrag zu der Resolution eingebracht, wonach der Reichskanzler ersucht wird, die erforderlichen Schritte zu tun, damit ein Offizier, der ein Duell ablehnt, unter keinen Umständen deshalb aus dem Heere entlassen werden darf. Die Sozialdemokraten hatten diesen Antrag unmittelbar vor der Abstim­mung eingebracht; für ihn stimmte auch ein kleiner Teil des Zentrums und er wurde angenommen. Die Mitgiieder des Zentrums, die für den sozialde­mokratischen Antrag gestimmt hatten, hatten offenbar im Augenblick die Bedeutung des sitzialdemokratffchen Antrags nicht richttg eingeschätzt. Die Führer der Zentrnmsfraktion, sowie die der Budgetkommission angehörenden Mitglieder der Fraktion sowie der überwiegende Teil derselben stimmte indeffen ge­gen den sozialdemokrat. Antrag. Die Gründe für die ablehnende Haltung der überwiegenden Mehrheit der Fraktion sind, wie wir erfahren, fol­gende: 1. Die sozialdemokratische Resolution ist ein Schlag ins Wasser. Der Kaffer gibt selbswer- ftändlich nicht die Gründe an, die ihn zur Entlastung eine» Offiziers bewegen Für den Fall Sambeth paßt der sl^ialdemokrafische Zusatzantrag überhaupt gar nicht. 2. Der Kriegsminifter hat sich öffentlich bereit erklärt, die Resolution der Budgetkommiffion beim Kaiser zu vertreten, sodaß damft ihr Erfolg insichereAussicht gejtellt war. Dem Kriegs­minister ist jetzt aber die Situation bezüglich einer Besserung der Verhältnisse wesentlich erschwert und der Erfolg möglicherweise vereität, da der Kai­ser den sozialdemokratischen Zusatzanttag als einen Schlag ins Gesicht auffaffen müßte. Born Stand­punkt des Erfolges aus wird daher in Abgeordneten- kreiscu der Ausgang der Abstimmung bedauert.

4- Kleine Anfragen können nach der vor einigen Tagen abgeänderten Geschäftsordnung des Reichs­tags au Dienstagen und Freitagen an die Regie­rung gerichtet werden. Tie Sozialdemokraten sind die eifften, die von dieser neuen Einrichtung Ge­brauch machen. Eine vom Abg. Dr. Frank (Soz.) gestalte Anfrage fordert voni Reichskanzler Aus- ntnft darüber, ob Holland seine Zustimmung zu der Erhebung der SchiffabrtSabgaben auf dem Rhein erklärt hat. Weiter fragt der Abg. Fischer (Soz.)an, ob bei der demnächst zusammentretenden internationalen Schiffahrtskonferenz auch Vertreter der Seeleute zu den Verhandlungen zugezogen werden. Beide Anfiagen dürften auf die Tagesord­nung vom Dienstag gesetzt werden.

X Gegen die Polizei im Abgeordnetenhanse geht die fortschrittliche Bolkspattei mit einem Anträge an. Sie hat dem Hause den Anttag zugehen lasten, den § 64 der Geschäftsordnung dahm aozuänderi', daß die Bestimmung über di« Ausschließung von Abge­ordneten beseitigt und zu diesem Zwecke diejenige Fassung wiederhergestellt wird, welche d:s zum Beschluß des Abgeordnetenhauses vom 6. Mai 1910 gegolten bat." Ta die Konservativen bis auf nur wenige Stim­men die Mehrheit im Abgeordnctenhu.ffe haben, ist an die Annahme dieses Antrages nicht zu denken.

* Auflösung eines Kriegervereins. Bei der letz­ten Reichstagswahl haben m dem Orte H etten - s c n im Kreise Northeim dreiviertel aller Wahlbe­rechtigten ihre Stimme dem sozialdemokra­tischen Kandidaten gegeben. Infolgedessen war dem Krieger- und Landwehrverein von dem Land­rate das weitere Führen seiner Fahne verboten worden. Der Krieger- und Landwehrverein hat sich daraufhin a u s g e l ö st.

j[ Dresden, 13. Mai 1912. Die sächsische Zweite Kammer bat heute den sozialdemokratischen Antrag, die indirekten Landes st euer» aufzuhebeu und dafür die direkten Steuern auszubauen, abge­lehnt.

** Gera, 13. Mai 1912. Heute verstarb aus Schloß Osterstei« der älteste Sohu deS Erbprinzen Heinrich 27„ Regenten beider Fürstentümer Reuß,

Das sind die Grundsätze, auf denen das deutsche Heer und die deutsche Marine mit ihren Auffassungen von jeher gestanden haben und noch heute stehen. Diese scharf ausgeprägte Ehrauffasfung deS dimtfchen Offi­ziers kann zu hohen ethifchen Konslitten führen, aride- rerseits aber ist sie auch eine der Voraussetzungen für die hohen Leistungen, di« vom deutschen Offizier im Kriege als Führer erwartet werden müssen (Sehr

t Der Ritz in der nationaMberalen Partei

ist nach tote vor da, trotz des Parteitages. Er ist da trotz aller Begeisterung sür die „Einheit und Ge­schlossenheit" und er totrb bleiben; unter der ver­bergenden HMe des Vergleichs wird er sich vertiefen und erweitern, bis nichts ihn mehr zu verdecken vermag.

Klarer noch als aus dem gestern vorliegenden kurzen Bericht erfahrt man aus den inzwischen ein- gegangenen eingehenden Meldungen über den Par­teitag. DaS zunächst beschlossene Kompromiß wegen der Stellung der Jugendvereine bringt den Anlauf zur Vereinheitlichung der Organi- fation tatsächlich zum Gleitern, da es den „Jungen" die besondere Organisation im Reichsvexbande der Jugendvcreine nach wie vor überläßt, während dem Reichsverbaude nur belanglose formelle Rechte der- loren gehen und seine Bewegungsfreiheit eher größer als kleiner wird. Das dann folgende übliche Referat des „Führers^ Baffermann über die politische Lage unterschied sich von feinen Vorgängern durch­aus nicht. Aber dann bei der Aussprache über das Referat und die polifische Lage platzten die Gegensätze scharf aufeinander, tne Herr Basser- mann in feiner Prinzipicnrede zu verschleiern der- sucht hatte.

Auf der einen Seite erklärte der preußische Abg. Friedberg: Mit der Sozialdemokratie ist nicht zu paktieren! Auf der anderen Seite er­klärte der badische Abg. Rebmann unter starkem Beifall:

,Jn der Praxis schmiedet das Schicksal die liberale Partei mit der Sozialdemokratie täglich zusammen. Dem können wir nicht ans dem Wege gehen, wenn wir auch wollten. Wir arbeiten überall mit Sozial« bemofraten zusammen. Da» ist nun der Punkt, an dem wir Süddeutsche uns von Geheimrat Friü>b«rg trennen."

Tiefer Gegensatz wurde durch die übrige Erörte­rung keineswegs ausgeräumt oder cmch nur abge­mildert. Es gibt also nach wie vor nicht bloß zwei Seelen, sondern auch zwei Taktiken der nationallibe­ralen Partei. Es ift uns recht, wenn diese Wirk­lichkeit abermals klar gestellt wird. Aber dazu hätte es eigentlich des großen Aufgebots des Parteitage» nicht bedurft.

ES soll beim alten bleiben unter der unentwegte» Führung be» Herrn Baffermann. Derselbe Herr Baffermann, der sich grundsätzlich sehr beredt gegen die Großblockpolitik ausspiicht, tatsächlich aber jede Gelegenheit benutzt, ummitHilfederSo- zialdemokratie seinen Haß gegen die Rechte und das Zentrum zur Geltung zu bringen. Für die schweren Angriffe, die Herr Baffermann bei oeu Präsidentenwahlen angerichtet hat, ift nicht die min­deste Genugtuung erreicht worden. Durch feinen, Antrag aus Einführung einer Sonderkommission hat Herr Baffermann auch die Schwierigkeiten geschaf. fen, die sich jetzt noch in der Deckung der M i l i t ä r- ausgaben geltenb machen, und auch in dieser natio­nalen Angelegenheit hat er mit der Sozial­demokratie zusammen gearbeitet. Aus dem Parteitage sprach er in diplomatischer Allgemeinheit von einer „Besiysieuer", statt den Zankapfel der Wftwen- und Waisenfteuer, mit dem er die Roten spielen laßt, bei rechten tarnen zu nennen. Er verurteilt die „Sammlungspolrtik", als ob das ein neu erfundener Fallstrick der Regierung und der „Schwarzblauen" sei, während in WirüÜhkeit nichts anderes angeftrebt wird, als jene Arbeitsge­meinschaft der positiven bürgerlichen Parteien, an der die nationalliberale Partei bis 1906 teilgenommen hat und das große nationale Werk, wie das Bürgerliche Gesetzbuch und der Zolltarif entsprungen sind. Es soll also auch fortan an Stelle dieser früheren bewährten Sammlungspolitik die S?a tz- und Berhetzungspolitik mit Hilfe der Umsturzpartei fortgefühtt werden. Die­ses Beharren auf den Bassermann'schen Irrwegen fyitte man auch ohne das Aufgebot von 1200 Dele­gierten erreichen können.

Also keine Gesundung, keine Klärung, keine Besserung!

Einige Blätter meinen, es sei etwas zu hoffen von einem angeblichei- Versuch der rechtsstehenden Elemente, der A l t l i b e r a l e n, sich einen engeren Zusammenschluh zu geben. Es wird nämlich aus Braunschweig berichtet, daß die Ucheber des jetzt be­seitigten Beschlusses vom 24. Marz übereingekom- men feien, „diejenigen Kreise der nationalliberalen Partei enger zusammenzufasten, die es für notwen­dig halten, die Gleichberechtigung der verschiedenen politischen Richtungen besser aU bisher sicher zu stellen." Die Ankündigung klingt noch etwas dunkel und matt Warten wir ab, wie sich der Gährungs- prozetz weiter gestaltet Dieser Parteitag bedeutet keine» Abschluß. Es scheint, al» ob die national-