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SetatlonrdruS N. Verlag der Fuldaer Aetiendrnckerel i-Znld« Fernsprecher llr. <

Erstes Blatt.

Fulda, Freitag den 3. Mai 1912.

39. Jahrgang.

Süd-

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Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 2. Mai 1912.

Auf der Tagesordnung steht der Etat für

zugung der deutschen Jnoustrie.

Staatssekretär Sols: Für die Regierung und Regie handell cs ficy darum, zu erwägen, rote Diamanten am vortetihaftenen zu verlauten sind, das Interesse der südwena riianiichcn Förderer wahtcn. Wir Haven e ne Besserung des Breiies 2—4 Mk. pro Karat erreicht. ES trtfft nicht zu, daß

die großen Firmen Miliwneugeichätte gemacht haben zum Schaden der Steuerzahler. Meine Rene be;roeckte, z« sehen, ob es nicht möglich ift, Diamanten in freier Konkurrenz zu verlaufen. Wir verh.mvelien mit der DebeerS-GeftUschaft, foivie anderen Firmen in Ant­werpen und Am tervam. Niemand wollte das Risiko «ingeden. Es blieb nur übrig, bre Debeers-Gesellfchaft als Syndikat einzujetzen. Die Gründe, weshalb sin diese Gesellschaft im letzten Augenblick zurückzog, sind kaufmännischer Natur. Was ein fremdes Syndikat nicht leisten konnte, wird auch ein deuNches nicht leisten. Der kemsche Markt kann ui einem Jahr nur soviel verbrauchen, als tn einem Monat aetörbert wird. Die Regte Hal glänzenv gearbeitet.

Damit schließt die Dislufsion über die Diamanlen- srage.

, Lrdebour (Soz.i begründet eine Resolution auf Aufhebung der Verordnung, wonach den Eutae. borenrn die Haltung von Großvieh nur nach der iür jeden- Fall etnzuholende - Genehmigung durch den Ooitvmteur genaltet ist.

ktaatsiekreiär Dr. Lols- Die Bercrdnung richtet sich go en die Hereros und Hottentotten. Es handelt sich um eine Maßregel von vorübergehendem Charakter, und ich werde prüfen, ob wir sie etwa mildern oder Aufheben können.

Abg. Kncklroff ry.j' Dem Etat ist eine Denkschrift über die Entwicklung des höheren Schulwesens in Süd- ivestosiika beigegeben worden .Höheres Schulwesen in Sübroe'tafritu", das klingt etwas arg großartig; tat» lSchlick-, handelt es sich nur um enie einzige Schule, nämlich um die 1903 begründete Realschule in Wind­huk. Ob es gelingen wird, die Schule tn der Zukunft $u Erhalten, scheint mir sraglrch.

Ltaalssekretär des Kolenialarnls Dr. Solf ent» höhere c(^u(tiraa<^€n ’n Südwestafrika unbedingt eine Liskuision ®eUerer unerheblicher Debatte schließt die v. 51 'e REfokulionen bett. Bcrlänaerung der Beamten» ^pertode um 1 Jahr, Schaffung eines Kompetenz in'1 x!r 'IU!l0 Volksvertretung aus der weißen Bevö.kerniig ohne ElaiSrechl und betr. Vieh» Haltung werden onaenonmten.

Es folgt der Etat für Samoa. Hierzu liegt eine Resolution der Komminion vor, die verbündeten Re. gtenmg.n um (Einbringung eines Gesetzenlwurts zu er- suchen, welcher die Gilttgleii der Ehen zwilchen Weißen und Eingeborenen in allen deutschen Schutzgebieten sicher stellt.

tvestasrrla.

Staatssekretär Dr. Sols: Der Abg. Müller. Meiningen hat gestern gesragk, welche Stellung w,r zu den Missionsschulen einnehmen. Da möchte ich feststellen, daß die rfaljl der Regterungslchulen er« hebltch größer ist, als Herr Müller-Meiningen anzu- nehmen scheint. Gesetzlich steht Den Gouverneuren eine Schulaufsicht über die Mrssioiisschulen nicht zu, tat» sächlich wird sie aber ausgesührt, und die Missionen haben sich die Aussicht auch überall gefallen lassen.

Es wird nun zunächst die Diamantentrage besprochen. — Eine Retolution der Budgetkom» Mission fordert eine Reiorm der Diamantenregte, unter angemessener Beteiligung der Diamantensörderer und verschärfter staatlrcder Aussicht, so daß beim Bet. tauf der deutschen Diamanten ein Wettbewerb gesichert wird.

Abg. Hoch (Soz): Die Diamantenregie hat sich nicht bewährt. Sie hat Schmutztonlarrenz getrieben und die Preise herabgedrückt. &te hat die ganze Pro- duktiou lahmgelegt und die Siamanten an drei Amster­damer Firmen zu unerhöit niedrigen Preisen aus- geliefert. Der ©taatsieireiät hat sich in Hanau selbst überzeugt, daß das bisherige Birsahren unhaltbar ist. Wenn die Koionimverroaltung bre deutschen Interessen aufs schwerste schädigen wollte, so hätte sie nicht anders vorgehen können, als wie sie es getan hat. (Präsident Kaemvf: Sie üderichresten die Grenzen einer fach- lichen Kritik.) Der Redner führt Beschwerde, daß alle Wünsche des Reichstags unerfüllt bleioeii.

Abg. Erzberger (Zir.l: In der Frage der Diaro.nlensöroeruiig der Ausfuhrzölle und der Dra- mantcnverwertung hat der neue Herr S'aatslekretär eine schlimme Erbschaft von fernen Vorgängern über­nommen. Der Giundfehler, aus dem alle weiteren Mängel und Nachteile sich cniwickelt haben, ist der, daß man die Förderer in Lüdrvestasrtka gezwungen hak, alle ihre Diamanten an eine Regiegefellfchast abzu­liefern, auf deren Gescyäftsgebahren sie gar keinen Einfluß haben. Wenn man das liebel an der Wurzel packen will, so muß dahin gewirkt werden, daß die Förderer als gleichberechtigt IN die Regie eintreten. Herren aus Hanau sind die Blitzableiter für den Zorn des Herrn Fürstenderg gegen die Solotnaluerroaltung gewesen. Mag em Berliner Banlbtrelior noch fo mächtig fein, er darf mit den Vertretern nicht so um­springen, rote Hetr Fürstenderg bas mit den Hanauern getan hat. Hoffentlich wird er Halber gestimmt fein, sobald feine Riifinger Kur vorüber ist. Nicht richtig ist die Art, rote der Sraaisfelretär den neuen Vertrag abgeschlossen hat. Wenn er künftig Vertrauen gemeßen will, darf er nicht Verträge am 9. April abschließen, während die Budgettomnusion drei Tage später damit besaßt wirb. Da« erweckt unvöngeS Mißtrauen, er stellt damit die Kommifsioa vor eine fettige Talfache. Der wundeste Puinr in dem neuen Vertrage ist die Ausschlteßung der Konk rtenz. Jeoensalls wünschen wir, daß nach Ablauf des belieben en Vertrages die Konkurrenz zugelassen wird. Anstelle der Brutlobe- steuerung der Diamanten wünschen meine politischen Freunde den NettoM. Weiter möchte ich den Wunsch aussprechen, daß die öffentlich' rechtlichen Befugnisse der d Nischen Kolonialgefellichaft endlich tn privatrecht­liche Ansprüche umaeroanbelt werben.

Abg. Graf Westarp (kons.)t «inet Umgestaltung ber Organisation der Regie stehen auch wir tymvathisch gegenüber. DaS Interesse ber Fötberer und Schleifte muß dabei berücksichtigl werben. Eine Relorin muß erfolgen, bevor ber neue Vert ag in Kraft tritt.

Abg. Waldstein - Vollsv.): Durch die Regie sollte eine Störung des Diamanten Marktes vermieden werden, die zweisello; etngeutUn wäre, wenn plötzlich solche Mengen Diamanten verlaust wurden. Die Regte ist einfach eine kaufmännische Instanz. Die Idee war durchaus richtig.

Abg. Freiherr v. Richthofen knall.): Kapitalistische Interessen Haden die Letter der Regie nicht vertreten. Wit sind für bre Nettodeneuerung und für eine Bevoi-

StaatSfekretär des ReichSkolonialamtS Dr. Solf: Ich richt» bte dringend* Bitte an Eie, bte Refolurwn ber Kommiffion nicht anzunehmen. DaS Herabsteigen zivilisierter Personen zn den Negern ht Bezug auf Ehe­schließung hat sich ftetS wieder gerächt.

Abg. Lebed»« i sozial.): Di» Stellungnahme des Staatssekretärs würde nut eine Vermehrung des Konku­binats ,« Folg» haben.

Auf einen BerlaguugSantrag schlägt Vizepräsident Dr. Paasche vor, den Etat zu erledigen und bte Reso­lution morgen nach der Beratung der Geschäftsorb- nungsanlräge weiter zu erörtern.

Der Etat rottb erledigt.

Freitag: Fortsetzung der Etatsberatung und Ge- schäflsordnungsankrag.

Schluß 7V. Uhr.

Preußischer Landtag»

Abgeordnetenhaus.

Sitzung dorn 2. Mai 1912.

Die zweite Beratung de« Ministeriums des Innern wird fortgesetzt beim Kapitel Medizinalwesen.

Abg. R»seno» (Vp.) bespricht den Gegensatz zwi. schon Krankenkassen und Letzten. ES werde wohl auf beiden Seiten gesündigt, aber sicher waren die Aerzte zuerst angegriffen. Eine andere Organisation deS „praktischen JahreS" ist unerläßlich. Konfessionelle Momente sollten bei der Heranziehng ber jungen Aerzte vollständig auSscheiden. Wie steht eS mit ber Aus­führung des Jmpfgesetzesk

Ministerialdirektor Sirchner erklärt, daß über eine Reform des praktischen JahreS Erwägungen schweben. Das Jmpfrecht sei Reichssache, und den Einzelstaaten falle hier nur die Pflicht zu, auszuführen, wgS daS Reich festgelegt habe.

Abg. Hammer (I.): Im Znteresse der Volkswohl, fahrt und des fsgfalen Friedens wünschen wir eine friedliche Verständigung zwischen dem Leipziger Ver» band und den Krankenkassen. Den Aerzten sind Be­strebungen auf Verbesserung ihrer Lage nicht zu ber- denken, aber ber Aerztestand hat auch die Pslichten gegen die Allgemeinheit. Hoffentlich findet er den rechten Weg zwischen Pflichten und Rechten. Der Redner fragt, ob ein neues Apothekergesetz zu erwar­ten wäre.

Ministerialdirektor Dr. Kirchner erwidert, daß man hoffe, die einem neuen Reichsapothekengesetz ent­gegenstehenden Schwierigkeiten in nicht allzu langer Zeit zu überwinden.

Abg. Hirsch (Soz.) begründet einen Antrag seiner Partei auf Reform des Jrrenrechts und betr. Säug­ling- und Mutterschutz.

Der Antrag auf Reform des Jrrenrechts wird der Justizkommission, der Antrag betr. Säuglings» und Mutterschutz der Bndgetkommtssion überwiesen.

Zu einer Reihe Titel werden lediglich lokale Wünsche vorgelegt.

Beim Kapitel Hygienische Institute tritt

Abg. Dr. König (Z.) dafür ein, datz eine genügende Anzahl erfahrener Nahrungsmittelchemiker mit der liebe rwachung des Lebensmittelverkehrs betraut wird. Es sei gerechtfertigt, datz diese Beamten, die ja noch einen jungen Stand bilden, anderen Beamten mit akademischer Vorbildung gleichgestellt würden.

Abg. Beltin (Z.) wünscht eine schärfere Kontrolle der Auslandsweine gleich bei der Einfuhr, und Unter- stelltmg der Weinkontrolleure unter die Regierungs­präsidenten.

Es folgt die Beratung de» vom Etat des Finanz. Ministeriums noch ausstehenden Titel-

„Sltpensionäre".

Die Kommission hat eine Resolution angenommen, in der eine Erhöhung de» Unter st ützungs- fonds für Altpensionäre, die Aufstellung allgemeiner Grundsätze für die Verwendung des Fonds und Ver» meiduug von Härten bei Feststellung der persönlichen Verhältnisse der Altpensionäre gefordert werden. Hier­zu kommt ein Antrag der Konservativen und deS Zen, trums, datz die Unterstützung der Altpensionäre auch ohne besonderen Antrag erfolgen soll. Ferner liegen noch vor die liberal-freisinnigen Anträge auf gesetzliche Ausbesserung der Altpensionäre.

Abg. v. Hennigs-Techlia (k.) erkennt nanten» der drei Parteien, der Konservativen, der Freikonservati­ven und deS Zentrums die schwierige Lage ber Alt- pensionäre an, und hält eine grundsätzliche Regelung für unaufschiebbar. Ferner bittet er, diese Regelung auch auf die pensionierten Geistlichen auszudehnen. (Bravo I)

Abg. Witzmann (natL) gibt eine Erklärung ab, wonach die nationalliberale Partei an ihrem Antrag auf eine gesetzliche Regelung der Frage festhält. Wird unser Antrag abgelehnt, so werden wir dem Kommis- sionsanirag zustimmen.

Die Abgg. DeliuS (Vp.) und Hoffmann (Soz.) sprechen sich in ähnlichem Sinne au5.

Daraus wird der Titel bewilligt, die freisinnigen Anträge abgelehnt, bte Kommissionsresolution mit dem Kommissionsantrag b. Gotzlcr, Schmedding, Krause einstimmig angenommen.

Der zurückgesetzte Titel deS Etats der B a u Ver­waltung betr. den Neubau des Opernhauses tu Berlin wird nach längerer Debatte bewilligt. Ebenso ber Etat und die zweite Beratung des Staatshaus« h a l t s e t a t S wird damit erledigt.

Der Etat der allgemeinen Finanzberwaltung wird bewilligt, ebenso daS Etatsgesetz. Damit ist die zweite Beratung deS Etats erledigt.

Freitag: Gesetzentwurf über Arbeiter- und Betmt- tenwohnungen.

X Der treue DrreAfatt.

In Rastatt hat, wie schon gemeldet, am Dienstag ein Duell statt gefunden, in dem ein Stabsarzt einem Oberleutnant die tödliche Kugel in die Brust gejagt hat. Das Duell ist, rote man hört, auf das Verhalten deS Oberleutnants gegen­über der Frau des Oberarztes zurnckzuführen.

Wenn das Gerücht über die Veranlassung zu bem Duell auf Tatsachen beruht, dann ist in diesem Falle zufälligerweise ber dem Duell zum Opfer ge­fallen, auf besten Seite eine Schuld lag. Wir sagen zufälligerweise; denn wie »ft ist das Gegenteil der Fall gcroefenl Und wie leicht hätte das auch hier gutreffen iöunen. Und Der Ueberlebenbe ? Mit ihm wird sich das Gericht beschäftigen und ihm eine FestungSstrase zudikrftren. Er hat ein Menschenleben vernichtet und eine Familie unglücklich gewacht! Tut nichts; sobald er ferne gelinde »Ehrensrrase* abge» festen, kann er wieder erhobenen HaupteS unter seinen SkandeSgenofsen einherschreiten! Hätte er

nicht auf seinen Gegner geschossen, so wäre er kein »Mann von Ehre" mehr, und infolgedesten unfähig, des Königs Rock zu tragen!

Vielfach muß sich em beleidigter Ehemann mit einem Gegner duellieren, der so ehr- und pflicht- vergeffen war, die Ehe seines Ratteraben gu miß­achten, und dabei muß er riskieien, gu der Beleidi­gung, bte ihm und seiner Frau widerfuhr, noch lotgeschosten zu werden. Eine verrückte Anschauung. Der natürliche Verstand sagt: Weg mit einem Offizier, ber so ehr- und pflichtvergessen ist, sich in dieser Weise gu verseh en. Tas Stanbesvorurteil aber sagt zu dem Pflichtvergessenen: Du kannst dich roteber zu Ehren bringen, roent^ du versuchst, im Zweikampf den Gegner, den Du schwer gekränkt und beleidigt hast, noch dazu zu erschießen I Wer aber sich weigert, diesen Versuch gu machen oder an sich machen m lassen, der ist nicht mehr würdig, dem Olfigiersstand angugeböien.

Vor wenigen Tagen wurde in Halle eine Schauspielerin, der ein Regierungsreferendar Ehe- veriprechungen gemacht hatte und sie dennoch ver­ließ, gu einem Jahr Gefängnis unter Zubilligung mildernder Umstände verurteilt, weil sie den Treu­losen durch einen Revolverfchuß verwundet hatte. Tiefes Mädchen war in feiner Ehre gekränkt, in feiner Liebe getäuscht worben, in einem leidenschaft­lichen Erregiingsgustand hat es gut ungesetzlichen Selbsthilfe gegriffen, und die Richtet müssen, denn sie dürfen gar nicht anders, deshalb die Täterin mit Diebinnen und Kupplerinnen guiammen ins Gefängnis emiperten. Uno das Mädchen ist für sein ganges Leben mit einem schimpflichen Makel behaftet. Der Stabsarzt in Rastatt aber, ber einen Menschen nicht in bet Leibenschast nut verwunbet hat, fonbern einen Menschen tötete, erhält eine Festungshaft, während deren er mit den .Kameraden" freundschaftlich verkehren kann, bet bet ihm jede mögliche Erleichterung beteitwilligst gewährt werden wirb, uns er büßt in seinen Kreisen nichts von feiner Ehre ein.

Und gegen solche Anschauungen sollte nicht alles protestieren, was sich zu den klaren Forderungen der Vernunft und bet christlichen Religion bekennt? Es ist traurig, baß man im 20. Jahrhundert noch gegen solche Unvernunft kämpsen muff, und noch trauriger, baß man bes Erfolgs dieses Kampfes noch nicht sicher ist.

Durch die Erklärung des Kriegsministers in der Budxet-Kommiisivn ist es sogar noch erhätiet wor­den : „ Wer aus Gründen der Religion und der Vernunft das Duell im vorkommenben Falle verwirft, der kann nicht mehr deutscher Offizier sein." Im Grunde ge­nommen wird der Offiziersstand durch eine solche Anschauung deklassiert; denn ein Oifiziersstand, in dem es unmöglich ist, in al len Fällen den For­derungen des christlichen Gewissens und der Vernunft gu folgen, kann sich anderen Stäu­ben, die eine solche Verpflichtung gut Unmoral und gut Unvernunft nicht anerkennen, nicht gleich erachten; et steht unter ihnen. Das ist wgisch gedacht. Man zieht diesen logischen Schluß m bet Praxis und m bet Gesellschatt nur deswegen nicht, weil man weiß, daß unser Offiziersstand im übrigen tadellos dasteht und vielfach selbst unter der Unvernunft dieses Siandesvorurleils leidet. Aber der Zustand ist unhaltbar und schreit laut nach einer Lösung.

Deutsches Reich.

s Der Kriegsminister über die Dienstzeit.

I» der Budgetkommission des Reichstags beschäftigte man sich am Donnerstag mit der Frage der Herabsetzung der Dienstzeit bei der Kavallerie. Von sozialdemokratischer Seite wurde der Antrag dieser Partei auf Einführung der zweijährigen Dienstzeit für die berittenen Truppen und der einjährigen Dienstzeit für alle übrigen Mannschaften durch mehrere Redner begründet. Kriegs» Minister v. Heeringen führte in seiner Erwiderung aus, datz es ein Verbrechen gegen unsere Leute sein würde, wenn man sie ohne genügende Ausbildung gegen den Feind führen wolle. Der Minister trat den Einzelheiten des sozialdemokratischen Antrages ent­gegen und wies namentlid) auch darauf hin, datz eine Beseitigung deS einjährig-freiwilligen Dienstes nicht möglich sei, eventuell würden weitere große Kosten entstehen, und das Heer brauche die Einjährigen, welche besonders intensiv ausgebildet würden.

Der Antrag auf Herabsetzung der Dienstzeit der Kavallerie wurde schließlich mit 13 gegen 13 Stimmen abgelehnt. Dafür stimmten außer den Sozialdemo­kraten die Fortschrittler, Polen und die Zentrums- elsätzer. Der übrige Teil des Antrags, daß die Dienst­zeit der Artillerie auf zwei Jahre und der Infanterie auf ein Jahr herabgesetzt wird, ist ebenfalls abgelehnt.

Die Komuiission genehmigte dann Einzelheiten der Vorlage. Die neuangeforderten 22 Landlvehrinspek­tionen stießen jedoch auf Widerspruch. Bisher be­stehen solche Jnspettionen nur in Berlin, Dortmund und Essen. General Wandel begründete die Forde­rung mit dem jährlichen Wachstum der Zahl der Mannschasten im Beurlaubtenftande. dem ausgedehn­teren Aushebungsgeschäft und dem Mangel an aktiven Generalen.

*♦ Berlin, 3. Mai 1912. Der griechische Mini­sterpräsident Benizelos ist Donnerstag mittag im Achilleion eingetroffen. Er wurde zur Achilles-Tev- raffe geleitet, wo ibn der Kaiser in Gegenwart des Gesandten v. Jenisch und des Gesandten in Athen Freiherrn v. Wangenheim, in Audienz empfing. — Offiziös wird berichtet: Die Meldung, datz bas Staatsministerium sich für die Vertagung des Pre». tzischen Landtages zum 23. Mai entschieden hab«» ist unrichtig. Die Stastsregierrmg wird vielmehr dem Abgeordnetenhause noch die Sachen bezeichnen, aus deren Erledigung vor der Vertagung sie Wert legt — Ein Gesetzentwurf betr. dir Erweiterung des Stadtkreises Trier ist dem Abgeordnetenhanse zugegangen.

• Tie Budgetk-mmisfi-n be« preußischen Abgeord­netenhauses beschloß zu einer ganzen Reihe von Pe- titümen der verschiedenen Beamtengruppen, deren Er- füUurra Abänderung der Besold irngSordnnng

bedingten, Uebergcmg zur Tagesordnung. Eine Pe- tition von Unterbeamten wurde nur insofern der Staatsregierung al? Material überwiesen, als sie Ge- Währung einer Teuerungszulage beanspruchte. Dann wurde eine weitere Petition von Unterbeamten inso­weit zur Berücksichtigung überwiesen, als sie Abschaf, fung der Arreststrafen forderte. Eine Petition des deutschen Staats- und Kommunalbürogehilfenverban­des zu Köln wurde ber Regierung als Material über­wiesen. Eine Petitton deS Verbandes preußischer Justizanwärter um andere Regelung der Diätenbe­züge der Gerichtsaktuare wurde als Material über­wiesen.

». Die Branntweinstcnerkoinmikston verbandelte am Donnerslag auslchUrßlich Übei bi« lüddeuljche Span­nung. Bekanntlich Hal bi» Vorlage verschieben» Sätze eingeführt für di« landwirtjcdattlichen und bte gewerb­lichen Brennereien bet jüdveutlchen Staaten und sie außerdem nach bet Größe bet Brennerei gestaffelt. Eine Reihe von Anträgen der süddeutjchen Mitglieder verlangte größer» Spannungen. Angenommen wurde ein Antrag deS wütllemberqffche» Abg. Vogt itonf.), wonach die Verbraucdsabgab« für bte Innerhalb des Kontlngenls hergenelllen Alkoholmengen bei Brenne­reien mit einer Jatzresetzeugung »on nicht mehr als 100 Hektolitern um 0,12 Mk., von mehr alS ItO bis 200 Hektolitern um 0.10 Mk. ermäßigt wird.

c. Die PetitionSkommisst»« des Reichstags über, wies gestern eme Eingabe der Antiduelliga betr Sicherung des Schutzes der petiönltcfcen Ehre bem Reichskanzler als Material, roeil bte Duellfrage zurzeit noch in ber Schwede ist. Aus den Schutzgebieten petitionierten bte und evangelischen

Religionsgemeinschaften um Rechtsfähigkeit, oümtt bte Berechtigung zur Steuererhebung erlangen. Ei« Regterungskommiffar stellte eine entsprechende Novelle zum SchutzgebietSarsetz tn Aussicht.

4- Die GrMftsorönllNtztttkwrm des preußischen Abgeordnetenhauses, von der man anfänglich hoffte, dag sie noch vor ber Vertagung des Abgeordneten­häuser erledigt werden IBnnte, wirb nun doch, wie wir erfahren, voransstchtlrch bis zum Herbst ver­schoben werben müffen, da bte Kommission mit ihren Arbeiten nicht so rechtzeitig fertig werben bürfte, um eine Erlebigung der Reform noch vor der Herbsiverlagung bewerkstelligen gu können.

c. Die Zentrumsfraktioaen des Reichstag- und des preußischen Abgeorbnetenbauses veranstalteten am Donnerstag abend in den Restaurationsräumen des Reichstags einen gemeinsamen Bierabend. Die zwanglose Zusammenkunft der SDlttglteber beider Fraktionen nahm einen recht gemütlichen Verlaus und erireute sich einer zahlreichen Beteiligung.

-st Zentrum und Tuen. Die von verschiedenen Blättern gebrachte Mitteilung, daß die Zentrums­fraktion des Reichstags am Donnerstag einen Antrag gum Mtlttärgesetz einbringen werde, wo­nach kein Offigier wegen einer gesetzlichen Handlung, also auch wegen Verweigerung des Duells aus bem Heere entfernt werden darf, ist irrig. DaS Zen« trnm hat bisher einen derartigen Antrag nicht eingebracht. Welchen Schritt die Zentrumsfraklion des Reichstags unternehmen wird, wird .man daher vorläufig abwarten müffen.

*♦ Der Kaiser als kolonialer Landwirt. Der Kaiser hat auf den Rat des gegenwärtig Deutsch- Südwestafrika bereisenden Hoffammerrats Haeckel die Farmen Dickdorn und Kosos im Bezirk Gideon sür 96 000 Mk. gekauft. Die Farmen sollen dem Betrieb von Wollschafzucht dienen. Der bisherige Besitzer, der Farmer Emil v. Koenen, bleibt Pächter. — OessentliKe Aentzerungen des Kaisers zu der deutschen Kolcrnialpolitik waren bis jetzt nur wenige oder gar keine zu verzeichnen. Um so erfreulicher berührt die vorstehende Mitteilung, die ein wirkli­ches und nachhaltiges Jnte.effe für die koloniale Entwicklung bekundet und den deutschen Kapitalisten den Weg weist, der heimischen Jnlmstrie dringend benötigte Rohstoffe zu gewinnen und zuzuführen. Besondere Freude jedoch wich die Nachricht in dem Schutzgebiet selbst erregen.

* Attendorn i. Wests., 2. Mai 1912. Einen klas­sischen Beitrag zur ParitätSfrage lieferten die Verhandlungen in der vorgestrigen Stadtverord« netenversamirilung. Vor etwa einem Jahre errich­teten die Ursulinerinnen Hierselbst einen prachtvollen Neubau für ein Mädchenpensionat und erboten sich, ohne irgendwelche Kosten und Ver­pflichtungen der Stadt eine zehnklassige, allen staat­lichen Anforderungen entsprechende höhere Mäd- cheuschnle zu errichten. Mit Freuden wurde dieses überaus günstige Angebot von den Stadtver­ordneten im vorigen Jahre einstimmig angenom­men. Aber auf tontnb der von der Arnsberger Regierung erstatteten Berichte versagte der Mi­nister die Genehmigung, well ein Bedürfnis zu einer berechtigten Anstall nicht vorliege, forderte aber die Stadt auf, die bestehende, von einer einzigen Lehrerin geleitete „Mittelschule" weiter auszubauen. Nunmehr erboten sich die Urfulinerinnen zu einer neunklassigen nich'.berechtigten gehobenen Mädchen­schule auf eigene Kosten ohne städtische Beihilfe siir jetzt und in Zukunft. Nockirnals bat man die Re­gierung um die Genehmigung unter Hinweis dar­auf, datz die kleine 4500 Einwohner zahlende Stadt bereits 240 Prozent Kommunalsteuer zahle, datz sie allein in den letzten fünf Jahren aus eigenen Mitteln über 300 006 Mk. für den Neubau des Gymnasiums und einer Volksschule verausgabt habe und datz auch die evangelsiche Gemeinde mit Freu­den die in Aussicht gestellte Schule begrüße. Wie feindlich die Regierung in Arnsberg auch diesem Plane gegenüberftand, wutzte man, hoffte aber, durch eine Deputation beim Ministerium einen gün­stigeren Bescheid zu erlangen. Uebet den Verlauf der Unterredung mit dem Unterstaatssekretär v. Chapvius und dem Geheimrat Meyer berichtete nun vorgestern der Bürgermeister. Die Bedürfnisfrage habe man nicht mehr berührt, da ia die Regierung selbst zum Ausbau der Mädchenschule dränge; da- fegen sei ihm entschieden erklärt worden, konfes- i o n e k I e Gründe schlöffen die Errichtung einer von Schwestern geleiteten Schule aus. Nach einem Berichte der Arnsberger Regierung, die sich auf den evangelischen Ortspfarrer von At­tendorn berufe, würden nämlich allein zu Ostern b. I. sechs bis sieben evangelische Kinder in die bestehende Mittelschule eintreten, und überhaupt sei