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59 ratzrgang.
" Fuldaer W Leitung
3. Blatt.
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K Der g dÄeiterte Hetzversuch der liberalen Kulturkampser.
Die Interpellation Bafsermann über den baye- rischen Erlaß zum Jesn-.tengcsetz sollte eine kullur- kSmpferiiche Haupl- und ©taatSaltiou tut Auffrischung des alten antikatholischen furor bedeuien. Die Bassermaun'fche Partei lieb den b«- währten Kulturlämp'er Junck von ihrem linken Flügel zwei Reven halten und sandte obendrein noch den Abg. Ort mann vor, der im Hetzen gegen Jesuiten intö Zentrum das möglichste leistete. Ader »och erreichten sie die erstrebte Stimmung ün Reichstage nicht. Wir hoffen, daß sie auch iw Volke nicht erreicht wird.
Sollten die Liberalen den Mitz erfolg ihre» hetzversuches bestreiten wollen, so hatten wir ihnen rin Zeugnis aus ihrer eigenen Preffe entgegen. Die Rationalzeitung schreibt über dre Verhandlung:
»Einen sehr befriedigenden Verlauf hat die De- Satte trotz der beiden trefflichen Reden des Abg. Junck richt genommen. Die Mehrheit des Reichstages steht rben heute der ganzen Jesuitenfrage mit sehr la«, »annen Gefühlen gegenüber, und ihre Gleich, ziltigleit verhindert eine großzügige Bespre. chung dec nationalliberalen Interpellation, obgleich 4y, Stunden über das Thema verhandelt wurde."
Darnach hat man also erkennen muffen, daß mit »Kulturpaulen" gegen Jesuiten und Katholizismus gegenwärtig kein Staat und kein Geschäft mehr zu machen ist.
Der Fehlschlag der Hetzer erklärt sich freilich zum Teil schon darmis, daß ihnen durch die Mittei- luugendes Reichskanzlers der Boden ent* Gen wurde für ihre theatralischen Klagen über Ber, ,ung der Reichsgesetze und Durchbruch der Rechts- rinheit im Reiche. Bon all diesen Beschwerden und Befürchtungen bleibt gar nichts übrig. Denn »er Reichskanzler konnte seslstellen, daß die bielge» schmähte bayerischeRegierungim Jntereffe der Eintracht das größte Entgegenkommen bewie. se« hat, das überhaupt möglich war. Vielleicht ivird man hier und da sogar fragen, ob nicht diese» sntgegeukommen zu groß ausgefallen ist. Nach »en Mitteilungen des Reichskanzlers hat die bayerische Regierung alsbald den förmlichen Antrag beim Bundesrat gestellt, den Begriff der verbotenen „Ordenstätigkeit" zu definieren. Zugleich hat die bayerische Regierung Vorsorge getroffen, daß bis pnn Ergehen des Bundesratsbeschluffes auch in Bayern die Anwendung und Handhabung des Ge-> [etzeS auf Grund der bisher, im ganzen Reiche be. stehenden Hebung weitere Folgen hat. — Wenn wir Ja« recht verstehen, so hat die bayerische Regierung Vorläufig auf die Ausführung ihres jüngsten Erlöstes verzichtet und die künftige Handhabung des Jesuiten, zesetzes tu dem bayerischen Lande von dem beantrag« leit Bundesrütsbeschlusse abhängig gemacht. Mehr konnten doch auch die Gegner vernünftiger Weise nicht verlangen und nicht erwarten.
Das entscheidende Wort hat also nunmehr der Bundesrat Die Berufung an den Kaiser all di« verfassungsmäßige Instanz zur Ueberwachung der Ausführung der Reichsgesetze ist gegenstandslos geloschen, nachdem beim Bundesrat die Definition beantragt ist, zu der das Ausnahmegesetz den Bundesrat berufen hat.
Es handelt sich nun darum, ob der Bundesrat von 1912 noch an der Willensmeiming festhalten will, welche die o. rbünbeten Regierungen von 1872 in der Hitze des jungen Kulturkampfes gefaßt haben: Daß alle priesterliche Tätigkeit gleich Ordenstätigkeit und also verboten sei. Eine Revision der Beschlüffe und Verfügungen, die vor 40 Jahren unter abnormen Verhältnissen erlaffen wurden, ist offenbar im schärfsten Sinne dieses Wortes »zeitgemäß". Interessant war die Mitteilung des Reichskanzlers, daß der Bundesrat im Jahre 1872 sich ausdrücklich »ergänzende und abändernde Anordnungen" gemäß den Erfahrungen im Laufe der Zeit sich vorbehalten hat. Man kann doch mcht behaupten, daß damit nur Der- schärsungen und nicht auch Milderungen gemäß den veränderten Verhältnissen in's Auge gefaßt gewesen seien.
Sollte wieder Verhofsen der bevorstehende Bundesratsbeschluß von demselben kulturlämpse- rischen Geiste beseelt sein, wie der Beschluß von
1872, — whä, beim rwffe» alle Katholiken und alle Freund« der Siechr-gleichheit, daß kein anderer AuS- weg bleibt, aU bw Aufhebung de» abscheulichen Ausnahmegesetzes.
totales.
Fulda, den 27. April 1912,
** Sine regelmäßig« Sitzung der Stadtverordueteu- Versammlung findet am Montag, den 2 9. April 1912, adendS THt übt, statt mit folgender Tages- Ordnung: 1. Bewilligung eines Beitrages zu den Agitationskosteu gegen ^luftVerunreinigungen der Kaliwäfser. (SunteL) 2. Bewilligung eines Beitrages zu den Kosten einer von dem Verkehrsverband her- ausgegebeneu Sondernummer ..Heffen und Walbeck*. (Giez.) 8. Befestigung des PromenadewegeS vor dem Paulusior brS an dre Leipzigerstraße und Bewilligung der Kosten. (Schultheis.) 4. Nachbewilligung der Mehrkosten zu dem Etat der Stadtpfarrkirche. (Kapp.) 6. Etatsüberschreitung beim Armenetat. (Streber.) 6. Anlage einer Privatstraße zwischen der Daldergstroße und dem unteren Fried- Hofe. (Mahr.) 7. Einladung zum Hessischen Slädte- tag. (Dux.) 8. Löschung». und Freigabeurkunden. (Singer.) 9. Erlaß eines Pachtteilbetrages für den früheren Pächter der Orangerieiäle. (E'ckenscheidt.) 10. Umpflasterung deS Schweinemarites und Bewilligung der nach de« neuen Projekt entstehenden Mehrkosten. (Adam.) 11. Feststellung des BauprogrammS für den Neubau der Oberrealschule. (1. Berichterstatter Fritz, 2 Berichterstatter Adam.)
Generalversammlung deS christlichen Gewerk- schastskartellS für stulda und Umgegend. Am Sams- tag, den 20. d. M., sand die Generalversammlung des christlichen Gewerkschaftskartells in der »Har- ntonie* statt. Der JahreSderich!, erstattet vom Kartellvorsitzenden, Sekretär Stahl, ließ eine vielseitige und rührige Arbeit des Kartells für die angeschloffenen Gewerkschaften erkennen. Ein reger christlicher Ge- werkschastsgeift hat im verflossenen Jahre in den einzelnen Zahl- und Verwallungsstellen geherrscht, 'an der Steigerung der Mügliedcrzahlen waren fast alle Verbände beteiligt. Dre Zahl betrug am Jahresschluß 1911=800. Lohnt ewegungen wurden geführt von den Bau-, Holz-, Metall-, Textil- und Gummiarbeitern. Die Bau- und Holzarbeiter griffen, um ihren Wünschen und Foroerungen zum Durch- brnch zu verhelfen, zum Streik. Die übrige« Bewegungen wurden friedlich erledigt. Erreicht wurden mehrfach Lohnerhöhungen, ferner konnten im Sau» und Holzgewerbe Tarife abgeschloffen werden, die den Frieden im Gewerbe für längere Zeit sichern. Angemeffene Summen wurden für Kranken- und SterbeunlerMtzung ausbezahlt, für diese beiden erstgenannten 3025,96 UL, weiter für Streikunterstützung 2891 Mark. Die Lokal vermögen konnten in den einzelnen Verwaltungsstellen eine bedeutende Steigerung erfahren, ferner ist eine gut ausgebaute Kartell- bidliothek vorhanden, welche mehr und mehr den Bedürsniffen angepaßt und den Mitgliedern gratis zur Verfügung gestellt wird. Einzelne Verwaltungsstellen sind hierin bereits bahnbrechend voranzegangen. Der Bericht ließ weiter erkennen, daß die Aussichten für die christlichen Gewerkschaften auch im Jahre 1912 nicht ungünstig sind. Mit Bestimmtheit ist e.n weiteres Wachsen und Vorwärtsschreiten zu erwarten, was auch für daS allgemeine Volkswohl und nicht zuletzt für die Arbeiterschaft selbst von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist.
Vor der Straffammer hatte sich gestern der Schmied Hermann Koch, wohnhaft in Oberbimbach zu verantworten wegen Diebstahls von 50 Mk., die er sich aus einer Lade aneignete. Er erhält unter Bewilligung mildernder Umstände einen Monat Gefängnis. — Der 24 Jahre alte Musiker Fr. aus dem Rhöndorf S. schlug dem Joseph Mähler von Thaiden am 17. Dezember 1911 im Verlauf eine- Streite» auf der Heimkehr von der Musik mit einem stumpfen Instrument derart ins Gesicht, daß M. da» Sehvermögen auf einem Auge vollständig einbüßte. Der Schwerverletzte befand stch damals längere Zeit im hiesigen Landkrankenhause, wo chm das schadhafte Auge herauSgenommen und durch ein Glasauge ersetzt wurde. Rach Ansicht des Sachverftänoigm Dr.
Schutte ist DL dauernd in seiner Erwerbstäligkeit beschränkt. Der Erste Staatsanwalt hatte unter Berücksichtigung mrldernder Umstände em Jahr Gefängnis beantragt Tas Gericht verurteilte den Angeklagten zu neun Monaten Gefängnis. — Auf dem Postamt in Hünfeld wurde am 16. Februar d. Js. ein falfches Ein-Dtarkstück in Zahlung gegeben. Da man den Falschmünzer nicht ermitteln konnte, so wurde das Verfahren gegen .Unbefannt' eröffnet und auf Einziehung des falschen Geldstückes ettamit. — Aus der Haft vorge- sührt wurde der 16 jährige Klempnerlehrliug Fran, Joseph Rack von hier. Er und der 21 Jahre alte Arbeiter Franz Eichenbrodt hatten sich wegen gemeinschaftlichen schwerenDiebstahlS(5 Tauben, 2 Hühner und 5 Eier hatten sie gestohlen) und die Mutter des Eichenbrcdt wegen Beihülie zu verantworten. Die beiden Erstgenannten wurden zu je 3 Wochen Gefängnis und Frau E. zu 6 Tagen ÄesängniS verurteilt. — Die Berufung, die der 53jähnge R. auS Großenlüder gegen eme Verurteilung wegen Beleidigung eingelegt Halle, wurde verworfen.
* Abermals ein trockener Sommer. In einem Artikel, den Professor Dr. W. Halbfaß in der,Jen. Ztg/ Über die Regenverhält uffe zu Beginn des Frühjahrs 1912 veröffentlicht, kommt der Gelehrte zu dem Schluß, daß wir in Mitteldeutschland in diesem Jahre einer noch weit größeren Trockenheit entgegensetzen werden, als im vorigen Jahre. __________________
Aus dem Nackbaraebiete.
♦ Bad Orb, 26. April 1912. Der Regierungspräsident hat das Gehalt des neu zu wählenden Bür- gernicisters auf 4800—6000 Mk. pro Jahr festgesetzt.
* Franksurt a. M., 26. April 1912. In der Nähe der unteren Schweinstiege im Frankfurter Wald kam ein Automobil der Opelwerke von der Straße ab und stürzte um. Von den drei Jnsaffen wurde einer getötet, die beiden anderen schwer verletzL
* Darmstadt, 26. Avril 1912. Aus der Landesirrenanstalt ist heute nacht der vielfach zuletzt mit fünf Jahren Zuchthaus vorbestrafte Schlaffer Heinrich Schmidt au? Sprendlingen bei Franksurt a. M. entsprungen.
♦ Aus Franken, 26. April 1912. Auf bedauernswerte Weise sind zwei Oekonomen-Kinder im Orte Zellingen um das Leben gekommen. In der Scheune des Oekonomen Willmann brach Feuer aus, das auch auf die Scheune des Oekonomen Fuller Übergriff. Die beiden Kinder, 4*/i und 5'/, Jahre alt, die jedenfalls den Brand verursacht hatten, wurden erstickt und halb verkohlt als Leichen aufqefunben. Dir Kinder hatten wahrscheinlich ein Feuerchen in der Scheune gemacht und sich bann aus Furcht hinter bem Jauchefaffe versteckt. — Der Infanterist August Rohmann aus Aschaffenburg beim 17. Jnfanterie-Regimente bat sich mit seinem Dienstgewehr erschaffen. Der Grunb der Tat ist unbekannt.
Amt Geisa und Umgebung.
* Vacha, 26. April 1912. Der Amtsgerichts- diener Oskar Schmidt von hier ist vom 1. Juni 1912 ab in gleicher Eigenschaft an da» Großh. Amlsgericht zu Auma versetzt worden.
* Dermbach, 26. April 1912. Hauptmann z. D. und Bezirksosfizier Mila ist 'an das Meldeamt in Jan i. Schl, versetzt morsen.
= Wicsenscld bei Geisa, 25. April 1912. Nach- dem dem hiesigen Krieger- und Militärverein die Erlaubnis zur Fahnenführung erteilt worden ist, beabsichtigt dieser, Mitte Juni das Fahnenweihfest abzuhalten. Die Gruppe 19 verbindet damit die Feier des Geburtstages Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs und hat dem genannten Verein das Gruppenfest übertragen.
Aus Gberhessen u- den Hess. Aemtern.
* Marburg, 26. April 1912. Der Maurer Beruh Stell au» Wangershausen, der bei einem Unter
nehmer in Marburg in Arbeit stand, verunglückt bei Ausübung {eines Berufes. St. war m t Kanal' sationsardeilen in einem Keller beidjäitigt. Hierin wurde dem St. von einslürzenden Erbmassen dci Brustkorb eingedrückt. Ter Veiunglückte ftanl im Atter von 34 Jahren und hmtcrlätzi cmc Witw> mit 3 Kindern. — Es wird beabsichtigt, den bf der städtischen Sparkasse angelegten Grundfonds zm Errichiung eines Kaüer-Friebrlch-Tei kmals im Betrage von tunt) 444 Mark bem Krieaerdentmal?- fonds lurufuhten.
* Oberwalgern, 26. Ilpril 1912, Vorgestern entstand in dem zwischen hier und der Nachbarge- meinde Damm gelegenen Waldleile ein Waldbrand, dem ungefähr 2 Hektar zum Opfer fielen
vermischtes.
* Ein Schüler von einem anderen erschlagen In Brünninghausen bei Dortmund gerieten zwei Bolksschüler in Streit, in bestem Verlaufe bei eine den anderen mit einem Stein erschlug.
♦ Tas Schanfeutzcr im Dienste der Kriminalistik. In Hagen war em Mädchen über! allen und beraubt worden. Der Täter hatte auf der Flucht seinen Ueberzieher und ein Taschentuch zurückgelassen. Diese Sachen wurden in einem Schauienster der Hauptverkehrsstraße ausgestellt und auf diese Weis« ein Buchbinder-Gehilfe au5 Hagen als Eigentümer der Sachen ermittelt. Er ist feit ber Tat spurlos verschwunden.
* vom Eisenbahnzug zermalmt. Auf dem Bahnhof Aschersleben fiel, als der nach Halle fahrende D-Zug sich in Bewegung fetzte, der Oberlehrer ®örring ans Leipzig zwischen Lokomotive und Packwagen und tourbc vom Zuge überfahren. Er war sofort tot.
* Infolge falscher Weichenstellung prallten in Svanieu auf der Strecke Billagova-Jaen zwei mit achtzig Kilometer Geschwindigkeit fahrende Züge ineinander. Fünf Personen wurden sofort g e« tötet, zwölf weitere schwer verletzt.
Haudel und Industrie.
* Berlin, 26. April 1912. Der vorwiegend fest, Verlaus des gestrigen Rewyorker Effektenmarktes im Verein mit günstig lautenden Berichten au» der in- und ausländischen Montanindustrie bot den äußeren Anlaß dazu, daß der hiesige Börsenverkehr zu Beginn vorwiegend Kurserhöhungen auswies. Relativ am stärksten waren diese Erhöhungen am Montanaklienrnarkte, bem heute auch eine zuversichtliche Auffassung über daS weitere Schicksal bei StahlwerksverbanbeS zu statten kam.,
Märkte.
+ Fulda, 27. April 1912. Auf bem heutiger Schweinemarkte waren 280 Ferkel und 20 Läufer aufgetrieben. Bezahlt wurden für Ferkel je nach bem Atter, 40 bi» 45 Mk. per Paar. Läufer 70 bi« 80 Mk. per Paar
* Kirchhain, 24. April 1912. Der gestrige Schweinemarkt hatte wieder guten Auftrieb Krzeichncn, e» waren 646 Saugferkeln und Lau- weine zugetrieben, die Preffe standen hoch wu bei dem letzten Markt. Der Haudel war gut.
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Erhöhung der Leistungsfähigkeit.
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