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Samstag den 20. April 1912.
39. Jahrgang-
Ttildaer
Zeitung
z. Blatt.
vr»« unb Verlag der Sulbaet Idleabntaettl t» Seite.
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X „Lebe« nnd lebe« laste«
en Könige
mige von
volkwlrsichastllchts nnö Soziales.
Reklamen, nnd Anzeigenteil.
sucht zu haben.
j » Limburg, 19. April 1912. Das Zeppelinluft- 1 schiss -Viktoria 8 uike " nahm bei der Rück-
Amt Geisa und Umgebung.
" Geisa, 19. April 1912. DaS Frühjahrs. Musterungsgeschäft hatte im Amtsgerichts- bezirk Geisa folgendes Ergebnis: Von 118 S!eliungs- pstichtigen wurden 39 ausgehoben, im Amtsgerichts» bezirk Dermbach wurden von 122 Siellungspflichti« gen 40 ausgehoben. Im gesamten 4. Verwaltungs- bezirk wurden von insgesamt 769 Geslellangs« pstichtigrn 246 ausgehoben. Im 3. Verwailunas» bezirk wurden von 1335 Gestellungspflichtigen 480 gezogen, sodaß das Gelamlergebnis im Meid amts- bezirk Eisenach-Dermbach folgendes ist: 2104 Gestellungspflichtige und 664 zum Militär ausgchoden. — Der 4. Verwaltungsbezirk, der ländliche, hat also den weitaus größeren Prozentsatz militärdienstfähiger Leute aufzuweisen. — Aus einem Orte des Ober- landes wurden von 10 Personen 9 zum Militär ausgehoden. Der Bürgermeister bet Ortes, der reckt stolz auf dieses Ergebnis war, meinte an dein Musterungstage: „Io, bei ons ivird got gefrässe an gesoffe, on nüscht os de Sparkasse geto, darum Hann mei an tüchtige Kärle!"
♦ Tiefenort, 18. April 1912. Die hiesige Schul, hat zwei neue Lehrkräfte bekommen, und ei wirken mfn im ganzen an derselben 12 Lehrer. — Wegen der sich immer mehr häufenden Arbeit im Bürgermeisteramt ist eine neu« Sekretärstelle eingerichtet und bereits vergeben worden.
Aus Gberhesten u- den hest. Remtern.
[:] Neustadt, 19. April 1912. Der hiesige Magistrat hatte beschlossen, zu den Untosten der Fahrpost Neustadt-Alsfeld vorläufig auf die Dauer von 3 Jahren jährlich einen Zuschuß von 50 Mk. zu leisten. Diesem Beschlüsse sind auch die Stadtverordneten in ihrer gestrigen Sitzung beigetreteu. Ferner wurde die Anstellung eines Feldhüters mit einem Gehalte von 540 Mk. beschlossen. — Die Königliche Regierung zu Raffel hat das Projekt einet virrklassigen Volksschul- neubaues verworfen, und ist nur bereit, den gesetzlichen Beitrag zum Neubau zweier Schulsäle zu bewilligen, da die Schülerzahl voraussichtlich in den nächsten Jahren keine solche Steigerung erfahre, welche obiges Projekt rechtfertige; anderenfalls baue die Stadt aus eigene Kosten. — Das hiesige Kriegerdenkmalhat nun auch etwas gärtnerischen Schmuck erhalten und macht dadurch einen ge- fälligern Eindruck.
Handel nnd Industrie
* Berlin, 19. April 1912. Die ersten Schüsse sind gefallen, und flugs fielen auch die Kurse fast aller Papiere, obgleich für die weitaus meisten ga kein Grund dafür da war. Die türkischen Äse gingen sogar nicht unerheblich herunter und ebenso litten die Aktien der deutschen Bank, die in der Türkei stark interessiert ist. AIS Ursache für den gleichzeitigen Rückgang der Montanpapiere wurde auf die Schwierigkeiten bei dec Erneuerung des Kohlensyndikats, die gestern gerade so groß waren wie beute, hingewiesen. Gegen Schluß war man aus Meldungen über Festigkeit an der Londoner Börse wieder bester gestimmt, so daß die Kurse sich wieder etwas erholen konnten.
Märkte.
+ Fulda, 20. April 1912. Auf dem heutigen Schweinemarkte waren 300 Ferkel und 6 Läufer aufgetrieben. Bezahlt wurden für Ferkel je nach dem Aller ä 18, 21 u. 26 Mk. Läufer 5 30, bis 35 Mk.
Geltung gebracht werden. Wir haben in Baden schon seit Jahren das Aergernis, baß die liberalen Beamten dieses Bundesstaates mck Wissen und Willen ihrer Regierung die sozialdemokratischen Bundesgenossen des Liberalismus bei den Wahlen aus das kräftigste unterstützen, und sie können sich dabei auf das Wort des Ministers berufen datz die Sozialdemokratie eine ,großartige Bewegung" sei. In Elsatz-Lothringen hat man vor kurzem erst erlebt, daß die Beamtenschaft von oben bis unten die Wahl von roten Blockbrüdern begünstigt, um der gefürchteten „schwarzen Mehrheit" zu entgehen. Und soeben schwelgt wieder die linksliberale Presse in ganz Deutschland in der Ausbeutung von Reden des Staatssekretärs Zorn v. Bulach und des Unterstaatsfekretärs M a n d t, welche die Unterstützung von sozialdemokratischen Kandidaten durch Beamte zu beschönigen suchten, wenn sie auch „prinzipiell" Vorbehalt „zur Wahrung des Gesichtes" machten. — Das liebel ist leider nicht auf Süddeutschland beschränkt geblieben. In Norddeutschland haben wir ja auch das schöne Wahlbündnis zwischen der Sozialdemokratie und bcnt Fortschritt in Wirksamkeit gesehen, und als die National- liberalen in Düsteldorf und Köln einen Umsturzkandidaten gegen den Zenttumsmaun durchbringen wollten, haben Beamte sich erfolgreich an dieser „staatserhaltenden" Arbeit beteiligt.
Als vor kurzem das bahettsche Ministerium die Absicht krmdgab, gemäß den besonderen Verhältnissen und Bedürfnissen seines Landes das Jesuitengesetz nicht ganz so schroff zu handhaben, wie es die preußischen Erlasse vorschreiben, da rief die ganze Linkspreste und leider auch ein Teil der konservativen Preste, die Reichsgewalt müsse sofort Eingreifen, nm die notwendige Einheitlichkeit der Jesuitenverfolqung, d. h. die Einheitlichkeit in der kulturkämpferischen Schärfe, wieder herzustellen und zu sichern. Nach unserer Ansicht hat die Reichsgewalt viel bringenbete Aufgaben, als die Schikanierung ber einzelnen brutschen Jesuiten, unb eine einheitliche Taktik der verbündeten Negierungen ist vor allem geboten in der A b w e h r d e r U m st u r z g e f a h r, die nicht bloß alle Einzelstaaten, sondern auch das Reich und die ganze Gesellschaftsordnung in ihren Grundlagen bedroht. In dem Bestreben, den Beamtenkörper gesund und zuverlässig zu erhalten, sind glücklicher Weise die Minister ber beiden größten Bundesstaaten zur Zeit einig, da auch der preußische Minstter des Innern sich ebenso entschieden wie die bäuerische Regierung gegen jede Unterstützung der Sozialdmokratte durch die Beamten ausgesprochen hat. Aber der Reichskanzler sollte auch in den andern Staaten in tiefem Punkte die Abstellung der Aergeruisse an- ftreben, und den Anfang könnte er mit Fug und Nutzen in Elsatz-Lothringen machen, dessen Regierung ja seiner Oberberrschaft untersteht.
Mit dem „Leben und leben lassen" ist gegenüber der zielbewußten Umsturzpartei nicht auszukommen.
braucht nicht ausrafalien, meine 9 Herren, wenn Sie sich ange- ’ wohnen, Wybert-Tablettea bei sich zu führen und bei be- ■ legtet Stimme oder rankem Hals davon zu nehmen. «Es gibt kein besseres Mittel, um die Stimme sofort klar und frisch tu machen.» Dies ist der Inhalt zahlloser Zeugnisse über die in ihrer Wi» kung unerreichten Wybert-Tabletten, die in alles Apotheken 1 Marit pro Schachtel koste».
r„_ W^ispruch der Gemütlichkeit wollte die- ä o^E'chsrat der Krone Bayerns zu Guu- sten der Sozraldemokratie in'S Feld führen Zu^rvben Freude der Großblockpreste, Re nicht verfehlte krafttg hervorzuheben, daß dieser Reichsrat verschwägert fet mit einem tünf^ - -
von Bayern und dem gegenwärtigen Belgien.
Ausland.
** Eint» Entwurf zur Ergänzung des Münz. Gesetzes legte der niederländische Finanzminister der zweiten holländischen Kammer vor. Der Gesetz« entrourf ermöglicht es, unter dec Kontrolle der Kam- mern Geld auch aus Silberbarren zu prägen, foro.it es die Umlaufsbedürfniste erfordern. Sodann schlägt der Gesetzentwurf die Einführung eines goldenen Fünfgulden-Stückes unb einer viereckigen Fünfzent« Münze vor. Außerdem verbietet er die Emfüh- rung von deutschem und belgischem Silbergelb im Betrage von über 20 Mark bezw. 25 Franks und von Geld aus unedlem Metall über 10 Mark bezw. 12l/s Franks.
•* Die GefängniSgreurl in Portugal Der in Portugal hochangesebeue Adg. Offorio machte Enthüllungen über di« Martern, die die wegen politischer Vergehen Eingekerkertrn in den Gefängnisten erdulden wüsten. Im Senate griff der Monarchist Rtbas den Justizministrr heftig an, der sich mit nichtssagenden Redensarten gegen die Angriffe verwahrte. Abg. Santos verließ mit seimn Gesinnungsfreunden den Sitzungssaal unb will ihn sticht eh" wieder betreten, als bis der Justizminister eme genügende @rf!5run? abgegeben hak.
** Di« Republik China stötzt bei ihren Versuchen, das Hochland Tibet dauernd unter ihre Herrschaft zu bringen, auf gefährlichsten Widerstand. In ber „heiligen Stabt" des Buddhismus in L h a s s a, hat ein Kampf stattgefunben, in dem die Chinesen geschlagen wurden und sich in ein Kloster flüchteten. Rach unbestätigten Nachrichten begannen die Unruhen auf einer Konferenz, die von dem neuen chine- stschen Gouverneur einberufen worden war und auf ber ein tibetanischer Beamter so freimütig war, daß ber chinesische Beamte befahl, ihn hinzurichten. Der Tibetaner floh in das Kloster Sera drei Meilen von chinesischen Truppen verfolgten ihn und beschossen das Kloster drei Tage lang. Darauf tour» , n J« gezwungen, sich unter Verlusten nach Lhasta zuruckzuzrchen. Als sie hierbei auf unbeteiligte Ti-
JMen, erfolgte em allgemeiner Aufstand turs» be are,LUlb Straßenkämpfe. Biele Chinesen wurden getötet ober tn ihren Häusern lebendig ver- orannt. ö
Ministerpräsident v. Hertling trat dem Versuche, für die süddeutsche Sozialdemokratie zu wirken, entschieden entgegen, indem er ausführte, daß rwischen bet Umsturzpartei diesseits und jensetts des Mams durchaus kein wesentlicher Unterschied bestehe, unb daß auch bie süddeutsche Sozialdemokratie revolutionär und international fet Bei dieser energischen Zurückweisung hielt sich freilich Herr Heftung in dem Rahmen einer bedächtigen Real- pouttr, indem er zur Abwehr der Umsturzpartei toe- bTsr<^5ltln<16rc9€ln "och irgend ein Wundermittel r „' uctst nahm, sondern vielmehr die A u s h e i- will unter bon innen heraus adwarten
Kra. ^L,L'^eb-n, die A u s b r e i t u n g der t e n K h ÄIanmn runb allem den Bea m»
HK' 'M ’sHf Ä LWS Welche berufen ist, den Staatsgedanken zu revrasen- tteren, zu verwirklichen und zu verteidigen, darf nicht von revolutionären Tendenzen irgendwie beeinflußt werde«, ja nicht einmal dem Verdacht einer um- stürzllrischen Gesinnung ausgesetzt jein.
. Dch hat man früher allgemein für selb st v x r- stanizlich gehalten. In dieser Zeit der rosaroten lockbestrebungen muß e» leid« von neuem zur
Aus dem Nachbargebiete.
* Tänn (Rhörtt, 18. April 1912. Einige Tage verweilten hier 12 Offiziere vom Großen Ge- n e r a l st a b, darunter em General und ein Oberstleutnant. Die Herren schieden gestern von hier, um in Kaltennordheim ihre Tätigkeit fortruietzen.
• Bon der Ebertalsperre, 19. April 1912. Nun herrscht wieder reges Leben an der" Mauer der Talsperre. Es wimmelt von Arbeitern hier und in den umliegenden Ortschaften, doch treffen noch täglich Mannschaften ein. Die neue Bahn an ber Michels- kopfseite funktioniert tadellos. Im Zickzack klimmt sie beit Berg hinauf bis sie hoch genug ist, die mit Mauersteinen beladenen Wagen auf bie Maner schieben zu können. Fleißige Handlanger übergeben den Maurern das Material, welches von diesen dann verarbeitet wird. So werden täglich eine Menge Kubikmeter Mauerwerk hergestellt, sodaß man bie Früh jahrsarbeiten dieses Jahres schon bemerken kann. Wenn bie Talsperre bis zum 1. Oktober 1912 fertig sein soll, wie man annimmt, bann muß auch noch viel geleistet werben.
♦ Kassel, 19. April 1912. Bou selbständigen Konditoren Kaffels wurde eine Eis-Kompagnie zum Vertrieb von Speiseeis auf ber Straße gegrünbet.
L Wltzevhanfeu fWerra), 19. April 1912. Der Kreisausschuß des Kreises Witzenhausen be- willigte 323000 Mark Grunderwerbungskosten zum Bau der neuen Eisenbahnstrecke Eichenberg—Witzenhausen—Großalmerode unb 32000 Mark für ven Wegebau im Kreise. Ter Kostenbetrag über Den Haushaltungsplan für 1912 wurde in Einnahme und Ausgabe auf 415000 Mark lestgesetz'
* Usingen, 18. April 1912. Die Polizei ver- haftete ein hier bedienstetes Mädchen, das im Verdacht steht, seine frühere Dienstherrin in Frankfurt a. M. mittels Salzsäure zu vergiften ber»
fahrt von Düsseldorf nach Frankfutt seinen Weg nicht am Rheine entlang, sondern fuhr über be» Westerwald und überflog babei ganz unerwartet unsere Stabt.
* Hildesheim, 19. April 1912. Der an einer Außenwand des Hildesheimer Domes befindliche berühmte tausenjährigeRosen st rauch stand in den letzten Jahren in Gefahr, völlig einzugehen, da bie Schilblaus unb anbere Krankheiten an ihm arge Verheerungen angerichtet hatten. Dank sorg samster Pflege unb infolge feiner künstlichen Ernährung mit Ochsenblut ist ber berühmte Strauch jetzt toieber völlig gesunbet unb hat bereits recht kräftige unb gesunde Triebe entwickelt.
** Aschaffenburg, 19. April 1912. Der Redakteur Matthes der hiesigen liberalen „Aschoff. Ztg.", der wegen Beleidigung seiner politischen Gegner schon vielfach vorbestraft ist, hatte im Verlauf der Wahlkämpfe einen Artikel gegen den Zen- trumssührer Haus geschrieben, bet von persönlichen Beleibigungen strotzte. Er warf Herrn Hans u. a. objektiven Meineid, eheliche Untreue rc. vor. In ber Gerichtsverhandlung wegen dieser Beleidigung mußte er zugeben, daß er zugetragene Gesckichten ohne jede Prüfung wiedergegeben habe. Matches wurde zur Gefängnis st rafevon einer Woche unb Tragung bezw. Ersatz sämtlicher Kosten unb Auslagen verurteilt. In ber Urteilsbegründung wurde als straserschwerenb erwähnt, daß von Matthes die Familienehre eines Mannes aufs schwerste ohne jede stichhaltige Unterlage angegriffen worden sei. Ferner müsie erschwerend in die Wagschale fallen, daß ein Vorgehen wie das des Beklagten auf das private Leben zerstörend und auf das öffentliche Leben bergif» tenb wirken müsse. Mit dieser Verurteilung des Matthes ist ber ganze Aschaffenburger Liberalismus getroffen, ber dem verurteilten Redakteur nach Beendigung ber Wahlkampagne eine demonstrative Belobigung hatte zuteil werben laffen.
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 19. April 1912.
Präsident Kämpf verliest ein Dankschreiben, das Ihm für die 93edetos(unbflebung des Reichstages anläßlich des Unterganges der ,Tltantc" vom englischen Botschafter Goschen zugegangen ist.
Das Haus jetzt die BeraklUig des Etats des Reichs- justizamtes fort.
3« den bereits mitgeteilten Resolutionen sind noch hinzugekommen eme Resolution Mumm (wittich. Agr.f, die Kinematographentheater der Gewerbeordnung und überhaupt einer schärferen und einheü- licheren Aufsicht zu untenieUeii, sowie eine Resolution Dr. Hoppe (ntlb.) aut reichsgesetzliche Regelung der Zulaffungsbedingungen zum Rechtskonsulentengewerbe, sowie aut Fesüieilung einer Gebührenordnung für die Rechtskonsulenten.
Äbg. Heine (Soz.): Wir werden die Resolution Norman» aus gröberen Schutz der Jugend gegen Schmutz- und Schundliteratur ab lehn en, weil wir wissen, daß sich hinter dem Deckmantel des Schutzes gegen die llnsittlichkeit der Pferve,uß der Reaktionären Gegnerschaft gegen jebe wtrlliche und freiheitliche Kunst und Literatur versteckt. Nach wie vor machen wir auch Yroiit gegen das Duett Unwesen und gegen die schlagenden Studentenverbindungen.
Abg. Pfeiffer (dn.): Es muß zugegeben werden, daß bei der Rebeneinandersteltung der Urteile verschiedener Gerichte m em und derselben Materie man sich zuweilen eines Kopjschüttelns nicht erwehren kann. In Würzburg hat ein Ingenieur für einen wahlberechtigten Mann eine Stimme abgegeben, wurde angezeigt aber freigejpnxtjen. In der Nachbarschaft in Schweinfurt stand ein Arbeiter wegen desselben Deliktes vor Gericht und ist zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt worben. Solche Fälle müssen aufreizend wirken. Bei ber Vorbildung der Juristen darf nicht unerwähnt bleiben, in welcher Weite die Examina von einzelnen Professoren abgehalten werden. Man erzählt sich da in erngeweihten streifen geradezu unglaubliche Fragen ber Herren. Die Bedeutung derKinematographen in etuologischer, geographischer unb naturwissenjchaft» kicher Be tehung ist zweifellos sehr hoch einzuschätzen, aber leider bringen sie außerordentliche Schädigungen unserer Jugend durch die vorgeführten Schauerromane mit sich. Hier würde sich eine ft ensur nach preußischem Muster für das ganze Reich empfehlen.
Abg. ,-trhr. v Richthofe» (natt.) befürwortet eine inzivtfch-a k.a jC.jartgene Resolution van Calker, von Reichswegeit eme einheitliche Regelung des Bildungs- Sganges ber Juristen in die Wege zu leiten, unb ordert eine Berfchärfung des Splvnugegesetzes.
Staatssekretär Llsro: Eine Verschärfung des Spitwagegesetzes ist in dem Borentwurf zum Straf» gesetzbuch bereits vorgesehen. Nur wenn die Mililär- verwallung dahingehende Anträge stellt, werden wir por Erlaß des muen Strafgesetzbuches eine Verschärfung des Gesetzes vornehmen müssen.
Abg. Dr. Ablaß (Bp.) tritt für eine Revision ber RechtsanwaltsgebUijren em. Um die Unabhängigkeit ber Richter absolut sicher zu stellen, sollte der Gedanke in Erwägung gezogen werden, den Richtern die Annahme von Orden und Titeln überhaupt zu verbieten. Durch Zusammenstöße vor Gericht rote jetzt beim Asyltsten- Äin Moabit fühlt sich nicht nur der Jurist, sonach der Late angerotbert. Diese Zustände müssen die beste Justiz in Grund und Boden ruinieren! Diesem würdelosen Treiben muß nach Beendigung des Prozesses unter allen Umständen nachgegangen werden. Di« Rellame spielt bei den Anwälten leider eine Rolle. Der Redner fordert eine engere Begrenzung des Begriffs der Wahrung berechtigter Interessen im § 193. In einer Krisis wie beim Kohlenstreik muß ber Richterstand auch den Anschein vermeiden, als ob er sich auf eine bestimmte Seite stellt. Bor der Justiz müflen alle gleich fein.
Abg. Dombek (Pole) begründet eine Resolution auf Gewährung von Tagegeldern an Schöffen und Geschworene, damit auch Arbeiter zu diesen Aemteru zugezogen werden können.
Abg. Bolz (Ztr.) tritt für die Rechtsfähigkeit der BerusSvereme und die gesetzliche Regelung der Tarif- verttäge em.
' „Abg. Siehr (Bp.) empfiehlt die Resolution auf einheitliche Regelung der Borvildung der Juristen.
Abg. Warmuth (b. t P.) spricht über einige pro» »effuale Fragen.
Die Ausiprache schließt. Die Resolutionen gegen die t-chmuy- und Schundliteratur und die Aus- Wüchfedes Kinematographen werben angenommen, •benfo brejentgen, bie Tagegelder für Schössen «nb Geschworene und eine Reform der juristischen Bor- dildung fordern. Die Resolution über die Rechtskonsulenten wird abgelehnt.
Samstag: Schleuniger Antrag der Reichspartei, den Reichskanzler zu ersuchen, Erhebungen anzustellen, der Seeschiffahrt alle Vorkehrungen zur Sicherheit der Passagiere und der Mannschaften getroffen sind, so daß sich solche ZustLude, tote sie sich bei dem Unfall der .Titanic' ergeben haben, mcht ereignen lönnen; ferner Etat der Reichseisen, »ahnen.
inbuftrie ist ein umfangreicher Streik bei ben größten am Platze befindlichen Firmen ausgebrochen, ber ca. 5000 Arbeiter umfaßt. Bei ber A. E. G. werden fottwährend Arbeiter eingestellt. Die Zahl der bort Beschäftigten beziffert sich gegenwärtig auf ca. 2200 unb steigt ftänbig, so daß angenommen wirb, die Zahl ber Beschäftigten werbe halb 3000 erreichen. Nach Tapezierern herrschte nach allen Berichten eine lebhafte Nachfrage. Bei der Arbeitsvermittlungsstelle in Frankfutt a. M. konn- i ten sämtliche Bewerber untergebracht werben. Bon einem Mangel an Tapezierern beftchten Kaffel, Wiesbaben, Mainz unb Worms. In ber Indu - st rie b er Holz- unb Schnitz st offe war ber Beschäftigungsgrab ein durchaus günstiger. In Frankfutt a. M. wurden am meisten Schreiner für Möbel unb Kundschaftsarbeit verlangt. Für Bau- schreiner unb Anschläger war dagegen weniger Ar- bettsgelegenheit vorhanbne. Auch von austoätts war starke Nachfrage nach jung m Arbeftskräften, die jedoch wegen Mangel an geeigneten Leuten nicht gedeckt werden konnte. Ebenso war für Küfer, Wagner, Glaser und Rahmenmacher reichlich Arbeitsgelegenheit vorhanden. Auch von auswärts ber Nahrungs- und Genußmittel bezeichnet der Deutsche Tabakarbefier-Verband in Gießen die Lage des Arbeitsmarktes im Berichtsmonat als nicht günstig. In vielen Orten des Bezirks wurde in einer großen Anzahl Zigarrenfabftken nur von 8—4 Uhr gearbeitet. Tas bedeutet eine Herabsetzung ber normalen Arbeitszeit von 15 Stunden pro Woche und große Lohnantzfälle. Für das B e - kleidungsgewerbe ist besonders zu erwähnen die allgemeine Aussperrung im Schneidergewerbe. Tie Nachfrage »ach Schneidern war infolge dessen in diesem Monat nach allen Berichten außerordentlich stark. Der Geschäftsgang im Schuhmacher- g e to e r b e war im vergangenen Monat gut. In den Maßgeschäften gingen die neuen Arbeiten flott. Arbeitskräfte für erstklassige Waren waren jedoch sehr knapp und werden noch täglich verlangt. Die Mitteilungen über bie Sage bes Baugewerbes sind verschieben. Nach dem Bericht von Frankfurt war bie Arbeitsgelegenheit noch flau. In Kastel war bie Bautätigkeit sehr matt, daher Mangel an Arbcitsgelegenhest für Maurer und sonstige Bau- lfandwefter. Das Arbeitsamt in Wiesbaden führt den Mangel an Malern, Lackierern unb Stukkateuren darauf zurück, baß viele Arbeiter infolge ber am Platze herrschenden Stille im Baugewerbe auswärts, hauptsächlich im Rheinland unb Westfalen, Arbeit angenommen hätten. Aus Bad Wildungen wird berichtet, daß bie Bautätigkeit sich hebe, währenb Wetzlar mitteilt, baß bie Bautätigkeit etwas geringer sei als im Vorjahrs. Die Arbeiten an ber Eddertal- sperre sind toieber ausgenommen; es werden dort ca. 500 Mann beschäftigt. Im Buchbruckge- werbe war ber Geschäftsgang nach bem Bericht ber Tarifgemeinschaft in Frankfurt a. M. sehr gut. Offene Setzerstellen konnten oft nicht gleich besetzt werden, da arbeitslose Setzer nicht vorhanden waren. Bei den Druckern dagegen hielt sich bie Zahl ber Arbeitslosen in der gleichen Höhe wie im Vormonat. Schriftgießer wurden in einigen Fällen von auswärts geholt, da am 'Platze Mangel herrschte. Im G a st- unb Schankwirtschafts ge werb« hat nach dem Bericht ber Arbeitsvermittlungsstelle in Frankfurt a. M. bie bevorstehende Saison belebend auf den Arbeitsmarkt eingewirkt. Die aus- wattigen Auftrage per 1. unb 15. April konnten zum größten Tell erledigt werden, ebenso die lausenden Aufträge. Leider ist bie Nachfrage nach jüngeren Kräften, nicht nur bei ben Kellnern, tote Frankfutt meldet, sondern auch bei den Hausburschen, wie Kaffel berichtet, immer mehr zu h)nstatieren, so daß manche ansässige ältere Leute auf Aushilfe angewiesen sind. Sehr groß war bie Zahl ber stellensuchen, ben Zimmermädchen, während an tüchttgen Köchinnen, Haus- unb Küchenmädchen Mangel herrschte. Für die n n g e l e r n t e n A r b e i t e r hat sich nach den vorliegenden Berichten die Arbeitsgelegenheit ebenfalls gebelfert. Die Nachfrage nach Knechten und sonstigen landwirtschaftlichen Arbeitern war ebenfalls im Steigen begriffen; hauptsächlich wurden jüngere Kräfte gewünscht, die aber ziemlich selten sind. Bei den weiblichen Abteilungen bet Arbeitsnachweise bietet sich stets dasselbe Bild. Es sind viel Klagen vorhanden über wenig geschultes Personal.
'(.Die Lag« des Arbettsmarttes in Hessen-Nassa« ■*** Die Lage ber Metallindu-
Jtrie bat sich gegenüber bem Vormonat noch wei- ter gebeffert. Währenb bei bet Arbeitsvermittlungs- tette tn Frankfutt a M im Monat Februar 72 Prozent aller Arbeitslosen in Stellung kamen, tonn« ien im Marz ca. 90 Prozent Arbeitssuchende unter« gebracht werden. Als besonders erfreulich wird be- zeichnet, daß auch bie Maschinenschlosser an diesem günstigen Vermittlungsergebnis Teil genommen ha- ^n. Auch Eisendreher, Former, Schmiede und Banschloffer konnten glatt untergebracht werden. Für Spengler und Installateure setzte ber Monat . arz gegenüber dem stillen Monat Februar gut
$tar bei ben Heizern unb Maschinisten konnte cltoa nur ein Drittel ber Arbeitslosen untergebracht toerben. Im ganzen hat gegenüber bem Vorjahr Die <>ayl ber Arbeitslosen abgenonunen, dagegen ist vre Zahl der offenen Stellen unb ber Stellenbe- setzirngen gestiegen. In ber Frankfurter Metall-1 schiff