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M 89.

Hrettag des 19. AprU 19(2.

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* Waer M Zeitung

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2. Blatt

druck «ei vertag der Zatdaer Sette«» rackeret i* Satti

Dr- K i r st e n zu verantworten. Ostritz ist ein kon« I ter führte der Zeuge aus: „Ich soll mit Bezug auf Dr. fesswnell gemischteZ Städtchen von 3000 Einwohnern,, Hoffmann gesagt haben, „wenn der Kerl zu mir kommt, ♦ M AJt* UAnl AAV OAlhAr.f AM 1 1 t • A .l lOi A ' — V- e - * V ew V — ,. Ak. , V . w . w •

icrtiorging. aber

Hoffmann ausgesprochen habe, so liege das daran,

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Kleines Zemlletorr

♦ Rur kein katholische« Arzt!

(Ein Toleranzstückchen auS dem Königreich Sachsen.)

nicht hintertrieben worden, nur gegen seine Zulassung zur Krankenkassenpraxis habe man sich gewendet. Wei-

Ein bemerkenswerte Privatbeleidigungsklage wurde jüngst vor dem Schöffeugericht in Zittau zum Aus­trag gebracht. Nach der freisinnigen »Zittauer Mor- genzeitung" hakte sich wegen Beleidigung des Arztes Dr. Hoffmann in Ostritz der dortige Amtsrichter

Gewerbeaufsichtsbeamten sich die Kenntnis der Hausarbeiterverhältniffe verschaffen.

Im allgemeinen totrb man abwarten müssen, ob der Bundesrat von sich auS Verordnungen er­läßt, oder ob er zu erkennen gibt, wieweit er eS den Landeszentral- oder Polizeibehörden überlassen will, für einzelne Arten der Hausindustrie Verord­nungen bezw. für einzelne Betriebe Ver­fügungen zu treffen. Aus all dem ergibt sich, daß die Durchführung des neuen Gesetzes Ausgabe der nächsten Jahre sein wird. Dem Bundesrat ist durch dasselbe eine Masse von Arbeiten zur Er­ledigung aufgehäuft worden. Das meiste und wich­tigste jedoch obliegt den Gewerbeaufsichtsbeamten.

Nerven geradezu als eht grundvertehrt ist das!

Deutsches Keich.

Czerny-Schmerz des .Berliner Tageblattes'. Beim .Berliner Tageblatt' ist die Hoftrauer um den Heidelberger llniv-rsiläls-ürvsessor Czerny noch immer nicht vorbei; die Wunde ist offenbar sehr lief und der Schmerz sehr groß. Das Blatt schreibt: „Die Oeffentlichkeik hot in letzter Zeit wiederholt Anlaß gehabt, sich mit oer Frage zu beschäftigen, welchen Anforderungen der Mrlitärarzt in erster Linie zu genügen hat, um für seinen Beruf als taug­lich zu gellen. Es ist die Aufgabe des Militärarztes, erforderlichenfalls die Wunden zu heilen, die der Stieg geschlagen hat. Der gemeine Mann wird geneigt sein, daraus zu folgern, der Militärarzt könne vor allen Dingen als Chirurg gar nicht tüchtig genug sein. Der gemeine Mann wird auch umgekehrt den Rückjchluß für staithaf! halten: es lönue dem deutschen Heere nur zum Nutzen und zur Ehre gereichen, wenn Chirurgen von Weltruf dem Sanilätskorps anzehört haben und noch angehören. Darüber ist der gemeine Mann kürz­lich eines befferen belehr! worden, als Prof. Czerny in Heidelberg zum Austritt auS dem SanitSts- korps genötigt wurde. Da erfuhr der gemeine Mann, daß es keineswegs genügt, wenn einer als Chirurg einen Ruf genießt, der über jeden Zweif l gese ngt da- i'teht Entscheidender als alle ärztliche Kunst ist seine politische Ueberzeugung! Er darf nicht der Meinung sein, der Bund der Heiligen und der Stiller fei ein politischer Schädling. Ben das deutsche Boll im In- tereffe seiner gesunden Fortentwick lung zu bekämpfen habe. Sollte er aber dieser unglücklichen Meinung fein, bie im Eanilätskorps des deutschen Heeres un­statthaft ist, so darf er ihr keinesfalls mit jenem Frei­mut und jener Ehrlichkeit Ausdruck geben, die überall anderswo als Kennzeichen eines mannhaften Charak­ters geschätzt wird. Tut er eS dennoch, leint er sich dazu sortreißeu, von dem staatsbürgerlichen Ehrenrecht der freien Meinungsäußerung Gebrauch zu macheil und mit einem Artikel «Die Front gegen rechts" seinen M nn rm Wahlkampf zu stellen so ist er birst» t ungeeignet, als Mitglied des deutschen Sanitätskorps die Wunden zu heilen, die ein Krieg eiroa schlagen könnte."

Allen Respekt vor solcher Ehrlichkeit in der Dar- stellung von Tatsachen! Czerny war nicht „Militär­arzt' tm eigentlichen Sinne des Wortes. Seine Be- Ziehungen zur Arme« haben n ht auf einer Stellung beruht, sondern auf einem Ehrentitel, den ihm der f Grobherzog Friedrich 1 verschafft hat. Es ist sehr fraglich, ob er seine Stellung als Univeisitäis« Professor m t allem, was damit verbunden tvar, gegen die eines Militärarztes ein gelauscht hätte. Czeniy ist nicht wegen seiner Gegnersri oft zu den Konservativen und zum Zentrum veranlaßt worden.

daß andere ein ganz falsches Bild von dem Genannten entworfen hatten, hauptsächlich in Sosfners Apotheke sei viel Schlimmes von S}r. Hoffmann erzählt worden. Soffner habe zu ihm gesagt, den Hoffmann werde man weder in der „Erholung" noch im Kegelklub zu­lassen. Bet genauestem Prüfen müsse man zu dem Er. gebnts kommen, daß gegen Dr. Hoffmann sonst nichts vorgelegen habe. Seine Religion sei es also gewesen, die ihm die Angriffe eingetragen hätte.

Der Zeuge Sanitätsrat Dr. Fische r-Ostritz mutzte zugeben, einmal zu einer Frau gesagt zu haben: „Sie dachten wohl. Sie müßten zu Dr. Hoffmann gehen, weil der katholisch ist!"

Der evangelische Pastor Schneider aus Ost­ritz erklärte, daß konfessionelle Gegensätze bei der Be­setzung der Arztstelle mitgewirkt hätten, sei zweifellos auf beiden Seiten der Fall.

Der Zeuge Apotheker S o f f n e r-Ostritz sagte auf Befragen aus, er könne sich nicht entsinnen, daß er Schlechtes über Dr. Hoffmann geredet habe. Dagegen habe Dr. Pflugbeil recht starke Ausdrücke gebraucht.

Dr. P f l u g b e i l, nochmals vorgerufen, blieb da- bei, in Sosfners Apotheke viel Böses von Dr. Hoff­mann gehört zu haben. Wörtlich meinte er, zu Soff­ner gewendet: „Dr. Hoffmann war Ihnen als spar­samer Rezeptschrsiber bekannt, das paßte Ihnen nicht."

Referendar Kühn, der früher in Ostritz am Amts­gericht tätig war, sagte aus: „Wir empfanden die Rie- derlafsung Dr. Hoffmanns in Ostritz als Provoka­tion (!), wir mußten annehmen, daß er sich seine Kli- ’ enten einseitig in katholischen Kreisen suchen würde." Irgendeine Begründung zu dieser Annahme vermochte der Zeuge nicht zu geben. Er meinte dann weiter: „es wurde unter uns die Befürchtung ausgesprochen, daß Dr. Hoffmann vielleicht (!) einseitig katholischen Verkehr fuhren würde."

Referendar Becker bekundete auf Befragen, daß er Frau Dr. Hofsmann jetzt nicht mehr grüße. Das komme daher, weil Hoffmanns zur „Erholung" nicht zugelassen seien.

Obergrenzkontrolleur Schmidt, befragt, wer denn eigentlich für den Fall des Erscheinens des Dr. .Hoff­mann auf dem Feste der „Erholung" den Austritt aus dem Verein angedroht hätte, gab nach einigem Zögern Auskunft, es seien dies der Apotheker Soff­ner und — der evangelische Pastor Schneider gewesen. Pastor Schneider sagte zu der Bekundung kein Wort.

Rechtsanwalt Dr. GI ä tz n e r-Görlitz führte auS: Ich habe mir, als ich an die Sache heranging, gesagt, wenn von den Behauptungen nur die Hälfte sich als richtig erweist, dann muß ich mich als Protestant schä­men. Und nun hat sichs herausgestellt, daß Dr. Hoff­mann tatsächlich das Opfer höchst unschöner versteckter und offener Angriffe gewesen ist. Nur kein ka. tholischer Arzt, das war zunächst das Hauptbe­streben gewisser Honoratioren in Ostritz, und als er dann da war, da hieß es: wie stellen wir ihn gefell-

waren. Tr. Kirsten lehnte im Namen des Vereins Vorstandes aber ab. „über innere Bereinsvorgänge Auskunft zu geben". In einem weiteren Briefe hatte Dr. Hoffmann den Dr. Kirsten darauf aufmerksam gemacht, daß der grundlose Ausschluß aus der einzi­gen gesellschaftlichen Bereinigung von Ostritz, in bereu Statuten es ausdrücklich heiße, jeder anständige Bürger könne Mitglied werden, für den Betreffenden eine große Kränkung darstelle.

Dr. Pflugbeil, früher in Ostritz, jetzt in Chem- nitz-Hilbersdorf, führte auS, dem Sinne nach fei bei feiner Unterhaltung mit Dr. Kirsten eine Aeußerung gefallen, man wolle den Eintritt des Dr. Hoffmann in die „Erholung" und in den „Freitags-Kegelklub" verhindern. Schon vor Dr. KleeS Tod sei Kirsten mehrfach bei ihm und feiner Frau gewesen und habe gesagt, wie es denn eigentlich mtt dem Kranken stehe; man müsse rechtzeittg für einen evangelischen Nach­folger sorgen. AIS Zeuge bann vom Totenlager des Kollegen, den er vertreten habe, gekommen sei, habe ihn Dr. Kirsten auf dem Marktplatze ungehalten und gemeint: „nun muß aber sofort ein evangelischer Arzt her". Darauf habe er (Zeuge) geantwortet, „das überlassen Sie bitte mir". Von den übrigen Ostritzer Aerzteu sei die Niederlassung Dr. Hoffmanns an sich

* Inwieweit ist das Hausarbeit^» gesetz in Kraft getreten?

Das Gesetz, das am 1. April in Kraft getreten ist, ist in feinem wesentlichen Teile, der sich mit dem Schutze von Leben, Gesundheit und Sittlichkett be­saßt, ein Rahmengesetz, welches nach dem Beispiel der §§ 120a ff GO. allgemeine Forderungen auf« stellt, dabei aber dem B u n d e s r a t die Vollmacht 5ibt, durch Verordnungen je nach der Lage der Singe eingehendere Bestimmungen zu tref­fen. Wo der Bundesrat von dieser Vollmacht keinen Gebrauch macht, steht den Landeszentral- oder Po­lizeibehörden das R^ht zu, solche Verordnungen zu

erlassen. Das ganze Treiben gegen mann, wie es aus der Verhandlung hervor^ „ _____

ist moralisch gerichtet. So schließt die frei- sinnige „Zittauer Morgenzeitung".

Man muß bie Willenskraft besitzen, sichvomLärm und vielen L i ch t in sich selbst zurückziehen, man muß auch schweigen l er neu, und man muff „nein" sagen fernen; das ist nicht immer leicht.

— Der leichte Akkamnkator gefunden? Dein bis- berigen Direktor der Materialprüfungsanstalt in Kopenhagen und jetzigen Direklor der polytechnischen Lehranstalt Professor Hannover ist die Herstellung eines porösen Metalle? geglückt, das u. a. die Fabri- ka ton des leichten Akkumulators ermöglichen soll. Bekanntlich hat Edison der Erfindung eines leichten Akkumulators, der für alles was Automobil-, Flug­wesen ufro. heißt, von umwälzender Bedeutung fein würde, große Anstrengungen gewidmet und wieder­holt die Welt mit verheißungsvollen Nachrichten überrascht, ohne daß jedoch feine Erfindung die Er­wartungen erfüllt hätte. Proieffor Hannovers Ver­fahren, mit dem stch der Erfinder 3*-/t Jahre hin- durck beschäftigt hatte, besteht darin, daß Bleiplatten mit Millionen von mikroskopischen Löchern hergestellt werden, bie den Platten eine weit größere Ober­fläche geben, als dies mit anbeten Verfahren ge­lingen ist. Dadurch find bie aus biefem Porenmetall befiehenben Akkumulatoren im Staube, eine vier» bis fünfmal so große Ladung Elektrizität als die jetzigen Akkumulatoren aufzonehmen, bie z. B. auf den dänischen Staatsbahnen für bie Zugbeleuchtung benutzt werden. Zu der obigen Ziffer ist man bei den Versuchen gelangt, die in den Werkstätten der dänischen Staatsbahnen in kleinerem Maßstab« an. gestellt wurden. Jetzt sollen bie Versuche in ben Zügen selbst fortgesetzt werben, benn für bie Elfen- babnbeleuchtung ist ein leichter Akkumulator eben« falls von größter Bedeutung. Ein Zug von 16 Wagen muß für bie elektrische Beleuchtung der Wagen einen ganzen Wagen mit Akkumulatoren mitsühren, beten Batterien jedoch nur 71/« Stunden ausreichen, worauf bet Wagen, ber die Akkumulatoren enthüll, nach ber ZentralwetkstaU zurückfahren muß, um von neuem gefüllt zu werben. ES ist daher leicht einzusehen, welche Bebeutung eine vie - bis fünfmal längere Tatet ber Akkumulatoren hätte. BiS auf weiteres müssen erst längere praktische Er-

Nervenheil. Den erschöpften Millionen be­dauernswerter Erdbewohner, welche den „Vorzug", ihr Menschendasein in ber Zeit der Elektrizität und der zahllosen Erfindungen führen zu dürfen, mit dem teuren Preis ihrer eigenen Rewenkrast zahlen muffen, ruft, der „Frankfurter Ztg." zufolge, der dänische Arzt Dr. Frode Sadolin liebliche Worte des Trostes zu. Sadolin zeigt, wie das Hauptübel, woran das 20. Jahrhundert krankt, die Neurasthenie, die Nervenschwäche, die an der Lebenskraft von mehr als ber Hälfte ber Bewohner der Kulturzentren zehrt, darin ihren Grund hat, daß bei „Stromver- biaucp unnatürlich stark ist, unb daß bie Menschen r ®®9entoart es vergessen haben, für die zeittoei- hge Abspannung der Nerven Sorge zu tragen. Für m ® 9"t die Abspannung, bie Entspannung der i als ein Zeiten von Schwäche; wie

2^t --ba8! Das einzige Mittel, bem ™ ßwtfeberbrau$ burch bie übergroße Anipannung bes Nervensystems vorzubeuqen. ist bam zu suchen, daß man dem ®efS§ der Müdia- cnÜn? bie Nerven

entspannt, statt, tote es viele tun, immer wieder ferner 3U !°klen, die zu fortge.

’fPonnung fuhren. Wer bie Entspannung ber Nerven als eine köstliche Ruhepause, wenn auch

£ Jfö’ÄSÄÄ 'L aber etwas anderes tun: schleunigst, bevor et äu ipat tft. bie Kunst bei Entspannung lernen! Er mag sich ruhig hinsetzen, sich' zur Ruhe und Heber, legung zwingen, seinen „Nervenstatus" und ein „Budget über den künftigen Verbrauch von Ner- ^stkrast aufftellen, damit er eine gewisse Gewähr oafut haben kann, daß die Nervenkrast ausdauert, solange er dies notwendige Betriebskapital seines Lebens noch braucht. Wer mit der Nervenkrast ver­nünftig wirtschaften will, der läßt die AbspannungS- pausen so reichlich wie nur irgend möglich eintreten.

erlassen.

Die Bestimmungen zuni Schutze des Le­bens, der Gesundheit und Sittlichkeit der Arbeiter, darunter auch etwaige Bestimmungen über die Dauer ber täglichen Arbeit, bie Einrichtung ber Werkstätten usto. können kür ganze Gewerbe- Zweige nut auf dem Wege solcher Verordnun­gen zustande kommen. Der Bundesrat wird in beit nächsten Jahren schon bie ziemlich weitläufigen Vorarbeiten zu dem Zwecke in bie Hand nehmen, um für bestimmte Zweige ber Heimarbeit, z. B. der Tabakindustrie, solche Verordniingeu zu treffen. Zwar gibt er die Vollmacht zum Erlaß entsprechen­der Verfügungen für einzelne Werkstätten auf An­trag bes Gewerbeaufsichtsbeamten schon beit zustän­digen Polizeibehörden. In besonders krassen Fäl­len werde» die Getoerbeauffichtsbeamten wohl Vor­gehen; es liegt aber aus der .Hand, daß eine solche vereitelte Verfügung vor Erlaß der Bundestats­ober Polizeiverordnungen nur in seltenen Fällen er« wartet werden darf, da eben Eiuzclvorgehen bei bett Interessenten auf große Schwierigkeiten zu sto­ßen pflegen.

Die Bestimmungen des Gesetzes zum Schutze von Leben, Gesundheit und Sittlichkeit sind also mit beut 1. Ilpril noch nicht durchgeführt, son- bein erheischen noch vielerlei Berwaltungsmaßnah- »ten. Ebenso können auch bie Fachausschüsse, die bie Aufgabe habe», Lohnabkommen unb Tarif­verträge zu fördern, nur durch Bunbesratsverorb- nungen ins Leben gerufen werben. Ihre Verwirk­lichung ist ebenfalls noch Sache ber nächsten Jahre.

Ferner finb zwei wichtige Bestimmungen, welche der Klarlegung der Lohnverhältnisse bienen, am 1. April noch nicht in Kraft getreten, nämlich bie Bestimmungen über die Lohnbücher ober Ar­beitszettel sowie die Auslagen von Lohnzetteln ober A u s h ä n g n n g v o n L o h n t a f e l u. Eine all­gemeine Borfchrist für bie gesamte Hausindustrie in Deutschland ließ sich hier nicht ohne weiteres durchführen, ba hier bie Verhältnisse von Industrie­zweig zu Industriezweig, vou Gegend zu Gegend zu verschieden sind und Ausnahmen vorgesehen wer- ben müssen. Der Bundesrat mutz also auch hier erst feststellen, wo Ausnahmen Platz greifen sollen, bevor diese Bestimmungen in Kraft gesetzt werden; jedoch wird sich die Einführung derselben für bie nächsten Jahre erhoffen lassen.

Dagegen find schon jetzt bie Polizeibehörden

schaftlich kalt? Sehr auffällig sei eS, daß ein Amts, richtet sich in der zutage getretenen intensiven Weist um die Besetzmig einer Arzt stelle kümmert. Die Art, wie Sanitätsrat Dr. Fischer bie Konsession sogar in die Krankenstube getragen habe, beweise auf» sch la. gendste, daß in der ganzen Affäre die Religion eine ausschlaggebende Rolle gespielt habe. Nicht?, aber absolut gar nichts, habe gegen Dr. Hoffmann Vorge­legen. Er und feine Frau feien hochachtbare Men­schen, die niemandem zu nahe getreten feien. Ihren Eintritt in die „Erholung" zu verhindern, lag nicht der geringste Grund vor. Wenn inan nicht sonderlich erstaunt zu sein braucht, daß Apotheker Soffner enter derjenigen tvar, die den Eintritt Dr. Hoffmanns in die „Erholung" nicht wünschten, so ist die Heber» raschung um so größer hinsichtlich des Pastors Schnei- der. Ob ich mit jemandem verkehren will oder nicht, daS ist meine Sache; etwas anderes ist es aber, wenn ich meinen Entschluß in beleidigender Fein laut pro­klamiere. Alles in allem liegt hier ein Fall gesell- schaftlich-konfessionllen Boykotts vor, tote er schlimmer nicht denkbar ist. Dr. Kirsten mußte als Richter dop­pelt vorsichtig mit der Ehre anderer umgehen.

Das Gericht verkündigte nach einstiindiger Be­ratung folgendes Urteil: Der Beklagte toird freige* sprachen. Die Kosten fallen dem Privatkläger zur Last. Die Aeußerung gegenüber Dr. Pflugbeil sei nicht in vollem Umfange als erwiesen angesehen. Daß von

fahrungen über bie aus bem neuen Porenmetall hergestellten Akkumulatoren abgemattet werben. So steht noch nicht fest, wie lange ein derartiger Akku­mulator hält. Bei einem gewöhnlichen Akkumulator betrügt die Dauer drei Jahre. Professor Hannover meint jedoch, daß der neue Akkumulator feilst bei kürzerer Dauer und größerer Empfindlichkeit gegen Stöße Eingang finden werde, namentlich in Flng- majebinen unb Unterfeebooten, Ferner würde er n. a. ben Uehergana ru eleklrilchen Automobilen fördern.

— Ten Frühling mit feinen hcrvorsprichenben Blumen unb seinen wonnigen Gaben in Gottes freier Natur wissen auch wir gewiß zu schätzen. Alle unsere Dichter haben ben Frühling ocsungen, abe» bon ber Liebe bes Japaners zur Natur sind wir noch lehr weit entfernt. Den Japaiicrn erscheinen die Blumen wie verklärte Geschwister, in ihr- Poesie »eben, leiben unb lieben die Blumen wie 6*e Menschen; schon bie jüngsten Kinder werden z:.i BlumeUzUchi angeregt, ben älteren zcigr man No- turjchönheiten, wie wir unseren Kindern etwa ein Museuu» zeigen, unb die grötzten nationalen Feste finb bie Blumenfeste im Frühling und Herbst, ivr man ewander besucht, um bie Blumcn zu besichti­gen. Selbst bie kaiserlichen Gärten finb bann für daS Bell geöffnet. „Wer bie Blumen liebt, muß wohl ein guter Mensch sein", sagt der Dichter; bn Japaner beweisen diese Ansicht, und es wäre zu wünsche», batz auch bei »ns schon ben Kinbern et­was bin bei großen Liebe der Japaner zu ben Pflanze» unb Naturschönheiten beigeoracht würbe.

— Benützte Gelegenheit. Unlaliversicherungsagent (beim Eintritt in eine Wohnung über die Schwelle stolpernd!: „O Pardon! Wenn ich mich jetzt verletzt Hütte, würde ich nach Tarif 3 acht Mark pro Tag dis zur erfolgten Heilnng erhalten!"

— Strohwittwer (in der Kneipe): »Kellner, bringen Sie mir die Suppe heute etwas versalzen, ich möchte gern wieder einmal an meine gu'e Gattin denken."

— Richtige Vermutung. Herr: „Herr Doktor, meine Frau will absolut keinen Badeort besuchen." — Doktor: „Hm — sollte sie etwa wirklich krank sein

. Dagegen finb schon jetzt bie Polizeibehörden -kfuat, auf Antrag der Gewerbeaufsichtsbeamten durch Verfügung für einzelne Gewerbebetriebe hin­sichtlich der Einrichtung und Regelung des Betriebs in den Räumen, in denen Arbeit als. Hausarbeit

ausgegeben ober Arbeit solcher Personen ab- g e n o m m en wirb, anzuorbnen, ioas zur Ver- meibung einer durch die Natur des Betriebs nicht gerechtfertigten Zeitversäumnis ber Hausarbeiter bei Empfangnahme oder Ablieferung erfocderlich oder nach der Natur der Anlage durchführbar erscheint. Wo sich nach dieser Richtung hin Mängel zeigen, wird es Aufgabe der Berufsorganisationen "ber Heimarbeiter fein, an bie Gewerbeinspektoren heran- »ulreten. Daneben ist in Kraft getreten bie Be­stimmung des § 13 betreffend bie Registrier- pflicht. Danach finb Gewerbetreibende, die außer­halb ihrer Arbeitsstätte in Werkstätten gewerbliche Arbeit verrichten lassen, verpflichtet, ein Verzeich­nis derjenigen Personen, welchen sie Hausarbeit übertragen und durch welche außerhalb der Arbeits­stätte des Gewerbetreibeuden die Arbeit erfolgt, unter Angabe der Betriebsstätte dieser Personen, zu fuhren. Das Verzeichnis ist auf Erfordern der Ortspolizeibehorde sowie ben Getoerbeanfsichtsbe- amten jederzeit zur Einsicht vorzulegcu oder einzu- reichen. Eist auf Grund dieser Register könne» die

— Ai« entsteh- nm? Diese Frage

"mag sich toohi schon rmucyer vorgelegt haben, der beute noch mit Beleuchtung seiner Räume durch sol- -trinöl", wie die deutsche Uebersetzung lauten iürlteb nehmen muß. Bor Jahren waren bie Forscher verschiedener Meinung, heute nimmt man als zweifellos an, daß Petroleum als ei» Ge­misch flüssiger Kohlenwasserstoffe anzusehen ist und aus Resten von Lebewesen heistannnt. Wie aber bas Petroleum nun eigentlich entstanden ist und jedenfalls auch noch immer entsteht, darüber herrscht noch keine Übereinstimmung. Mehrere Geologen vertreten die Ansicht, baß große Katastrophen den Tieren Massengräber bereitet haben, lieber diese legte stch dann Schlamm, Erbe usw., bie Kabaver würben burch Wärme, Feuchtigkeit usw. chemisch zersetzt unb lieferten so bas Urmaterial zu den Erd­ölen. In jüngster Zeit hat Professor Pontonis eine andere Ansicht auf Grund feiner S.ubien als preu­ßischer LcmdeSgeologe zum Ausbruck gebracht. In ftagnierenden Gewässern bildet sich, vas man auch jetzt noch z. B. in Nordbeutschland beobachten kann, bei bem AuskrockmingS- bezw. Bersumpftingsprozeß sogenanntes Fanlschlammqestein; das ist ein Fäul- nisprobukt aus Wafferoraanismen tierischen und pflanzlicyen Eyarakters. Aus biefem Faulschlamm­gestein entsteht NUN im Laufe ber Zeiten teils Torf- - ^bü Aaltiges Gestein, je nach ben vorhynde- nen Möglichkeiten chemischer Beeinflussung. Kommt Untei-lrbgch Wassci hinzu, Druck, Wärme usw., so entsteht Sßefrofeimt. Es ift bie§ aI{o ein unter» und keineswegs sind hierzu gcwalttge Katastrophen erforderlich. Die Na- Lr fft vielmehrforiwohrenb an ber Arbeit: Tie tm Raube Mer Wasser wuchernben Wafferblüten Unb Schlingpflanze^ bie Millionen sich zwischen chnen tummeliiben Waßertierchen a[(er' J(rt? Diese finb es, welche den Prozeß bes Petrole,im-Entstehens »inst,teil! '

fesswnell gemischtes Städtchen von 3000 Einwohnern, Hoffmann gesagt haben, „wenn der Kerl zu mir kommt, Dr. Kirsten gesagt worden sei, man müsse den Eintritt in der die Zahl der Katholiken überwiegt. Ende 1910 schmeiße ich ihn heraus". Dessen kann ich mich nicht Dr. Hoffmanns in die „Erholung" hintertreiben, habe

starb der dortige evangelische Arzt Dr. Klee. Noch ! entsinnen. Als Dr. Kirsten mir mitteilte, Dr. Göp- ' Dr. Pflugbeil nicht bestimmt bekunden können. In

bevor er die Augen geschlossen hatte, machten sich be- fett komme nach Ostritz, habe ich gesagt, das hätte man der Aeußerung, die Form müsse gewahrt werden, im

reit3 Bestrebungen geltend, an feiner Stelle wieder mir früher melden sollen, nun kommt auch noch Dr. \ übrigen könne man Dr. Hoffmann ja schneiden, er«

einen evangelischen Arzt nach Ostritz zu bekommen, Hoffmann, und vier Aerzke können in Ostritz nicht i blicke das Gericht keine Beleidigung. Hinsichtlich des

dagegen die Niederlassung eines katholischen Arztes bestehen. Darauf hat Dr. Kirsten gemeint es ist doch ■ Briefes fehle es an dem rechtzeitig gestellten Straf-

zu hintertreiben. Die damals außerdem am Orte noch nicht genau raus, ob Dr. Hoffmann hier *'U;bt; ■ antrag. Aber abgesehen davon, habe das Gericht in

befindlichen beiden Aerzle gehörten ebenfalls der evau-! ich muß zwar bei eventuellen Besuchen bie Form wuh- ihm keine Beleidigung erblickt.--

gelischen Kirche an. Der Versuch, die Niederlassung j reu. aber im übrigen kann man den Mann doch schnei- Dr. Kirsten konnte zwar als Freigesprochener den eines katholischen Arztes zu verhindern, mißlang.! den. Da entgegnete ich jedoch sofort, das mache ich Saal verlassen. Das ganze Treiben gegen Dr. Hoff-

3roar siedelte sich in Ostritz unmittelbar nach dem, nicht mit, das halte ich für unanständig. Dr. Kirsten

Ableben dcs Dr. Klee der evangelische Arzt Dr. C-öpsert i nahm mir das sehr übel." Ferner bemerkte der Zeuge,

an, aber kurz darauf eröffnete auch der katholische wenn er anfänglich sich manchmal scharf über Dr.

Arzt Dr. Hoffmann in Ostritz feine Praxis. Von Be-1 ~ " - ' ' ~ ‘ ~ '

ginn seiner Tätigkeit an stieß Dr. Hoffmann auf man­cherlei geheime Widerstände und Gehässigkeiten, zu denen er keinerlei Grund gegeben hatte. Schlimme Gerüchte wurden über ihn in Umlauf gesetzt und so­wohl gesellschaftlich wie wirtschaftlich hätten ihn gewisse Kreise recht gern unmöglich gemacht.

Die Anklage gegen Amtsrichter Dr. Kirsten ging dahin, Dr. Hoffmann dadurch beleidigt zu haben, daß er Ende 1910 zu Dr. Pslugbeil-Ostritz gesagt habe, „man solle zwar die Besuche bei Dr. Hoffmann erwidern, um die Form zu wahren, ihn aber im üb« rigeu völlig schneiden, auch sein Eintritt in die Gesellschaft „Erholung" und in den „Freitags- Kegelklub" verhindern". Eine weitere Beleidigung wurde in einem Briefe erblickt, den Amtsrichter Dr. Kirsten am 12. Juni v. I. an den Kaufmann Posse», früher in Ostritz, jetzt in Zittau, gerichtet hatte. Die« scs Schreiben lautete wie folgt: Sehr geehrter Herr Posse»! Bei meiner Rückkehr aus Dresden wird mir soeben m »geteilt, daß Sie Herrn und Frau Dr. Hosf- mann als Gäste für das heute nachmittag angesetzte Erholungsvergnügen angemeldet haben, daß darauf­hin verschiedene Mitglieder ihre Zusagen wieder zu rückzogen, einzelne auch erklärt haben, sie wür­den aus der Gesellschaft austreten, wenn die Herr­schaften angeführt würden. Damit das Zustandekcm. men unseres Festes nicht überhaupt in Frage gestellt wird, muß ich Sie deshalb, so peinlich mir das ist, bitten, davon absehen zu wollen, die sehr geehrten Herrschaften m i 13 u b r i n g e n. In vorzüglicher Hochachtung Amtsrichter Dr. Kirsten.

Amtsrichter Dr. Kirsten erklärte u. a.: Haupt­sächlich Dr. Pflugbeil, der bald darauf nach Chemnitz übcrfiedelte, sei es zunächst gewesen, der für den ge­sellschaftlichen Boykott Dr. Hoffmanns eingetreten ei; u.a. habe dieser dem Sinne nach geäußert, „wenn der Kerl bei mir Besuch macht, schmeiße ich ihn zur Treppe hinunter". Von ihm (Dr. Kirsten) sei dann gewissermaßen zur Beruhigung gesagt worden, „die Form müsse gewahrt werden, im übrigen könne man Dr. Hoffmann ja schneiden". Verbittert habe Dr. Pflugbeil schließlich Ostritz verlassen und möglichst edem noch etwas angehängt. So habe er auch die Aeußerung bezüglich des Schneidens dem Dr. Hoff- mann wiedererzählt, nachdem er vorher selbst am mel­ken gegen ihn geschürt habe. Wenige Sluuden vor­dem Feste der „Erholung" sei ihm durch den Ober« grenzkontrolleur Schmidt davon Mitteilung gemacht worden, daß im Falle des Erscheinens von Dr. Hoff- mann und Frau eine Reihe von Mitgliedern ad- sagen bezw. aus dem Verein austreten würden. Da habe er als Vorsitzender die Pflicht gehabt, eine mög. liche Störung des Festes hintanzuhalten. Das sei durch den Brief an Kaufmann Posse» geschehen.

Posse» hatte die Kirstensche Absage dem Dr. Hoff­mann gezeigt, worauf dieser von Dr. Kirsten die Ra- men derjenigen erbeten hatte, die gegen seine und j jeiner Frau Teilnahme an dem Feste aufgetreten ‘