GrsHNnt täglich mn Aurnihme de;. So «: «itbKelrrtsg» vi-rtei- jäbi! i chv! v«;r--'pre!r SrtuaericM itr.b
VesteLgelomMöafd- Wie auswärts 1.50 Hit
Verarüw llrbsktriirr
«er ZchSLtf flt )te-An;«qrn:
$. parteKet ht Zulda.
-
W
ver Basa thu daf», telesel» teilt, 47 mm breit, Met UW Bcfwmro: •et Beim eilet <e!t« «elttti«, 74 mm breit, Met 4» Pkt Sei Dis bettele«)«» Heb-tL M»SeN-R ButiiMfif csjeijta 20 p!z. ejua letitleaslnt
B. Berleg Ser gilbe« Lttieibrackeret Lgsibt Lttiixrecher XU. %
j\s 88.
Erstes Blatt.
Fulda, Donuerstag den 18. April 1912.
39. Jahrgang.
Deutscher Reichstag.
Schnng vom 17. April 1912.
Die Verölung über den Etat des Neichscifenbahn» amtes wird forkqeietzt.
Abg. Bostherr iEoz.i wendet sich gegen den Ans» schns; des Sinrpikzisw.us von de» Badnböien.
Abg. Lift (ttot!.) M-chk den Wunlch ans, daß Pretihen die Jniriaiive e.grrifsn möge, um eine volle Eisend cchygeme in ich« 1 be- behufülnen.
Äbg. Böhlcndorff-jiöipin (fon|.) hat Bedenken gegen die Elektrisierung der lLnenvahnen besonders in Hinsicht auf die ModUmachu g. Gegenüber, den Monopolbesirebungen in der JndusNre mässe unbedingt daiür gesorgt werden, daß die fieiuen selbst« ständiaen Elekirolechnffer von den große» wonopoil» sirrten Geselllchatten nicht an die Wand gedrückt werden.
Äbg. Gothrtn^(srt. Bo'.tep.»: Zahtreiche Unglücks» l&He passieren dtr^Mtveauubertzängen. Da hat das Reicheeisenbahnamt zu prüfen, ob alle für d e Sicherheit no:wendigen Maßnahmen genoffen inuiben s-nd.
Präsident des R tchsetsendahnamles Wackerzapp: Soweit unsere Eisenbahnen dis jetzt elekkrisierl worden sind, ist dies stets im Emvernelmvn mit der Heeres- verwattung geschehen. Wir werden uns sekcsioersiänd- lich alich in der Zukunsr stets angeleaen sein lassen, dafür Sorge zu tragen, daß die nuhlärtid'c Letstnugs- sähigkeit der demschen Bahnen in letuet Weise de em- lrächiigt wirs. Dem Abg. Golhein möchle ich erwidern, daß alle Eisenbahnverwatiunaen teurebt sind, im Rahmen der gegebenen Berhälmisse die Niveauübergänge zu beseitigen.
Abg. Weriier-Hrrsfelü iRip.) fordert eine gesetzliche Regelung der Ruhezeit wenigstens für die 8 okv m o l iv- sührer.
Nach kurzen Äussiihrunoen der Abgg. Dr. Hass (Bp.), Neißhans (Soz.Y Ätüller-Meiningen (Bp.) und Hasenzabl (Soj.) iuencet sich
Präsident des Neichsenenbahnamtes Wockerzapp Bbie nationalliderale Reioiulion, welche die ein« he Regelung der Dienstverhältnisse der Eisenbahner fordert. Diese fei m der P:axrs insolge der verschiedenartigen Berhäitnisfe eiwach unmöglich. Was die Wünsche »ns Beseitigung der ersten Klaffe anbelaugt, so ist dieselbe in den Person en,zügcn grLslenleits beseitigt. Sie ganz zu beseiiigen, gehl wegen der damit verbundenen großen Einnahme-Älusfälle nicht an.
Damit schließt die Diskussion.
Die Resolution Beck-He>delberg nallib.) sDenkschrist über die bisherigen Wirkungen und Ergebnisse des Staatsbahnwagenverbaudees wird angenommen, ebenso die Resolution Bassermann sreichsgejetzliche Regelung der Tiensiverhäilnffse des deut chen Eileubahnpersonakss und eine gleichlautende Resoiulwn Albrecht u. Gew (Soz).
Beim Etal des RrichsjustlzamteS klagt
Äbg. Etadthazen über die drakonischen Strafen, die für eine Reche geringfügiger Delikte vorgesehen seien. Vollständig veriversiich ist die Maßregelung von richterlichen Beamten ivegen politischer Betätigung. Sind die Beamten verständig, so muffen sie alle sochrlöemokratisch wählen. <Lachen.) Tun sie da- nicht, dann sind sie wie die Nachiommen bet Ochsen des PylhogoraL. (Zuruf rechts: Ochsen h-den keine Nachkommen! — Große Heiterkeit. — Anderer Zuruf: Sie sind selber eine emprozenlige Hekatombe! Bei den Slreikprozessen im Ruhrgebiet tzatTnan Eerichtsvelfassung und Straf- Prozeßordnung außer Kraft gesetzt. Die ihiietnfbnict jubeln, d«m die Klassenjustiz ist zur Parole ei haben. Unruhe.) Soll man stall Slrettbrecher Arbeitswilliger sagen's Das sind doch Leute, zulanrmengesucht aus dem Äu-wurf der Menschheit. (Große Unruhe.) Der Streikbrecher ist setzt die Stütze der Gesellschaft. DaS Beriraue» zur Rechtspflege ist vollständ a verloren. (Beifall der So;.) Die Rede hat zweieinhalb Stunden gebauert.
Das Hails vertagt sich.
Donnerstag: Nationalliberale Interpellation über den bayerischen Jesuitenerlaß, Wahlprüfung Dr. Bccker (Hessen), sodann Fortsetzung des Jchttzetats.
Preußischer Landtag-
Abgeordnetenhaus.
Sitzung vom 17. April 1942.
Die zweite Beratung des Eisenbithuetats wird sortgesetzt.
Abg. Hirsch-Berlin lkö^) Nagt über di» Ausschließung sozialseiaokratisch« Zeitungen und Schrrjle» vom BahnbosSdurddanoetz über da< verbot für die Beamten und Ardener der Gstenbahnserwatkung, sozial, demokratische Zeuungeu m hfen uns über die Aus- fchliebung fozruldemokraNstd« Arbeiter von bet Abstellung durch die Kisendastuvermaliung, wobei er sich beionders auch gegen 6ea Mtgsten Erlaß des Ministers wendet.
Minister #. Brettrnbach bemerkt gestrigen Redner» gegenüber: Die Wünsche »«ch besonderen Saison« larisen kann ick Nicht ertüllen. Ein einherklicker Wagentyp, der für aBe 8»#ete paßt, ist noch nicht erninden worden. DaS Werdültnr« der preußische« Eisenbahnverwaituug gegenüber den einzelstaatl'che» Eifenbahnverwsktuagen tu durchaus ein gutes. Hebet«U da, wo Konkurrenz ist, mm « Amerika, sind die Tarqe höher. Bezüglich der Fahrkartenftruer verlangt daS Reich, du« ihm die diS.eogen Einnahmen auS der Steuer gewährleistet bleibe». Die vierte Klasse soll nicht getroffen, die zweite and dritte Klaffe bagegen sollen schärfer «»gefaßt »erden. Bet der Breh- verladung wird auf eine pLezltche Behandlung der Tiere besonders Bedacht gtHsamen. lledrigenZ ist bw vierte Klaffe außerorllenltrch verdefferl worden. Dir Besiimmungeu über die Stell«nq der Effendahnarbettrr zur Sozialdemskratie habe ich deshalb von neuem eingeschärst — in der Ptch^S find sie schon immer arigewendet worden — wert wir im vorigen Jade» iesigeftellt haben, daß unter den Effenbahnangestellte» estrig sozialdemokratisch agitiert wurde. Ich tonn nicht zugeoen, daß in dieser Strllmianahme der Eisenbahn. Verwaltung ene BeichrSndnlg der verfaffrrngzmäßtgen Rechte der Staats bürget liegt (Sehr richtig!) Und was meinen Erlaß angebt, fe türmen wir nichts beffereS tun, als unser» Arbeiter jebetsett über die Auffassungen der Berwaltung in dieser Beziehung zu informieren. .Lebhaftes Bravo.'
Abg. Dr. Friedberz (tdli ) erklärt die Vereinheitlichung der Effendadne» tu einer Reichsetsendahn» gemeiuschaft für wünfckenswert und hüll btt oo» Minister in der Kommtsfio» dagegen geäußerten Bedenken nicht für sttchhaltig. Wenn die deutsche Industrie sich eine emflußreichrre Stelle auf dem WellmarU erobent wolle, müßte« di» Lransportkonen ermäßigt werden. Darum fei eine Ermäßigung der Abserligungs- gedühren und der ©ütertaitfe erforderlich.
Abg. Frhr. v. Zedlitz (fit) glaubt, daß das Pro- jekt einer Lifenbahngemeintchatt keine Aussicht auf Berwirklichung habe. SS st aß ent aber dürfe kein Druck von Preußen ans die äbrige» Bundesstaaten auSgeLdl werden.
Finanzminister Lentz»: Sia Bedürfnis zur Neude- rung des GeietzeS über bat Ansgleichtonds liegt nicht vor. Wir löns» nickt etwetten, baö wir dem Aut- gleichfonds immer fokck« großen Summen zufsthre» tönnen tote in den letzten (Stabtert. Durch die In- betrtebuabme der Kanäle tverde« die Etievbahnem» «ahnten eine Lermisderung erfahren. Die Fiitsu.,»er. wallung legt der Eisendahnverw.tliuna keine Feffein an. BestrebunKen aus Emtüt-rmtg der Reichs eis»«- bahn en würde ich mich »ntfchleden wtbersetze«. Untere Eisenbakmvetiv itung bildet einen so weicntlichen Teil unserer Kin«MH«dahr»»G, daß wir ohne sie tzniete Ausgaben nicht lNullen kt^Men. Die Betriebsmittel, gemeinschakt hat sich vortrefftrch bewährt, so daß wir keinen Anlaß Haden, etwas anderes an ihre Stelle zu setzen.
Abg. Winckler spricht sich gegen die Hebet» tragung der Etiendahne« aus das Reich aus.
Abg. Macrv tntkb.): Wenn der Fmanzminister damit rechnet, baß wegen der Inbetriebnahme der Kanäle An-sälle eintreten werden, I» hat er wemg Bet trauen tn bte w rlschaftüche Kratt M Landes.
Finanzrninister Dr. Lentz« widerspricht dem Abg. State».
Sie Debatte über bi« finanztechnische und wirtschaftliche Seite des EtatS schtteßt.
Es folgt etite gesondert« Besprechung des Personeu- und Güterverkehrs.
Abg. WaSenbotm (Ztr.): Die Grundsätze, di« der Eisevbahnmtsister über di« Annahme der A, beiter vorgetragen Hal, werden, wenn st« gewissenhaft auSgefLhm tveroen, bte Wirkung Hades, daß bte Arbeiter mit voller Kenntnis der Berttagsdedisgusgen und in so wett frei- willig den ArberkSverlrag schließen. Metue Freunde find gern b rett, bte zur Wageidefchassung geforderten Msttel zu bewilligen. Daß auch in neuerer Zeit bedeutender & ag atm angel sich geltend gemacht hat, konnte man ht der Presse »erschiedentltch lesen. Iw - m-rrin—«—■■■ n , , ■
Jntereffe mancher landwirtschaftlicher Kreis« fei die Weiterbeschaffung von 10 Tonnenwagen zu wünschen. Redner legt bann Fürsprache em für dedes und Sicherheit der Bahnpoftdeamken. SS feien auf diesem Gebiete leiser noch immer Unfälle zu verzeichne!. W S ote Zar.fftagen angetzt, fe find wir der Ansicht, daß ein billiger Ausgleich bet Tarif« für bte. erste bis dritte Klaffe gelchaffei werden muß, und daß bei ritte: Reform der Kahrkartensteuer bte vierte Klaffe and) fernerhin befreit bleibt. Di« neu eingeführtt Sr- ieichternng bei UebergangS au« einer niedrigeren ui eine höhere Babnklaffe begrüßen wir als verbeffernd. Die Freffahrt der Soldaten «um Urlaub möchte ich auch hier der Berwaltmtg zur wohlwollenden Erwägung dringend erspiehlen. Wir sind dagegen einverstanden damit, daß, wo ein bringendes Bedürfnis zur Er» mäßigungberBütertarife vorliegr.Ermäßtgnsgen gewährt werden. Redner bittet dann vor Abfahrt der Züge auch an kleinen Bahnhöfen abrufen zu lassen. (Beifall int Zentrum.)
Abg. Krawinkel (natL) erörtert dir verkrhrspolitifche Lage bei Oberdergifcheu Bezirks.
Gifendabnmmister i. Kreitenbach erklärt, ernt der bisherigen Gestaltung de« Tarifs könne nicht adge- gangen werden. Die durch die Staffelung bet Gebühren bisweilen bernottretenben Härten feien nach Möglichkeit beseitigt worden. Eine allgemeine Er- Mäßigung de« NohstofffarueS fei nicht angängig, man muffe sich badet dem Bedürfnisse anpaffrn. Die wirt- schaflliche Entwicklung sei durch das irtzige Tartnvefen nickt beemtiächlist worden, denn LrohlenuuSsutzr, Stseu- sussuhr und die Gefamtausfuhr überhaupt weife in Deiltfckland einen wett böderen Prozentzatz aus, al« beispielsweise im AuSfuhrftaate England.
Nach wetteren unerbeblichen Debatten werden die Einnahmetttel .Perfonenoerkehri' und .Güterverkebr" bewilligt. Zwei Petitionen um Ermäßigung der Ad. feriiguiigSgebühren werden der Regierung als Material überwiesen.
Morgen: Fortsetzung.
Eine Erklärung v. Hertliugs.
München, 17. April 1912. In der heutigen Sitzung der ReichsralSkammer erwiderte Mintster- präsidrnt Frhr. v. Hertling auf bi« ge' rige Oppo- sittonsrede des Grafen törrtng (etrgL Nr 871 Er wandte sich Mvächst gegen die Behauptung deS Grafen, daß das Kabinett Henling einen liebergang zn» parlamentarischen RegierungSforM bartteUe. Davon könne absolut md>t die Rebe sein. In einem Bundesstaat das parlamentarische System einrnführen, sei ein Ding der Unmöglichkeit. Wenn im Deutschen Reiche jemals daS parlamentarisch« System platzgretsen würde, so würde das den Einheitsstaat voranSsetzen, den herdriznwünschen vom bayerischen Standpunkte au8 kein Anlaß vorliege. Der Ministerpräsident streifte sodann die Frage bei Jesuitenerlaff«! der bayerischen Regierung, der soviel Staub aut gewirbelt habe. Der Erlaß ist, so erklärt« er, nicht nur nicht unter dem Druck der Mehrheit der Abgeordnetenkammer zustande gekommen, sondern er ist ohne jede Fühlung mit irgend einem Mitglied der Kammer von unS aus als eine Erbschaft fibentommen worden, worüber ich mich nicht weiter äußern will. ES handelt sich jedoch nur um die Lösung der Rechtsfrage und dies« Frage rotrb ans dem ordnungsmäßigen Weg« za« Auslrag kommen. Im höchsten Maß« haben wir alle bedauert, daß bei dieser Gelegenheit immer weder die Störung bei konfessionellen Friedens an die Wand gemalt wird. Mein heißester Wunsch fft, daß dieser Friede gewahrt bleibt — Dann äußerte sich der Ministerpräsident über bte Haltung der Regierung zur Sozialdemokratie. Er erklärte im Gegensatz zum Grasen Törring, die Sozial, demokratie nicht als eine gleichberechngt« politische Partei wie bte übrigen «nsehen zu können. Di« So» zialdemokrati« sei eine Krankheit am Bolkskörper, und biete Krankheit sei zwar nicht mit Feuer und Schwert auSzorotten, aber ihre Ausbreitung müsse beschränkt werden, soweit sich daS mit verfassungsmäßigen Mitteln ermöglichen laste. Wenn Graf Törring erklärt habe, er fei nicht in der Lage, sich beut Vertrauensvotum, ba# bte Regierung au« Reichsratskrersen erhalten habe, anznschließen, so müff« er, Rebner, die« hinnehmen wie fe vieler andere auch.
Mit dieser Erklärung kann der ungeschickte Borstoß deS Grasen Törring wohl al« erledigt betrachtet
werden. Epeztell in der Frage deS Jesuitenerlasses können die Mitteilungen deS bayerischen Ministerpräsidenten beruhigend wirken auch aus die Gegner der Jesuiten, — soweit diese Gegnxr überhaupt noch einer ruhigen Erwägung zugänglich find.
Frhr. v. Hertling hat zunächst gründlich aufge» räumt mit dem tendenziösen Gerede, daß der bayerische Erlaß über die Handhabung des Ausnahmegesetzes von der Zentrumspartei veranlaßt worden sei und etse „Machtprobe" bedeuten solle. Di« „toht. Ztg." batte neulich kühn behauptet, „maßgebende Zevtrumskreise^ hätten das Ministerium Hertling zu dieser unbequemen Maßnahme gezwungen. Es wird nun Zeit, daß die „Soin. Zig." endlich einmal sagt, wo denn diese Zentrumsgewal- ten eigentlich stecken. Sie muß entweder den Frhrn. v. Hertling der Unwahrheit überführen, oder den Vorwurf der Flunkerei aus sich sitzen lasten. Zu der wirklichen Entstehungsgeschichte machte Herr v. Hertling die kur^e, aber für alle Kundigen vollauf verständliche Mitteilung, daß das neue Ministerium hier eine Erbschaft vorgefunden habe, mit iZr sich die Minister anseinander zn setzen batten. Wir haben schon mehrfach darauf hingewiesen, daß der Erlaß sich aus den besonderen Herhältnissen und Bedurfnisien erklärt, die sich in Bayern herausgc- bilbet hatte und schon das vorhergegangene Ministerium zur Jnangrisfnahme der Frage nötigte». AuS den Erklärungen, die der Minister des Innern Tags vorher in der Reichsratskammer gegeben hatte, geht ferner hervor, daß die Beschlußfassung über die Handhabung deS Jestlitengesetzes in voller Uebereinstimmung aller Minister erfolgt ist, womit eine wettere tendenziöse Fabel der liberalen Presie abgetan ist. Wie Frhr. v. Hertling weiter barlegte, handelt es sich jetzt um eine Rechtsfrage, um eine AuSlegungssrage, die auf dem ordentlichen SBroe zum Austrag kommen werde. Die Frage spitzt sich auf eine verschiedenartige Auslegung in Bayern und in Preußen zu. Wem bei „ordentliche Weg zum Austrag" dieser AuslegungsversckiÄenbeit beschritten ist, so sollten di« Kulturkämpser doch erst einmal den AnSgang dieses BerfahrenS sbwarten, ehe sie den Gegenstand zur Aufhetzung d«S protestantische» Volksteils ausbenten.
Nach bet Entscheidung der Rechtsfrage durch die verfasiungsmäßigen Instanzen können wir unS ja noch emgehend genug unterhalten über die po litis ch e Frage, ob denn überhaupt ein derartiges Ausnahme- und BerfolgungSqesetz noch am Platze ist in einem mober»eit Knlturstaat und ob insbesondere der prcußifche Versuch, unter die verbotene OrdenStätigkest jede priesterliche Tätigkeit eines einzelnen Öidensgeistlichen ernzubeziehen, der Vernunft itnb der Menschlichkeit und der Staats- raison entspreche.
d* München, 17. April 1912. Die bayerische Regierung gibt gegenüber den Leußerungen in der Press«, al8 hätten die vorn Jesuitenerlaß verftän« bigtes Regierungen stillschweigend zugrslimmt, bekannt, daß dies« Regierungen nicht befragt, sondern nur verständigt worden seien und mehr oder ibenigct ihre Bedenken, nicht aber eine Verwahrung in ihren Rückäußerungen geltend gemacht hätten. — Der Ministerpräsident war während eines Teile? der heutigen Nachmiilagösitzung im Landtag, all sein Etat zur Beratung staub, nicht anwesend. Di« lltsach« feiner Abwesenheit roar «in plötzlich ein- berufener Minrsterrat. Liberal« Blätter wußten bereit« von einet Krisis zu erzählen und zwar hieß es, Justrzminister v. Thelemann habe wegen ab- weichender Anschauungen über de« Jesuitenerlaß fein« Entlassung «tugrreicht. Daran ist kein wayres Wort. ----------
Deutsches Reich.
** Berlin, 17. April 1912. Der Reichstag« Präsident Dr. Kämpf hall« em Dienstag abens
Meines Feuittetou
— Die Auslandsschwärnlerei der Deutschen tritt nrrgcuds so deutlich hervor als bei den Bckleidnngs» und Modeartikeln, was man jetzt bei Beginn der netten Jahreszeit wieder am besten beobachten kann. Die „Deutsche Tagesztg." schreibt u. a. hierzu: Vom „echt englischen" Cheviot, der in Düren fabriziert linrb, bis zu den „american sh»x>s* und den „Wie- ner Hüten" — überall enthüllen sich die gleichen beschätnendeu Bilder des Verrats am deutschen Naüoualgefühl. Kein anderer Industrie-Artikel erscheint gleich geeignet, die Auswüchse der atavistischen, auf gut Deutsch affen hafte» Auslandsfchwär- inerei zu veranschaulichen, wie gerade der Herrenhut. Alles ausländisch — und wer die Verhältnisse nicht kennt, nmß zu dem Glaube» kommen, daß überhaupt keine deutsche Hntindustrie bestehe. Rach unseren Feststellungen ist die deutsche Hutfabrikation einer der entwickekften, feistlingsfähigsten Jndustrie- ziveige Deutschlands. In Paris, Brüssel, Amsterdam, Kvpcnhoge:», Stockholm kaust das Publikum mit Vorliebe deutsche Herreuhirte! Der deutsche Michel aber stülpt mit Hochgefühl einen englischen Filz auf das historische Denkerbmpt! — Und tote’« mit dein Hltt ist, so gehi's auch mit zahlreiche» ande- «» Dingen. Das deutsche Publikum tut alles, um belastende» oaterländischen Industrie
M'llioneu ju entziehen und damit die auslän- bische Konkurreilz zu stärken, und wir können da« Geld im eigenen Lande doch weit besier gebrauche». . Frosts.„c-bcn an Obstbönme». Wenn int Früh- lchr der Gartenfrei, nd seine Obstbäume besichtigt, touck er tn der Regel an ihnen auch Frostschäden feststellen, sog. Frostplatten, dar sind einzelne Stel- le» an der Rinde, die abgestorben sind und sich nreift nach der Südtoestseite zu befinde». Sie ent- stehen dadurch, daß bei klarem Frostwetter die licht« Srmue einzelne Stellen auftaut. In der Nacht friert dann aber der Zellfast wieder ein, er sprengt die Zell- gefUe, und die Rinde reißt auf. Natürlich sind solch« Schaben dem Baume nachteilig, sie verunstalten ihn
nicht nur, sondern beeinträchtigen auch die Ernäb» rung. Kleine Schäden heile» von selbst; größere Schäden aber muß der Obstzüchter sorgfältig nutz sachkundig behandel», damit dte Nachteile nicht noch größer kerben. Man schneidet bi« abgestorbenen Teile sauber cur«, verkleb« die Wunden mit Baurn- wachs und macht an beide» Seite» der Wunde Einschnitt- in die gesunde Rinde, die bi« in da« junge Holz reiche». Sind ganze trübe ober Neste erfn> reit, st> schneidet man sie im Frühjahr bis tief in da« pxnge Holz zurück. fg.
— Di« SamrerLn« «mtz ihre Titel. Der läum- • « "mfQn8 der Köuigreuhe unsere« Planeten fteti viel,ach in einem ganz «Msegengesetzten BerhätttttS ä“ .der Lange bei Ttt-l« feit Herrscher. Dabei ergibt tich »och außerdem manchmal die merktoür- dtge ^atsach«, daß sich bie Souveräne als Könige von Lander»^bezeichnen, bte seit Jahrhunderten in anderen Hande» find. So behcmpten her Kaiser von Oesterreich und der König do» Spanien, beide Känta von Jerusalem zn fers. Der König von Spanien führt de» ÄftttaStiM nicht weniger al« sechsmal, freilich müfjrn dazu auch bä alten Waurenreiche, West- und Ostindien fonrie Amerika die Name» dazu leihe». Der rutsch« Zar bezeichnet sich al« König von Moskau, Astrachan, Kasan, Sibirien, Bolen und de« taurischen LherstmeS. Der früher« König von Portugal und der König von Spanien nennen sich beide König toee Algarvo. Kaiser Franz Joseph ist achtmal König seiner Kronländer. An die graue Vorzrit mahnt der Titel bei dänischen Herrschers, der beu Juri Ääng der Wenden und Gothen führt. Darchau« richtig bezeichnet sich endlich auch bet türkische Sultan eÜ König von Jerusalem, während der König von Schwülen seinem däntscheu Bettet toieba de» altertümücheu Untertitel streitig macht. tf.
— Heizbare Stiesel. ®u Würzburger Schuch, machcrmeister hat ebt prichoä Erfindung gemacht, die unbedingt eint uextt Erscheinung auf dem Se- biete der Ähul^eklridungMudtrstrie ist und gewiß eine UmtoäljRng hervrrrdrms« dürste. Ties« Neuerung ist ein , hetzdar« Stiefel. Ein eigen« hm»
struiertet Wärmeapparat wird ht eine verstärkte Korksohle de« Stiefel« eingelegt und dadurch bie zur Heilung de« Stiesel« notwendige Wärme hervorgebracht. Borher wird der Heizapparat einige Minuten in kochendes Wasser gelegt und so an gewärmt. Es enttoiddt sich dann in dem Stiefel eine angenehme Wärme, die mehrere Stunden anhalten soll. Der Apparat ist auch verstellbar, und da der Stiefel durch dü Einarbeitung durchaus feine bisherige Form behält und nicht schwerer al# jeder andere Korkstiefel wird, so könne» auch berartige Apparate m eigene für verkrüppelte Füße oder Beinleidend« angefertigte Stiefel eingelegt werden. Im Sommer roirb bie Gnrichtung einfach heranSgenommen, ohne daß irgerüMielche Beschwerben im Gehen tu verzeich- ne» sind. Weitere Unkosten sind nicht bannt verbunden, da bie Heizapparate sich weder abnütie», noch nachgefüllt zu werben brauche», sondern jahrelang halten und stets gebrauchsferfig sein sollen, tf.
— Tödlich« Küss«. Was man tu Amerika nicht alles entdeckt. In Jndicmia hat der Leiter de« bakteriologischen StaatslaboratoriumS, Dr. I. B. 8i- monds, auf Grund langjähriger Beobachtungen festgestellt, daß Küsse unter Umstände» den Tod zur Folge hab« könne». Unter anderem hat er bei fünf klein« Kindern all Todesursache tuberkulöse Hirnbcmterttzünbmig, bei der unzweifelhaft bie Erkrankung auf Küsse von Eltern ober Verwandt« zurückzufübreu ist, konstatiert. E« handelt sich um Kinder un After von elf Monat« bis zu drei Iah. reu, wo bie Eltern unabsichtlich btef« den Todes- keim durch Küfle zugetragen hab«. Ein anderer Fall, den Dr. Lrmond« ebenfalls veröffentlicht, betrifft ein achtjährige« Mädchen, da# durch Äüffe feiner tuberkulös« Großmutter durch Ansteckung in kurzer Zeit verstarb. In feiner Veröffentlichung tritt Dr. Atnonds ganz energisch für die „Antiknß- betoegung* ein -n-
— Ein interessantes Experiment kann jedermann leicht felMt anstellen. Bekanntlich schlägt sich bä Luftseuchtigkeit während einer kühlen Rackst aU ^Eau" gern überall nieder. Aber der Nieverschiag ist keineswegs gleichmäßig, seine Menge hängt diel
mehr cmßerordentfich viel von der Farbe ab, welche die einzelnen Gegenstände besttzen. Sehr empfänglich ist bä grüne Farbe, weshalb auch Gräser und Blätter des Morgen« ost enorm feucht sind. Noch viel feuchter werd« aber Gegenstände von gelber Farbe, während solche von roter und schwarzer Farbe bei gleicher LuftfLuchtigkett fast völlig trocken bleibe». Man tau» das leicht beweisen, wenn man kleine Brettchen mit den verschiedenen Farben bestreicht und diese über Nacht im Freien läßt. Die Verschiedenheit bei Rieberschlage« fetzt geradezu in Erstaun«. ne.
— Geisteseegeuwart muß «um haben! Von dem englischen Bankier Rorris erzählt man ein beachtenswerte« Erlebnis. Der Banker fuhr einst mit einer größer« Summ« ht der Tasche auf sein Landgut hincnt«. Die letzte Strecke querfeldein pflegte er zu Fuß zurückzulegen. Plötzllch fleht er einen Menschen vor sich, der ungestüm Gels verlangt. „Ich habe gerade noch einen SMing", beteuerte der Bankier. „Frecher Lügner, du bitt dach Rorris und hast von einem Verkauf heute die Brieftasche voll Note». Ich bin über alle« unterrichtet. Her damit oder . . . NorrrS lachte laut auf, wurde aber plötzlich still, sah sich um uud sagte: „Bruder, wen» ich o e r wäre, hatte ich freilich Geld! Ich will dir nur gesteh«, daß ich ganz dieselbe Absicht habe wie du — laß uns deshalb patt machen. Der Bankier muß in einer halb« Stunde hcer vorüberkommen. Ich habe ihn genau beobachtet." Das machte den ander« schwankend, er glaubt« be» Worten, und schließlich vereinbarte man, daß fick jeder cm einer gewiss« Stelle verstecken möge. Karne bet eine erst von recht«, bann tnrf einen Ruf der andere von link«, so würbe Norri« sicher fein Geld rnegwerf« und ReißauS nehm«. Rorris versteckte sich in der Rich- tung feine« Landhauses, der autetc ein Stück weiter voraus auf der anbereu Seite der Straße, nxb nach einer halben Stund« war btef«, der anbett, gefesselt. Norri« war auf dem Feld« hin toettergrkrocheü und hatte Hilfe Geholt. w
— Sä badet meu richtig? Hufen ftuftur ist soweit dorgeschritt«, daß dick bessersittnerr« Fa»