Helden der Pflicht.
Roman aus dem Lande der Mitternachtssonne von 88] Erich Friesen.
Als die beiden Gatten an demselben Abend am Teetisch sitzen und Ingeborg, den schmerzenden Kopf in die Hand gestiitzt, mit müdem Ausdruck in den lieblickwn Zügen vor sich hinblickt, äußert Lorenz plötzlich in bedauerndem Tone:
„Es trifft sich recht unglücklich, liebe Karin, daß du dich so schlecht fühlst. Ich habe ein Paar Kollegen für morgen zum Mittagessen eingeladen und mochte gern, daß mein Frauchen so vorteilhaft lote möglich aussieht."
Mit mattem Lächeln hebt sie den Kopf.
„Ich hoffe, es wird morgen besser sein, Lorenz." „Wirklich? Ich wollte meinen Kollegen schon hbsageu."
„Rein."
Lorenz scheint noch unschlüssig zu fein.
„Darf ich dir einen Rat geben, Kann?"
„Bitte —"
„Nimm ein paar Tropfen Arznei, damit du Morgen wieder ganz frisch bist!"
„Es ist wirklich nicht so schlimm, Lorenz!"
»Dann zwingst du mich, den Herren abzusagen. Ich darf meiner Frau nicht die Pflichten der Wirtin aufbiirden, wenn sie sich nicht wohl fühlt."
Ingeborg ist stets bemüht, ihrem Gatten nach Kräften leben Wunsch zu erfüllen — zumal er Jein Versprechen, sie auch fernerhin nur als gute Kameradin zu behandeln und keinerlei Liebkosungen von ihr zu beanspruchen, getreulich hast. So gibt fi« auch diesmal seinem Drängen nach.
„Wenn du meinst, so will ich die Tropfen, von denen du sprachst, nehmen."
„Recht so, mein Kind. Ich hole sie dir selbst aus der Apotheke."
Er reicht ihr die sand und verlaßt rafch da» Zimmer.
Wieder stützt Ingeborg nachdenklich den Kopf in die Hand.
Sie fühlt sich nicht gerade unglücklich. Das Wechseln ihre» Namens unter so seltsamen Umständen nat einen eigenen Reiz auf ihr empfängliches Gemüt ausgeübt. Wie sagte Lorenz einmal zu ihr, als er den letzten Rest ihrer Bedenken zerstreuen wollte?
„Du vereinigst gewissermaßen zwei Personen in dir. Du bist meine Karin und Fräulein Arnold- senZ und ErikS Ingeborg!"
Ja, er hat recht. Geradeso empsindet sie. In ihrem Herzen ist sie noch immer Ingeborg Valetti; aber um Tante Sigrid und Erik Niels glücklich zu machen, mußte sie auch Karin Iesperfen iverden. Tie Gedanken an diese beiden geliebten Menschen bilden noch immer den Mittelpunkt ihres ganzen Seins; Lorenz Iefpersen und seine Frau Karin sind für ihren kranken Geist nur Msttel, um das Glück jener beiden zu begründen. —
Am nächsten Morgen fühlt Ingeborg sich merklich schlechter.
Die Tropfen, die Lorenz ihr eingegeben, enthalten keine gefahrbringenden Substanzen, aber sie genügen, um auf ihre zarte, überaus empfindliche Konstitution momentan ungimsttg einzuwirken. Ihre Wangen sind auffallend bleich, ihre Augen matt nnd glanzlos.
Lorenz bittet sie nochmals dringend, auf ihreoi Zimmer zu bleiben, so schmerzlich es ihm auch sei, sie heute bei Tisch missen zu sollen.
Selbstverständlich will sie davon nichts wissen. Und nach verschiedenem Hin- und Herreden setzt sie ihren Willen durch — das heißt: es geschieht das, was Lorenz im stillen wünscht und waS er so sorgfältig vorbereitet.
So präsidiert also Karin Iefpersen an der Mit- tagstafel. In chrer geisterhaften Blässe, mit dem welwerlorenen, verschleierten Blick ihrer großen blauen Augen sieht sie zwar überirdisch au»,' wie ein Wesen au« einer anderen Welt — aber leidend, ach, so schwer leidend, «I» solle sie sofort in« Grab sinken.
M 86.
vienrtag den 16. April l-N
59. Jahrgang.
* Tuldaer M Zeitung
2. Blatt.
druck und Verlag der Silbaer in $*l»a.
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Zuckerernte in den Erhöhung des ihm
Amt Geisa und Umgebung
zu tun.
Regt sich noch ei» letzte« Fünkchen von Gewif- in ihm? . . .
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(Fortsetzung folgt.)
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Aus dem Nachbargebiete.
*♦ Kloster Knuzberg, 15 April 1912. Diejenigen Touristen, roebte den Kreuzberg besuchen und sich der Gastfreundschaft des Klosters befreiten wollen, seien hiermit ausmerksam gewacht auf folgende Wallfahrtstage, an denen ans Unletlunft im Kloster nicht mit Sicherheit gerechnet werden kann. Es handelt sich stets um die Zeit vom Nachmittag des erstgenannten bis ztmt Mittag des zweit- pcnannte.n Tages: vom 2. Mai Lis 3. Mai, vom 27. Mai bis 28 Mai, vom 8. Juni bis 9. Juni, vom 12. Juni tis 13. Juni, vom 22. Juni bis 23. Juni, vom 7. Juli bis 8. Juli, vom 3. August b ? 4. Aueust, vom 14. August bis 15. August/vom
Handel ttiib Industrie.
*♦ Berlin, 15. April 1912. Das Bild der Börse ist nach wie vor das eines zufriedenen Mannes, der gefättigt ist und keine rechte Unternehmungslust mehr spürt. Der Kanodamarkt bildete auch heute wieder bei weitem den Mittelpunkt des Börsenverkehrs mit zirka 30000 Stück Umsatz. Trotzdem von der Newyotker Börse ein Kursrückgang gemeldet worden war, eröffnete» sie heute in Berlin um ca. 3 Prozent über dem vorgestrigen Kurs. Die Käufe gingen in erster Linie von der hielgen Spekulation aus, die sich zum Wochenschluß die Gewinne gesichert hatte und jetzt wieder Lust verspürte. Die JnlandSwerte fanden wenig Beachtung, doch tarn ihnen jreundliche Allgemeinstimmung zugute.
Aus Oberheffen u. den heff. Remtern.
△ Mat bin g, 15. April 1912. Tie Sektion des hessischen Vereins für Luftfahrt hat be- schloffen, für Sonntag, den 12. Mai 1912 — oder bei uugüustigcr Witterung für einen späteren Termin— die Fahrt des Zeppelinlnstsch'ffes .Viktoria Luise" von Frankfurt aus mit Zwischenlandung von etwa zweistündiger Tauer in Marburg in Aussicht zu nehmen.
* Gewüudkil a. W, 16. April 1912. Das 25jährige TienstjubiläuUI beging am 1. April ö. Js. der städtische Polizeiwachtmeifter Bornemann. Von feiten dec Stadt wurde dem pflichttreuen Beamten aus diesem Anlaß eine Graüfitatiou überreicht.
* Bocken, 15. April 1912. Ter Etat für 1912 schließt in ordentlicher Einnahme und Ausgabe mit 43443,53 Mark und in außerordentlichen Einnahmen und Ausgaben mit 14 500 Mark An Abgaben werden für daS laufende Rechnungsjahr 160 Prozent der Einkommen- und 195 Prozent der Realste uern (im vorigen Jahre 100 bezw. 135 Prozent) erhoben. Die in den vorigen Jahren ge- machten Aufwendungen für SchulhauSneudau, Wasserleitung und Ausbau von Wegen erforderten eine bedeutende Erhöhung des Steuersatzes.
* Vacha, 15. April 1912. In der letzten meinderatssitzung wurde bekannlgegeben, daß Stadtschreiber A. Roldan wegen vorgerückten Alters um Pensionierung eingekommeu ist. Der Gemeinderat ist mit seiner Versetzung in den Ruhe- stand zum 1. Juli 1912 unter Bewilligung der gesetzlichen Pension einverstanden.
* Dimbach 16. April 1912. Am 20. April findet in Helmershausen eine Sitzung des Bc- Bezirksausschusses statt. .
* Kaltennordheim, 15. April 1912. Zum 1. Mai wird die Eröffnung einer Autobusverbindung zwischen hier und Meiningen geplant. Es sind zwei Hin- und Rückfahrten vorgetehen und zwar einmal über Kaltensundheim durch den Herpsgrund, das andere Mat über Unterkatz.
* Tiefenort, 14. April 1912. Bei der am Freitag vorgenommenen Geuieinderatsersatz- wahl wurde der Landwirt Karl Wilh. Fröhlich anstelle des von hier verzogenen Oberförsters Krauß als Gemeinderatsmitglied gewählt. — Dem Ober- driefträger Georg Kister von hier wurde daS Allgemeine" Ehrenzeichen in Silber verliehen.
Vermischtes.
* A-gkstiüzleFliegkr In Berlin-J o h a n n i S t h a l stürzte der Flieger Müller aus 30 'Mieter Höhe steil ab und erlitt einen mehrfachen Bruch des lü keu Beines. — In Douai in Frankreich stürzte der Flieger Sensever ans bedeutender Höhe abjinb trug schwere Verletzungen davon. In beiden Fällen wurde das Flugzeug völlig zertrümmert.
„Ja", lautet dir von bedauerndem Achselzucken begleitete Antwort. „Heute früh fchickte ich die Police ab. Vielleicht ist sie schon hier "
„Armes Kind! So jung und schon vorbei! . . . Wie viel verliert Ihre Gesellschaft, Herr Kollege?"
„Fünfzigtausend Kronen."
„Wir huiiderttausend . . . Arme Versicherungsgesellschaft! Armer Iefpersen! . . . Hm, hm —!"
Der Nachmittag vergeht bei Zigarren, starkem Kaffee, schwedischem Punsch und Kartenspiel rasch, doch ohne Fröhlichkeit. Die Erkrankung der Hausfrau lastet auf allen Gemütern.
Am nächsten Tage wird bei den betreffenden Lebensversicherungsgesellfchasten der Gesundheitszustand der Frau Iesperfen lebhaft diskutiert — natürlich nur ganz im geheimen. Man würde sich kaum wundern, wenn bereits morgen die Todesnachricht einliefe.
Doch nichts dergleichen tritt ein. Im Gegenteil: am dritten Tage nach jenem Mittagessen in dem kleinen Haus» Jonas-Gehölz Nr. 5 berichtet Lorenz frohlockend seinen Kollegen von der „Skandinavia", seiner lieben Frau ginge es wieder beffer.
Trotzdem — bei den in Betracht kommenden vier Lebensversicherungsgesellschaften steht die Tatsache fest, der Gesundheitszustand der Frau Iefpersen sei durchaus nicht der beste, und dreihunderttausend Kronen liegen bereit für Lorenz und seinen Komplicen. —
Mehrere Wochen vergehen. In dem Hetnen Hause JonaS-Gehölz Nr. 5 ändert sich nichts.
Vergebens versucht Ingeborg, chrem Gatten ein wärmeres Gefühl entgegenzubringen. Tunkrl ahnt fie daß es so, wie es jetzt ist, nicht das ganze Leben lang fortgeben könne, obgleich sie über daS Wie und Warum völlig im Unklaren ist.
Und Lorenz? . . .
Noch immer zögert er, den entscheidenden Schritt
* Frankfurt, 15. April 1912. Der heutige Markt verlief in fester Stimmung. Besonders Landweizen konnte von der festen Tenden, profitieren, denn er kostete gegen die Borwoche 1 Mk. pro 100 Kilo mehr. Die Nachfrage ist ziemlich gut, während das Angebot sehr zurückhaltend ist. Auch Roggen und Hafer tonnten anziehen. Mais knapp und fest. Futtermntel bleiben gesucht, speziell Kleie und Treber sehr gesucht. Es notieren: Weiter» hiesiger und äßetteiauer 23.75 2400 M., lurhess. 23.75-24.00 M., notOb. 23.75 - 24.00 M., ruff. 25.00—26.26 M., Laplata 25.00-25.50 M , Roggen hiesiger 20.50-00.00 M., russischer 20.75 - 21.00 M , Haler hiesiger 21.75-22.00 M., russischer 22.00-22.50 M., Mais mixed 17.80-18.25 Mark. Alles per 100 Kilo netto effektiv !oco hier.—Mehl: fest. Weizenmehl 33 00 - 00.00 M. Basis 0, ab hier, feinere Marken 0.50 bis 1.00 M. höher, Roggenmehl 26150-3? 00 M. Basis 0 ab hier. Alles per 100 Kilo tniL Sack loco hier. — Futtermittel: fest. Weizenschalen 14.00-14 2» M, Weizenkleie 14.00—14.25 M., Roggenkleie 14.50—1500 M., Futtermehl 15.5 -16.50 M., getrocknete Biertreber '15.25 -15.50 Mark. Alles per 100 Kilo netto effekliv loco hier.
17 August bi« 13- August, vom 21. August bi« 22 August, vom 27. August biS 28. August, vom 31. August bi« 2. September, vom 7. September bis 8. September, vom 18. September bi« 14. September, vom 21. September dis 26. September und vom 3. Oktober bis 4 Oktober.
* Hanau, 15. April 1912. Gestern starb der Goldwarensabrikant Cäsar Böhm im Alter von 64 Jahren. Böhm hat sich besonders um die tont- munale Entwicklung der Stadt Hanau verdient ge- macht. Seft dem 7. Dezember 1883 gehörte er dem Gemischten Ausschuß der Stadt Hanau an. 1898 wurde er in den Magistrat gewählt.
♦♦ Kassel, 15. April 1912. Auf dem Unterstadtbahnhof warf sich em Arbeiter in selbstmörderischer Absicht vor die Räder einer Rangierlokomotive, dte chm den Kopf vom Rumpfe trennte.
* Darmstadt, 15. April 1912. Als Leiche auf- gefunden wurde heute früh im Walde zwischen Griesheim und Darmstadt der 27 Jahre alte Hausierer Chr. Fritz. Da die Leiche keinerlei Verletzungen aufwies, nimmt man an, daß Fritz sich an den Weg gesetzt und erfroren ist.
Höchst bemerkenswert ist jedoch, daß England wohl dem Abkonnnen, soweit es die noch laufende Vertragsperiode betrifft, beitrat, jedoch dte Berein- borungen bezüglich der künftigen Bertragsperiode nicht unterschrieb und somit, falls nicht neue Verhandlungen gepflogen werden, 1913 aus den Konventionsmächten ausscheidet. Dadurch aber erscheint, trotz des Uebereinkommens der andern Mächte, die Konvention für die nächste Zukunft -gefährdet, da England der Hauptabsatzmarkt für die Zuckeraitsftthr ist und von 1913 ab der russische Prämienzucker ungehindert nach England eindringen und die nicht durch Prämien begünstigte Zuckerausfuhr der Konventionshändler schwer schädigen kann. Eine internationale Vereinbarung von der Art der Zuckerkonvention läßt sich ohne Schaden für die Bertragslän- der nur dann aufrechterhalten, wenn alle wich- tigern in Betracht kommenden Staaten sich beteiligen.
Deutschlands Regierung und Reichstag haben ihr Bestes getan, um den vorliegenden Verhältnissen Rechnung zu tragen. Sir sind den Wünschen Rußlands entgegengekommen und haben dadurch zugleich die Interessen der Zuckerkonsumenten Deittsch- lands gelvahrt, da infolge des Minderausfalls der deutschen Zuckerernte die Ztickerpreife durch die Börsenspekulation in einer nie gekannten Weise in dte Höhe getrieben wurden. Durch die Zu- laffnng der verstärkten Zuckereinfuhr au§ Rußland soll diesen Treibereien ein Gegengewichts geboten werden. Außerdem Ml vom Jahre 1915 ab die Zuckersteuer von 14 Mk. auf 10 Mk. herabgesetzt Iverden, um den Jnlandskonsum durch Verbilligung zu heben.
Es bleibt zu hoffen, daß diese Zugeständnisse nicht etwa durch neue spekulative Preistreibereien der Zuckerbörsen zum Schaden des Zuckergewerbes wie des Konsums wieder ausgeglichen und damit die Absichten der internationalen Verträge toie der deutschen Gesetzgebung vereftelt werden.
Mit gemischten Geftihlen blicken die fünf geladenen Versicherungsbeamten auf die kranke Frau — voll Bewunderung für ihre Anmut und Energie, mit der sie sich aufrecht erhält, und voll Bedauern für die sicher bald fälligen Lebensversicherungssttmmen.
Auch ein Beamter der Gesellschaft „Exzelsior", mit welcher die Verhandlungen schweben, ist geladen, dantit die ganze Sache um so unverfänglicher erscheint. Ztvar fürchtet Lorenz, nach dem heutigen Abend werde die „Exzelsior" zurücktreten. Doch mag sie! Bah, die hintbigeu fünfzigtausend Kronen! Die übrigen drei sind ja fest!
Der Diener Jakob, der bei Tisch serviert, macht plötzlich seinem Herrn ein geheimes Zeichen.
„Nun?" fragt Lorenz leise, während er einen halben Hummer von der Schüffel nimmt und behutsam auf seinen Teller legt.
„Ein großes Kuvert mit dem Stempel „Exzelsior" ist eben anqekommen Herr."
„Ah __i"
Mit einer gleichgültigen Bewegung tvendet Lorenz sich seinem Nachbar zu, während der Diener die Schüttel mit den Hummerresten auf den Servier- tisch setzt und dann in strammer Haltting hinter dem Stuhl seines Herrn Posto faßt.
Nur mit Aufbieten all ihrer Kräfte hält Jnge- borg sich bis zum Dettcrt aufrecht. Ihre Anstrengungen sind so ersichtlich, daß sänttliche Herren, Lorenz eingeschloffen, sie dringend bitten, sich zurückzu- zichen.
Endlich gibt sie nach. Mit einem geisterhaften Lächeln wünscht sie allen „gesegnete Mahlzeit" und verläßt, sorglich gestützt vom Arm ihres Gatten, da- kleine Speisezimmer.
An der Tafel ergeht man sich in lauten Lobeserhebungen über die Liebenswürdigkeit der jungen Hausfrau und die zärtliche Sorgfalt ihres Gemahls. Im füllen bangt jeder im Interesse seiner Gesellschaft um den Verlust der versicherten öumme.
„Haben Sie schon abgeschloffen?" tuschelt ein Beamter der „Union" dem Sekretär der „Exzelsior" zu.
fuhr schwer bedrängt. Da Rußland trotzdem, von einem Zuckersteuerfystem, in dem die Pramren in- direkt enthalte* sind, nicht abgehen wollte, wurde e« ur die zweite Vertrag«Periode 1908—1913 in die Zuckerkonventi«, nur unter der Bedinaung aufge- i rammen, daß e« seine KickerauSfuhr in die der Konvention angehongen Länder nur in der Hohe von jährlich 200 000 Tonnen tätige. Die russische .Huckerausfuhr nach den eingangs genannten Kon- ventionSländern wurde also in dieser Höhe „kontin-
Die neue Zuckerkonventtorr•
Jin Jahre 1901 wurde zu Brüssel zwischen dem /kutschen Reiche, Oesterreich-Ungarn, Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Italien, Schweden und . Spanien ein Abkommen getroffen, durch daS der 'internationale Verkehr in Zucker 8 e r e gelt ■ (Verben sollte. Die Konvention trat 1903 zunächst ,uf fünf Jahre in Kraft. 1908 wurde daS Ad- . .vmmen auf fünf Jahre erneuert, und bte soeben getätigten und im deutschen Reichstag angenomme- 1 hen Beschlüsse der diesjährigen Brüsseler Zucker- kouferenz sollen die W e i t e r f ü h r u n g der Kon- ventio» auf weitere fünf Jahre, also von 1913 bi« 1918 bewerkstelligen. Da anscheinend über die Bedeutung der Sache große Unklarheit herrscht, seien nachstehend die weserttlichsten Punkte, um die sich'« handelt, zusammengefaßt. „ t _
Das deutsche Zuckergewerbe und lerne Entwicklung war und ist für Deutschland, toot allem für Deutschlands Lehensmittelversorgung, von unschatz- barer Bedeutung. Und zwar nicht etwa bloß für die Zuckerversorgung. Vielmehr hat die Drrrchfuh- rmtg der Tiefbearbeitung des Bodens, die Anwendung des Drillens und oft wiederholten Hackens, die vielseitige und wachsende Verwendung künstlichen Düngers, die verstärkte Benutzung künstlicher Futtermittel, die Herausbildung der Hochmast und die damit in Verbindung stehende Heranzüchtung frühreifer und mastfähiger Viehschläge ebensowohl wie die Züchtung und Verwendung arbeitsfähiger schwerer Schläge von Zugtieren ihren Anfairg genommen, mit den intensiv betriebenen Zuckerwirtschaften und jedenfalls aus ihnen dauernd neue An- temiugen, neue Erfahrung und Vervollkommnung geschöpft. Da also die Rüberizuckergewinnung mit den Fortschritten der Bodenkultur in engster und Weitgreifenoster Verbindung stand, ist es kein Wunder, daß bald nachdem die Wichtigkeit der Gewinnung von Zucker aus Rüben erkannt worden war — das war erst gegen die Mitte des 19. Jahrhundert« der Fall — die europäischen Staaten mit allen Mitteln die Zuckergewinnung und Zucker« Industrie zu fordern suchten.
Als Mittel hierzu dienten Steuererleichterungen und weiterhin vor allem die Begünstigung der Zucke rcmSfnhr durch Ausfuhr Prämien, um auch der über den eignen Bedarf hinausgehenden Produktionen einen Absatzmarkt, dem Lande aber dadurch die Vorteile einer möglichst ausgedehnten Zuckcrkultur zu sichern. Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts wurde das System staatlicher Förderung der Zuckerproduktion in allen in Betracht kommenden Staaten zu einer außerordentlichen Wirksamkeit ausgebildet. Ta aber alle Zuckerländer durch die Prämienförderung die Zuckerproduktton zur Ucberproduktion trieben, kam es schließlich auf dem Weltmarke zu erbitterten K ä mp fe ix um d i e Absatzmärkte, die schließlich nur mehr als Präinienkämpfe der einzelnen Staaten gegen einander zu bezeichnen waren. Dadurch war die Sache unhaltbar geworden. Am meisten arbeitete England auf eine gemeinsame Regelung der Verhältnisse hin, da durch die ftreigenbe Prämienausfuhr der Festlandsländer auf den fast ungeschützten englischen Markt der aus den englischen Kolonien stam- mende Rohrzucker soviel wie ganz aus England vertrieben wurde.
Die Brüsseler Znckerkonvention regelte nun unter den eingangs genannten Staaten die Sache in der Weise, daß sie gewisse gemeinsame Regeln über dir Z o 1 > h ö h e der Zuckereinfuhr aufstellte, vor allem aber erstere zur völligen Aufhebung aller Ausfuhrprämien auf Zucker verpflichtete. Die dadurch sich ergebende Erschwerung des Auslandsabsatzes suchte man in Deutschland durch Hebung des Jnlandsverbrauchs auszugleichen und fetzte zu diesem Zwecke gleichzeitig beim Inkrafttreten der Zuckerkouvention die Zuckerverbrauchsabgabe von 20 Mark auf 14 Mark pro 100 Kilogramm herab.
Bei der ersten Konventionsperiode (1903—19081 erte ein höchst wichtiges Zuckerproduktious- und fuhrland der Konvention nicht an, nämlich Rußland, das sich zur Aufhebung seiner Zucker- Prämiierungen nicht verstehen konnte. Die Konventionsländer waren schon in der ersten Bertrag«- periode übereingekommen, den Zucker ans Ländern mit Ausfuhrprämien mit einem besonder» Zoll zu gelegen. Infolgedessen wurde Rußlands Zuckeraus-
gentiert".
AlS nun tot Herbst vorigen Jahres die Frage der Verlängerung der Zuckerkonventton auf weitere fünf Jahre aktuell wurde, benutzte Rußland den infolge der Sommerdürre des Jahres 1911 sich ergebenden schlechten Ausfall der Zuckerernte in den : konventionslandern dazu, um die Erhöhung des ihm । ugeftanbenen Ausfuhr-,Kontingents" von 200 000 auf 400 000 Tonnen zu beantragen. Nach sehr chwierigeu Verhandlungen einigte man sich dahin, »aß bis zum Ablauf der bisherigen Bertragsperiode un Jahre 1913 Rußland (außer den ihm zukommen- den 200000 Tonnen) noch ein außerordentliches Kontingent von 150 000 Tonnen Ausfuhr bewilligt werden soll; ferner soll ihm auch für die nächste Vertragsperiode außer dem bisherigen jährlichen Kontingent ein« außerordentliche Ausfuhr von im ganzen 150 000 Tonnen, die auf die fünf Vertrags- ahre verteilt werden sollen, zug-standen werden. Ans Grund dieser $Bereinbacunge.t wurde die Weiter führuna der Zuckerkonventton auf weitere fünf
* Bon einem stürzenden Srattreuz wurde bei einem Begräbnis in B e n i n g e n in Brandenburg >er Sohn des Häuslers Baumann getroffen und chwer verletzt. Um besser sehen zu können, hatten sich verschiedene Kinder bei dem Begräbnis an dem gußeisernen Kreuz gestützt, das sich dadurch in seiner Vernietung lockerte und auf die Kinder fiÄ.
* Wegen unlauteren Wettbewerbs. Das Schof- engericht München hat den Generalagenten Dr. Higen Stauffer, der sämtliche Bücher der Colonia Feuerversicherungsgesellschaft in Köln vor Ablauf einer Tätigkeit bei dieser Gesellschaft hatte abschrei- >en lassen und das Material zur Gewinnung der alten Colonia-Kunden für sich benutzt hat, wegen unlauteren Wettbewerbes zu 3000 Mark Geldstrafe oder 200 Tagen Gefängnis verurteilt. Der Agent Mangold, der bewußt wahrheitswidrig im Akqui- itiousgefchäft behauptet hatte, die Colonia existiere nicht mehr, wurde zu siebzig Mark Geldstrafe oder zehn Tagen Gefängnis verurteilt.
* Ein Rechtsanwalt von seinem Mandaten erschossen In das Bureau des Rechtsanwalts Sli- zewski in Warschau drang der Kaufmann Bielo- puch ein und machte ihm schwere Vorwürfe wegen eines, angeblich durch die Schuld des Anwalts, verlorenen Prozesses. Der Streit wurde so heftig, daß Bielopuch plötzlich zum Revolver griff und den Rechtsanwalt mit mehreren Schüssen tötete.
* Schwer gestraft. Im ruffischen Dorfe Pokrowskoje entwendeten jtoei Knaben einen Feuerwerks- körper und machten sich daran mit einem brennenden Zündholz zu schaffen. Plötzlich explodierte der Körper, wobei die Knaben schwere Brandwunden im Gesichte davontrugen. Einem der Diebe wurden beide Augen ausgebrannt.
* Ein wandernder Berg. Der BeraM e t t setzt, so wird aus Parma gemeldet, seinen Marsch gegen die bedrohten Gemeinden fort. Er hat sogar schon einen Teil des Flusses überschritten und droht nun das ganze Tal auszufüllen. Neuerdings sind zahlreiche Hauser bedroht, nachdem zahlreiche Ortschas- ten eingestürzt und in den Erdboden verschwunden sind. Nach den Beobachtungen der Geologen hat sich der Erdboden im ganzen Umkreise gesentt, so- daß der Berg in« Rutschen kommen mußte. Auch unterirdische Hohlräume scheinen sich gebildet zu haben. Die Bewohner des Dorfes Meli sind in Amerika reich gewordene Italiener, die moderne Häuser errichten ließen.