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Samstag -en 15. April (9(2 39 Zaqrgang.
Tuldaer
Zeitung
2. Blatt.
drnck nab Verlag der salbe« AttieittruSerel in Znlda.
Vochen-ttun-icha».
|:| ,|ulöa, 12. April 1912.
Iiögefehen von dem bedenklichen Unwetter, bat Europa in den Ostertagen heimgesucht und diele Opfer gefordert hat, hat nichts die Feiertagsruhe gestört. Im Jnlande ist das Politische Leden so gut Wie cmsgeslorben, und die Leitartikel unserer groß« Tageblätter behandeln zur beruhigenden AbwechS- lung steifleinene Probleme aus der Auslands-, Wirffchafts- oder Sozialpolittk. So ein Augendlut des Atemholens in der furchtbaren Hatz unser« vom Telegraphen beherrschten Zeit ist angenehm und nützlich. Ter jeilenschluckende Zeitungsles« bekommt damit Zeit, die mit Blitzesschnelle an ihm vorbeiziehenden Films abwechselnder Ereignisse des nie rastenden Lebens zu festen klaren Bildern ordnen.
An erster Stelle tritt bei einer derartigen ruhigen Betrachtung der Gesamtlage der i t a l i e n i s ch- türkische Krieg hervor. Er hat zwar seit län- gercr Zeit keine Großtaten kriegerischer Art gezeigt, aber jetne Entwickelung drängt auf eine Kata- trophe hin. Die Großmächte haben mit der Frie- tensvcrmittelung bisher nichts erreich^. Italien elbst kann in Tripolis nicht mehr voran. Es rennt »ort gegen Gunimiwände. Die Türken und Arad« werden immer wieder geschlagen, d. h. sie machen einen Vorstoß und rücken schnell immer wieder ins Innere zurück, worauf dann der italienische Drain verkündet: Die Türken sind wieder einmal geschla- aen worden. Nur daß ihnen diese Schlappen nicht schaden und daß die Italiener nicht weiter kommen! Jetzt droht der Sommer mit seiner Wüstenhitze und Seuchen gefährlichster Art. Also muß der Krieg be- tnbet werden. Aber wie? Man droht mit einem Angriff auf die Dardanellen, auf die Meerenge von Konstantinopel und zum Schwarzen Meere. Sicher ist, daß die italienische Flotte der Verteidigung dies« durch ihre natürliche Lage stark geschützte Wasser- straße nicht gewachsen ist. Man droht mit Angriffen auf andere Häfen oder auf die Inseln. Aber mtt welchen Erfolgen? Ein Einbruch der Italiener in Albanien könnte der Türkei nur angenehm sein, denn dadurch würde der liebermut der radaulustigen Ber- gessohne abgelenkt werden. Die Bewohner der tüt- Äschen Inseln sind Griechen, meistens ungebärdige Untertanen der hohen Pforte, denen eine Brandschätzung durch ein fremdes Heer wahrscheinlich allerlei llebrnnnt nehmen würde, ganz abgesehen davon, daß der Wert dieser Inseln für die Türkei außerordentlich gering ist. Nützen könnte nur ein iialieni- schcr Angriff auf Saloniki, den großen Hafen, und auf die Dardanellen. Aber an dem Handel mit der Türkei, der dadurch unmöglich gemacht werden würde, haben nicht bloß die Türkei, sondern vor allem auch die übrigen Europäer ein lebhaftes Interesse, und das würde wahrscheinlich zu scharfem Einspruch d« Mächte führen. Also fehlt den Italienern vorläufig die Erlaubnis zur Uebertragung des Krieges auf europäisches Gebiet. Neuerdings aber Hai Italien die Russen zur Ausnutzung der türkisches Schwierigkeiten angeftachelt. Rußland erstrebt ja mit größtem Nachdruck das Recht der Durchfahrt durch den Bosporus für seine Kriegsflotte. Dieses Recht möchte man jetzt erobern und dazu möglichst auch noch einen Teil des türkischen Kleinasiens im äußersten Nordoste», am Fuße des Kaukasus. Rußland hat bereits sehr unangenehme Saiten anschlagen lasien, und vielleicht wird der Widerspruch der Mächte gegen die Uebertragung des Krieges gegen Europa über kurz mit russischer Hilfe beseitigt »«den. Damit wurde dann eine äußerst gefährliche Situation für Europa überhaupt eintreten.
In Ungarn ist die Ministerkrisis kaum beendigt, da erlaubt sich die Regierung bereits einen Gewaltstreich in Kroatien, wo sie die den Königreichen Kroatien und Slawonien garantierte Verfassung suspendiert und den Stadthalt« in einen königlichen Kommissar verwandelt. Als Grund für diesen Staatsstreich wurde angegeben, daß eine immer größere Anzahl von Frakttonen eine Politik verfolge, die das gegenwärtige staatsrechtliche Verhältnis Kroatiens zu Ungarn ablehnen. Darum könne der Landtag di« wirtschaftlichen und kulturellen Interessen deS Landes nicht förbern und es werde somit der königl. Kommissar mit der Führung der Geschäfte betraut. Dem ehemaligen Königreich Kroatien, das Ungarn staatsrechtlich völlig gletchstand, wurde in dem un
garisch-kroatisch« staatsrechtlich« Ausgleich vo» 1868 Äeroeeinit auf d« «eist« Gebieten bet Verwaltung jugeftanb« nutz der Vauus dem Landtage veranlwartltch gemacht. Dte ungarische Regierung war aber feit lange« bestrebt, das ©elbflänbigteti*- recht KroaNe,« eutzufchränteu und suchte das ehemalige Königreich zu ein« Provinz herabzudrücken. Während man In Ungarn dem Monarchen gegenüber die Rechte der Ratwu pries, trat man gleichzeitig die Rechte Kroatiens mtt Füßen. In Wirklichkeit ist die Suspenblerung der Verfassung in ftrvatten nur das Eingeständnis des politischen Bankerotts, den Ungarn in Kroatien «leidet.
Der Bergarbeiter streik in England ist toorüber. Die Arbeiter haben nachgeben müssen, und ihr einzig« Trost tft daß Regierung und Par- lament bereit war«, ihren Forderungen entgegen- zukommen. Im Lande selbst und auch draußen hat bet Riesenkampf vielfache Erörterungen über die großen nationalen Schäden solcher Streiks veranlaßt, und dabei ist wiederholt die Auffasinng schärf« betont worden, daß sozialen Rechten auch soziale Pflicht« gemmüberstehen, die eS nicht gestatten, daß ein ganzes Land durch einen Stteik einer einzigen Arbeitergruppe lahmgelegt wird. In diesen Tagen kommt auch die schwierige „t> o m e r u l e"-F rage, die Frage der Selbstverwaltung für Irland, zur Debatte. Äe bezügliche Gesetzeslage ist dem Parlament soeben zugegangen. Sie wird der grünen Insel ein eigenes Parlament geben, das auffällige Aehnlich- feit mit dem elsaß-lorhringischen Landtag hat. Dar- über wird ein sehr heftiger Streit entbrennen.
Die neue Republik in China hat bislang mit Erfolgen gewirtschaftet. Die Unruhen an der Meeresküste in den alten Provinzen sind ausnahmslos niebergetotagen worden. Im Tibet operiett man zwar mtt einigem Mißgeschick. Nur im Norden, in der Mongolei, droht Ehina Gefahr, weil Rußland bereits Offiziere und Unteroffiziere als Instrukteure an das Heer der aufrührerischen mongolischen Fürsten abgegeben hat.
----- Der Luftkrieg in Tripolis.
Beim italienischen Oberkommando in Tripolis scheint die Absicht zu bestehen, bet der ferneren Kriegsführung das Beispiel der Engländer zu. befolgen, die ftn Burenkriege ein von ihnen besetztes Gebiet hinreichend durch Bwckhäuser sicherten und dann erst an die Einnahme eines weiteren Gebietes schritten und solchergestalt fortfuhrcn, bis sie das ganze feindliche Land bezwungen hatten. Bei den besonderen Schwierigkeiten, die sich dem Bormarsche der Italiener in daS wüste Land entgegenstellen, wäre es nicht unmöglich, daß sie sich dieses System zu eigen machten. Aber ehe auf solche Weise das ganze wette Land — man rechnet von Tripolis ans bis zur südlichen Grenze Tripolitaniens gute 1400 Kilometer, während die Italiener bisher über eine Zone von 13 Kilometer noch nicht hinansgckommen sind — in den tatsächlichen Besitz der Italiener käme, würden viele Jahrzehnte vergehen.
Unterstützt und wesentlich gefördert würde das Projekt allettnngS durch die Lenkballons werden, dre nicht nnr der Aufklärung über die Verteilung und Stellung der feindlichen Streitkräfte dienen, sondern auch an seiner direkten Bekämpfung hervorragend teilnehmen können. Anscheinend ist im gegenwärtigen Stadium de? Krieges und vielleicht auch später den beiden Lenkballons, die bet italienischen Armee zur Verfügung stehen, eine besondere aktive Rolle zugedacht. Diese Ballons unter- nehmen, so oft die Windverhältnisse es ihnen gestatten, Anfftiege in bet Richtung, in bet feindliche Abteilungen vermutet werden, und treffen sie auf den Feind, so suchen sie ihm durch Herabtoerfen von Bomben Verluste beizubringeu. So haben die beiden Ballons schon wiederholte Fahrten nach Sansur und Zavia gemacht. Eie haben hierbei entdeckt, daß die dort stehenden arabischen Streitkräfte sich durch Zuzug Wetter vermehren und ihre Stellung nach Anleitung von türkischen und ägyptischen Ofsizieren zu befestigen suchen. Jedesmal, wenn die Ballons über das arabische Sag« bei Sansur fliegen, lassen sie eine Anzahl Bomben herabfallen, wodurch vieler Schaben unter Menschen und Material angerichtct und Furcht und Schrecken Verbreitet wird.
Nach ein« brieflichen Meldung au- Tripoli- vom 21. Ma» unternahm« bie beib« Ballons tags vor- her eine Fahrt üb« bie südlichen Tranche« in der Richtung auf Azlzta, dem feindlichen Hauptquartier m Trtpolttanien. Schon wenige Kilometer südlich der Trancheen bemerkten sie einige Araberkarawauen, die anscheinend Waffen und Munition herbeibracht« und auch Schlachtvieh mtt sich führten. In 25 filmte. Entfernung, bei Snani Beni Aden, fanden sie ein großes arabisches Lager. Sie schätzen die dott zusammengezogenen Araber auf mindestens 6000 Mann. Heber diesem Lag« kreuzten die beiden Ballons einige Zeit, wobei sie ebenfalls Bomben hinabwarfen, die nach dem Berichie der Luftfchifser eine große Panik und eine wilde Flucht im Lager erzeugten. Die Panik wurde auch von den Flugzeugen beobachtet, die zur selben Zett von einem Fluge nach Zavia in einem nach Süden geschwungenen Bogen zurückkehnen und dabei die beide« Bal- lons erblickten, denen sie nachfuhren. Es scheint in der Tat, als böte diese Luftschiffaktion die einzige Möglichkeit, dem Fetnde unter den augenblicklichen Verhältnissen größere Verluste beizubringen, unb es ist daher Wohl anzunehmen, baß bas italienische Oberkommando sich bei lenkbaren Ballons künftig in befonberS intensiv« Weise bebienen wirb.
Daß ber Feind aber trotzdem noch nicht einge- schüchtett worden ist, bewies der Angriff, den er in ber vorvorigen Nacht auf ben m ben Trancheen am Oasenranbe befindlichen Scheinwerfer ausfühne. Es gehörte große Todesverachtung dazu, sich ben mit Waffen gespickten unb wohlbewachren Schanzgräben zu nähern unb bcizu noch unter ben fast fonwahrend spielenden Strahlen bes Scheinwerfers. Sofort, nach, dem sie die ersten Schüsse auf den Scheinwerfer gesandt hatten, wurde aus allen in der Nähe befindlichen Trancheen Feuer unb Flammen auf sie gespien, sobaß sie sehr halb den Rückzug antreten mußten; hervorragend charakteristisch sur sie ist dieser Angriff aber doch.
Nach ben aus verschiedenen Tellen des Landes eingelaufenen Nachrichten schätzt man übrigens jetzt die Gesamtzahl der kriegsbewasfneten und -bereiten Araber in ganz Tripolitanien (also mit Einschluß der Cyrenaika) auf hunderttausend Mann, und diese Ziffer wird von guten Kennern der Verhältnisse mit hoher Wahrscheinlichkeit zutreffend bezeichnet.
Ausland.
** Französische Staatsschulen. Eine recht merk- würdige Entdeckung, die für die Mißwirtschaft ber liberal-sozialistischen Regierung in Frankreich be- zeichnend ist, machte bieser Tage der „Matin". Im Markfflecken Arnay le Duc, einem Ort mit 2700 Einwohnern im Departement Este d'Or, existiert ein staatliches Gymnasium, das bis vor kurzem nur von fünf Schillert besucht wurde, in deren Unten» richt sich aber 6 Professoren zu teilen hatten. Da diese Lehranstalt nur über einen jährlichen Zuschuß von 18 000 Franken aus staatlichen und städtischen Mitteln verfügt, so geriet das Gebäude derart in Verfall, daß wegen seines ruinenhasten Zustandes jetzt vier Schüler feruaeblieben sind. Die sechs Professoren haben sich" also nur mehr mit einem einzigen Schüler abzugeben. Die Entdeckung des „Motin" ist aber durch eine andere des „Echo de Paris" übertroffen worden. Dieses Blatt Weitz zu melden, daß es im Departement Maine et Loire, im Stadtkreise Eholet, drei Gemeindeschulen gibt, die gar keinen Schüler haben, bei denen das Lehrpersonal aber vollzählig ist. Zwei Schulen haben ferner nur je einen Schüler, und fünf Schulen nur je zwei. Zehn Schulen haben also jufanw men nut 12 Schüler. Man kann es daher dem Lehr« einer schülcrloscii Schule nicht verdenken, wenn er 40 Kilometer weit von feiner Schule wohnt und nie in derselben erscheint. Nur jeden Monat macht « in der Gemeinde seine Aufwartung, nm sein Gehalt einzustreichen. Es handelt sich da um sogenannte konfessionslose Gemeindeschuten. Da wo sich christliche Schulen «hatten konnten, ist noch nie ein Schülermangel beobachtet worden.
** Ein Bischof über die französischen Wahlen. Der Bischof von M e n d e erläßt einen Hirtenbrief anläßlich der bevorstehenden Wahlen. Er fordert die Katholiken auf, bei der Stimmabgabe sich vor Augen zu halten, tote die Kandidaten sich zu ber
Frage des Unterhaltes der Kirch«, der Vermietung d« Pfarrhäuser, d« Regelung öffentlich« religiöser Kundgebung« stell« einschließlich des kirchlichen Glockengeläutes.
,Wt« oft bad« wir schon etngteifen müssen, um AmlSmißdränche tu vetbindern, be'onderS was die Frage des Glockengeläutes betrifft, ferne die Verteilung ber Plätze in der Kirche und in der Wegnabme be- sitmmler Privilegien, die sich Gemeinderäie ungehöriget- wetse oumaßteu. Wnc rechnen sicher darauf, daß die Pfarrringe,eif««, die baiunter zu leiden hallen sich det ben Üßaolen im Mai bieitr Mißbräuche erinnern und durch den Sttmnqetlel für ihre iMbttelluna loraen.'
Die Wähler sollen auch von den Kandidaten die verhältnismäßige Betteilung gemeindlich« Unterstützung an alle Kind« fordern, ohne Rücksicht darauf, welche Schule die betreffenden Kinder besuchen.
** Die portugiesischen fiertergreuel in franzö- Escher Beleuchtung. Das Pattser Blatt „Figaro" ringt in Ergänzung der schon von der großen englischen Presse gebrachten Enthüllungen über die Greuel der portugiesischen Kerker, die an die Zeiten der französischen Revolution erinnern, einen Brief über die Zustände im Staatsgefängnis von C a i x a e s. ES herrschen sehr viele ansteckende Krankhetten in diesen Lochern, die nur ein Zwanzigstel des von den GesnnbheitSbehörben vorgeschrie- benen Minimums an Raum umfassen. Der Arzt kommt nur feiten, ein Spital ist überhaupt nicht vorhanden. Man scheint es direkt auf den Tod der politischen Häftlinge abgesehen zu haben. Briefe werden den Gefangenen nicht ausgehändigt, wenn sie den Namen Gottes ob« eines Heiligen enthaften.
*♦ Ein Protest gegen die jungtüttische Kirchen- Politik. Ter Patriarch ber katholischen Armenier, Peter Paul Terzian, den bie türkische Regierung „abgefetzt" hat, ttchttte an ben Großwesir einen Einspruch gegen bie ihm zuteil gewordene Behanblung.
Er lagt darin, daß die als ,®tunb‘ für die Absetzung angeführte Einberufung der Synode nach Rom alS rin reüaiöser Akt sich der Zuftänotgkett ber Reaie- rung entziehe und auch nicht bet erste Fall dieser Att sei. Die Wendung von dem fremden Einfluß in dem Abfetzungsdekirt sei eine direkt« Beleidigung deS Papste?. Die Behauptung, er sei die Urlache ber .Flucht* der Bffchöle nach Rom, bezeichnet er als ab- jolut falsch, ebenio falsch die Behauptung, er habe auf der Synode Entscheidungen in Sachen weltlicher Art getroffen. Nicht er, sondern der Papst habe di« neuen Bischöfe ernannt und zwar unter einmaliger Aushebung der Wahlpttvilegien der Gemeinschaft, da die Opposition di« annemsch - katholische Kirche an den Rand des Abgrundes gebracht habe. Seme Verwaliuug habe sich auf bie kirchlichen Güt« beschränkt. Der Emipruch schließt.- »Durch ben Spruch meiner Absetzung hat der Mmisterrat nur noch die Schwierigkeiten v«mehrt, indem et die geistlich« Gewalt angtfff, bie ich vom Papste habe und welche dir Regierung gemäß dem Halt t Humayum des Sultans M dfchrd anerlenn« must< Somit erheb« ich mit meiner Synode em schied« Einspruch gegen bie Entscheidung. Welches aber auch immer die Maß- nahmen sein mögen, die die Regierung gegen mich ergreift, ich werde in biefem Punkte mich nur vor dem Spruche bes Papstes beugen. Ich bin bas geistige Haupt meiner Gemeinschaft unb bleibe in dieser Stellung als einer bet treuesten Untertanen bes Sultans, meines «haben« Henn, wobei ich Euerer Hoheit erkläre, baß ich jenem großen Reich der Seelen angehöre, belfen Sitz der Vatikan ist und daS niemals die un» drstrittenen Rechte d« Regierung« und der Völker derinlrächkiat hat."
Inzwischen hctt die türkische Regierung den Patriarchen mit militärischer Gewalt aus seinem Palast treiben lassen. Der Heilige Smhl ist bereit» eingeschtttten. Wie der Apostolische Delegat in Konstantinopel bekannt gibt, hat b« Papst «klärt, daß jed« katholische Armeni«, ob Priest« oder Laie, der Exkommunikation verfällt, ber gegen bett Patriarchen Gewalt auwendet. Die gleiche Strafe trifft alle, die zur Wahl eines Vertreters des Patriarchen schreiten und jed«, der eine solche Wahl annehmen würde.
Aus dem Nachbargebiele.
§§ Kassel, 11. April 1912. Die Stadtver* ordnetenversammlnng bewilligte für ben Neubau em« 15 klcffsigrn Schule im Stadtteil Bettenhausen 328060 Mk.; in dieser Eckule soll
Unpolitische Zeitkäufe
N. Berlin, 11. April 1912.
«Nachdruck verboten.)
»Ach, wenn ich doch noch so jung, noch so unschuldig fdärc! Wenn ich doch meinen Lebenslauf von neuem beginnen könnte!"
Solche Wünsche platzen oft im Herzen auf, wenn kvit Kind« in ihrer Frische und Reinheit erblüh« frijen, unb namentlich bei dem Anblick ber Etstkoar. 'neun Hauten.
diesem Zuge sind wir auch einmal ein berge« Mjri ten, glückselig über all». Maßen in reinem Frieden und froher Hoffnung. Da t»ar uns zu Mute all ob der Himmel auf die Erde gekommen wäre unb un8 Engclsflügel beschert würden.
WnS find wir geworden? Enge! leider nicht; nur Mühsam ftrebenbe und ringende Mensch«, die sich durch schlagen müssen durch ba» Tal der Mängel, so gut oder so schlecht es geht, — die viel zu leiden hab« Unter den Schicksalklasten und obendrein von den eig«. st« Lchwäklieu unb Fehlern bedrückt find. Ja, eg ist natürlich, wenn wir uns nach der sorgenlos« unb ßhuldlosen Kinderzeit zurücksehn«, unb begreiflich ist auch die Zuversicht, daß wir unfir Leben besser gestal- ten würben, wenn wir noch einmal von vorn anfangen Bnnien.
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Sie kommt nicht wieder, bh Kindheit und die Ju- Da, Leben ist eine Uhr, die sich nicht zurück drehen lifcr. Was gewesen ist, da» ist gewesen.
aestrt, en Tag hat da» Me«c der Vergangenheit der. schlang«; den heutigen Tag hast du unter bet $anb, und für m » x g t n kannst du Vorsorgen.
Kech»e Wiederholung der Tage und d« Iah«! M da« ,u bedauern? 6» singt sich doch nach so sehr, * rin wiederholte» Leben kfet enden würde.
Mamchos Unglück hat dich <uf deinem bisherig« >efce:W»ege betroffen. Wer terw Ur Gewähr leist«, dich nicht auf dem -weiten Gange noch mehr Schwierigkeit»» und Hindernisse, noch mehr Prüfung« und Enttäuschungen, noch mehr Stürme unb Schicksal».
schlüge Über dich hereinbrechen würben! D« Mensch ist rrngsum umlauert von Krankheit, Elend und Not. Der mir lebende« Leibe unb tatkräftiger Seele bis heute durchgekomm« ist, der soll dankbar unb ftoh sei»; denn hinter ihm find auf dem durchlaufen« Wege manch- liegen geblieben. Verlange nicht den Weg noch einmal zu gehen; sonst könntest du auch in den Grab« geschleudert werben.
Du meinst, durch Erfahrung seiest du nun klüger gemottet und würbest nicht abermals in die Torhn- ten und Fehlet deiner jungen Jahre fallen. Gewiß, an dem gut« Will« fehlt es dir nicht. Aber ob du wirklich standhalten würbest, wenn du wieder jung wärest unb die alten Versuchungen an dich heranträten? Vielleicht gerietest du in noch schwerere Versuchungen, in noch schlechtere Gesellschaft, in noch schlimmere Gefahr« für Religion unb Tugend. — und am Ende könnte dein wiederholte» Leben noch in einen Sumpf auslaufen, tun b« du diesmal glücklich hemungekom- men bist.
Eine Sage berichtet von einem Reitersmann, bet Im SBtntet auf seiner Reise an tet zugefroren« Bo- benfee kam und immer weiter ritt in der Vteinung, daß er sich auf fiste« Lande befinde, — bi» « am andern Ufer «kam und zu seinem Entsetz« hörte, daß et auf der schwach« Eisdecke übet daS meilenwerte Dafiergrab getrabt war. Wenn der Manu vor Schreck nachträglich rin« Herzschlag bekommen haben sollte, so toäte da» begreiflich. Aber ganz tmverstänbig wäre die Diederholuug eine» solch« Rittes. W« die Sturm- und Drangzett sein« Jugend noch einmal durchmach« möchte, hat Aehnlichkris m* beet Wagebai», der zum -wett« Male über den Bebensee reit« möchte. Bist du brütet «gelangt, so danke dem Himmel.
Also wiederholen forat und soll man bie vollbrachte Strecke des Lebenswege» nicht. Ab« nach- hol?» läßt sich vieles. 88a» wir nicht von neuem anfangen tonnen, bat vermög« wir doch mtt auf- gern unter .« Kräften tüchtig fottzttsetzeu unb zu einem guten Abschluß gn führ«.
Ich schicke der verfloss«« Jugend kein« vergeblich« SeufZer «ach. aber ich rufe Hurra, in bau Be
wußtsein, baß ich noch lebe und noch Tatkraft im Innern spüre. Noch ist eS Zeit, zu streben und zu rot* fen Die Frist mag wohl nicht mehr lang fein, vielleicht ist eS schon um die elfte Stunde, ba d« H«r de» Weinberges seinen letzt« Runbgang über b« Ar. beitsmarki antritt. Und wenn e» bie letzte Stunde ist, sie ist doch »m großes Geschenk, mit dem sich wuchern läßt! Je kürzet die gegebene Frist, desto eifriger unb geschickter mutz man sie ausnutz«.
Wenn du wieder jung wärest, so wolltest du einen vernünftigeren und besseren Lebensroanbel führt». Laß daS .wenn" fort und führe von h«te an in deinen reif« ober alten Tagen dm geplanten Lebenswandel al» fleißiger, solider unb friedlicher Mensch, al» liebevolle» unb treue» Glied deiner Familie, als wackerer StandeSgenosse, a!» braver Bürg« von Staat unb Kirche. Kannst du deinen Kötpn nicht miete: jung machen, so mache deine Seele miete jung. Die ist unsterblich unb also bem Alt« nicht unterroorf«. Auch die Geroissenstuhe, die dem Kinb«antlitz den seligen Zauber gibt, läßt sich wieder «reich«. Der Schmutz, te sich auf bem Lebenswege «gesammelt hat. läßt sich beseitigen, di« Schuld läßt sich durch Buß« sühnen, unb wer ehrlich strebt nach innerer Verjüngung unb Veredelung, dem gift die Verheißung: Friede ben Menschen, die guten Will«» find . . . der Friede sei mit euchl —
Ein Tücher hat uns die schöne Silvestergeschichtr «. zählt von dem M«ne, ber in der Neujahr »nach träumte, er stehe in weiß« Haar« verzweifelnd am Ende eines verfehlten Setei», unb te dann in teilten Weh zum Himmel emportieft Gib mir meine Jugend roiebet! Von seinem eigen« Schrei ertoe-R, wurde « zu sein« großen Freude sich bewußt, baß er noch jung sei unb fein Sehen noch besser gestalte«
bie Jung«? Da stehen sie all« zusammen in ber buntesten Altersmischung: die grün« Kinder, die blüh«dm Jünglinge und Jungfrau«, bie reifen El-- tern, bie gebeugt« Großeltern. Wer aus dies« Schm wirb zuerst dem Zuge de» Tode» sich «schließ« müs. f«! Vielleicht berührt bet knöchern« iFnger zuerst ein junge» M«sch«kinb, da» sich noch im Anfang eine! lang« Lebenslaufe» wähnte, unb bie Alt«, bie schon an ihr eigene» Grab dachten, müssen nun rin Kind oder Enkelkind in fein Grab geleiten. In bet Tat, beim Lichte bet Totenkerze verschwindet der Unter, schied zwischen jung und alt Wir stehen allzumal mit einem Fuß im Grabe, mit einem Fuß int Leben. Auch'die Kinder unb die blühend« Jugend und die kraftstrotzenden Leute in den Reifejaht«, — sie haben "in« Fuß im Grabe. Jeden Augenblick kann eS mtt ihrer Jugenb und ihr« Kraft zu Ende sein, vielleicht noch schneller, al» mit bem flackernd« Lebenslicht bet Greise.
Wer ist jung? Dn noch rin langes Leben vor sich hat. In dem Sinne darf sich niemand mit fein« Jugend brüst«, denn et weiß nicht ob ihm wirklich ein lange» Leben beschiotet ist. Wer ist alt? Der nahe vor bem Tobe sicht In diesem Sinn« find auch bi« jüngeren Jahrgänge alt, baut eine große Zahl au» ihr« Reih« wirb bald dahingerafft. Es will Abend werb«; bas gilt für alle Altersstufen. Im Grunde genommen ist ja bas ganz« irdische Leben nur ein Ab. sterb« in unsicherer Reihenfolge. Auf daS Geburt», datum lamm 19 teeirig an; te Todestag ist da? « fchei. tetide Datum. Darum soll« b« höheren Jahrgänge nicht nach der Jugend seufzen und nicht rückmärt» sch««, sondern ben Blick vorwärts richten wie bet echte Pflüger. Der noch lebt, der ist auch noch jung, wem» « nut ben Rest ferne» Lebens richtig auszu- nutz« weiß.
könne. — Denn toit ein« ähnlichen Notschrei zum Himmel richt«, so werb« toit nicht alle in lockigem Haar erwach«. Ab« lebendig find rott alle noch, unb ba» genügt, um einen selig« Abschluß be» Leben» zu erreichen. Ende gut alle» gut
— MtzverstLnbuiS. Richter: Sie sollen Ihrem Nachbar ©enthübet am Sonntag eine furchtbare Ohrfeig« gegeben haben. Waren sie vielleicht in
In dem wunderschön« Evangelium von Em au» 1 ......
heißt e» Herr, bleib' bet un», denn e» will Abend her Defensive? — Angek agt«: Wein, nein, — Herr werden l Gilt ba» nur für bie Alten ob« auch fite! Richt«, — wir waren in der Goldenen Gans!