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W 82.

Donnerstag »eil H- llpril 19|2

59. 3at)rgang.

fuldaer» Zeitung

_ 2. Blatt

Oreif un6 Vortag ter znldaer Xcftenbnifford in z»l»a.

Helden der Pflicht.

Vornan aus dem Lande der Mitternachtssonne von 34] Erich Friesen.

In Lorenzens Augen blitzt es auf.

bist ein Genie — zu kostbar, um als unterzugehen. Bleib bei mir — und du Wirst 'n feiner Herr!"

ic. ®a^01 verzieht di« breiten Lip-

Jftn des Benters.

„Sie nehmen also mein Geld?"

„Vielleicht —"

r „lind damit mich als Kompagnon. Sie sind zu klug, Herr, um allein zu arbeiten. Sie brauchen einen Dummen —"

„—■ oder einen, der dumm tut!"

„Kommt auf eins heraus. Also — wollen Sie?" Lorenz zögert. Eine Ahnung davon dämmert in chm auf, daß dieses Schurkengesicht da vor ihm Mehr auf dem Gewissen hat, als nur Betteln unter ecr Flagge. Eine weit größere Schuld. Biel­gar em gemeines Verbrechen. Soll er mit einem solchen Individuum Kompagniegeschäste schließen? Dadurch gewissermaßen selbst in die Sphäre des Auswurfs der Menschheit hinabsteigen? ®- Und doch, was ist er selbst denn besseres? Ist ch auch im Begriff, ein Verbrechen zu begehen? ^"aF-^«hen an jenem jungen Ding da oben? — "h"-, der Bettler seine Gedanken, blickt er tgn halb stiotttsch, halb mitleidig von der Seite an.

Herr? — I« oder nein?"

„Meinethalben denn — ia>" „Topp!"

„Topp!"

„Aus gutes Geschäft!"

Beide leeren ihre Gläser in einem Zuge. Rasch füllt Lorenz sie wieder. Dann lehnt er sich in feinen Stuhl zurück und raucht schweigend seine Zigarette, habet fortwährend die Mienen des Bettlers beobacht tend. Er wird aus dem Menschen nicht klug. Augen- scheinlich hat er noch immer was in seinem Schade! und will nicht mit der Sprache heraus.

Nach einer Weile steht er auf und zieht den ver­blichenen Vorhang vom Fenster.

Draußen tiefschwarze Nacht.

„Jakob —" raunt er dem anderen ins Ohr. rrHaft du mir noch einen Vorschlag zu machen?"

Ohne zu antworten, schleicht der „Idiot" erst zu der einen, dann zu der anderen Tür, eifrig lau- sehend und in den dunklen Gang hinansspähend.

„Wohin geht das Fenster?"

„Nach dem Hof. Hast du Angst?"

„Denk' nicht daran. Sie?"

Lorenz wird es unbehaglich unter dem stechenden Blick des unheimlichen Gesellen.

Hastig zieht er den Vorhang wieder zu.

Wie ein Schatten folgt ihm der Bettler rum starren sie beide einander aus nächster Nahe an.

, fährt Sorem zurück. Wie grauen-

W 65^ ist doch dieser Mensch!

Noch mehr nähert der Bettler sein Gesicht dem des andern.

. »Wenn ich den Korken da aus der Flasche ziehen totil , raunt er Loren, mit triumphierendem ®rin- fen zu, „so tue ich es mit Daumen und Zeigefinger, nidjt wahr? Wenn ich mich dazu auf den Kops {tei­len wollte und den Korken mit den Zehen wegneh- men — das wäre zwar ein Kunststück, hätte aber sonst keinen Nutzen. Im Gegenteil. Jedes Ding muß ans die rascheste Weise erledigt werden — be- sonders, wenn was davon abhängt. Das ist doch klar, wie?"

„Gewiß, du philosophierendes Ungeheuer!"

„Sparen Sie Ihren Witz, Herr!" fährt der Bett­ler gleichmütig fort. „Sie halten sich für sehr flug; aber ich sage Ihnen, Ihre Klugheit ist nicht weit her. Was wollen Sie mit dem jungen Ding da oben machen, nachdem man es für tot hält? He? Sie denken wohl, es ist eine Kleinigkeit, es zu ver­stecken, damit kein Mensch mehr ahnt, daß es noch lebt, was? — Ganz hübsch ausgedacht als Komödie fürs Theater! — Aber nischt für die Wirklichkeit. Fürs Geschäft. •— Verstehen Sie mich noch immer nicht?"

r Sszialvemokratische Moral.

Die sozialistischen Schreier in Frankreich haben bekanntlich mit ihrer Kirchen- und Klosterräuberei eine große Enttäuschung erlebt. Die geleithainmel- ten Masten gewann man für den Klosterraub, indem man ihnen Vorlog: in den Klöstern und Kongrega- tionshcmsern steckt mindestens eine Milliarde an Wert, diese Milliarde nehmen wir den rechtmäßigen Eigentümern ab und geben sie euch! D. h. die aus dem Raub gewonnenen tausend Millionen sollen verwendet werden zu Arbeiterversichenrngen und ähnlichen sozialen Zwecken. Bekanntlich sind jedoch schließlich nicht einmal 100 Millionen aus dein Raub herausgeschlagen worden. Das Beste behiel­ten die sozialistischen und liberalen Liquidatoren, die znm Teil Spitzbuben von ganz besonderer Güte waren. Die liberalen und sozialistischen Rechtsan­wälte, darunter viele Abgeordnete, ließen sich selbst­verständlich für ihre juristischen Dienste, die sie bei der Liquidation leisteten, ausgezeichnet bezahlen. Da­durch ging ein weiterer Teil des Geldes flöten. Um den Schein der Gerechtigkeit zu wahren, packte man dann gelegentlich auch den einen oder anderen der Spitzbuben, welche ihre Finger gar zu tief in die vom Staat gestohlenen beztv. geraubten Güter senk­ten. Aber es half nichts: die veruntreuten Mil­lionen blieben verloren. Darüber ärgert sich nie­mand mehr als der frühere Ministerpräsident C o m- b e s. Denn er ist der Mann, der mit der „Mil­liarde der Kongregationen" die Massen köderte. Ihm können jetzt die betrogenen Arbeitermafien sagen: Der hat uns irre geführt. Combes sucht da­her wenigstens einen Teil der kirchenseindlichen Ak­tion zu retten. Und so acht zurzeit folgende Notiz durch die sozialdemokratische Presse:

. Großbanken und Mönchsorden. Man weiß, daß Oie Ewziehrina der Güter der nngksehl'chen Orden nur einen lächerlich winzigen ^elrag ergeben hat. Neben Unter schlaaungcn der Liquidatoren ist das haiiptiächlich auf b:e Sch'ebunqen, Scheingeichäste und sonstige Marweer zurückzuföhren, durch die sich die Orden der Durchführung des Gesetzes entzogen. Aus dem Berichte des Vorsitzenden der Untersuchungskommission des Senats über die Durchführung der Liquidat'ou, des früheren Ministerpräsidenten und Urhebers des Ein- stehungsgesttzes, Combes, gebt nun hervor, wie stark bei jenen Machenschaften die Großbanken mitgewirkt haben. So sagt er von dem Crödit Foneier, der großen Hypothekenbank, die das Monopol des Bodenkredits hat und deren Vorsteher von der Regierung ernannt werden: »Ans den Auslagen der Ftnanziuspektoren geht mit absoluter Gewißheit hervor, daß der Cr. F. in mehreren Fällen mit nicht anerkannten Orden ver­handelt hak, sei es durch Vermittlung von Zwilchen­personen oder gar direkt. So hat er mit den Jesuiten Rougane und Gavoty, mit 5 Dominikanern verhandelt. In diesem Falle bat der Cr. F. wissentlich das Gesetz verletzt (Bewegung^ Er hat Bereinigungen, die gesetz­lich nicht existieren, als tatsächlich vorhanden und fähig zur Aufnahme von Anleihen behandelt. Selbst Slaats- einrichtunM hat er den Staat zum Narren gehalten." — Die Liebe zwischen Großkapital und Kirche ist gegen­seitig. Hub daß sie, unter einer Decke steckend, auf Staat und Gesetz pfeifen, wenn es ihnen paßt, wird nicht Wunder nehmen. Deren „Heiligkeit" ist wie alle anderen Heiligkecke» für die guten Gläubigen geschaffm."

Das ist nichts als ein Entschuldigungsversuch des blamierten und enttäuschten Pfaffenfressers Combes. In diesem Sinne muß der Bericht Com­bes an den Senat auch verstanden werden. Die nm die angebliche Milliarde Geprellten sollen etwas beruhigt werden. Das Mittel dazu ist für den Pfafscnsrefier Combes einfach: er stellt es als eine Art Verbrechen hin, daß die vom Staat beraubten und bestohlenen Ordensleute sich bemüht ha­be», von ihrem rechtmäßigen Eigentum so viel als möglich für die religiösen Zwecke zu retten, denen ihr Eigentum diente. Es ist eben nach sozia­listischer Räubermoral nicht erlaubt, daß jemand mit moralisch erlaubten Mitteln sich um sem Eigentum wehrt, wenn der liberal sozialistische Staat es ihm rauben oder stehlen will. Das wird geradezu zum Verbrechen, wenn es ein christliches Institut ist, das dabei in Betracht kommt. Die Komgregationen hat­te» nach sozialistischer Moral einfach die Pflicht, dem <sfaat dafür zu danken, daß er ihnen ihr Eigen­tum wegnahm und sie dazu noch der Heimat be­raubte und sie zum Land hinauswarf. Dabei schreit aber niemand mehr als die sozialistische Presse, kvenu Polizei und Staatsgesetze sich einmal gegen einen Menschen wenden, der im Dienst sozialistischer

Ideen mit dem Gesetz tu Widerspruch geraten ist, über Vergewaltigung, Klassenstaat, Unterdrückung der persönlichen Freiheit usw. ufto.

Es sei denn doch gegenüber oieser sozialistischen Umwertung der moralischen Begriff« festgestAlt: Daran, daß der Klosterraub in Frankreich nicht so viel einbrachte, wie die Kirchenfeiude anfänglich vorspiegelten, find vor allem schuld: die Verlogen­heit der liberal-sozialistischen Volksverführer, die Un­ehrlichkeit und der Betrug der liberal-sozialistischen Liquidatoren, die Forderungen der liberal-sozialisti­schen Advokaten, welche aus den Liquidation rge- schäften für sich ein gutes Geschäft machen wollten. Daß aber die beraubten und bestohlenen Kongre­gationen, denen man ihr rechtmäßiges Eigentum nahm, Versuche machten, einen Teil ihres Eigen­tums durch Verhandlungen mit der Gegenseite zu retten, ist durchaus einwandfrei und kein gerecht denkender Mensch wird dagegen etwas ein« wenden können. Die sozialistische Moral erlaubt freilich Revolution und Staatsumsturz zugunsten der sozialdemokratischen Ideen, dagegen erlaubt sie nicht, daß sich katholische Korporationen gegen unge­rechte Gesetze um ihr Recht und ihr Eigentum wehren. Das ift sozialistische Moral.

Amt Geisa und Umgebung.

♦ Aus dem Eisenacher Oberland, 10. April 1912. Am 1. Ostertag hat die Eisenbahnverwaltung einen voll ständig neuen Felda-Eisen bah n- zug (d. h. ohne neue Lokomotive! dem Verkehr übergeben. Die drei neuen Personenwagen sind entsprechend denen der Bollbahnen gebaut. Das Innere der Wagen ist so bequem als möglich ein­gerichtet. Sänttliche Wagen sind sogen. Vierachser mit Drehgestell, wodurch eine äußerst ruhige Gang­art, selbst bei den schärfsten Kurven erzielt wird. Auch sind die Wagen mit Gasbeleuchtung ausgestattet. Nur die Denstervergitterung mutet einem sonderbar an, da dieselbe den Eindruck macht, als hätte man . sogen. Gefangenentransportwagen vor sich.

♦* Geisa, 10. April 1912. Die diesjährige M usterung für die Militärpflichtigen aus dem Amtsgerichtsbezirk Geisa außer Lenders, findet am Samstag, 13 April, von vormittags 7 Uhr ab, im Saale des Gasthofs zum Stern in Geisa statt.

* Dermbach, 10. April 1912. Der in Frank­furt a. M. aufgest'eaene Ballon „Taunus" mußte wegen des furchtbaren Sturmes bei dem Dorfe Wiesenthal unter sehr schwierigen Um - st and en landen. Dabei überschlug sich die Gondel mehrmals, sodaß sämtliche Meßinstrumente zer­trümmert wurden. . Die Insassen erlitten keine Ver­letzungen.

* Vacha, 10. April 1912. Der bienenwirt­schaftliche Hauptverein für Thüringen hat aus der Hauptversammlung in Jena beschlossen, daß die diesiährige bienenwirtschaftliche Ausstellung für Thüringen vom 28.—30. Juli d. I. in Vacha stattfinden soll, um der jung aufstrebenden Bienenzucht indenRhöngebieten und den angrenzenden Landesteilen einen kräftigen Ansporn zu geben. Mit der Ausstellung ist eine Prämiierung und eine Lotterie verbunden.

* Oechsen, 10. April 1912. Nachdem derBahn - bau nach Wenigentaft vollendet, ziehen die Erd­arbeiter wieder fort. Em großer Trupp Polen verließ h eute ihre Arbeitsstätte.

Aus Gberheffen u- den Hess. Aemtern.

* Marburg, 10. April 1912. Hier verstarb der ordentliche Professor in der hiesigen theologischen Fakultät. Geh. Konsistorialrat Achelis im Aller von 74 Jahren.

* Kirchhain, 10. April 1912. Gestern fand hier der Kreisfeuerwehrtag für den Kreis Kirch­hain statt. Mit drei Ausnahmen halten sämtliche Wehren des Kreises Kirchhain ihre Vertreter ent» anöf. In den Beratungen bildete das im nächsten Jahre hier statifindende Hessische Verbands- Feuer wehrfest den Mittelpunkt. Es wurden entsprechende Beschlüsse gefaßt. Als Ort der nächsten Tagung wurde Neustadt gewählt. Ten Bera- tungen ging eine gut verlaufene Hebung der hiesigen Wehr voraus. — In der Generalversammlung deS

hiesigen Ziegenzuchtvereins wurde u. a. die Angliederung an den Kreisziegenzuchtverein Kirch­hain beschlossen. — In Schiffeidach ift das Gemeindearmenhaus abgebrannt.

• Frankeuberg, 10. April 1912. Dom Dienstag den 16. bis Dienstag den 23. April finden im Kreise vieFrühjahrS-Kontroll-Versammlungrn statt.

[:] Reustadt, 10. April 1912. Unsere städtische Sparkasse kann auch aus das verflossene Ge­schäftsjahr mit Befriedigung als gemeinnütziges Institut zurückblicken. Sie wurde int Jahre 1868 auf Veranlassung deS damaligen Lehrers Vogel g gründet. Au» der Bilanz entnehmen mir folgen­des: Neue Sparkassenbücher wurden 124 Stück ans» aegeben, während 91 zurückgenommen wurden. An Emlagebücher über den Betrag von 1—60 Mark waren 201, von 60—150 Mk. 185, von 150—300 Mk. 173, von 300—600 Mk. 284, von 600—1500 Mk. 314, von 1500-3000 Wik. 181, von 3000—10000 Mark 109 und über 10000 Mk. 8 Stück vorhanden. Neu eingelegt wurden 229702,23 Mk., zurückge­nommen wurden 231908,89 Mk. Der Reservefonds ist auf 106280,71 Mk. angewachsen; an Zinsen routcen eingenommen 68140,44 Mk. und ausgegeben 57952,87 Mk. Die Verwaltungskosten betrugen 2310 40 Mk. Aust Grundstücke im Stadtbereiche wurden ausgeliehen 342 622,34 Mk., auf Grundstücke der umliegenden Dörfer 496226,12 Mk. In Schuld­verschreibungen des Deutschen Reiches sind 65 000 Mark, in Schuldverschreibungen Preußens 45000 Mark angelegt. Der Zinsfuß tüt Einlagen beträgt zur Zeit 3®/* Prozent.

* Haina, 10. April 1912. In einer der letzten Nächte ist der gemeingefährliche Geistes­kranke Heinrich Weber aus der Heilanstalt Kloster Haina entsprungen. Der Mann wird von der Gendarmerie gesucht.

* Wabern, 10. April 1912. Bei den vorn FiA- kus zwecks Bahnhosserweiterung geplanten Land­erwerbungen hat sich teilweise eine Einigung nicht erzielen lassen, sodaß Enteignung stattfinden muß. Merkwürdigerweise befinden sich unter den mit der Entschädigung Unzufriedenen auch der Kreisständische Verband des Kreises Fritzlar und der Bezirksverband des Reg.-Bez. Kassel. Man ist hier sehr gespannt auf den Ausgang des Verfahrens, bei dem es sich um recht eigenartige wirtschaft!. Grund­stücksverhältnisse handelt.

Hitud el und Industrie.

♦♦ Berlin, 10. April 1912. Diesmal hatte sich die Spekulation in ihrer Gefolgschaft verrechnet. Die Beseitigung schwacher Engagements war in der Provinz vor den Feiertagen doch nicht so gründlich erfolgt, wie es bei den börsenflcheren Spekulanten der Fall war. Diesen kleinen Spekulanten kam die gestrige Aufwärtsbewegung sehr gelegen, und so wurde heute flott verkauft, zum guten Teil mit Gewinn, dabei gingen die Montanpapiere einige» zurück, um sich nachher jedoch im allgemeinen wieder zu erheben.

Märkte.

* Ostheim v. d. Rhön, 10. April 1912. Ter gestrige Markt war mit ca. 500 Saugschweinen be- I obren. Die Preise bewegten sich auf ziemlicher Höhe; im Durchschnitt wurde für das Paar Saug- fchweine 40 Mk. gezahlt.

• Frankfurter Getrcidcmnriikerichi vom 10. April. Am henttgen Markt konnten die Preise infolge der steigenden Kurse an den überseeischen Börsen Anziehen. Lairvwerzen und Roggen waren knapp ttn Angebot und besser bezahlt. Fremde Merzen sind knapp und gesucht. Hafer der guter Nachfrage im Preise weiter befestigt. Mais genügend angeboten und unverändert. Mehl von den Mühlen um Mart erhöht. Futtee- artifel fest. — Es nolietien je nach Qualität und Herkunft: Wetzen: hiesiger und Weneram > 23.U0- 00.00 M , au| dem Lande abgeholt 22.25 bis 22.50 M., kiirhessi'cher 23.00 — 00.00 M., nord- demicher CO.OO—00.00 M., amerik. Redwinler 00.00 bis (•0.00 M., Kansas 00.00—00.00 M., russischer Nicolaiefs 24.50—25.00 'M., Saxonska 24.50—25,25 M., Ulla 24,75-25.25 M., Äzmia 24.50—25.00 M., La Ptara 24.25—26.00 M., rutnän, 24.25—24.75 Mark, Wall» Wall» 25.00—25.60 Ai. — Roggen: hiesiger, 20.00 bi» 00.00 M., auf dem Lande abgeholt 19.50—00.00 Mk., Pfalzer 00.00—OO.UO M. russischer 00.00—OO.Od Ai.,

Mit weit geöffneten Augen starrt Lorenz das Faungesicht an.

„Nein —"

„Soll ich deutlicher werden?"

„Bitte!"

Noch näher kommt der Bettler an Lorenz heran. Mit heiserer Stimme tuschelt er ihm etwas ins Ohr.

Dann geht er gleichmütig zu seinem Stuhl, setzt sich und zündet sich die ausgegangene Pfeife wie­der an.

Lorenz aber steht noch immer unbeweglich, mit etwas vornüber gebeugtem Oberkörper, auf demsel­ben Fleck. Es ist, als ob alles Leben aus den vor Entsetzen fast erstarrten Zügen gewichen wäre. — 18.

Während der ganzen Nacht liegt Jngeborg in dem kleinen, dürftig möblierten Dachkämmerchen wach.

Sie fühlt sich nicht gerade unglücklich — o nein. DaS Neue ihrer Situation, das Bewußtsein, daß ein Geheimnis sie umschwebt, daß sie sich verborgen hält, daß sie ganz im Ungewissen über ihre Zu­kunft ist, kitzelt ihre kranken Skerven und regt sie angenehm auf.

Mit geschlossenen Augen vergegenwärtigt sie sich ihre Tante, wie sie klagt und bangt um das Ver­schwinden der Nichte, und wie Erik Niels versucht, sie zärtlich zu trösten.

, „Sie wird sich bald beruhigen über meinen Ver­lust", murmelt das arme Mädchen mit zitterndem Lächeln. „Und dann steht ihrem Glück nichts mehr im Wege."

So denkend und grübelnd und krankhafte Vor­stellungen in ihrem Hirn nähernd, liegt Jngeborg stundenlang da, während die beiden Männer da unten über Leben und Tod dieses bemitleidenswerten Geschöpfes mit dem zynischen Gleichmut routinierter Verbrecher verhandeln.

Kurz vor acht Uhr klopft Frau Lewis an Jnge- borgs Tür. Sie hilft dem Mädchen beim Ankleiden und redet ihr in ihrer Weise freundlich zu.

rumänischer 00.00—0000 M. — Gerste: hies. 00.00 bi» 60.00 Mark, Pfälzer 00.00—00.00 M., fränkische 06.00—60.06 M., Riedgerste 0606—00.06 M., ungarische 06.00—60.60 M., Futterperste 66.00—00.00 M. — Hafer: diesiger xnb Wetterauer 21.25—21.35 M., kurhess. 21.35 — 21.56 M.. bcryer. 21.50—21.75 M., La Plata 19.75—26.25 Mark, russischer 21.25—22 00 Mark. — Mais (Mixed) 0000 - 00.0) Mark, Donau- mm» 18.00—18.25 M', La Plata 18.00—18.15 Mark, Odessa 18.00—18.25 M., russischer 18.10—18 25 Mark. — Alle» per 100 Kilo netto, effektiv loko hier. — Mehl: steigend. — Es notieren je nach Qualität: Weizenmehl, hiesige», Nr. 0 33.00—33.25 M., füdd. 9k. 0 33.00 —33.25 M , Hiesiges Nr. 1 31.00 -31.25 M., süddeutsches Nr. 1 31.60-31.25 M., Hiesiges Nr. 3 28.06 - 28 25 süddeutsches Nr. 3 28.00—28.25 M„ d'estgr» Nr. 4 25.00—25.25 M., süddeutsches Nr. 4 25 00—25.25 M. — Roggenmehl, Hiesiges, Nr.0 28.50 bi? 29.00 M., do. Nr. 01 27.50—28 00 M., do. Nr. 1 26.60—27.00 M. Alles per 100 Kilo inklusive Sack loko hier. — Futterartike!: fest. — Weizen» ichalen 14.50—14.75 M , Wetzenkleie 19.75—14.00 M., Roggenkleie 14.50—14.75 M., Wetzen-Futtermehl 16 50 btS 17.00 M., Biertreber, getrocknet, 15.35—15.59 M., Malzketrne 13.90-14.10 M., Rapskuchen 13.25—13.50 Mk., Palmsuchen 15,00 — 15.25 Atz, Melafseprödukie OO.OO-CO.OO M., Kartoffeln 0.00-000 Mark. Alles per 106 Kilo netto effektiv loko hier bei Abnahme von 10060 Kilo.

* Frankfurter amtliche Notierungen der Biehmarkt« preise vorn 10. April 1912. Auftrieb: 562 Rinder ?einschließlich 00 österreichische), darunter 260 Ochsen, 12 Bullen, 290 Färsen und Kühe, 0 Fresser 196 Kälber, 158 Schafe, 2309 Schweine. Preise für 1 Zentner: Rinder: A. Ochsen: a. vollfleifchige, auSgemästete höchsten Schlachtenertes höchstens 7 Jahre alt sLebendgewtchtj 60—56 Mark, (Schlachtgewicht! 91—97 M., die noch nicht gezogen haben (vngejochi) sLebendgewichlj 06—00 Atz, sSchlachtgewichks 00 — 60 Mark, b. junge fleischige nicht ausgemästete und ältere ausgemästete sLebendgew.j 45—49 M., sSchlachtg.j 81—89 M., c. mäßig genährte junge, gut genährte ältere sLebendgew.j 40 -43 ü)L, sSchlachigew ] 74—79 Mark, d. gering genährte jeden Alters sLebendgew.j 00-06 M., sSchlachtgew.j 00- 00 M. ö. Bullen: a. vollfleischige, ausgewachiene höchsten Schlachtwertes sLebendgew.j 47—48 M., sSchlachtgewichij 78 - 80 M., h, vollfleischige jüngere sLebendgewichlj 00—00 Mark, sSchlachtgew.j 00—06 Al., c. mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere sLebendgewichlj 00 00 M., ss-chlachtaew.j 00 -00 M., d. gering genährte [SebDgero.] 00—06 Ak., sSchlachtgew.j 00-00 M. 6. Färsen und Kühe: a. vollfleischige, ausgeinästete Färsen höchsten Schlachtweries sLebendgewichtj 46—50 M-, sSchlachtgew.j 83—89 M., b. vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtweries bis zu 7 Jahren sLdgew.j 44—48 M., sSchlachtgew.j 82—86 M., c. 1) wenig gut entwickelte Färsen sLebendgew.j 40—42 M., sSchlachtg.j 77—81 M., do. 2) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe sLebendgew.j 37—43 M., sSchlachtgew.j 69—76 M., d. mäßig genährte Kühe u. Färsen sLebendg.j 30-34 M., sSchlachtg.j 60 -68 M., e. gering genährte Kühe und Färsen sLebendgew.j 25—28 Mk., sSchlachtgew.j 57—64 M. D. Gering genährtes Jungvieh lFresser) sLebendgew.j 00—00 M.,sSchIachtg^j 00—00 M. Kälber: a. Doppelender feinste Mast sLebendgew.j 06-00 M., sSchlachtgew.j 00—00 M., b. feinst« Mast- sBollnulchrnastj und beste Saugkälber sLebendgew.j 00-00 M., sSchlachtgew.j 000—OuO M., m mtttlere Mast- und nute Saugkälber sLebendgew.j 65—68 M., sSchlachtgew.j 110—116 M., d. geringe Saugkälber sLebendgew.j 60 - 64 M., sSchlachtgew.j 102—108, e) geringe Saugkälber sLgw.j 56 -57, sSchlacht­gew.j 95—97M. Schafe: A. Weidemastschafe: a.Mast­lämmer und jüngere Masihämmel sLebendgew.j 42—43 Mk„ sSchlachtgew.j 00—90 M-, b. ältere Masthämmel und gut genährte Schafe sLebendgewichlj 00- 00 M., sSchlachtgew.j 00—00 Atz, c. mäßig genährte Hammel und Schafe Merz-Schafe sLebendgewichlj 60—00 M., Schlachkgivichtj 00—00 Mark, d. Marsch! chafe oder bileverungsjchaje sLebendgew.j 00—00 M„ sSchlacht­gew.j 06-00 M. B. Stalllnasiichase: 00. Schweine: a. vollfleischige Schweine von 80—100 kg Lebendgewicht sLebendgew.j 58 - 59 M., sSchlachtgew.j 73*-76 M., b. voUstei'chige Schweine bis 80 kg Lebendgewicht sLebendgew.j 56-67 M., sSchlachtgew.j 71-73 M., c. vollfleischige Schweine von 100—120 kg Lebendgewicht sLebendgew j 57-60 Ak., sSchlachtgew.j 72—75 M., d. vollfleifchige Schweine von 120—150 kg Lebend» gern. sLebendgew.j 58—60 M., sSchlachtg.j 72V« bis 75 Mark, e. Fettlchweine über 160 kg Lebendgewicht sLebdgew.j 00—00 Al., sSchlachigw.j 00—00 Mark, i. unreine Sauen und grichnlUene Eber sLebendgew.j 00-00 M., sSchlachigew. 00—00 M. — Marttverlauf: Der Rinderaujlned wird bet flottem Geschält aus ver­kauft. Der Handel in Kälbern und Schafen war ruhig und in Schweinen gedrückt; es verbleibt lei» Ueberstanv.

Uebsrhaupt ift mit der Frau feit gestern abend eine merkliche Veränderung vor sich gegangen. Sie ist sauber gewaschen und ordentlich angezogen. Da» widerspenstige schwarze Haar zwangt sich in einen dicken, um den Kopf geschlungenen Zopf.

Von Zeit zu Zeit, während Jngeborg ihre Toi­lette beendet, fliegt ein Schimmer saft mütterlicher Zärtlichkeit über die groben Züge der Frau. Die Unschuld und Reinheit des lieblichen Geschöpfes vor ihr wecken längst entschlummerte Erinnerungen in ihr.

Roch gar nicht lange ist es her — da genoß auch sie das stolze Mutterglück, ein unschuldiges Kind ihr eigen zu nennen! Eine Tochter, blondlockig und an­mutig wie dieses zarte Wesen hier! — Ach, der Sturm des Lebens entblätterte den Unschuldskranz auf ihrem Haupte. Wo sie jetzt ift, die schöne Karin Lewis, um deren Gunst fast alle Matrosen und Hafenarbeiter Tromsos, ja sogar manche seine Her­ren unten in Christiania, sich bewarben — wer weiß es! Seit einem Jahre hat die alte Sarah nichts mehr von der Tochter gehört. Vielleicht fährt sie in eleganter Kutsche durch die Straßen Christianias —- vielleicht ist sie untergegangeu in Slot und Elend — vielleicht lebt sie gar nicht mehr — wer kann e» wissen! —

Bis gestern abend kümmerte die Pfandleihers­witwe sich wenig um das Schicksal der Tochter; manchmal war sie sogar ganz zufrieden, die Sorge um das Mädel los zu fein.

Jetzt hat die keusche Reinheit dieses für eine Nacht ihrer Obhut anoertrauten Geschöpfes alle felbstlofen Mutterinstinkte wieder in ihr geweckt, und Tränen steigen in ihre Augen — bittere Tränen herber Selbstvorwürfe.

Im „Salon", dem besten Zimmer, mit dem Sarah Lewis aufwarten kann, ist alles fein gesäu­bert. Auf dem wackligen runden Tisch erglänzt die blankgeputzte Nickelteekanne, sekundiert von Schwarz­brot und allerhand gesalzenem Fischzeug.