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ZuldaerW Zeitung
wochenbeilase: „illustrierte Zonntagzzettllng"
Erstes Blatt.
Fulda, Mittwoch den 10. April 1912.
39. Jahrgang.
+ Religio» ist Privatsache, Religionshatz Parteisache.
Mit dem Schlagwort: Religion ist Privatsache operiert die Sozialdemokratie, wenn sie auf Gim- pfelfqng geht, aber nach dem Grundsatz: ReligionS- haß ist Parteisache h a n d e I t sie. Das Wort: „Religion ist Privatsache" ist nur ein leeres Schlagwon. Denn niemand kann gläubiger Christ und MitgliN» der Partei sein, die alles, was christlich heißt, mit glühendem Laß verfolgt. Leider gibt es doch immer noch Einzeln«, die sich durch das Schlagwort täuschen lassen und der Sozialdemokratie ins Garn laufen. Namentlich zu Mahlzeiten versteht es die Nmsturzpar- tel, da, wo sie es ihren Zwecken als dienlich erachtet, über ihren wahren Charakter hinwegzutäuschen. Sobald der Zweck erreicht ist, wird dann aber die Mask« fortgeworseu, und der Haß gegen alles Christliche tritt unverhüll» zu Tage.
Geradezu charakteristisch für die wahre Haltung ist, was der „Vorwärts in seiner Osternummer (Nr. 82) über das Osterfest schreibt. Christus nennt der „Vorwärts"
„jenen galuäuchen Rebellen, der seinen Stamm zum Kampf.oufriej" und „blutwenig zu tun hat mit dem zivilisierten und frisierten Christus der theologischen Verballhornung, daß er mit dem Schwert kam und nicht mit dem Palmenzweig, daß er die Tat predigte nnd nicht das Dulden, daß er ein Erlöser auf der Barrikade und nicht auf der Kamel war!"
Es ist bezeichnend fiir den Haß der Sozialdemokratie gegen alles Christliche, daß der „Vorwärts" es wagen darf, diese Behauptung aufzustelleri, die allen geschichtlichen Tatsachen ins Gesicht schlagen. Welcher Grad von Bosheit gehört dazu, Christus gewissermaßen als Barrikadenkämpfer hinzustellen. Und dann läßt sich der „Vorwärts" in seinem fanatischen Haß gegen das Christentunr zu einem Be- kentnnis hrnreißen, das gemerkt zu werden verdient. Der „Vorwärts" konstatiert, daß „in Wahrheit die moderne Arbeiterklasse (die Sozialdemokratie, d. Red.) ein Abgrund von diesem Christentum" trennt. So ist es in der Tat und wenn wieder einmal die Sozialdemokratie mit dem Schlagwort „Religion ist Privatsache" hausieren geht, dann wird man ihr das Bekenntnis ihres Zentralorgans ent« gegenhakten können. Wer wirklich noch einen Funken Religion in seiner Brust bewahrt hat, wer wirklich noch an die Göttlichkeit Christi glaubt, der kann nach diesem Bekenntnis des „Vorwärts" unmöglich Mitglied der sozialdemokratischen Partei sein oder werden.
Urtd selbst dem Verblendeten müssen die Augen ausgehen, wenn er im „Vorwärts" sieht, wie das christliche Empfinden auf das schwerste und gemeinste verletzt wird.
„Die Ollerlegende", heißt es im .Vorwärts" weiter, „ist die Erlösungslegende, aber sie ist gleichzeitig eine Legende, die alle Tatkraft lähmt und dem Gefesselten die Ketten »och schwerer macht . . . Diese Abkehr von der Tat ist es, die der modernen Arbeiterklasse die christliche Osterlegende als eine Botschaft in fremden Zungen ersche nen läßt, denn das Proletariat des 20. Iah: Hunderts ist fiebernd vorLebensmut und sprühend ror Tatkraft. Tief in ihm wurzelt die Erkenntnis, daß kein Erlöser, der von außen kommt, ihm die Ketten ad- streifen wird, sondern daß es sie mit seinen eigenen Fäusten zerbrechen muß — in feiner Brust sind seines Schicksals Sterne. Der christlichen Ofterb o tschaft gläubig nach hängen, hieße für die Arbeiterklasse, sich weiter geduldig unter Säbel und Knute ducken und im blaffen Scheine einer wesenlosen Hoffnung die Hände in den Schoß legen. . . . Für all die vielen Millionen, die heute im Zeichen des Kapitalismus mühselig und beladen sind, können die christlichen Osterglocken nicht mehr sein als ein tönend Erz, aber die Sturmglocken der sozialen Revolution das sind bte jubelnden Osterglocken für diese Millionen und Aber- minionen.*
Selbst der Einfältigste muß erkennen, daß in einer Partei, dessen Zentralorgan alles christliche mit fol- chem »erbitterten Haß verfolgt, kein Raum ist für den, dem das Christentum noch kein leerer Wahn geworden sst.
* Die Entlarvung eines Riesen- schwindels.
Wer ermnert sich nicht mit stillem Grausen der endlosen Jeremiaden über die Branntwein. L i e b e S g a d e I Wem schallt nicht noch das fürchter- liche Geschrei in den Ohren von jenem »größten Skandal der Wellgeschichte", von den „Millionen- geschenken an die ostelbischen Schnapsjunker'! Die Sozialdemokraten sowohl wie auch die Linksliberalen setzten ihren ganzen Stolz und Eifer darin, das Vaterland von diesem „Skandal" zu befreien.
Doch sellsam war, was dann geschah, wo jetzt die Regierung wirklich die A u f h e b n n g der Liedes- gäbe vorgechlageu hat. Wie freuen sich die „wahren Volks» und Daterlandsfreuude" darüber; das sollte man wenigstens erwarten. Doch nein, von grnsbe ist da keine Spur zu sehen, im Gegenteil. Wir Haden ja schon mitgeteilt, wie es jetzt überall in den sozialdemokratischen und linksliberalen Blättern heißt: Di« Aufhebung der Liebesgabe hat gar keinenWert; die Liebesgabe ist gar mchl so schlimm usw. Wir Haden schon darauf hingewiesen, vaß man auf einmal sogar allerhand Vorzüge an der Liebesgabe entdeckt, so z. B. daß eigentlich gar nicht die ostelbischen Junker, sondern die Mittlern und kleinern Bauern Süddeulschlands den Hauptvorteil von der Liebesgabe hätten. Wie hat man sich nur so gewaltig irren könne»! Aber da sich manche bei dem fürchterlichen Liebesgaben «Rummel vielleicht einen zu großen Schrecken geholt haben, wird eS jetzt für ihr Befinden wohl gut sein, wenn sie sich von diesem Schrecken allmählich erholen. Zur Beruhigung wollen wir deshalb im Nächtigenden einig« Probe« dafür geben, wie die Sozial- öemo‘raten und Linksliberalen sich gebessert haben; wie sie vorher über die Liebesgabe urteilten und wie nachher:
Die Wahl am 12. Jan. muß dreien elenden SchnapShandel,u- Nichte machen t,Vorn?ärlS‘ Nr. 291, 1911*)'
Daß die Aufhebung der Liebesgabe nichts mehr wert ist, ist ziem- lich richtig. iSozd. .Düsseldorfer «olksztg/ 20. März 1912.)
Das System der Liebe«- gadenpomik steigert da« Elend de« Volkes ins Ungemeffene. Deshalb en die Arven für den 12. Jan., den Tag der Abrechnung mit den Zollwuchern und Liebeszabenpolitikern. tBer- lag: HozmldemokrattscheS Bureau für vtheinland- Wesifalen 1912).
Die Aufhebung der Liebesgabe nach dem rein agrarischen Branntwein- fieuergesetz von 1909 ift nur einneuer junkerlicher Raubzug, teils aus Kosten der Konsumenten, teils aus Kosten der kleinen Brennereien. lJm Original Fettdruck. lSozd. ,Dortm Ardeiterztg.'30.März 1912.)
_ Daß die Liebesgabe ein Die famose Aushebung S> ch u tz der ttonsu» der Schnapsliebesgabewird menten ift, ist außerhalb nicht etwa für die Schnaps- der agrarischen Presse wohl brenner, sondern nur für nirgend« behauptet worden, die Scbnapskonsu- l.DüfleldorferVolkszeitung' menten eine neue Be- Nr. 67, 1912.) laftung bilden. lSozd.
Göppinger.Freie VolkSztg.' Nr. 72, 1912.)
lieber die SplriLusliebc«. gäbe wird von der Zen- tlumsprefle der grüßte Schwindel verbreitet, vor allem der, daß die süvdeutfchen Brenner daS größte Interesse an der Liebesgabe hätten. Sozd. .Bayer. Wochendlck Nr. 13, 1912.)
Weiten Kreisen, namentlich süd- and west, deutschen Brennern, wäre eine solche Lüiung (Beseitigung der Liebe«, gäbe) willkommen ge.
Angesicht« der bevorstehenden Beseitigung der Liebesgabe wird vielleicht die Frage nach der Entschädigung der süddeutschen Brenner aufge» worien, für die das Kon-
tmgent (d. b. die Liebesgabe) einen viel gröberen Wert hat, als für die norddeutschen Brenner. kLinksttb. .Frankfurt. Ztg.' 19. März 1912.)
H eros» lvon der Aufhebung der LiebeSg.be) werden in der Hauptsache die süddeutschen Brenner betroffen, denen zuliebe die Kontingentierung in
roefen; aber die osteldischen der Hauptfach« eingeführt Rittergut« - Brennereien wurde . . . Da« Äontin# widerstrebten, und die gent stellt für bi« süddent- Agrarier machten deren scheu Brenner einen viel Machtmtereffe zu ihrer höheren Wert dar alS Sache. (LrukSliberal. Abg. für die norddeutschen. Gothein im ,Agrarpolit. (Linkslib. .Berliner Tage- Handbuch-1910/11, S. 172.) blatt' 16. Mär, 1912.)
®ero ß mögen diese Gegenüberstellungen bei vielen eine befreiende Heiterkeit und eine Erlösung von dem ausgestandenen Schrecken Hervorrufen, aber sie zeigen auch mit vollster Deutlichkeit, ' mit welch' verwerflichen Mitteln von sozialdemokratischer und linksliberaler Seite das Volk verhetzt wird. Das Geschrei über die .Liebesgabe" war einer der Hauptschlager dieser berufsmäßigen Hetzer, sobald aber die Frage praktisch wurde, hieß es auf dieser Seite: »Kehrt marsch!"
Für jeden vernünftigen Menschen ist damll die sozialdemokralisch-linksliberale Agitationsweise gerichtet. Die Zukunft und die Wirklichkeit werden noch manchem die Augen öffnen über diese »einzig wahren Volks- und VaterlandSsreunde".
Deutsches Reich.
r Berlin, 9. April 1912. Der Kaiser hörte auf Korfu am Dienstag die Vorträge deS Chefs des Zivilkadinetts Wirkt. Geh. Rats v. Valentini, fowie von Militärfachleuten. — Eine Kaiserreise in die Schweiz ist bekanntlich für den Herbst in Aussicht genommen. Der Kaiser wird am 4. Sept, in Zürich einlreffen, wo er vom Bun esrat begrüßt werden wird. Am selben Tage wird er den Manö- vern beiwohnen und darauf nach Bern fahren. — Römische Blätter melden mit einer gewissen Wichtigkeit, deren Berechtigung aber dahinsteht, daß ein Hofkurier mit einem Handschreiben des Kaisers Wilhelm aus Korfu heute morgen in Brindisi angekommen ift, wo ein italienischer Kurier das Schreiben in Empfang nahm. — Ter preußische Landwirtschaftsminifter hat den mehrfach geäußerten Wünschen der Landwirtschaft Rechnung getragen und bestimmt, daß in Zukunft sowohl beim ©teuer« verfahren rote bei den Konferenzen der Steuer- behörden innerhalb der Regierungsbezirke landwirt- ichaflliche Sachverständige, die mit landwtrtschaftlichen Verhältnissen besonders betraut sind, herangezogen werden.
* Adolf Friedrich Gouverneur von Togo. Die Kölnische Zeitung meldet aus Berlin: Herzog Adolf Fnedrich zu Mecklenburg ist nunmehr, wie wir erfahren, bestimmt als «ouverneur von Togo in Aussicht genommen. Einer schon früher in der Presse geäußerten Vermutung, daß seine etwaige Erneu- uung zum Gouverneur von Togo lediglich als eine kurze Vorbereitung für den Gouverneurposten von O st a fr i k a zu betrachten sein würde, wünscht der Herzog selbst ausdrücklich entgegei-zutreten.
+ Die Anstellungsverhältnisse bei der Reichs- anstalt für die Privatbeamtenversicherung dürften für die Militäranwärter, die sich um Anstellung bei diesem neuen Reichsamt bewerben wollen, von Interesse sein. Vor allem ist zu beachten, daß sämtliche Beamte der Reichsanstalt mit Ausnahme der Direktoren, nicht Reichsbeamte sind. Die Büro-, Kanzleß- und Unterbeamten werden nur kündbar und voraus- ichtlich ohne andere Ansprüche auf Ruhegeld und Hinterbliebenenfürsorge, als sich aus der Angepell- tenversicherung ergeben, angestellt. Allerdings ist in dem Bersicherungsgesetz für'Änaestellte festgelegt, daß unter allen Beamtensteüen mindestens ein Drittel mit M ilitäranwärtern besetzt werden sollen, soweit geeignete Bewerber vorhanden sind. Die letztere Ein- chränkung weist darauf hin, daß die Anstellung von dem Ausfall einer Prüfung abhängig gemacht wird.
* Das Vlehjeuchengejetz. Der ,Reichsanzeiger' veröffentlicht eine kaiserliche Verordnung, wonach das Vtehseuchengesetz am 1. Mai dieses Jahres in Kraft treten wird.
c» 5*^ Mt» ^^itik. Der bekannt« Heidelberger Professor der Chirurgie, Dr. C, e r n h, ist vor kurzem au« dem Verhältnis k la suite des Eanitäts- torp«, dem er al« Generalarzt mit dem Range eines Generalmajor« angehörte, an«geschieden, weil er im letzten Wahlgauge ein Zusammengehen der liberalen Parte«» nnt der S-z iald e m o kr at i e öffentlich im „Berliner Tageblcür" befürwortet hatte. Etzt wird nun i» der „Voss. Zeitung" verlangt, der Chirurgenkongreß, der heute m Berlin zusammen- tritt, solle für fern gemaßregelte« Mitglied eintreten, „denn abgesehen vor der überragenden Persönlichkeit Czerny'S und jedem Parteistandpunkt, handle es sich um ein Verbot der politischen Betäti. g u n g für alle Slerzte, die in einem noch so lockeren Mtlstarverhältni« sichen." Die „Boss. Ztg." über, sieht hier, daß e« sich nicht um Verbot der politischen Betätigung handek, sondern um eine Begünstigung derrevolutionärenSozialdemokratie, die in der Armee vonniemanden geduldet wer. den kann. 911« Arzt hat Czerny die volle politische Freihest; sein Vechältnis zum Sanstätskorps geht aber auch den Chirurgenkongretz nichts an, wie dieser sich überhaupt mit Politik nicht zu befas. sen hat.
cf Immer nrch der bayerisch« Jesuitenerlaß Als preußische Blätter den bayerischen Jesuitenerlaß be. kämpften, wurde die bisher unbekannte Tatsache ans Licht gezogen, daß in Preußen den Oberpräsidenten von der Zentralinstanz das Gleiche mündllchan- e m p f o h l e n wurde, was der bayerische Erlaß ver. fügt Den Oberpräsidenten wurde nahegelegt, ge- genüber der Tätigkeit der Jesuiten eine versöhn, liche Handhabung des Gesetzes auch für die Zukunft zu beobachten und eine Verschärfung der derzeitigen Praxis hintanzuhalten. Die offiziöse „Nordd. Allg. Ztg." hat bekanntlich diese Mitteilung ausdrücklich^ bestätigt, sie suchte aber den Eindruck dieser Bestätigung dadurch unwirksam zu machen, daß sie eine gegensätzliche Rechtsauffassung kundgab. Sie sagt, die Rechtsauffassuug der preußischen Regierung sei, daß den Jesuiten nur das Lesen von Primizmessen, von stillen Messen und die Bersehung mit den Sterbesakramenten gestattet, alles übrige aber verboten fei: „Predigten, Beichten, Absolution, Messen und Sakramentespenden" . . . Da« alles rechnet die „Nordd. Allg. Ztg." zur Ordens- tätigkeit. Unter diese fallen auch, so sagt sie, die religiös-wissenschaftlichen Vorträge, die Konferenzvorträge und priesterlichen Handlungen zur vorüber- gehenden Aushilfe in der Seelsorge. Das ist also Nechtsauffassung in Preußen. Nun ist aber zu konstatieren, daß die Praxis in Preußen dieser Rechts- Auffassung nicht entspricht, wie die mündlich« Instruktion der Oberpräsidenten und die ungehemmt« Vortragstätigkeit von Jesusten in Preußen beweist. Diese Zwiespältigkeit sollte Preußen endlich ebenso beseitigen wie Bayern und sich ganz offen zu seiner Praxis bekennen. Zwischen Bayern und Preußen besteht der emg-ge Unterschied darin: Preußen üb1 dieselbe Praxis tote Bayern; Preußen übt sie im stillen, Bayern bekennt sich laut Verordnung zu chr. — In der liberalen Presse wurde kürzlich hervor- gehoben, der Jesuitenorden zerfalle in Priester und Laienbrüder. Die erfteren betätigten sich durch Mes- felefen, Predigen ufto., also sei das ihre Ordens- tätigkeit. Sonst hätten sie ja überhaupt nichts, wenn also das Gesetz ihnen die Ordenstätigkeit verbiete, könne nur das Messelesen und Predigen gemeint sein. Schade, so schreibt man dazu der „Germania", daß diese Philosophen hierbei flehen geblieben sind, denn was den Priester» recht, ist den Laien- brüdern billig. Diese haben andere Beschäftigung, meist treiben sie ein Handwerk, eine Gärtneret, Schusterei, Schneiderei. Denken wir uns nun einen Jesuitenlaienbruder, der Schneider ist, und argumen- fieren wir in bezug aus ihn in obengedachtem Sinne weiter. Dieser Schneider tut nichts als nähen, zu- schneiden, flicken, also ist da« seine Orden st ä. t i g k e i t. Sonst tut er ja überhaupt nichts, wenn
Helden der pflicht.
Roman aus dem Lande der Mitternachtssonne von 33] Erich Friesen.
»Ja, tun Sie das, Frau Lewis! Und machen E der jungen Dame so behaglich wie irgend möglich Sie wissen ja, es ist meine zukünftige — TT nicht so niedergeschlagen aus Fräu-
o k ■ ^ct ker Pfandleiherswitwe Sarah Setoia sind Sie gut aufgehoben. Bevor wir morgen Weiterreisen, beraten wir gemeinsam über Ihre Zukunft. Schlafen Sie Wohl!" ö
„Gute Nacht, Herr Jespersen!"
Mit gesenktem Haupt folgt Jngeborg der Frau die schmale Treppe hinauf.
„Frau Lewis!" ruft Lorenzens rauhe Stimme hinter ihnen her.
Tie alte Sarah wendet den Kopf.
„He —"
„Haden Sie nicht irgend was —" er macht die Bewegung des Trinkens — „im Hause? Erwarte noch einen Freund, mit dem ich schwatzen will. Kan» das nicht, ohne einen guten Schluck. Was, Fra» Sarah?"
„Unterm Sofa steht 'ne Flasche," lautet die mär» i-'lfche Entgegnung.
Unb die Alte geht weiter die Treppe hinauf.
. betois!" ruft Lorenz abermals, diesmal
tmp-iu[tert»n. „Kommen Sie mal her! Keine Er- gegenüber meiner jungen Freundin da beruhet, toober ich Sie kenne waA sonst was! Verstanden?"
Dann eilt er rasch an Sarah vorbei, die »rttitoe hinaus und flüstert der oben harrenden Jngebor,
„Verriegeln Sie Ihre Zimmertür von inne»! ’i ist in dieser Gegend nicht immer ganz sicher!"
Hastig springt er die Treppe wieder hinab, und die Pfiuidleiherswitwe geleitet das arme . Mädchen « das für sie bestimmte Kämmerchen. Sie stellt jfie Rachtlampe auf den wackeligen Tisch, deckt da«
nicht sehr saubere Bett auf und streicht ein paarmal über das Kopfkissen.
^ucht, Fräulein! Und träumen Sie schon!"
„Dank, Fran Lewi«! Gute Nacht!" Jngeborg reicht der Frau die Hand. Dann schließt sich d« Tür hinter der Alten.
Nach ei» paar Minuten klimmt Sarah auf« neue bie Treppe hinan. Sie hat vergessen, die junge ®ame zu fragen, toanx sie morgen geweckt zu fern wünscht.
Gerade will sie klopfen — da finkt ihre Hand wieder herab.
„Lieber Bott, beschütze mich diese Nacht! Und ^rgib nur, wenn ich Unrecht tue!* tönt es le-.se, mit «chluchzeu untermischt, von drinnen heraus.
< „Einen r^g-nblick steht die Frau starr da - - . bie*l^ugeit W ** umgekehrten Hand über
(hne halbe Stunde später sitzen die beiden Kum- v« VersicheruriKideomte Lorenz Jespersen und der -Idiot" Jak^k Sarah Lewis' kleinem Wohnzimmer m vertrnnüchem Gesprätz.
Loren« hat foeben ertet dem Sofa eine dick- bauchige Flasche hervorgezogen und sie schmunzelnd geöffnet
Es ist der „gute VÄnck*, der Hu zu dem gemacht hat. wat er jetzt ist: ein Verbrecher. Denn sein Gewissen sich rtett «md die in ihm fast getöteten besseren Empfindungen aufzuzucken begannen, so war e» stets der „gute Schluck", der ihn nro- rallsch Wied« yerabzog.--
Auch jetzt, da da« allgemein menschliche Gefühl, das Mitläde» mit be» tat ihm irregeleiteten Mädchen ix ihm noch nicht ganz erloschen ist — auch jetzt ist e< wieder der „mstt Schluck , der verwünschte Schuap«, der ch» vorwart- treibt, vorwärts auf der Bahn des Derbrechertch zur ewige« Vetdamomis.
„Nun, Jakob!" ruft er vergnügt, feinen Stuhl neben den in einer Ecke kauernden Bettler ziehend. „Bis jetzt hast du deine Sache gut gemacht."
Der „Idiot" nimmt die kurze Pfeife au« den Wulstlippen und blickt mit feinen kleinen schielenden Augen vergnügt daher.
„Tu ahnst wohl schon, daß ich was Großes vor habe, was?" fährt der andere bedeutungsvoll fort, dem Bettler ein Glas reichend.
„Hm!"^ macht dieser und tut einen kräftigen Schluck, während sein schmutziger Daumen über bie Schulter hinweg nach oben deutet. „Mit der da?"
„Ja. Nicht Siebe oder derlei Eselei. Geschäfte, versteht du!"
„Hm!"
„Nkir scheint, auch du liebst die runden Goldfüchse, Jakob. Und wenn du dauernd in meine Dienste treten und mir helfen willst —"
,^>m!"
so sollst du später dein Teil abkriegen. Einverstanden?"
Das stumpfsinnige Gesicht des „Idioten" verzieht sich zu schlauem Grinsen.
„Ja. Herr."
„Sieh nach, ob die Türen fest zu sind!"
Schwerfällig erhebt sich der Bettler vom Stuhl und Verriegelt beide Türen. Dann setzt er sich wieder.
Lorenz stürzt ein volles Glas Brandy hinunter.
,/Zuerst das Gerippe meines ganzen Planes! Kein Wort über das. was du jetzt erfährst, darf je über deine Lippen kommen. Verstanden?^
^Ja, Herr."
„Also — gib acht auf die fünf Punkte, die ich dir nennen werde. Und —"
„Nur los, Herr!"
DaS ganze Gesicht des Bettlers hat sich verändert. Aus jedem der häßlichen Züge spricht Lift, Verschlagenheit, Schurkerei.
Einen Augenblick noch zögert Lorenz. Dan» beginnt er mit gedampfter Stimme:
„Ersten« — die Kleine da »den tut alle«, was ich ihr rate, ZweüenS — sic erscheint leblos, jobald
sie schläft; das heißt, sie wird totenbleich, ihre Glieder sind steif, daS Herz hört-beinahe auf zu schlagen —"
hahaha —", lacht Jakob. ,Lch wittere, waS folgt."
„Was denn?"
„Sind Sie nicht Versicherungsagent?"
„Jawohl."
„Na also!"
,^ol dich der Kuckuck!" murmelt Lorenz mit einem halb mißtrauischen, halb bewundernden Blick auf das diabolisch grinsende Gesicht vor ihm. „Du bist schlauer, als ich glaubte."
„Bah! Ich kenn 's Geschäft."
Wieder zögert Lorenz, bevor et noch leiser fort- fahrt:
„Drittens — ich bekleide eine einflußreiche Stellung bei einer großen LebenSvetsicherungsgesell- schaft. Vietten« — einer meiner ergebensten Freunde ist ein geachteter Arzt. Und fünftens —, !ch habe einen Komplizen, der für einen Idioten gehalten wird, in Wirklichkeit aber ein ganz geriebener Schlingel ist. Addiere diese fünf Punkte und du findest —"
ein famoses Resultat!" fällt Jakob, seine großen roten Hände reibend, ein. „Aber, was hab' ich mit der Sach« zu tun?"
„Meinst du, ich würde dich in meine Pläne ein- weihen, wenn ich dich nicht brauchte?" lacht Lorenz sarkafttsch auf. „Also — ich beträte das Mädchen da oben — natürlich muß sie vorher einen anderen Namen annehmen — und versichere chr -Leben bet meiner Gesellschaft für eine nicht zu große Summe, sagen wir fünfzigtausend Kronen. Danach werden andere Lebensversicherungsaefellschasten dem guten Beispiel der „Skandinavia" folgen und zwar mit beträchtlich höheren Summen."
„Vielleicht!"
„Nicht „vielleicht", fondem „bestimmt". Ich versteh' mein Geschäft. — Nach einiger Zeit kränkelt meine arme Frau; chr Zästand verschlimmert sich und r—“