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Erstes Blatt

/ts 80.

Fulda, Dienstag den 9. April 1912,

39. Jahrgang

tigett.

chen Bund ft, Oesterreich. k>eutschlawb ja auch eines

in „das Evangelium bringen will".

geborg beim Ablegen i Kopftuches behilflich ist.

lenen

Wir erfreuen uns in Vereins, der uus beut«

t er leit waS er

tirbeiten i!> werden.

igSgesetz und über das Ein- lafprozeßordnung zu berücksich-

Dieser Verdacht auf „Hatz und Verachtung" ist Mn so grundlos, wie das Gerede von der „P ropa- nd ft", das wir in der liberalen Presse finden, sine regelrechte „Propaganda" wird auf der an» »eien Seite betrieben, namentlich vom Evangeli-

Lorenz steht bald, daß er gewonnener Spiel hat. Jngeborg ist eben so er '

fm»ic Anzeigen: . vw . ,,

j «$•*«. WcheMims-: „ftllufirierte Sonntagsjeifung

imübt, ihre Spur zu Weitz, sie wird auch

Erleichtert ausatmend wirft Lorenz sich in einen der ausgeblichenen Sessel, während Frau Lewis Jn­geborg beim Ablegen des feuchten Mantels und

„Ich bin so müde! Ich möchte schlafen," klagt cs hinter dent dunklen Schal hervor.

Matt beleuchtet eine trüb brennende Straßenla­terne das bleiche übernächtige Mädchengesicht, aus dem ein Paar verweinter Augen mit unaussprechlich traurigem Ausdruck ins Leere starrt.

In Lorenz Jespersen regt sich etwas wie ÜDtitteU den. Für den Moment wünscht er, er läge daheim in Ehriftiania in seinem Bett und hätte überhaupt nichts mit der ganzen Sache zu mit, die ihm zwar ein Vermögen einbringen soll, die aber auch noch erschreckend viel Umsicht und Mühen erfordert. Von den Gefahren gar nicht zu reden.

Doch Blödsinn! Loren; Jespersen ist nicht der Mann, auf halbem Wege stehen zu bleiben! Auch kommen „Gefühlsduseleien" jetzt zu spät nachgehinkt. Also vorwärts! Mit aller Energie und — wenn nötig — Brutalität!

So gut er kann, tröstet er das müde Geschöpf an seiner Seite. Nur noch ein wenig Mut, dann sei man am Ziel. Für heute wenigstens. Er bringe sie zu einer alten Frau, die sich ihrer für diese Nacht annehmen werde.

„Es ist dort nicht so elegant, wie Sie es gewöhnt sind. Aber für die Menschen, die man liebt, bringt man ja gern ein Opfer, nicht wahr?"

„Ja —" murmelt das arme Kind mit halberstick­ter Stimme und läßt sich willenlos durch verschie­dene Gassen unb Gäßchen führen, bis hinunter zum Hasen.

Erscheint tlghttmi Amu ahm« bex So m- lh<4 feierte«« Vierte»- fijstttqokVV-'prete oT>!H «rinaerwtzn Hub veff-SgelswMdafv- Vte answMN MAit.

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Punkte: 1. TaS Programm der katholischen Arbeiter­vereine als Etandesvereine; 2. Die Stellung der katholischen Arbeitervereine in der christlich-nationalen Arbeiterbewegung; 8. Die religiösen Aufgaben der katholischen Arbeitervereine; 4. Das soziale Pro­gramm der kathokifchen Arbeitervereine. Tie Be­zirkspräsides werden gebeten, möglichst bald die Wahl der Delegierten ihres Bezirks zu veranlassen und deren Namen und Adressen an die zuständigen Verbandssekretariale einzusenden (für Westdeulsch- land: Verbandssekretariat M.Gladbach, Kyffhänser- straße 6, für Süddeutschland: München, Pestalozzi- straße 4, für Ostdeutschland: Neisse, R daktion der .Ostdeutschen Arbeiter eitung^).

* Ein Musterbeispiel von Intoleranz. DieMederrh. Volksztg/ veröffentlicht solgenbeS Schreiben:

Krefeld, den 22. März 1912. Streng vertraulich. Hochgeehrter Herr I Schon lange herrscht in liberalen Handwerkskreisen Unzufriedenheit bnni daß in unseren liberalsten Häufen, zum größte» an u l tr a m o n t a n e Handwerksmeister v, Aus diesem Grunde hat sich in jüngster Zeu eine Gruppe von Handwerksmeistern zusammengefuuden, welche in dieser Hinsicht eine Beflerung erstrebt. Die vorbereitenden Schritte sind schon getan, auch findet diese Bewegung die weitgehendste Unterstützung seilens des Vorstandes des nationalen Vereins. Da die Sache auch für Sie von weitgehender Bedeutung ist, laden wir Sie mit Gegenwärtigem zu einer sehr wichtigen Versamm­lung aus Yiontag, den 25. März, abends 81/» Uhr, im oberen Saale des Evangelijchen Bürgervereinshauses, Neue Linnerstraße ergebest ein. Hochachtend! Beruh. Hompesch, G. Sippe!, H. Becker, C. Reiche, M. Dick­mann. Die Einladung dient als Legitimation.

Wie dem genannten Blatte roeitcr ungeteilt wird, hat die Versammlung, zu der vorstehendes Schreiben die Einladung enthält, staltgefunden. Hoffentlich erfährt man ül er das Ergebnis noch einiges. Ein Einsender des Schreibens bemerkt dazu tu dem Begleitbrief an die,Nirderrh. Volkszeitung', jede Kritik dieses Vorgehens der edle Fünf erübrig« sich. Dte Einladung fei der Ausfluß einer Unduld­samkeit, wie sie sonst in Krefeld seit den Tagen der glühendsten Kulturkampfes nicht mehr zu finden ivar. Sie fordert die Eiitrüstung aller wahrhaft liberalen Männer heraus.

-j- Ein« schärfer« Tonart in der Ostmarken« Politik fordert der bekannte freikonservative Abg. Frhr. v. Zedlitz im „Tag" (Nr. 81). Die all- deutsche unb hakatistische Presse schlägt schon feit Wochen Lärm über die verzögerte Einbringung des sog. Parzellierungsgesetzes, mit dessen Hilfe die preußische Polenpolitik auf alle Ostprovin­zen Preußens mit polnischer Bevölkerung ausgedehnt werden soll. Die Hakatistenpresse vermutet hinter der „Verschleppung" der Vorlage die Absicht der Regierung, eine Schwenkung in ihrer Polenpolitik zu vollziehen. Wenn dies wahr wäre, so Ware es zu begrüßen, aber nicht der mindeste Anhaltspunkt bietet sich für eine derartige Annahme; im Gegen­teil, alle Erklärungen der Regierung sind ein voll- giltiger Beweis dafür, daß sie nicht daran denkt, die verfehlte Oftmarkenpolitik aufzugeben. Das sollte doch auch Herr v. Zedlitz wissen. Trotzdem aber haut er in dieselbe Kerbe wie die hakatistische Presse; er schreibt u. a.:

„Man gewinnt beinahe den Eindruck, als lege die Regierung es gefliffentlich daraus an, die Zweifel an der Aufrichtigkeit ihrer Erklärung noch zu verstärken, daß in der Polenpolitik der alte Kurs fortgesteuert werde. Das alte Spiel mit der Anwendung des Ent­eignungsrechts, die für einen späteren Zeitpunkt wieder­holt in Aussicht gestellt wurde, um, wenn dieser da war, wie die Fata Morgann wieder zu verschwinden, scheint mit dem Parrellierungsgesetz eine neue Auflage erleben zu sollen. Das wäre em gefährliches Spiel; einmal verlorenes Vertrauen ist schwer wiederzugewinnen, und nichts ist geeigneter, Vertrauen zu rauben, als Hinterhältigkeiten. In Verbindung mit Cent, was glaubhaft über Versöhnungsillusionen des jetzigen Ober­präsidenten und steigenden Einfluß der Richtung Endell verlautet, legt aber die Führung der bandpolitik durch die Regierung vor allem auch die Befürchtung nahe, daß wir wieder einmal in Sachen der Ostmarkeupolitik im Zeichen des Zickzackkurses stehen. Es liegt auf der Hand, daß sich hieran ernste und scharfe Erörterungen im Landtage knüpfen werden."

Es gibt eben Leute, die auch durch die allerübel­sten Erfahrungen nicht klug werden. Mißerfolg über Mißerfolg hat die unter Aufwendung großer Mittel bisher dnrchgeführte Polenpolitik btsher ge­bracht; selbst den Kreisen, die diese Politik bertreten haben, hat sich allmählich die lieber« zeugung aufgebrängt, daß die preußische Polenpolitik verfehlt ist. Daß auch Herrn v. Zedlitz und feinen Anhängern einmal diese Erkenntnis fommt, kann man füglich bezweifeln. Sie wollen eben nicht sehen.

** Herr Wiennr hats endlich erreicht. Die itier« tranensmännerversammlung der Fortsch. Volkspartei stellte ihn gestern als Nachfolger im olsenburgiichen Reichslagswahlkreise Varel-Jever als Stanbioaten auf. Jetzt fehlt mir noch, daß er in der Wahl auch durchkommt.

* Erster Kongreß des Kartells katholischer Arbeiter- veikinverbSnbe West-, Süd- und Ostdeutschlands. Bei Gelegenheit des vorigjähriaeu Katholikentages haben betamillid) die Verbände ssid-, west- und ostdeutscher kalholischer Arbeitervereine ein Kartell gebildet zu kraftvollem gemeinsamem Wirken für die Sache der katholischen Arbeitervereinsbewegung Deutschlands. Durch Rusiaufch der Erfahrungen und Anregungen, durch gemeinsames Vorgehen in den Fragen der Sozialreform soll den Arbeitervereinen größere Kraft und Sicherheit verlieben, soll ihr Auftreten in der Oesseurlichkeit möglichst wirkungsvoll gestaltet werden, sim nun in gemeinsamen Beratungen die Richt- 1 inieliebet Arbeit für die nächsten Jahre zu ziehen und Stellung zu nehmen zu den Fragen der Ar­beiterbewegung, laben die Verbandsvorsitzenden die Vertreter der angeschloffenen mehr als 2000 Vereine 5um Ersten Kongreß des Kartellverbandes katholischer Arbeitervereine West-, Süd- und Ostdeutschlands ein, der zu Pfingsten, 26. und 27. Mai d. Js., in Frankfurt a. M. lJosephsheim,Bergeistraße 133) laltfiuben soll. Die Tagesordnung umfaßt folgende

Deutsches Reich.

** Berlin, 8. April 1912. Als künftigen Gon- vermur von Samoa nennt man in unterr chteten .Kreisen den Gouverneur von Togo, Dr. Brückner, dessen GesnndheitSzustand d«m ungünstigen Klima Togos nicht gewachsen ist. — Generallandschafts, direkter v. Staudy, der von 1877 bis zum Be- ginn dieses Jahres den Reichstagswahlkreis Anger- burg-Lötzen vertrat, ist in Wilmersdorf gestorben. Seit 1877 war er stellvertretender Vorsitzender der konservativen Fraktion.

* Kaiser tmb Kanzler ans Korfu. Der Kaiser begab sich SamStag nachmittag vom Schloß Achilleion im Automobil znr Stabt, ging dann an Bord der »Hobenzollern", um dort das Einlaufen der „Kol- berg' abzmvarten. Di« »Solberg',mit dem Reichs- fangier v. Bethmann-Hollweg an Bord, lief um 6 Nhr im Hafen von Korfu ein. Der Kaiser hatte bekanntlich den Reichskanzler eingeladen, mit ihm die Osterfeiertage im Achilleion, das dieser noch nicht kennt, zu ver'eben. Kaiser Wilhelm empfing den Reichskanzler auf bet .Hohenzollern", begab sich dann mit ihm im Automobil nach dem Achilleion. — Am Ostermorgen wurde in der Kapelle deS Achilleion Gottesdienst gehalten, an dem der Kaiser und das gesamte HauS teilnahmen. Am Nachmittag fand auf der „Hohenzoliern" daS übliche Eierfrrchen für die Mannschaften statt. — Am Ostermontag machte der Kaiser, der Reichskanzler rrnd sämtliche Herr- schäften einen Spaziergang auf den Berg Kyriaki. (Stegen Mittag zog eine Prozession, bestehend aus dem Geistlichen und den Einwohnern des Dörtes Gasturi durch den Park an dem Schloß vorüber. Der Kaiser, der Reichskanz'er und die übrigen Herrschaften standen auf dem Balkon des Schlosses. Der Geist- liche sprach den Segen über den Kaiser, worauf die Musikkapelle „Heil Dir im Siegerkranz" spielte.

J Der Vorstand der dentschen Antidnell-Liga hat an den Reichstag eine Petition bett, die Gesetz- gebung über den Schutz der Ehre eingereicht. In der Petition wird darauf hingewiesen, daß die beut» fette Antidnell-Liga bereits im Jahre 1905 Vor­schläge zur Abänderung der Bestimmungen des Strafgesetzbuches über Beleidigung, Ehebruch und Aveikampf usw. dem Reichskanzler habe überreichen lasten, daß aber die Erwartungen der Liga stark enttäuschst wurden. DeS weitern wird betont, daß am 1. Juni 1908 bet spanische Justizminister einen Gesetzentwurf über Beleidrgung, Zweikampf unb , Ehrengerichte den Torte- vorgelegt habe, einen ähn­lichen Schritt habe am 1. April 1909 der italienische .Jnstizmmistet unternommen. Für den deutschen Gesetzgeber am meisten bet Beachtung würdig er­scheint dem Vorstand der Liga der italienische Ent- tourf über Ehrengerichtshöfe. Im Zeitalter der Kammern für Handelssachen, der Gewerbegerichte, der Kaufmannsgerichte, sollten diese Gedanken auch in Deutschland auf einen empfänglichen Boden fal­len. Tie Liga bittet, die Petition dem Reichskanzler zu überweisen und gegebenenfalls bei den Beratun­gen über daS Strafgesetzbuch und über die Novelle

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Versichernna gegeben würde, daß kein Jesust, der auf Grund bei Kauzelparagradhen verurteilt würbe, je wieder eine deutsche Kanzel besteigen solle? Be einem solche« Versprechen würden tue Bischöfe gar kein Risiko laufen.

Im übrige« find wir der Ansicht, baß in den breiten Schichten bet andersgläubigen Bevölkerung eine sog. Jesuitenangst nicht existiert. Auch in den regierenden Kreisen nicht.

Angst hat man allerdings hier und da, nämlich Ang st vor den Hetzern vom Evangeli- scheu Bunde, die jeden Verzicht auf die unge­rechten Verfolgungsmaßregeln tote einen „Verrat an der evangelischen Kirche agitatorisch au 6- jubeitten drohen. Da stecken die gewerbs­mäßigen Friedensstörer!

Auch hier bereite tiefe Stille. Nur ab unb zu Ringes Vorbeihuschen einer dunklen, verdächtigen Ge­palt ober rübes Auflachen hinter bichtverfchlossi Fensterläden.

„Hallo, Frau Lewis! Da sind wir! Die Punkt- lichkeit selber, was?"

Jetzt öffnet die Frau die Tür ganz

Unwillkürlich schreckt Jngeborg zurück vor der plumpen Gestalt, dem welken Gesicht, dem unordent­lichen Haar des Weibes.

„Man wirb Sie hier am wenigsten suchen," raunt ihr Lorenz hte Ohr. „Also Mut! Und — vorwärts!"

„Was haben Sie mit mir vor?" bebt es auf»' neue über ihre Lippen.

„Das werden Sie morgen erfahren. Verlieren «ne nicht schon jetzt den Mut!"

Schweigend läßt Jngeborg das Köpfchen hängen. Ach, es ist gar so schwer, ein Opfer zu bringen — telbft für die Menschen, die man mehr Hebt, als alles auf der Welt!

Lorenz nimmt das heftig zitternde junge Geschöpf bei der Hand unb schiebt es durch die halbosfene Tür hinein in den von muffiger Lust erfüllten Raum, der nur durch eine auf dem staubigen Laden­tisch stehende Nachtlampe spärlich erhellt ist.

Sorgfältig schließt die Frau wieder die Tür. Dann ergreift sie die Nachtlampe unb schreitet ihren Gästen voran in ein schmale- Zimmer, das zwar auch nicht gerade sauber auSsteht, jedoch einen Schimmer von Behaglichkeit zeigt durch den gedeckten Tisch und die Teemaschine, in der bas Waffer lustig über der Spiritusflamme surrt.

Nun stehen die beiden vor der Mauer — an der Stelle, die der Bettler sich seit langem für seine ge­heimen Besuche ausersehen.

Wie der Wind hebt er die schlanke Gestalt empor­schlingt den einen Arm um sie unb klettert mit bet Geschwindigkeit einer Katze mit seiner leichten Last die geborstene Mauer empor.

Jetzt laugt von drüben ein anderer Arm her­über.

Und ehe Jngeborg noch einen klaren Gedanken jassen kann, steht sie bereite jenseits der Mauer auf einer hohen Dune.

„Ich bin'- — Lorenz Jespersen!" flüstert es ihr berubtgenb zu. ,Kleine Angst! Ich bringe Sie sicher fort!"

.. »immt ihren Arm in den seinen und schlägt d,e Richtung gen Tromsö ein.

Dem armen Mädchen vergeht fast der Atem bei bem rasenden Sauf tn eise-kaltem Nordwind. Doch kerne Klage kommt über ihre Lippen. Nur vorwärts, vorwärts! Damit sie bereits einen Vorsprung hat, wenn man dott oben ihre Flucht bemerkt! Damit man sie nicht einholt und zurückschleppt — ein Ge- genftanb der Mitleids!

Kein Wort fällt zwischen den beiden. Stumm erlen sie dahin. . . -

Gespenstisch ragen die grotesken Felsprofile zum nächtigen Himmel empor. Drunten kocht und zer­schellt die Flut an grausigen Felsriffen. Weitklaf- ternb schwebt ein schwarzer Nachtvogel daher, leise klagende Laute ausstoßend.

Die ganze Natur ist im Banne einer geheimnis­vollen, todbringenden Trauer. —-

Als sie die ersten Läufer von Tromsö erreichen, bleibt das Mädchen stehen, nm Atem zu schöpfen.

„Was —- was haben Sie mit mir vor, Herr Jespersen?"

„Später! Später!"

Ausland.

** Die Verwaltung Bosniens. Der gemein» fame österreichisch-ungarische Fmanzminifter erließ ui seiner Eigenschaft als Minister für Bosnien und die Herzegowina eine neue, den Wirkungskreis des Landeschefs der beiden Provinzen unb seines Stellvertreters beftimmenbe Verordnung. Darnach fungiert der Landeschef tatsächlich in allem als Chef der Landesverwaltung. Er fiihrt unb leitet die Politik der beiden Provinzen, wobei er dem ge­meinsamen Finanzminister unterstellt bleibt. Der Landeschef führt gleichzeitig als Armeeinspek- t o r den militärischen Oberbefehl im Bereiche des 15. und 16. Armeekorps, in welcher Eigenschaft er direkt dem Kaiser unterstellt ist. — Durch diese neuen Maßregeln soll dem Wunsche der gesetzgeben- den Körperschaften Bosnien- nach Erweiterung bei: Selbstverwaltung des Lande-zunächst in der Weist; entsprochen werden, daß das selbständige Verfügung-, recht des Landeschefs festgestellt wirb.

; Gegenrevolution tu Portugal. Wie in Lissabon bekannt gegeben wird, bat in der Nähe von Vinhaos ein heftiger Kampf zwischen Regie- rungstruppen unb einer großen Anzahl Monarchisten unter Eoneeiro ftattgcfuiiben. Die Monarch sten sollen nach schweren Verlusten zurückgeschlagen wor­ben fein. Ein Teil soll, wie weiter verlautet, auf spanisches Gebiet geflüchtet sein. Eoneeiro soll über 10000 beftbemaffneter Anhänger sowie über be« ffeutenbe Geldmittel verfügen. Die Regierung hat Truppenverstärkungen nach Vinhaos gesandt, da weitere Zusammenstöße erwartet werden.

** Während der Kflrfreitagsprozession kam es in C h a m u s k a (Portugal) zu einem wüsten Heber-

Helden der Pflicht.

Noman ans dem Land« der Mitternachtssonne so» ®3] Erich Friesen.

t Sv vergeh! Minute auf Minute . . und Vier­telstunde auf Viertelstunde . . .

i . bet Heine Zeiger ans Jngebsrgs Uhr

fer ihrem ttttmer nTfe5 P®

. N wmfonft getoartet? . . . Kommt er nicht, bet sie auS diesem Zwiespalt erlösen wollte?

Soll sie dazu beritrteüt sein, auch ferner dem Glück per b-eibeit von ihr st schwärmerisch geliebten Men. scheu int Wege zu stehen —: ein Gegenstand bei Mitleids?

Rein, nein! Alles, nur das nicht!

Trän«» steigen ihr in die Augen. In ohnmäch­tigem Zorn ballt sie die kleinen Hände--

Plötzlich hebt sie lauschend den Kopf. Sind daS nicht leist Fußtritte, draußen ans beut Kies?

. Da pocht es auch schon behrttsam dreimal an bi« Fensterscheibe.

Hastig öffnet sie das Fenster.

„Kommen Ste schnell!" raunt ihr die Reifere ©ttmiiie des Bettlers aus der Dunkelheit zu. e-,^n fliegender Eile schlingt sie einen schwarzen Tnnn»Vtm Utende Lockengetorrr, schlüpft m den tiern ^enmantel und springt ohne ZS-

0 e “ ^ter hinaus ins Frew.

kin Arm gepackt. Und ohne

tatten davon 2^?' ** beiden dunklen Gr-

-öerabe, als von oben aus dem hell d-r silberne Glockenton Ker ^roajf-U^ durch bie stille Nacht hallt --- hach

Vorbei^geht's au bet dunklen Freitreppe . , , vorbei au Lteinbrncken und Felskanteu — in slieaen^ her Eile, i* atemloser Hast. Wiederholt stolpert I«. jeborgs zarter Fuß über glitschiges Geröll. Der llumpe Arm ihres unheimlichen Begleiters bewahrt ie vor dem Fallen.

Vor einem besonders unansehnlichen Holzhause bleibt Lorenz stehen. Leise, nach einem bestimmten RythmuS klopft er an bie niebrtge Tür des kleinen LadenS.

Nach wenig Sekunden schon öffnet sich behutsam eine Türspalt-.. Der Kops einer Frau wird sichtbar.

LchnlÄig oder unschuldig — der Jesuit wird verbrannt!

„Ob wir mit Recht oder mit Unrecht heut« noch im Jesuitenorden den berufsmäßigen Slörer des kiugeffionellen Friedens erbticken, ist nicht von auS» schlliggebevder Bedeutung. Genug, daß der Jesuit gif gern ein als ein solcher Stereufried gilt, unv daß seine Zulassung zu öffentlichen Funktionen inner­halb der katholischen Kirche als ein großer Mangel an Rücksicht auf die evangelische Kirche empfimden werden würde.'

So schreibt in der Osteruummer die protestantisch- konservative „Kreuzztg." und zeigt damit das ver­derbliche Fortwirken der alten Vorurteile.

Ob der Angeklagte schuldig ober unschuldig ist, oll also nicht von ausschlaggebender Bedeutung ein. Es genügt, wenn er „allgemein" für schuldig gehalten wird. Dann muß man ihn beruriet­en und bestrafen. Wollte ihn ein gerechter Richter wegen Mangels au Schuld freilassen, so wäre das fine Rücksichtslosigkeit gegen die Leute, die ihn nicht eiben körnen!

Wir sind ehrliche Freunde des konfessionellen Friedens und wollen gern auf die protestantische unb übische Religionsgemeinschaft die sorgsamste Rück- iebt nehmen. Aber wenn man von uns verlangt, >atz wir einen der katholischen Orden auf dem Altäre )es Friedens opfern sollen, so erwarten wir doch ?rst den Nachweis, daß er wirklich ein Störenfried ist. Wegen des angeblichen „allgemeinen" Vor­urteils bars man uns doch nicht ein Ausnahme- besetz zumuten, das der katholische Bolksleil als eine Kränkung feiner Kirche, als ein Unrecht gegen bie betreffenden Ordensleute und als eine Schädigung feiner religiösen Interessen bitter empfindet. -

Was lvürde mau auf p-.otestantischer Seite bet der Umdrehung des Spießes sagen? Wenn wir z. B. erklärten: die Prediger, die Mitglieder des Evangelischen Bundes sind, gelten allgemein als Otörer des konfessionellen Friedens; ob mit Recht pder mit Unrecht, ist nicht von ausschlaggebender Bedeutung, denn auf jeden Fall muß ihre Zulas­sung zu össeutlichen Funktionen in der evangelischen Kirche als ein großer Mangel an Rücksicht auf die katholische Kirche empfunden iverden! — Darob würde ein „allgemeines" Schütteln des Kopfes ent­stehen. Man würde es für unglaubliche Anmaßung per Katholiken erklären, daß ihre Antipathie maß- hebeub sein solle für bie andere Religionsgesellschaft Sei der Auswahl ihrer Funktionäre. —

In demselben Artikel sagt die „Kreuzztg." ferner:

» Würde er (bet Jesirilenotdeitt fich auf bie Missio­nierung der eigenen Kirchs beschränken, so zwar, baß er auch innerhalb derselbeu nicht den Haß gegen ÜlnberZgläubige ober ihre Mißachtung predigte unb dadurch den Frieden der deulschen christlichen Bevölke­rung störte, dann schwänden bie Bedenken gegen seine Zulassung zu Bredigt unb Sakramentsverwaltung. Aber so »eit sind wir noch lange nicht."

Aber, verehrte „Krenzztg." s o lv e i t s i u d w i r schon läng ft. Man zeige uns doch endlich mal $ i e Jesnite», bie Haß gegen Andersgläubige oder Verachtung derselben gepredigt haben sollen!

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Rotation »brvck A. Verla- der stuidarr

monatstxuage: „Kilöa« GeschichtrblStter"

Dann füllt sie aus der Teernafchine eine Taffe unb reicht sie bem Mädchen.

„Trinken Sie, Ksttd! wird Ihnen gut tun. Sind müde, was? Kein SSunber! Armes Schäf- chen! Ich will Ihnen lieber gleich bie Schtafkam- mer zeigen.

(Fortsetzung folgt.)

Nüßten bisst Bestrebungen nicht eher gesetzlich be> , ampst werben, als bie Tätigkeit der Jesniten, bie wirklich auf bie Erhaltung der e i g e n « n Glaubens- Henoffen i» Religion uub Tugend gerichtet ist? A Da er sich jetzt um bie Frage handelt, ob bie ; Jefuiten i u b e n Kirchen religiöse Vorträge hal- en dürfen, fo kommt jaberKauzelparagraPh sls Garaitti« des Friedens in Betracht. Würden . vielleicht b* „Krenzztg." unb ihre Freusbe der bahe- . Ischen Gefetzauslegung zusttmmeu» wenn chnen die