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Meines Zenitletou.

— Lustballsnsüllungen. Zum Füllen von Luft» ballonS benutzt man entweder Leuchtgas oder Was- serftosfgas, doch wird letzteres vorgezogen, da es be­deutend leichter ist, als Leuchtgas. Ein Kubikmeter atmosphärisch? Luft wiegt auf der Erde etwa I14 MUonramm, die Luftmenge eines mittelgrotzen Wohnzimmers also etwa 80 bis 100 Kilogramm, (hn Kubikmeter Wasserstoffgas wiegt aber nur ca. 100 Gramm rind kann sonach mehr als 1 ,Mo Ge­wicht hochheben. Ein Kubikmeter Leuchtgas hin­gegen wiegt ungefähr 500 Gramm und leistet dem­entsprechend viermal weniger als Wasserstoffgas. Mit anderen Worten: Ein Ballon mit 5000 Kubik­meter Leuchtgas hebt dasselbe Gewicht wie ein klei­nerer Ballon, der nur 100 Kubikmeter faßt, aber mit Wasserstoffgab gefüllt ist. Ju der Praxis der Luftschifferci find natürlich noch viele andere Mo­mente in die Berechnung zu ziehen. Die Steigkraft eines Ballons oder Luftschiffes ist gleich dem Ge­wichte der von ihm verdrängten Luftmafse, das, wie oben gejagt, ganz beträchtlich ist, vermindert um das Gewicht des Luftballons und seiner Ausrüstung, und ferner vermindert um das Gewicht des Füllgases. Beide Gewichte, und hiermit auch die Steigkraft des Ballons, ändern sich aber mit dem Luftdruck und der Tcui^eratur. Ze höher, desto leichter wird die atmosphärische Luft, der Luftdruck wird geringer, oas Gas dehnt sich aus, und der Ueberschuß, den die 2U“C urcht mehr fassen kann, entweicht durch die Lichc rhertsventile. Auch durch erhöhte Temperatur, z. B. durch Sonnenbestrahlung, dehnt sich das Gas 2Ur’ o Echterdingen verunglückten Zep-

pelin-Luftschiff verursachte ein Unterschied von nur einem Grad Warme einen Mehr- oder Minderauf­trieb von 60 Kilo, und da Zeppelin sowohl am hei­ßen -t,age als auch in kühler Nacht fuhr, konnte er Temperatur-Unterschiede bis zu 15 Grad feststellen, was einem Unterschied der Tragkraft von 18 Zent­nern cntstiricht. vs.

Die Schaufensterreklame nimmt in de« Großstädten immer drolligere Formen an. Im Winter macht die effektvolle Beleuchtung, ixt der

geradezu Zauberbilder geschaffen werden können, viel aus; lverden die Tage länger, so wird auf Plastische Gegenstände gesonnen. Das neueste ist wohl, daß naturgetreu dargestrllte Menschen und Tiere hinter die Scheiben kommen, die aber nicht wie in den Modegeschästen mit den zum Kauf stehen­den Artikeln etwas zu tun haben, sondern nur dazu dienen sollen, das Publikum zum Stillstehen und zur Schau zu bewegen. So sieht man jetzt in Ber­liner Auslagen einen richtigen Kettenhund mit fletschenden Zähnen, der sich mit aller Gewalt von seiner Hütte losreißen und durchs Fenster springen zu wollen scheint. Weiler ist u. a. da ein strenger Schutzmann, der konimandiereu zu wollen scheint: „Weiter gehen, werter gehen!", aber natürlich das Gegenteil erreicht. Dort ist ein Schaufenster an­scheinend von einem Schuß oder Steinwurf durch­löchert und lange Sprünge durchziehen die Glas­scheibe. Der verblüffende Effekt ist durch sorgfäl­tiges Aufkleben von schmalen Staniolstreifen erzielt worden. Auch einen Dieb, der einen Geldschrank mit allen Künsten der modernen Verbrecherzunft zu offnen sich bemüht, schauen wir. Und das Pub­likum bleibt stehen, lacht und spricht davon. So kommt es doch am Ende zu manchem Einkauf. Wir sehen, der Geist des Kaufmanns darf nimmer rasten, am wenigsten in der großen Stadt, wo die wichtige persönliche Bekanntschaft, die so viel zum Betriebsgedeihen beiträgt, sortsallt.

— Aus de» Reiche der Planeten. In Nr. 4546 der „Astronomischen Nachrichten" veröffentlicht der Ingenieur H. Nies das Resultat langjähriger Be­rechnungen, das geeignet sein dürfte, das größte In­teresse zu erregen. Er beweist an der Hand von Zahlen, daß auch die Rotation der Planeten kein Produkt des Zufalls ist, sondern daß sie ge­setzmäßig erfokat und ihre Ursache in der Zentral­beschleunigung durch die Sonne besitzt. Welche Um­wälzungen btt Entdeckung des „Rotationsgesetzes" in den Anschauungen über den Aufbau des Weltall« im Gefolge haben wird, läßt sich noch gar nicht ab­sehen- Doch läßt sich jetzt schon annehmen, daß es eine neue und sicherlich wirksame Waffe gegen die noch immer herrschende Kant-Laplacesche Hypo- theie btt PlanetenentstchmV darstelle« kann- th

JV» Z9.

amstag öen 6. April

59. Zahrganq.

fuldaer M Zeitung

3. Blatt.

druck und Verlag der fiitlbaer Actiendruckerft in Xelba.

Mus Mrche und Schule

Fort-

AUS dem ttachbaraebiete.

Bon

Ein neuer

dem Lehrling flüchtete.

Literarisches.

Roman aus dem Leben der Albaner

vor er Italien von den Mächten diktiert werde. Für die darin liegende Demütigung könne eS den Kriegs­hetzern danken, die in den nationalistischen Blättern das große Wort führten.

Diese Ausführungen lassen erkennen, wie groß das Maß der Unlust in Italien bereits geworden ist, wenn gleich die Auffassung Girettis zunächst von der Mehrheit des italienischen Volkes wohl noch nicht geteilt werden wird.

Amt Geisa und Umgebung.

* Vacha, 5. April 1912. Das furchtbare Brandunglück in Vacha, das in der Nacht vom 30. zum 31. Dezember v. I. die Bewohner dieses Ortes mit Entsetzen erfüllte und ob seiner Trag­weite auch außerhalb großes Aussehen erregte, fand vor der Strafkammer in Eisenach jetzt ein Nach­spiel. Im Ruppelschen Gasthaus war bekanntlich durch die Gäste beim Suchen nach einem Geldstück die Lampe nmgeworfen worden, wodurch das Haus in Brand geriet und zwei Töchter des Wirtes den Flammentod erlitten. Der Maurer Franz Nitsch e r aus Vacha stand nun vor dem Gericht, da er mit der verhängnisvollen Lampe hantiert haben sollte. Daß der Angeklagte die Lampe in der Hand batte, das leugnet er nicht, wie aber das Unglück geschehen konnte, darüber konnte er keine Auskunft geben. Die Strafkammer verurteilte N. wegen fahrlässiger Brandstiftung nach § 309 des St.-G.-B. (Tod eines Menschen als Folge des Brandes) zu drei Monaten Gefängnis, die durch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt erachtet werden sollen. Das Gericht stellte fest, daß fahrlässige Brandstiftung ohne Zweifel vorliege.

* Pferdsdorf (RhölU, 5. April 1912. Bei der Submission zum Bau einer Wasserleitung zeigte sich zwischen der Höchstfordcrung (39 526 30 Mk.l und der Niedrigstforderung (27 844,80 Mk.) ein Unter­schied von 11681,50 Mark.

* Tiefenort, 5. April 1912. Für die Gewerk­schaft Kaiseroda gelangt für das 1. Vierteljahr 1912 eine Ausbeute von 200 Mk. je Kux zur Ver­teilung.

beginnt in dem soeben erschienenen 13. Heft des „Deutschen Hausschatzes": „Kin Matija, der Bandit." Im übrigen trägt das reich illustrierte Heft (43 Bilder) mehr österlichen Charakter, der Zeit ent­sprechend. Besonders hervorheben möchten wir die großartigen Bilder von Ernst Wante, ferner „Ein Em nausgang am Ostermontagmorgen im Heiligen Lande". Hübsche Illustrationen hat auch der Artikel „Ein bayerischer Malerwinkel", Kallmünz im Nab- tal. In dem zweiten Roman „DaS Geheimnis von Siebcnstcin" wird die Geschichte immer verwickelter. Ein tüchtiger Detektiv hat sich der geheimnisvollen Sache angenommen, aber jedesmal, wenn er einen Faden in der Hand hat, entwischt er ihm wieder. " Es soll uns wirklich wundern, wie wir schließlich aus diesen Wirrnissen herauskommen.

Die Apostelgeschichte von Dr. @. Sentier. 8°. 555 Seiten und 2 Bändchen. Mit kirchl. Druckerlaub­nis. Broschiert 3.— Mk., gebunden 4,20 Mk. , Ein großes biblisches Unternehmen hat in dem -

Berlage Carl Ohlinger in Mergentheim durch die eben veröffentlichte erste Erscheinung: Die Apostelgeschichte einen herrlichen Anfang genommen und eine lobens­werte Probe abgelegt. In zielbewußter Aufeinander­folge sollen die Schriften des alten und neuen Testa­mentes in Text und Erklärung für Theologen und Laien brauchbar dargestellt werden. Die vorliegende Apostelgeschichte ist für das Unternehmen mustergültig. Es ist ein interessantes, weil ganz neu geartetes Buch. In die Erklärung hinein ist der Originaltext teils wörtlich, teils sinngemäß hineingeflochten. Die ganze Darstellung liest sich so als eine spannende geschicht­liche Erzählung, die uns mit dem Ringen und Käm­pfen der jungen christlichen Kirche aufs beste bekannt macht. Der Erklärung folgt die monatliche Ueber- setzung nach dem griechischen Texte. Der gelehrte Verfasser zeigt sich überall als gründlicher Theologe, als ausgezeichneter Exeget, als bewanderter Historiker und als ein ganz vorzüglicher Philologe. In diesem Buche ist die schwierige Frage: Wie kann man auch dem Laien die hl. Schriften der Bibel gründlich er­klären, ohne den für ihn ungewohnten wissenschfaklichen Apparat glücklich gelöst.

Aus Oberhessen u. den Hess. Aemtern.

= Kirchhain, 4. April 1912. Gestern tagte der Kreistag für den Kreis Kirchhain. Folgende Punkte der Tagesordnung seien erwähnt: Als Kreisdeputierten wurden gewählt: Ritterguts­besitzer Hauptmann a. D. von Goldammer, Hof Plausdorf und Gutsbesitzer Bopp in Kteinseelheim. Ferner beschloß man die Aufnahme eines Darlehns von 22000 Mk. zur Deckung der restlichen Grund- erwcrbskosten für die W ohra talbahn. Der Kreisetat wurde in Einnahme und Ausgabe mit 143900 Mk. genehmigt. An Kreissteuern werden erhoben: 50 Pro,, allgemeine Kreisstenern einschl. 10 Proz. Bezirks steuer = 77 714 Mk., unter Zu­rechnung der Be'riebs-, Hunde- und Schankst uer insgesamt 83 179 Mk. Unter den Ausgaben werden 400 Mk. für Abhaltung von zwei Kursen der Wanderhanshaltsschute genannt. In dem Bericht des Kreisausschnsses über die Verwaltung und den Staad der Kreis-5kommunal-Angelegen< heften im letz'en Jahre wird besonders darauf hin­gewiesen, daß die Verhandlungen wegen Verstaat­lichung der Ohmtalbahn fortgesetzt werden und der Ausbau der Nebenbahn Kirchhain—Ge« münde« im Ganae ist.

* Kirchhain, 4. April 1912. Vergangene Woche ianö der diesjährige Unterverbandstag der Raiffeisen-Vereine im Kreise Kirchhain statt. Nach kurzer Begrüßung gedachte der Vorsitzende, Metropolitan Eoldan, in warmen Worten der Verdienste des so früh und unerwartet schnell aus oem Leben geschiedenen seitherigen Unterverbands- direktors Pfarrer Gruß, früher in Allenftorf, zuletzt in Fulda. Die Anwesenden ehrten das Andenken des Verstorbenen, indem sie sich von ihren Sitzen erhoben. Nach vorheriger Einigung wurde Pfarrer Schlitt zu Mardorf zum Unterverbandsdirektor und Pfarrer Korfl zu Holzhausen zum Stellver­treter gewählt. Genossenschaftsdirektor, Pfarrer a. D. Schüler zu Kassel, ersiaf ete Bericht über den Unterverband, über die Filiale und Zentrale. Er entrollte ein recht anschauliches Bild vcn dem 'Wirken und Schaffen der einzelnen Genossenschaften im Unterverbauft Kirchhain. Landgerichtsrat Klingen« biel-Marburg gab noch mancherlei Ergänzungen und sachgemäße Aufklärungen zu dem Bericht und gab besonders Ausschluß über die Kornhausfrage und deren Gestaltung in nächster Zeit. Dann sprach Pfarrer Dippel-Immenhausen über: „Unsere Organi­sation".

* Fritzlar, 4. März 1912. Der Kreistag des Kreises Fritzlar erklärte sich grundsätzlich damit ein- berftanben, daß sich der Kreis an der Gesellschaft zur Betreibung der Talsperren-Elektrizitäts- zentrale beteiligt. Geplant ist, folgende Ge­meinden an die Zentrale anzuschließen: Besse, Cap­pel, Dissen, Dorla, Ermetheis, Geismar, Gleichen, Grifte, Großenglis, Haddamar, Haldorf, Holzhäusern Kirchberg, Kleinenglis, Maden, Metze, Niedenstein, Obermöllrich, Obervorschütz, Udenborn, Ungedan­ken, Uttershausen, Wehren, Werkel, Wichdors und Jennern. Fritzlar, Gudensberg, Wabern usw. ha­ben zumteil ein eigenes Werk oder sind vorläufig noch an andere Werke angeschlossen. — Der Kreis­tag setzte den Hciushaltungsplcin in Einnahme und Ausgabe mit 118 340 Mk. fest. Es sollen wieder 10 Proz. Bezirkssteuern und 15 Proz. Kreisstenern er­hoben werden.

* Ein Kursus für Lehrer an ländlichen bildungsschulen soll in diesem Jahre in Schlu ch- tern, voraussichtlich in der Zeit vom 15. Juli bis 3. August unter der Leitung des Geheimen Regie- rungs- und Schulrats Dr. Quehl und des Kreis- chulinspektors Gonnermann abgehalten werden. Zu­gelassen werden Lehrer aus allen Kreisen des Re­gierungsbezirks. Den Teilnehmern werden die ba­ren Auslagen der Eisenbahnfahrt 3. Klasse, sowie Beihilfen zu den Unterhaltungskosten bis höchstens 4,50 Mk. für den Uebernachtungstag und 2,50 Mk. für den Tag ohne Uebernachtung bewilligt.

tet lverden.

* Kassel, 5. April 1912. . Ter wchhrige Sohn eines Unterbeamten in Wetstheiden wurde in der Kammer erhängt an der Türklinke aufgesuu- ften. Ter Junge batte sich mit seiner etwas älteren Schwester >:m Nichtigkeiten gezankt und haste in plötzlicher seelischer Depression Hand an sich gelegt.

8 Eschwkge, 3. April 19l2. Die Stadtverord­neten genehmigten in ihrer gestrigen Sikung in der Hauptsache mit der Beschaffung eines 600pser- digen Dieselmotors mit Teerö Verbrennung für das städtische Elektrizitätswerk zum Preise von 123000 Mark.

* Aus Thüringen, 5. April 1912. In der Fär­berei von Schütz it. Leube in Gera explodierte ein Dampfkessel. Dabei wurde der Ingenieur Bier­wirth getötet; 2 Arbeiter wurden schwer verletzt.— In eurem Flutgraben des Kösener Wehres wurde unweit des Kurhauses der protestantische Pastor Mohr aus Bebau, der seiner Gemeinde 103000 Mark veruntreute und flüchtete, als Leiche geläadet. — In Eisenach wurde infolge geringer Wahlbetei­ligung der bürgerliche» Kreise der fünfte Sozial- dewotrat in d n Gemeinverat gewählt.

* Wiesbaden, 5. April 1912. Hebet das Ver­mögen der .Rohstoff-Genossenschaft für das Eisengewerbe* zu Wiesbaden wn.de der Konkurs eröffnet. Die Rohstoff-Gcuossenschaft der Schlosser, wie man diese kurz benennt, ivnrde nn Jahre 1901 gegründet und zählt 36 Mitglieder Tie Genossenschaft ist am 1. November 1911 in Liquidation getreten; die Lchliidationsbilanz ze'gte bereits eine Unterbilanz von 98000 Mk. Der Zu­sammenbruch dürste für viele der Genossen recht bedenkliche Folgen haben. Die aezetechneten Haft­summen erreichen die Höhe von 210000 Mk

Nähe liegenden Hotels gelockt. Dort nahm der Mann unter Bedrohung 400 Mark ab und

* Aus dem Sinngrunde, 5. April 1912.

Jossa nach Sterbfritz wird demnächst ein Do p p el- gl eise gelegt, um durch einen Doppelsehieneuver- kehr eine Entlastung im Güterbahnhof Geiniinden und Elm zu erzielen. Falls sich diese Doppel-Teil­strecke bewährt, soll dann unmittelbar die Strecke Gemunden-Elm zweigleisig ausgebaut werden. In Obersinn soll noch Heuer eine Halte st eile crrich-

* Nom, 5.April 1912. Der hl. Vater empfing am Dienstag 25 Delegierte des internationalen Ver­bandes der katholischen Frau en - Vereine. Die Delegierten vertraten Deutschland, England, Oesterreich, Belgien, Frankreich, Spanien, Portugal rc. Die Gräfin de Välarft überreichte dem hl. Vater nach einer Ansprache 9 Bände mit dem Versprechen von fast 10 Millionen Kindern, für den Papst die hl. Kommunion auszuopsern. Der hl. Vater dankte und pries in seiner Erwiderung besonders die Kinder- Kommunion als dir Wurzel alles Guten für die Zukunft der Menschheit. Darauf spendete er den Anwesenden den apostolischen Segen.

4- Die Kriegslage in Tripolis beginnt begreiflicherweise die italienische Bevölke­rung mit Ungeduld und Unlust zu erfüllen.

Seit sechs Monaten trägt das italienische Volk oie Lasten eines Feldzuges, die ihm bisher auch noch nicht den kleinsten greifbaren Erfolg gebracht hat. Trotzdem Italien 100 000 Mann an die Küste Tri- polrtaniens geworfen hat, ist es über eine Besetzung der Kiiftcnzone nicht hinausgekommen und selbst hier ist die Lage seiner Truppen durchaus keine an­genehme. Fortgesetzt'sind die italienischen Soldaten plötzlichen Ueberfällen und Angriffe» seitens der Eingeborenen ausgesetzt. Längst ist man in Italien zu der Einsicht gekommen, daß man die Türkei auf die bisher geübte Weise nicht zum Rachgeben zwin­gen kann.

Ter Türkei verursacht die Führung des Krie­ges bisher nur ganz geringe Kosten und ein Risiko hat sie überhaupt nicht. Daher sind auch alle Be­mühungen der Machte, eine E i n i g u n g zwischen Italien und der Türkei herbeizuführen, an dem Widerstand der Türkei gefdieitert, die auf der Grundlage des italienischen Annexiousdekrets eine Verständigung mit Italien rundweg a b l e h n t. Auf der anderen Seite kann man es verstehen, daß die italienische Regierung, nachdem sie sich ' einmal auf das tripolitauifche Abenteuer eingelassen hat, und sehr vorschnell das Annexionsd.kret erlassen hat, nicht mehr gut zurück kann, ohne die Volksstimmung auf das schwerste zu verletzen. Aus diesem Dilemma cineit Ausweg zu finden, lvird außerordentlich schwer, wenn nicht ganz und gar unmöglich sein. Die Türkei wird unter keinen Hmständen nachgeben, wenn sie nicht in ihren! Lebensnerv bedroht wird.

Wiederholt schon haben durch.die Presse Ge- riuhte die Runde gemacht, nach denen Italien ent- schlosien sein sollte, die Dardanellen zu f o r- c i c re n, also sich die Durchfahrt durch sie nach Konstantinopel zu erzwingen. Aber bisher ist jeder derartige Versuch seitens der italienischen Flotte unterblieben. Aus gutem Grunde, denn einmal mürbe eilte Forcierung der Dardanellen sicherlich keine nngesährliche Sache für die italienische Flotte sein. Die Türkei hat Zeit genug gehabt, und sie auch soviel man aus Blättermeldungen erfahren hat, gut genutzt, um die Dardanellen durch Sec- nünert zu schützen. Wirksamer aber vielleicht noch als die Krupp'fchen Kanonen und die ausgelegten Minen schützen die Dardanellen und Konstantinopel die Interessen der Großmächte. Die Großmächte haben Italien von Anbeginn des Krie­ges an keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie keinerlei Maßnahmen Italiens zulassen werden, die das Interesse dieser Großmächte schädigen könnten. Erst in seiner jüngsten Rede hat der englische Mi­nister des Auswärtigen im englischen Unterhaus nach dieser Richtung hin an die ANkesse der italieni­schen Negiernng eine eindringliche Mahnung ge­richtet.

An den Küsten Albaniens und Mazedoniens ist die italienische Flotte ebenfalls zur Untätigkeit ver­urteilt. So sicht die italienische Regieruug sich überall, ivo sic mit einem Angriff Aussicht auf Er­folg haben könnte, die Hände gebunden. Die Be­geisterung, die bei der Eröffnung der italienischen Kammer emporflammte, hat sich angesichts alt dieser Schwierigkeiten schnell wieder gelegt. An feine Stelle ist eine wachsende Unlust getreten und so er­klärt es sich, wie der bekannte italienische Wirtschafts- Politilcr Giretki im Mailänder „Secodo" es wa­gen darf, in einer Weife gegen den Tnpoliskrieg zu schreiben, wie man es noch vor 1 innigen Monaten nicht für möglich gehalten haben würde. Er schreibt U. a..

mir wahnsinnige Nationalisten könnten davon fa« bein, (ich gegen ganz Europa auszulehnen, Smyrna, Saloniki, die Dardanellen anzugraisen, Konstantinopel zu hcsicheu iifux «.chuidig sei die italienische Regie- rung, die sich vor der Kriegserklärung fein klares Bild von den zu überwindenden Schwierigkeiten ge- wacht habe. ■ Die Mächte hätten in Wahrung ihrer berechtigten Interessen alles gewährt, was sie ver­nünftigerweise gewähren könnten, und Italien habe die Geduld der Btächte auf die äußerste Probe gestellt. Jetzt sei die höchste Zeit zur Umkehr. Das unglückliche Einverleibungsdekret mässe zurückge­zogen lverden, damit der Friede möglich werde, be-

* Betriebsunfälle in der Schwerindustrie. Auf der Schachfanlage der Zeche Biktor bei Rauxel wollten zwei Arbeiter einen Kessel reinigen. Einer von ihnen wurde von den noch im Kessel vorhandenen giftigen Gasen betäubt. Sein Kamerad stieg ihm nach, um ihn zu retten, doch auch er brach bewußtlos zusam­men. Beide wurden später als L e i ch e u g e b o r g e n. — Aus Schacht 4 der Zeche Westende bei Duisburg er­folgte vorzeitig eine Sprengschutzexplosion. Ein Arbeiter wurde' sofort getötet; zwei erhielten le­bensgefährliche Verletzungen.

* Postdiebstahl. Aus der Bahnhoszweighalle des Postamts Schönebeck (Elbe) ist am 2. April gegen 10>/2 Uhr abends ein Wertstück an Postamt Magdeburg 1 mit 384000 Mark Inhalt und ein Geldbrief­beutel mit 2 Geldbriefen über 1067,18 Mk. und 600 Mark und etwa 15 Bunden mit gewöhnlichen Briefen gestohlen worden. Die Nachforschungen nach dein Ver­bleibe der Sachen und nach dem Täter sind bis jetzt ergebnislos geblieben. Auf die Wiedererlangung des Geldes und die Ergreifung des Täters sind 1000 Mk. Belohnung gesetzt. Im Postraum war Schwefel abge­brannt, um Polizeihunden die Witterung zu nehmen.

* Das erste Radiumiustiiut i» Deutschland ist nun­mehr in Berlin seiner Bestimmung übergeben wor­den. An dem neuen Institut werden mehrere der be­deutendsten Nadiumforscher Deutschlands tätig fein.

* Grossen Durchstechereien, die ein Theater- billetverkauf in der Mohrenstraße in B e r li n sich zu Schulden kommen lieh, ist man auf die Spur gekommen. Der Inhaber Briuitzcr und seine Ange­stellten wurden von der Kriminalpolizei zwecks Klä­rung der Sachlage fcftgenomnien. Die Durchsteche­reien wurden dadurch entdeckt, datz bei den Theatern die Kasse der Besetzung nicht entsprach.

* Im Methylalkoholprozeß beantragte der Verteidi­ger Rechtsanwalt Werthauer die Verhandlung a b zu - brechen und die Sache der Staatsanwaltschaft zu- rückzugeben zur-nochmaligen gründlichen Bearbeitung. Die Verteidiger stellten SaftentlaffungSanträge. Das Gericht lehnte die Anträge ab. Es beschkoh den Haftbefehl gegen Zastrow aufzugeben und die Haft- entlassung Dahles von einer Kautionsstellung von 6000 Mark abhängig zu machen.

* Ter Osteroder Offiziersmord. Aus Neundorf wird zu der Osteroder Mord- und Selbstmordaffäre noch gemeldet, datz der Vater des Musketiers Emers- leben feit Jahren schon nicht mehr geistig nur« m a I ist. Vom Gericht ist ihm ein Vormund bestellt worden. Die Schwester des Mörders leidet schon seit längerer Zeit an Schwermut. Ein Onkel des Mörders in Staßfurt hat seine Frau umgebracht. Diese Mo­mente machen es wahrscheinlich, datz der Mörder des Hauptmanns Reelsch für seine Tat nicht ganz berani- wortlich gemacht werden konnte, da er stark erblich be­lastet war.

* Einer Ordensschacher-Asfäre ist man in A a ch e n auf die Spur gekommen. Die dortige Kriminalpolizei verhaftete bei einem Versuch eines Ordensschachers den früheren Rechtsanwalt Fasz. Fasz ist bereits we­gen Betrugs mit sechs Monaten Gefängnis vorbestraft.

* Beraubung eines Banklehrliugs. Ein 15 Jahre alter Lehyliqg einer Breslauer Baukfirma, der von dem Postscheckamt Geld abgehoben hatte, wurde von einem Manne in ein Zimmer des in der

vermischtes.

* Eine Geschäftsstelle für Aerzte, deren Aufgabe neben anderen hauptsächlich die ist, das Rechnungs­wesen der einzelnen Acrzte sowie die Einziehung der Honorare für diese zu besorgen, ist in Münster in Westfalen seit einem Vierteljahr in Tätigkeit und hat den Beifall aller beteiligten Kreise gefunden. Die Acrzte sind von der zeitraubenden Schreibarbeit ent­lastet und ihr Rechnungswesen ist in jeder Weise ge-' ordnet.

* Der Kampf um die Eisenbahnschwelle ist zwi­schen den beteiligten Industrien entbrannt, und es tobt ein heftiger Kampf für und wider die Holzschwelle. Die Eiscubahnderwaltungen haben sich bisher nicht cntschlietzen können, nur Holzschwellen oder nur Eisen­schwellen zu verwenden. Nun sind sowohl Holzhandel wie auch Eisenindustrie bestrebt, das Monopol der Eisenbahnschwellen zu erlangen, was für sie große Einnahmequellen bedeutet. Der Holzhandel hat sogar zu Propagandazwecken ein eignes Organ „Die Holz­schwelle" gegründet. Vorläufig verwendet die Eisen­bahn jedoch noch beide Schienenarten, und so wird es Wohl bleiben, da sich die Schienenrinterkage den Ter- ramverhältnissen anpassen mutz. Auf diese Weise erhalten beide Industrien große Auftrage und große Geldsummen Bleiben in Deutschland, während bei der ausschließlichen Benutzung von Holzschwellen das dafür aufgewendete Geld zum größten Teil nach dem Aus­lande fließen würde.

Handel itnb Industrie.

* Berlin, 4. April 1912. Vor einer viertägigen Pause zeigte die Börse sonst eine erhebliche Stim­mung. Man will sich nicht auch die Feiertage mit Sorge abquälen. Alles was nicht ganz verläßlich war, wurde daher in den letzten Tagen „glattge­stellt". Heute zeigte sich unverhältnismäßig viel Unternehmungsgeist, der der gesamten Industrie zu­gute kam.

Man verlange

Preisliste.

Ä

Reklamen- und Anzeigenteil.