JV& VL Aittwoch den s. April (912 39. Jahrgang.
" fuldaer S Zeitung
2. Blatt.
6*6 vertag der Aüdaer Uditibniflttci i» Selbe.
das
1900
1911
9,70 14,50
5
8,95 12,30 15,20 20,75
1. der Gruppe von 900 M. und darunter elwa.....
2. der Gruppe v. 9- 0 3000 M.
3. der Gruppe über 3000 M.
4. der Gruppe über 900 Mk.
(Gruppe 2-|-3) . . . . Gesauitein kommen (Gruppe 1+4)........
1905
5,50 5.20
4,50
6,2 i
8,10
6,40
Diese unangebrachte Milde gegenüber sozialdemokratischen Abgeordneten, die dadurch in ihrem frechen Uebermut nur noch bestärkt werden, ruft die Erinnerung wach an die Zeiten des Bülotoblockes, zu denen dem Präsidium zwei Herren angchörten, die ihm auch jetzt wieder angehören, die Herren Kaempf und P a a s ch e. Ein schärferer Gegensatz zwischen damals und heute lässt sich kaum denken. Damals blieb auch die zahmste Bemerkung aus sozialdemokratischem Munde nicht ungerügt, der Ordnungsruf regierte wie nie zuvor. Und heute? Heute kann die Sozialdemokratie sich völlig ungestraft in den schärfsten Beleidigungen und Verdächtigungen ergehen. Die Herren Kaempf, Paasche und Dove führen ein mildes Regiment. Im Interesse des Ansehens und der Würde des Reichstags und auch im Interests des Präsidiums möchten ton wünschen, daß die Herren Kaempf und Paasche die Energie wiederfänden, über die sie zu Zeiten des Bülotoblocks in so reichlichem Maße verfügten.
sachlichen Gründen abgcht, das ersetzt er durch systematische Skandalmacherei. Die Abgeordnetenko.nl« nier gewährt das Bild einer Matrosenlneipe. Wer oben auf den Tribünen die Entwicklung im Sitzungssaal verfolgt, muß meinen, daß man es hier nicht mit Gebildeten zu tun hat, sondern mit einer Schar Wilder.
4,50
4,00
3,80
7,80
1892
3,25 2,90
2,80
5,70
kerungsschicht, welche nur 900 <4t und darunter aufweist, ist, wie gesagt, von 70 Prozent aus 41,2 Prozent heruntergegangen ; ihr Gesamt ein- kommen hat sich aber trotzdem verdoppelt. Sie hat also am Gesamtausstieg, an der Hebung des Gesamteinkommens in sehr starkem Maße teilgenommen. In hervorstechender Weise haben sich auch jene Schichten entwickelt, bereit Jahreseinkommen 900 bis 3000 X beträgt. Ihr Gesamteinkommen
Lehre von der fertschrritenden Berele». düng der Maße» Mr wohl seine Richtigkeit hätte. Dem tjt aber nicht s a. Ganz abgesehen davon, daß bei der angeführte» Ziffer nicht dir wirklichen Familie« eiskounne» erfaßt sind, sondern das Einkomme» der einzelnen Haushaltungen vielfach in zwei oder mehrere Teile zerfällt, stehen auch die Ergebnisse der Statistik im direkten Gegensätze zur Lehre der Massenverelendung; sie widerlegen dieselbe ganz gründlich.
Im Jahre 1892 Ware» noch 704 Prozent aller Einwohner Preußen- von der Steuer befreit, weil ihr Einkommen 900 X nicht überstieg, im Jahre 1911 dagegen war dieser Prozentsatz auf 41,2 Prozent heruntergegangen. Während also 1892 noch nicht drei Zehntd der Gesamtbevölkerung Preußens mehr al- 900 X Einkommen hatten, hat sich diese Zahl im Jahre 1911 rund verdoppelt; heute haben rund sech- Zehntel des ganzen preußischen Volkes über 900 -^Jahreseinkommen.
Noch wichtiger ist der Zuwachs, der sich in der Einkommensgruppe von 900 bis 3000 X seit der Einführung der preußischen Einkommensteuer ergibt. Es wurden in dieser Gruppe gezählt: 1892 2,1 Millionen Steuerzahler mit einem Gesamteinkommen von 2911 Millionen Mart; 1910 war die entspre- chende Ziffer 5,5 Millionen Steuerzahler, der gesamtes Einkommen nunmehr 7675 Millionen Mark betrug. Die Bevölkerung ist in dieser Zeit aber nur um ein Drittel gewachsen, sie hat sich von etwa 30 auf 40 Millionen vermehrt. Das Einkommen dieser Schicht ist also in viermal rascherem Tempo angestiegen als die Bevölkerungszunahme. Die einzlene Gruppe zeigt folgende Entwicklung. Es betrug das Gesamteinkommen in Milliarden (1000 Millionen) Mark:
daß ein sehr großer Teil des Gesamteinkommens dieser letzten Gruppen wiederum auf die mittlere Schicht entfällt. Heute darf man jene BevölkerungS- kreise, die zwischen 3000 bis 6500 X jährliches Ein- kommen haben, noch nicht zu den besonders Reichen rechnen, sie bilden vielmehr da- Gros deS obern
Q Vorschußlorbeeren.
Nach dem Empfang des Reichstagspräsidünes durch den Kaiser sang die gesamte liberale Preß« ein Loblied auf die Geschäftsführung des liberalen Präsidiums. Mit den Tatsachen will biel Lob aber durchaus nicht übereiustimnien. Der Gang der Verhandlungen war in dem ersten TagungSab- schnitt überaus schleppend, die Debatten gerieten wiederholt ins Uferlose. Trotz der nahezu acht- wöchigen Dauer des Tagungsabschnittes hat ber Reichstag nichts Wesentliches vor sich gc- bracht, mit der Etatsberatung ist er noch ganz erheblich im Rückstand.
Wir gestehen zu, daß die unsicheren Mehrheit». Verhältnisse in diesem Reichstag ein Hemmnis eineflotten Ganges der Verhandlungen sind. Mer bei etwas Entschiedenheit und Tatkraft des PräsidiumS hätten die Geschäfte des Reichstages doch eine wese»1» liche Förderung erfahren können. Die Parteien der liechten und des Zentrums hätten das Präsidium in olchem Bestreben unter allen Umständen unterstützt, >a sie, frei von aller Verärgerung, darauf bedacht ind, die Geschäfte deS Reichstags nach Möglichkeit ordern zu Helsen. Welchen Schwierigkeiten" wüÄe ich erst das Präsidum gegenübergesteüt sehen, wen« sie Parteien der Rechten und das Zentrum, statt das Präsidium bei seiner Geschäftsführung zu unterstützen, ihm, wie die Sozialdemokratie beliebt, fortgesetzt Steine in den Weg gerollt hätten.
Ein Lob hat das Präsidium für seine bisherige Geschäftsführung sicher nicht verdient, mag die liberale Presse noch so viel Vorschußlorbeeren austeile». Wir bezweifeln, ob das Präsidium jemals in die Lage kommen wird, die Lorbeeren, die ihm jetzt so reichlich auf Vorschuß gegeben werden, zu verdienen. Es ist ganz unverkennbar, daß daS Präsidium sich durch die, infolge der intimen Beziehungen gebotene, Rücksichtnahme auf die Sozialdemokratie in seiner Bewegungsfreiheit beengt fühlt. Die Sozialdemokratie fühlt sich als Herrin der S i - t u a t i o n und läßt ihrem Uebermut die Zügel schießen. Weder in ihrem Verhalten noch in ihrer Tonart glauben sie, sich die geringsten Rücksichten auferlegen zu brauchen. Die Herren des Reichs- tages beklagen sich bitter über Ungezogenheiten ein- »einer sozialdemokratischer Volksvertreter. Und in die Verhandlungen des Reichstages hat sich ein Ton eingcdrängt, der der Würde und dem Ansehen des Parlaments geradezu ins Gesicht schlägt.
Es ist nicht zu viel gesagt, wenn man behauptet, daß noch in keinem Reichstag so ausgiebig in b e« leidigendster Weise geschimpft worden ist als in diesem, und zwar wohlgemerkt ungestraft. Wenn das so weiter geht, dann muß man geradezu eine Verwilderung der Sitten im deutschen" Reichstag fürchten. Noch niemals hat ein Präsidium des deutschen Reichstags eine so ängstliche Scheu vor dem Gebrauch der geschäftsordnungsmäßigen Mittel zur Aufrechterhaltung der Ordnungen den Tag gelegt, wie das gegenwärtige. Höchstens, daß der amtierende Präsident sich dazu aufrafft, besonders krasse Schimpftoorte üt mildester Form als unzu- lässig zu bezeichnen; und auch das unterbleibt in zahlreichen Fällen.
ist von 2,9 Milliarden auf 8,1 Milliarden ange- stiege». Jene BevölkerungSkreise, die mehr al« 3000 M. Jahreseinkommen zu verzehren haben, wer- sen heute ein Gesamteinkommen von 6,4 Milliarden auf, gegen 2P Milliarden im Jahre 1892. In den obern Gruppen ist also daS Gesamteinkommen weit wenigerrasch gestiegen als in den unrein Gruppen der Bevölkerung. Dabei muß man beachten, daß ein schr großer Teil des Gesamteinkommens
J+T’tat Zu ermüden und »«wirksam zn machen« 2f? mLSfbe Fmanzmt-rfter- v. Breimig am 2L März wuche von der Linke» em solcher Spek- takel aufaestlhn, daß der Minrtzrr bitweise gar mcht ^r. Müller^of machte unaus- gesetzt Zwischenrufe und Frhr. d. Haller sprach in emem fort ganze Sätze dazwischen. Der Finanz- minuter war von der Linken der Liebedienerei gegen im beschuldigt worden und man hatte ihm L?iaf,ter °bgesprochen. Er hat mit vollem Recht bte ehrenrührige Kritik ernst und scharf zu- ruckgewiesen. Aber nicht nur diese seine Abwehr, sondern auch seine sachlichen Ausführungen wurden andauernd durch einen unqebeuren Lärm gestört. AIS Kultusminister Tr. v. Knilling seine Rede schloß, horte man von der Linken höhnische Rufe: „Amen, Amen!" Dr. von Ortcrer wurde zugerufen: „Ihm fehlt der Spiritus!" Auch auf de» Tribünen machen sich die Störungen bemerkbar. Der liberale Parteisekretär Edelmann hat totedechott schon Szenen in der Tribüne der Abgeordneten verursacht; er gibt laut seine Zustimmung oder Abneigung kund. Als er am letzten Donnerstag eine höhnische Bemerkung über Frhrn. v. Soden machte, verbat es sich die Umgebung und fteQte fest, daß Edelmann unausge- setzt sich so betrage. Ein jungliberaler Student auf der Tribüne der Abgeordnete» rief, als der Abg. Dr. Pichler sprach, diesem dar Schimpfwort „Sau- pfaff" zu. Bon der Journaliftentribüne wäre auch manche Beschimpfung (fo am Donnerstag gegen den Abg. Held) zu berichten. Doch soll das des lieben Friedens wegen unterbleiben. Bei der von der Linken in der Abgeordnetenkammer betriebenen Skandalmacherei sind die Liberalen die Hauptbeteiligten. Was dem Liberalismus an Mandaten und
Deutsches Neich.
+ Gegen die Gefahr der Eivschlkppuug der Maul- iitib Klauenseuche ans Rußland wendet sich ein Erlast des prcußuchen Landwtrtschaitsministers. Da die Seuche m Rußland auch jetzt i och herrscht, ordnet der Minister an, daß bte Desinfektion bet ausländischen Saisonarbeiter, die jetzt zu Beginn ber Frühjahrsbestellung wieder zahlreich nach Deutschlanb kommen, aufrecht erhalten werben toll. Tas mag gewiß manche Unbequem! chkeiten mit sich bringen, aber im Jnteressr bes beutfaen Viehbestandes ist eine so'che Maßnahme absolut erforderlich, da die Gefahr der Seucheneinsck leppung betamulich sehr groß ist.
cf München, 2. April 1912. In der liberalen bayerischen Presse beginnt man allmählich doch, sich des Randalierens in der Kammer zu chamen. Sie sucht deshalb nach ebensolchen Sündern ans der Zentrumsseite und berichtet, ein Zen- trumsabgeordneter habe, während Eisenberger eine Rede in der Abgeordnetenkammer hielt, diesen einen „g'selchten Affen" genannt. Ferner habe der Zen- trumsabgeordnete Frhr. v. Franckenftein, als Dr. Günther sprach, diesem ein Schimpfwort zugerufen; pater zur Rede gestellt, Habs Frhr. v. Francken- tein erklärt, daß er sich nicht mehr erinnere, einen olchsu Ausdruck gebraucht zu haben. So wird es jedenfalls nicht gewesen fein; wenn Frhr. v. Franckenstein den ihm zur Last gelegten Ausdruck gebraucht hätte, dann würde er sich auch dazu bekennen und die Sache befriedigend ordnen. Diese ganzen zwei Fälle sind, wenn sie wirklich richtig wären, nicht geeignet, die tyrannische Skandalmacherei der Linken irgendwie wettzumachen. Wir haben schon einmal gesagt, tocgen gelegentlicher Entgleisungen, r euzpriugen, solle nicht gerechtet werden. Tie Linke aber treibt systematisch den Höllenlärm; sie gröhlt, grunzt und
Die Ziffern für die Einkonnnenssteuergruppe bis 900 oft sind den Schätzungen der Denkschrift der Reichsfinanzreform entnommen. Diese gibt für 1892 die Zahlen noch nicht an, für 1896 aber 3,87 Milliarden. Ta das Einkommen 1892 wohl etwas niedriger war, so dürste man mit 3y. für diese Zeit rechnen. Für 1908 errechnete dieselbe Denkschrift das Einkommen der Steuerfteien in Preußen mit GMilliarde. Diese Ziffer darf man wohl, ohne einen Fehler zu begehen, auch für das Jahr 1911 eiusetzeu. Die übrigen Zahlen sind genaue, statistische Fest- wllungen, die sich an Hand der Steuerstat istik cr- gebett haben.
Wir sehen daraus folgendes: Bon 1892 bis 1911 ist das Rat::::al-Einkommen in Rreußen gestiegen von rund 9% Milliarden auf 20% Milliarden, also ir br cr’ auf die doppelte Höbe. Dte Veaöl«
* Frankreich hat also jetzt Marokko fest in Händen; Bluley Hafid, von dem dieser Tage sogar Tobsuchtsanfälle gemeldet wurden, ist zu Kreuze gekrochen. Im Ministerium deS Aeußern ist, Ivie schon gemeldet, die Bestätigung der Nachricht von der Un- tctzeichnung deS Protektoratsvertroges durch de« Sultan Muleh Hafid eingetroffen. Darob natürlich große Freude in ganz Frankreich. Nun gibl's auch gleich Anlaß zu schwerster Enttäuschung dazu; die Pest breitet sich aus. Die französische Militarbe- Hörde von Casablanca hat soeben neue Maßnahmen gegen die Pest getroffen, die in einer dem Schauya- gebiete benachbarten Gegend wütet. Eine aus zwan- zig Goumirs (Kamelreitern) und einem Militärarzt bestehende kleine Kolonne ist nach der betreffenden Gegend aufgebrochen, um sämtliche Duars der Ein- geborenen zn verbrennen und so eine weitere Ausbreitung der Seuche nach Kräften zu verhindern.
** Freimaurerei geht in Frankreich vor Recht. In der „Libre Parole" wird eine interessante Serie von Begnadigungen wiedergeben, die das Eingreifen der (Freimaurerei in die Justiz zu gunsten ihrer Logenbrüder deutlich zeigt. Ein Börsenagent von Lyon, der fast vier Millionen Frauken veruntreut hatte, und zu fünf Jahren Zuchthaus berwctedt worden war, wurde nach 20 Monaten bereits begnadigt. Der Agent war Würdenträger der Loge. Ein Apotheker und ein Chemiker, beide hervorragende Logenbrüder, waren Wegen Banknotcnfälschuug zu je 10 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Man begnadigte sie nach Ablaus von zwei Jahren. Der Kabinettschef des Rhonepräfetten hatte 200 000 Franken veruntreut. Tas Urteil lautete auf 18 Monate Gefängnis, doch sah er nach fünf Monaten die Freiheit wieder. Alle Fälle trugen sich inner- halb zweier Jahre ausschließlich m Lyon zu. Man kann daraus Schlußfolgerungen auf den Um falte dieses. Begnadignngssysterns in ganz Frankreich gegenüber den Logenbrüdern ziehen.
* Untere haute Lehren der Ein- kommenßenerstatiftik.
Neuerdings versscht Mt sozialdemokratisch« Presse wieder einmal Ergebnisse der preußischen Ei». kommensterrerpatWk per Begründung ihrer 8er» elendnngStheorie en verwerten. Die genannte Statistik weist nämlich 16,4 Millionen Personen an (Zensite» nebst Angehörwen), welche ein Jahreseinkommen box nur 900 X und darunter besitzen, daS
Mittelstandes. Auf sie entfielen aber im Jahre 1910 noch immer 2 Milliarden des ganzen Volksernkom- menS. Die Bevölkerungskreise, deren Einkommen über 6500 X liegt, bis hinaus zu den Allerreichsten haben zusammen (1910) nicht mehr als rund 4 Milliarden oder ein Fünftel des gesamten VolkSernkom- menS.
Diese Zahlen lehren, daß ttotz des Anwachsens des Reichtums einiger weniger, die Einkommensverteilung in Preußen eine weit bessere gewor- d e n fft alS im Jahre 1892. Von dem glanzenden Aufstieg, den die Volkswirtschaft nt dieser Zett genommen hat, haben nicht bloß die Reichen profitiett, sondern auch die untern Volksschichten baben in hervorragendem Maße daran Antell genommen. Ja, von der Gesamtmehrung des preußi- schen Nationaleinkommens, die ja 1114 Milliarde beträgt, sind fast 8 Milliarden auf die Volksweise mit 3000 Mk. und darunter entfallen, während jene Kreise mtt über 3000 oft Jahreseinkommen nur 3,6 Milliarden profitiert haben.
Uebrigens ist es ganz intereffant, einmal nachzurechnen, wie groß denn das Einkommen werden würde, wenn alle Einkommen, von den niedrigsten bis zu den höchsten zusamrnengeworfen und dann auf alle Zensiten gleichmäßig verteilt würden.^ Tie Rechnung ist nicht schwer. Wie wir sagten, beträgt das Gesamteinkommen in Preußen für 1911 rund 20% Milliarden Mark. Tie Zahl der sttuer- Pflichtigen Zensiten beträgt 7,2, die der steuerfreien 8% Millionen Zensiten. Teilt man damit das ganze Nationaleinkommen, so wird man finden, daß auf einen Zensiten im Durchschnitt rund 13 4 0 X Jahreseinkommen entfallen.
find 41,1 Prozent der preußischen Bevölkerung. Wer den Artikel der sorialdemokrurischen Parteiprefle liest, sollte meinen, daß in Preußen der ganze Zuwachs deS BslkSeinkmmnenS lediglich den reichen Klaffen zugute käme, daß dagegen die ärmern Volksschichten vollkommen leer anSgrngrn.
Die angeführt« Zahl könnte nur allzuleicht den Anschein erwecke», fal» ob eS mtt der sozialistischen
iet
4. Synode von Toledo (633) empfiehlt int 9. Kanon diesen Brauch auch der »ftdie von Galaecia. Das Praecomum pascbale oder Eisultet, durch dessen Ab- siugung die Osterlerze geweiht wird, soll den hl Augustinus zum «eitaffet haben. Indes begegnen uns auch andere Praeconia paachalia, so z. B. zwei solchet in den Schriften des «fichoss Eiinodtus von Pavia if 521). Die mittelalterlichen Lsturgiker führen die Wethe der Ostettetze allgemein auf Papst Zofimus (t 418) zurück; in bet Vita Zosimi heißt es nämlich: Per parrocia conceasa licentia cereum benedici • es ist aber fraglich, ob diese dunklen Worte auf die' Öfter- strze zu beziehen find. Der 6tnn der Weihe der Öfter, krrze ist in ihrer Beziehung zum Tauftitus ,u sehen, wahrend deffen sie geweiht und angezündet wurde: jie ist das Symbol Christi, der die Täuflinge erleuchtet. Die Taufe wurde ja mit Borliede .Erleuchtung', illuminatio, photiimo«, genannt und die Täuflinge hießen die Erleuchteten, illaminandi bezw. illnminati Der Triangel mit dem Lumen Christi in späteren Ursprungs i er findet sich zuerst ,m Ordo Bom. XIX n. 94 aus dem 15. Jahrhundert. Auch die Feuerweihe «ft fpateren Datums. In Rom wat sie im 8. Jahrhundert noch unbekannt, «ewer» hierfür ist die Antwort beS Papstes Zacharias auf bte betreffende «n;raqe des hl. «omfatiuS. Erst Le» IV. (847 855) hat die Feuer- «klhe angenommen; sie scheint eine kirchliche Um- ’’.l2 «rauches zu fein,
nämlich der bet ben Germanen «auch schon in deid.
^^'" ^WtajWftniniet. Auch diese Feuerweide ist em Hinweis auf die durch die Taufe erfolgende Erleuchtung des Täufling«. '
frflrJL aus dem 7. Jahrhundert
®?r'<nn<ta9 folgende Riten vor: Des Morgen» in der Frühe soll bet Exorzismus über die Katechumenen gebetet werden, fie sprechen darauf die feierliche Äbieiuntiatien und legen dann da» Stau, benibekenntut» eb (redditio symboli). Ura die achte Stunbe (alt» etwa em 1 Uhr nachmittag», soll sich bet Riet«» in Satranum vetlammeln, dort die Litanei an- »fange« und sich pux Sitar begeben. Ben» Agims bei der Lttantt soll die Osterterze an gezündet und geweiht weide»; hierbei wurde »och kein Kx»tütet gesungen DenaO) sollen bte «etttonen auS dem Alten Testament fEde mtt einer Oratton. darauf ist die SaafwafTet» und die Taufe der Neophyten.
X? JK? E» W exmdtm, dafür «ber ist dte Atan, eingefugt.
*** Die geschichtliche Entwicklung -er Karsamstag-litnrgie.
Die geschichtliche Entwicklung ber Karsamstag»- Hturgie stellt sich in folgenbem Bilde bat:
1. Im ursprünglichen römischen RituS begann die Feier mit ber Ablösung des GlaubenS- leitens bet erwachsenen Täuflinge, Japst sprach darauf ein Gebet über bte» selben. Hierauf schrot man zu den weiteren Bor- ?"b'tun,gen fur den Taufakt- die Täuflmge t>^MiItt '^“"Sen (gegenüber dem Teusefi
bet Wett und dem Fleischei, uier Lektionen aus dem Alten Testament wurden gelesen, ferner der Psalm 41 samt zwei Oratlonen, es folgte die Segnung des Taus- waffets, dann kam dte Taufe selbst und schließlich die Firmung bet Gelausten. Durch die Messe fctttbe die ganze Feiet abgeschloffen. (Muratori. ik Bom. vet II 61-66.)
2. Tas Missale Gallicanum aus dem Ende be» k. Jahrhunderts und ebenso das Missale Gothieo- GaUicanum auS dem 5. Jahrhundert weisen gegenüber der ursprünglichen römischen Form bereit» eine Erweiterung des Ritus auf, aber auch einige ve- schränkungen: nach ben Ovationen für die etu» Minen Horen wird das Exsultet gesungen, und e» folgt die Wethe der Osterkerze, bann allge» 5*e Fürbitte» für die verschiedenen Stände der ^?cktenheit, zu.etzt für die Neophyten (Neugetauften) Äa 1.1 »«?0?pelenleS (Täuflinge), daran reiht sich ber Weibe t>.« , ?er „in den Exorzismen besteht, t» ber
in der Xeuf. uÄr8' in ber Fußwaschung und glso hier W Usnii xar““f f”!8‘ die Mefle. Meu find fallgemeinen Fürbitten Osterlerze, bte
Waschung: eS seblt bie')niroe ^k^rzismen, die Fuß» faiffes, die roabr|d)einli*>IefAin9 6e§ Glaubensbekemnt- »’e an vielen anderen Otten'° ftattoetonb"00?"*1*^ fthle» ferner die altteftamenttichen Lesnn^°d« |?falm samt den zwe, Orationen, es fehlt"bu g.r^t , Im Missale Gallicanum und Gothico-Gal)i<ir^™ ifrttt unS allo zum erstenmal in den alten liturmlw» Pachern das Exsultet entgegen mtt bet SBttbe 'her Osterkerze. Der Ursprung diese» Brauch« st» »och nicht ausgehellt. In Spanien wat schon tm
Jihrhundert der Brauch allgemein, eine Kerze und »ine Lampe (lucerna) in der Osternacht zu segnen; bte
4. Nach dem sränktlchen Gregorianum aus dem 8. Jahrh.s soll sich KleruS und Volk um die achte Stunde (2 Uhr nachmittags) in der Kirche versammeln. Es werden Dann zwei Kerzen anrezündet, die von Notaren gehalten werden, eine zur Rechten, eine zur Linken des Ältares, em Lektor verlieft hieraus von Ambo aus die alttefta- mentlichen Lektionen, wovon jede mit einem Gebet schließt. Daraus setzt sich eine Prozession in Bewegung: voran die zwei Notare mtt ben Kerzen, es folgen Klerus und Bischof, zur Taufkapelle, wo iie Weihe des Taufwaffers vorgenommen wird; dieselbe geschieht in wesentlich derselben Weise wie heule; dann ist die Taufe, wobei noch zwischen Kindern und erwachsenen Täuflingen unter schieben wird. Auch die Kinder erhalten sofort nach ber Taute die Firmung, Der Ritus und die Bedeutung der Firmung tritt hier klar beroot; das Gregorianam berührt sich hier Mit der ursprünglichen römischen Form, die ebeusalls die Firmung hak. Nach Beendigung de« Taufalles wird von den Sängern in der Kirchedie Litanei gelungen, woraus der Bischot das Gloria in exceisii singt und die Messe beginnt.
5. Die Zeit für die eigentlichen liturgischen Handlungen des Karsamstags war tm christlichen Altertum bet Nachmittag und bie Nacht; der Bormittag wurde füt Ausschmückung der Kirche und die Vorbereitungen auf das Fest verwendet (Rabanus Maurus sagt. De cleric. instit, 2, 38: hoc antem die inclinante ad vesperam statuta celebratio noctis Dominicas in eclesia incipitur eto. In den ConsueL Farf. ed Albers 55 lesen wir: Post nonam — 3 Uhr nachm. Testiantur omnes qui ad sacram
»liquid habnerint legendi etc. Dieselbe Stunde geben die Constit Lanfranci. Nach dem Ordo Rom. X. app nr. 16 begannen die Zeremonien hora sexta, also 12 Uhr mittags. Bei be» Dttechen und Ruffen beginnt die Meffe »och jetzt »ach dem 'Abendgottesdienft oder bet Bespet). Diese Handlungen find: die Segnung der Osterkerze, bte Lesungen auS dem alten Testament und bte Weihe be» Taufwaffers; es finb das alles nur vorbereitende Akte für bie Spendung der Taufe. Diese Funttwne», bie, wie gesagt, erst abends begannen, zogen sich in die Nacht hinein; deshalb wurde die Ofternacht wachend zugedracht (perrigiliam paschae). Wen» diese Vorbereitungen beendigt wate«, erfolgte die Taufe ber Neophyten und nach derselbe», allo in der Nacht, bie Meffe deS Tage» (in ber Hauptkirche), »« d« sich bie Neugetauften mit Volk und Klerus
in feierlicher Ptozeffion von der Tauflirche, wenn eine besondere vorhanden war, nach der Hauptkirche begaben. Kaiser Konstantin ließ die Straßen und Plätze ber Hauptstadt in dieser Nacht festlich beleuchten. Er selbst brachte als Katechumene die Nachl im Gebete in feiner Huuslapelle zu und heiligte das Osterfest durch reichliche Almosen. Die Messe bat in den Ritual- büchern die Ueberfchrist: in vigilia paschae. Da sie erst nach Mirternacht gefeiert wurde, konnte in ihr auch schon das Alleluja gesungen werden. Daran schloß sich die Pfalmodie des Osterfestes, die begreiflicherweise möglichst kurz fern mußte, da das übrige Zeremoniell fo viel Zeit beanspruchte. Auch die Predigt pflegte aus demselben iSrunbe am O'tertage kurz fern, (^g!, ’Huguftinu», Sermo 228 in d:e Paschae V.: Post laborem noctis praeteritae . . . diu vos teuere s< rmone non debeo). Die Vigilienseier in der Nacht vor Ostern kennt schon Terluüian (Ad uxor. 2, 4); ber hl, Hieronymus nennt sie apostolische Tradition (in Matth. 25, 6), nach dem hl. Augustin ;8 ist die Osterv.gilie bie Mutter aller hl. Bigilten. Die Constit. apost. 5, 19 beschreiben diese Brgrlfeier: sie bestand in Gebet, Gelang, Zchrisllesung und Taufe der Katechumene und enbete gegen Tage-anbruch mit der Meffe und Kommunion. Ärelfach war auch die Meinung verbreitet, datz Christus m der Osternacht zum Gerichte kommen werde (Lae- tanlius, Institut 7, 19). Seitdem das Christentum trete Bewegung erhalten halte, feierte man die Osternacht durch großartige Beleuchtung nicht bloß der Kirchen, sonder» auch der Häuser. Die Bäler reden von dem Glanze dieser Seleudmtng ort mit begeisterten Ausdrücken (vgl. Tuseb., Vita Constantin! 4, 22; Gregor von Nyffa, Orat. 4 in resurrect. Christi; Zeno, Tract. 2,88: Äug., Sermo 219).
Diese zeitliche Anordnung der Karfamstagsfunk- tionen herrschte noch im 11. Jahrhundert, denn noch Rupert von Deutz (De dir off. 7, 11) spricht davon als einer bestehenden Einrichtung; erst stach dem 11. Jahrhundert wurden die genannten Handlungen mit der Messe auf de» Vormittag des Samstag verlegt, daS Alleluja also antizipiert. Auch tn Afrika sand, zur Zeit des hl. Augustinus, die Tau;e ht der Nacht von Samstag auf be« Sonntag statt (August., Sermo *14 e. 1).