* fuldaer
M 12.
Donnerstag de» 28. Marz 1912 3». Seegang.
Zeitung
2. Blatt.
vrnck unb Verlag der Sulbaer »etletirrickerr m $nlb«.
Erich Friesen.
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jährlich fiattfinbende Vers and von Mazzen begonnen. Wochenlang fahren täglich mit Kisten hochbeladene Wagen nach Bahnhof Steuftabt, um das vorgeschriebene Ostergeback nicht nur in die entlegensten Teile unserer Provinz zu bringen, sondern auch das nahe Großherzogtum Hessen mit solchem zu versorgen. Die Mazzendäckerei ist ein nicht zu verachtender Nebenerwerb während des Winters für die hiesige Bevölkerung.
[:] Neustadt, 27. März 1912. Das Ertönen der Feuerglocke am hiesigen Rathause heute morgen gegen 10 Uhr brachte eine gewisse Aas. regung in die Bevölkerung. Dichte Rauchwolken zeigten sich hinter den Bergen in der Richtung aus Speckswinkel. Wie es schien, war ein größerer Waldbrand ausgebrochen, doch ist die richtige Ursache zurzeit noch unbekannt.
Kaiholikenhaß hervorbringen. Herr Mittelschullehrer a. d. Boh suchte sodann nachzuweisen, daß der Landgraf Philipp die 50 Klöster Hessens nicht auf gehoben habe, um sich zu bereichern, sondern daß er die Gelder nur zeitgemäß verwendet hätte. Dabei ist es erwiesene Tatsache, daß ein großer Teil vom Landgraf Philipp persönlich verwandt und ein anderer Teil verarmten hessischen Adeligen zugeflos- scn ist.
* Homburg v. d. H., 27. März 1912. Gestern geriet auf der Chausiee Homburg-Friedrichsdorf, in der Gemarkung Seulberg, infolge Explosion des Benzinbehälters ein Automobil in Brand und verbrannte bis auf das Gerippe. Personen wurden nicht verletzt. Das Automobil gehörte dem Frankfurter Vertreter Rasch der Dürkopp-Werke.
Rus Gberhesien u. den Hess. Remtern.
△ Marburg, 27. März 1912. Unsere Stadt ist jetzt um zwei große Wohlfahrtsanstalten reicher geworden. In der Universilätsstraße wird in der nächsten Zeit das sog. Philippshaus, das christlichen Versammlungen dienen soll und womit auch ein Hospiz verbunoen sein wird, eröffnet und dann ist seit gestern auch der westlich der Stadt aus Bergeshöhe liegende Elisabelhcnhof von zahlreichen weiblichen Insassen bezogen worden.
♦ Kirchhain, 27. Mär, 1912. Die Frühjahrskontrollversammlungen finden wie lolqt statt: 1. In Kirchhain im Saale des Bahnhofshvlels Zipfel am Donnerstag, den 11. April 1912, vormittags 83/. Uhr für sämtliche Reservisten der Ortschasten: Amöneburg, Anzefahr, Grofseelheim Kirchhain, Kleinseelheim, Langenstein, Niederwald, Schönbach und Stausebach. 2. In Schweinsberg im Saale des Gastwirts Siebert am Donnerstag, den 11. April 1912, vormittags IO3/. Uhr, für die Ortschaften: Ersurtshausen, Nieder- tlein, Rüdigheim und Schweinsberg. 3. In Mardorf int Saale des Gastwirts Friedrich Schick am Tonner-tag, den 11. April 1912, nachm. 2V. Uhr, für die Ortschaften: Holzhausen, Mardorf und Roßdorf. 4. In Wohra im Saale des Gastwirts Imme! am Freitag, den 12. April 1912, vorm. 10’,< Uhr, für die Ortschasten: Albshausen, Ernsihausen, Halsdorf, Hertingshausen, Josbach, Langendors, Schisfelbach, Wohra und Wolferode. 5. In Rauschenberg im Ruckerischen Saale am Freitag, den 12. April 1912, nachm. 2 Uhr, für die Ortfchasten: Burgholz, Himmelsberg, Rauschenberg, Schwabendorf, Sindersfeld und Wolfskaute. 6. In Kirchhain im Saale des Bahnhofshotels Zipsel am Samstag, den 13. April 1912, vorm. 8’. Uhr, für sämtliche Landwehrleute 1. Aufgebots und Erfahre'er- visten der Ortschaften: Amöneburg, Anzefahr, Grop- seelheim, Kirchhain, Kleinseelheim, Langenstein, Niederwald, Schönbach und Stausebach. 7. In Allendorf am Bahnhof im Saale des Gastwirts Kraft am Samstag, den 13. April 1912, nachmittags 2 Uhr, für die Orischasten: Allendorf, Emsdorf, Erksdorf und Hatzbach. 8. In Neustadt im Eaake des Gastwirts Karl Heinrich Gies am Samstag, den 13. April 1912, nachmittags 51/. Uhr, für die Ortschaften : Momberg, Neustadt und Speckswmkel.
* Ziegenhain, 26. Mär; 1912. In der letzten Stadwerordnetensitzung wurde der Haushalts-Voranschlag der Stadt beraten und in Einnahme und Ausgabe auf 83000 Mark sestgestellt. An Steuern sollen für 1912 140 Proz. Gemeindesteuer, 160 Proz. Gewerbe- und 180 Proz. Grundsteuer erhoben tvcrden. Auch wurde die Anlage einer Badeanstalt und Bleiche an der Schwalm beschlossen. •
[:] Momberg, 27. März 1912. Mit dem Rasten des jüdischen Osterfestes hat von hier aus der all
Helden der pflicht.
Roman aus dem Lande der Mitternachtssonne von
Ans dem Nachbargebiete.
= Bad Salzschlirf, 26. März 1912. Gestern abend erlegte Herr Förster Hofsommer im Jagdrevier der Aktiengesellschaft die erste Schnepfe, em Pracht Exemplar.
♦ Aus dem Kreise Hünfeld, 26. März 1912. Am Sonntag fand in Hünfeld int Hotel Engel die Abge- ordneten-BersammInng des Kreis-Kriege r- Verbandes statt. Aus der reichhaltigen Tagesordnung sei erwähnt, daß das diesjährige Verbands- fcst in Rasdorf abgehalteu werden soll. Em Antrag, das Sterbegeld von 60 aus 70 Mk. zu erhöhen, wurde angenommen.
* Rotenburg a d. Fulda, 27. März 1912. Auch hier ist ein Kreisausfchuß für I u gen d- pflege gegründet worden. Es wurde beschlossen, für jeden Ort bezw. für je mehrere Orte, einen Ortsausschuß zu bilden, der in erster Lmte für dte örtlichen Veranstaltungen im Sinne der Jugendpflege zu sorgen hätte. Der Ortsausschuß für dte Stadt Rotenburg wurde sofort gebildet.
X Kassel, 23. März 1912. Die kürzlich abgehaltene Hauptversammlung des Evangelischen Bundes, Zweiavereiu Kassel, die mit der Erstattung des Jahresberichtes durch den Direktor an dem Lyccum, D r. K r u in m a ch e r, eingeleitet wurde, staud auf der Höhe ihrer Vorgängerinnen, sie ver- haudcltc ausschließlich wieder über katholische Dmge. Das Anwachsen der Mitgliedcrzah! auf 2565 ist nach Krumiuachers Ausführungen „ein Zeichen, daß das protestantische Volk die Notwendigkeit des Bundes zur Wabrung der deutsch-protestantischen Interessen gegenüber den Machtanspriichen und Uebergriffen Roms für nötig hält". Das Ergebnis der Mitgliederzahl muß denn doch nicht ganz befriedigt haben, denn Herr Oberlehrer Hof m nun, der sehr bald das Wort nahm, wies in feinen Ausführungen die hier in zahlreichen protestantischen Kreisen herrschende Meinung zuruck, „der Evang. Bund sei in Kassel nicht nötig, da die hiesigen Katholiken sich ruhig verhielten". Leider haben wir Katholiken zu lange die Schmähungen des Bundes uns gefallen lassen. Die Abwehr durch Herrn Professor Dr. Webers Vortrag wurde dann sofort als ein Angriff bezeichnet und die nottvenbigertocife gebrachten geschichtlichen Feststellungen über Philipp den Großmütigen bezeichnete Herr Hofmann „als Beschimpfungen, welche jeden Hessen aufs tiefste hätten kränken müssen". Dabei mußte Pfarrer Preger in seinem Vortrage über „Philipp der Großmütige" zugestehen, daß dieser Landgraf die Sünde der Doppelehe begangen und auch sonst dunkle Seiten in feinem Leben gehabt hatte." Der Redner verglich Philipp d. G. mit dem „Dulder" David und bezeichnete ihn als „einen Fürsten nach dem Herzen Gottes, dessen Hauptverdienst in der Einigung der Protestanten und in der Abwehr der von Habsburg und Rom drohenden Gefahren" bestanden. Herr Hofmann beteuerte übrigens des weiteren, „daß der Ev. Bund seine Arbeit nicht um der hiesigen Katholiken willen betriebe, sondern zur Abwehr des U l t r a m o n t a n i s m u s , der im deutschen Reiche eine besorgniserregende M acht ste l lu ntz eiunähme". „Der Ultramontanis- mus im Zentrum und in zahlreichen kathol. Vereinen muß als große Gefahr bekämpft werden". Und nun kommen die Beweise der Gefährlichkeit des Ultramon- tauismus: Das Zentrum hat wieder 2 Vorstöße unternommen, um das deutsche Reich mit Mönchen und Nonnen zu überfluten, es hat den Toleranzantrag eiugebracht und es verlangt, man höre und staune, „die Beseitigung des § 1 des Jesuitenge- setzes", das muß doch jeden Bundesbruder mit Entsetzen erfüllen. Diese Forderung sei eine Beleidigung des protestantischen Volkes, „denn die Jesuiten sind eine Gefahr für den konfessionellen Frieden in Dcutsch- land und eine Gefährdung des, modernen Staates", deshalb seien sie auch selbst aus dem katholischen Portugal ausgewiesen worden. Natürlich durfte Herr Hofmann seine Zuhörer auch darüber nicht im Unklaren lassen, „daß seit Begründung eines klerikalen Ministeriums in Bayern unter Führung des bisherigen Zentrumsvorsitzenden v. H e r t l i n g der ultramontane Einfluß int Bundesrate gestiegen sei, welches erneut die protestantische Mehrheit Deutschlands zum mannhaften Auftreten und energischen Protest veranlassen müsse, damit, wie Hofmann einen Kronzeugen zitierte, „die staats-, reichs- und kulturgefährlichen (!), den konfessionellen Frieden störendenl!j, die Sittlichkeit (!) und Bildung (I!) gefährdenden Jesuiten außerhalb Deutschlands Grenzpfählen bleiben". .Kommentar überflüssig! Derlei Anschuldigungen und Verdächtigungen kann nur blindwütiger
vermischtes.
♦ In den Pranken eines.Tigers. Auf dem Bahnhof in Krappitz in Oberschlesien war der Menageriebesitzer Theodor Fischer mit mehreren Wagen eingetroffen, worin sich eine Anzahl Tiger befanden. Der 13 Jahre alte Schulknabe Valentin Fliegler wollte dabei feine Neugierde gründlich befriedigen; er stieg einem Spielgenossen auf die Schultern und öffnete die Klappe, die sich vor dem eiserne» Gitter des Tierkäfigs befindet. In dem gleichen Augenblick faßte ein Tiger mit beiden Tatzen durch das Gitter den Knaben am Kopf und hielt ihn fest. Der untenstehende Junge lief nun auf das Geschrei des Fliegler fort, sodaß dieser, von der Bestie umklammert, frei in der Lust schwebte. Hinzueilende beherzte Männer mußten den schreienden Knaben mit Gewalt herunterreißen, nachdem ihm das ganze Gesicht zerkratzt und mehrere tiefe Wunden am Kopf beigebracht worden waren. Der Vorwitzige liegt jetzt krank darnieder.
* Der größte Untergrundbahnhof der Welt wird der Zentralbahnhof der Berliner Untergrundbahn am Wittenbergplatz. Ganz in der Nähe dieses neuen Bahnhofs, dessen Arbeiten so gefördert werden, daß er int Herbste 1913 in Betrieb genommen werden kann, befindet sich int Untergrund der Tcmentzin- straße die komplizierteste Stelle des Baues; es unterfahren sich dort nämlich zwei Linien, so daß dort zwei Tunnels übereinander gebaut werden müssen.
* Sturz eines Totengräbers in die Gruft. Ein aufsehenerregender Vorfall bei einer Beerdigung spielte sich auf dem Friedhöfe in Romanswei - I e r im Elsaß ab. Dort sollte der Maurermeister Barth zur letzten Ruhe bestattet werden. Beim Herablassen des Sarges in das Grab glitt plötzlich der Totengräber infolge der großen Nässe aus und stürzte so unglücklich in die Tiefe auf den Sarg, daß er sich einen Rippenbruch und schwere innere Verletzungen zuzog. Die weiter entfernt stehenden Leidtragenden, die den Fall des Mannes nicht bemerkt hatten, gerieten, als sie sahen, daß man einen menschlichen Körper aus der Gruft zog, in großen Schrecken, da sie glaubten, ntau helfe dem wieder vom Tode anfecstmtdenen Maurermeister aus dem kühlen Grabe.
* Die Medizin des Tetwristen Bonci. Der italienische Tenorist Bonci befindet sich gegenwärtig mit seiner Frau und seinem Hofstaat, zu dem ein Sekretär und ein Klavierspieler gehören, auf einer Konzert-Tournee in Amerika. Auf dieser Reise ist ihm vor kurzem ein tragikomisches Abenteuer passiert. Er weilte in Atlanta im Staate Georgia, wo ein sehr streng gehandhabtes Temperenzgesetz in Kraft ist; das Gesetz verbietet unter Androhung sehr hoher Strafen den Verkauf und die „Verwertung" alkoholischer Getränke. Bonci kann nun aber nicht ohne alkoholische Befeuchtung gedeihen, und so Verfielen er und seine Begleiter auf den Gedanken, dem Gesetz ein Schnippchen zu schlagen: sie stellten während des Esiens auf ihren Tisch im Hotel mit ärztlichen Rezepten beklebte Mediziiiflaschen und nahmen von Zeit zu Zeit einen Eßlöffel voll Medizin, die in Wirklichkeit ausgezeichneter Chiantiwein war. Die durch Schnalzen mit der Zunge kundgetane Wonne, mit der die Medizinen genommen wurden, erregte jedoch
stützt wird, gelingt es schließlich doch, die finstern Schatten des Todes zu bannen. •
Lorenz Jespersen überläßt den Kranken völlig dem Arzt. Sein ohnehin oberfächliches Empfinden wurde weder durch den Tod der Schwester, noch durch die schwere Erkrankung des früheren Spiel- kamcradeit wesentlich berührt. Auch sind all seine Gedanken jetzt zu lebhaft mit jenem Plan beschäftigt, dessen Gelingen ihm ein Vermögen einbringen soll, dessen Schwierigkeit er sich jedoch nicht verhehlt.
Doch gerade diese außergewöhnlichen Schwieng- keitcn reizen ihn. Es ist, als ob der böse Geist über ihn gekommen wäre. In seinem Hirn hat nichts anderes mehr Raum. Er grübelt und grübelt, erwägt das Für und Wider, schreckt vor irgend welchen .Eventualitäten zurück — bis schließlich Gerdas Tod und Eriks darauffolgende Erkrankung ihm einen neuen Weg zeigen.
Der Hauptpunkt, um den sich bei seinem Plan alles dreht, ist folgender.
Er muß durch irgend eine List Jngeborg Baletti von Schloß Sandsgaard fortladen. Das übrige ist dann leichtes Sviel.
Aber wie dies bewerkstelligen? Das Mädchen geht niemals allein aus und befindet sich stets unter Obhut der klugen, umsichttgen Tante. Wie also auch nur eine Unterredung unter vier Augen erlangen?
Zwar beobachtet der Bettler Jakob in feinem Auftrage Schloß Sandsgaard gleich einem wachsamen Kettenhund; zwar steckt schon sett längerer Zeit in dessen schmutziger Tasche ein Zettel mit ein paar Zeilen von der Hand Lorenz Jespersens, doch wir wissen, wie der erste Versuch des Bettlers, Jngeborg den Zettel an jenem grotesken Felsen zuzustecken, mißglückte und wie sie voll Entsetzen floh.
Lorenz sah ein, daß momentan nichts zu machen war. Er nahm sich deshalb vor, zu warten bis zu einer günstigeren Zeit.
Unb diese Zeit scheint jetzt gekommen zu sein.
Eine Woche nach Eriks Erkrankung trifft der von ihm so heiß «i sehnte Brief aus Schloß Sandsgaard ein. Da der Patient nicht bei Bewußtsem ist, kann Lorenz der Versuchung nicht ivwerstehen, das Couvert zu öffnen. Mit einer Geschicklichkeit ine fast annehmen läßt, daß et kein Neulmg m solchen Dingen ist, handhabt er die Sache, heft den Bnes
Amt Geisa und Umgebung.
* Tiefenort, 26. März 1912. Der Bergmann Heinrich Weitz von hier verunglückte gestern int Schachte der Gewerkschaft Kaiseroda. Heute wurde er nach Halle ins Knappschaftskrankenhaus gebracht. — Ein .ausländischer islamitischer Arbeiter stürzte in der Fabrik derselben Gewerkschaft und erlitt ebenfalls fd)teere Verletzungen. Der Verletzte wurde nach Meiningen ins Krankenhaus geschasst.
* Salzungen, 26. März 1912. Die Salme Salzungen vetteilte 1500 Mark als Gratifikation an ihre Arbeiter.
13.
Gerda Jespersen ruht seit einigen Tagen in der kühlen Erde. Ihrem Wunsche gemäß hatte Erik d:e Leiche nach Christiania iibersühren lassen.
Jetzt erst empfindet er so ganz, was er an dem heben Mädchen verloren hat. Ihr strahlendes Ge- ftchtch:n, ihr frisches Lachen» ihre zärtliche Sorgfalt für ibn — alles dahin, vorbei für immer1
Tie laute Sympathie, das aufdringliche Beileid, die ihm von allen Setten entgegengebracht werden, belästigen ihn. Ach, niemand versteht ibn — nun. da feine Gerda tot ist.
„Jetzt stehe ich ganz allein auf der Welt! Jetzt liebt mich niemand mehr!" schluchzt seine Seele.
An die Neigung seiner kleinen Schülerin, die sie ihm auf solch seltsame Weise gestanden, denkt er kaum mehr; er sieht in Jngeborg Valetti nur die bedauernswerte Kranke.
Unb Sigrid Arnolbsen? — Der plötzliche tragische Tob seiner Braut hat seine leibenschaftliche, himmelstüvmenbe Liebe zu ber schönen Herrin von Schloß Sandsgaard in ruhigere Bahnen gelenkt. Noch immer sieht er in ihr das vollkommenste Geschöpf ber Welt; aber sie erscheint ihm jetzt noch ferner gerüdt, gewissermaßen unirdischer, erhabener.
h,eni9 Zeilen hat er ihr den Verlust, der ihn nntgeteilt und erwartet mit Sehnsucht aFÄ“» »">»«« fk fei««« r.;tt^,’,e’öprMMr'nebene Schmerz, verbunden mit wapr ?^rfen ihn auss Kranken
lager. Em hitziges Fieber stellt sich ein
Lorenz Jespersen, der dem Freunde in seiner Weije^zugetan 'st, hat ch» ganz zu sich genommen, und Dr. Nikolas widmet stck) mit Hingebung seiner Pflege.
Tr. Jens Nikolas ist ein stiller, ernster Mann in der Mitte der Dreißiger — eine Art Sonderling, dessen Bekanntschaft Lorenz vor etwa einem halben Jahr auf einer Bootpartie gemacht hatte. Durch
eine unvorsichtige Bewegung fiel damals der Gelehrte ins Wasser und wäre unfehlbar ertrunken, wenn nicht Lorenz ihm ohne Zögern nachgesprimgen wäre.
Seitdem fühlt der verschlossene Arzt eine innige Freundschaft für seinen Lebensretter, in die sich noch das Interesse des Gelehtten für ein seltenes Objekt der Wissenschaft mischt. Er sieht in dem jungen Mann die entgegengesetzten seelischen und geistigen Eigenschaften vereinigt — ein Zwitterding, wie es die Ueberzivilisation unserer Zeit, das nervöse Hasten und Drängen nach Geld und Ruhm, öfters hervorbringt.
Lorenz Jespersens Charakter bildet für ihn als Psychologen eine interessante Studie. Er nimmt sich vor, ihn genau zu beobachten, und hofft mit dem Optimismus des nur seiner Wissenschaft lebenden Gelehrten, die schwankenden Grundsätze des jungen Versicherungsbeamten nach und nach in ruhigere, gesundere Bahnen leiten zu können.
. ®'cfe Freundschaft steigerte sich noch, als Dr. Nikolas gelegentlich einer Landpartie Lorenzens muntere Schwester kennen lernte.
Das naive, kindliche Wesen des jungen Mädchens machte einen tiefen Eindruck auf den Men Mann. Gern folgte er Lorenzens Aufforderung, einmal seine Mutter und Schwester zu besuchen. Dem ersten Besuch folgten andere, und bald bildeten diese harmlosen Abende durch Gerdas heiteres Geplauder, ihr sonniges Lachen, die Lichtpunkte in seinem oft schweren Beruf.
So selbstlos war seine Verehrung für Gerda Jespersen, daß er sich mit ihr über jeden Brief ihres Verlobten freute, mit ihr trauerte, wenn ein solcher einmal länger als gewöhnlich auf sich warten ließ.
Ihr jäher £ob berührte ihn tief schmerzlich. Er betrachtete es als eine heilige Pflicht, sich des von ihr fo inniggeliebten Mannes anzunehmen — jetzt, da er krank und hilflos ist. Sowett es ihm fein Beruf erlaubt, wacht er mit der zärtlichen Sorgfalt einer Mutter unb bet Umsicht und Geschicklichkeit bes Arztes an bem Krankenlager.
Es ist ein harter Kampf, ben er mit bem tückischen Fieber, jenem erbitterten Feinb ber Mensch- hett, zu kämpfen hat. Ost meint er, alle Mühe fei vergebens. Doch feiner unermüdlichen Pflege, die von dem kerngesunden Naturell des Patienten unter
QFanstalt Hofheim Taunos
BL v. Frankfurt a. MJ, t Erholungsbedürftig», rven* tUnnareKranks. Sommern. Wint besucht.
I ------ Prospekte durch ------ WB
W8 Or. >. Schuke-Kibleysi, Nervenarzt. Lw
aufmerksam durch und schließt ihn wieder so sorgfältig, daß er für den nichts ahnenden Empfänger völlig unverfänglich aussieht.
Sigrids Bries trägt den Stempel warmer Freundschaft. Besonders ein Passus erscheint Lorenz wichtig genug, um ihn in sein Notizbuch ein« zutragen. Er lautet:
— In Ihrem augenblicklichen Schmerz wird Sie das Leid anderer vielleicht wenig berühren. Trotzdem will ich Ihnen mitteilen, daß der Zustand meiner armen Nichte sich seit Ihrem Fortgang verschlimmert hat.
Ich habe Jngeborg nichts von dem Tode Ihrer Braut gesagt. Ich fürchte jede Gemütserregung für fie, und — Sie wissen es ja, lieber Freund — Ihrem Glück gilt ihr ganzes Sinnen.
, Uebrigens — ist es nicht egoistisch von Ihnen, daß Sie das über Sie verhängte Leid so tief beklagen? Weshalb trauern Sie? Weil es Gott gefallen hat, Ihnen eine Prüfung cmfzuerlegen. Doch die stärkt den Charakter und macht fest und widerstandsfähig gegen iveitere Stürme des Lebens. — Warum weinen Sie? Ueber den Tod Ihrer Braut. Aber bedenken Sie, daß die Toten glücklich zu preisen sind; denn sie haben dort oben in seligen Gefilden nicht mehr zu kämpfen und zu sorgen, wie wir ernten Erdenpilger hielt icden. Also, lieber Freund, raffen Sie sich auf! Und verlieren Sie nicht die Elastizität des Geistes und die ursprüngliche Frische Ihres Naturells, das uns Einsiedlern aus Schloß Sandsgaard so manche heitere Stunde brachte! —
Unb noch eins, was Sie vielleicht interessieren wirb: bie sogenannte Bibliothek zu ebener Erbe, in ber Sie meiner Nichte Zeichenstunden gaben, existiert nicht mehr. Aus Jngeborgs dringenden Wunsch haben wir ihr Schlafzimmer dahin verlegt; sie behauptet, dort ruhiger schlafen zu kön- men. Sie werden diese Bitte, die andern als Laune erscheinen müßte, verstehen — —*
Der Inhalt dieses Schreibens, verbunden mit einigen abgebrochenen Worten, bie Erik währenb seiner Fieberphantasien ausstieß, gibt Lorenz über verschiedenes Aufklärung. Und das Fehlende reimt fern schlauer Kopf sich zusammen.
(Fortsetzung folgt)
eines schönen Tages den Verdacht eines Polizeimannes, der ohne weiteres die Medizinflaschen mit Beschlag belegte, um sie sann den ruchlosen Uebcrtre« tern der Gesetze des Staates Georgia in ein Automobil zu packen und zum Kadi zu schleppen. Der Richter verschob nach einem oberflächlichen Verhör den Prozeß auf den folgenden Tag und erklärte, daß die Angeklagten frei feien, wenn sie in der Lage waren, eine Sicherheit von 2000 Dollars zu binteylegen. Und nun begann des Abenteuers zweiter und sbiim- merer Teil: Bonci hatte nämlich nur 150 Toilars bei sich und konnte auch von seinem „Manager" kein Getd erlangen, da diese wichtige Persönlichkeit, mit der er sich telephonisch in Verbindung i "eit wollte, verreist war und erst am nächsten Tage w:e- derkehren sollte. Aus purem Mitleid gestattete schließlich der Richter, daß die „Verbrecher" alle Wertsachen, die sie bei sich hatten, als Ersatz hintertegten, und er sah sich bald im Besitz von llh''en, goldenen Ketten, Ringen, Brillantohrringen usto. Der Prozeß, der am nächsten Morgen zur Verhandlung gelangte, war weit weniger dramatisch als das Vorspiel. Die Sünder wurden frctgesprochen, nachdem sie feierlich gelobt hatten, daß sie die Gesetze des Staates, in dem sie weilten, nicht mehr übertreten Würden. Als der Richter nach der llrtetlsoerkündi' gung seine richterliche Würde ablegen und wieder Mensch sein durfte, begann er bei dem Gedanken an den Kniff mit den Medizinflaschen laut aufznlachen und sagte: „Immer genial, die Herren Italiener, selbst in solchen Dingen'." Also berichtet das „Wttxr nale d'Jtalia".
♦ Ein Laboratorium nicderaebrannt. Das Laboratorium zur Bekämpfung der Schlaslrankhest in Niansa am Tanganjika-See in Deutsch Ost'ifinka ist, wie erst jetzt bekannt wird, in der Nacht vom 10. zum 11. Januar ein Raub der Flammen geworden. Außer dem gesamten Inhalt des Laboratoriums au Mikroskopen und Geräten sind die Ver- snchsprotokolle des Stabsarztes, ein Ergebnis langer wissenschaftlicher Tätigkeit, völlig vernichtet. Die Vermutung, daß böswillige Br a u d ft i f t u n g vor« liege, hat sich bestätigt.
Handel uud Industrie.
* Berlin, 27. März 1912. An der heutigen Börse brachte die zuversichtlichere Stimmung der Spekulation eine Steigerung der Kurse. Führende Bankaltien zogen teilweise um Prozent an. Montanwerte nicht ganz einheitlich. Schissahrlsaktien und Etckirizitätswerte lebhaft.______
Reklamen. uub Anzeigenteil.
Berfatji eins |
Sur echt mit tiefer Merke — dem Fischer —
Fm Erwachsene.
Ganz zu Unrecht nimmt matt vielfach an, Scotts Emulsion eigne sich nur als Stärkungsmittel für Kinder. Ihr Gebrauch empfiehlt sich auch fürErwachsenejcdcn Alters, wenn ihre darmcderliegen- den Kräfte einer Neubclebung uud Wiederauffrischung bedürfen.
Scotts Emulsion
Scotts Emnlstorr wird von uns auSschkietzlich im grotze« VerkLUst,und zwar nie lose nach Gewicht oder Matz, sondern nur in versiegelten Original rla'chen in Karton mit unserer Schutz« marke (Fischer mit de« Dorsch). Scott <fc Downe, G. m. b. £>* Frankfurt a. ££. e
Bestandteile: FeivSer Medizinal-Lebertrarr 150,0, prim» Glyzerin 50,0, unterpyosphorigsaurer Kalk 4,3, unterphospho- rizsairres 3latmn 2,0, pulv. Trazant 3,0, feinster arab. töuniuii pulv. 2,0, Wan er 129,o, Alkohol 11,0. Hierzu aromatisch* um »In oii mit Mimt». Mand l- unb Eaultherraöl je 2 Tropsea,