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* Tuldaer Ä Zeitung
2. Blatt.
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aupt der durch den
schlechten Weg. oder Wetterverhältnrfle kann ihm nicht Helsen. Zuvor getan, hernach Kdacht, hat manchen in groß Leid gebracht. Erst rekognoszieren, dann marschiere».
Aus dem Nachbaraebiete.
X Riederzkehren b. Kassel, 21. März 1912. Wie der Bürgermeister Massie gelegentlich der Etatsbe- ratung der Gemeinde Niederzwehren mitteilte, ist die Errichtung eines Kasernements sür ein Fußartillerie-Regiment jetzt gesichert. Die Kaufverträge bezüglich des Baugrundstücks und des Uebungsgeländes sind bereits vom Ministerium genehmigt worden. Mit dem Bau der Kaserne wird voraussichtlich im April begonnen. Bekanntlich hatten sich niehrere Orte bemüht, das Regiment zu erhalten, doch gab die Nähe Kassels als Mittelpunkt
Wochen-Kundjchan.
|:| Fulda, 22. Mar, 1912.
Aus Kirche und Schule.
* Ta» Komitee zur Borbrreilang des 23 Euchari» fnlajHi Weltkongresses in Wien erlöst lolgenoen Zlutruf:
Ta» Jahr 1912 soll für Österreich-Ungarn ein Fest tn sicb schlichen, wie die Monarchie seit ihrem Bestand kein ähnliche» gefeiert hat. Dem Herrn des Himmels und der Erde, der sich in göttlicher Liebe ü« un« herabgelafsen hat, um im allerheiligsten Sakramente des Sitar« da------" ftc
wohnen, will die ganze katholische Welt in der alten Kaifertzadt am Donaustrande eine große Huldigung darbringen. Dem Gottmenschen, der uns alle durch die heilige Eucharistie, dieses Denkmal feiner Liebe, verbinden wollte, werden alle Völker Oesterreichs, vom Riesengebirge bis zur Adria, vom Bodensee bis zum Dnjestr einmütig sich weihen und sie erwarten, in den Freudentagen des kommenden Septembers Teilnehmer auch aus allen übrigen Ländern der Erde begrüßen za können. Die einträchtige begeisterte Liebe zu unserem Herrn und Heiland sonne seiner Braut, der heiligen Kirche, die bei den Weltkongressen in Köln und in London, in Mrmtreal und in Madrid sich so herrlich gczeig 'xrt, soll auch im Herzen der Habsburgerreiches auffla,..uien und den Segen des Allmächtigen auf die Nationen Oesterreichs und auf die Völker der ganzen Erde durch die himmelstürmende Bitte erflehen. Seine Kaiserliche und Königliche Apostolische Majestät, unser allergnädigster Kaiser und Herr, in dessen erlauchtem Hause eine besondere Verehrung des hochwürdigsten Gute» Gutes seit Rudolf von Habsburg edler Tat heilige Ueberlieferung ist, hat das Protektorat über den Eucharistischen Weltkongreß ui Wien zu übernehmen geruht. Möge sein erhabenes Beispiel eine begeisternde Mahnung fern, dem allerheiligsten Sakramente den Tribut schuldrger Ehrfurcht und kindlicher Liebe ohne Furcht und Zagen, mit echt katholischem Freimute, darzubringen. Seit den Tagen Rudolf» von Habsburg bis zur gegenwärtigen Stunde blicken die Völker des weiten, vielsprachigen Reiches freudig hin auf das erbauende und erhebende Beispiel ihrer geliebten Monarchen, die mit kaiserlicher Pracht alljährlich das heilige Frohnleichnamsfest begingen und dadurch für die würdige Feier diese? Hochfestes der Eucharistie in jedem Gau, in jeder Stadt in jedem Dorf begeistern. Der kommende September aber soll alle diese Völker hinströmen sehen nach Wien, dem Herzen des Reiches, dort sollen sie in Anbetung und Andacht gesammelt, vereint mit dem erlauchten Kaiserhause und mit deir Vertretern der ganzen katholischen Welt in nie gesehener Pracht, gemeinsam dem Herrn de» Himmels und der Erde huldigen. Wer nur immer kann, der komme l Der Bauer verlasse für diese Tage seinen Pflug, der Arbeiter seine Werkstätte, der Bürger sein HauS, der Gelehrte ine Störte seiner Forschung, der Adel seine Burgen, denn an diesem Hochfeste fühlen wir uns alle eins in dem Bewußtsein, daß wir alle Glieder sind am mystischen Leche, dessen Haupt Christus ist. Wien, seit Jahrhunderten der Mittelpunkt der sozialen und ideellen Kultur des alten Hab», burgerreiches, wird mit feinen Kunstschätzen und Deirk- "■A.ern »nipf ' m ei-t-en <t.iitt trh-n uunnrnnett oen würdigen Rahmen für diese Festlichkeit bilden. Zugleich wird der 12. September, der Beginn der Kon- greßtagung, an jene ruhmreiche Heldentat erinnern, durch welche.1683 vor den Mauern unserer Stadt die abendländische Kultur gerettet wurde. Da» Fest Mariä Namen, an dem die große eucharistische Prozession über die Kampf, und Siegcsstätte jenes Tages sich be. wegen wird, ruft uns alljährlich auch die kirchlich« Bedeutung dieses patriotischen Gedenktage» in Er- innerung. Wien» kunstliebende und im Kerne fromm- gläubige Bevölkerung grüßt bi» in die fernste Ferne die teuren Glaubensbrüder aller Völker und Nationen. Tage geistiger Erhebung, edler Erbauung und reiner Christenfreude will sie ihnen an dem hehren Feste bieten und heißt sie alle von Herzen willkommen.
haben bte Beredtsamkeit Churchill- für verletzend oder aar drohend erklärt. Wir möchten ihr nur da- Eigenschaftswort „echt englisch" beilegen. Tie dortigen Staatsmänner haben erfahrungsgemäß ihre eigentümlichen Manieren und Taktiken, die nicht immer mit „Europas übertünchter Höflichkeit" harmonieren. Wir erinnern nur an die öffentliche Drohrede des SchatzministerS Lloyd George und das brüske Borgehen des ArbeHs Ministers Grey vom vorigen Sonimer. Herr Churchill liebt auch die „er- frischende Offenherzigkeit", die sich bis zur Rücksichtslosigkeit entfaltet. Er hält es für schön und gut, vor aller Welt offen herauszusagen, daß die englischen Flottenrüstungen sich ausschließlich nachdem Maße des deutschen Flotten bau es richten und die Gegenwehr gegen die deutsche Seemacht zum Zwecke haben. Da die Engländer so- wohl im privaten wie im öffentlichen Leben gerne mit einem Bluff arbeiten, so sucht Herr Churchill uns zu verblüffen mit der entschiedenen Ankündi- guug, daß England gewillt und fähig sei, auf jeden Schelmen andertholbe oder gar zweie zu fetzen.
Etwas neues und überraschendes finden wir in diesem Verblüffungsversuch nicht. Wir wußten schon längst, daß England die Ueberlegenhcit zur See behaupten will und nach seinen Verhältnissen auch mit äußerster Kraftanstrengung behaupten muß. Damit konnten wir uns sehr leicht abfinden. Tenn Deutschland hat niemals den Plan gefaßt und wird ihn auch nicht fassen, die englische Seemacht zu überholen. Das ist der Grundirrtum Churchills und seiner zahlreichen und einflußreichen Gesinnungsgenoffen, daß er „von sich auf andere schließt" und demgemäß annimmt, daß der deutsche Flottenbau sich ebenso ausschließlich gegen England richte, wie der englische Flottenbau gegen Deutschland. Tatsächlich geht im Einklang mit den amtlichen Erklärungen die Willensmeinung der deutschen Regierung und des Volkes dahin, daß die Stärke unserer Seemacht nach der Gesamtheit unserer Bedürfnisse zu bemessen ist (Schutz des deutschen Handels, der deutschen Kolonien, der Rechte Deutscher in überseeischen Ländern und Hilfsmittel in einem Kriege). Den letzteren Punkt pflegt man in amtlichen Erklärungen des lieben Friedens halber weniger zu bet men; doch weiß jeder Einsichtige von selbst, daß wir auch in einem Kriege auf dem Kontinent eine kräftige Flotte dringend brauchen würden. In Bezug ans England haben wir nicht die Absicht, eine Ueberlegenheit oder auch nur eine An- griffsfähigkeit zur See zu erlangen, sondern wollen nur unsere Seewehr so stark machen, daß da» Risiko für den Angreifer abschreckend g r o ß ist. Wenn man die Zwecke und die möglichen Aufgaben der deutschen Flotte in ihrer Gesamtheit betrachtet, so ergibt sich sofort, daß wir unseren Flottenbau nicht einfach schematisch von den weiteren Schiffsbauten Englands abhängig machen können.
9hm hat Herr Churchill tu einer zweiten Rede den Vorschlag wiederholt, man solle zunächst eine gegenseitige Information über die geplanten Schiffsbauten vereinbaren. Deutschland baut auf einem gesetzlich festgelegten und allgemein bekannten Plane; England dagegen beschließt Jahr für Jahr über die neuen Kiellegungen. Tie deutsche Regierung hätte also eigentlich gar feine Geheimnisse zu verraten und könnte insofern sich auf die gegenseitige Information wohl einlassen. Aber die Erfahrong hat gezeigt, daß in England viel Argwohn herrscht wegen heimlicher Beschleunigung oder Uebeffchreitung des deutschen Bauprogramms. Dürfen wir nun den Engländern die Gelegenheit geben, eine Art Kontrolle auf den deuffchen Werften auszuüben und aus falschen Nachrichten diplomatische Stteftpunfte oder gar Vorwande zum Kriege herzuleiten?
In Summa: aus dem Churchillschen Wege kommen wir nicht zum Ausgleiche. Es muß erst, wie wir schon gleich betont haben, als die Rede vorlag, eine allgemeine Verständigung und Annäherung vorhergehen. Die Aussichten darauf find frei, sich nicht Verbeffert worden.
ständige Leute warnend hingewiesen hatten, folgten Schlag auf Schlag. Das Volk jedoch wollte nicht er. kennen, daß es zu schwach fei, um den leichtsinnig begonnenen Kampf durchzuhalten. Man suchte nach Sundenböcken und fand sie auch. Der Ka^n: wurde für abgesetzt erklärt und die Kaiserin Eugenie zur Flucht genötigt Bazaine wurde als Verräter der« schrien, unb_ es fand sich auch ein Gerichtshof, der diesen Unglücklichen wegen Verrats verurteilte. Das war eine große Freude für die frivolen Kriegstreiber; nun konnten sie ihre eigene Torheit ur> Schuld bemänteln, indem sie ausriefen: Seht, totr hätten siegen können und hätten auch gewiß gesiegt, wenn nicht der abscheuliche Verrat uns gelähmt und uns ins Verderben gefühtt hätte!
Es geht nichts über einen Sündenbock, auf dessen breiten Rücken man die eigene Schuld abschieben kann.
zu mach«; ihre Versuche schlugen jedoch fehl. Jetzt bat fie einen Geletzeutwurf über die gesetzliche Fest- legung eine« Muideftlohnes em gebracht, und sie hofft, ihn mit großer Beschleunigung jirrn Gesetz machen ja können Die Frage, ob damit der ütieif beendet werden wird, bleibt natürlich immer noch offen. — Bei der Einbringung des englischen Ma- nnertatS hat bei Erste Lord der Admiralität Chur- ch i k l, wie er selbst sagte, „mit voller Offenheit" am 'Diontag dargeleai, daß einzig und allein der Hin- blick auf die deutsche Flotte die Triebfeder der gewaltigen englischen Rüstungen zur See bildet. Es folgt dies naturgemäß au» der ganzen politischen Konftel- lation, feit die Entente mit Frankreich besteht. Aber noch niemals Hai eS ein englischer Minister gleich rückhaltlos wie Churchill im Parlament ausgesprochen. TaS Detttüsten nimmt also seinen Laus, und um die durch die Berliner Reffe Haldanes so verheißungsvoll begonnenen deutsch-englischen Ser» l^nbigtmgäoerbanblungeit steht es leider herzlich
Auf dem italienisch-türkifchenKriegs- schauplatzhat tf auch in dieser Woche nicht an Gefechten und Zusammenstößen gefehlt. Tie Kriegslage wird durch fie aber nicht beeinflußt. Zu einem Borstoß der italienischen Flotte ist es bisher auch nicht gekommen. Tie Regierung in Rom bat in- zwischen den Bertteiern der Großmächte ihre Friedensbedingungen mitgeteilt; fie find in durchaus friedfertigem Ton gehalten. In der Antwott Italiens soll nicht mehr von der Annexion, sondern von der Souveränität Italiens über Lydien die Rede sein; die persönliche religiöse Freiheit der Muselmanen will Italien anerkennen, erhärt sich unter Umständen auch zum Verzicht auf die italienische Post in der Türkei und zur Zahlung einer Enffchädigung bereit. Die türkische Regierung kann aber vor Abschluß der bevorstehenden Wahlen und bevor sie ihrer Majorität im Parlament sicher ist, keine definitive Antwort abgeben.
Heber Persien schweben wieder allerlei Verhandlungen; am kritischsten ist die Lage an der nordwestlichen Grenze, wo Persien, die Türkei und Rußland auf asiatischem Boden am Fuße des Kau- kafus zusammenstoßen. Dori macht sich russischer Einfluß auf entern Gebiete geltend, das nach türkischer Ansicht zum Reiche des Halbmonds, nicht nach Persien, gehört. Darüber streiten sich die Türkei und Rußland jetzt sehr heftig.
In China hat die neue Republik bisher die verschiedensten Anfechtungeu glücklich überwunden.
Wenn wir die Hand aufs Herz legen, so muffen wir zugestehen, daß auch unter uns gewöhnlichen Leuten im privaten Leben mit Sündenbücken gearbeitet wird Jeder macht gelegentlich mal Dummheiten und holt sich eine Niederlage; aber wie wenige verstehen es, sich reumütig an die eigene Brust zu schlagen und auf faule Ausreden zu verzichten! In der Regel soll ein anderer die Schuld haben, oder wenn sich gar kein lebendiger Sündenbock auf. treiben läßt, so liegt die Schuld am Schicksal Es sollen unvorhergesehene Hinderuiffe, überraschende Zwifchenfälle den schönen Plan bereüelt haben. In Wirklichfest wären ine Schwierigfesten wohl vorher- zusehen gewesen, wenn wir nut die Augen ordentlich aufgemacht und die Sache unbefangen bewachtet Hütt«. Aber in dem blinden Eifer blickt man übet die möglichen Gefahren hinweg und bildet sich ein, die Dinge lägen so, wie man sie wünschte. Der Wunsch wurde zum Vater der ©ebanfen; die Begierde baute Luftschlösser, und der Uebermul achtete nicht auf den Graben, der brest genug vor dem Ziele lag. Em Sprichwort sagt: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. TaS stimmt aber nicht immer. Manchmal setzt der Wille sich ein Ziel, zu dem wirklich fein Weg führt Wenn der strebsame Wan- derer im Sumpf steck« bleibt ober im Schnee sich verirrt, bann hat er e» an der nötigen Vorsicht fehlen lassen. Da« nachträgliche Schimsffen auf die
J? Wettrüsten zur See und Frredens- verhandlnngeu zu Lande.
Als der englische Kriegsminister Haldane nach Berlin fam und Verhandlungen über eine Annäherung zwischen England und Deuffchland eröffnet toutöen, war man hier zu Lande und auch in weiteren Kreisen Englands fivh darüber, daß die alte dornige Frage der vertragsmäßigen Rüstung 8- beschränfuugen in die zweite Linie gefcho- ben wurden und zunächst eine allgemeine Verstau- digung angebahnt werden solle. Man dachte, auf der Grundlage eines freundlichen und vertrauensvollen Berhältniffes bei den Mächten werde sich ein befriedigender Ausgleich in der Rüstunqsfrage schließlich von selbst ergeben.
Jetzt ist die Reihenfolge wieder umgekehrt worden. Von dem Verlause der allaemei »-politischen Verhandlungen hott man nichts mehr; aber inan hört Reden des Marineministers Churchill, die Iceitläufig und scharf daS Hettle Thema des Wettrüstens behandeln. Derselbe Churchill hat befannt- lich vor einiger Zeit, als die Annäherungshoffnungen ins Kraut schossen, da« undiplomatische Wort vom „Luxus" des deutschen Flottenbaues gesprochen. Seine neuesten Amtsreden wiederholen diesen drastischen Ausdruck zwar nicht, aber sie sind doch dem „Nachweis" gewidmet, daß die beutfche Flottenrü- stmrg fein« Sinn und Zweck habe, sintemal England auf jedes neue deutsche Schiff mH iy2 oder 2 werteren englischen Schiff« antworten werde, einige
Du hast gelegentlich dem Gehege deiner Zähne ein grobes oder verlästertes Wort entschlüpfen lassen. DaS gibt Storger, Streit, vielleicht einen Rechtshan» del oder eine schleichende Feindschaft. Wer ist schuld? Deine schaffe Zunge. Aber du willst dir Schuld nicht auf dich nehmen, sondern schiltst über die Leute, die so übelnehmerffch sind, und schiltst erst recht über die Klatscher und Ohrenbläser, die so etwa» weitertragen. Ja, würdest du nicht auch e8 Übelnebmen, jt>enn man dir solche Kraftausdrücke an den Kopf würfe? Und hast im immer das Stillschweigen eines Beichtvater» beobachtet, wenn du hottest, wie der Hinz über den Kunz aburteilt? Mit dem Ehrgefühl deiner Gegner und mit der Klatschsucht deiner Nachbarn mußtest du von vornherein rechnen. Wenn du ttotzdem Beleidigungen aufgc- tischt hast, so mußt du die unangenehmen Folgen tragen, und das beste fft, du machst dein Unrecht reumütig wieder gut, so schnell eS nur geht.
Ma» Mummt einen Einblick in den Charakter eine« Menschen, wenn man ibn im Augenblick de» Siege«, des Effolges, beobachtet. Wer da ruhig und bescheiden bleibt, der berbient Respekt. Aber eine noch schärfere Charakterprobe ist das Benehmen bei einer Niederlage. Da muß es sich zeigen, ab bei Menfch tapfer und gerecht ist. Wer ba saffuniSlos zusammenbricht, ist ein Schwächling, und wer ba bie eigene Schuld zu leugnen unb bte Verantwortlichkeit auf andere Leute abzuschieben sucht, ist entweder ein blöber Geck oder ein faulet Schwindler. WaS man sich ein gebrockt hat, bas muß man auch ausessen. Wer eine Niederlage erlitten hat, soll nicht andere schlecht mach«, sondern viel- mehr sich f e l b e r besser machen. Das heißt, er soll sich klarwerben über die Irrtümer uns Fehler, m bie er gefallen ist, und soll au8 der herben Umfahrung heilsame Lehren für die Zukunst zieh«. Die Niederlage mutz wett gemacht werden; da» geht aber nicht durch Schimpf« und Bertoum- hfflt stwkehr von
dem verderbltchen Wege. ,
Die Deckungsfrage ist nun endlich gelöst. Die verbündeten Regierungen schlagen zur Deckung der Mehrkosten der Wehrvorlagen die Beseittgung der sog. Liebesgabe vor. Ein enbgiltiged Urteil über den Deckungsvorfchlag bei Regierung wirb man so lange nicht abgeben tonnen bis nicht seine Einzel- heften näher bekannt sind Selbstverständlich ist mit Dem Deckungsvorschlag der verbündeten Regierun- gen noch keuiesweg» die Frage gelöst, ob es nicht Möglich ist, von neuen Einnahmen zur Deckung der Mehrkosten bei Wehrvorlagen ganz abzusehen und sie aus ben vorhandenen tleberschüsfen zu decken. Grundsätzliche Bedenken stehen der Beseitigung der sog. Liebesgabe bei der überwiegenden Mehrheit des Reichstages nicht im Wege. Ein sachliches Bedenken Märe nur da«, ob und in welcher Weise für die süd. dentfchen Brenner, die durch die Beseitigung der Liebesgabe besonders schwer getroffen wurden, eine Entschädigung vorgesehen ist. In unmittelbarem Zusammenhang mrt der Lösung der Deckungsfrage steht der Rücktritt des Schatzsekretärs Wermuth. Herr Wermuth hatte sich in der Deckungsfrage in der Verkennung der poliffschen Sachlage so sehr auf die Wiedereinbringung der Hinterbliebenensteuer versteift, daß er nicht länger sm Amte verbleiben zu können glaubte, nachdem die Vertreter der verbündeten Regierungen einstimmig, wie halbamtlich ausdrücklich festgeftellt worden ist, einem Vorschlag nicht beitraten. Es ist also absolut alsch, wenn <4 von der liberalen Presse so hin geteilt wird, al» ob Herr Werrnurh als ein Opfer des Zentrums bezw. des bayerischen Ministerpräsidenten Frhr. v. Hertüng gefallen sei. Tas ist, um es rund heraus zu sagen, eine lächerlich- Behauptung, ebenso Wie die Behauptung der liberalen Presse, daß Herr Wermuth dem Zentrum verhaßt sei. Das Zentrum läßt sich in feiner Politik niemals von persönlichen ©riinben leiten, sondern ausschließlich von sachlichen Gründen. Unb wenn es gegen die Wiederein» bringung der Hinterbliebenenstener Front machte, sa geschah da» nicht, um Herrn Wermuth Schwierigkeiten zu bereiten, sondern aus der Erkenntnis per» aus, daß dieselben sachlichen Gründe, die 1909 zur Ablehnung der Erbanfallsteuer führten, heute tn gleichem Umfange weiter bestehen.
Der unselige B e r g a r b e l t e r st r e i k, der weite Schichten der Bevölkerung mit Erwerbslosigkeit bedrohte, ist vorüber. Seine Veranstalter haben ihn als aussichtslos aufgegeben unb ihren Anhängern die Wiederaufnahme der Arbeit empfohlen. Die fünftägige parlamentarische Debatte, die man diesem achttägigen Streik widmete, hat den Beweis erbracht, daß die öffentliche Meinung zum weitaus größten Seife nicht hinter den Streikenden stand und ihnen ihre Sympathien versagte» weniger wegen der Lohnforderungen wie überhaupt der durch den Streik vertretenen Forderungen, als vielmehr wegen der Wahl gerade dieses Zeitpunktes, der der deutschen Industrie die wichtige Möglichkeit bot, vielleicht ganz erhebliche Absatzgebiete der infolge des englischen Bergmannsstreiks nicht toistungsfähigen englischen Industrie zu erobern. Der Streik ist also damit beendet, der Streit um die Löhne nicht. Das Kohlensyndikat hat zum 1. April neue Kohlenpreise beschlossen. Da die Werke überwiegend gute Erträge abwersen, besonders die modernen ganz gro» feen Riesenwerke im Norden des Reviers an'der Lippe mit Tausenden von Arbeitern, so kann erhofft werben, daß bie Steigerung der Arbeiterlöhn-, bie feit einiger Zeit zu beobachten ist, ihren beschlenritg- ten Fortgang nehm en wird.
Der Streif in England dauert an und ver- breitet eine von Tag ju Tag steigende Not im L inde. Huf beiden Seiten hält man mH Energie an seinem < "udpunkte fest: die Arbeiter an der Forderung ber Mindest löhne, die Arbeitgeber an der Forderung der ©egenleiftung in Gestalt einer Mindest- letft nn g. Die Regierung hat auf allen möglichen Wegen veffucht, dem unfeligen Kampfe, der gerade Englands Weltstellnng im Handel zu erschüttern oder wenigstens schwer zu schädige» droht, ein Ende
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Hnpolttiidf« öeitlällse.
N. Berlin, 21. März 1912.
kNachdruck verböte,i.) ,.„^n?^ren.fan,en Einmal zwei Freunde zu mir und wollten meinen Rat hören, «meyer sagte, es fet da etn großartiges Geschäft in Borortgrundstü- , et! .3U machen. Er wolle mit Bemeyer zusammen ''^sichere ^Pekulativn einspringen, aber ber eine zaghafte Frau, bie ihm mH ihrem ben Ä i^E Ich gab den Herren zunächst mich in Ruhe lassen Slberfie
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toi und Zinsen verzichtet, so werden eure Erben ober Nacherben vermutlich einen schönen Profit einsttei- chen tonnen unb euch vielleicht nachträglich einen schönen Grabstein fetzen lassen. Vor eurem Tobe könnt ihr nur einbuttern, aber nichts herausbuttern!" Als Frau Bemeyer das erfuhr, erflätte sie mich für einen ber vernünftigsten Männer des Jahrhunberts. (ES war noch baS 19. Jahrhundert.) Herr Bemeyer hielt sich zurück; aber Herr Ameyer stieg trotzdem in baS Geschäft. Es dauerte nur wenige Jahre, da fam
zum Krach. Die betreffende Gesellschaft konnte die nötigen Zuschüsse nicht mehr aufbringen, bie Grundstücke wurden subhafti-rt unb Herr Ameyer k5- Nun staub ich als ruhnchekrön- O nein! Mein gewesener Freund bafe ick unermüdlichem Zungenschlag,
mich m k?^ ganzen Unglück und daher ÄS. ÄÄS'fe?2 bild Mich noch emgefptuiigen wäres so batten Re Me Sache durchhalten können unb würden i-^ A Golde schwimmen; da ich nun durch mrtne bSart£ Einmischung den Bemeyer auf die falsche Bahn bracht hatte, to fet ich wirklich und wahrhaft btt Urheber deS Verderbens. Meine Entgegnung^ daß der Zuschuß von Bemeyer längst nicht ausaereickst hätte, um das klaffende Loch zu stopfen, wurde mit Mminanter Beredsamkeit al3 faule nuSrebe hinge. jMt und mir zu verstehen gegeben, ich solle noch
yeroeigefuyrt bat. Sa« armen geschädigten Leute, — nun, bie bilden das Kanonenfutter.
ES fft eine alte Geschichte, doch bleibt sie ewig neu. Im Jahre 1870 brach in Frankreich das Kricgssieber aut. Tie damaligen Minister erklärten, bie Armee fet tnbereit; die Masst auf den Stra- schrie „K Berkin . Wer den Krieg für gefährlich erklärte, wurde al» Feigling unb Verrat« beschimpft Mit blindem Quan wurde ber „Spazier»
mich ^'doshE^Lastle^E^^ “”b nicht derlagen^aiff die der alte Thiers und andere ver» An dieses Seine Erlebnis wurde ich jetzt erinnert ,bei dem Abbruch des Bergarbeiterstr t i k s. Wer hat das Unglück verfchuldet, in das Taufende' und Abertausende von Arbeiteffamttien hineinaeraten find? Der einfältige Menscheiwer- ftanb sagt: Die Schuld tragen die roten Führer, welche die Leute nt einen Kampf hineingehetzt Hecken, dessen AnSsichtSlofigkest von vornherein klar zu erkennen war. Aber die roten Führer und ihre Mitschreier suchen bie Schuld abzuwälzen — auf die christlichen Nicktftteiker. Sie wiederholen in allen Tonarten: Wenn die Christlichen mitgestteiki HÄ- ten, so würdm totr bie Sache durchgehalten unb zum Siege geführt haben! TaS fft Unsinn, aber es steckt Methode in dem Schwindel. Wenn die Christlichen mitgeftrerkt hätten, fi, würde e» mehr Ruinen und Elend gegeben haben;
och nach aller menschlichen Berechnung keinen c1®3, sondern eine noch dick empfindlichere Nie- S®*" r Un,b 615 die Roten losschlugen, ba tiarVe 9-Jeh d’SL.9“1Xi 6°tou' ber Vern uns- fnS. Kameraden nicht mtitttn wollte und dtof« lr>ttA?Äfeichafte Führer hätten sie auS f0f0Tt Schluß ziehen müssen: „Halt, da nruss« totr mH dem LoSschlageir warten, ■Rrieg»maInrfdJa{t einig tuü) geschlossen be.
—bie hab« ben Krieg erklärt, obschon sie wußten, daß ihre Armee nicht bereit war. Das Ersuch wird eine solch wahn. «H-r? Wxr' brenn man an bat früheren Ausspruch eines roten Arbeiterführer« denkt- Ein verloreiter Streif sei besser, als drei aetomt. neue! Der verlorene Streik bringt Not und Wut hervor, und von der Unzufriedenheff profitiert bie Umftnizpartei, auch wenn sie selbst bas Unglück