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59. I«qrsa»s-

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- 4. Blatt

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Mahnung a» katholische Elter«.

Der Frühling rückt näher, und vor uns steht Ostern. Nur noch einige Wochen und Euren 14jähr. Sohne« öffnen sich die Pforten der Schule. Sie nehmen Abschied von der Anstalt, die ihnen während 8 Jahre Wächter und Führer war, um mH größerer Freiheit ausgerüstet den Weg ins öffentliche Leben zu beginnen, der auch von jedem eine größere Selb» tändigkest verlangt. Die meisten Eltern sind schon eit Wochen bemüht, die entsprechende Lehrstelle für hren Sohn zu finden. Ist dies gelungen, so haben ie eine wichtige Arbeit geleistet. Denn der rechte Beruf und ein geeigneter Meister, das sind wichtige Momente für das künftige Leben des jungen Men­schen. Aber hiermit, liebe Eltern, habt Ihr Eurer Pflicht gegenüber dem Heranwachsenden Erdenbür­ger noch nicht genügt. Mit der freier» Bewegung rin öffentlichen Leben erwachsen für Euren Sohn auch neue Gefahren und für Euch neue Pflichten. Die Zeit nach der Entlastung aus der Schule ist für den jungen Burschen von der allergrößten Bedeutung für sein ganzes ferneres Leben. Es ist die Zeit, von der der Dichter sagt: „Es bildet ein Charakter sich im Strom der Zeit." Und daß man die hohe Be­deutung dieser Zeit heute allgemein erkennt, das zeigt das Interesse, das man von verschiedenster Seite für die Jugendpflege an den Tag legt sich des Wortes bewußt: „Wer die Jugend hat, der hat die Zukunft." Wie verschieden aber die Ansichten in die» er wichtigen Sache sind, das zeigen die mannigfaltig» ten Ziele, die sich die Vereine stellen, die sich heute ür die Jugendpflege interessieren, sowie die Mittel, >ie sie anwenden, um Eure Söhne, liebe Eltern, un­ter ihre Fittiche zu bekommen. Manchmal sollte man glauben, das Leben sei ein großes Spiel, und nur zu Vergnügen solle der Heranwachsende junge Mann erzogen werden. In andern Vereinen hört man nur von großen Wanderungen, Kriegsspielen und bergt, als ob das die einzigen Mittel zur Ju­gendpflege seien. L. Eltern, so lobenswert auch man­ches dieser Streben ist, so daß auch wir ihm unsere Anerkennung nicht versagen können, es kann uns nicht genügen. Es verdient gewiß unsere Anerken­nung, dafür besorgt zu fein, daß nach uns in un­fern Kindern ein Geschlecht erwächst, das, körperlich gesund und kräftig, in der Lage ist, den Anforderun­gen des Lebens, die für den einzelnen immer grö­ßer werden, genügen zu können. Auch sehen wir gern, wenn unsere Zöglinge sich freuen, und wir freuen uns gern mit ihnen. Ja, eine Jugend ohne Freude ist wie ein Garten ohne Blumen! Aber, christliche Eltern, Ihr werdet einsehen, daß dies alles uns nicht genügt, so löblich es auch sein mag. — Be­sonders große Gefahren entstehen für den jungen Mann von heute nach seiner Entlastung aus der Schule in der Werkstatt und im gesellschaftlichen Um­gang mit seinen Kameraden in religiös-sittlicher Be- ziehung. Unter denen, die heutigen Tages ihr In­teresse für unsere Söhne bekunden, gibt es leider auch eine große Anzahl, die nur darauf ausgehen, ihnen ihre Begriffe in sittlicher Hinsicht zu verwirren und ihnen ihr kostbarstes Gut, ihren heiligen Glau­ben zu rauben. Was die katholische Mutter von frühester Jugend ins Kindesher; gelegt hat, was dann Geistliche und Lehrer in der Schule weiter ge­baut haben, das gerät hier, wenn ein Wächter und Beschützer fehlt, in größte Gefahr. Geschieht dies aber auch nicht immer direkt, so ist der Umstand, daß der junge Mann von Religion, und religiösen Fra­gen nichts zu hören bekommt, leicht geeignet, ihn nach dieser Seite hin leichtsinnig zu machen und manche Mutter, die einen frommen Jungen ins Leben schickt, erhält einen religiös-gleichgiltire» zurück! — Diese Gefahren verlangen für den Heranwachsenden Er­denbürger Gelegenheit zur Aussprache, zur Orien- iierung. Gelegenheit hierzu bieten die katholischen Jünglingsvereine in ihren Mitgliedern und ihrem Vorstand. Die jungen Leute müssen Anschluß fin- ben an treue Freunde, die nach gleichen hohen Zie­le» streben, daß sie in ihrem idealen Streben nicht erlahmen und durch den Anblick und den Einfluß Niedriggefiunter in ihrem hohen Geistcsfluge nicht beeinträchtigt werben und in den Schmutz des All­tagslebens abwärts sinke». Sie mästen einen zu­verlässigen Führer haben, dem sie sich ganz und gar wrvertraueu können, und der sie in schwankenden Seiten stützt und aufwärts hebt. — Darum, katho- Iqttje Eltern, gehören Eure Söhne einem Vereine

gleichgesinnter Altersgenossen an. Eine solche Ber­einigung ist der

Katholische Jünglingsverein.

Hier finden die jungen Leute die zuverlässigste Gele- genhetz zu ihrer religiösen Erstarkung und Weiter­bildung. Hier werden sie auch eingeführt in die Pflichten, die sie als katholische Christen haben und angeleitet zu deren rechter Erfüllung, und dieser Umstand kann für katholische Eltern wahrlich nicht nebensächlich fein. Dazu kommt, daß die katholischen Jünglingsvereine in ben Veranstaltungen zur Pflege eines gesunden und kräftigen Körpers, zur Weiterbildung und Vorbereitung aufs praktische Le­ben den andern Vereinen nicht nachstehen, was auch von hervorragender Stelle wiederholt anerkannt wurde. Drum kath. Vater, kath. Mutter, mache es Dir zur Gewistenspslicht und führe Deine der Schule entlassenen Jungen nur einem kathol. Jünglings­vereine zu. Für Fulda find die Anmeldungen für den Jünglingsverein der Dompfarrei zu richren an Herrn Domkaplan Rippen, für die Stadtpfarrei an Herrn Stadtkaptan Börsting, und für die Abteilung des Kaufmännischen Vereins an Herrn GeisU.-Ober- lehrer Goebel..

Fulda, im März 1912.

Der kathol. Ortsausschuß für Jugendpflege.

Deutsches Reich.

X „Felddienstübungen für ben Umsturz" hat im braunschweigischen Landtage der Staatsminister Hartwig die sozialdemokratischen Straßendemon­strationen genannt. Er erklärte, die Regierung könne das Recht der Sozialdemokratie auf die Straße nicht anerkennen; sie betrachte die Demonstrationen als Felddienstübungen für den Umsturz; darum sei es ihre unabweisbare Pflicht, alle Maßnahmen zu ergreifen, solchen Demonstra­tionen wirksam entgegenzutreten.

* Von bet Parität" in Posen erzählt das „West- preuß. Bolksbl.": Unter 26 Kreisschulinspektoren zählt der Regierungsbezirk Bromberg nur 4 — in Worten: vier — Katholiken. So werden auch Her die Katholiken ht einer geradezu unverantwortlichen Weise benachteiligt. Daß es an befähigten katho­lischen Männern für diese Schulaussichtsposten fehlt, wird man uns wohl nicht Vorreden wollen. Die „Gleichberechtigung" der Katholiken steht eben besonders für die Ostmark nur auf dem Papier!

** Sozialdemokratie und Freiheit. Die deutsche Sozialdemokratie ist von nichts freier als von — Freiheit. , Dieses Wort des englischen Sozialisten Shaw wird wieder einmal illustriert durch sogen. Arbeitserlaubniskarten, die von der Streikleitung des sozialdemokratischen Bergarbeiter» -Verbandes ausgestellt worden sind.

Die «orbeilette der Ratte tft rote folgt bedruckt: Verband der Bergarbeiter Deutschlands. Zahlstelle... Arbeitskarte... Nr. . . . für Kamerad... 91. des Berbandsbuchei . . . Gültig zur Arbeit auf Zeche ... Dalum: . . . Für die 6ltetfleitung: Stempel . . . (BerbandSstempel.) — Auf der Rücksette der Karte beißt es: Zur Beachtung. 1. Diese Karle ist nur gültig, wenn die erste Seite in korrekter Weise von der Streikleitung auSgefüllt ist. 2. Die Arbeits­karte berechtigt nur zur Arbeit bei dem- i ent gen Werke, aus besten Namen sie ausgestellt ist. 3. Wird das Ardettsverhüllnis gelöst, gleichviel ob frei­willig oder unfreiwillig, dann tft die Kacke an die Streikleitung zurückzuliesern. 4. Die arbeitenden Kollegen sind verpflichtet, an allen Versammlungen, w iche abends oder Sonntags ftalisinden, teilzunehmen. Ferner stnd sie gehalten, der Streikleitung in Erfüllung ihrer Ausgabe behilflich zu sein, insbesondere dadutch, daß sie, wenn es die Umstände erfordern, des Abends und Sonntags mit Posten stehen und die Agitation unter den Indifferenten mit betreiben helfen. Die Inhaber von Arbeitskarten können durch Beschluß zu einer entsprechenden Zahlung eines Exiradeitrages tm Interesse der Streikenden veranlaßt werden. Der Extrabeitrag soll pro Tag 60 Psg. nicht Übersteigen. 5. Für die Beitragsletstung der Inhaber von Arbeits­karten gelten die Beschlüsse der Streikleitung und Streit» Versammlung und des Verbandkvorftan des.

Die Karte ist vom Verbaudsvorstanb unter­zeichnet.

-T- Straßburg, 22. März 1912. Wie schon ver» chiebentlich erwähnt, hat das Oberlandesgericht Kalmar eine Reihe der Wahlen zum elsaß-lothrin­gischen Landtag deshalb für ungiltig erklärt.

weit nach Annahme deS Gerichtes die Geistlichkeit einen Druck auf die Wähler auigeübt hat, .welcher geeignet war, bereu freie Entschließung bei der Wahl zu beeinträchtigen*. Die Geistlichen des Kantens Mülhausen, in dem die Wahl der beiden Zentrumsabgeordneten kassiert worden ist, erlassen nunmehr eine öffentliche Erklärung, in der es heißt:

Der Meinung gegenüber, zu welcher das Urteil des Oberlrndesgerichis von Kalmar Anlaß gegeben, stellen wir folgendes fest: Der Priester als solcher hat das Recht und die Pflicht, über Politik zu sprechen. Das Gebiet der Politik ist kein neutrales. Die Ausübung dcS Wahlrechtes ist eine Gewtssenslrage. Der Priester tat nur dann seine Bedeutung, wenn er sich über die Pflichten des öffentlichen Lebens, des Fa­milienlebens, des Privatleben- im Geiste der Rtt-r,e ausiprtchl. Die Bischöfe in ihren Hirtenbriefen, die Pfarrer in ihren Unterrichten, muffen den Gläubigen darlegen, es sei niemals erlaubt, feine Stimme zu geben einem Manne, der gegen Gott, Kirche, Gesell- lchaft als ausgesprochener Feind auftritt Anders handeln, ist eine schwere Sünde, ein verhängnisvolles Pergehen. So lehrt Leö XIIL in seinem Hirtenbrief vom 10. Januar 1890; so sprachen die deutschen Bischöfe am Borabend der Wadlen von 1881; so ichreiben die Bischöfe Oesterreichs im Jahre 1891. Nach dieser Lehre haben wir gehandelt und werden es auch fürderhin tun.

Der oberste Gerichtshof von Kolmar, bestreitet zwar den Geistlichen als solchen nicht daS Recht, ihre Gläubigen in den Wahlfragen aufzuklären, aber er will nicht dulden, daß dies vor bestimmten Wahlen geschehe. Rach der Auffassung des Ge­richtes hat allo der Geistliche das Recht, seine Gläubigen aufzuklären, nur nicht, wenn es notlut.

Ausland.

** In Oesterreich werden tn Zukunft jene Dfft» ziersfrauen, die mindestens drei in der Armee dien­ende Offiziere zu Söhnen haben, für die Auszeich­nung mit dem Elisabelhordeu vorgeschlagen werden. Man will dadurch erreichen, daß das jugendliche Material für die Kadettenschulen mehr als bisher den Offiziersfamilien entstammt.

** Zurechtweisung französischer Fanatiker. Der Staatsrat in Paris hat sich mit mehreren Ver­fügungen befaßt, die in das Gebiet der Kirchen­politik htneinragen. So kassierte er einen Erlaß des Präfekten vom Rord - Departement, der einer Ge­meindeverwaltung verwehren wollte, das ehemalige Pfarrhaus um jährlich 10 Franken zu ver­mieten. Der Staatsrat stellte sich auf den Stand­punkt, daß die Gern inden in der Festsetzung der Mietziffer selbständig sind und daß keinerlei Verstoß gegen das Trennungs-Gesetz bei solchen billigen Ver­mietungen vorliegt. Ein anderer Beschluß des Staats- rates hebt wieder eines der unsinnigen sektierischen Läute-Reglements auf, die ein radikaler Torf- gewaltiger zur Schikanierung der Pfarrgemeinde er­lassen hatte. Der würdige Bürgermeister wollte das Glockenzeichen bei der Wandlung, obwohl es nur 5 Sekunden beansprucht, als .Störung der öffent­lichen Ordnung" verboten haben.

** Di« Mißwirtschaft im Kabinett GanalejaS hat, wie die konservativen Blätter offen erklären, )ie letzte spanische Ministerkrisis herbeige- ührt. Sie heben hervor, die Umbildung des Kabi- nettes bedeute keineswegs das Ende der Krisis, son­dern erst ihren Anfang, wenngleich die öffentliche Meinung tum größten Teil der Ansicht ist, daß die Liberalen die längfte Zeit am Ruder gewesen sind. Canalejas hat es gut verstanden, sich die Präsident- chast zu erhalten durch die beiden Reden, welche er über die Marokkofrage gehalten hat. Mil außer- ordentlichem Geschick hat er mehrere Minister auS einem Kabinett ausgeschieden und an ihre Stelle Ersatzmänner berufen, mit denen er fein Ziel besser u erreichen hofft. So kann Canalejas heute in einem Ministerium Liberale aller Parteischat­tierungen aufweise». Wenn nicht besondere Ver­wicklungen eintreten, wird das Ministerium Canale- jas wohl noch dieses ganze Jahr am Ruder bleiben, besonders, wenn Canalejas wie bisher das Durch­einander in der liberalen Partei geschickt benützt, um sich feine Ministerpräsidentschast zu sichern. Dar umgebildete Kabinett Canalejas wird allerdings

kaum die religiöse Frag« aufzurollen versuchen, son­dern sich darauf beschranken, den Marokkohandel zu Ende zu fuhren und die finanzielle Mißwirtschaft zu bessern. — Wenns nur gelingt!

* Von den politischen Gefangenen in Portugal, bon der Behandlung, bte ihnen in de» Kerkern die republikanischen Machthaber angedeihen lassen, bringt der Londoner „Standard" glaubwürdige Mit­teilungen. Man lieft da: Die Zellen sind für die Zahl der darin untergebrachten Gefangenen viel zu klein. Man muß für einen Gefangenen min» bestens 40Kubikmeter Raum fordern, während im Hauptgefängnis von Caxias dieser Raum nur drei Kubikmeter beträgt. Die Zellen haben nur ein hand­großes Loch für Licht und Lust. Selbst zur Mit- tagszest kann niemand in diesen Zellen lesen oder schreiben, und um nicht zu ersticken, müssen die Ge­fangenen sich an das kleine Luftloch herandrängen. Bei Rcgenwetter sind die Zellen feucht. Ihre einzige Ausstattung besteht in einer Strohmatratze, bie auf bem Boden liegt. In einigen Zellen müssen sich die Gefangenen mit Schirmen gegen das herab- tropfeude Wasser schützen. Politische Gefangene und Schwerverbrecher hat man einfach zusammengewür­felt. Das religiöse Bekennt ni s der Ge­fangenen wird nicht respektiert. Weder die Geist»- eben, »och die Laien erhalten das Recht oder die Möglichkeit, eine Messe zu hören. Einer der Häft­linge gebrauchte in einem Briefe an seinen Bruder den Ausdruck „Gott sei Dank, ich bin noch gesund". Der Gefängnisinspektor belehrte ihn darauf, daß diesmal der Ausdruck noch gestattet würde, in Zu­kunft aber habe der Raine Gottes aus den Ge- sängnisbriefen fortzubleiben. Als die Gefangenen diese Verfügung hörten, stimmten sie mit de» vielen Geistlichen, die mit ihnen die Hast teilten, die Hymne „Wir wollen Gott, unfern Vater" an zum Aerger der republikanischen Schergen. Die republikanische Soldateska behandelt die Monarchisten mit ausge­suchter Bosheit. Von dem erste» Trupp Mo­narchisten, der ans Aveiro kam, wurden nur zwei unverletzt ins Gefängnis eingeliefert, bie übrigen trugen alle die Spuren der U »Menschlichkeit der Soldaten oder des Pöbels. Unter den Ver­letzten befanden sich Greise von 60 und 70 Jahren. Die Mahlzeiten, bie natürlich sehr bürftig sind, wer­den in ben gleichen Geschirren verabreicht, die den Gefangenen zum Waschen bienen. DasEssenist mit Haaren unb Insekten durchsetzt und in halb- faulem Zustande, besonders das Gemüse. Im Ge­fängnis von Trafaria, wo Schiffe nur bei gutem Wetter landen können, bleibt bei Sturm und Un­wetter das Essen überhaupt aus, und die Gefange­nen muffen hungern. Von den siebzig Monarchi­sten, di« man dorthin geschleppt hat, ist kein ein- ziger mehr gesund. Eine schlimme Haut­krankheit ist bei ihnen durch die Unreinlichkeit aus- gebrochen. Im Gefängnis Alto do Duque sieht eS nicht besser aus. Dort hat man in 14 Zellen nicht weniger als 139 Gefangene untergebracht. Die meisten der Verhafteten sitzen nunbereitSneun Monat« im Gefängnis und erwarten immer noch vergebens ihre Aburteilung. Ein politischer Häftling, der sechs Monate in den schrecklichen Lö­chern deS Kerkers von Limeiro zubrachte, berichtet, daß Hunderte von angesehenen Leuten sich in den Cachvts befinden, wo Der Auswurf von Lissabon mit ihnen vermengt wurde. Ohne Beschäftigung ober Zwangsarbeit sinb dort die Schwerverbrecher unter­gebracht. Mehrere Gefangene starben an Blut- vergiftung, die Todesopfer desTyphus gehe» in bie Hundert«. Die Gefangenen, die sich des Ro­senkranzes bedienten, wurde Die Kost herabgesetzt, sie mußten die K r u; i s i x « a b g e b « n, die sie zu den Häupten ihrer Lagerstätten angebracht, mit der SBe»1 grünbung, bie Gefühle ber anderen Mitgefangenen würden dadurch „verletzt". Dabei führen diese Mit­gefangenen gegen alles Religiöse eine Sprache, die' einer Gotteslästerung gleichkommt. Hier werde», natürlich die Gefühle der Andersdenkenden nicht in; Schutz genommen. Etwas besser behandelt werdens nur jene Häftlinge, die das Wohlwollen der Wärter; mit irgend einer Geldspende erkaufen können. —•; Ti« einzige Schlußfolgerung — so schreibt bet! ©tanbarb —, bie aus einem solchen Schreckensregi­ment gezogen werden kann, ist, daß die Portugiesische. Regierung am liebsten die Gefangenen durch bie* Pestilenz ums Leben kommen sehen möchte, um sie; nicht vor Gericht stellen zu müssen.

Kleines Feuilleton

Aussätzigenspital in Fianarantson, wo man ihm eie eigenes Häuschen aebaut hat.

— Der Einfluß, den bie Wärm« auf die Ent­wickelung des Lebens ausübt, ist schon oft zum Gegenstand wissenschaftlicher Unterfuckwngen ge- macht worden. So hat man gefunden, daß der Lachs bei 5 Grad Celsius Wasserwärme 100 Tage braucht, bei 10 Grad Celsius aber nur 50 Tage bis zum Augenblick des Ausschlüpfens aus dem Ei. In süd­lichen, warme» Gegenden bedarf der Maikäfer nur drei Jahre zu seiner vollständigen Entwickelung, bei uns bekanntlich vier Jahre. Aehnlich steht es mit dem gefürchteten Kieferspinner: Bei 15 bis 20 Grad Celsius braucht er 6 Monate, bei 24 bis 28 Grad Celsius nur 3 Monate zur Entwickelung. Neuere Untersuchungen haben ergeben, daß nächst der Tem­peratur auch die Luftfeuchtigkeit von bedeutendem Einfluß auf die Entstehung des Lebens ist. Der Biolog Dr. Hennings hat besonders bie Insekten baraufhin ftubiert, namentlich ben Borkenkäser, ber hn Sommer zwei, oft aber auch brei Generationen hervorbringt, unb er kommt zu dem Resultat, daß eine sehr rasche Vermehrung ber Insekten ftattfinbet, wenn das Frühjahr warm unb zugleich trocken ist, währeub kalte sowie feuchte Witterung bie Vermeh­rung hemmt. Diese Resultate stimmen mit den Beobachtungen der Forstleute vollständig überein. Man sieht da wieder einmal, baß auch das schlechte Wetter sein Gutes hat, und ber liebe Herrgott weiß schon selber, wie er's am besten macht. vs

— Für viertausend Säume Literatur — was ist bas für eine sonderbare Rechnung unb doch hat sie ihren Sinn. Wir machen uns selten klar, daß die Zeitung und das Buch, bie wir lesen, mit daran schuld sind, daß alljährlich viel« Tausende Bäume geschlagen werden. Im Volke lebt immer noch ber Glaube, das Papier werde wie ehedem aus Lumpen gefertigt. Dem ist aber nicht so, sondern das meiste Papier, das für Bücher gebraucht wird, wird aus Holzbrei hergestellt. Nehmen wir nun bie neun beliebtesten Romane ber letzten Jahre, bie zusammen eine Auflage von 1% Millionen Exemplare aus- machen, so erhält man ein Gewicht von etwa zwei

..—$$< gute Wirkung der Musik auf das körper- ist schon oftmals wissenschaftlich, na» mentltd; auch von Netzten, nachgewiesen worben.

Gl<wstone und der englische ™ r®^nceT ‘DeT,b™n sich stets ber Musik U1' J”?”1 «ferbon chran „Nerven" geplagt wurden ’ k?" Elisabeth von Oesterreich schätzte ' k Aradezn als Heilmittel bet ihren neuralgi­schen Anfällen. Etn.ge Gelehrte haben den thera­peutische» Einfluß der Musik experimentell unter­sucht und habet Resultate erzielt, die eigentlich viel mehr beachtet werden sollten. Ein Dr. Trachanoff hat z. B. nachgewiesen, daß eine schwermütige, trau, rige Musik die Hebekraft ber Muskeln schwächt, eine heitere Musik sie aber erhöht. Bei einfachen, fort» Setzten Klingeltönen beobachtete bet Gelehrte eine rächtliche Steigerung des gesamten Stoffwechsels, b-e8 wurde mehr Kohlensäure ausgeschieben unb mehr Sauerstoff aufgenommen, als bei Fortfall der Klmgeltön«. Ein amerikanischer Arzt hat bei vielen feuter Patienten nervöse Kopfschmerzen dadurch be» |tttigt, daß er durch einen besondere», von ihm kon- imuerten Apparat den Patienten längere Zeit den ©Ainin ® hören ließ, also raschtonende

ntersuchunge» Haien et. Irarf u^di^Aro^ Herzschläge, den Blut- ungünstig beeinslull^? 8"nskg beeinflußt, aber auch SS ÄSlt ZÄ *• B das gleiche ftfftüd dem Patiekten ^ gesteh ^S SaTnt* wendet man bie Musik schon längere ■«Lu . ' SSirhtng in Anstalten für Geisteskranke an Ü»^ w«e sehr zu wünschen durch weitere Versuche sestt «rfjetten ob sie sich mcht mtenftoer zur Behandlung befhmmter nervöser Letde» eigne» würde. H

— Etwas über die Srcbskrauvheit. lieber die Krebskrankheit hat das deutsche Zentralkomitee zur Irforschuna

unb Bekämpfung ber Krebskrankheit i Jtm Merkblatt herausgegeben. Das Merkblatt ver-

bient bie weiteste Beachtungg. Der Krebs, heißt es barin, ist eine schwere, in ben letzten Jahren immer mehr hervortretende Volkskrankheit. Er ist in feinem Beginn eine rein örtliche Wucherung, die völlig umgrenzt ist unb als solche in vielen Fällen vollkommen entfernt werden kann. Tie eigentliche Krebsktankhett ist ein unaufhaltsam langsam fort- schreitendes Siechtum, das in wenigen Jahren unter unsäglichen Beschwerden zum sicheren Tode führt. Wodurch ber Krebs entsteht, ist heute noch nicht ent­schieden. Seine Ansteckungsfähigkeit ist nicht be­wiesen. Nur der Arzt ist imstande zu erkennen, ob eine Wucherung ober eine Geschwulst bösartig krebs­artig ist ober nicht. Zur Verhütung trägt alles bei, toa3 zur allgemeinen Pflege ber Gesundheit dienlich

s Nur im Beginn ist der Krebs heilbar. Er Allgemeinerkrankung, sondern eine örtliche Wucherung und kann als solche vollständig entfernt toetben. Die Behandlung mit Röntgenftra- ’ Radmm,Elektrischen Strömungen ist nur aus­nahmsweise für sich allein imstande, die Krebs- Wucherung vollständig zn vernichten. ft

r, ;♦ ® ” christlicher Nächstenliebe ist ber Je- suttenpatet Isidor Dnpuh. Sein Name ist un« zerlrennllch mit ber Eroberung Madagaskars durch bte Franzosen verknüpft. Bei dem Zuge des fran­zösischen Heeres nach Tanariva war er dessen Feld­geistlicher und Dolmetscher. Ungefähr 1000 sterben­den Soldaten ist er während des Feldzuges als Pr-ester mit, ben Gnadenmitteln der Kirche beige­standen. Für seine zahlreichen Verdienste erhielt er das Kreuz der Ehrenlegion. Heute trägt er et» anderes Kreuz, das er sich bei seinem weiteren apostolischen Wirken auf Madagaskar erworen hat: den Aussatz. Wie bet bekannte Pater Damian, der Apostel der Aussätzigen, trägt auch Pater Dupuy dies« schreckliche Krankheit mit Geduld und ohne Klagern Er zählt gegenwärtig 60 Jahre. Das Hebel ist zwar jetzt in einem solchen Zustand, daß bet peinlicher Vorsicht für andere die Gefahr ber ~’lftedung nicht mehr vorhanden ist; so kann er die Missionare besuchen und täglich die hl. Messe zele­brieren. Sein Heim befindet sich aber in einem |

Millionen Pfund Papier. Die Durchschnittssicht e, aus der der Papierbrei gemacht wird, liefert etwa' einen halben Klafter Holz, b. h. ei» Pfund Papier, und somit würde» die neun Bände gegen viertausend. Bäume aufgefressen haben. tf !

— Die zerstörte Schönheit. Kürzlich stieß in Paris ein Automobil mit einem Lastwagen zusam­men. Die Insassin, ein Fräulein Druneau, wurde, durch Glassplitter hn Gesicht verletzt. Es blieb, nach der übrigens leicht unb schnell erfolgten Heilung, eine kaum sichtbare Schramm« zurück. Fräulein Druneau glaubte aber, ihr« Schönheit sei zerstört, und so strengte sie gegen ben Chauffeur eine Scha- benersatzklaae an. Die Verbandln» <> fand nunmehr ftatt; bas Gericht gab der Klägerin recht unb verur­teilte ben ungeschickten Chauffeur zu 1300 FrcS. Schabewnsatz unb in die Kosten. tf

— Tie Treu« ist doch kein leerer Wahn. Der „Allgemeine Tiroler Anzeiger" weiß von folgendem Beispiel bewunderungswürdiger Treue zu berichten: In ben letzten Tagen wurden bei bem Meldeamt ht Salzburg, anläßlich des Wechsels der Salzburger und Tiroler Garnisonen, 187 tchechische Dienst­mädchen aus Böhmen als zugereist angemeldet, zugleich aber 64 deutsche Dienstmädchen nach Tirol unb Voralberg abgemelbet

— Künstlicher Nebel. In ben Obstgärten Eng­lands wird eine eigentümliche Methode angewandt, bie Obstbäume vor späterem Frost zu schützen. Ein großer, geschlossener Wagen mit feuchtem Stroh erhält unten ein Gesäß mit brennendem Teer. Ein« Stellvorrichtung reguliert dann den erzeugten feuch­ten Rauch, ber in einer mächtigen Wolke dem Wa­genkasten entquillt, sich wie ein Nebel an die Bäume legt und den Frost zum Tauen bringt. ]g

— Auch eint Erklärung. Großpapa: .Habt ihr den» in der Schul« auch bie neue Orthographie?" — Enkelkind: .Ja, Großpapa!" — Großpapa: .Welcher Unterschied ist denn zwischen der alten unb bet neuen Orthographie?" — Enkelkind: ,£>m, ®«>fc>apa, bet ber alten Orthographie haben wir »ide Prügel bekommen, bei der neuen kriegen wir, aber noch viel '