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wochcnbeiraze: .Illustrierte SonntagrzMng

Erstes Blate

Fulda, Freitag den 22. März 1912.

M 68.

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Dr.

Zu-

Freitag: Weiterberatung.

merken.

39. Jahrgang

religiöse Fragen dreht, werden wir uns

(Beifall im Zentr.)

Freitag: Fortsetzung.

sagen soll. Aber »ach meine» Erfahrungen steht er durchaus nicht einzeln da. «Sehr richtig!) Di« büro» lratrsch« Ausführung des Gesetzes ist empörend. Wer 90 Prozent arbeitsunfähig ist, der ist auch 100 Prozent arbeitsunfähig. (Sehr rrchiig I) Die Angriffe Molken- buhis taffen mich absolut kalt. Herr Molkenbuhr stand auf dem Standpunkt, das Zentrum als die stärkste Partei hält« alles erreichen können, wenn es gewollt hätte, aber »S wollte nicht. «Sehr richtig! bei den Soz.) Nun, meine Herren, jetzt find Sie die stärkste Partei; nach 5 Jahren werden wir uns mit Ihnen darüber unterhalten, was Eie als die stärkste Partei ausgerichlet haben. «Sehr gut! rechts und im Ztr.) lind wenn dir fünf Jahr« herum find und Sie für bas Volk nichts geleistet haben, dann werden wir dem Volke Aufschluß über diese seine .Volksvertreter" geben. (Beisall im Ztr. und rechts.)

Abg. Hoch (Soz.): Bei der Beratung der Ver» ficherungsordnung haben rotr befürchtet, daß man das Gesetz dazu benutzen würde, um pensionierte Offiziere a's Vorsitzende der Bersicherungsämter untenubtingen. Damals verpfändete der Staatssekretär sein Wort, daß niemand daran denke; jetzt wird das Wort, das er uns damals gegeben hat, emsach gebrochen. «Unruhe rechts.)

Präsident Kaempf bittet den Redner, nicht von Wortbruch zu sprechen.

Abg. Becker»Arnsberg (Ztr.) polemisiert gegen den Abg. Hoch, pflichtet ihm aber darin bet, daß die Korn« Mission seinerzeit mit aller Deutlichkeit ausgesprochen hat, daß als Verficherungsamlmänner pensionierte Ossi» zier« in größerem Maßstab« nicht angeftelll werden sollen. Es wird von den Beamten ausdrücklich geeig­nete Vorbildung und Ersahruag verlangt. Das haben die Offizier« nicht.

Ministerialdirektor Dr. Caspar: Der Abg. Hoch hat dem Staatssekretär Wortbruch vorgeworfen. Die Be­merkung deS Staatssekretärs hat ich nur darauf be­ziehen können, daß für Offiziere kein Vorrecht einge­führt werden darf. Man kann aber doch einem Offi­zier nicht verbieten, sich die Qualifikation für die besag­ten Stellen zu erwerben, wie das jeder anderen Person auch möglich ist.

Abg. Graf Westarp (Ions.): Der Erlaß entspricht genau den Zusagen. Wir wollen keine Bevorzugung der Offiziere, sondern eine Gleichstellung unter glei­chen Bedinonngen.

Abg. GiesbertS (Zentr.): Auffallend ist es, daß bei den Ortskrankenkassen überall angefragt ist, ob sie Of­fiziere zur Ausbildung gebrauchen. Darin liegt doch eine systematische Bewegung. Auf die formale Kennt­nis der Bestimmungen kommt es hier sehr viel weni­ger an als auf die praktische Erfahrung.

Abg. Becker (Zentr.): Wir haben damals den Wort­laut absichtlich so festgelegt, um alle Türen zu ver­schließen.

Abg. Schultz (Rp.): ES entspricht nickt den Absich­ten des Hauses, wenn «Offiziere in großen Massen in solche Stellen hineingebracht würden. Ich kann aber nu t anerkennen, daß gerade die Ossiziere üebo'wat werden. Im Gegenteil, man sagt ja gerade z«« ihnen, sie sollten sich vorbilden, zu anderen aber nicht.

Abg. Hoch (Soz.): Das ist eine Verhöhnung des Gesetzes. Wir sind also soweit, daß die Regierung sich alles erlauben kann. (Beifall der Soz., Samt rechts.)

Ministerialdirektor Caspar: Wenn es vorkommen sollte, daß schon jetzt «Offiziere in die Stellen der stell­vertretenden Vorsitzenden kommen, so toäre das gegen den Wortlaut deS Erlasses, nach dem mehrjährige Vor­bereitung gefordert wird.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 21. März 1912.

Die Beratung des Etats des ReichsamtS Innern wird fortgesetzt.

Auf Anregung der Abgg. Böttcher (ntL) und

Erscheint täglich m» Anrnahme her So.«- uab Feiertage. Viertel« lShrUch«S«;nn'Fretr »hne Vrivaerwh» uu» veste«-el»m8«lb«kb. tzpie lmrwörtr 1-50 fltt

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<kark schritt«,

uns noch in der Beschäftigung der Schulkinder außer­halb der Schule. Die Schmverwalturrg wird bestrebt sein, hier zu bessern, soweit sie nur eben dazu in der Lage ist. Erfreulicherweise hat die Landflucht der Lehrer nachgelassen. Es ist das mit ein Erfolg des Lehrerbesoldungsgesetzes. Die Besoldung der Lehrer ist jetzt so gestaltet, daß auch unter der Lehrerschaft im allgemeinen Zufriedenheit herrscht. Es ist der Wunsch ausgesprochen worden, keine neuen Fsi­cher an die Volksschule zu bringen; das entspricht auch meiner Auffassung. Wir müssen die Semi» na re so gestalten, daß sie ihrer Ausgabe gerecht wer- den. Wir wollen das Lehrerkollegium an den Se­minaren auS akademisch und seminaristisch gebildeten Lehrern zusammensetzen und eine der Seminarstellen in eine gehobene Stelle verwandeln, und zwar vom nächsten Jahre an. Diese Stelle soll den »titel Pro­rektor bekommen und mit dem Gehalt der Oberlehrer an den höheren Schulen ausgestattet werden. (Steif.)

Abg. Heckenrorh (k.) kommt u. a. auf die Frage der Schulinspektoren zu sprechen. Wo ein Be­dürfnis vorhanden ist, wollen seine Freunde weitere hauptamtliche Kreisschulinspektoren bewilligen. Der Einwurf gegen die geistliche Schulaufsicht, daß die Geistlichen keine Schulfachmänner wären, ist ungerecht­fertigt. Besonders auf dem Lande ist die geistliche Schulaufsicht die geeignetste. Leider machen sich in unserer Lehrerschaft bedenkliche Erscheinungen bemerk­bar. Ich erinnere nur an die Verhandlungen auf dem preußischen Lehrerlag in Hannover. Wir stehen im Kampf um die Weltanschauung. Wir wollen, daß die Schule in diesem Kampfe >bren Mann stelle, daß der atheistische Geist in der Lehrerschaft keinen Platz finde. Es trifft nicht zu, daß in der Schule die Kirche herrscht. Wir wollen auch diese Herrschaft der Kirche nicht. Wir wollen nur nicht diese beiden Erziehungs­anstalten gerade in der heutigen Zeit auseinander­reiben. Es muß in der Jugendpflege eine Tendenz in christlicher und nationaler Hinsicht herrschen. Von den Lehrern fordern wir, daß sie an der Seite der Christen und Patrioten stehen, daß sie die Jugend ma- ci/n: fromm, gottesfürchtig, glaubensstark. (Stürmi­scher Beifall rechts und im Zentr.)

Abg. Dr. Heß (Zentr.): Auf die Ausführungen des Abg. Hirsch gehe ich nicht ein, denn sie waren außer- ordentlich matt. Ich will nur einem Beispiel zeigen, wie eS im sozialdemokratischen Schul- staat aussieht. Vor den Toren Lübecks liegt eine Gemeinde von 3—4000 Einwohnern, in der die So­zialdemokratie die Herrschaft hat. Was tun da die Sozialdemokraten für die Bildung ihrer Kinder? Ganze 60 Mark toerben zur Anschaffung von Lehr­mitteln ausgegeben. (Hört! hört!) Davon müssen aber auch noch Kreide, Schwämme usw. angeschafft werden. Waschgelegenheit ist in einer Schule über­haupt nicht vorhanden. Die eine sechsklassige Schule hat überhaupt keine Schülerbibliothek. Der Abg. Hacken- herg hat väterliche Ermahnungen an mich gerichtet. Warum nicht an Stellen, die ihm näher stehen? Ge­hört eS etwa zum guten parlamentarischen Ton, wenn der Abg. Dr. Maurer durch einen Zwischenruf mich daran erinnerte, daß ich Kreis schulinspektor bin. Die Kritik des Abg. Hackenberg an meinen Ausführungen war ungerechtfertigt. Allgemein ist eS aufgefallen, daß der Abg. Hackenberg sich während feiner Rede mit wahrbaft rührender Herzlichkeit mit dem Abg. Bockardt unterhalten hat. Es erweckte den Eindruck, als ob ein Vater mit feinem Erstgeborenen spräche. (Heiterkeit.) Der Vorwurf, ich hätte ganz unmotivierte Angriffe gegen den deutschen Lehrerverein --erichtet, ist durch­aus ungerechtfertigt. Was der Abg. Hackenberg auS- geführt hat, kann ich Wort für Wort unterschreiben. Es besteht kein Zweifel, daß die Presse der liberalen Lehrerschaft freidenkerisch gerichtet i't. Die Freisinni­gen sprechen so gern von der Gewissensnot der Lehrer. Gibt es nicht auch eine Gewissensnot der Eltern? (Sehr richtig im Zentr.) Wir lassen uns von der li­beralen Lehrerschaft nicht auf der Rose herum tarnen. Die Frechheit und Schnoddrigkeit der „Pädagoai'ckcn Z-itung", die regelmäßig zutaae tritt, wenn es sich um

Per Haeie tütet ein?». Colonel« teil«, 47 mm breit, kostet läpsg. Reklamen: Der Raum einer L«!»« eeljetle, 74 mm breit, foSet 49 Pi». Bei Wie» Verholungen Rabatt zürvstert-n A-»tunst« cujeigen 2ü pig. extra.

Rotation sbrud

Abg. Schultz (Rp.): Heute kommen keine Offiziere in diese Stellen wir sollten uns also nicht um kunftssorgen kümmern.

Deutsches Neich.

'+ Eine Kanzlerkrisis?

Man schreibt uns aus Berlin: Während der letz­ten Tage hat sowohl die inländische als die auslän­dische Presse lebhaft das Gerücht beschäftigt, daß der Reichskanzler in allernächster Zeit aus sei­nem Amt ausscheiden werde. Selbswerstand- lich haben diese Gerüchte auch in den Wandelgängen des Reichstags den Gegenstand lebhafter Diskussto­nen gebildet. Wir hatten Grund, uns mit diesen Gereichten vorab nicht zu befassen. 9iun bringt aber die „Post" (Nr. 136) einen Artikel, der nach seiner ganzen Aufmachung darauf schließen läßt, daß er aus eingewcihten diplomatischen Kreisen stammt. Bei oberflächlichem Zusehen kann der Artikel als ein Dementi erscheinen, weil er bestreitet, daß Herr v. Bethmann Hollwegs Rücktritt unmittelbar bcvov- stehe und von Tirpitz ihn ersetzen solle. Genauer besehen dementiert der Artikel aber nur die Tatsache des unmittelbar bevorstehenden Rücktritts des Kanzlers und seinen Ersatz durch den Staatssekre­tär v. Tirpitz, nicht aber die Tatsache des Rücktritts selbst.

Die Gründe für einen Rücktritt Bethmanns sind nicht ganz klar. Sie liegen, wie wir auf Grund von Mitteilungen, die wir als zuverläflig bettachten dürfen, annehmen können, auf verschiedenen Ge­bieten. Es dürfte zutreffend ein, wenn in der „Poft" angedeutet wird, daß die Gründe zumteil zu suchen seien in dem „jämmerlichen Ausfall" der Reichstagswahl, der den Kaiser „peinlich be­rührt" haben soll; der Kanzler habe nicht vermocht, den Eindruck ganz zu verwischen, daß die Regierung an dem Ausfall der Wahl nicht ganz unschuldig sein könne. Als eine weftere Ursache bezeichnet die Zu­schrift die „Art und Weise", tote Herr v. Bethmann die ihm unbequem gewordenen Mitarbeiterzu beseitigen für gut befindet." Diese Angaben dürften, soweit wir unterrichtet sind, nicht ohne jede Unterlage sein. Vielleicht dürste der Artikel in der „Post" noch dahin zu ergänzen sein, daß auch der Stand der deutsch-englischen Verhau lungen eine Rolle spielt.

Wenn trotzdem von einer akuten Kauz le» krisiS nicht gesprochen werden könne, hciM eS in dem Artikel, so liege daS vor allem daran, daß

für eine solche der unmittelbare Anlaß fehle und daß die Frage der Nachfolgerschaft sehr schwierig sei. Herr v. Tirpitz komme als Kanzler nicht in Betracht, weil seine Ernennung ein Programm bedeuten würde, das auf die deutsch-englischen Beziehungen doch manche bedenklichen Rückwirkungen zu zeittgen vermöchte.

Auch wir möchten nach unserer Kenntnis der Sachlage eine Kanzlerschaft Herrn v. Tirpitz für min­destens sehr unwahrscheinlich ansehen. Soviel wir wissen, ist die Frage einer Nachfolgerschaft für Herrn Bethmann noch gar nicht gelöst, was, wie die Dinge zurzeit noch liegen, begreiflich erscheint.

B Tas Reichstagspräfidium beim Kaiser.

Das Präsidium des Reichstags wurde gestern (Donnerstag) um 1/«1 Uhr vom Kaiser empfangen. Die beiden wiedergewählten Präsidenten Kämpf und Tove hatten kein neues Gesuch um eine Audienz beim Hofmarschallamt eingereicht. Nur der neu« gewählte 1. Vizepräsident Paasche hotte Schritte beim Hofmarschallamt getan. Darau «hin lief am Mittwoch nach der Sitzung im Büro des Reichs­tages ein Schreiben des Oderhosmarschallamies ein, in dem der Käfter mitteilen ließ, daß er die Mel­dung der Waal des neuen Prästsiums dankend zur Kenntnis nehme und bereit fei, das Reichstags- Präsidium in {einer Gesamtheit zu empfangen, lieber den Empfang der drei Präsidenten haben diese ge­meinsam eine Mitteilung ausgesetzt, welche befaot:

Die Audienz dauerte etwa 20 Minuten. Der Kaiser, der sehr frisch und heiter gestimmt schien, sprach nach einigen persönlichen Bemerkungen znm Präsidenten seine besondere Befriedigung über die rasche Beilegung des Kohlenarbeiter st reiks aus. Er hoffe, daß der Streik keinen allzu schweren Schaden für die deutsche Volkswirtschaft gebracht habe. Nach einem Hinweis auf die schweren Arbeiterkämpfe in England sprach der Kaiser die Hoffnung aus, daß eS bald gelingen möge, die neuen Wehrvor­lagen im Reichstag zur Annahme zu bringen.

Der Empfang hat der frelsinnigen,Vo s s. Z t g/ eitel Freude bereitet. Tas B att betont, daß das Präsidium in feierlicherer Form empfangen worden fei, als im Jahre 1895, wo nach der Verweigerung des Glückwunsches an den Fürsten Bismarck das Zentrum den Präsidenten und den 2. Vizepräsi­denten, die freisinnige Partei den 1. Vizepräsidenten^ gestellt hatte. Das Blatt äußert seine Freude aller-' diugs etwas verschämt, mit Rücksicht auf den roten Bundesbruder zur Linken und redet d esem gut zu, den freisinnigen Herren Kämpf und Dove die „Hof« gänaerei" nicht allzu übel zu nehmen:

Vielleicht sehen die geschworenen Feinde der Hof» gängerei darin eine Verleugnung des Männerstolzes vor Königsthronen. Vielleicht meinen sie, da Kaempf und Dove auf die Anzeige von der Konstituierung deS Reichstags und ihrer Bereitwilligkeit, dem Kaiser per- sönlich davon Mitteilung machen, am 18. Februar den Bescheid erhielten, daß der Kaiser verhindert sei, sie zu empfangen, hätten sie auf die entgegengesetzte An- zeige des Hofmarschallamts erwidern müssen, jetzt seien sie nicht in der Lage, der Einladung im Schlosse nicht Folge zu geben ... Es war eine Ungeschicklich- leit deS leitenden Staatsmannes, den Empfang zu verhindern, dieser Fehler ist jetzt gut gemacht worden. Und das zu hintertreiben und einen Konflikt vom Zaune zu brechen, konnte nicht die Aufgabe deS libe­ralen Präsidiums sein."

Na also! Aber vielleicht hätten die beiden Herren Kaempf und Tove doch gut getan, sich vor­her die Erlaubnis bei den roten Verbündete» für ihre Hofgängerei einzuholen. Wenn das liberale Blatt zum Schluffe mit großer Genugtuung darauf Hinweisen zu können glaubt, daß das jetzige Reiche­tagspräsidium vom Staatsoberhaupt ebenso behan­delt werde wie daS frühere, so finden wir daran nichts besonders erwähnenswertes. Wenn aber das Blatt sogar daraus so,gelt, da werde die Meinung durchdringen müffen: in der Tat, es geht auch ohne Teilnahme des schwarz-blauen Blocks, so dürste es sich gründlich irren. Es geht eben nicht ohne den sog. schwarz-blauen Block. Und wir wollen dem jetzigen Präsidium nur wünschen, daß eS diese Er­fahrung nicht allzubald machen wird.

♦» Berlin, 21. März 1912. Der Kaiser tritt am Freitag nachmittag gegen 6 Uhr 30 Min. vom Bahnhof Früdrichstraße in Berlin die Reise nach Wiesbaden und von da weiter nach Korfu an. In seiner Begleitung befinden sich das Prinzcnpaar August Wilhelm und die Prinzessin Viktoria Luise. Von bekannten Persönlichkeiten wird Fürst Egon zu Fürstenberg an der Reise teilnehmen. — Das Staatsministerium trat am Donnerstag zn einer Sitzung zusammen. — Das Herrenhaus wird seine nächste Sitzung am 27. März abhaltcn. Auf der Tagesordnung stehen neben dem Spar­kaffen-Gesetze noch eine Reibe tle'nerer Vorlagen.

c Die Budgetkommission deS Reichstages nahm gestern einstimmig folgende Zentrumsresolution an} „Die verbündeten Regierungen zu ersuchen, einen Gesetzeutwnrs vorzulegen, durch welchen unter Ab­änderung des Schutzgebictsgesetzes vom 25. Juli 1900 das Berordnungsrecht eingeengt und die Mit­wirkung der Reichsgesetzgebung in der den Verhält­nissen der Schutzgebiete entsprechenden Weise er­weitert wird.

b. Zn der Blldgktkommisfion des Abgeordneten- Hauses teilte Minister BreUenbach mit, die Vor­schläge für eine Reform der Fahrkarten st euer feien bereits ausgearbeitet, hätten jedoch den zu­ständigen Stellen im Reiche noch nicht zugehen können. Der Personenverkehr hat sich, nach einer weiteren Erklärung de? Minister«, sehr günstig ent- wickelt. Die Umwandlung der Kilometergelder tn Stundengelder beim ZugdegleitungSpersonal habe durchweg keine Schädigung dieser Beamten herbei- geführt. Für Unterstützungen und Remunerationen der Eisenbahnbeamten find IP Millionen Mark mehr als im Vorjahre vorgesehen, davon 613800 Mark eigen» für die Eisenbahnasfistenlen. Von Zentrumsseite wird angeregt, bie für die Bahn­beamten vorgesehene Summe zu «höhen. Tter An­trag wird gegen 7 Stimmen abgelehnt. Ein kon­servativ« Antrag dagegen, die Assistent« von 1911

Preußischer Lattdtag-

AbgeordneienkiauS.

Sitzung Dom 21. März 1912.

Ein Antrag MiezerSki (Pole) betr. Einstellung des Strafverfahrens gegen den Abg. Korfanth wird der GesckäftSordnungskmnmiffion überwiesen.

Die zweite Beratung des KultuSetats wird fort­gesetzt.

Abg. Hirsch (Soz.) polemisiert gegen die gestri­gen Ausführungen des Abg. Dr. Heß über die sozial­demokratische Schulpolitik. Den Schulunterricht vom dritten Lebensjahre an habe nie ein Sozialdemokrat borgeschlagen. Die Klassenfrequenz sollte zunächst auf 30 herabgesetzt werden. Nicht wir verekeln den Massen die Religion, sondern die Partei, die auf Verdummung der Massen hinarbeitet. (Beifall bei den Soz.)

Abg. Dr. Hackenbcrg (natl.) weist dem Abg. Bor­chardt gegenüber darauf hin, daß ohne Autorität und ohne Unterordnung unter die Autorität keine Erzie­hung möglich ist. Berechtigt ist es, wenn Borchardt über die überfüllten Klaffen klagte, aber andererseits dürfen die Klassen auch nicht allzu klein fein. (Sehr richtig.) Dem Abg. Heß muß ich bemerken, daß durch­aus nicht alle Lehrer, die dem preußischen Lehrerverein angehören, fortschrittlich sind. Noch entschiedener möchte ich dagegen Verwahrung einlegen, daß alle Lehrer mit politisch liberaler Anschauung Gegner der Reli- gion oder der religiösen Erziehung und Schrittmacher der Sozialdemokratie seien. Ich will nicht bestreiten, daß allerdings viele Lehrer in unserer Zeit in ein ge- Wiffes inneres Schwanken geraten sind, für diese bildet zweifellos bet Religionsunterricht eine Last, die die Unterrlchtsverwaltung ihnen abnehmen sollte.

Abg. Ernst (Vp.) wendet sich gegen die gestrigen Ausfuhruiigen de» Abg. Heß und verwahrt die Lehrer- schaft gegen den Vorwurf, Schrittmacher der Sozial- demokratie zu sein, wenn sie der fortschrittlichen Volks. Partei angehoren.

KultuSmmifter W. Trott zu Solz weift zunächst auf dte Fortschritte hin, die unser Schulwesen in den letzten Jahren gemacht hat. xie Zahl der Volks­schulen Überhaupt ist von- 36 756 im Jahre 1901 auf 38 685 tm Jahre 1911 gestiegen, die Zahl der Schul, stellen im selben Zeitraum von 90 208 auf 117164, und die Zahl der Schulklassen von 104 082 auf 128 553. Auf eine Klasse entfielen durchschnittlich 1901 54 Kinder, 1906 53 und 1911 61. Die Schulen mit 6 und mehr aufsteigenden Klassen haben von 1906 von 4100 Schulen auf 4976 Schulen im Jahre 1911 zuge­nommen. Also keine Stagnation, sondern Fortschritt I Der beste Beweis für die Leistungen unseres Volks- schulwesen- ist, daß eS in weiten Teilen unseres Va­terlandes kvi ne Analphabeten mehr gibt. Der Durchschnitt in bet ganzen Monarchie beläuft sich auf 0,02 daS heißt also, daß zwei Analphabeten auf 1000 Einwohner kommen. Preußen steht an bet Spitze in bet Wett auf bent Schulgebiete. (Lebh. Zustimmung.) In Western Gebiete unserer Monarchie kommen Analphabeten überhaupt nicht mehr vor, wo sie aber vorhanden find, find sie meist au« dem AuS- tonb -»gezogen. Im Durchschnitt kommen bei unS auf 10000 zwei Analphabeten. Mißstände bestehen bei

Junck (ntl.) teilt

Direktor des Reichsamts des Innern v. JonquiereS mit, daß die Vorarbeiten für eine Revision des Patent» und des Warenzeichengeietzes (chon seit Jahren im Gange sind. Bei der Schwierigkeit der Materie würde «8 kaum möglich lein, einen neuen Patentgeietzeniwurf noch in diesem Jahre sertigzuitellen.

Zum Kapitel „Relchsversicherungsamt'' liegt ein« Resolution Dr. Schädler «Ztr.) vor, auf Grund der Artikel 33 und 44 des Eimührungsgesetzes zur Reichsverficherungsordnung eine besondere Bernfs- genossenschast für den der Unfallversicherung Unterliegenden Detailhandel zu errichten. Eine Resolution ermann (ntl.) deckt sich inhaltlich mit der Resolution Schädler. (Sine Resolution BehrenS ;W. Vg.) verlangt außerdem noch lur den Gärtneret» »etueb die Bildung einer besondere» Berujsgenosfenfchast. 1 Abg. Silberschmidt (Soz.) spricht über bi« Bau- berufsgenoffenschaiten. Der Bauarbeilerschutz wird immer mehr emgeichränkt. Ars unser jetziger Kolleg« Graf Posadowsltz noch m der Regierung saß, da war es anders, da war em Fortschritt da. Jetzt ist Nur Rückschritt zu sehe». (Hört! Hört!) Der Redner fordert reichsgesetzlich« Regelung des BauarbeUer- schutzes.

Abg. Astor (Ztr.) begründet bie ZentrumSrefolution. Am 14. Februar sand über di« Frage der Schaffung einer besonderen Berufsgenosfenschaft lür den Detailhandel eine eingehende Aussprache einer großen Anzahl »an Vertretern von Delatllistenverbänden mit mehreren Herren auS dem Reich-aml deS Inneren tftatt Redner hat daraus den Eindruck gewonnen, daß bei Staatssekretär der Sache durchaus wohlwollend gegenüberstehe. Di« Lösung brr Aufgabe tit dadurch wesentlich erleichtert worden, daß dem Bundesrat seitens der beteiligten Kreise eine Fülle von sorgiältig lufammengefieUtem Material überreicht worden ist. Die Sache kann jedemaUs heule ichon als spruchreif bezeichnet werden. Hint« der Forderung sieht der gefamte Detailhandel Mit einer noch Nie dagewesenen Einmütigleit. 60 Handelskammern, darunter auch solche, die früh« einen anderen Standpunkt eingenommen haben, haben sich für bie Forderung erklärt. In außen- stehenden Kreisen kann man sich keinen Begriff davon Machen, welch große Mißstimmung in den beteiligten Kreisen über die unnatürliche Angliederung an bie Lagereiberufungsgenoffemchaft herrscht. Solch ganz verschiedene Betriebe, wie sie hier zusammengesastt sind: Spedition, Engros- und Detailhandel paffen garnicht *u einander. Der Detailhandel kommt habet am schlechtesten weg und macht sich naturgemäß deshalb em liebsten aus dem Staub. «Beifall und Zustimmung.) -Der Benachteiligung bei Detaillistenberufs» Genossenschaft. Sui dielen Erwägungen heraus Haben meine politischen Freunde die Resolution Schädler Angebracht. Gleichzeitig möchte ich namens me net politischen Freunde an bie verbündeten Regierungen die Anfrage richten, ob für die Nachprüfung der Grund­lagen über die Berechnung deS Reservefonds der Be- rufsgenoffenschaften schon Sachverständige in Aussicht genommen find. (Lebh. Beifall t. Ztr.)

Mmifterialbirektor Dr. Easpar erwidert, daß die Verwaltung beabsichtigt, darüber Sachverständige zu Höre». Der Reichskanzler hat auch dir einzelnen Bundes- paaten um Namhaitmachung geeigneter Persönlich leiten als Sachverständig« erfucht.

Abg. v. Gras« (L) führt Klage, daß an bei land­wirtschaftlichen BernfSgenaffenichast vielfach Unfall» )«rhütungSvorschriften erlaffen würden, die in 6er Praxis undurchführbar feien. Meine Freunde werbe» für die Wunsche der Detailliften ein treten. Rach den ausführlichen und beweiskräftigen Darlegungen des Kollegen Astor kann ich mich eigentlich auf Die Er­klärung beschränken; ich möchte auch nicht dem nach Mir folgenden Redner, bet die nationaUiberale Resolution begründet, die letzte» Rosinen aus seinem ResolutionS- »vchen herausholen. (Hetterkeft.)

Abg. Schulendmig (natlib.) begründet die national» liberale Resolution auf Schaffung einer DetaiUrften- berufsgenoffenlchaft.

Abg. BehreuS wirlsch. Bgg.): Auch die Gärtner wollen eine eigene Berufsgenoffenfchafl. Der Verband der Handelsgärtnrr Deutschlands mit 7000 Mitglieder» fordert fie drinarnd.

Abg. Dr. Dahlem (Zentr.) bringt Beschwerden der tiaflauifchen Kleinbauern über zu scharfe Bestimmungen bet landwirtschaftlichen Bermsgenoflenschaft vor.

Abg. Kotzmann (Zlr.)t Die Revisionen in den ®e- »eibebettteben find viel zu fetten und oft ganz nutzlos, well die Arbeitgeber fchon im voraus wiffen, wann die Revisionen find. Ich verweise besonders auf bie ; x n’ uni> Berzwerksbetriebe im Saarrevier. Dort

Tage vor der Revision alles lünstlich heraus- 'Hört! Hört!« Die vorhandenen ™uHe“ ^ch richtig befolgt weide».

„Jh ?f,onl>”8 das Antreibefy'tem, wenn der AM6 °nt- f"^l'chst rasch ju machen.

®3 wäre auch lehr zu wünschen, daß mit der Durch­führung der b.treffenden UnfallverhülungSvorschritten wirklich ernst gemacht würbe. (Beifall und Zustimmung.) Die Gewerkichaftsorgainfationen geben sich alle Mühe, ihre Mitglieder über die UnfallverhLtungSvorschrtften ausjuklären und ihnen ihre Befolgung zur Pflicht zu machen. Ein Mißstand ist ferner die unverhältnismäßig lange Dauer deS RentenverfahrenS. Mit dem Inkraft­treten der Reichsverficherungsordnung wird es ja wohl auf dem Gebiet von selbst beflet werden. (Lebhafter BeifaU tm Zentrum.)

Abg. Becker-Arnsberg (Ztr.) schließt sich den Aus­führungen femeS Vorredners vollständig an. WaS soll man beifpielSweis« dazu sagen, wenn einem Versicherten die Rente deswegen gekürzt wird, weil er sich an einen künstlichen Arm oder an ein künstliches Sein gewöhnt hat? Dadurch wird seine Arbeitsfähigkeit auch nickt um ein Prozent gehoben. An die uerbün«

Regierungen möchte ich die Frag« richten, wann fcuft lr.1MnÄnle der Reichsversicherungsordnung tn ' M; sollen.

«el(hSüttll*,r,l,bit=ItOx Dr. Caspar- Ein Teil bet «tTHen ist berettS jetzt in Kraft

am 1. Januar 1913 in°Kraft “Treten'*11 ein Teil'der ^n6eltTa”^eUen rottben t>eute ich"" »IS Unfälle de-

Abg. Mollenduhr (Soz.) polemisiert gegen da, Zentrum wegen feiner Haltung bei der Relchsoersiche- rungSordnung. '

y Abg. Heckfcher (Bp.) verliest eine Entscheidung aus Altona, in der es u. a. heißt: Der Verunglückte habe sich an das Tragen eines künstlichen BcineS gewöhnt. Weshalb seine Rente zu kürzen fei. (Hört l Hörtl)

Abg. Becker-Arnsberg (Ztr.): Der Altonaer Fall Jft allerdings so, daß man nicht weiß, was man dax^

Zeitung

n. Verlag der gulbcer

ntonatsbeilage: „Julbaet Geschichkbläffel"