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Leitung
2. Blatt.
®tB«r mb Verlag »er L»ldaer BctknbniSmt in Seite.
Aus dem Nachbargebiete.
- qiytbof b. Fulda, 19. März 1912. Die JaK. .utzunq in dein Jagdbezirke Dorfbarn, ca. 2W ^ktor^groh, mit erheblichem Wildbestand, wurde
Jahrespackftprris von 275 Mk. an den Kgl. Oberförster v. Kotze tu Neuhof verpachtet. Der -rubere Pachipreis betrug nur 184 Mk.
.) Erkwcisbach, 2 >. Mar; 1912. Am Josephstag -zielt Herr P. Karl vom Frauenberg im Aolksverein einen Ächtbildervorlrcig über die Heidenmillronen der Franziskaner in Japan. Die verschiedenen neuen Missionsstationen und tbre Tängkeil, Land und Leute von Japan zogen in iarbenprächligen Bildern an den Beschauern vorüber. Herr Kooperator Rieger dankte dem Redner, wies ans die w-ltumsaffende Missions- lätigkeit der kathoiuchen Kirche hin und forderte die Zuhörer auf, durch Gebet und Almosen das Missions- werk zu unterstütze--.
* AuS der bayerischen Rhön, 20. März 1912. Der 'bezirksärztliche Stellvertreter Dr. Winkler in Bischofsheim zog sich bei einer Operation eine Blutvergiftung zu, die ihn veranlaßte, sich zur ärztlichen Behandlung nach Würzburg zu begeben. — Bei der Zwangsversteigerung ging die Restauration zum Felsenkeller in Brückenau, bisheriger Be- scher Georg Zerreiß, cm Bierbrauereibesitzer Jean F l i n t s ch in Brückenau um 28 000 Mk. über. — Der 16jährige Sohn Otto der Amtsgerichtsdienerswitwe Streit in Bad Kisstngen unternahm einen Ausflug aus den Stnnberg. Plötzlich wurde er von einent Herzschlag betroffen und war sofort tot.
—" Bad Orb, 20. März 1912. Der hiesige «r» beiterverein feierte nt diesem Jahre in erhebender Weise das St. Josephs fest. Nach zahlreichem SakramentenempfanA zog er mit Fahne und mit Musikbegleitung zum feierlichen Gottesdienst, den Herr Pfarrer S ch u L3 aus Soden unter Assistenz des Herrn Stadtpfarrers Röhre und Kaplan Ranch mit Festpredigt abhielt. 6r schilderte den heiligen Joseph als Vorbild und Beschützer besonders der Arbeiter, im Leben und Sterben. Am Abend versammelten sich die Mitglieder des Vereins im Festlokal. Unter Leitung des Herrn Pfarrers Schulz nahm die Versammlung eine» glänzenden Verlauf. Gesang- ftücke im Wechsel mit Instrumentalmusik erhöhten die Festfreude. Herr Kaplan Schäfer an der Lieb- frauenkirche in Frankfurt hielt einen sehr instruktiven Vortrag über Arbeitervereine, erlaubten und unerlaubten Streik und über den Volksverein für das katholische Deutschland resp dessen Einführung in der Pfarrei Orb. Der Vorsitzende benutzte die Begeiste- rung der Zuhörer, »m auf die sofortige Einführung des Volksbereins hinzuwirken, dem alsbald eine größer« Anzahl Männer beitrat. Herr Kaplan Ranch hielt sodann enter mit Beifall aufgenommenen Vortrag über Vorführung von Lichtbildern und Über die Affentheorie mit wohbegründeter Abweisung dieses aller Vernunft und Erfahrung widersprechenden Systems. Nach vierstündigem Zusammensein schloß Jodinin der Vorsitzende unter Dankeskundgebungen an ie Herren Redner und an die aufmerksam lauschen- den Zuhörer die Versammlung.
!§! Somborn, 2->. Marz 1012. Am letzten Sonntag fand hier eine rech! gut besuchte Versammlung des Vo lksvereins statt, die dem Andenken Windthorfts geividmet war. Der Geschästsiührer wies in seiner Begrüßungsansprache daraus hin, daß der Voltsoerein in Somborn mit lein n 270 Mitgliedern, einem Stabe eifriger und opferfreudiger Bertrauensmänner und dem regen Vereinsteben ent sehr er neuliches Bild darbiete, und das sei gewiß die beste Art, seinen großen Gründer zu ehren. Herr Redrkteur (3ei$ aus Aschaffenburg hielt daran! die Festrede, in welcher et em Lebensbild Windthorfts entwarf und die Männer und Jüngbinge aufforderie, sein Erbe treu zu vermalten und tn seinem Geiste für die katholische Sache zu arbeiten, vor allem auch agitntorifd) tätig tu Sein. Herr Pfarrer DangeI leigte an Windthorfts B«.spiel, wie wir Katholiken mit der Liede zur Kirche die Liebe zum Vaterlan»e verbinden, und brachte zum Schluß em Hoch auf Papst und Kaiser aus.
* Hanau, 19. Marz 1912. In eine üble Situation haben sich ein hiesiger wohlhabender Getreidehändler und seine Ehefrau gebracht. Tiefer Getreidehändler hakte vor kurzem eine in seinem Geschäft tätige junge Dame zur Reichsbank gesandt, um dort einen Tausendmarkfchein umznwechseln. Der Schalterbeamte zahlte dem Fräulein aber anstatt 1000 Mk. irrtümlich 2800 Mk. aus, ine es auch an die Frau des Getreidehändlers ablieferte. Als der Bankbeamte auf die Sache sofort aufmerksam ge
macht wurde, konnte er das Versehen nicht unmittel» bar sestftellen, später wurde jedoch der Fehler gemerkt und bei dem Händler und desien Frau angefragt, ob ihre Kasse stimme. Beide bejahten dieses zunächst, schließlich rückte der Händler mit der lieber» zahlung von 1800 Mark heraus. Die Reichs bank erstattete nunmehr gegen die beiden Eheleute Anzeige wegen versuchten Betruges. Das Schöffengericht verurteilte sie zu je 1800 Mark Geldstrafe. Wegen der von Serben in der Angelegenheit betätigten Gesinnung erkannte das Gericht außerdem auf je ein Jahr Ehrverlust.
• Offenbach, 20. März 1912. Bei dem Millionenkonkurs der Baufirma Peter Karl Äufenthaler in Offenbach ist auch die Stadt in Mitleidenschaft gezogen, die eure Forderung von runb 13 000 Mark hat. Die Summe besteht in bevorzugten Forderungen, sodaß ine Stadt leite Einbuße erleidet.
Kassel, 19. März 1912. Die V e r s am m l un g beS Volksvereins, d« am Sonntag im großen Stadtparksaale ftattfand, war von fast 500 Personen besucht. Der Geschäftsführer gab zur Eröffnung eine kurze Darlegung, toar-im als Thema deS Vortrages »christliche und liberale Weltanschauung in ihren Gegensätzen und ihrer Berechtigung" gesetzt sei. Vor Eintritt in die Tagesordnung verlas er noch eine von den drei Pfarrern Kassels abgegebene Erwiderung auf di« Erklärung deS Evangelischen Bundes gegen Professor Weber, in der u. a. Herrn Prof. Dr. Weber für das Wort der Abwehr und Aufklärung vom 14. Jan. 1912 Dank ausgesprochen wird. Die Anwesenden bekunden ihre Zustimmung zu dieser Erklärung durch Erheben von den Plätzen. ■ Dr. Meffert hielt alsdann feinen etwa eirrstündigen Vortrag, in dem er u. a. sagte: Bei jeder Wahl, sei es zu staatlichen, sei eS zu Gemernde-Körperschaften, werde von gewissen Agitatoren immer gesagt: Religion und Politik hätten nicht» mit einander zu tun. Seien die liberalen Kandidaten aber erst gewählt, so werde im Landtag oder Rathaus nur liberale Politik gentacht und solches auch als selbstverständlich bezeichnet; dann erkenne jeder, wie Religion und Politik aufs innigste mit einander verbunden sind. Berm letzten Wahlkampf nun hätten sich die alten liberalen Ideen nicht mehr als zugkräftig erwiesen, daber seien die gegnerischen Parteien überall auf die Entfesselung konfessionellen Hasses ausgegangen. Heute sei der Liberalismus auf den Standpunkt D. Fr. Strauß und Nietzsches gekommen und habe zwischen Herren und Knechten unterschieden, und schließlich ben Darwin schen Satz in die Tat umgesetzt: der Starke muß Über den Schwachen siegen. Diesen Grundsatz hab« sich auch die Sozialdemokratie zu eigen gemacht, nur sagen sie, toerm auf Seite des Liberalismus auf Geld und Einfluß gepocht werde, daß auf ihrer Seite die Macht fei, denn sie habe die Zahl, die Masse. Dem gegenüber betone die christliche Weltanschauung: Nücksichtsnahme der Menschen auseinander und Wahrung der christlichen Grundsätze, nickt nur im stillen Kämmerlein, sondern auch im öffentlichen Leben und es fei bezeichnend, daß gerade kirchliche Würdenträger zuerst für eine Sozialreform eingetreten sind. Der Redner beleuchtete dann die Stellung der Strebe zu technischem, wissenschaftlichem und kulturellem Fortschritt und kam zu dem Schlüsse, daß ein Anhänger christlicher Weltanschauung, weit davon entfernt, der modernen Wissenschaft m allen ihren Zweigen ängstlich und furchtsam gegenüberzutreten, im Gegenteil in dem Fortschreiten der Erkenntnis immer: mehr die ganze Natur und Geschichte als eine sichtbare Offenbarung Gottes erkennen und betrachten lerne. — Nach dem mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag forderte der Geschäftsführer zum Schluß dazu auf, daß sich recht viele Mitglieder des Volksvereins als Vertrauensmänner melden möchten, damit der Volksvercm als Vertreter christlicher Weltanschauung auch für deren Verbreitung immer mehr und besser wirke.
* Bad Nauheim, 20. März 1912. Die Ka i f e- r i n kommt nach Bad Nauheim. Sie will kurz nach Ostern hier eintreffen und in der Villa Groedel in ber Terrassenstraße Wohnung nehmen. Das Erdgeschoß und der erste Stock find für die Kaiserin und ihre nächste Umgebung gemietet. Dem einfachen Sinne unsrer Kaiserin entsprechend soll dem Besitzer der Villa in der Verwendung der übrigen Räume feines Hauses keine Beschränkung auferlegt werden
Amt Geisa und Umgebung.
* Tiefenort, 19. Marz 1912. Ter kürzlich ohne direkte Erben verstorbene Landwirt Sebastian
Kaiser hier hat der hies. Kirchrngemeinde 1000 Mk und dem hiesigen Frauenverem zur Gründung einer Kinderdewahranstalt 3000 Mk. vermacht. — Dem Maurermeister Karl Schanz hier fLj bei der Arbeit ein Eandkörnchen m bas linke Auge und machle leine Ueverführung in die Äugenklmik nötig. Schanz wird höchstwahrscheinlich des einen Augen oerluftig gehen.
Aus Oberhessen u. den Hess. Remtern.
A Marburg, 20. März 1912. Dem ordentlichen Professor der philosophischen Fakultät, Pros. Dr. K 0 rschelt, ist ber Titel Geh. Regierungsrat verliehen worden. — Als erster Angeklagter erschien heute vor dem Schwurgericht der 19 Jahre alte Hausbursche H- Brufius aus Kleinseelheim, wohnhaft in Marburg. Der junge Mann war so unbedacht gewesen und hatte in einem Quittungsbuch von der Eifenbahnbehörde eingeschriebene Zah- InngSbeftätigungeu so abgeändert, daß ihm rund 6 0 P s g. zu seiner Verwendung verblieben. Unter Einbeziehung einer schon früher gegen ihn erkannten Strafe von 4 Wochen wurde er zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. — Der Gast- und Landwirt C. H. Knauf aus Sachsenhausen, geboren in Zella, geriet in vorigem Jahre infolge des Zusammenbruchs einer Getreidesrrma, für die er Wechsel im Betrage von 17 000 Mark unterzeichnet hatte, ebenfalls in Konkurs. Durch einen Scheinverlauf entzog et der Konkursmasse ein' Drillings-Jagdgewehr und stand nun unter der Anklage des Konkursver- gehens. Das Urteil lautete auf 1 Monat Gefängnis.
* Kirchhain, 20. März 1912. Am Freitag, den 22. d. M., vormittags von 8 Uhr ab, findet vor dem Rathause die Ausgabe der fiädt i scheu Graselose statt.
* Hartenrod, 20. Marz 1912. Der Heilkünstler Dikomeit, der sein kiesiges Heilinftitut verkauft hat, verzieht Ende dieses Monats von bin nach Gießen. In Gießen bat Dikomeit schon längere Zeit Sprechstunden eingerichtet und großen Zulau' gehabt, fast noch mehr als hier, wo man den Tag über immer noch 30 bis 50 Personen, an Sonntagen meist über ICO Personen zählte.
>( RiederUeiu, 20. März 1912. Hier starb der älteste Einwohner der Gemeinde, Schreiner- meister Heinrich Botthof im Alter von 93 Jahren. Bis zu seinem Leden-adend erfreute sich dec Greis bester körperlicher und geistiger Rüstigkeit
* Zimmersrode, 19. März 1912. Die Gemeinde D llich hat den Neubau einer Schule mit Lehrerwohnurrg beschlossen. Das Gebäude soll an Der nach Frielendorf führenden Straße errichtet werden.
* Zwesten, 20. März 1912. Seit einigen Jahren hat sich hier in ber Gegend ein sehr reger geschäftlicher Verkehr nach dem Badeort Wildungen bemerkbar gemacht. Ta er aber wegen ber ungünstigen Wegeverhältnisse schlecht zu erreichen ist, ist ber Wunsch nach einer Eisenbahnverbindung laut geworden und zwar soll sie von Borken aus- geheu und die Ortschaften Groß- und Kleinenglis, Kerstenhausen, Zwesten, Braunau, Odershausen berühren und in Bad-Wildungon einmünben. Andere Ortschaften, wie Betzigerode mit Gutsbezirk, Wenzigerode mit Erholungsheim Ebersberg, Niederurff, Oberurff und Schiffelborn würden bann auch sehr nahe die Bahnlinie berühren. Eine Berliner Eisenbahnban- und Betriebsgesellschaft hat sich zum Bau der Strecke an die einzelnen Gemeinden gewandt und man hofft, daß die Sache Erfolg hat.
vermischtes.
* Die Frage der Erbauung eines neuen Kronprinzenpalais in Potsdam beschäftigt zurzeit die Hofbehörden. An unterrichteter Potsdamer Sickle wird dem „Berk. Ttgebl." hierüber folgendes nritge- teilt: Daß das Marmorpalais für den kronprinz- lichen Hof nicht genügt, steht feft Seit sich die Unzulänglichkeit dieser Residenz herausgeftellt hat, find die verschiedensten Pläne aufgetaucht. Der erste
Plan, das Marmorpalais jetzt, solange ber Kronprinz in Langfuhr wohnt, burch Um- unb Anbauten zu erweitern, wurde bald fallen gelassen unb bars als erlebigt gelten. Dasselbe kann man von ber Absicht, das Schloß Babelsberg für die krouprinz- liche Hofhaltung herzurichtrn, sagen. Mau ist daher an maßgebender Stelle entschlossen, einen Neubau zu errichten Bisher liegen sechs verschiedene Baupläne vor. Man hofft, es möglich zu machen, diese Pläne dem Kaiser noch vor dem Antritt ber Korsureise vorzulegen, es konnte bann schon in kurzer Zeit mit den Vorarbeiten begonnen werben. Es verlautet, baß einige Pläne, bem Wunsche des Knm- prinzen entsprecheub, bas Schloßartige vermeiden, unb mehen ben Stil des englischen Landhauses festzuhalten, den ja auch der Kaiser — wie aus seiner Studienreise durch die englischen Herrensitze bekannt ist — liebt, festhalten. Irgend eine Entscheidung ist aber, wie ausdrücklich hervorgehoben wird, noch nicht getroffen worben.
* Binc Seltenheit um diese Jahreszeit ist cs, daß im rheinischen Vorgebirge dieFrühpsirsiche und Aprikosen in ben Hausgärten schon in voller Blüte stehen. Die Bicnen suchen schon den ersten Honig darin.
* Pofiriiubrr. Tas Schwurgericht in Düsseldorf verurteilte die Bauarbeiter Siöcker unb Birkhahn, die wiederholt auf dortigen Postäimern und dem Postamt in Neuß emzablcndeti Personen größere Summen entrissen, wobei sie scharsgeladcne Revolver bet sich trugen und auf ihre Verfolger schossen, zu acht Jahren Zuchthaus unb fünf Iah en Ge« längnis.
* Pom Pscrd erfchlazeii. Nach Schluß der Otsifierreilstuude in der Reitbahn der Seydtitz- Kürassiere zu Halberstadt wurde der abgeiesseue S&aiftnleHtnant von Raßdorf am Ausgang der Reitbahn von feinem frei umhetlaufendm Pferde durch eincu 'puffetlag au der Brust verletzt. Der Offizier war sofort tot.
Handel und Industrie.
* Berlin, 20. März 1912. Nach Beseitigung der vielen Gefahren, verursacht durch de» drohenden allgemeinen beutidjcn Bergarbeiterausstand, durch allerhand Gerüchte über inneipoliüfd)e Schwierigkeiten usw. usw., eröffnete die Börse heute bei Preis- besser ungen dis zu 2 Prozent tn sehr fester Haltung, Die noch darin eine Stütze sand, daß die Verkegrs- cinnahmeii Der deutschen Eisenbahnen in träftig steigender Weiterem Wickelung begriffen sind. Zur .-Zurückhaltung mahnten das Anziehen des Satzes iür UltunogelD, sowie die Erhöhung des Privat« Diskonts um 1 s Prozent auf 47 s Prozent.
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Behauptung: . |
ScotlS Emulsion ist die erste seit"Jahr» zehnten in der ganzen Welt bekarmtr und beliebte Lebertran-Emulsion. "
Beweis:
Scott« Emulsion wurde B pTv. im Jahre 1876 eingeführt unb ist seither in Tausenden von Familien ei» Hausmittel «tne# mu «ei» geworden. Keine andere
Lebertran • Emulsion blickt
Scxt)jl)SaS4> auf solch« Erfolge jurLck, [j
darum verlange unb kaufe man ' ' -
nur die echte
Scotts Emulsion-
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Helden der pflicht.
Roman aus dem Lande der Mitternachtssonne von 1»] Erich Friesen.
, grübelt unb grübelt er hin und her . . . Da- >ei schwankt er zwischen seiner warmen Sympathie ur das anmutige Geschöpf, dem ein schweres Ge- ch'ck solch trübes Leib auf erlegt, und bem Unmut uv« die Unbequemlichkeit, die ihm aus der Liebe dieses jungen Geschöpfes erwächst.
Ehrenmann sieht er seinen Weg klar vor sich:
Reicht, dieser schmalen $8eg des Rechts zn wandeln. 3
Mtt schmerzendem Kopf schreibt er endlich an die Schloßherrin folgende Zeilen, die er ihr sofort durch einen Diener überreichen läßt:
„Verzeihen Sie, gnädiges Fräulein, mein Nichterscheinen beim heutigen Abendessen und entschuldigen Sic es Fräulein In.«borg gegenüber mit Unpäßlichkeit. Ich fühle mich tief bedrückt und wäre Ihnen für eine baldige Unterredung unter vier Augen dankbar. Ihr usw."
Nicht aus Feigheit will er den Damen heute abend fern bleiben. Aber erstens fürchtet er, durch seine Anwesenheit Jngeborgs ohnehin noch erregtes Gemüt aufs neue zu beunruhigen, unb zweitens hofft er, Fräulein Arnoldsen werde vielleicht in der Zwischenzeit von der unglückseligen Neigung ihrer Nichte durch eine Andeutung aus deren eigenem wftinde Kenntnis erhalten. Denn es widerstrebt de7 bMen^Nd'u^g: ^utretett nüt
_, '-.vHre. Nicht? der Sie so innig zugetan sind, hat verliebt! Ziehen Sie die Konjegnem-
Der Abend verläuft für die drei Damen Überaus langweilig. Man hat sich schon so sehr an Er« Niel'S Anwesenheit gewöhnt — an sein frisches Gesicht, seine anregende Unterhaltung, fein heiteres Lachen, daß er allen fehlt.
Jngeborg zieht sich bald nach deni Abendessen zurück. Eine Weile darnach verschwindet auch Ma- Iame Morse in Ihren Gemächern.
Sigrid bleibt allein im Wohnzimmer. Wie mechanisch nimmt sie ein Buch zur Hand und setzt sich an den Kamin, um zu lesen. Doch sie vermag es nicht, ihre Gedanken auf die Lektüre zu konzerttrie- ren; sie fühlt sich durch das Geheimnis, das über ihrer Nichte und dem Zeichenlehrer schwebt, beunruhigt.
Kurz entschlossen, schickt sie einen Diener zu Erik Miels; sie sei allein und bereit, ihn — wie er es wünschte — „unter vier Augen" zu sprechen.
Erik ist ans diese Unterredung vorbereitet. Trotzdem klopst ihm das Herz, als er jetzt langsam die Treppe herunter schreitet. Er versucht, die ganze Situation in für ihn günstigerem Licht anzusehen: vielleicht beschleunigt sie sogar seine Vermählung mit Gerda! . . . Vergebenes Bemühen! Seine Stimmung bleibt eine gedrückte.
Die Unterredung mit der Herrin von Schloß Sandsgaard ist für beide Teile eine überaus Peinliche.
Sv zart wie irgend möglich, erzählt Erik von dem eigentümlichen Resultat seines heutigen Zufammen- jein§ mit seiner Schülerin, deutet et ihr unseliges Bekenntnis an, indem er versucht, es als den Aus- fluß einet ihrer momentanen fixen Ideen darzu- stellen.
In Sigrids Antlitz wechseln Peinliche Uebetra- schung mit tiefer Erschütterung. Einmal, als Erik, eine Antwort «wartend, in seinen Mitteilungen inne hält, bedeutet sie ihm durch eine stumme Geste, fortzufahren.
„Schrecklich!" murmelt sie endlich, wie zn sich selbst, indem es um ihren feinen Mund zuckt, als wolle sie in Tränen ausbrechen.
„Nicht so schrecklich, wie sie denken, gnädiges Fräulein!" sucht Erik zu beruhigen. „Fräulein In- gebotg siebt mich nicht; sie bildet sich nur ein, mich zu lieben. Sie wird diese fixe Idee ebenso vergessen, wie sie andere vergessen hat!"
Einen Moment ruhen Sigrids Augen forschend auf dem jungen Mann. Dann reicht sie ihm herzlich die Hand.
„Ich erkenne Ihre gute Absicht an, lieber Freund, teile sie aber nicht. Ich habe meine Nichte feit üb« elf Iahten studiert; ich Weitz zu unterscheiden, waber ihr fixe Ideen sind und was nicht. Jngeborg
liebt Sie — liebt Sie mit ber ganzen Innigkeit unb Leidenschaft, wie nur ein Weib zu sieben vermag — vielleicht noch innig«, noch leidenschaftlicher. Weil all ihre Sinne schärfet entwickelt find, als bei uns geistig vollkommen gesunden, normalen Menschen."
Erik wagt nicht zu widersprechen. Er selbst muß im Stillen der Schloßherrin recht geben.
Den Kopf in die Hand gestützt, sitzt Sigrid eine Zeitlang schweigend, nachdenklich da. Dann konimt es leise von ihren Lippen:
„Wären Sie frei, fo würde ich Ihnen sagen: kleine Nichte ist ein liebes, gutes Geschöpf. Versuchen Sie. sie wiederznlieben und —"
Als traue er seinen Ohren nicht, tritt Erik einen Schritt zurück. In seinen Augen brennt eine große, stumme Frage.
Sie beantwortet diese stumme, verwunderte Frage mit einem zustimmenden Neigen ihres schönen Hauptes.
„5a, mein Freund, das meine ich Ihr Einfluß ans Jngeborg ist groß. Rach dem Ausspruch der Aerzte kann sie völlig gesunden, sobald sie ihre (Gedanken, ihr Empfinden auf irgend etwas Großes konzentriert, das ihr Gefühlsleben vollständig aus- stillt . . . Doch — genug davon! Sie sind ja nicht frei!"
Lange schwüle Pause. Tas Ungewöhnliche der Situation wirkt auf beide gleich mächtig.
„Ich halte Jugeborgs Liebe zu Ihnen für fo stark, daß ich glaube, die Mitteilung, Ihr H«z gehört bereite einer andern, wird eine Revolution in ihrem Inneren Hervorrufen." bemerkt Sigrid endlich mit etwas verschleierter Stimme. „Die Nachricht wird vielleicht ihr Herz zu Tlü)e verwunden, aber ihren Geist genesen lassen."
„Fräulein Arnoldsen!!"
„5a. Jngcöorgs Wahnsinn wird fernerhin ehi ander« sein als vordem — « wird sich g«visser- maßen in den Wahnsinn des gesunden, normalen Menschen verwandeln, der getäuschte» Hoffnungen und Wünschen nachweint. Morgen toerbe ich die Her- zensempfindungen meiner Nichte genau untersuche» und ihr nach unb nach die Mitteilung von Ihr« B«lobu»g beibringen, Herr Niels. Heute könne» wir nt dies« Angelegenheit nur noch eines tun. Es
gibt leid« im Sehen Worte, die gesprochen werde« müssen, fo schwer es einem auch wird. Sie verstehen mich?"
Erik unterdrückt einen Seufzer.
,Lch weiß, welche Worte Eie meinen, Fräulein Arnoldsen. Ob die Neigung Ihrer Richte für mich ihrem gesunden Empfinden entspringt oder ob sie eine ihrer fixen Ideen ist, gleichviel: ich muß Schloß Sandsgaard — verlassen!"
Tiefe Stille folgt diesen in gepreßtem Tone her-, vorgestoßenen Worten. Einen Moment bedeckt Sigrid die Augen mit bckc Hand. Dann sagt sie scheinbar ruhig:
,Mir werben Sie sehr vermissen, Herr Mels. In kurzer Zeit sind Sie uns so lieb unb wert geworben, baß wir Sie fast als zu uns gehörig betrachteten."
„Es gibt viele Zeichenlehrer aus ber Welt!" wirft Erik bitter hin.
„Gewiß. Ab« ich nahm mir soeben Die Freiheit, an Sie als an einen Freunbzu benfen . . . Und nun noch ein Wort, bevor wir diese llnterrebiing beenden! Es betrifft eine Laune meinerseits. Wollen Sie sie mir erfüllen?"
Sie lächelt bei dieser Frage; deshalb beantwortet er sie ebenso.
„Mit Vergnügen, Fräulein Arnoldsen — wenn cs in meiner Macht steht!"
„Sie wissen nicht, wie sehr es mich schmerzt —" fährt sie mit «sichtlicher Anstrengung fort —„Ihnen sagen zu müssen: Sie haben sich in jeder Hinsicht als Ehrenmann benommen, Herr Niels; trotzdem müsse» Sie unser HauZ verlassen! ... Ich bitte Sie nun —" ihre Stimme wirb weicher, inniger — „mich nicht als Ihre Herrin, sondern als Ihre Freundin zu betrachten, und als diese spreche ich letzt zu Ihnen: Ick entlasse Sie nickt aus Ihrer Stcl- tang; ich bitte Sie »ur um ber Ruhe meiner Nichte willen — gehen Sie!"
„Ich verstehe Sie nicht, Fräulein Arnoldsen. Ich soll gehen, und trotzdem entlassen Sie mich nicht?"
Zartes Rot steigt in ihre bleichen Wangen, während ihre dunklen ernsten Augen ihn voll aublicken.
I „Herr Niels, Sie bleiben für ein Jahr der beurlaubte Zeichenlehrer mein« Nichte. Jeder Mensch
1 hat Launen; dies ist eine von den meinigen." (F. st)