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Jtö 65.

Dienstag öen 19. März 19(2

59. Zalrgang.

* füldaer M Zeitung

2. Blatt

vrnck unb Verlag der «kaldaer LetteadruSerel in Znlda.

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von Reg.-Baurat Henfch cingereichte. angckaufte Ent­wurf würde bei der Ausführung 284 000 Mk. kosten. Der Berichterstatter ist der Ansicht, daß im Mittel Wohl 300 000 bis 310 000 Mk. für die Ausführung eines der Pläne anzusetzen seien. Der Magi st rat schlägt nunmehr folgendes vor: 1. einen vom Preisgericht -um Ankauf empfohlenen siebenten Entwurf „Sonni­ger Hof" zum Preise von 300 Mk. zu erwerben. Die- er Vorschlag findet allgemeine Billigung, 2. keinen >er preisgekrönten Entwürfe ohne weiteres zur Aus- ührung zu bringen. Diesem Vorschlag schließt sich die Versammlung an, unter dem Gesichtspunkte, daß sonst die Bauleitung dem Urheber des Entwurfes übertra­gen werden müsse, was nicht wünschenswert ist, 3. einen Architekten für di? Ausführung des Neubaues anzu- kellen, 4. die Kosten des Schulneubaues (ausschließlich des Grunderwerbs) auf 225 000 Mk. festzusetzen und dem anzustellenden Architekten den Auftrag zu erteilen, die Pläne mit dieser Bausamme in Einklang zu brin­gen. Um diese beiden letzteren Vorschläge dreht sich in der Hauptsache die Debatte. Der zweite Berichterstat­ter Stv. Prof. Vollm er findet cm dem Röckleschen Entwurf zahlreiche Einzelheiten, die er vom schultech­nischen Standpunkte aus begrüßt, so die Aufstellung des Schulgebäudes an dem der geplanten Straße ab­gelegenen Rordrande des Grundstückes, die Heraus­nahme der Turnhalle aus dem Hauptgebäude, der zu­sammenhängende Schulspielplatz. In Anbetracht bi

Erik ist vom Stuhl aufgesprungen.

" beginnt er liebe

emer Photographie sein Selbstporträt zu zeichnen, um seine kleine Gerda zu ihrem Geburtstage damit zu überraschen.

Und Jngeborg? . . .

Sie leidet heute unter einer ganz eigenen Ge­mütsdepression. Müde und gleichgültig gegen alles um sie her, liegt sie auf einer Chaiselongue, in der Hand einen Band Gedichte. Jedoch liest sie nicht. Ihr Kopf schmerzt. Sie dreht sich hin und her — es wird nicht besser. Sie springt auf, schleudert das Buch zu Boden, wirft ihren blauseidenen Schal um die Schultern und öffnet das Fenster.

Der Nachmittag fft klar und frisch. Eine leichte Brise weht vom Meer herauf und kühlt sanft Jnge- borgs brennende Stirn.

Ein unbezwingliches Verlangen befällt sie, einen Spaziergang durch das Felsenlabhrinth da unten zu machen. Fester hüllt sie sich in ihren Schal; wie der Wind eilt sie durch die Halle, die Stein treppe hinab.

Unten blickt sie sich ein wenig scheu um. stloch niemals ist sie ahne die Tante in diesem Felsen- labyrinth gewesen. Und nun gar bei einbrechender Dunkelheit! Trotzdem — sie liebt die Dämmerung, weil das Ungewisse, Mvstische des Dämmerlichtes ihre Nerven angenehm erregt.

Auch heute fühlt sie eine eigentümliche Empfin­dung ihren Körper durchrieseln — halb Gruseln» bald Wohlbehagen. Instinktiv sucht sie, dieses ner- venfitzelnde Prickeln zu verstärken. Planlos läuft sie zwischen al! den großen und kleinen Felsblöcken umher, indes der Wind stärker daherbläst und das Gekreisch eines Uhu schaurig die Luft durchgellt

Stets hat Jngeborg diesen Felsblock mit einer Art Abneigung betrachtet. Heute üben seine ver­schwommenen Konturen einen eigenen Zauber auf i sie aus.

Langsam umschreitet sie ihn. i

Jetzt ble'bt sie stehen und blickt mit lauschend ' vargedengtem Oberkörper hinauf zu der grotesken । Silhouette. ....... V

Da löst sich von dem Stemkoloß eine, dürre, zer- 1 lumpte Gestalt und kommt direkt auf Jngeborg zu.

5. Sitzgelegenheit im Stadtverirdueten-Sitzungssaal. Die Baukommission ist neuerdings mit einem Plan zur Schaffung ausreichender Sitzgelegenheit im Stadt- berordneten-Sitznngssaal hervorgetreten. Sie schlägt vor. einen neuen Tisch im Saale aufzustellen, an dem drei Stadtverordnete Platz nehmen können, während noch ein weiterer besonderer Tisch für Magistratsmit­glieder aufgestellt werden soll. Diese Tische sollen Tischkästen erhalten und alle Plätze sollen nummeriert werden. Nach einer längeren, sehr lebhaft geführten Debatte, in der die rechte Seite des Hauses, die zu­fällig sehr schwach besetzt ist, die Sitzgelegenheit für ausreichend erklärt, während die in „drangvoll fürchter­licher Enge" sitzende „Linke" für neue Plätze eintritt, wird der Vorschlag, neue Sitze zu schaffen, gegen eine erhebliche Minderheit abgelehnt. In der Debatte wird als Vorschlag des Magistrats der Plan erwähnt, die Stadtverordnetenversammlung nach Er­bauung der Oberrealschule in dem Herkulessaale unterzubringen. Dieser Saal, der allerdings erst mit erheblichen Kosten aus Schulräumen zurückverwandelt werden müßte, ist viermal so groß als der jetzige Sitzungssaal. Gegen die Schaffung eines neuen Ti­sches, der inmitten der übrigen feinen Platz erhalten soll, bringt man vor, daß niemand daran werde sitzen wollen. Zurufe: Katzentisch, Eselsbank! (Große Hei­terkeit.) Weitere Vorschläge, Doppeltüren im Sitzungs­saale anzubringen, um das Sitzungsgeheimnis besser zu wahren, und im Vorraum für zeitweilig von der Sitzung Ausgeschlossene Sitz-, Trink- und Wasch-Ge- legenheit zu schaffen, wurde der Baukommission zur Er­wägung überwiesen.

6. Prüfungsbericht des Preisgerichts für den Neu­bau einer Volksschule. An drei Seiten des Sitzungs­saales sind zur Erleichterung der Debatte über diesen Punkt umfangreiche Ge st eile angebracht, die mit Baurissen und Bauskizzen bedeckt sind. Die Ange­legenheit entfesselt eine zirka

dreistündige Redeschlacht.

Als erster Berichterstatter gibt Stadtverordneter Fritz eine Darstellung der Tätigkeit des Preisgerichts für den Wettbewerb zur Erlangung eines Entwurfes für den Schulhausneubau am Kronhof. 700 Architek­ten bezogen die Wettbewerbsbedingungen, 397 reichten Entwürfe ein. Nachdem durch einen eigens bestellten Frankfurter Regierungsbauführer eine Vorprüfung statlgefunden hatte, begann am 8. Febr. das Preisge­richt seine dreitägige anstrengende Tätigkeit. 106 Ent­würfe lagen ihm zur Entscheidung vor. Das Ergebnis des Bewerbs ist bereits in der Presse bekannt gegeben. Es wurde systematisch nach solchen Entwürfen gesucht, die in den meisten Beziehungen den höchsten Anforde­rungen entsprechen. Ein Entwurf, der sämtliche Schul­klassen in einem Gebäude eingeordnet hatte, die Treppen gut untergebracht, überall reichlich Tageslicht einfallen ließ, die Turnhalle an das Gebäude an schloß mit ge­trenntem Eingang, die Schuldienerwohnung nahe an die Turnhalle heranlegte und den Spielplatz zusammenhän­gen ließ, wurde mit dem ersten Preise bedacht, der Entwurf des Frankfurter Architekten Röckle. Dieser Entwurf zeichnet sich aus durch die Einfachheit und Klarheit des Grundrisses. Die anderen preisgekrönten und angekauften Entwürfe, die der Referent eingehend beschrieb, haben ihren Hauptwerk in der ästhetischen Ausgestaltung. Bei der Kostenberechnung zu allen ausgezeichneten Entwürfen hat sich ein erhebliches Mehr gegenüber der bisher ins Auge gefaßten Bau­summe ergeben. Die Ausführung des mit dem ersten Preis gekrönten Entwurfes würde 335 000 Mk. bean- pruchen, des mit dem zweiten Preis bedachten Ent­wurfes 287 000 Mk., der mit dritten Preisen ausge­zeichneten Entwürfe 310 000 und 320 000 Mk. Der

■ Absicht, die Turnhalle auch Vereinen in den Abendstun­den zur Verfügung zu stellen, sei es begrüßenswert,

: daß die Turnhalle ohne Berührung des Schulareals zu 1 erreichen sei.

Eine scharfe Kritik.

1 . Siv. Adam: In technischer und ästhetischer Hin« sich! befriedigt wohl das durch den Wettbewerb herbei- geschaffte Material, gänzlich unbefriedigt läßt es in wirtschaftlicher und baupolizeilicher Hinsicht. Bei der Ausschreibung ist viel vernachlässigt worden. Die Freiheit für den Architekten war zu groß. Ohne durch Die Zugrundelegung einer Bausumme irgendwie be­schränkt zu sein, konnten die Architekten ihre idealen Anschauungen zu Papier bringen. Daher die ästhetisch befriedigenden Entwürfe, von denen wir leider feinen, so wie sie sind, ausführen können. Und das war doch der Zweck der Veranstaltung. (Oberbürgermeister: Nein! Nein!) Falsch war die Vorschrift im Baupro­gramm, daß die reine Ost- und Westlage zu vermeiden fei Dadurch wurden die Architekten veranlaßt, das „einbündige" System (nur auf einer Korridor-Seite finden sich Schulzimmer) zu vermeiden. Dieses .ein­bündige" System verteuert aber das Projekt, ohne in gesundheitlicher Beziehung unbedingt erforderlich zu sein. Wenn das „einbündige" System trotz seiner Kost­spieligkeit in Frankfurt angewandt wird, so darf das für unsere nicht so leistungsfähige Kommune durchaus nicht maßgebend fein. Die Turnhalle kann wohl im Hauptgebäude untergebracht werden. Sogar im D a ch g e f ch o tz ist sie in vielen neueren Schulbauten plaziert worden. Dabei können 13 000 Mk. gespart werden. Und gespart mutz unbedingt werden! Daß von den 700 Herren, die die Unterlagen für das Projekt bezogen, nur 397 einreichten, ist ein Beweis, ■ baß eine große Anzahl das Bauprogramm als unzu­reichend erkannten. So haben wir es beim bei den an dem Wettbewerb Beteiligten gerade mit solchen Architekten zu tun gehabt, die nicht zu den berufensten zählen. (Lebhaftes Hört! Hört!) Auch die Mitteilung über die hier geltenden baupoli­zeilichen Vorschriften an die Teilnehmer am Wettbe­werb war ungenügend. Deshalb weisen die Pläne, auch die ausgezeichneten, mit einziger Aus­nahme des Heusch'schen, wesentliche Verstöße gegen dieBauordnung auf. Redner polemisiert weitläufig gegen den mit der Vorprüfung betrauten Frankfurter Bauführer. Er erklärt den Röckleschen Entwurf für ausfuhrungswürdig, jedoch müsse der Er- fparniffe halber eine einschneidende Aendenmg vorge­nommen werden, nämlich das „zweibündige" System (Klassenzimmer auf beiden Korridorseiten), zur An­wendung kommen. Redner beantragt Rückverweisung der Vorlage an die Baukommission, Ausarbeitung eines neuen detaillierten Baupwogramms mit fester Kostentaxe und nochmalige Prüfung etwaiger Entwürfe.

Die Verteidigung.

Der Oberbürgermeister weist daraus hin, daß die vom Vorredner vermißte Bekanntschaft der Ar­chitekten mit der Bauordnung vorausgesetzt werden müsse, das Programm für den Wettbewerb sei mit dem Einverständnis beider städtischer Körperschaften nach reiflicher Ueberlegung ausgegangen, die Westlage fet von allen Schulmännern gefordert worden. Die Licht- Verhältnisse auf den Korridoren erheischen die gemä- fügte Anwendung des „einbündigen" Systems, das noch lange nicht als das teuerste System nachgewiesen ist. Die Turnhalle in das Hauptgebäude einzubauen, wird all­gemein widerraten. Eine bestimmte Bausumme ist für die Wettbewerber nicht angegeben loorden, weil sonst das Projekt solange gequetscht worden wäre, bis es der Summe entsprach. Im Gegensatz zur Be­hauptung des Vorredners war es von vornherein nicht geplant, einen Entwurf zur sofortigen Ausführung zu erlangen, vielmehr sollte es sich um einen Ideen- wettbewerb handeln. Um den Neubau auch im Interesse der Bauhandwerker zu beschleunigen, wäre die alsbaldige Berufung eines Architekten angebracht, der auf Grund der angekauften Projekte unter strikter Beachtung der Kostengrenze von 225 000 Mk. den end­gültigen Bauplan festzustellen und dann zur Durch­führung zu bringen hätte. Stv. Jestädt erklärt sich mit der Auskunft des Oberbürgermeisters befriedigt. Wenn der zu berufende Architekt die Stellung eines Stadtbaurates erhalten solle, so wolle er doch den Rat geben: von der Vergangenheit zu lernen. (Sehr richtig!) Stv. Prof. Vollmer warnt vor allem vor der Verlegung der Turnhalle in das Haupt­gebäude. Stv. Fritz begrüßt grundsätzlich die Kritik des Stv. Adam. In der Einzelheit weist et mehrere Irrtümer zurück. Er spricht sich dafür aus, die endgültige Gestaltung des Neubauentwurfes und die Leitung der Ausführung einem der beiden hiesigen Architekten Adam und Hermmm Mahr auf Grund einer besonderen Bewerbung zu übertragen. Dieser letzte Vorschlag findet allgemeine Zustimmung. An del Debatte beteiligten sich noch die Stv. Dux, Dr. Schulte Kircher, Laux, Wehner, Rang, ©immer.

Beschluß — hinausgeschoben!

Schließlich wurde folgendes beschlossen: Der von dem Preisgericht vorgeschlagene 7. Entwurf „Sonniger

Siebes Fräulein Jngeborg —" beginnt er lii voll, indem er feine .Hand beschwichtigend auf ihr senktes Köpfchen legt — „Ihre Tame ist —-

Er stockt. Wie, wenn die Nachricht, die Tante sei nicht zuhause, ihr gestörtes Gemüt noch mehr be­unruhigte?

Deutsches Heid).

* Zur Regelung des Wasfenverkauss wird der „deutschen Tageszeitung" zufolge dem Reichstag eine Novelle zur Gewerbeordnung zugehen. Die No­velle soll ein allgemeines Verbot des Waffentragens enthalten und Ausnahmen von diesem Verbote nur für ganz bestimmte Fälle vorsehen.

.:, Zur Frage der Gründung einer Universität in Frankfurt a. M. haben die Nationa11ibera- l c n zur 2. Lesung des Kultusetats int preußischen Abgeordnetenhause einen Antrag eingebracht, in dem die Regierung ersucht wird, ihre Zustimmung zur Gründung der Universität Franffurt nur dann zu icbeu, wenn der Charakter dieser Universität als einer Staatsveranstaltung im Sinne des preußischen Landrechts nach jeder Richtung hin gewährleistet ist, wenn die Rechte der Staatsregierung und der Fa­kultäten übereinstimmend mit den Verhältniffen der anderen Universitäten geregelt werden, wenn die Freiheit der wissenschaftlichen Lehre und Forschung sichergestellt, wenn endlich auch für die Zukunft Ge­währ geboten wird, daß Staatsmittel für die Universität nicht in Anspruch genommen werden. Weiter wird die Regierung ersucht, die mit den Frankfurter Behörden, Instituten und Privatperso­nen abgeschlossenen Verträge vor Zustimmung zu der Gründung der Universität dem Hause der Abge­ordneten vorzulegen.

)( Die Baukontrolle durch Arbkiter ist neuerdings wieder Gegenstand lebhafter Agitation. Dazu wird jetzt halbamtlich geschrieben:

„Der roieberbolten Berufung auf süddeutsche Staaten gegenüber muß darauf hingewiesen werden, daß in Bayern, wo Baukontrotleure aus dem Arbeiter- ftanbe eingesührt sind, nach Ausweis der Statistik die Zahl der Unfälle auf Bauten seit Jahren erheblich größer ist als in Preußen. Auch eingehende Studien einer preußischen Ministerialkommission in England über die dortige GewerbeaMstcht haben die Regierung in ihrem ablednenden Standpunkt gegen die Forderung nach Arbeiter-BaUkontrolleuren nur bestätigt."

Weller wird zu der Frage der Gleichberechtigung geltend gemacht:

„Denn die Sozialdeinolratie hatte im Reichstage ausdrücklich erklärt, daß nur solche Aussichtsbeamte das Ver rauen der Arbeiter besitzen würden, die von ihnen selbst gewählt werden. Wenn mau aber den Arbeitern einen Einfluß auf die Auswahl der Gewerbeaussichts- tieamten emräumt, so kann man ihn billigerweise auch d e n Arbeitgebern nicht versagen. Die Vegenfätze zwischen den Verbänden der Arbeiter und der Arbert- gebcc würden a!*o auch in der Gewerbeaussicht wieder au'tuianbetfto&en, deren gedeihliche Handhabung aber nur,L>ei gegenseitigem Vertrauen möglich ist."

Die Aussichten für die Ausübung der Baukon- trcüe durch A beiter sind demnach sehr gering.

= Brüder unter sich. Von dem Münchener Genoffen Willi, der bekanntlich mit zu Hofe gegan­gen ist, wird der „Leipz. Bvlksztg." mitgeteilt, daß er bei der Verlobung des Prirtzen Georg von Bayern mit ber Erzherzogin Isabella von Oesterreich folgen­des Schreiben unterzeichnet habe:

»In Freud und Leid mit dem erlauchten Haute Wittelsbach auf das Innigste verbunden, nimmt die Stadt München und ihr« Bürgerschaft an allem, was die königliche Familie angeht, herzlichsten Anteil. In ihrem Namen bitten wir daher Eure königl. Hoheit, die herzlichsten Glückwünsche zu Höchstihrer Verlobung mit Ihrer lais. köuigl. Eizherzogiu Isabella von Oester- •tdi geueigtest e.itgegennehmen zu wollen."

Die „Leipz. Bvlksztg." nennt dieses Schreiben „lakaienhaft" und meint, es sei nur gut, daß fein Parteigenosse ins Präsidium der bayerischen AbaeordnetenkaMier gewählt worden fei; denn sonst hätte sich ähnliches Spiel öfters wiederholt.

Der Mann murmelt etwas Unverständliches in seinen struppigen Bart und entfernt sich langsam.

Von nun an bekommen die Bewohner von Schloß Sansgaard den „Idioten" nicht mehr zu sehen; sie ahnen nicht, daß er nur seinen Beobach- llmgsposten verlegt hat und zumeist hinter einem vorspringenden Felsen hockt, von wo aus er das Parktor beobachten kann.

Ob der unheimliche Mensch sich stets ohne eine bestimmte Absicht in der Nähe des Schlosses hernm- treiErt? Oder ob er einen Zweck verfolgt und nur bie günstige Gelegenhell abwartet, um einen Auf- trag auszuführen, der ihm einen hübschen Batzen Geld, einbringen folp . . .

Auch heute, an einem frischen klaren Herbstvor- nnttage, kauert er wieder hinter seinem Felsen, ver­drießlich an einem Stück Brot knabbernd. Schon hat er bte Hoffnung aufgegeben, hier ellvas zu er- ÄW™ «ebften mod’te er -'den ganzen Schwin- del hmhauen um wieder, wie vordem, in Tromfö als „Fdwt erfolgreich zu betteln.

hört er plötzlich das verrostete Eisentor knir- scheu

(sr, spitzt die Ohren . . .

Tritte werden hörbar.

Und jetzt sieht er von seinem Versteck aus, wie die Schlossherrin in Begleitung ihrer alten Tante heraustrttt und den Weg gen Tromfö einschlägt

Triumphierendes Grinzen verzerrt die häßlichen Zuge des Bettlers. Endlich! Endlich" Wie ein Wiesel rennt er die Mauer entlang, bis zu einer klemen Erhöhung in den Dünen, von wo aus er, geschickt wie eine Katze, die Mauer emporklettert.

Nun ein Sprung--unten ist er, jenseits

der Mauer. — -

Inzwischen hat Erik es sich in der Bibliothek be gnem gemacht. Et glaubt, Jngeborg habe ihre Tante auf dem Spaziergang begleitet: er weiß nicht, daß das Mädchen im letzten Augenblick seinen Entschluß änderte und vorzog, daheim zu bleiben.

Voll Behagen zieht er Sigrids bequemen Arm­stuhl an den Tffch und legt sich Papier und Stift zurecht. Bald ift er eifrig damit beschäftigt, nach

Ausland.

** Der Prozeß gegen den Königsattentäter. Die römische Polizei hat mehrere Verhaftungen von Kollegen des Attentäters Dalba vorgenommen. Bisher haben sich alle Rechtsanwälte geweigert, die Verteidigung des Verbrechers vor den Geschworenen 3“ übernehmen. Der Gerichtshof wird Dalba da­her einen Offizialverteidiger zur Selle stellen.

Die neue revolutionäre Regierung auf Kreta *iat an den Koma von Griechenland ein Telegramm gerichtet, tn welchem sie dem König ihre K o n sti- 1V V " 11 ■1 EeM und ihrer ehrfurchtsvollen Er-

Zta-tverorbneten- Versammlung.

Ä Fulda, 19. März 1912.

An der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten­versammlung nahmen 28 Mitglieder des Kollegiums teil. Der Magistrat war durch den Oberbürgermeister Dr. Antoni vertreten. Den Vorsitz führte der Stadt­verordnetenvorsteher Justizrat Gegenbaur.

1. Ausbau eines Teiles der verlängerten Buttlar- straße. Die verlängerte Buttlarstraße wird von der Niesigerstrahe, an dem Krüppelheim vorbei, bis zur Gemarkungsgrenze Horas führen. Es handelt sich um eine Strecke von 300 Meter. Davon sollen zunächst 100 Meter zur Ausführung kommen, bis zum Grund­stück des Bauunternehmers Vogel. Die Straße wird 12 Weier, der Fahrdamm allein 5 Meter breit. Der Fahrdamm soll später mit Kleinpflaster versehen wer­den. Ferner sind Bürgersteige mit Straßenbäumen, Vorgärten und an der Ostseite eine Schutzmauer von 1 Meter Höhe vorgesehen. Die Gesamtkosten einschließ­lich Gas- und Wasserleitungsanlage werden sich auf 22 000 Mk. belaufen. Davon können 16 500 Mk. von den Anliegern erhoben werden, sobald die Bebauung der Grundstücke fiattfinbet Die Ausführung des Vor­schlages wird genehmigt, unter der Voraussetzung, daß alle in Betracht kommenden Anlieger die auf sie entfallenden Kosten ohne weitere Zugeständnisse auf sich nehmen. Ein Teil der Ausführung soll dem An­lieger A. Bogel zu annehmbaren Bedingungen über­tragen werden.

2. Fluchtlinienplan bett, der zwischen der Buttlar- slrasie und der oberhessischen Eisenbahn liegenden nord­westlichen Seite der Leipzigerstraße. Dem Brauerei­besitzer Schultheis ist der Plan zu einem Wohnhaus- neubau an der Ecke Buttlar-Leipzigerstraße von der Kgl. Eisenbahnbirektion beanstandet worden. Die Ei- selibahndirektion verlangt, daß die Baulinie weiter hinausgeschoben wird, da bei Gelegenheit dcS Bahn­hofsumbaues eine Straße vor den Häusern in der Leip­zigerstraße hergeführt werde und eine Zufuhrstraße zu der Trabertschen Ziegelei erhalten bleiben soll. Die Eisenbahndirektion hat bereits die Vorgärten an dieser -stelle für ihre Straßenbaupläne erworben. Sie will daher einen geplanten Vorbau des Brauereibesitzers Schultheis nicht gestatten. Es ist eine Einigung der Beteiligten erzielt worden und die Versammlung t i m m t debattelos einer Aenderung des bisherigen Fluchtlinienplanes zu, wonach die bisherige Bauli- n i e als Fluchtlinie zu gelten hat.

3. Beschlußfassung über die Gültigkeit der letzten Stadtverordnetenwahl, ©egen die Wahl des an Stelle des Regierungs-Baurats Hensch gewählten Mechanikers N e i b e r t zum Stadtverordneten ist Einspruch nicht erhoben worben. Die Wahl wirb für gültig erklärt.

4. Bewilligung des Staatszufchusses zur Oberreal- slbnle. Der Staatszuschuß beträgt jährlich 13 000 Mk.; er ist vom Minister bis 1915 weiterbewilligt worden. Tie Sache dient zur Kenntnisnahme. Die Stadtverordneten haben der Voraussetzung für die mi- nisierielle Genehmigung, Schaffung einer neuen Leh­rerstelle, bereits früher zugestimmt.

Die revolutionäre Regierung hat ihre Konstituie- rung auch den Konsuln der Schntzmächte mitgeteilt. Es wurde beschlossen, daß künftighin alle Dekrete im Namen des Königs von Griechenland unterzeichnet werden sollen. Tie Einberufung der Reserve und der Miliz wurde rückgängig gemacht.

** Gin Panamakanalgesetz. Das Verkehrs­komitee des Repräsentantenhauses hat einen Zusatz­antrag zur Panamakanalbill eingebracht, wonach Küstendampfer, die Eisenbahnen gehören oder von ihnen kontrolliert werden, vom Panamakanal aus­geschlossen sein sollen. Den Eisenbahnen wird wei­ter untersagt, Aktten von Schifsahrtslinien zu besitzen oder Linien zu kontrollieren, mit denen sie konkur­rieren. Die Annahme des Antrages würde die größten Eisenbahngesellschaften und Dampferlinien treffen.

** Russische Nachklänge zum Macoch-Prozeß. Es stand zu erwarten, daß die russische Regierung gegenüber dem Paulanermönch Pater Pius P r z e- zdziecki eine scharfe Haltung einnehmen wird. Bekanntlich hat Pater Przezdziecki im letzten Ma­coch-Prozeß sich über den unheilvollen Einfluß der russischen Behörden im Tschenstochauer Kloster recht freimütig geäußert, was nicht geringes Aufsehen her­vorrief. Wie dem „Dziennik Poznanski" (Nr. 60 vom 14. März) aus Czenstochau gemeldet wird, fand vorgestern im Kloster in der Zelle des Paters Przezdziecki eine polizeiliche Haussuchung statt, die von 10 Uhr vormittags bis um 5 Uhr nachmit­tags dauerte. Pater Przezdziecki mußte sich einer Leibesvisitation unterwerfen.

In dem Dämmerdunkel erscheint sie dem Mädchen riesenhaft, ungeheuerlich, grausen-erregend.

Sie will schreien; doch kein Ton entringt sich ihren bebenden Lippen. Mit abwehrend ausgestreck­ten Händen, die Augen unbeweglich auf die unheim­liche Gestalt gerichtet, steht sie wie erstarrt.

Nun zieht der Mensch aus der Tasche einen Zettel und will ihn ihr reichen--

Mit Aufbieten all ihrer Kräfte reißt Jngeborg sich von dem sie enffetzenden Anblick los. Die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, stürzt sie in totföer Flucht dem Hause zu, während der Bettler eiligst über die Maner hinweg verschwindet.

Jugeborg ist momentan keines klaren Gedankens fähig; alles wirbelt durcheinander in ihrem armen Hirn.

Atemlos stürzt sie in die Bibliothek.

„Taute! Taute!!"

Das Gesicht mit den Händen bedeckend, sinkt sie neben dem Stuhl, in dem Sigrid Aruoldsen zu die­ser Zeit gewöhnlich sitzt, in die Knie. Alles klare Empfinden, das sie noch besitzt, gipfelt in dem Ge­danken: die Tante kann mich beschützen! Sie ver­mutet die Tante in der Bibliothek — also sieht sie dieselbe auch bort. Keiner ihrer Sinne fnnftio» nieten in diesem Moment normal.

„Tante! Tante!!" schreit sie aufs neue in Todes­angst auf. „Nimm mich in deine Arme! Rette mich vor etwas Schrecklichem!"

Auch scheint sie ihn gar nicht zu hören oder we­nigstens den Sinn seiner Worte nicht zu fassen. Die Hallunzinotion, daß die Tante auch heute an -'hrmn gewohnten Platz sitzt, beherrscht ft? völlig. Mit liebender Gebärde will sie den Arm um Eriks Schul ter fchlmgen und ihre Wange an die seine schmieget

(Fortsetzung folgt.)

hrl-rn der pflicht.

No.uan aus dem Lande der Mitternachtssonne von 17] Erich Friesen.

9.

die Tage auf Schloß Sands- gaato dahm. Und auch die Wochen.

Bereits beginnt der Spätsommer seine weißen ftadcu zu Winnen Herbstliche Stürme brausen über das Meer und pftifen in den Schornsteinen »nd rütteln an den morschen Fensterläden, so daß Jngeborg oft zusammenzuckt bei dem Gedröhne und Geknatter.

Oefter denn je findet man das Mädchen in ihrem Glaspalast, wo sie die buntfarbigen Papageien füt- tert, mit den zierlichen Kolibris spielt und ganze Hände voll duftender Tuberosen und Orchideen pflückt, um sie der geliebten Tante zu bringen oder dte Tafel damit zu schmücken.

Bei den jetzt immer seltener werdenden Spazier­gängen fällt es der Schlossherrin auf, dass sie wie­derholt einem zerlumpten Bettler begegnet, der mit

^föden Miene des Idioten an der Mauer von Schloß sandsgaard vorbeischleicht oder auch wohl schlafend an dem Tore kauert. Und Erik ben öa6 die sonst stets gütige Dame

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wozu ftanfe 94M y*”™ wiß haben sie ein Recht, den Weg zn benuüen- aber die Parkmauer und das Tor sind mein Eigen- mm, und ich verbiete Ihnen, sich daran zu lehnen Ich werde die Polizei in Anspruch nehmen, wenn «w mich fernerhin durch Ihre Gegenwart belä- Vgen."