uldaerW Zeitung
eUaistoärt» 1.50 Ml-
Fulda, Montag den 16. März 1912.
Erstes Blatt
Darum Weitz er auch nicht, wie einem Arbeiter zumute
fall.) Die Aeutzerung des Herrn Erdmann über Bi«
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nutzt haben. (Stürm. Beifall, andauernder Lärm der Soz.) Sie hätten die Pflicht gehabt, gegen den Streik zu sprechen und nicht für. Sie haben auf der Kon« ferenz erklärt. Sie könnten gegen die Masse nicht auf. treten. Wo find Sie gegen sie aufgetreten? Wenn eine Organisation von 45 000 Mitglieder! auS wohl, erwogenen Gründen di« Beteiligung an einem Ausstand ablehnt, der aussichtslos ist, hat niemand ein Recht, ihr Streikbruch vorzuwerfen. (Lebh. Beifall.) Wenn wir einmal Streik machen, oh, dann brauchen
64.
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39. Jahrgang.
Morrakbellage: „Fuldaer GeschichtMätter"
1^**? Partei bezw. die sozialdemokratischen Gewerk» fasten von der Verantwortung für die Exzesse im Strerkgebret reinzuwaschen.
hat. Der Kampf um die Selbständigkeit unserer Po» ?le derer, die sich wieder zur Arbeit elnstnden, litik werden wir durchführen, und die Polen und die lene, die sich neu dem Streik an-chließen. Freitag Hirsch-Dunckerschen werden eines Tages entdecken, wel- war die Zahl der Arbeitenden um 10000 Mann
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für die städtische Gasanstalt angekauft waren, zu löschen.
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«iss Die Streikdebatte
ist am Samstag im Reichstage beendet worden, waS allgemein geradezu als eine Erlösung empsun. den wurde. Nicht etwa, weil es den Vertretern des deutschen Volke- im Reichstag an dem nötigen Jnterefle und dem nötigen Verständnis für die Arbeiterbewegung gefehlt hab», sondern weil die zur Debatte stehende Frage bereits nach den Verhandlungen der beiden ersten Tage eine resjudicata war, das Urteil der Oeffentlichkeit über Berechtigung oder Nichtberechtigung des Streiks gefällt war und alles, was der dritte Tag noch brachte, nur notwendig geworden war durch die unehrliche Art, mit der die Sozialdemokratie ihre verlorene Position zu retten hoffte. Wer sich nur in der sozialdemokratischen Prcffe über den Ruhrbergaibeüerstreik informiert, muß unwillkürlich zu der Meinung kommen, die Gesamtbelegschaft der Ruhrderg^eute befände sich, nur von geringen Ausnahmen abgesehen, im Streik. Dem ist nicht so. Freitag, dem fünften Streiktage, arbeiteten bereits wieder 160000 Mann, so daß, wenn man die Krankfeiernden von der 360000
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Betetiensbrvf «. Verlag der gxlbaef Attieedruckerei i-ZuIstz Lerusprecher llr. »
+ Aufhebung der Liebesgabe. Rücktritt des Reichsschatzfekretörs.
Das Ergebnis der Ministerbesprechung über die Wehrvorlagen und ihre Deckung ist also, daß die Beseitigung der sogen. Liebesgabe, d. h. die Untertoer« Ifang auch des Kontingentspiritus unter die volle | Berbrauchsabgabe, die von den Verbündeten Regierungen zur Deckung der Wehrvorlagen für erforderlich erachteten Mehrausgaben aufbringen soll. Die Erbanfallsteuerkommtnicht. Wir hatten das auch, tote toir bereits mehrfach betonten, nicht erwartet. Die Reichsregierung selbst hat sich überzeugen muffen, daß sie mit einer Wiedereinbringung der Erbanfallsteuer das von ihr als zu erstrebende Ziel, die bürgerlichen Parteien einander näher zu bringen, selbst vereitelt hätte. Aber nicht allein daS. Die sachlichen Gründe, die 1909 zur Ablehnung der Erbanfallsteuer führten, bestehen auch heute noch. Die Regierung muhte bei den unsicheren Mehrheitsverhältnissen im Reichstag immerhin mit der Möglichkeit eines Scheiterns all ihrer Pläne rechnen.
Abg. Behrens (toirtfdj. Bgg.) hält den Sozialde. mokraten vor: Sehen Sie sich doch Ihr Schimpflexikon an. In den langen Debatten hier sind die Sozialdemokraten immer um die eigentliche Streitfrage herumgegangen, ob der Streik in diesem Augenblick berechtigt war. Herr Sachse hat unS immer noch nicht Auskunft gegeben, was er eigentlich in London gemacht hat. An die Regierung richte ich die Aufforderung, die Forderungen der christlichen Arbeiter zu erfüllen.
Damit schlietzt die Besprechung. Die Jnterpella. tion ist erledigt.
Montag: Etat deS Reichsamts des Innern (Wei- terberatung).
lS-ntr.): Wer den Abg. Kö- mg gehört hat, konnte glauben, es sei nicht das min. beste gegen die christlichen Bergarbeiter vorgekommen. (Sehr richtig.) Und da», trotzdem wir fast stündlich von den tollsten Ausschreitungen gegen die Arbeits. willigen Horen k Der Streik dar eine Unbesonnen- heit sondergleichen, daran ändert die Rück» zugskanonade des Herrn König nichts. Die Herren ( zu den Soz.) werfen uns vor, wir schaffen mit unteren Klagen über den Terrorismus nur Material für eine neue Zuchthauevorlage herbei. Ich mache Ihnen einen Vorschlag zur Güte: sorgen sie dafür, daß die Gewalttätigkeiten gegen die christlichen Gewerkschaftler anfhoren, dann hören auch unsere Klagen auf. (Sehr gut.) Wir haben nie einen Zweifel darüber ge» «affen, daß toir die schärfsten Gegner einer neuen Zuchthausvorlage find. Wir haben auch stets den Schutz des Koalitionsrechts verlangt und werden das auch weiter tuen, trotz deS gröblichen MitzbrauchS der von Ihrer (zu den Soz.) Seite damit getrieben wird. (Beifall.)
_ ®adjfe (Soz.) gesteht unumwunden zu, daß ein Solitaritätsgefühl mit den englischen Arbeitern auch eme Rolle bei der Proklamierung de» Streik» gespielt habe. Redner macht die christlichen Arbeiter, die Streikbruch gepredigt hätten, dafür verantwortlich, wenn et ungünstig auslaufen sollte. '
nem Wahlkreise verhandelt, ich habe weder etwas verhandelt und) überhaupt etwas besprochen. ES ist eine nichtswürdige Verleumdung, wenn heute der „Vorwärts" schreibt: „Um die römische Kurie und den Episkopat günstiger zu stimmen und den Bachemiten die Fortsetzung ihrer bisherigen Machtpolitik zu er« »noglichen, wurde skrupellos das Interesse der katho- fachen Bergarbeiter geopfert." Und vorn auf der ersten ©eite des „Vorlvärts" steht heut« ein Ausruf an die Arbeiterschaft Deutschlands, der von der Generalkommission der Gewerkschaften unterzeichnet ist und vom sozialdemokratischen Parteivorstand. (Hört, hörtl) Nennen Sie mir eine einzige andere Partei, die in einer solch engen Verbindung mit der Gewerkschaft 'gestanden hat! (Hört, hört!) Herrn Erdmanns Rede hatte nicht die Tendenz zu beruhigen, sondern aufzureizen. Sie ließ das Verantwortlichkeitsgefühl voll- kommen vermissen, das ein Arbeiterführer haben mutz. (L^oh. Beifall im Zentr.) Die Sozialdemokraten wollen ja kein Ende des Streiks, sie erklären, daß eS vorzüglich steht. (Hört, hört!) Wem das Wohl der Arbeiter am Herzen liegt, muh dafür forgen, dah der
bald zu Ende geht. (Lebh. Zustimmung.) Die christlichen Arbeiter werden unausgesetzt von denStrei-
daß der Terrorismus eristiert, und datz die Arbeitswilligen das Recht ha- den, dagegen Schutz zu verlangen. lAbg. Kunert (Sw>) schreit: Das und unverschämte Behauptungen. Vizepräsident Paasche Bittet, den Redner nickt zu unter- brechen und zu beleidigen.) Wenn Sie (zu den Soz.) die Ruhe aufrcchterhalten wollen, so beweisen die Tatsachen, daß Sie es eben nicht können. Ich begehe wohl keinen Vertrauensbruch, wenn ich mitteile, daß bei unserer Konferenz vor Ausbruch des Streiks der Staatssekretär Dr. Delbrück zum Kollegen Sachse auf dessen Frage bemerkte, die Regierung schicke absichtlich viel Polizei in das Streikgebiet, um zu verhindern, daß die Entsendung von Militär notwendig totrb. ®eim trotzdem Militär herangczogen werden mußte, 1° beweist das eben die Schwere der Ausschreitungen. Zustimmung im Zentr.) Es scheint, als glaubten die Sozialdemokraten, ihnen fei alles gestattet, sogar die Gewalttätigkeiten jeder Art. WirsindnichtJhre
(Lebh. Beifall im Zentr.) Wir sind über« Ä KZ: uistr Verband schließlich gute Fortschritte Kbr- »• JerrStrctI ist ein Racheakt für Rit 20oocmbiC^Io°e bei der letzten Wahl. Streik, b^itthÄl ‘er^. unternehmen Sie den I Ktf!'/ ^s?dezu eine Unmöglichkeit. (Hört, km die GjenernT!nm^;rr n Mitteln aus, und ^Mionm gM,^haben"Sie'erst"für^rei^Wnck^^^^^ ftchs'Wochm^iit amc"n ckt ^!"stützung von'vil-^bis ftch« Wochen ist gar nicht zu denken. Es ist aerobem Unverantwortlich wenn unter solchen Voraussetzungen ttOemimmen totrb daß der Streik nicht verloren gehb «n Bergarbeiterftreck, der sofort Hunderttausende in «weren Bernsen lahmlegt, ist ganz anders zu beut- jteuen, al» ein anderer Streik. Man sollte ein S y n- dikatSgesetz schaffen, wonach, wenn die Kohlen, preise steigen, auch die Löhne steigen müssen. Dieser
tretern der Bundesstaaten und der Reichsregierung völlige Uebereinftimmung erreicht worden ist, so kann man toohl annehmen, daß dieses Bedenken eine auch die süddeutschen Teilnehmer an der Besprechung zufriedenstellende Regelung erfahren hat. Solange nicht nähere Einzelheiten bekannt werden, wird man sich in dieser Beziehung eine endgiltige Stellungnahme Vorbehalten muffen. So viel läßt sich jedoch schon heute sagen, datz, wenn der Nachweis von der Notwendigkeit neuer Einnahme» erbracht wird der Vorschlag der Regierung an den geäußerten Bedenken jedenfalls nicht scheitern wird. Die Frage, ob die Wehrvorlagen überhaupt neue Einnahmen erforderlich machen, wird man eudgilttg erst beantworten können, wenn man die Mehrkosten der Wehrvorlagen genau kennt. Es sind ja in der Preffe bereits verschiedene Zahlen genannt, doch hat man Zuverlässiges noch nicht erfahren. Sind sie bekannt, dann erst wird der Prüfung der Frage näher getreten werden können, ob es nicht doch möglich rft, die Mehrkosten au8 den vorhandenen Uebersch ü s s e n zn decken, ohne die Gesundung der Reichsfinanzen zu gefährden. Bon dem Ausfall dieser Prüfung, die von der Kommission des Reichstags jedenfalls hier forgfälttg vorgenommen werden wird, ivird es abhängen, ob neue Einnahmen und damit die Beseitigung der Liebesgabe erforderlich ist oder nicht.
Die also gestaltete Losung der Deckungsfrage bat, wie zu erwarten war, am Samstag den Rücktritt des Reichsschatzsekretärs W e r m u t h zur Folge gehabt. Zu seinem Nachfolger ist der bisherige Unterstaatssekretär im Reichsamt, Kühn, ernannt worden. Die „Nordd. Alla. Zig." rühmt Herrn Wermuth nach, er fei von Beginn feiner Amtsführung an mit Energie dafür eingetreten, daß keine neuen Ausgaben ohne hinreichende Deckung bleiben dürften. Dieses Prinzip fei auch in den Besprechungen des Reichskanzlers mit den einzelstaatlichen Ministern über Wehrvorlage und Deckungsfrage voll anerkannt worden und werde auch gegenüber den neuen Mehrkosten zur Anwendung kommen.
Reichsschatzsekretär Wermuth hatte sich auf bestimmte Steuervorschläge, insbesondere auf die Erbanfallsteuer festgelegt, und als er damit nicht durchdrang, mußte mit seinem Rücktritt in den letzten Tagen gerechnet werden. Hinzu kommt, daß sich nun auch als richtig herausgestellt hat, daß die Etatsaufftellung durch Herrn Wermuth fein zutreffendes Bild von den Finanzen des Reiches gibt. Der neue Reichsschatzsekretär Kühn gilt allgemein als ein pflichttreuer eifriger Beamter, politisch ist er jedoch bisher in keiner Weise hervorgetreten.
Pretzstiwmen.
In der Preffe findet der Vorschlag auf Beseitigung der Liebesgabe wenig Gegenliebe. Die libe- rale Presse ist ganz aus dem Häuschen geraten, daß eS mit der von ihr so sehnsüchtig herbeige- wünschten Erbschaftssteuer nun doch nichts ist. Wenn die Liberalen sich in ihren Lieblingsgedanken
Streik wird auf Jahre lang die ganze Aktionsfähigkeit der Gewerkschaft», und Krankenkassen lahmlegen. Wa» wird der Erfolg sein! In 14 Tagen leere Gewerkschaftskassen, hungernde Arbeiter (Stürm. Zustimmung), gefüllte Kassen de» Kvhlenshndikats. (Großer Lärm, wilde Rufe der 6cg.; Rufe recht»: Da» sind die gebildeten 1101) Die jungen Herren von der sozialdemokratischen Fraktion können sich schlecht benehmen. (Heiterkeit und Zustimmung im Zentrum und rechts.) An der Konferenz mit dem Staatssekretär nahm ich lediglich in der Absicht teil, alle» zu versuchen, da» Unglück zu verhüten, und schließlich waren wir einig, datz versus werden soll, die Zechenverwaltungen zu veranlassen, die Arbeiterausschüsse einzuberufen, und ihnen möglichst positive Zusagen zu ma» chen. Darauf haben aber die Sozialdemokraten gesagt, sie könnten nicht garantieren, datz der Streik nicht ausbricht; er könne seine Leute nicht halten, hat Herr Hue gesagt. (Hört, hört!) Der Staatssekretär hat Ihnen eine goldene Brücke gebaut. (Sehr wahr!) Sie sagen. Sie könnten auf die Zusagen der Zechen nicht vertrauen; ja, warum wenden Sie sich dann mtt Eingaben an st«? Sie muten ihnen Tarifverträge zu und erklären im selben Atem, Sie könnten Ihre Leute nicht halten! (Hört, hört!) Der Vorsitzende Ihrer Metallarbeiterorganisation hat erklärt: Der Kampf ist daS letzte Mittel! (Zuruf von den Soz.: Ganz neul) Her Sachse, ich klage Sie an (Götze» Gelächter der Soz., Lärm), dah Sie in diesem Fall nicht die anderen Mittel der friedlichen Beilegung be»
ES laßt sich nicht leugnen, daß Herr d. Beth- mann in der Lösung der Deckungsfrage eine geschickte §anb gezeigt hat. Er hat eS nicht nur vermieden, den Zankapfel der Witwen- und Waisensteuer aufS neue unter die Parteien zu werfen, sondern er räumt mit seinem Vorschlag auch den Gegenstand eines langjähiwen Streites, die sog. Liebesgabe, auS dem Wege. Vorausgesetzt, daß der Vorschlag der Reichsregierung im Reichstag Annahme findet. Die Lösung der heiß umstrittenen Deckungsftage ist auch insofern sehr geschickt, als sie den liberalen Parteien den notgedrungenen Verzicht auf die Erbanfallsteuer ganz erheblich erleichtert. Gerade die L i b e r a l e » sind es ja, die bei jeder Gelegenheit die Beseitigung der Liebesgabe fordern. Sie sehen also eine ihrer wesentlichsten Forderungen erfüllt und haben alle Ursache, zufrieden zu sein. Die Parteien der Rechten u. das Zentrum haben andererseits keine Ursache, unzufrieden zu fein. Das Zentrum wenigstens fft niemals grundsätzlicher Verfechter der Liebesgabe gewesen; im Gegenteil hat es von jeher Bedenken gegen diese Einrichtung gehegt. Wenn es gleichwohl 1909 für die Beibehaltung der Liebesgabe sich einsetzte, so geschah das lediglich aus sachlichen Gründen. Vor allem mußte man besorgen, daß die Beseitigung der Liebesgabe zu einer Beeinträchtigung des Brennereigetoerbes führen mußte, dem eben erst nicht unerhebliche Lasten auferlegt waren.
Sachlich bewachtet, bedeutet das Ergebnis der Ministerbesprechung zweifellos eine ganz wesentliche Annäherung der Reichsregierung an die vom Zentrum vertretene Auffassung, daß sich die Mehrkosten der neuen Mehrvorlagen aus den vorhandenen Ueberschüffen decken lasten. Die Beseitigung der Liebesgabe wird im günstigsten Fall 45 Millionen Mehreinnahmen bringen. Also bei weitem nickt den Betrag, den die neuen Wehrvorlagen erforderlich machen. Dieser wird nach uns gewordenen Mitteilungen auf 90—100 Millionen Mark geschätzt. Sonach müssen nunmehr auch die verbündeten Regierungen zu der Ueberzeugung gelangt fein, daß der Etat kein zutreffendes Bild der Einnahmen des Reichs bietet, daß vielmehr der Abg. Speck durchaus recht hatte, wenn er von einer Verschlimmerung des Etats sprach, und die Einnahmen ganz erheblich höher schätzte, als Herr Wermuth es getan. Der Vorschlag der verbündeten Regierungen fft schließlich auch insofern zu begrüßen, als er die Erschließung neuer Steuern unnötig macht und auch den Konsum nicht belastet.
Dem von den verbündeten Regierungen gefun- denen Ausweg auf Beseitigung der Liebesgabe sind '.vir nicht in der Lage, bedingungslos zuzustimmen. Zunächst sind eS einige sachliche Bedenken, die vorerst gegen den Vorschlag sprechen. Einmal ist es die Besorgnis, die bereits 1909 gegen die Befestigung der Liebesgabe sprach, daß das Brennereige- werbe einer schweren Beunruhigung und Be - einträchtigung ausgesetzt werden könnte. Zum zweiten muß die Frage gelöst werden, ob und wie die süddeutschen Brenner in ihren berechtigten Interessen geschützt werden können. Indessen das sind spätere Sorgen. Und da zwischen den Ver
chen Fehler sie mit dieser Allianz gemacht haben. (Sehr höher als Donnerstag.
wahr!) Wird werden un» nicht einschüchtern lassen, $>er Streik flaut weiter ab.
wir fahren auf unserer Bahn fort. (Stürmischer Ver
fall im Zentr.) Essen, 16. März 1912. Von einer Gesamtbelegschaft
Abg. Jckler (natl.): Die Grubenbesitzer wollten eine 836 16r? Mama fehlten heute 164 450 Mann, es Lohnerhöhung zugestehen. Damit ist jede Begründung | ftreiJten also 51,20 % der Belegschaften gegen 56,41 des Streiks geschwunden. Wir hätten den englischen d-oz. gestern. 5 P r o z. der gesamten Belegschaften Markt gewinnen können und damit auch den Gruben- °rV\”£e. V ??. a™6, 1 peruck-
arbeitern und dem gesamten Wirtschaftsleben toichttge Ncht'gen ist dabei, datz d,e BelegschastSzrffern um nieh- Vorteile verschafft. Wir verurteilen jeden Uebergriff ^re Tausend gestiegen ist, eine Folge der Anfuhr und halten den Vorwurf deS Streikbruchs gegen die 'o Bergleute, die sich zu Anfang der Woche krank christliche Gewerkschaft für ein Unrecht. Die Zechen- ^"^et hatten.
Verwaltungen wollten eine lOprozentige Lohnerhöhung , f . • ^ara 1912 In den nicht militärisch
zugestehen, damit ist die Brücke für eine Verständigung Atzten Bezirken der Polizeidirektion Bochum und geschlagen. Den Schutz der Arbeitswilligen halten wir !Landkreises Bochum find heute 4 04 5 Mann für notwendig, aber die vorhandenen Gesetze reichen ? ^ r farlgefahren al» gestern, wo die Zunahme der vollkommen auS. Unsere Arbeiterorganisationen dür-1 Arbeitswilligen, 2000 betrug., Die Zahl der arbeiten- fen nicht behindert werden. Wir wünschen, datz der ?en, Bergleute in diesen Bezirken hat sich gestern und Kampf bald beendigt werde, ehe es Sieger und Besiegte um 6000 erhöht.
seien. Mögen beide Teil« die Vermittlung des ., «»chum, 16. Marz 1912 Am heutigen Tage haben Reichskanzlers oder des Staatssekretärs anru- Zechenverwaltungen alle Ausständigen durch Ein- fen. (Lebh. Beifall.) schreibebriefe aufgefordert, bis zum Abend die Arbeit wie-
,2. ar,, -v . . der aufzunehmen, andernfalls, weil sie kontraktbrüchig,
„ dlbg. Heckscher (Vp.): AI» überzeugter Freund der als entlassen betrachtet werden würden. Wie jetzt gewerkschaftlichen Bewegung beklage ich aufs tiefste d,e schon die Ziffern der ersten Schickten erkennen lassen, Sroße Leidenschaft dieser Verhandlungen und die Hatz- hat dieses Ultimatum der Zechenverwaltun- erfüllte Stimmung zwischen den verschiedenen Gewerk- gen auf einen großen Teil der Streikenden doch eine jchaften. Wir brauchen als Gegengewicht gegen die erhebliche Wirkung ausgeübt. So wird berichtet, datz Syndikate tue machtvolle Gewerkschaftsbewegung, aber auf Zeche Shamrock in Herne 400 Marin mehr eilige- neutrale, ftei. von polnischer Umklammerung fahren sind als gestern. Auf der Zeche Friedrich der (Beifall.) Die Politik, der Blick auf England, hat Große betrug die Zahl etwa ebensoviel. Aus der Kai- be, diesem Streck eme Rolle gespielt. Ich spreche der sergrube sind 300 Mann mehr angefahren, auf Con- Sozialdemokratie mcht daS nationale Empfinden ab, solidation 27 Proz. mehr, auf Helene Amalie 240 aber Sie schicken bei reder Gelegenheit Gelder zur Un- Mann, auf Viktoria Luise 120 Mann mehr. Auf terstutzung der ai^land,scheu Arbeiterbewegung, und Zeche Graf Bismarck ist man schon dazu übergegangen, da- Echo vom Aus lande fehlt. Ich empfehle die Belegschaften auf mehrere Schichten zu verteilen, den Grubenherren int Ruhrgebiet das Beispiel eine» Bückeburg, 16. März 1912. Heute früh erhielten großen englischen Arbeitgebers, der von fernen Ar- die L und 3. Kompagnie deS hiesigen Jägerbataillons bestem ben Beitritt zur Organisation verlangt. 34 »r. 7 ben Befehl, sich m das Stveikgebiet zu be- bedauere, daß der Reichskanzler da» Gesetz über die geben. Ihr Ziel ist Ermelingshof bei Hamm.
Arbeitskammern mcht durchgesetzt hat. Möge der Reichs« BreSlau, 16. März 1912. Der Verein für bie kanzler b«t Mira» von rechts „nb links aktive Energie bergbaulichen Interessen RieberschlefienS gibt bekannt, zeigen Dm Verhanblungen tm H-rrenhaus- ist et- bie Verwaltungen seien bereit, den A r b e i t e r n auf ?,L‘^ut^nba6 Herder bem Wege friedliche- Vermittlung soweit als möglich Forderung des Schutzes der ArbettSwilligm sich etwa» entgegenzukommen.
^LteMr,.^aÄi‘,it5sr Maschinengewehre soll Chemnitz, 17. März 1912. Die Bergarbeiter des E schleunigst au» dem Ruhrgebiet wieder zumckzie- Lugau-OelSnitzer und deS Zwickauer Reviers beschlos.
8tmf*en den Gewerkschaften sen für Montag den Streik. Die kömgstreuen wird der Bewegung unreparierbaren Scha- Kmippenvereine und der Evangelische Arbeiterverein den zufügm. In England versteht man ine deutsche schließen sich nicht an.
Arbeiterbewegung nicht, die englisch« ist nicht sozial- *
(Gelächter bei den Soz. und Unter- Douai, 17. März 1912. Der Verband der Berg- i ® C frL eme verlorene Sache. arbeite- des Norddepartements richtete cm die Unter-
(Gelachter der Soz.) Deutschland kann sich be, der verbände eine Kundgebung, in der in Uebereinstim- xÄ J” b« ce M zwischen den anderen mung mit der gestrigen Kundgebung deS nationalen Machten befindet, nicht den Luxus emeS langen Kamp- BergarbeiterverbandeS der sofortige General- fes leisten. (Lebh. Beifall links.) streik mißbilligt wird.
Abg. König (Soz.) sucht bie Streikenben gegen London, 16. März 1912. Nach einer Meldung aus ben Vorwurf bc8 KontraktbmchS zu berteibiaen und Middelsbocough haben bk borkigen Hafenarbeiter fick t*’"* m"1"1 t-— ‘ ' — - —' ~ - 'geweigert, eine Labung deutscher Kohlen, bie
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 16. März 1912.
Die Besprechung ber Interpellation über ben Bersarbeiterstreik
wirb fortgesetzt.
Abg. Giesbcrts (Zentr.): Die Verhandlungen haben einen Gang genommen, der uns mit Befriedigung erfüllen kann.' Nachdem aber von sozialdenwkratischer Seite aufs entschiedenste geleugnet worden ist, daß hinter dem Streik irgend welche politischen Motive stchcn, haben wir uns vorgenommen, nachzuweisen, daß dieser Streik gegen alle gewerkschaftlichen Regeln ausgebrochen und durchgeführt worden ist. Was der Abg. Erdmann vorschlägt, waren nichts /?- olle Kamellen, die man in den sozialistischen Mo-
--heften und anderswo viel schöner und besser lesen ;onnte. AuS alledem geht immer deutlicher hervor, wie das Sozialistentum an Boden gewinnt und das proletarische zurückgeht. Wir beobachten diese Erschei- nung schon seit mehreren Jahren und kennen Ihre Gepflogenheiten, bie christlichen Gewerkschaftsführer persönlich zu belcibigen. Wir sinb baher bazu übergegangen, diese absichtlichen Beleidigungen bestrafen zu lassen, und in zwei Jahren haben wir bereits 64 ber» artige Prozesse zu einem guten Ende geführt. (Hört, hört!) Die Stimmungsbilder des „Vorwärts" über diese Reichstagssitzungen sind dafür ein glänzendes Beispiel. Der Redner verliest u. a. den heutigen Bericht deS „Vorwärts", der von einer 50-Pfcnnig-Ba- zar-Rede des Abg. Behrens spricht, und erregt groß« Heiterkeit, als er zitiert, bie Rebe bes Abg. Erbmann sei bie Höhe ber Debatte gewesen. Diese Art zu schildern sei geradezu korrumpierend, besonders wenn man bedenkt, daß die Leute, die das geschrieben haben, niemals einen Finger bei der Arbeit krumm gemacht haben. (Hört, härt!) Mir ist gestern mitgeteilt worden, diese Stimmimgsbilber würden von einem Mitglied des Hauses geschrieben. (Härt, hört!) Dieses Mitglied soll sich privatim zu seiner Autorschaft bekannt haben, cs ist der Abg. Wendel. Ich würde mich d«mber nicht wundern. Herr Wendel ist “
niemals Arbeiter gewesen.
schof Kettele- zeigt nur seine Hilflosigkeit. Dem christlichen Gewe-kve-ein gehören Arbeiter der verschiedensten Parteirichtungcn und beider Konfessionen ar. Die ganze Geschichte bedeutet nur den Versuch, . für den total verunglückten Streik (Lebh. Beifall im
Zentr.) einen
Prügelknaben zu fachen;
daher die elende Kulturkampfhetze. Es sind ganz nichtswürdige verlogene Berdächtigungen. Herr Erdmann hat über die katholischen Fachabteilungen Sätze gesagt, bie in einem Berliner Blatt gestanden hatten. Ich habe den Eindruck, daß er selbst oder einer seiner nächsten Bekannten der Autor ist. Es ist eine Verleumdung, was er über unsere Annäherungsversuche an die Nationalliberalen sagte. Wer im Glashaus« sitzt, soll nicht mit Steinen werfen; ich erinnere an Köln und viele andere Dinge. Den Sozialdemokraten sage ich, damit sie sich keinen Illusionen im rheinsch- westfälischen Gebiete hingeben: Wenn in Duisburg und Bochum die christlichen Arbeiter so geschlossen für den Sieg der Nationalliberalen gestimmt haben, so ist daS der ehrliche Hatz dieser
gequälten, malträtierten, terrorisier- ten Arbeiterschaft.
(Stürm. Beifall im Zentr.) Die Wahl war die Quittung für alle Unbill. Es ist eine nichtsnutzige Ver- leitmbung und ich werde es brausten wieberholen, ixt« mit er mich verklagen kann, wenn mir ber „Vorwärts" vorwirft, ich hatte mit ben Nationalliberalen in mei-
bie Genossen nicht mitzustreiken; mir aber sinb bie I Mann starken Gesamtbelegschaft in Abzug bringt, Sklaven, bie Hunde! Ihre Streiktaktck ist der reine höchstens noch 180000 Mann streikten. Ganz genau Klassenkampf. Wir werden die Kämpfe mit- (affen sich die Ziffern nicht feststellen, weil alles machen, die Mr für notwenbig hallen, uns aber nicht durcheinanderflutet. Auf manchen Zechen ist die SDaruut Weitz er auch nicht, wie einem Arbeiter zumute Beifall ^"Man wird ja°später^^vielleickst ^Näheres^^- ^"Q8e Anfahrt größer, auf manchen ge» ^"°us eigener Kraft sich emporarbeitet (Bei-1 fahren über bie Taktik,^ir^hinte- den Kulissen gespielt *,nsAr geworden. Im ganzen Revier übersteigt aber