Einzelbild herunterladen
 

M'

ir *<•

WWW

JW 65.

5a»rlag -e« 16. MSr; 19(2

59. Jahrgang.

* fuldaer

Leitung

2. Blatt.

druck unb Verlag »er Wboet Aetiendnickerei in Znida.

SieHamen» uuS

Vorschein. Leider gibt es auch bei uns Leu?« genug.

ihrer Leidenschaft etwas in die Quere kommt, so wird

Die Nachrichten aus Mexiko, dem Schauplatz der großen Kämpfe d r letzten Jahre, find durchaus unbe­friedigend. Der neue Präsident Madero hat zu wenig von der Kraftnatur seines Vorgängers Porfiria Diaz an sich, um „fein" heißblütiges, von großkapitalistischen Interessen aller Länder durcheinander getriebenes Volk im Zügel zu halten. Diaz, der alte skruppellose Hau­degen, hat sich denn auch schon als Retter in der Not in empfehlende Erinnerung bringen lassen.

menschenwürdigerer Weise, als der verhältnismäßig kleinere Streik im deutschen Ruhrgebiet. Bei UnS zu Lande gibt es leider zu viel Anhänger des Spruches: Willst du nicht mein Streikbn»der sein, so schlag ich dir den Schädel ein!

So stehen wir denn in dem 20. Jahrhundert mit seinen viel gepriesenen Kulturfortschritten noch vor dem ungelösten Problem des Schutzes der Arbeikswil- ligen. In den Parlamenten muß man noch weit und breit verhandeln über die Frage, ob und wie die Staatsgewalt den fleißigen Arbeiter und gewiffenhaf- ten Familienvater schützen kann gegen gewalttätige Arbeitverweigerer und den mit ihnen verbündeten Stra- ßenpöbel. Der ganze Jammer der S raßenkämpfe von Moabit scheint sich in vergrößertem Maßstabe wie­derholen zu wollen.

Ach, mit der vielgeriihmten „modernen Gesittung" ist es in der Tat noch elendiglich bestellt. Auf die Russen, die gern im Firnis der „Zivilisation" glänzen wollen, ist bekanntlich das Wort gemünzt: man dürfe nicht an ihnen kratzen, sonst käme der Tartar zum

Dienstag, 19. März. Fulda. Frauenberg. (Fünfter Dienstag der Novene zu Ehren des hl. An- lonius. Fest des hl. Nährvaters Joseph. Av- laßtag für die T.rziaren.) ‘,«8 Uhr hl. Messe mit Josephsandacht, V 9 Uhr Levilenamt, darauf Fasten- predigt und Kreuzwegandacht.

rrzielen Ihre Anzeigen in Oer weil ver­breiteten „Fuldaer Zeitung" Geschäfts. Anzeigen jeglicher Art, kleine Anieigen wie Ver,uietunqen, Verkäufe, Stellen- Angebote und Gesuche re., ebenso Fa« milten-Anzeigen finden in dem gern ge« lesenen Blatte größte Beachtung.

scharf und schroff zu verhalten, wogegen eS viel Mut erfordert, sich all den Mißdeutungen und Verlästerun­gen auszusetzen, die sich an die Nachsicht und das Ver­zeihen knüpfen. Es gehört auch keine besondere Ta­pferkeit dazu, in einer großen Masse von kampflustigen Leuten als Mitläufer sich fortreißen zu lassen; aber echter Mannesmut ist es, wenn einer inmitten der tosenden Brandung feststeht auf dem Entschluß, zu dem ihn Vernunft und Gewissen geführt hat, und wenn er trotz allem Schimpfen und Drohen und Toben der an. dersgefinnten Masse auf dem Wege seiner Pflicht mit strammem Schritt vorwärts geht. Das ist der rechte Mann, der sich sein Recht nicht abtrotzen läßt und seine Freiheit auch vor Pöbelsthronen zu wahren weiß.

Wie kommt die Welt zum Frieden? Indem sie da- Recht als die oberste Richtschnur gelten läßt, mag der Rechtsspruch süß oder sauer fallen. Wie kommt die Menschheit zur Freiheit? Indem sie nicht bloß der Tyrannei von oben gebührende Schranken zieht, sondern auch der Tyrannei von unten ode'r von der S e i te. Die kleinen Tyrannen, wenn sie zu Haufen kommen, sind schlimmer in ihrer Art, als die vereinzelten großen Tyrannen, deren Glanzzeit schon cchgelaufen ist. Wer die Freiheit für sich h a- 6 en will, der muß auch den Mitmenschen die Freiheit gönnen und also auch eine andere Meinung und ein abweichendes Handeln ihnen gestatten. Auch die Frei- heit kann nur auf dem Boden des Rechts gedeihen, indem jeder, der sich in der gesetzlichen Ordnung hält, seine Denk- und Handlungsfreiheit behält und dafür den Schutz im Rechtsstaat« findet, sowohl den Schutz gegen die Machthaber in den oberen Regionen, als auch den Schutz gegen die Massen auf der Straße. Ver­sagt der Rechtsschutz, so sinken wir in die traurigen Zeiten de« Faustrechts zurück, wo man nur mit Waf­fen ober mit geworbenen Schutztruppen seines Wege» ziehen konnte, wie es noch jetzt in den wilden Gegenden J»eS Erdkreises notwendig ist. Ein Gang zur ArbeiiS- statte und eine Reise durch Wildafrika sollten doch zwei ganz verschiedene Dinge bleiben, und die Boxer, sitten von China sollte man nicht auf Deutschland übertragen.

traurig, aber wahr: der Riesenstreik in Sng. lanb verläuft in viel ruhigerer, anständigerer unb

als lieblichen Knaben, der am Bachesrand Blumen windet. Der Krieg ist nicht schön, aber robust und rücksichtslos. Er gleicht dem starken Mann mit rauhem Bart und funkelnden Augen, der mit dröhnendem Schritt auf den Widersacher losstürmt und dabei alles beiseite stößt, was ihm in den Weg kommt. Der lieb­liche Knabe wird ohne weiteres müsamt seinen Blu­men in den Bach geschleudert.

Und die Freiheit? Es gibt Leute, die mit Stentorstimme Freiheitslieder fingen, aber zugleich ihre Fäuste üben an dem, der sich die Freiheit nimmt.

der Barbar sichtbar, daun offenbart sich ihre rohe, gewalttätige, grausame Natur, die auf das gute Recht der Nächsten keine Rücksicht nimmt, mit seinem Ehr. gefühl und seinen Knochen kem Erbarmen hat. Wan wird cm den Ausspruch Schillers erinnert, daß der Sklave, der die Kette gebrochen hat, der schlimmste Tyrann ist. Oder an den andern VerS: Da wer. den Weiber zu Hyänen und treiben mit Entsetzen Spott.

Brei wird geredet und gesungen vom Mann eS- m u t. Der ist in dec Tat eine herrliche Tugend. Nur wird sie manchmal dort gepriesen, wo sie schlecht gera­ten ist, und dorr übersehen, wo sie die ernsteste Probe besteht. ES gehört viel weniger Mannesmut dazu, sich zu einem Zweikampf zu stellen, als um des Gewissen? willen ein Duell abzulehnen und sich dadurch einer gesellschaftlichen Berdehmung mit den empfindlichsten Nackenschlägen auSzufetzen. ES gehört häufig gar kein Wagemut dazu, sich gegen einen schwächeren Gegner

staat, wo jeder rechtschaffene Bürger den gehörigen Schutz für seinen Leib, feine Ehre, seine Srwerbs- tätigkeit und seine Wohlfahrt finde. Hat sich was mit der Rechtssicherheit! Wenn es einer verhetzten Menge gefällt, einen Streik in S^ne zu setzen dann muß der gewissenhafte Mann, der den aussichtslosen Krieg nicht m'tmachen kann. Spießruien laufen. Spießruten laufen zwischen schlaglustigen Wännerfäu. sten und spuckenden Weibern. Dann regiert nicht Recht tu* Gesetz, sondern die blindwütige Masse, welche die Straßen und Wege besetzt hält. Nicht bloß die Arbeitswilligen müssen sich Beschimpfungen und Verletzungen gefallen lassen, sondern auch die Polizei- kräste werden verhöhnt und angegriffen. Die in ihrem guten Rechte find, müssen sich in der Geduld und Selbstverleugnung äßen; bei den Gegnern der Frei- 7™ der Ordnung aber herrscht der Uebermuc, die Grausamkeit.

Evangelischer Gottesdienst.

Sonntag, 17. März. Fulda. Vorm. ‘A10 Nhr Superintendent Ruhl; 11 Uhr Kmdergoltks teuft: nachm. 2 Uhr Kandidat Dr. Hofsonimer. — Landes- kirchliche Gemeinschaft Ab. s 8 Uhr (B.itllaiUt. 17.

** England als Kohlentteserant der Welt.

I Der englische Rieseustreik lähmt den Lebensnerv : im Organismus Großbritanniens und wird, wenn : er andauert, auch den Hauptkohlenkunden Englands, ; Frankreich und Italien, schwere Schädigungen zu- . fügen. Denn der eigentliche Held dieses gigantischen Ringens, die K o h l e, ist ja das kräftespendende Ele­ment, dem Britannien ein gut Teil seiner industriel­len und finanziellen Große verdankt.

llm die Bedeutung richtig einzuschätzen, die die englische Kohle auf dem Weltmärkte besitzt, ist es nötig, zuerst einmal die Kohlenproduktion der gan­zen Erde zu betrachten, über die eine vor kurzem er­schienene Statistik des Board of Trabe genaue Aus­kunft gibt. An der Spitze der Kohlenlieferanten der Welt stehen die Vereinigten Staaten mit 447 840 000 Tonnen, die sie im Jahre 1910 förderten. Da aber der Kohleverbrauch der Vereinigten Staa­ten im gleichen Jahre 434 815 000 Tonnen betrug, so kann der Staat nicht viel exportieren. Die Kvh- lenproduktion Großbritanniens belief sich 1910 au' 264 430 000 T., bei einem Verbrauch von 179 960 000 T.; die von Deutschland auf 150 370 000, bei einem Verbrauch von 130 230000; die von Frankreich auf 37 255 000, bei einem Verbrauch von 54 860 000, von Belgien auf 23 530 000, bei einem Konsum von 23 850 000 Tonnen.

Die Gesamtproduktion der Erde an Kohle betrug 1910 1035 Mill. Tonnen. Dasjenige Land, das am meisten Kohle pro Kopf produziert, ist Großbritan­nien. Fast 6 Tonnen kommen jährlich auf den Kopf, während es in den Bereinigten Staaten nur 5 T., in Belgien nur 3*/s T., in Deutschland 21/. T. und in Frankreich wemger als eine Tonne sind.'

So steht England als .Kohleproduzent und Kohlelieferant an der Spitze. Während cs in anderen Industriezweigen, in der Metallurgie, in der Chemie, in der Elektrizitätsbranche von Deutsch­land überflügelt worden ist, obwohl diese Industrien ihre Blüte hauptsächlich der englischen Kohlenpro­duktion verdankten, so besitzt es auf dem Kohlenmarkt selbst immer noch die Oberherrschaft. Ungeheuer ist die Produktion angewachsen. Bon 40 Millionen Tonnen im Jahre 1850 stieg sie auf 184 Milsionen im Jahre 1890 und auf 267 Millionen im Jahre 1909. Noch großartiger war die Entwickelung des Kohlenexportes. Während dieser 1870 noch ganz unbedeutend war, betrug er im Jabre 1880 bereits 24 300 000 Tonnen, 1890 39 300 000 Tonnen, 1900 59 300 000 Tonnen, 1909 87 700 000 Tonnen. Bon 13 Prozent im Jahre 1875 hob er sich zu 32 Pro­zent im Jahre 1909. Die englischen Kohlenschiffe durchfahren heute alle Meere; sie bringen ihre La­dungen bis nach Australien und China; die britischen Kohlenstationen, die in allen Häfen eingerichtet sind, bilden eine der wichtigsten Grundlagen für die See- Herrschaft der Engländer.

Ein ungewöhnlich günstiges Zusammentreffen geologischer und geographischer Umstände hat Eng- and diesen Kohlenreichtum beschert, der so viel zu Britanniens Glück und Britanniens Größe beiträgt. Die Lagerungen sind reich, oft von geringer Tiefe, ehr leicht auszubeuten; sie liefern ein Brennmate­rial, das im allgemeinen von hervorragender Güte ist. Zudem ist eine große Zahl der Kohlenlager nahe am Meere gelegen; der Transport nach den Schiffen läßt sich ebenso wie die Förderung in gün- tigster Form bewerkstelligen.

Die Zahl der in den Kohlenbergwerken angestell­ten Arbecter belief sich 1909 im ganzen auf 1126 372 Personen, von denen 835 116 unter der Erde arbei­teten. Der englische Minenarbeiter ist der produk­tivste unter seinen europäischen Kollegen, obgleich auch seine Leistungen durch die Beschränkung der

Rehme« Sie

täglich tin Likärgläschen vr. Hammel', Haemalogen unmittelbar vor der Haupt« Mahlzeit l" Ihr Appetit wird reger, Ihr Nervensystem erstarkt, die körperlichen Kräfte werden gehoben. Warnung r Man verlang, ausdrücklich den Namm vr. Hammel.

amt mit Pre mt, 11 "he hl. Messe mit Predigt; nachmittags 2 Uhr Christenlehre und Andacht mit Segen. — Sonntag, abendS 6 Uhr, Fasten­predigt. - Werktags 7-/. und 7'/« Uhr hl. Messen. — Gelegenheit zu beichten vor Sonn- und Festtagen nachm. von 4",—6‘, Ubr, an diesen selbst motaens ‘1,7 Uhr. — Kassel-Rothenditmold. (JosephSkirche Bell« morsche Straße 82): sPatroziniuin.j U Uhr Früh­messe (Generalkommunton der Männer und Jünglinge), 10 Uhr feierliches Hochamt mit Predigt. NachmitlagS 2 Uhr Segensandacht. — Gelegenheit zu beichten: Samstag nachm. Vi5 - 7 und 8—9 Uhr; Sonntag früh von Vt7 Uhr an. (Sin Fransiskanerpater wird aushelsen.) — Werktags 71« Uhr heilige SUieiie. — Kassel-Bettenhausen. 9 Uhr Hochamt mit Pre­digt, nachm. 2 Uhr Christenlehre und Andachl, daraus Mütterverein.

Eisenach. 7 Uhr Frühmesse, 9‘/, Uhr Hochamt mit Predigt und Christenlehre, nachm. 2 Uhr Segens­andacht.

Güttesdienstorön ung.

Katholischer Gottesdienst.

Sonntag,- 17. März. Fulda. Dom. (@e« m e insch a stü ch eOsterko m inunion derFrauen.t lAf>, 6 und 7 Uhr 1)1. Messer, 8 Uhr Pfarramt, Verlesung des päpstl.chen Dekiels über die erste hl. Kommunion der Kmder, Siomniunion der Schulkinder, ‘A In Uhr Umgang und Kathedralawt, 11 Uhr Christen­lehre, ‘Al2 Uhr HI. Lllesie und Predigt, ‘ ,2 Uhr An­dacht zum bl. Joseph und Chitstenlchre, 4 Uhr Fasten, medtgt und Andacht, 7 Uhr Andacht in der Marien- fnp.’Qe. — Miiitervcrcin der Tompfarrei. Während der 6 Uhr-Messe Kommun -"n; ’/*3 Uhr Predigt und An­da ht. Stadtpflnri r je. iOsterkommunion d er nngj r anen.) ‘Ab und 6 Uhr hl Messen, °/«7 und 8 Uhr hi. Messe und Predigt, ‘A10 Uhr Amt und Predigt, 11 und V-2 Uhr Christenlehre, 3 Uhr Bruder- schalt vom Lordw. Gute, abend? 5 Uhr Andacht zu tthren des hl. Joseph. ■ (Heute ist Kollekte für Sannerz nno Maberzell.) — Michaelskirche. Vollkommener Abla s-.i 7 Uhr heil. Messe des Hochw. Herrn Bischofs und Austeilung der hl. Kommu­nion, 1/2 0 Uhr (nicht 9 Uhr) Amt und Predigt, 2 Uhr Aniprache und Andacht der Jesus-Maria-Josephs- Brnderschast mit Prozession. — Pfarrkirche zum heiligen Geiste. ’ -7 Uhr Austeilung der heil. Som» mttnion, 7 Uhr Frühmesse, 8 Uhr Amt und Predig!, lA5 Nur Christenlehre, & Uhr Andacht mit Segen. — Jungfinucn-Sodalitiii. *A7 Uhr bl. Meise und Kom­munion der Muglieder, nachm. 3/«3 Uhr Predigt und Andacht in der Maiieiikapelle. — Frauenberg. Hl. Messen von 5 bis 7 Uhr, 8 Uhr hl. Messe mit Josephs- Andacht und kur.zer Predigi, !> Uhr Hochamt. Nachm 2 Uhr Preo gt, Andacht nrtd Umgang für die Fünf- Wtmden-Bruderschas!.

Kasse! • Alt. al Pfarrkirche zur heiligen Elisa­beth eFriedrtch-plati 16): 6 und 7 u>>r heilige Menen mit AusteUung der heil. Kommumon, 8 Uhr PtililärgoNesdiensr .auch für Zivikperfonen), 9‘, Uhr Hochami mit Predigt, 11 Uhr Kiudergotre?- dienst nut Ansprache. Nachmittags 2V* Uhr An­dacht mit Segen. — Sonntag, abends 6 Uhr, F a st e » p r e d i g !. — An den Wocheiktagen (>>/,, 71/* und 8 Uhr l,eil. Messen. -- Gelegenheit zur hl. Beicht vor &onn« und Festtagen nachm. von 5 big 7 und 77« bis 8* i Uw, an diesen selbst von 6 Uhr morgens an. — b) Pfarrkirche zur hl. Familie iKölnische Stratze »3, nahe bum Hanptbahnhos): 7 und 8 Uhr hl. Messen mit Austeilung der hl. Kommunion, 1 «10 Uhr liturgisches Hochamt und Predigt, 11 Ubr heil. Messe und Predigt; abends 6 Uhr Segens- Andacht. — Freitag, abends 8 Uhr» Fasten« predigt. — An een Wochentagen 7‘® und 8 Uhr hl. Messen. — Gelegenheit zu beichten: Vor Sonn- und Festtagen von nachm. 5 bis 7 Uhr, an diesen selbst von G*/i Uhr morgens an. — Kassel-TKehl- heiden. Pfarrkirche St. Marien (Ro>enkranzkrrche am Neumarkt): ‘;»8 Uhr Frühmesse, ‘/»IO Uhr Hoch­

Uiipolltische Seitläufe.

N. Berlin, 14. März 1912.

(Nachdruck verboten.)

Rach Fried en und nach Freiheit wird laut Und leidenschaftlich gerufen. Aber gerade von diesen Rufern betreiben viele den K a m p f u. den Z w a n g.

Die Staaten sollen abrüsten und auf den Krieg verzichten, indem sie ihre Streitfragen durch Schieds­spruch schlichen lassen. Schon! Wie sieht es beim nun innerhalb der Staaten aus? Mrd da alles durch richterliche Entscheidung oder freundschaftliche Vermittelung in Frieden geregelt? Ach nein. Da greift bald die eine, bald die andere Partei zum Kriegsbeil: hier wird bk Waffe der Aussper­rung geschwungen, dort die Waffe des Streiks. Auf zur Kraftprobe! Wer die größere Macht hat, wer es am längsten aushalten kann, der soll recht behalten. Kampf, bis die Gegenpar.ei am Boden liegt! Schwere Schäden, bittere Wunden gibt es auf beiden Seiten.

der Sieger muß seinen Erfolg teuer bezahlen. Ja, die Kriegskosten sind oft größer al» die Sieges- beut«. Die streitenden Parteien haben während de» Lohnkampfes f0 viel Einbuße an Unternehmerverdienst so viel Schaden an Besitz, Er- iverbsfahigkeit und Gesundheit erlitten, daß auch bei den günstigsten FriedenSbedingnngeri lange Jahre h^rUeh,^n ^ seriellen Nachteile wie.

b-e sonstigen Schäden sich vielleicht gar «richt wieder auSaleicken lassen, ^vk^chniialls'" b«ide Teile. Der Lohn-

kanrpf -Stbcr an not wendiges Hebel"

sagen die Kampflustigen. Bei ruhigem Blut gutem Willen ist Inches vermeidlich mas ^an M und anderen als „notwendig" eingeredet Bat. Die Leidenschaft ist ein schlechter Berater, aber fix bat fine laute Stimme und einen schnellen Zungmschlaa »le behält gar zu leicht da» letzte «ort. «et BtemfVn Dill, mag die -listigsten ®ernunftgrflnbe für sich hoben *- er wird dl Feigling nutz Verräter niedergrschrien gelegentlich auch niedergeschlagen.

Och-n itz der 8W* W Schiller, M besingt ihn

wochen-Nundschau.

s:f Fulda, 15. März 1912.

Mit dem Anfang der Woche kam plötzlich der Bet g- arbeiterstreik im Ruhtteviet. Die Bergleute Satten seit längerer Zeit schon die Forderung nach hihercn Löhnen erhoben. Die Belegschaft der Berg. Teilte ist in höherem Grade als die übrige Arbeiter­schaft den Schwankungen des wirtschaftlichen Lebens preisgegeben, und zwar in ihrer Gesamtheit, da die straffe Organisation bet Bergwerke im Kohlensyndikat die vorherige Berechnung der Absatz- und Verdienst- möglichkeiien der Zechen eher ermöglicht als in anderen Gewerben. So ist es denn auch keine aufsehenerregende Erscheinung, daß die Löhne der Bergarbeiter seit 1908 zurückgegangen sind; dieser Rückgang ist eine Folge her wirtschaftlichen Schlappe bet letzten Iahte. Aber auch erklärliche und selbstverständliche Erscheinungen können unangenehm unb unbequem werben, unb das ist angesichts bet teueren Lebenshaltung zweifellos auch bei dem Lohnrückgang im Bergbau ber Fall gerne, fen. Der Boden für einen Streik wat somit günsfig. Man hatte sich aber in den weitesten Kreisen des Be­denkens an eine solche Sireikmöglichkeit enlroöfmCpeil man annahm, die Bergleute würben die Wit^rng bet zum 1. April erhöhten Kohlenpteise abwarten. Das ist nicht geschehen. Ueber bie Aussichten des Streiks ist wenig zu sagen. Zu hoffen ist, daß die Unterneh­mer die Lohnerhöhungen, die sie nach ihrer Angabe für die Zeit ber höheren Kohleupreise planen, schon jetzt bestimmt in Aussicht stellen.

Der Bergarbeiterstreik in Englanb bauert in den alten Formen fort. Es wird nicht gearbeitet, unb ein industrieller Betrieb nach bem anbetn muß bie Arbeit wegen Kohlenmangels einstellen unb bie Ar­beiter entlassen. Jnbusttie, Hanbel unb Schiffahrt, die drei großen Gewerbe des Jnselteiches, leiden fürch­terlich, noch mehr die beschäftiguilgs- und brotlosen Arbeiter, unb schon mehren sich die Sttmmen aus dem Auskaude, bie von einem Vorbringen bet ausländi- scheu, besonders ber deutschen Konkurrenz ans dem Absatzmärkte ber Industrie in allen Ländern berichten- Die Gegensätze zwischen Arbeitgebern und Arbeitern scheinen wegen der Ablehnung bet Mindestleistung durch die Arbeiter als Gegengewicht gegen den Mindesk- lalm vorläufig" unübetbtückbat zu sein.

Der itipoliianische Krieg wirb ohne große Ärastansktengungen weitet geführt. Die Türken ver­suchen von Zeit zu Zeit einen Angriff auf die italie­nischen Stellungen, dabei gibt es bann die üblichen Kümpfe, bei denen jeder sich den „Steg" zutelegra- Phierk. Von Firk»d2«sverHandlungen wat inzwischen 'mal die Rede, auch versuchte Italien, bte Neigung der Machte zu kräftigerem Eingriff zu nähren durch bie Behauptung, man wolle bie Dardanellen angreifen unb was derlei Drohungen mehr sind. Es scheint eben beute alles m der Welt nach einer starken Faust zu jammern; denn nichts rührt sich, um dem unseligen zwecklosen Kriege ein Ende zu machen.

Ans dem Balkan haben bie üblichen Frühjahrs­unruhen noch nicht eingesetzt. Dafür aber sind bie streitbaren Schwätzer auf KreAr zusammengetreten uud proklamieren wieder einmal die Revolution für bcn Anschluß an Griechenland. In Persien wird einmal wieder ernstlich der Versuch'gemacht, gesunde Zustände herbeizusühren. Die Russen haben sich durch ihren famosen Vertrag mit England über bie Auftei­lung Persiens in bie Nesseln gesetzt; bie Engländer bringen von Süden her mit riesigem Erfolge vor. Da znußte wieder einmal der Versuch einer Erhaltung ber persischen Selbständigkeit gemacht werben. Rußland hot also ber neuen persischen Regierung ein größeres Darlehen gegeben, biese hat darauf ihr Militär te- formiert ober zu reformieren versuch): der neulich mit russischen Mitteln nach Persien votdtingenbe frühere Schah mußte sich nach Odessa zutückziehen, unb fetzt wartet alle Welt darauf, ob das Darlehen aus­reicht, um bie Friedens-Betechuungsaktion ber Regie­rung wirklich durchzuführen.

China hat feine neue Republik mit Auanschikai, diesem gerissensten aller Diplomaten, als Präsidenten an der Spitze. Die Ruhe ist aber noch nicht völlig wiedcrhergestelli; denn bas Pitatentum, bot dem Ehina sich seit Jahrhunderten fürchten mußte, war in diesen Unruhen zu großer Macht gelangt, bie jetzt , gegen die südliche Hauptstadt Kanton in Gestalt von ' Plünbereien geltend gemacht wirb. Auanschikai wird i sich aber da wohl zu helfen wissen; er ist nicht um- 1 sonst ein so schlauer Fuchs. ,

Arbeitszeit und andere Umstände nachgelassen haben. 1899 förderte ein englischer Kohlenbergmann 311 Tonnen jährlich, 1908 nur noch 279 Tonnen.

Welches sind nun die Hauptkunden, denen England Kohlen liefert? Sein wichtigster Abneh­mer ist Frankreich, das 1909 10 400 000 Tonnen englische Kohle ein sühnte. Der Kohlenverbrauch, den es aus England deckt, hat sich in den letzten zwanzig Jahren verdoppelt und wird immer noch steigen, da die eigene Kohlenproduktion Frankreichs ihr Maximum erreicht hat. Auch Deutschland ist ein guter Kunde Englands, obwohl es selbst ein so großer Kohleproduzent ist. Es hat im Jahre 1909 9 700 000 Tonnen aus England eingefuhrt; dann kommt Italien mit 9080 000 Tonnen; Schwe­den mit 5 860 000 Tonnen, Rußland mit 3 300 000 Tonnen, Dänemark mit 2 800 000 Tonnen, Spa­nien und Aegypten mit je 2 600 000 Tonnen, Ar­gentinien mit 2 400 000 Tonnen usw.

Diejenigen Staaten, die vor allem berufen sind, einzutreten, wenn Englands Kohlenausftihr wirklich versagt, sind Deutschland und die Vereinigten Staa­ten. Nach England ist Deutschland der größte Koh­lenexporteur; seine Kohlenproduktion, die sich von 1885 bis 1909 verdreifacht hat, ermöglichte 1909 bei einem Import von 11 Millionen Tonnen doch schon einen Export von 23 Millionen, während die Ver­einigten Staaten trotz ihrer enormen Produktion von fast 440 Millionen im Jahre 1910 nur 14 Millionen Tonnen exportierten. Auch Belgien, Japan, Austra­lien, Indien beteiligten sich am Kohlencxport, aber die größte Zukunft hat nach England auf bem Koh­lenmarkte Deutschland.

Ms 8rich

etwas anbereS zu tun, als wie bie Sänger wollen. Ein Sturm bet Entrüstung erhebt sich bei den Wort­helden der Freiheit, wenn irgendwo einem un er= nehmungslustigen Mitbürger von der Behörde ober einem Vorgesetzten ein Härchen gekrümmt wird. Aber wenn einem braven Familienvater die nützlichste unb notwendigste aller Freiheiten, bie Atb eits- und Erwerbsfreiheit, von gewalttätigen Genossen und aufgehetzten Weibern geraubt wird, bann finden gerabe jene Freiheitshclden das schön und gut

D" haben wir uns nun schon jahrzehntelang einge- a™ w. u..„ »enug,

1 c ' tr, s"‘en V* einem Ovdnungs- und Rechts- deren Zivilisation die Ktatzprobe nicht verträgt. Wenn