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Deutsches Reich

Arbeitsschlutz am Sonnabend-Nachmittag um %4 Uhr. Die Fabrikation von Cisenfeingutz und speziell von Eisengußwaren für den Bau elektrischer Apparate hat sich namentlich in der zweiten Hälfte des Berichtsjahres derart gehoben, daß die vorliegende Aufträge größtenteils nur mit Hülfe von Neberstunden bewältigt werden konnten.

Die Fabrikation emaillierter Eisen­blechwaren hat ihre Produktion gegen das Vor­jahr wiederum erhöht. Der Absatz war sowohl im Inland wie nach dem Auslande als gut zu bezeichnen. Trotzdem konnten sich im Exportgeschäft die Preise nicht auf der vorjährigen Höhe behaupten, sondern er­fuhren im Laufe des Berichtsjahres eine Ermäßigung, und zwar hauptsächlich um der österreichisch-ungarischen Schleuderkonkurrenz wieder die Spitze bieten zu kön­nen. Die stärkste Konkurrenz für die deutsche Emaille- warcnindustrie auf dem Weltmärkte geht von Oester- reich-Ungarn aus, wo seit Jahren schon die Emaille- Werke englische Stanzbleche im Veredelungsver-j kehr beziehen und in die Lage versetzt sind, die Ab- sahgebiete in der Levante und int fernen Osten fast völlig zu beherrschen. Mit Recht streben daher die deutschen reinen Emaillewerke, welche für den Export arbeiten, seit längerer Zeit die gleiche Vergünstigung tm Bezüge der englischen Bleche an, seither jedoch im­mer ohne Erfolg. Die Preise für Rohmaterialien haben sich durchgängig erhöht, sodaß die Spannung zwischen Gestehungskosten und Erlös sich zu Ungunsten der Fertigfabrikate verschoben hat. Das Geschäft in Weitzlagermetall gestaltet sich im Berichtsjahre' wenig befriedigend.

In der Fabrikation von Säge- und Holzbearbeitungsmaschinen hat der Um­satz sich gegen das Vorjahr wesentlich gehoben, vornehm­lich im Auslandsgeschäft, und das Jahresergebnis ist zufriedenstellend. Auch gegenwärtig liegen noch für eine Reihe von Monaten Aufträge vor, welche eine weitere volle Beschäftigung sicherstellen. Die Fabrik«, twn von hölzernen Musikinstrumenten (Flö-

im Sommer infolge der Hitze gut bei angemessenen Preisen, und die Zahlungsverhältnisse waren günstig. Für den Aepfelwein neuer Ernte befriedigt die Preis­bildung keineswegs, sodaß weder den fielteieien noch den Ausschänkern ein hinreichender Nutzen bleibt. Eine angemessen« Erhöhung der Verkaufspreise verbietet sich aber wegen der Gefahr eines Konsumrückganges. Die Nrbeiterverhältnisse waren zufriedenstrll«itz.

Die Fabrikation von Müllerei-Erzeugnis, fen bliä mit ihrer Produktion annähernd auf der vorjährigen Höhe, konnte hingegen ihren Absatz nicht unbedeutend erhöhen. Zwar vollzog er sich in Mehl ziemlich ruhig und gleichmäßig; aber in Futterartikeln gestaltete er sich im ersten Halbjahre gut und im zwei­ten so lebhaft, daß die eigene Fabrikation zur Deckung des Bedarfs nicht mtsreichte, namentlich infolge des Futtermangels in dem heißen Sommer. Die Arbeits­löhne sind gestiegen. Der Handel mit Dünge- und Futtermitteln war im abgelaufenen Geschäfts­jahre zufriedenstellend; jedoch ist der Absatz im zweiten Halbjahre etwas zitrückgeblieben, was auf den dürren Sommer zurückzuführen ist. Das Angebot in Getreide war nicht so stark; jedoch vollzog sich der Handel in­folge der guten Qualitäten glatt. Die Preise waren größeren Schwankungen unterworfen. Im Groß­handel mit Kolonialwaren hat das Beritbts- jahr für eine ganze Reihe wichtiger Arttkel, wie Kaffee, Zucker, Reis, Erbsen, Linsen, Bohnen, Rosinen, Ko. rinthen, Mandeln, ganz ungewöhnliche Preise gebracht. Spekulative Momente und ungünstige Wetter» und Ernteverhältnisse wirkten zusammen, um die Preise auf eine für den normalen Geschäftsverkehr bedenkliche Höhe zu treiben. Die Zahlungsverhältnisse liehen auch im Jahre 1911 wieder zu wünschen übrig, sodaß nach den Erfahrungen der Großhändler der Eindruck ent­steht, als werde die Zahlungsfähigkeit der kleinen Spe­zereihändler fortgesetzt schwächer.

, ,'Dr. R. Ziehen Ste nicht nach Preußen. Im kathouichcn Bayern haben Sie in jedem Falle Ge- w t s 1 e nsf r e iheit, in Preußen würden Sie aus dem Aerger über den hier herrschenden Knechtschafts- smn nicht herauskommen."

I für diese Instrumente in Frage — dazu bedarf es i einet angestrengten und kostspieligen Propaganda. Der . Export von Harmonium S, auch Tropen-Har» > moniumS, welcher wegen Kriegsbefürchtungen während I der Sommermonate nach manchen Landern zu wünschen : übrig ließ, gestaltete sich nach anderen lebhafter, be- I sonderS auch Brasilien, Chile, Argentinien und an- ; deren südamerikanischen Ländern; auch in Kanada heatnnt Interesse für deutsche Harmoniums sich zu ' »eigen.

Der Holzhandel hatte im Berichtsjahre einen ; recht zufriedenstellenden Absatz. Die Fabrikation hölzerner HauS- und Küchengeräte hatte trotz der hoben Holzpreise einen gegen daS Vor- 1 fahr gesteigerten Umsatz zu verzeichnen. Allerdings : ist der Geschäftsnutzen im Rückgang begriffen, indem 1 die Hausindustriellen, welche diese Artikel Herstellen, wegen des teureren Materials ihre Ware fortgesetzt ' höher bezahlt erhalten, während beim Verkauf sich ein entsprechender Aufschlag nicht immer erzielen läßt.

Die Marmor-und Granitwerke im Kreise Schlüchtern waren auch im Jahre 1911 voll beschäftigt und konnten bei höherem Umsatz als im Vorjahre ein zufriedenstellendes Geschäfts-Ergebnis erzielen. Die Fabrikation von Zementwaren (Zementziegeln in rot und schwarz, Röhren, GesimSsteinen, Trögen sc.) konnte ihren vorjährigen Absatz aufrecht erhalten. Die Konkurrenz in diesen Artikeln nahm zu. Dik Ar- beiterzahl blieb ziemlich die gleiche, die Löhne wurden erhöht." Für die Fabrikation von Ziegeleipro. butten entwickelte sich im Berichtsjahre der Ge­schäftsgang etwas besser als in den Vorjahren. Nament­lich im Frühjahr setzte er mit lebhafter Nachfrage in­folge gesteigerter Bautätigkeit -ein; von Ende Juli ab wurde er jedoch bedeutend schleppender als sonst um diese Jahreszeit, besonders in ländlichen Absatzgebiet ten, wo geringerer Ernteausfall und Seuchennot läh. mend auf die Baulust torrften. Von besonderem In­teresse dürfte die Notiz sein, daß, während manche Werke etwa 50 % böhmische und andere ausländische Arbeitskräfte beschäftigten, eine Ziegelei im Land­kreise Hanau, welche gleichmäßigen Sommer- und Win­terbetrieb durchführt, einen seßhaften Stamm stän­diger Arbeiter sich zu sichern und dadurch von den Ausländern sich mehr und mehr unabhängig zu machen vermocht hat.

Im Baugewerbe gestaltete sich der Geschäfts­gang im ganzen in ruhigen Bahnen, aber doch leb- Hafter als bisher. Der Umsatz konnte gesteigert wer. den. Schon zu Beginn der Bausaison wirkte scharfe Konkurrenz dahin, daß die Preise äußerst niedrig ge­halten wurden und kaum einen nennenswerten Nutzen ließen; etwa vom August ab wurden für Bauausfüh­rungen sogar so billige Angebote abgegeben, daß die Uebernahme solcher Verdingungen direkt verlustbrin­gend fein jnufete. Diese Zustände werden zum Teil darauf zurückgeführt, daß vielfach die Kostenanschläge für die auszuführenden Arbeiten nicht so aufgestellt werden, daß der Unternehmer richtige Preisberech­nungen mit Sicherheit anstellen kann. Die im Jührg.. 1910 angestrcbten und in 1911 abgeschlossenen Tarif- Verträge mit den Bauarbeiter-Organisationen wurden von deren Mitgliedern im Großen und Ganzen einge­halten. In der Gewinnung von Basaltstet, neu zu Chaussierungs- und Pflasterungszwecken haben Gang und Umfang der Produktion gegen die Vorjahre wesentliche Aenderungen nicht erfahren. Der Absatz hingegen hat sich stark vermindert.

Die Wachswarenfabrikation hat im Be- richtsjahre ihre aufsteigende Entwicklung fortgesetzt. Die Nachfrage nach Qualitätsarbeit hat sich gehoben, und übertriebene Konkurrenz mit Preisunterbietungen wurde nicht so fühlbar wie in früheren Jahren. Wie im vorigen Jahre blieb der materielle Erfolg hinter den Erwartungen zurück und zwar wegen der Lage deS Terpentinölmarktes. Auch in Zukunft wird dießer Rohstoff, in dessen Bezug man vom Ausland vollkom­men abhängig ist, für das Geschäftsergebnis stark ins Gewicht fallen. Im Allgemeinen kann indessen die Geschäftslage als gesund bezeichnet werden.

Für die Apotheken unseres Bezirks kann eine Besserung der Geschäftslage auch im Berichtsjahre nicht konstatiert werden. Die verteuerten Lebensverhält­nisse und das im ganzen günstige Wetter trugen dazu bei, den Absatz zu verringern.

Die Fabrikation von Teppichen und Möbel st offen hatte in Produktton und Absatz eine Steigerung gegen das Vorjahr zu verzeichnen, während Schuhstoffe sich ungefähr im gleichen Verhältnis

gebessert. Die Weinpreise find andauernd hoch geblie­ben. Dem Handel fehlte es daher nach wie vor an billigen Konsumweinen, deren er vor allem bedarf. Der Absatz hielt sich während de» Berichtjahres ix den glei­chen Grenzen wie im Vorjahre. Im ersten Halbjahre war eine Heine Steigerung zu verzeichnen, im zweiten Halbjahre dagegen ein merklicher Rückgang. Letzterer ist wohl auf die allgemeine Wirtschaftslage, Teuerung

■ und haben gewiß oft Gelegenheit, die Oper zu be­suchen. Kennen Sie Eugen d'Mberts „Tiefland"?" „Natürlich, meine Gnädige."

„Ich suche schon lange nach einer Melodie, die ich absolut nicht finden kann. Möchten Sie mir vielleicht helfen?"

„Aber gern."

Und schon ist Lorenz Iespersen am Klavier. Ein paar Melodien vor sich hinsummend, sucht er sie auf den Tasten zu vervollständigen. Bei jeder schüttelt Madame Worse den Kopf.

Endlich ist er auf der richtigen Fährte. Auf lebhaften Wunsch der alten Dame nimmt er am Klavier Platz und beginnt, die Melodie aus dem Kopfe zu spielen. Nach vielem Suchen und wieüer- holtem Danebengreifen hat er endlich alles beisam­men. Nochmals fängt er an, um die ganze Arie glatt herunter zu leiern.

Für Madame Worse ist dies alles recht unter­haltend. Auf Jnaeborgs zattes Nervensystem je- doch üben die vielen Disharmonien die entgegen- gesetzte Wirkung aus. Vergebens versucht sie, wach zu bleiben. Die Lider schließen sich über den müden Augen.

Inzwischen hat Lorenz etwa die Hälfte der Arie beruntergehaspelt. Ta greift er wieder eine falsche Note. Laut auflachend blickt er zu Sigrid Arnold» sen hinüber, um sich zu entschuLigen.

„Verzeihen Sie mein schlechtes Spiel. Ich —* « und blickt entsetzt aus Ingeborg, deren

bleiches Gesichtchen nzit den geschlossenen Augen in diesem Moment die Starre des Todes trägt

Nur Erik gewahrt, wie er zusammenzuckt, sich über bte Stirn fährt, als müsse er einen schweren staunt verscheuchen und dann rasch das Klavier verläßt. Instinktiv ahnt er den Zusammenhang.

Nach ein paar Minuten schon empfiehlt sich Lorenz — mit ausfallender Hast, tote eS Erik dünkt.

„Ich begleite dich!" ruft dieser energisch.

„Unsinn, alter Junge! Denkst wohl, ich fürchte mich hier in eurer Felseneinöde?"

„Nein. Aber du könntest dick beilaufen.*

großen Betrieben einen gewissen Ausgleich schaffen, aber auch nur durch vermehrte Reisetätigkeit und un­ter erhöhtem Spesenaufwanb. Absatz erschtoerend wirkte in steigenbem Maße bie zunehmenbe Kon­kurrenz bet Zigarette, insbesondere auf Kosten des Massenkonsums billiger Zigarren. Infolge des stocken­den Absatzes hat sich der Konkurrenzkampf auf das Höchste gesteigert und mehrfach zu umfangreichen Ver­käufen unter Preis geführt, welche das reelle Geschäft nicht unerheblich erschwerten. Die Fabrikation von Rauchtabak vermochte den Umfang ihres Absatzes nur mit Mühe annähernd auf der Höhe des vorjährigen zu halten, und selbst zur Erzielung dieses Resultats beburfte es besonderer Anstrengungen.

Die geschäftlichen Verhältnisse der Spirituo­se n b t a n ch e hatten sich im Jahre 1910 außerordent­lich ungünstig gestaltet, und leider ist auch für die Be­richtsperiode 1911 lediglich das Gleiche festzustellen. In Essigsprit sowohl wie in Weinessig ließ in der ersten Hälfte des Berichtsjahres der Umsatz bedeutend nach, sodaß sich größere Bestände ansammeltcn und die Fabrikation eine entsprechende Einschränkung er­fuhr. In der zweiten Jahreshälfte setzte daun eine sehr lebhafte Nachfrage ein, welche bis in das neue J^hr andauerte; aber wegen unbefriedigender Ren­tabilität wurde die Produktion gleichwohl zu vollem Umfange noch nicht wieder ausgedehnt.

Das abgelaufene Geschäftsjahr hat der Bier- brau er ei, ganz besonders im Sommer einen recht zufriedenstellenden Aufschwung in Erzeugung und Ab- ffh gebracht. Die abnorme und lange anhaltende Hitze erhöhte den Konsum ganz bedeutend, und so ließ ich auch ein besserer Geschäftsnutzen erzielen, obschon die Nachwirkungen der letzten Steuererhöhung noch keineswegs überwunden sind, die Erhöhung der Bier­preise sich noch nicht Überall durchführen ließ und die M ä ß i g k e i ts b e st r e b u n g en den Umsatz merklich beeinflußten. Mißernten und teure Lebensmittelpreise tätigten außerdem weite Kreise der Konsumenten zu parsamen Ausgaben für Genußmittel wie Bier. Die Herstellungskosten waren beträchtlich erhöht, indem einerseits die Braumaterialien, namentlich Hopfen, ehr hoch im Preise standen, andererseits für Pferbe- utter, Eis und dergl. weit mehr als in normalen Jah­ren aufgewendet werden mußte. Im W e i n h a n d e l hat gegen daS Vorjahr der Geschäftsgang sich erheblich

und bergt zurückzuführen. Die Aepfelwein- Herstellung mutzte im Berichtsjahre beschränkt werben, weil die Preise für die Kelteräpfel eine unge­wöhnliche Höhe erreichten. Der Äonfum gestaltete sich

„Dir Kleine —", fährt Lorenz gemächlich fort, indem er die Orange wieder aufnimmt und sie zu schälen beginnt — „die Kleine scheint mir ein nettes Ding zu sein, nur scheußlich verliebt in ihre greu- liche Tante. — Ich verstehe sie nicht recht. Sie ist sehr hübsch, klug und liebenswürdig, aber —"

„Aber?"

„Ich wette, sie ist verrückt; nicht etwa bloß ner­vös oder exaltiert, tote du Gerda schriebst, alter Junge — nee, direkt verrückt."

®rit steht auf und beginnt, unruhig im Zimmer aus und ab zu gehen. Er weiß nicht, was er sagen soll.

Zum Glück schlägt eS jetzt vom Kamin her drei uhr.

„Schon drei!" ruft Erik, erleichtert aufatmend. „Um fünf Uhr fährt die „Skandinavia". Wenn du also heute noch absahren willst —"

toui,[ Sern los sein, alteS Haus, si-h schwerfällig vom Stuhl erhebend. ,^?rst übrigens heute verflixt öde — die rrrne Trauerweide! Na, da komm!"

Langsam schlendern die beiden jungen Leute nach dem Salon, tn dem die Damen bereits ihren Kaffee turnen. "

Sigrid Arnolds« scheint ihre Antipathie gegen chren Gast uoerwunden zu haben, oder sie zwingt ich wenigstens dazu, sie nicht zu zeigen; denn mit liebenswürdiger Grazie dankt sie ihm für die Mühe deren er sich ihretwegen unterworfen.

Ebenso liebenswürdig, wenn auch mit weniger Grazie, erwidert er, daß es ihm keine Mühe, son­dern ein Vergnügen gewesen sei, nach Schloß Sandsgaard zu kommen, .er habe sich vorlreMick unterhalten.

Während dieser kurz« Wechselrede sitzt Jnge- borg auf einem niedrigen Schemel zu Füßen ihrer Tante 3§r Gesichtchen zeigt ein« müden, abge» pannten Ausdruck.

nlä mC^n toi“ ^rens sich auch von ihr empfehl«, als Madame Worse vom Klavier her ruft: -

„Sie leben in der Großstadt, Herr Iespersen,

Heide« der Pflicht.

Roman aus dem Lande der Mitternachtssonne von Erich Friesen.

cS Hr? Wann hast du sie zuletzt ge- JÄ KJ“ *

Ä SW* * ■* ®ei^t" eraftai@rifnbtnn“fenxrü6e meiner klein« tenf. "'mg, indem er das Kuvert öffnet und die wenigen Liebeszeilen überfliegt Lorenz hat sich in seinem Stuhl zurnckgelehnt und die Beine uveremander geschlaaen. Leise einen Gassenhauer Pfeifend, balanciert er eine Orange auf dem Rücken seines Messers.

Plötzlich stellt er das Pfeifen ein, wirft Messer Und Orange auf den Tisch und schlägt sich geräusch­voll auf die Schenkel.

„Hol's der Kuckuck! Du bist ein Glückspilz! Hast 6tr ent verflixt molliges Nest zurecht gemacht!"

* suhle mich ganz wohl in meiner Stellung", volen Ln des'7Lren^ ^ruhrt durch den fri- „9la“ben — hahaha! Wenn die £>"i?'toiM* du w Erik zieht die Sttrn kraus. Fast widerstrebt eS '>»» »■*

„Fräulein Arnolds« scheint nicht deine Svm pathien zu besitzen», bemerkt er voll Unmut. 9

„Nee",.erwidett Lorenz mit brutas«Offenheit .Dein Fraulem Arnold;« ist mir unangenehm' Sie ist dre erste ^erfon, die mir imponiert, und das geniert Mich, glaube, der Böse selbst würde vor der seine Krallen ernziehen. Tata!"

Unwillkürlich muß Erik lachen, obgleich et dem zynischen Burschen da vor ihm am liebsten eine gelinde Ohrseige versetzen mochte.

ten. Pikkolo» x.) entwickelt« sich hinsichtlich be» In, lanbSgefchäfte« ix normaler Kerfe; trotz lebhafter Be­mühungen ließen sich allerdings für Militärkapelle« nermSwert« Mehrlieferungen nicht erreichen. Der Ev- port hatte unter Schwierigkeiten zu leib«, welch« an» scheinend noch box bet ungünstige» Konjunktur bet Jahre 1907—00 herrührt«; besonder» ließen die Ab- satzmöglichkeit« in bm Bereinigt« Staaten im Ver­gleich zu früher« Jahr« reckt zu wünschen übrig. Um Ersatz zu suchen in ander« Exportländern mu ebenfalls höherer Kultur, — denn nur solche kommen

♦ Bottsvermehrung und katholische Kirche. I» öen meisten europäischen Ländern Wird während der letzten Jahre lebhaft über den Rückgang der Gebur- tenzahl geklagt, so auch neuerdings in Deuffchland. Es sei deshalb au dieser Stelle darauf hingetoiesen, daß in einem soeben erschienenen Werke „Die Volks­wirtschaft der Gegenwart und Zuknnft" von Pro- fessor Dr. Julius Wolf (Leipzig 1912) nachgewiesen wird, daß die Provinzen mit den zahlreichsten Ge­burten zugleich diejenig« mit der kleinsten sozial­demokratischen Wählerzahl sind. Die Zugehörigkett zur Sozialdemokratie sei. nM ohne Einfluß auf die ^ijetitar habe die katholische Kirche auf dem Gebiete der Bekämpfung des Geburtenrück­ganges recht gute Erfolge zu verzeichnen. Auch in einer kürzlich abgehaltenen Konferenz des deuffchen Landwirtschaftsrats sprach sich ein Redner im glei­chen Sinne über diesen günstigen Einfluß der ka­tholisch« Kirche aus.

)( Die Schaffung einer sozialdemokratischen Uni- form schlägt ein „Genofse" im sozialdemokratischen Baseler „Vorwärts" vor, indem er schreibt:

»Genossen, arbeitet an her Vereinheitlichung des Anzuges! Wäre eS nicht interessant, wenn sich bet Genosse aus eigener Geschmackskraft eine Kleiberorb. nung gäbe, bie seiner Lebensführung enffpräche unb ein Symbol seiner Eigenart wäre? So gut bie Ge­sellschaft imftanbe ist, bie Mobe, bereu allgemeiner UmrtR heute Gemeingut ist, zur Eleganz zu nuancie­ren, so gut könnte bie Masse sie za etwas Höherem bringen, zu einem Stile bei Zeit, bes Volkes."

_ wart nicht die Ballonmütze als Kopfbedeckung tvahlen wird? Vielleicht in verschiedenen Farben vom zarten Rosa bis zum blutigen Rot, um die ver­schiedenen „Nüancen" in der Sozialdemokratie zum Ausdruck zu bring«.

* Gewissensfreiheit in Bähe n. Zur Programm- cede des Ministerpräsidenten Dr. Frhr. v. Hertlinq hatten die „Münch. N. N." tadelnd bemertt, über die G ewissenssreiheit habe Hertling kein Wort gesagt. Allerdings. Ueber diese Frage ist nawltco deshalb nichts in lagen, weil sie durch'Ber- sassung und Reliqnmsedikt geregelt ist. Darüber kann man beim besten Willen in Bapern nichts sagen. Eine Antwort aus der Praxis ist jetzt von anderer Seite gegeben worden. Ein Organ der ' Aeidenker „Das freie Wort" Mr. 5 vom Jahre 1912) gibt soeben in seinem Briefiasten folgenden

Ein feuchtheißer Meerwind bläst vaher, daß die beiden Freunde die sandigen Wege des Felsenparks entlang eilen. Am Himmel zusammengeballte grauschwarze Wolken, das Nahen eines heftigen Gewitters verkündend.

Erst als sie durch das eiserne Tor hinaustrelen ans offene Meer, bleibt Lorenz einige Augenblicke stehen, uni tief aufzuatmen.

„Endlich, endlich bin ich draußen!" Kopfschüttelnd blickt der Freund ihn an.

„Fehlt dir etwas, Lorenz?"

„Wieso?"

„Du zitterst."

, „Ich - ich zittere?--Hm —!" Sahst du

jenes Mädchen, die Ingeborg Valetti — wie sie zu Füßen ihrer Tante —"

„Ach so!" fällt Erik mit erzwungenem Lachen ein. „Ein harmloses Phänomen — nichts weiter!"

„Es hat mich ganz nervös gemacht", fährt Lorenz zusammenschauernd fort. „Halt' drauf geschworen, daß sie tot war — mausetot."

Erik antwortet nicht, und decke beschleunigen ihre Schritte.

Plötzlich hält Lorenz den anderen am Arni zu­rück.

„Hörsl du nichts?"

„Nein. Sei doch vernünftig! Aus dir sprechen Fräulein ArnoDsenS Weine!"

„Bah, Weine! Du weißt, was ich vertragen kann."

Und wieder schreiten sie flott drauflos — ein­silbig, verstimmt, jeoer noch unter dem Eindruck der letzten Stunde.

Da — das Aufzucken eines Blitzes, gefolgt von dumpfem Donnerrollen.

Lorenz fährt zusammen und wird krcideblaß.

„Tn bist heute nervös wie ein bleichsüchtigeS Schulmädel", spöttelt Erik. „Wie oft hast du da­mit geprahlt, du könntest jeden Anblick vertragen Und nun benimmst du dich wie ein Hasmfuß weil ein schwächlich^ Kind, wenn cs schläft, ein bischen bleich aussieht."

Entsetzung fofot)

Ausland

* Bebel und Ferri. Bebel und Ferri, der deutsche und der italienische Sozialistenführer, sind anetnan- ber geraten. Ferri hat begeistert dem Krieqszug gegen Tripolis zugestimmt und hat wegen dieses Je.mc3 ~• der „Vorwärts" sagt — „Tripol,skollers" sem Mandat nicderlcgen muffen. Zur Eriffcki l^- gung hat Ferri sich auf Bebel berufen, der sich aleich- alls für eine koloniale Eroberungspolitik ausqe- prochen babe. Bebel hat darauf mit der Bemer- ung, daß er bis auf den heutigen Tag der ent- chiedsnste Gegner der deutschen Kolonialpolitik sei dem iialrenischen Sozialistenblatt geschrieben: ,„Jm übrigen,habe ich Ferri schon seit langem nicht mehr als Sozialisten angesehen. Er ist kein solcher mehr." Ferri wiederum erklärt im „Avanti", Bebel sei mchts weniger als ein konsequenter Republikaner, die.mehr em verkappter Monarchist. Er — Fern__

t)abc irr der Wissenschaft wie in der Politik stets mit fd^iichen Waffen gekämpft und Fälschungen ver­schmäht. lieber das Gericht, das von der Partei gegen Ferri abgehalten worden ist, wird aus Rom geschrieben:

Der langjährige Führer der italienischen Sozialbe- mokralie, Professor F^tt, würbe seines Mandats für verlustig erklärt. 153 „Richter", darunter 76 in bet ?Iui? bmlS bis 27 Jahren, faßen über den Gelehrten, bcr fett 26 Jahren tn ben vordersten Reihen der Partei

TT 3u Gericht ; 73 kamen nach hochnotpein- lÄfSS r? seru^#Un9- 70 Freisprechung, , e'-iWten sich der Abstimmung. Der Verurteilte selbst erklärte das Abstimmungsverfahren für Betrug, verftcß unter heftigem Protest ben Ketzergerichtssaas

Die Fabrikation schwerer Eiseng uß- waren (Hanbels- unb Maschinenguß aller Art) konnte ihre Produktion unb ihren Versand im Berichts­jahre nicht unwesentlich steigern. Die Verkaufspreise sind im allgemeinen etwas besser geworben, wenn sie auch, hauptsächlich infolge scharfer Konkurrenz, mit ben teuereren Gestehungskosten nicht Schritt zu halten vermochten. An Formerlchrlingen war empfindlicher Mangel. Eine Lohnbewegung im Sommer führte zu wesentlichen Lohnerhöhungen, zu einer Verkürzung . bcr wöchentlichen Arbeitszeit auf 57 Stunden und ?>-m

und wurde braufjex von einet vieltausendköpfig« Volksmenge .mit stürmisch« Ovation« empfangen Der toi« ein SregeSheld Gefeierte mußt« da» Verspre- chen abgeben, daß er gegen daS Urteil der 73 Berufung bei bet Volksinstanz entlegen wolle, inbem er sich einer Neuwahl unterziehen wirb. Ihr Ausfall kann bei bet Stimmung bcr Wählerschaft nicht zweifelhaft fein. Ferri wird also wieder in bte Deputiertenkammer ein» zieh«.

* A»S bet Schweiz. Gegenüber Angriff« auf die Ehelosigkeit des Klerus, die in der liberalen „91«« Züricher Zeitung" erschien« und schon vom „Vaterland" al» eine „Gemeinhett" zurückge­wiesen worden waren, hat das Zentralkomttee deS Schweizerischen kacholischen Bolksvereins nach­stehende Protestkundgebung erlaffen:

Da» in Olt« versammelte Zentralkomitee deS Schweizerischen kacholischen Volksvereins erhebt ein­mütig unb entschied« Protest gegen bie im TageS. bericht vorn 9. März in bet „Reuen Züricher Zeitung" erhobene niederträchtige Verleurnbung bes katholischen LandkleruS unb bet Ordensgeistlichkeit. Wenn mit gegen biefe schweren Ehrverletzungen nicht ben Richter an rufen, so geschieht bieS nur, weil bet Verfasser beS Tagesberichte» in seinem eigenen wohlverstandenen Interesse bie Anschuldigungen so allgemein gehalten hat, baß bie ftlagelegitimatwn nicht ohne weitere» ge­geben ist. In unferm Proteste wissen wir unS einig mit bem ganzen katholisch« Schweizervolke, bas feiner Welt- unb Orbensgeistlichkeit verdientermaßen bie höchste Achtung unb Verehrung zollt. Die Auslassun­gen bet .Neu« Züricher Zeitung" verraten einen Tief­stand bet Gesinnung unb Bildung, bei bem man nicht mehr zu erkenn« scheint, maS bei aller Verschieden­heit der religiös-politisch« Anschauungen die gegen, fettige Achtung unb bie Rücksicht auf ben konfessionellen Frieben in unserem schweizerischen Baterlanbe gebie- terifdj verlangen.

Das ist eine deutliche Antwort, die sich auch gewisse Hetzer in D«tschland hinter die Ohren schreib« können.

Ter Jahresbericht der Handels­kammer zu -Hanau,

bcr, wie schon kurz gemelbet, biefer Tage erschienen ist, sagt gelegentlich der Besprechung der Lage der Nah- rungs- unb Genußmittel-Jnbustrie u. a., baß die Ge­schäftslage der Zigarren-Jnbustrie im Ganzen nicht allzu befriedigend war. Bestrebungen, den geringen Nutzen durch erweiterte Produktion und größeren Um­satz nach Möglichkeit wett zu machen, konnten nur ben

* Tuldaer

M 63.

Samstag -e» 16. März (912

39. Jahrgang.

Zeitung

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