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3. Blatt.

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Schaft wegen Wechselfälschungen festgenommen. Die Wechselfälschungen sollen schon längere Zeit vorliegen; es soll sich um mehrere Lausend Mark handeln.

Doll steifender Teilnahme hört Erik zu — Teil, nähme für die arme Kranke, aber mehr noch für daS schöne Weib an seiner Seite, das seine blühende 5tzu- ücnd der Pflege einer - ' *

Ausland.

** llkssterschnüffler in Frankreich. Einige Frei­maurer von Ä'onraubau hat en bei den Gerichten angereigt, daß 14 Seeliorgqeistliche, die früher den» Jesuitenorden ongehört halten, seit seiner Auflösung i» Frankreich sich aber verweltlicht halten. Zu. sammenkünfte abhiellen, wodurch erwiesen sei, daß sie noch immer eine Kongregation bildelcn. In btt Tat halte» diese ehemaligen Ordensleute die freund- schädlichen Baude aufrecht erhallen, die sie einst im Kiofler verbanden, und trafen einander rum Aus- muich von Erfahrungen, zn wissenschafllichen Er- örlermigen. Das Gericht erklärt in seinem frei« sprechcuden Urteil, das gegen die Kongregations- niederlaffnngeu gerichtete Gesetz wolle nicht den Menschen verdicken, Freunde zu sein, und ein Verein ehe naliger Kongregaliovsmitgkieder stelle feilte Ge­setzesverletzung dar.

, * Zar belgischen Senat wollen die Liberalen unter Führung Samuel Wieners, des ehemaligen Beraters Leopolds H., nach Art Vanderveldes das Kapitel von der angeblich ruchlosen Ausdeutung der Reger durch die katholischen Missionare ausfchlachten. Der tzaß fegen das Christentum und seine Organe geht bei diesem millionenschweren Günstling Leopolds kl. mindestens ebenso weit wie beim Sozialdemokraten Äcmdervelde, der sich rühmt, weder C rist, noch Jude, noch soust was zn fe-n. Wei em zwe'und» zwanzigjähriger junger Bursche, den lcichtsmn'gcr- weise der Kolonial»!inister zum Amte eines Richters un Kongo berufen hallo, und der in dieser Eigen­schaft in Begleit im; einer schwarzen Geliebten seinen weiten Amtsbezirk abstreifte, wobei er auch die Gastfreundschaft der Jesui!enm?fsion für sich in Anspruch nahm, einen Schandbertcht übet die von ihm tückisch Hintergangenen Missionare an die Brüsseler Zentrale der Berwaltung gerichtet hatte, der vom zuständigen Minister a'S ein gehässiges Schriftstück gekennzeichnet worden ist, hält der alte Berater Leopolds II. es für eine ausgemachte Sache, baß d:e katholischen Missionare eigentlich aus dem Kongo ausgetrieben werden müßten. Das ist in Kürze die Essenz der heutigen Rede Samuel Wieners, einer der Gröben des belgischen Logentums.

Anhaltendes Stillen

ist für die Mutter oft mit Beschwerden iwrbunbett, tufl auch däosig Mattigkeit und Dlüdigkeit hervor als Folge von llntercruälmmg. Die Stillende tut gut. Ni solchen Zeiten zur Erstarkung eine

Zeillang

vcrcingegangene Aussprache. Heiliger Ernst, reinste Opferfrendigkeit leuchten aus Sigrids schonen Zü­gen, _ als sie, wie etwas ganz Selbstverständliches, nur so nebenbei erwähnt, sie halte es für ihre Pflicht, das Unrecht, das ihr Vater seiner ältesten Tochter angetan, an deren Kind wieder gut zn machen, in­dem sie ihm ihr ganzes Leben weiht.

Und weiter gehen sie. Bis plötzlich vor ihnen, inmitren eines winzig kleinen Fjords, die zerfallenen Trümmer einer uralten Ruine aufdüstern.

„Sehen Sie hier! Dies ist mein Lieblingsort!" ruft Sigrid mit bei ihr seltener Lebhaftigkeit. „Hier­her gehe ich, wenn ich einmal im Unklaren mit mir bin; wenn der Schmerz über das unselige Geschick meiner armen Nickte mich zu übermannen droht, oder —" leise Röte steigt in ihr bleiches Gesicht — „wenn die übernommenen Pflichten mir einmal zu schwer dünken. Kommen Sie!"

Mit starker Hand löst sie ein Boot vom Haken und bedeutet ihrem Begleiter, Platz zu nehmen.

Gleich darauf gleitet die Barke über die dunklen Wogen — hin zur Arendal-Ruiue.

Erik wird ganz seltsam zumute. Ihm ist, als sei er der Welt mit all ihrem Hasten und Drängen, ihrem kleinlichen Hader und ihrem Reid und Hatz entrückt, als tue sich vor ihm ein grandioser Palast der Unendlichkest auf, in dem es kein Leid mehr gibt und keine Kämpfe und keine Tränen . .

Mit dem feinen Instinkt einer edlen Frau ahnt Sigrid, was in ihm vorgeht. Durch kein Wort stört sie die Andacht seiner Seele.

Nachdem sie sich eine Zeitlang zwischen den male- rischen Trümmern der Arendal-Ruiue aufgehalten, trägt das Boot die beiden wieder zurück zum User.

Auf dem Heimweg dreht dasGespräch sich natur­gemäß wieder um Jngeborg.

„Sollten Sie meine Nichte jemals schlafend sehen, so erschrecken Sie nicht!" wirst Sigrid im Lause der Unterhaltung hin. „Manchntal liegt eine fast tödliche Blässe auf ihren Wangen, die den Un­eingeweihten leicht irreführen kann. Ihr Körper nimmt dann eine totenähnliche Starre an; ihr Atem Scheint zu stocken — ein momentanes völliges Ver- agen sämtlicher Nerven. Mich erinnert sie dann

stets an meine arme verstorbene Schwester, deren wachsbleiches totes Antlitz meine kindlichen Träume noch lange Zeit beunruhigte. Ich gebe eS zu, es ist eine Schwäche von mir; aber dieser totenähnliche Schlaf beängstigt mich mehr, als die in bestimmten Zeiträumen stets wiedorkehreudcn fixen Ideen, in denen Jngeborg sich von irgendwelchen ungeheuerli­chen Gestalten verfolgt glaubt."

Erik schweigt. Er versteht jetzt Jngeborgs gestrige Bitte:

„Tagen Sie meiner Tante nichts davon!"

Als sie nach einer Weile durch das alte verrostete Tor wieder in den Felsenvark von Sandsgaard ein­treten, bittet Sigrid ihren Begleiter, morgen früh mir den Zeichenstunden zu beginnen; es würde ihre Nichte sehr glücklich mache.,.

Mst Vergnügen willsahrt er ihrem Wunsche und fügt nur noch die Frage hinzu, ob er während des Unterrichts seiner Schülerin gegenüber irgend etwas Bestimmtes beobachten, vielleicht gewisse Worte oder Ausdrücke vermeiden müsse —

__„Rein, nein!" fällt Sigrid lebhaft ein. „Seien Sie ungezwungen und natürlich! Das ist das beste. Wie mir scheint, hat sie bereits Zutrauen zu Ihnen gefaßt. Nur um eines möchte ick Sie noch bitten: Jngeborg ist mir in beängstigend schwärmerischer Weise zugetan. Suchen Sie niemals diesem krank­haft übertriebenen Gefühle nachzugeben oder es gar zu bestärken! Bei ihren leicht erregbaren Nerven und ihrem zarten Körper kann jede übertriebene Empfindung gefährlich werden. Sie verstehen mich, Herr Niels?"

„Ich verstehe, gnädiges Fräulein."

Mn Seufzer der Erleichterung hebt Sigrid Ar- noldsens Brust.

„So ist unser Spaziergang nicht umsonst gewe­sen," sagt sie langsam und mit Nachdruck. „Wir ver­stehen einander und werden Freunde sein. Nicht wahr?"

Schweigend verbeugt sich Erik. Vergebens sucht er nach passenden Worten. Zieht eine Ahnung da­von durch feine Seele, daß mit diesem Tage eine Tragödie beginnt, die bestimmend auf eine ganze An­zahl von Menschenfchicksalen einwirken soll? (I. f.)

"Was sagen die Aerzte?" fragt er gespannt. Sigrid Arnoldsen seufzt leise auf.

, „Sie halten das Leiden zwar nicht für gänzlich hoffnungslos, aber doch für bedenklich. Die fixen Ideen können mit den Fahren schwinden, aber auch zunehmen. Meine Nichte soll ein ganz stilles Leben inmitten der gewaltigen Einsamkeit der Natur füh­ren — deshalb kaufte ich Schloß Sandsgaard. Ihr Geist soll nicht angestrengt, aber stets angeregt wer­den. Da sie eine besondere Vorliebe für exotische Pflanzen und bunte Vögel hat, ließ ich ein mächtiges Treibhaus neben dem Schloß errichten, in dem ein blühender Rausch aller nur erdenklichen exotischen Blumen sic umgibt und wo sie nist buntgefiederten Papageien und zierlichen Kolibris, ganz nach Ge- -'^Cm ^.ieIen kann. Vor Jahren zeigte sie Interesse für Musik— darum nahm ich Madame Morse, die ehemals eine bebcHtenbe Klavierspielerin war, zu nur, damit sie Jngeborg in der Musik unterrichte, bald batte das Kind die Lehrerin überflügelt. Jetzt will Jngeborg es mit der Malerei versuchen, ich glaube, auch hierin besitzt sie Talent. Ach, wenn meine arme 'Nichte nicht zeitweilig unter fixen Ideen litt, wenn ihr Geist normal funktionierte — sie würde cs zu etwas Großem im Leben bringen!"

Die Bewegung übermannt Sigrid. Sie sinkt auf einen Stein und bedeckt das Gesicht mit den Händen.

Doch nur htrje Zeit überläßt sie sich ihrem Schmerz; daun ist sie wieder ruhig und gefaßt, wie immer.

„Nun Sie alles wisfen, Herr Niels —" sagt sie sanft, ihm ihr ernstes, edelschönes Antlitz zuwen­dend — „entscheiden Sie, ob Sie bei uns bleiben wollen oder nicht!"

Aus dem Nachbargebiete.

. Harmerz, 8. März 1912. Am 1. April wird in dem zum Landbeftellbezirk des Postamtes in Fulda geböcendcn Orle Harmerz eine P ost hilfs- lielle eröffnet. •

-f- Dirlos, 8. März 1912. Dem Vernehmen nach ist das bekannte Kalkwerk des Herrn K. Aschen- bi ücker am Dicken Turm durch Kauf in den Besitz einer Gesellschaft m. b. H. übergegangen. Es soll ein mit größeren maschinellen Einrichtungen ver­sehenes Zementkalkwerk erstehen.

* Brückenau, 7. 'März 1912. Tas Komitee für Erbauung einer Eisenbahn Kiss in gen über Aschach-Burkardrolh nach Brückenau entfaltet eine emsige Propagandatätigkeit. Das Bahnprojekt ichwebt schon 44 Jahre. Jetzt hofft man infolge deS Minlsterwechsels auf eine Verwirklichung des von großen Hoffnungen begleiteten Planes.

* Kloster Kreuzberg, 8 März 1912. Am Donners­tag nachmittag trat auf dem Kreuzberg Schnee­fall em. Der Schnee lag drei Zentimeter hoch. Baum und Strauch trugen Rauhrerf.

♦ Frankfurt a M„ 8. März 1912. Zu etm>n Etatskonslikt zwischen Magistrat uno Stadt­verordnetenversammlung kam es in der letzten Sitzung der Stacttverordnettn über die Frage der Deckung der Differenzen zwischen Einnahmen und Ausgaben im 1 dbtifdjen Haushaltsplan für 1912, die eine Differenz -wischen Einnahmen und Ans- gaben von rund 750000 Mark betragen. Während der Etatsberatung brachte der Magistrat eine Vor­lage ein, in der er zur Deckung des Defizits die Einführung einer Schanktonze sionsstener und eine geringe Erhöhung des Wassergeldes vorschlug. Eine Mehrheit der Sladtverordnetenversammkung für die Schankkoiizejsionsftkuer war nicht zu finden. Au- eine Anfrage cxklärie Oberbürgermeister Dr. Adickes, daß der 'Magistrat es ablehne, iveilerc Deckung svorf chläze zu machen, daß es v.el- mehr Pflicht der Sladlverordnetenverfa umhing sei, nachdem sie die Vorschläge des 'Magistrats ab- gelehnt habe, ihrerseits für Deckung zu sorgen. Die Jadtoecordnetenversatnmlung beschloß daraus, zur Löfung der Angelegenheit eine gemisch e Kommission etnzuieken.

* Bischofsheim bei Mainz, 7. März 1912. H e f- sens größter Bahnhof und wohl auch einer oer größten von ganz Süddeutschlund dürfte nach Fertigstellung der geplanten Erweiterungen der hie­sige Güterbahnhof sein, der als Uebergangspunkt von Süddeutschland nach Norddeutschland als Ran- gierbahnhof eine besonders große Bedeutung hat. Nach Fertigstellung der G neuen Geleise wird der Gesamtschienenstraug des Bischossheimer Güter- bahnhvfes eine Länge von rund 98 Kilometer haben.

* Vom WksterrvalS, 8. 'März 1912. In dem Jagdbezirke der Gemeinde Alpenrod bei HaLcnburg sind schon seit einigen Wochen ö ters Wild- schweine gefeiten worden Ein Waidmann ans Hachenburg hatte das Glück, einen starken Keiler von 170 Pfund Gewicht zur Strecke zn bringen.

* Eisenach, 8. Mär, 1912. Den Schlüssel zur Lutherstube auf der Wartburg stahl vor einiger Zeit eine Engtänderin, um ihn ihrer Reli- quimsammlung ernzuverleiben. Dir Engländerin wurde in London verhaftet und der Schlüssel zurück­gebracht. Trctz der besseren Bewachrurg dec Wart­burg wurde der Schlussel jetzt abermals ge­flöhten. Die Spur des Diebes weist inieder nach England. Von dem Dieb gilt das Wort: Verrück', verrückt wie die Märzhascu!

* Aus dem Rhcmgau, 7. März 1912. Nach einer Mitteilung des Vorsitzenden der Landwirtschaftskmn- tner sind im Regierungsbezirk Wiesbaderr folgende Gemarkungen von der Reblaus verseucht: Gei­senheim, Lorch, Kaub, Wiesbaden, Hochheim, St. Goarshausen, Wellmich, Nochern, Bornich und Winkel.

* Limburg (Lahn), 7. März 1912. Die M a u V- und Klauenseuche greift im hiesigen Kreise immer weiter um sich. Bisher ist sie rn zebn Ge­meinden festgestellt worden, über die die Gemar- kungssperre verhängt wurde. Zum Beobachtungs- gebiet gehören zirka 30 Geeminden.

* Aschoff «bu g, 8. Marz 1912. Ter Inhaber eines hiesigen Schubware» - Gefä/äsies wurde am Mittwoch abtnb auf Veranlassung der Staatsanwalt-

Verttfches Reich.

• Papjt gt» XTTf. übet Wind Ihorst. Bei einer Hundertjahrfeier des Geburtstags Windthorsts, die an» Sonntag i» M.-Gladbach abgehalte« wurde, widniete Herr Fabrikbesitzer Franz Brandts, der verdimtr Ersitzende des Volksvereins für das katholische Deutschl-md, der Fefwerfanunlung einige persönliche SrinncnxMN an Windthorst, denen wir folgendes eidiwlfwen:

Es war am Welpe« Sonntage 1891, wenige Wochen nach dem Lad, WmdlhorNs, als ich durch eine besondere Vergünstigung einem feierlichen Emp sang b er Krrdinäle und der bamals ta Rom anwesenden Bischöfe durch LeöXkll. beiwohnen durfte. Die Lage der kakhokffchen Siirdpr in den verschiedenen Ländern her Well kam bebet etngehenö zur Besprechung. DaS erste Wert des hl. Buers galt unserem Windt- b o t >l. Den Lorenzeltet Wmvlborüs in der Hund, be­klagte der Paplt das Hwschctven des groben MannrS in warmen Werten, hob seine 'Bedeutung für dir polnischen und kirÄbchetr Verhältnisse in Deutschland hervor, pries seine Berdienfte um Baierlaud und Kirche und verglich ihn dann mir O'Connell, dem berühmten Patrioten, der als Beriewiger der Rechte des irischen Volkes wie der kuhottlchen Kirche sich mtiterbittert Ruhm erworben hab«. MU ergreifender Wehmut schloß der hk. Vater mit bett Worten: O, Windthorst, o, CtScuKfl; o, O'Eonnell o, Windthorst! — Schon bald nach dem Hm'cheidrnÄindlhorstsam i9 Maro­der 14. März war der Todeslag — hatte Leo XIE. dem Ausdrucke des Beileides an die Vorsitzenden der beiden Zentrums-Fraktionen Wone höchster Aucrkeiinuna hinzu,efügt. Sie galten dem Kämpfer „für die Rechte der Kirche", bei „die einmal übernommene Sache der Gerechtigkeit hochgemut durchgeführt, bis er sich an dem uncrblässig »erfolgten Ziele sah."

* Der Hansobmid, eia Glied der liberalen @s> sam-o.ga»isativnf Dreie Tatsache zugegeben zu haben, ist das Verdienst eines liberalen Agitators, des Ärbeuersekreiäcs Erkelenz (Berlin) Herr Erkctcnz sprach am 1. März im Liberalen Arbciter- wc»hloer>.m zu. Frankfurt a. Di. über die gegen« wattigen Au gaben der Ich ralen Arbeiterbewegung, wobei ihn» laut .Frankfurter Zeitung' (Nr. 61) fol- gendcr Satz enlidjlSprte: Wer vom Standpunkte der liberalen J^e aus Gegner einer gesonderten Organisatton bet liberalen Arbeiter ist, müßte auch Gegner deS Hansadundes fern, der schließlich doch auch um ein Glied der liberale» Gefawtorgani- sation ist. — Was wir längst alS feststehend an­gesehen haben! Danks ’c'ir, Herr Erke lern!

•x» Ewen Fekdzuzsplan zur Entchrifttichung Bayerns veröffentlicht das Organ der denkfreien Freideukerlinge, das „Fre—ie Wort^ Rr. 23 erstes Märzhesth m einem „Tie Landtagswah­len in Bayern" überschriebenen Artikel. Die Art Leute, die um dieses Organ des blödesten Kirchen- Haffes sich scharen, scheint der Ausfall der bayeri- fchcn Ytzahle» in einen Zustand der Tobsucht ver­setzt zu haben Nur so läßt sich das Geschreibsel be­greifen. Nett ist es von dem Blatt, daß es aus fei­nem Herze» keine Mördergrube macht, sondern offen ausspncht, tote die Sache nunmehr angepackt wer­den fort, um hq» katholische Bayern zu entchriftli- chen. Man höre: Der Mann wünscht eine große strafte Organisation aller Gegner des Kleri- kalismirS, und diese Organisation müßte bann ihre ganze Stoßkraft gegen Bayern in folgender Weife richten:

„Man denke sich beispielsweise eine von bett Gegnern des Mtramontanismus aller Ländern reichlichst unter- stützte Vereinigung, die ein Dutzend geschickt ausge- wähl irr Wahlkreise tut Bayern mit gewaltigen Mitteln bearbeitete. Wir denken weniger an eine Propaganda durch Work utA Schrift, als an methodische B e- fiebelnwff der fdjtoäraeften Wahlkreise durch fretd«»ker»sche Handwerker. Ge. werb-lraitende. Pensionäre nsw., welch« die Huf gilbe hätten, das ganz« Leben in biefent schwarzen Milieu gleichsam als Eauerteich zn durchbringen l Die. gleiche Methode wenden auch die Tschechen und Polen in Oesterreich mit enormen Erfolgen an. Die Zuziehen- den müssen solange über Wasser gehakten werden können, bis sie wirtschaftlich stark genug fern toürbsn, um sich selbst durchzubringen. Sie hätten sich natur« Scutatz gegenftitig auf das opferwilligste im Wirt- schäfte, ampfe zn stützen: der zupeMgene Bäcker würde für dw Medercn Batten, der Schuster würde für die otibcren arbeiten usw. Wie am Kongo müßte man in solchen kulturell zurückgebliebenen, an der konsessionel. len Schlsflrankheit leidenden Gebieten Bayern? förm­

lich missionierend wirken. (Hl) Es werden naturgemäß für den Anfang sehr große finanzielle Opfer notwendig fein, aber diese Mission »arbeit würde sich bald durch .Bekehrungserfolge" an den schwarzen Schafen (!1) bezahlt machen. Aber nur bann, wenn diese Missionare einen sehr starken Rückhalt hätte», könnte mit Aussicht auf Erfolg unter den Schwarzen Sa t; e rn 8 gearbeitet werden, weil naturgemäß die Geistlichkeit alle Minen springen lassen würde gegen solche Eindringlinge. Die Methode scheint uns sichern Erfolg zu versprechen, zumal wenn eS noch gelingen sollte, in diese erzklerikalen Domänen nach und nach industrielle Etablissements mit Hunder. ten ober gar Tausenden von sozialdemokrati­sche» Arbeiterfamilien zu verpflanzen. Wenn die Unsummen, welche jahraus, jahrein für de» Kampf gegen den UltramontaniSmus ausgegeben werden (fol), auf diese Weise einmal konzentriert, einer ein» gtgen konkreten Aufgabe zugeführt würden, wäre sicher ein ungeheurer Erfolg insbesondere in Bayern zu erzielen."

Das ist also der nette Plan! Meser „Missionar" ist selbst noch sehr erziehungsbedürftig, das beweist fein wildes Schimpfen auf die „Schwarzen in Bayern", die er sehr menschenfteundlich mit denen am Kongo vergleicht, u. von denen er als „Schafen" rebet. Da der Mann von der Propaganda in Wort und Schrift" sich nickts mehr verspricht, scheinen ihm offenbar diese „Schafe" sckon fo klug zu fein, daß sie auf den denkfreieil Kohl sreidenkerifchen Geschwätzes nicht mehr hereinfallen. Recht nett ist auch zu le­sen, wie der Mann die Sozialdemokratie tariert, und welche Aufgabe er ihr zuschreibt. Hier wird sie ganz ungeniert als die S ch u tz t r u p p e des Freidenkertums in der Bekänrpfung des Christentums bewachtet. Der Mann kennt sie; wenn freilich ein katholischer Schriftsteller so was sagen würde, würde der ganze rote Blätterwald wider- hallen von einem wüsten Geschrei über schnöde Ver­dächtigung der Sozialdemokratte! Der ganze Artikel wirft ein Helles Lickt auf die innersten Absichten der rot-blauen Blockpolittk und ihre letzten Ziele; des­halb wird es gut sein, ihn nicht der Vergessenheit anheimfallen zu lassen.

Vermischtes.

* Ein Bierbrauer als Heldentenor. Ein ehe­maliger Kölner Bierbrauer, der noch im Herbst hin­ter dem Schanktisch saß, hat vor einigen Tagen in Aachen einen außergewöhnlichen Erfolg als Sieg­mund in der „Willkür?" errungen.

* Für 75 Pfennige — ein Jtch? Zuchthaus. Die Strafe verhängte die D e l m e >?h o r fi e r Swafkammer üb>r einen Arbeiter. Er hatte aus einer Schule ein Paar Turnschuhe gestohlen und an einen Trödler für 75 Pfennig verkauft. Den Er­lös legte er schleunigst in Schnaps an. Er wurde bald als der Dieb ermittelt und hatte sich nun vor Gericht -t verantworten, das ihn für ein Jahr ins Zuchthaus schickte. Die Höhe der Strafe erklärt sich aus den vielen Vorstrafen des Verurteilten.

__ * Selbstmord am Grabe seiner Fra«. Auf denr Friedhof Eichhof in Kiel beging der Deckoffi­zier Howe am Grabe seiner Frau Selbstmord. Er nahm Gift und brachte sich dann mit seinem Säbel einen Stich in die Herzgegend bei. Der Lebensmüde wurde sterbend ins Kraukenhaus gebracht.

* Verlorene Wette. Der Realitätcnbesitzer Ncil- teudorfer in Braunau bei Simbach sing int Inn einen Huchen mit dem Gewichte von 24 Pfund. Dies kam auch zu Ohren eines Schmiedmeisters, welcher sich erbot, eine Wette einzugehen, daß er dcu Fisch in einem Tage von 8 Uhc früh bis 12 Uhr nachts allein verspeise. Dir Wette kant zustande, and so ma sie sich der Meister alsbald daran. Um 9 Uhr m.t) schmeckte ihm das erste Stück des Fisches von zirka 1 Kilo ganz vortrefflich. So ging es fort bis gegen abends n Uhr, wo vom Fische noch zirka 7 Kilo übrig waren. Mit dem Apprttt war es jedoch zu Ende und der Mann mußte das Fischessem anf- geben. Außer der Wette hat er noch den BetrH für den Fisch, 32,30 Mk. zu zahlen.

* Russische Gerichtsbarkeit. Aus St. Peters­burg wird der ,Lodzer Rundschau" gemeldet: Ein sonderbarer Prozeß beschäftigte dieser Tage den Se­nat. Um seine Mittel zu vermehren, hatte der deutsche Wohltätigkeitsverein in Marienburg (Liv­land) einen Ball arrangiert. Ein BereinSmitglied spendete 100 Zigaretten eigener Arbeit, die am Büfett feilgehalten wurden. Ein Akziseaufseher aber, der sich unter den Gästen befand, ließ ein Protokoll wegen dieser nichtbanderolierten Zigaretten aufneh- meu und der Vereinsobmann Dr. Raue, der von der Spende nicht einmal eine Ahnung gehabt hatte, wurde als vcrintwortliche Person vom Walk-Wen- dcnschen Friedensrichterplenum ztt 4 Tagen Arrest verurteilt. Der Senat ließ die Kasfationsklaae un­berücksichtigt.

Kur fö,t mit SU nehmen. Man hat in Kliniken da- &e’e''S ~ hmzedmde Versuche mit bestem E-folge gemacht. Auch kostet es Erwachsenm bcr e«>tiit»e» keine Mülie, die leicht verdauliche, A"lah«u«! sahnige Scotts Lebertran-Emulsion au nehmen.

Sc ittaSraulflon wird von un* ausschlieblich tut «rotzen Verfault, und zwar Ute lofe nach Gewicht oder Matz, sottder» nur m BenteMlett OrigtnalNafchen itt SaHou mit unterer «chntzmarfe sicher mt dein Dorsche Scott & Bowlte, »umch.H., Rrunirurt a. IS.

»efhinbieile; Feinster M-dizinal-Leb-rtraii Ido.o. prima »tteernt 50,0, unterPboLptzorigiauierinuk 4,3, itnterpdpdpdo- riifaurta Natron 2,0, vnlö. Tro iaut 3,0, feinster aiut> teun'mi tiilu.Jt.0, W-tzcr 135,0, AÜoiwt

Cuiulnon mtt Sian-, Wwdel- und Caititkriaoi 1- 3 Zrofkn.

Helden der Pflicht.

ihoiratt aus dem Lande der Mitternachtssonne von 9J Erich Friesen.

Sigrid ArnoÜche« hat den Schleier zurückqcschla- gen. Ihre Wangen sind sehr bleich.

„Sre werden begreifen, weshalb ich Ihnen In- geborgs Geschichte miueilen wollte, bevor ich Sie für längere Zeit an mein Haus fesselte," ,ährt sie geprcyt fonti „Mein Baker schon war ungewöhnlich erregt und nervenschwach. Auf meine "Schwester hatte sich diese nervöse Reizbarkeit in erhöhtem Maße übertrage«. Und meine arme Nichte —" sie wßt Eriks Hände und blickt ihn wehmütig an, während ihre Stimme zum Flüsterton herabsiukt — „Herr Niels, mehre Nichte ist — geistesgestört!"

Erik zuckt zusammen. Welche Mitteilring er auch erwartet haben mochte — diese sicherlich nicht. Es kostet ihn seine ganze Selbstbeherrschung, um nicht de» erschütternden Eindruck zu zeigen, dcu Sigrids Eröftuung, auf ihn macht. Ein paar Augenblicke vermag er kein Wart hervorzubringen. Daun sagt er leise:

„?irmes Kind!"

rAch danke Ihnen für dieses Wort, Herr Niels." v '?t£U ^ila gehen beide schweigend neben einau- Das-Herz ift ihnen zu voll zum Sprechen, ^bulein Bclletti sich ihres Zustandes be- ^nIeR%e&nbh4 oI§ Fortsetzung seines ift- weiß, daß sie periodisch krank

Ahnuna. Srcut^eit jedoch hat sie keine

fttW a^k «nfa?C tretcn "hne jede Beranlas- 'UW aus. A-s sie gestern abend plötzlich in Tränen b±Mar umncuhtet; Lige Min^

X rl doMändig normal.

W M Or vereinigten;

das eine schlummert, wahrend das andere den Kor­ps dirigiert."

Fast verletzt fährt er empor.

„Selbstverständlich bleibe ich."

„Ich danke Ihnen. Ich habe mich nicht in Ihnen getäuscht."

Sie reicht ihm die Hand, die er ehrfurchtsvoll an seine Lippen führt.

Und weiter schreften die beiden — in ruhiger, an­regender Unterhaltung. Es ist, als ob von den Ge- .....----2."---i Last genommen sei durch die