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M 55.

Vonnerriag den 7. Mar; M2

59. Jahrgang.

* Tuldacr W Zeitung

2. Blatt.

vruck und Verlag der >?«!-aer LkttenrrnSerrt in Znl-a.

Aus -em Nachbargebiele.

„I“ Pilgerzell, 7. März 1912. In der am Sonn­tag in Pilgerzell abgehallcnen Versammlung des kath. Arbeitervereins wurde beschlossen: am 17. ds. Mts. soll die allgemeine Generalkommunion stattfinden; es soll dem Volks verein mehr Be­achtung geschenkt und für die Heranziehung der Söhne zur Jugcndabteilung Sorge getragen werden; die Einrichtung einer Wrrhnachtskasse loll in der nächsten Versammlung beschlofien werden.

□ Oberufhausen, 5. März 1912. Am 3. d. Mts. sand im vollbesetzten Saale des Gastwirts Ulrich eine außerordentliche Versammlung des BauernvereinsOber- und Unterufhausen statt, in der Landwirtjchastslehrer Lutte aus Fulva einen sehr lehrreichen Vortrag hielt. Pfarrer Gnau eröffnete und bearüßle die Versammlung, die auch voll mehreren Lanvwirlcn von Soisdorf, Treisch­feld und Oderweisenborn besucht war und erteilte dem Redner das Wort. Mit gespannter Aufmerk­samkeit lauschten die Anwesenden den klaren und sachlichen Ausführungen des Vortragenden, welcher tm ersten Teile über bas Thema: Fütterung und Pflege unserer landw. Rutztiere und im zweiten Teile über rationelle Düngung unserer Kultur­pflanzen referierte. Allgemeinen Beifall erntete der Redner für seinen klaren zeitgemäßen Vortrag. Pfarrer Gnau drückte dem Vortragenden den Dank des Vereins aus mit dem Wunsche, er möge recht bald wieder den hiesigen Verein mit einem solchen lehrreichen Vorträge beglücken. Zum Schluffe er­mahnte der Versammlungsleiter die Mitglieder, recht treu und einig zu ihrem Verein zu hallen, durch welchen sie am sichersten vor Fälschungen und Rach- leilen bewahrt würden.

* Eiterfeld, 6. März 1912. Die Gestüts- st a t i o n E-terfeld ist mit Rücksicht auf die daselbst ausgebrochene Maul- und Klauenseuche nach R e ck- r o d (Gastwirt Hill) bis auf Weiteres verlegt wor­den.

Flieden, 5. Marz 1912. Am vergangenen Sonntag hielt der hiesige kath. Arbeiterverein seine ordentliche Generalversammlung ab. Der Hauptpunkt der Versammlung war Neuwahl des Vorstandes. Anstelle des Vorsitzenden August Mül­ler, der eine Wiederwahl ablehnte, wurde Damian Leipolt gewählt. Der übrige Vorstand setzt sich jetzt folgendermaßen zusammen: August Müller, stell­vertretender Vorsitzender, Lehrer H. Schriftführer, Joseph Füller Kassierer; Beisitzer sind Bernh. Kull- mann, Karl Neitzert, Gottfried Link und Franz Heil. ES wilrde beschlossen, am 17. März zur Ge- neralkommunion zu gehen.

* Hersfeld- 6. März 1912. Gestern abend und heute früh wurde von bisher unbekannter Hand auf hiesige Polizeibeamte scharf geschoffen. Die Kugel muß aus einer Jagdflinte oder einem alten Nevol- -ver aus ziemlicher Nähe abgefeuert worden fein. Wie Polizei hat sofort umfassende Ermittelungen Angestellt.

* Allendors a. d. W>, 6. März 1912. Bon ruch­loser Hand wurden auf der Straße zwischen Batte- ,rode und Dietzenrode 17 junge O b st b ä u m e ü m g e k n i ck t. Auch bei Wahlhausen und Allen- jdorf wurden weitere 15 Bäumchen vernichtet. Dem iGeudarmeriewachtmeister gelang :s, dem Täter auf die Spur zu kommen.

* Eschwrge, 6. März 1912. Die städtischen Betriebe haben folgenden Reingewinn im letzten Rechnungsjahre erzielt: Gaswerk 38 321,70 Mk., Wasserwerk 5437,51 Mk., Elektrizitätswerk Y8 192,56 Mark.

* Göttingen, 4. Mär; 1912. Der Musketier /kraatz vom hiesigen Infanterie-Regiment Nr. 82, ist bei Angerstein in der Leine als Leiche ge­funden worden. Ob Selbstmord oder Unglück vorliegt, ist noch nicht festgestellt worden.

* Aus Tlstüingrn, 4. März 1912. Der Bericht über die Täiigkell des Vereins zur Erhaltung der Volkstrachten im Herzogtum Gotha stellt fest, daß die allen Volkstrachten immer mehr ge­tragen werden. Die Bestrebungen des Vereins haben besonders in Ruhla Anklang gefunden, auch in Schmerbach Hal man angefangen, die alten kleid­samen Trachten wieder dervorzuholen. In allen Ortschaften, in denen Volkstrachten bei Gründung des Vereins nicht bereits vollkommen verschwunden waren, dürste es jerst kaum noch möglich sein,

Helden der pflicht.

Roman aus dem Lande der Mitternachtssonne von 7] Erich Friesen.

Rach dem Essen begibt sich die kleine Gesellschaft ins Musikzimmer. Ohne irgend welche Anstorde- rung nimmt Ingeborg am Klavier Platz. Mecha­nisch gleiten ihre schlanken Finger über die Tasten.

Erik, der neben Sigrid Arnoldsen auf dem Sofa fitzt, hort einige Sekunden zu. Dann fragt er leise:

„Sprelt meine Schülerin Klavier?"

„Mehr als das. Sie phantasiert und kompo­niert."

„Nach künstlerischen Regeln?"

„Vielleicht nicht ganz. Ihre Phantasien sind -Manchmal etwas, wild, unberechenbar."

Befremdet blickt Erik Fräulein Arnoldsen an. Ihm ist, als habe sie soeben leise aufgeseufzt.

Jetzt beginnt Ingeborg zu spielen ...

Zuerst erklingen nur einzelne Töne, abgerissen, unvermittelt, die in verworrene Akkorde übergehen. Daun löst sich aus denselben eine Melodie, förmlich verblüffend in ihrer Originalität. Bald traurig, bald sichelnd, bald sanft, bald wilddämonisch — so schlingt sie sich in brausenden Akkorden, oft umge­ben von melodiös bizarrem Rankwerk, weiter und weiter . $.

Erik lauscht wie bezaubert. Seine kleine Schülerin tvird ihm immer rätselhafter. Vor wenig Stunden noch erschien sie ein lebloses Geschöpf. . . dann ein harmlos fröhliches Kind . . . dann ein losgelöster Teil der von ihr schwärmerisch geliebten^ Tante . . .

Und nun spricht ans ihren Phantasien ein star­ker Geist, eine leidenschaftlich erregte Seele — etwas Universelles, Dämonisches, das ihn mächtig packt.

Er blickt sie nicht an. Er hört nur und fühlt. ..

Plötzlich brrcht das Spiel mit einer jähen Disso- «anz 'ab. Mit allen Zeichen tiefster Erregung springt Ingeborg vom Klavierseffel empor und eilt lauf Sigrid Arnoldsen zu.

„Tante! Tante!!"

Trachten oder alten Schmuck auszukauien. So bleibt das, was von den Altvordern auf unsere Zeit üder- tommen ist, den Bewohnern des Herzogtums auf Generationen hinaus erhallen. Möge das in der Rhön und Oberbkssen auch der Fall sein.

* Nidda, 6 März 1912. In Anbetracht der Er­richtung der Ueberlandzentrale Wölfersheim w,rd hier int Laufe dieses Sommers ein mehrwöchiger Kursus für Installateure abgehalten.

* Homburg v. d. H., 6. März 1912. Die K ai- serin wird am 23. März zum Kurgebrauch hier eintreffen und von ihrer Tochter, der Prinzessin Viktoria Luise begleitet sein.

* Mainz, 6. März 1912. Heute konnte man eine ausfallende Beobachtung auf dem Rheine machen. Ei.t Schleppdampfer der Firma Hugo Stinnes-Mühlheim, die sonst nur leer zu Tale gehen, hatte einen mit 16000 Zentner beladenen Kahn int Anhänge, mit dem er aus Mannheim rheinabwärts fuhr. Es wird vermutet, daß er infolge des Streiks Kohlen von den gewaltigen Mannheimer Vorräten wieder zurück nach der Ruhr führt.

* Pad Kissingen, 5. Mar; 1912. Die dem Dr. Veith, Spezialarzi dahier, gehörige, au der Salinen- ftraße gelegene Villa ging um 45 000 Mark durch Kauf in den Besitz des Hoteliers Fritz Welz in Ober­hof über, ________________

Amt Geisa und Umgebung.

* Vacha, 6. März 1912. Der Bezirksausschuß hat der Gemeinde Dorndorf (Feldabahn) die Erlaubnis zur Aufnahme eines Darlehens von 112 000 Mark gegen 4f^prozentige Verzinsung und 2prozentige Tilgung gestattet. Bon dem Darlehn sollen 85 000 Mark zum Wasserleitungsbau und 37 000 Mark zum Schulbau verwendet werden.

* Tiefenort, 6. März 1912. Die Maul- und Klauenseuche ist hier wieder aufgetreten und zwar unter dem Rindviehbestande des Schachtarbei­ters Nikolaus Hüther.

* Philippsthal, 6. März 1912. Auf dem Kali­werk Hattorf wurde einem Kroaten das linke Bein oberhalb des Knies abgequetscht. Der Verunglückte wurde mit dem Auto von Hattorf nach dem Land­krankenhaus Hersfeld gebracht.

Au§ Gberhessen u. den Hess. Aemtern.

* Frankenberg, 6. März 1912. Wegen der vom Herrn Minister auf den 21. März angesetzten Wahl- männerwahlen zur Landtagswahl ist das M u st e - rungsgeschäft verlegt worden. Es findet am 18., 19. und 20 März, also drei Tage früher, statt. — In Schreufa ertrank der Landwirt Joh. Friedr. Werner. Er schnitt am Ufer der Ruhne Weiden und ist hierbei wahrscheinlich ausgeglitten nnd in den angeschwollenen Bach gestürzt.

* Gemünden a. d. Wohra, 6. Mär; 1912. Auf der Straße von Lehnhausen hierher stieß der Wagen eines Butterhändlers aus Densberg mit einem schwer mit Steinen beladenen Wagen zusammen. Der Wagen des Butterhändlers stürzte um und ging in Trümmer. Ein großer Teil der Eier wurde dabei zerbrochen. Der Butterhändler selbst kam unter den Wagen zu liegen und erlitt Rippen- quetschtmgen. — Die Verkoppelung hat nun offiziell ihren Anfang genommen. Bei der großen Ausdehnung der Feldflur rechnet man auf eine Zeit von 5—6 Jahren, bis die einzelnen Pläne ferüg- gestellt sein können.

[:] Arnstadt, 5. März 1912. Wie erinnerlich, war vor beinahe Jahresfrist vem hiesigen Kaufmann Gremminger auf Anzeige eines Konkurrenten hin fast ein ganzer Waggon Seife wegen angeblicher Minderwertigkeit poltzeikich beschlagnahmt worden. Gremminger verkaufte dazumal den Zentner Seife mit 18 Mark, während die anderen Kaufleute höhere Preise forderten. Nach Entscheid des Staatsanwalts ist jetzt die Seife freigegeben und wird im Zentner mit 16 Mark verkauft. Außerdem soll gegen die Urheber bec Anzeige ein Prozeß auf Schaden­ersatz anhängig gemacht werden. — Sonntag abend wurde tm hiesigen kath. Arbeiterverein em Vortrag üter Ludwig Windthorsi gehalten.

* Homberg, 6 März 1912. Infolge der großen Hitze und Trockenheit des vortgea Sommers sind setzt bei beginnender Frühjahrsvegetation ganze F i ch -

ten- und Kiefernbestände eingegan- g e n und müssen abgeholzt werden. Besonders sind diejenigen auf Basaltboden in Mitleidenschaft gezo­gen, während sandiger Lehmboden günstiger zu sein scheint.

(:) Amöneburg, 5. März 1912. Auch der Ge- markung Amöneburg blüht die Separierung. Mit dem zur grundlegenden Vorbesprechung aus Freitag dieser Woche angesetzlen Termin nimmt sie ihren Anfang. Wenn der wirtschaftliche Wert der Zu- sauimcnlegung im allgemeinen anerkannt werden muß, kann man über den Grad ihrer Zweckmäßig­keit für Amöneburg unter den gegebenen Terrain- verhältiiiffeu abweichender Ansicht sein. Uebrigens weiden bei den hier sich bietenden Schwierigleiten die U"ko'ten sich ent'nreii enb steinern.

* Fritzlar, 4. März 1912. Mit dem 1. April d. Js. tritt der Stationsausseher Schumann von hier in den Ruhestand. Sein Nachfolger ist der Oberbahnassistent Pelz ans Eichenberg.

vermischtes.

* Die Austrägerinnen des „Vorwärts" fangen an rebellisch zu werden. Sie wollen nämlich für ihre Arbeit von dem Blatte mit den Riesenüber- schufsen mehr Geld haben. Der Vorwärts, das so­zialistische Hauptorgan, das der Ansicht ist, daß es setzt schon sehr gut zahle, ist von dieser Lohnfor­derung stark verschnupft. Bei den Grundsätzen, die die Äztaldemokratie anderen Betrieben gegenüber anwendet, müßte der „Vorwärts" gezwungen wer­den, aus seiner Riesenüberschüssen mit den Arbei­tern zu teilen; merkwürdigerweise scheint die Ge­nossenschaft, die jetzt dir Bergarbeiter zum Streik hetzt, darüber ganz anders zu denken. Denn den .Zeitungsfrauen hat man kühl bedeutet, sie verdienten schon genug. Wie aber denken die Arbeiter von ihrem ,Klaffenstandpunkt" Darüber? Die denken gar nicht daran, d'e Forderung der Zeitungsfrauen zu unterstützen, trotzdem Redakteure und Expedien­ten Gehaltserhöhungen erhielten! In einer Ver- santmlung des Wahlvereins für Teltow-Beeskow int Charlottenburger Volkshause haben die Genossen auf die „gute Bezahlung" der Frauen hingewiesen und sich jeder Empfehlung dec Forderung enthalten, vielmehr die Preßkommission aufgefordert, angesichts der guten Bezahlung „zu prüfen", ob eine Lohner­höhung „noch begründet" sei. — Tas ist ganz nach dem bekannten „Blutsauger"- u. Menschenschinders- Muster des „verfaulenden Kapitalismus". Aber freilich: Wenn zwei dasselbe tun. ist es offenbar auch im Zukunftsstaate nicht dasselbe.

* Bei einer Bootsfahrt auf dem Mainflrtfse wurde ein Boot, in dem sich vier Mitglieder des Theaters von Angers befanden, von der Strömung ergriffen. Alle vier ertranken.

* Zwanzig Balalaiken, zitherartige russische Nationalinstrumente, hat der Kronprinz dem Trompeterkorps des Leibhusarenregiments in Lang­fuhr zunt Geschenk gemacht. Für den Unterricht wurde ein russischer Musiker gewonnen.

* Ein einzigartiges Stellengesuch. Ein ungewöhn- licher Anblick bot sich dieser Tage den Passanten in der Nähe der Liverpool Street, einer der bekanntesten Haupt-Geschäftsstraßen von London. Man sah einen sehr anständig gekleideten jungen Mann langsam sei­nes Weges gehen mit einem auf dem Rücken befestig­ten Schilde, das folgende Aufschrift trug: „Ein mit allen Comptoirarbeiten gut vertrauter Commis wünscht Anstellung. Man wende sich an ihn selbst hier!"

* Roosevelt als Geschworener. Roosevelt ist am Sonntag von Llyster Bay nach Minneola abgereist, um dort als Geschworener tätig zu sein, wofür er eine tägliche Entschädigung von 8 Mk. erhält. Als er von einem Freunde d arauf aufmerksam gemacht wurde, daß er als ehemaliger Freiwilliger im Spanisch- Amerikanischen Kriege sich dieser Pflicht entziehen könnte, äußerte er, daß er von diesem Vorrecht keinen Gebrauch macheir wolle. „Wir sollten uns freuen, wenn wir unsere Pflichten als Bürger erfüllen," setzte er hinzu.

— Zm Zorn. Junge Fran: „DaS lasse ich mir nicht bieten — ich gehe heim zu meiner Mutter nach Luzern — werde du ohne mich fertig — Er (in aller Ruhe): „Hier hast du fünfzig Mark für die Reise." — Sie: „Ja, das reicht aber nicht, das Retourbillet kostet achtzig!"

Sie sinkt neben ihr in die Knie. Krampfhaft aufschluchzend birgt sic den Kopf in deren Schoß.

Sanft und zärtlich, wie einem kleinen Kinde, streichelt die weiße Frauenhand das gesenkte blonde Köpfchen. Doch gewahrt Erik, wie die feinen Lippen der Dame leise beben.

Tief ergriffen verläßt er feinen Platz neben den beiden Frauen und versucht, eine Unterhaltung mit Madame Worse, der alten Verwandten, anzuknü­pfen, die durch den seltsamen Zivischenfall nicht im geringsten berührt zu fein scheint. Gleichmütig und mit ihrem gewohnten banalen Lächeln geht sie auf Eriks Gespräch ein, als höre sie gar nicht das herz­fassende Schluchzen und die sanft beruhigenden Worte dort vom Sofa her.

Schon nach wenigen Minuten hat Ingeborg sich beruhigt. Die Hand ihrer Nichte fest in der ihren haltend, nähert sich Sigrid Arnoldsen dem jungen Manne.

„Meine kleine Ingeborg ist sehr nervös. Ver­zeihen Sie die unwillkornnrene Störung, Herr Niels!" '

Doch die frühere harmlose Fröhlichkeit will nicht wiedcrkehren.

Ingeborg verhält sich schweigsam; augenscheinlich leidet sie noch unter der Nachwirkung jenes Anfalls, und Erik süblt sich unbehaglich, wie unter dem Druck von etwas Uebernatürlichem, Rätselhaftem.

4.

Am nächsten Morgen erwacht Erik spät. Er hat in der Nacht unruhig geschlafen. Die Ereignisse des letzten Abends wirkten zu mächtig aus ihn ein.

Rasch kleidet er sich an und öffnet das. Fenster.

Welch anderes Bild als gestern abend!

Majestätisch breitet sich vor ihm ein schier end­loses Felsenmeer aüs, von zahllosen Gießbächen durchzogen. In weiter Ferne himmelausragende Gletscher, deren Schneegipfel im Morgensonnenglauz erglühen.

Doch was ist das? ...

An der einen Seite des Gebäudes erhebt sich ein Glashaus, nach Art der Treibhäuser — nur rie­

sengroß und kuppelartig geformt. Und inmitten die­ses Glaspalastes schlanke Palmen und breitgeäftete Mangobäume, in deren Zweigen sich bunte Papa­geien und zierliche Kolibris wiegen. Und darunter ein buntfai bener Blumenrausch von Magnolien und Orchideen und Tuberosen und Gloxinien. Tas Ganze ein seltsam exotischer Märchentramn, der in­mitten dieser majestätischen nordischen Einsamkeit Erik anmutet wie eine Rose von Schiras im Mor­genlande.

Etwas beschämt, aleich den ersten Morgen, ver­schlafen zu haben, eilt Erik hinab ins Frühstücks-' zimmer.

Die drei Tarnen sind bereits anwesend. Einer Entschuldigung von feiten des jungen Mannes kommt Sigrid Arnoldsen zuvor.

„Bei uns steht jeder auf, wann er will!" ruft sie jovial, indem sie ihm entgegengeht und ihm die Hand reicht. „Madame Worse kommt manchmal erst um elf Uhr zum Vorschein. Nicht wahr, liebe Tante?"

Die alte Dame nickt, und man setzt sich zum Frühstück.

Ingeborg sieht heute frisch und blühend aus; keine Spur mehr von der gestrigen Nervosität. Sie spricht viel unb lebhaft und orückt den Wunsch aus, gleich mit der Zeichenstunde zu beginnen.

„Mein liebes Kind —" erwidert ih« Taute freundlich, aber bestimmt — „Herr Niels ist noch ein paar Tage lang unser Gast. Erst soll er sehen, ob es ihm hier in unserer Einsamkeit gefällt."

Erik will etwas entgegnen; jedoch ein halb bitten­der, halb befehlender Blick aus den dunklen Frauen­augen läßt ihn verstummen.

„Ich werde Sie bitten, mich gleich nach dem Frühstück hinunter nach der Arendal-Nuine zu be­gleiten, Herr Niels. Der Weg ist sehr schön."

Zustimmend verbeugt sich Erik. Er ahnt, daß diesem Spaziergang eine bestimmte Absicht zugrunde he9e(i)n)cigenb schreiten beide ei*»- Stunde später

Literarisches.

Die moderne Fischküche für Privathaushalt und Ne« staurationen. 160 neue Rezepte für den einfachen nnd feinen Tisch, herausgegeben von Elfriede Beetz. Preis 1 Mk., Po Ao 10 Pf. Verlagsanstatt Emil Abigt, Wiesbaden.

Dieses Spezialkochbuch entspricht einem Bedürfnis. Es ist Tatsache, daß die richtige Zubereitung der Fische nicht genügend bekannt ist und dieser Umstand hat bis­her die weitere Einführung der Fischnahrung erschwert. Das vorliegende Buch schafft Abhilfe, ist praktisch, reich­haltig und billig, sodaß es sich als ein gutes Hilfs­mittel rasche Verbreitung schaffen dürfte.

Die Heilige Schrift des Neue» Testamentes, übersetzt und erklärt von Prof. Dr. Friedrich Maier (Straß­burg), Prof. Dr. Max Meinertz (Münster i. W.), Prof. Dr. Ignaz Rohr (Straßburg), Prof. Dr. Joseph Sickenberger (Breslau), Prof. Dr. Alfons Steinmann (Braunsberg), Dr. Fritz Tillmann (Bonn), Dr. Wilhelm Vrede (Münster) — her­ausgegeben von Dr. Fritz Tillmann — be­nennt sich die erste Lieferung eines monumentalen Werkes, das in dem bekannten Verlage von Her­mann Walther in Berlin erscheint.

Das Werk, welches auf 3 Bände zu ea. 2000 Seiten berechnet ist nnd in 20 Lieferungen erscheinen wird, soll die unerschöpflichen Schätze des neutestamentlichen Schrifttums weiteren Kreisen erschließen. Das leben­spendende Gotteswort soll noch mehr, als es vielfach geschah und geschieht, aus der Quelle selbst geschöpft werden, damit es seine unversiegliche Kraft auch in unserer Zeit erweisen kann. Der reiche Ertrag der gelehrten Arbeit der letzten Jahrzehnte, die immer zahl­reicher werdenden Angriffe auf Gottes Wort und Schrift verlangen gebieterisch eine Darbietung des Neuen Testamentes, welche dem Fortschritt der Wissen­schaft, wie den Bedürfnissen der Gegenwart entspricht. — Das ist ein sehr ernstes und dankbares Beginnen, das wahrhaft die weiteste Unterstützung verdient. Kar­dinal Kopp hat ein von höchstem Wohlwollen getrage­nes Geleitwort dein Werke vorangeseht. Für jeden Katholiken, ob Geistlicher oder Laie, der in dem heu­tigen Streite der liberalen Theologie um die Echtheit der heiligen Schriften und um die Gottheit Jesu Christi gediegenes wissenschaftliches Rüstzeug zur Hand haben will, wird dieses Werk unentbehrlich sein. Die einzel­nen vornehin ausgestatteten Lieferungen zu je 80 oder mehr Seiten, kosten den wirklich billigen Preis von 1,20 Mk. Die erste Lieferung erscheint in 6 Bogen. Probeexemplare dieser Lieferung sind in allen Buch­handlungen erhältlich.

Handel nnd Industrie.

* Berlin, 6. März 1912. Die heutige Börse zeigte wieder eine gefestigte Stimmung. Montan- werte verzeichneten Kurssteigerlmgen bis 2lit Proz. Auch der Bankeumarkt lag bedeutend günstiger. Schiffahrtsaktien wenig verändert. Elektrizitalsmerte günstig.

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Neues probieren hritzt oft, I Zeit verlieren. T

Seit bald 40 Jahren hat sich Scotts Emulsion als ein zuverlässiges Kräftigungs­mittel für groß und klein bewährt. Daß sie gut ist, steht fest, und weil sie gut ist, wird p sie nachgemacht. Man hüte sich

Äff vor diesen Nachahmungen, die /fÖO'’ meist nicht leisten, was sie ver- 11 WtT sprechen, die nicht ans 35 ki-

'/solgreiche Jahre zurückblick. >t || können wie Scotts (Lni’üc;!.

... ®er sich eine Nachahmimq an'- ! l’utT 60?$ VNr D. v'ey I / ' - ’ \

- be?n Eiw.ntir- NveN '(V !, VCUtCtl UUl 0.> ,

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ZUM M Tkoils W«W, | _____-----------------------■ —-■> -".—.Kay.—jyy ,.

an den öden Felswänden entlang, dein Meere zu. Augenscheinlich bedrückt irgend etwas Sigrid Ar- noldsens Gemüt, unb Erik ist zu zartfühlend, um sie in ihrer Einsilbigkeit zu stören.

„Herr Niels —" sagt sie plötzlich, ihn voll ar.= blickend — „Sie schienen sich vorhin zu wundern, als ich sagte, ich betrachtete Sic noch ein paar Tdge­lang als meinen Gast."

„In der Tat —"

„Ich meine nämlich," fahrt sie lebhafter fort, „wenn eii paar Menschen monatelang auf ein- und derselben Scholle zusammen leben sollen — ohne irgend welche Abwechselung oder Anregung von außen her — so müssen sic einander vorher genau kennen und vor allem miteinander sympathisieren. Habe ich recht?"

Wieder verbeugt er sich schweigend. Immer mehr empfindet er die geistige Ueberlcgenheit dieser Frau. Aber merkwürdig — sie drückt ihn nicht: ja, er beginnt schon, sich dabei so wohl zu fühlen, wie augenscheinlich die übrigen Bett ohner von Schloß Sandsgaard.

„Was mich betrifft, so setze ich absolut keinen Zweifel weder in Ihre Befähigung als Zeichen­lehrer, noch in Ihren Charakter," fährt Sigrid Ar­noldsen abermals fort. „Konsul Dalands Ernpfh- lung bürgt mir dafür . . . Außerdem —" ein war­mer Blick aus den dunklen ernsten Augen trifft Erik — „traue ich n tr auch ein wenig Menschen­kenntnis zu."

Erik errötet wie ein Schuljunge. Roch nie vor­her hat ihn ein Lob so stolz gemacht.

Sigrid Arnoldsen zögert ein wenig, als falle ihr das, was sie zu sagen für nötig halt, schwer. Dann fragt sie leise, wie widerstrebend:

„Was sagen Sie zu meiner Nichte? Wofür hal­ten Sie ihren gestrigen nervösen Ansall?"

„Ich — ich weiß nicht recht —" murmelt er betroffen.

„Sie müssen doch darüber nachgedacht haben!" (Fortsetzung folgt.)