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ultzaer

Fulda, Mittwoch bett 6. März 1912.

39. Jahrgang.

Erstes Blatt

M 54.

erfolgreiche Bekämpfung dieses Feindes unseres Viehbestandes in Aussicht stellen. Die Debatte

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Ein- dcmn

Es

des Herrn Wermuth auszukprechen.

s Die Budgetkommission des Reichstages beschäf­tigte sich gestern mit der Maul- und Klauen­seuche, deren Bekämpfung den Etat des Reichs­amts des Innern mit 25000 Mk. belastet. Es wurde in der Debatte gefordert, möglichst alle wis­senschaftlichen Richwngen heranzuziehen, die eine

gen, haben am Sonntag die Ersatzwahlen zur 2. Kammer für die durch das Kolmarer Oberlan- deSgericht ungiltia erklärten Mandate stattgefunden. Sin Sa araemund tourt» finw» (Btr1 wy H3R4

wschenbeilage: „illustrierte Zonntagrzeitung"

Anrnahm« »er Hai-jtitttest. Viertel' jLdrtiche,v«M«'pre!5 »h«r rrinaertohs «d vestrlgel» rn K«ida s»> wttaM#»8rt$150«?t.

Verantw-Sedakteurr «arkkchuitrr

Deutsches Reich.

r Berlin, 5. März 1912. Der Kaiser besich­tigte in Wilhelmshaven verschiedene Werkstätten. Der Grobherzog von Oldenburg ist in Wilhelms­haven ring»troffen. — Die Finanzminister der deutschen Bundesstaaten treffen am Samstag in Berlin ein, um über die Finanzlage des Reiches zu beraten und sich über das finanzpolitische Programm

schiedsgerichtlich zu vermitteln, a b a e

des gesamten Erziehungswesens bilden,

gehend bespricht der Ministerpräsident die Stellung Bayerns zum Reiche.

Lokales.

Fulda, den 6. März 1912,

♦ Bezüglich der Erstkommunionfeier in der Stadt- Pfarrei geht uns voin Psarramte folgende Mil« teilung zu:

„Als vor Jahresfrist nach Weisung des hl. BalerS, die Kinder recht früh zum Tische des Herrn zu sichren, von der Bischöflichen Behörde die Verordnung erging, daß tn diesem Jahre zwei Jahrgänge von Schulkindern zur ersten hl. Kommunion gehen sollen, drängte sich vielerorts die Frage aus: Wird man die Feier der ersten hl. Kommunion in der althergebrachten Weise berbehatlen können, wird man insbesondere für alle Erftkommunikanten, Kerzenträger und Angehörige in allen Pfarrkirchen Platz schaffen können? Die Bischöf­liche Behörde suchte, wie erinnerlich, dieser Schwierig­keit zu begegnen, indem sie den Herrn Pfarrern an- heimstellte, für einen Teil der Erstkommunikante» event. auch einen anderen passenden Tag zur Erstkom- »innionfeier zu wählen, doch war es der stete Wunsch des verstorbenen Herrn Stadlpfarrers, alle Erstkom- mnnikankrn seiner Pfarrei mn Weißrnsonntag zum Tische des Herrn zu führen. Run entstand aber die schwierige Frage: Wie ist tS möglich, für alle Erst« kommunikanten, Kerzenträzer und Angehörige bei dem beschränkten Raum genügend Platz zu schaffen? Es blieb die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten: Entweder müssen die Kerzeuträger in diesem Jahre einmal weg- sallen oder drr Angehörigen zum großen Teil aus die Teilnahme an der kirchlichen Feier verzichten. Man " glaubte dem religiösen Enipfindeu aller Eltern am ehesten zu entsprechen, wenn man ihnen in erster Linie ermöz- sichle, den schönsten Tag in den, Leben ihres Kindes auch in der Kirche mitfeiern zu können. Doch scheint sich diese Ansicht als irrig erwiesen zu haben. Die Eltern von vielen Erstkomiiiunikanlen äußerlen schriftlich oder mündlich den Wunsch, vor allem an der Mlehrivürdigen Sitte der Kerzeuträger sestzuhalten. Tie Frage führte sogar zu unlirbtamen Preßerörlerungen, in denen einer­seits von einem „geborenen Fuld -er" die Beibehaltung der Kerzeuträger dringend gewünscht und dem Pfarramt Mangel an gutem Willen vorgeworfen wurde, wählend eine andere Preßftimme von den Fuldaer Bürgern ver­langte, sich an die Neuerung zu gewöhnen und auf die alle kirchliche Sitte in Fulda zu verzichten. Das Pfarr­amt legt Wert darauf, zu erklären, daß es diesen Zeitungsartikeln völlig fern stehl und drr derz ilige Marrverwefer sich nicht für berufen fühlt, den Ange­hörigen der Psarrgemcinde alte liedgewordene Gewohnheiten zu nehmen und für alle Zukunft die Erstkommvuionfeier ohne Kerzeuträger fest« zulegen. Um aber nun aller Beunruhigung in vielen Familien zu steuern und jede Mißstimmung am schönen Weißensonntag zu beseitigen, wird nach Rücklprc.che mit zuständigen Persönlichkeiten endgiltig bestimmt, baß die Erstkommunionseier auch in diesem Jahre in der althergebrachten Weise begangen und die Kerzcnlräger trotz deS beschränkten Raumes beibehaltcn werden sollen. Ielbstverständiich muffen sich nun auch die E'tern und Angehörigen damit zufrieden geben, wenn ihnen nur in beschranktem Maße die Teilnahme an der kirchlichen Erstkommunionseier ermöglicht werden kann. Wir hoffen und wünschen, daß damit die unliebsame Frage ein für allemal aus der Welt geschaffen ist und ir r alle mit ungetrübter Freude dem schönen Kinder- und Hellandsfefte entgegenfehen werde».

B Gesellenprüfung für die Schneiderlehr- linge findet am 22. April d. I. in Fulda statt. Die hierzu notwendigen Papiere sind spätestens dir zum 1. April er. an den Vorfitzenden der Prüfungs- koin Mission Schneidermeister Herrn Georg Bolender, Fulda, einzureichen.

inj „Vorsorge verhütet Nachsorge." Eino eigen­tümliche Eriche nung dlingt das Jahr 1913: eine sehr frühe Fastnacht und also eine nur sehr kurze Karnevalzeit. Der Faslnachtsonntag fällt auf den 2. Februar, den Maria Licktmeßtag, den frühesten überhaupt möglichen Termin, und Ascheruiittwoch auf den 5. Februar. Die Fastnacht svergn ügungc n werden sich also auf die drei Fastnachtstage zu­sammendrängen. Von diesem Gesichtspunkte aus­gehend, haben mehrere hiesigen Vereine sich beeilt, fich für die nächstjährigen Fastuachlstage den Stadtsaal zu sichern. Der Stadtfaat ist für die Fastnachtslage 1913 bereits vergeben.

— Die Zigeunerjagd

wurde heute nacht plötzlich auf einen neuen Schau- ilatz verlegt. Von Hattenhof aus wurde dem Land- mtsamte mitgeteilt, ein Mann sei in später Abend- tunde auf dem Wege nach Büchenberg bon einem Zigeuner angefallen worden. Der Zigeu- ner habe gerufen: Geld oder Leben. Auch ein Bauer in Hattenhof wollte den Zigeuner, begleitet von einem weißen Hündchen, gesehen haben. Von Fulda wurden sofort Gendarmerie, 30 Mann vom Artillerieregiment und Kriminalschutzleute nach Hat- tenhnf beordert hie um 2 Uhr un/fitÄ dort eintrnfeu.

Ausland.

Das österreichische Abgeordnetenhaus ist nach fweimonatiger Pause am Dienstag wieder zusam­mengetreten. Auf der Tagesordnung stand u. a. die erste Lesung des Wehrgesetzes.

Frankreich. Präsident FalliereS hat einen Gesetz­entwurf unttrzeichnet, durch den das Milrtär- fugroefen organisiert, einFliegerregtment geschaffen und entsprechende Kredit« in Höhe von 16 sm.(linnen oefnrhert tnethen

ständige Chauffeure überfielen Montag abend meh­rere Arbeitswillige bei ihrer Rückfahrt und zer­schnitten die Luftreifen der Automobile. Bei dem hierdurch verursachten Handgemenge sielen mehrere Revolverschüsse; doch wurde niemand verletzt.

führte zur Annahme einer Zentrumsresolution, die den Reichskanzler ersucht, in einem Ergänzungsetat größere Mittel zur Erforschung der Maul- und Klauenseuche zur Verfügung zu stellen. Als Bei­trag zu den Unterhaltungskosten einer Anstalt für die Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit sind 60 000 angesetzt. Bon sozialdemokratischer Seite wurde bemängelt, daß die Anstalt zu wenig leiste. Der Staatssekretär gab darüber Auskunft und be­tonte, man könne nicht sagen, daß die Anstalt nichts geleistet habe. Die Fürsorge sür Säuglinge sei in erster Linie Sache der Kommunen. Gute Wasfer- versorgung der Städte und entsprechende Wohnungs- rcform wirkten der Sterblichkeit entgegen. Die Summe wurde genehmigt.

paritätisches Ministerium sein und sind nicht gewillt, „der ultramontanen Herrschsucht, wie der Pretzausdruck lautet, die Zügel schießen zu lassen'. Die Verfassung schütze die Empfindungen und Rechte der protestantischen Bevölkerung. Obwohl er nie ein Hehl daraus gemacht habe, daß er ein treuer Sohn der katholischen Kirche sei, achte er doch jede fremde Ueber- zeugung. Das sei ja auch bei den Verhältnissen Deutsch­lands politische Notwendigkeit. Dem Reichskanzler habe er gesagt, er würde den Tag segnen, wenn die konfeffio- nellen Zwistigkeiten aus der Diskussion verschwanden. Man möge sich die Hand zu gemeinsamer Arbeit rei­chen. Hinsichtlich der Wirtschaftspolitik haben wir daS Bestreben, die bayerische Landwirtschaft, die Industrie, daS Handwerk und den Mittel­stand zu fördern. Er schloß: Wir find gewillt, im Frieden mit dem Landtag zu arbeiten, nur da, wo wir Erschütterungen der Staatsordnung befürchten, werden wir die schärfsten Abwehrmaßregeln ergreifen.'

Die Abgg. Casselmann (ntlb.) und Volk­mar (Soz.) gaben im Namen ihrer Fraktionen die Erklärung ab, daß fie nicht jetzt, aber in der kom­menden Woche bei Beratung des Etats deS Ministeriums bei Aeußeren cusührlich aus die Rede zurückkommen wollten.

Stimmen wiedergewählt. Hüber (Lothringer Block) erhielt 751, Weidner (liberal) 462, Mischkowitz (Soz.) 1329 Stimmen. Das ist ein glänzender Sieg der Zentrumssache und zugleich eine schallende Ohrfeige für alle jene, die aus der äußerst merkwürdigen Stellungnahme des Oberlandesgerichts zu den „geistlichen Wahlbeeinflussuugen" für die „antikle­rikale" Sache Kapital schlagen zu können glaubten; nun können die Gegner des Zentrums all ihre Zu­kunftsträume in dieser Beziehung aufgeben. — Im Wahlkreis Hueningen-Sierenz erhielten Brom (Ztr.) 2259, Coffe (lib.) 504, Wicky (Soz.) 1407 Stimmen. Das ist ebenfalls ein fehr bemer­kenswerter Erfolg, denn bei den Hauptwahlen im Monat Oktober hat Dr. Brom das Mandat erst im zweiten Wahlgang.erobert. Im Wahlkreis Habs- Heim- Landser brachte der erste Wahlgang noch nicht die Entscheidung, doch sind für die Nachwahl die Aussichten des Zentrumskandidaten mindestens nicht schlechter, als sie im Oktober waren. Im Wahlkreise Sulz und W -Wörth erhielten Alfred Wolf (lib.) 2597, Kiener (unabh.) 2593, Lobstein (Bd. d. Landw.) 185 Stimmen. Es findet auch hier Nachwahl statt. In der Nachwahl im Oktober ist Wolf mit nur 14 Stimmen Mehrheit gewählt worden. Dieses Mal sind seine Aussichten noch ge­ringer.

Das Programm des Frhrn. v. Hertling.

d" München, 5. März 1912. In der Kammer der Abgeordneten entwickelte heute der Ministerprä­sident F r h r. v. Hertling vor vollbesetztem Haus und überfüllten Tribünen in einstündiger Rede das Programm deS neuen Ministeriums. Er führte u. a. aus:

„Ich bin ein n e u e r Man n, aber kein unbeschrie- benes Blatt. Dafür stehe ich zu lange int öffentlichen Leben. In meiner politischen Tätigkeit habe ich mich auch schriftstellerisch betätigt und mein Standpunkt ist daher zur Genüge bekannt. Ich hätte mir also eine sehr lange Rede ersparen können, wenn nicht in der letzten Zeit so viele Märchen aufgetaucht seien, die ich widerlegen mutz. Unerwartet bin ich durch das Vertrauen des Prinzregenien an diese Stelle berufen worden. Die Minister sind Männer des Vertrauens der Krone, sie sind nicht Vertreter der parlamentari­schen Mehrheit, sondern der Vertreter des Herrscher- Willens. Die Berufung der Minister steht allein der Krone zu. Die in letzter Zeit vielfach aufgetauchtcn Märchen von den unverantwortlichen Ratgebern der Krone zeugen von einem völligen Mangel an tatsäch- lichen Kenntnissen und gehören inS Reich der Fabel. Auch die Behauptung, wir seien ein parlamentarisches Ministerium sind unhaltbar. Unrichtig ist cs, daß meine Berufung den Uebergang zum parlamentarischen System bedeute. Davon kann keine Rede sein. Wir sind nicht ein parlamentarisches, sondern ein konstitu­tionelles Ministerium. Wir sind nicht ein Ministerium einer parlamentarischen Mehrheit, sondern ein Mi­nisterium des Herrscherwillens. Als mich der Ruf des Prinzregenten ereilte, war ich Mitglied der Zen. trum spartet. Ich habe jetzt aufgehört, dort Mit­glied zu sein. (Zuruf Vollmars: Das ist aber schnell gegangen!) Sie würden es gerade so machen. (Hei- terkeit.) Ich spreche die Hoffnung aus, daß den bür­gerlichen Parteien, wenn sie zu gemeinsamer positiver Arbeit gewillt sind, auch das neue Ministerium unter­stützen werden. Wir leben in ungewöhnlich erregten Zeiten. Unter den geistigen Strömungen ist am mäch­tigsten diereligiöseFrage. Lassen Sie mich hier die Ueberzeugung aussprechen, die sich mir in einer langen, berufsmäßigen Beschäftigung und den höchsten Fragen zugetvendeten Leben hcrcrusgebildet und bekräf­tigt hat. Wie es ewig giltige Wahrheiten gibt, so gibt cs auch ewig giltige Werte. (Lebhafter Beifall rechts.) Und zu diesen ewigen Werten gehört daS Christen- tunt, die christliche Religion. (Bravo! im Zentrum.) Zu dieser christlichen Religion bekennt sich die weit überwiegende Mehrheit unseres bayerischen Volkes. Diese christliche Religion soll geschützt, soll erhal­ten werden, und sie soll nach wie vor die Grundlage

sei in dieser Beziehung keine Aenderung gegenüber dem Standpunkt seines Vorgängers PodewilS eingetre- ten. Bayern trete jederzeit für die Größe und Macht­stellung des Reiches ein. Eine Grenze bestehe aber. Die Finanzhoheit der Einzelstaaten dürfe nicht angegriffen werden. Die Besteuerung im Reiche dürfe die Besteuerung der Bundesstaaten nicht Beeilt« fluffeit Die Finanzhoheit müsse ungehindert gewahrt bleiben. Auch könnten die Einzelstaaten ihre Kultur­aufgaben, eine ihrer vornehmsten Pflichten, nicht er- füllen. Wir wollen kein „ultramontanes", sondern ein

** Den katholischen Schulen Englands ist ein tat­kräftiger Förderer tn dem katholischen Herzog von Norfolk erstanden. Der Herzog, ein großer Kunstfreund, hat feine schöne Sammlung von Hol« betngemälben, die aus der Zeit von 1497—1543 stammen, um die Summe von 7 1/i Miltionen Franken verlauft und den Erlös zur Unterstützung der katholischen Schulen gestistet.

♦♦ Exemplarische Bestrafung der Suffragette« In London wurden gestern zwei Anhängerinnen des FranensilmnlrechtS wegen der letzten Ausschreitun­gen zu zwei Monaten Zwangsarbeit verurteilt, was unter dem anwesenden Publikum lebhafte Befriedigung hervorrief. Bisher wurde nur auf einfache Gefängnisstrafe erkannt. Man befürch­tet ernstlich, daß die wildgewordenen Suffragettes, trotzdem das Britische Museum ihretwegen geschloffen worden ist, in das Museum eindringen könnten, mn wertvolle Kunstwerte zu zerstören, da sie selbst an­kündigen, daß sie etwas Außerordentliches Plauen, um gewaltsam die Aufmerksamkeit auf ihre Forde­rungen zu lenken. Bemerkenswert ist, daß das Publikum immer noch eine feindliche Hal­tung gegenüber den Suffragettes einnimmt. Ge­gen abend schlug eine Anzahl junger Leute, anschei­nend Mediziner, unter dem Beifall des Publikums die Fenster von zwei Lokalen der Frauenstimmrecht- lerinnen ein.

W London, 5. März 1912. In de» ärmeren Stadtteilen von London beginnen die Lebens­mittelpreise zu steigen; man erwartet ein baldiges allgemeines Steigen der Brotpreise. Der Eisenbahnverkehr wurde beträchtlich eingeschränkt. Die Nord-Eastern-Bahngesellschaft allein ließ gestern 630 Züge weniger laufen als fonst. Die Familien der Feiernden mit einbegriffen, sind jetzt durch den Streik bereits über 5 Millionen Personen direkt in Mitleidenschaft gezogen.

* London, 5. März 1912. Die Transportarbei- jet Jjaben ein Ultimatum angenommen, worin sie erklären, daß fie in den Ausstand treten, sobald die Regierung Truppen nach dem Ausstandgebiet ent­sendet. Man befürchtet für nächsten Sonntag Un- Plhen tn Liverpool. In London ist der Preis für gewöhnliche Hausbrandkohle auf 40 Mk. für die Tonne gestiegen. Die Bevölkerung stapelt große Vorräte von Lebensmitteln aller Art auf.

< * Zum Streik der Pariser Chauffeure. Dis Kraftdroschkemjesellschaften in Paris haben das An- erbieten der Regierung, in dem nun schon seit drei Monaten dauernden Ausstand der

a. Die Budgktlvmmiffion pes Abgeordnetenhauses beschäftigte sich am D>ens!«g mit dem Anträge Hennigs über die Ein schütz u u gs ksmmi ss ar e. Der Antrag verlangt, daß nur dort anstelle des Landrats besondere Beamte zu Vorsitzenden der Einkommensteuer-Veranlagungskommrssion gewählt werden, wo di« Einschätzungsverhältnisse besonders schwierig sind. Der Minister teilte mit, daß ins­gesamt nur 10 Kreise in Betracht kämen. Damit erklärten die Antragsteller den Antrag sür erledigt.

s. Die WahlprirsnugSkonmiijfion des Reichstages begann gestern mit der Prüfung der Wahl deS Adg. Beckcr (wild) Bingen-Alzey, der mit zwei Stimmen ül er den fortschrittlichen Gegeuka didatcn Pfarrer Korell siegte. DaS bisherige Ergebnis der Beratungen, die am Mittwoch fortgesetzt werden, ist,»daß dem amtlichen Wahlergebnis 4 Stimmen sür den Abg. Beckcr und 8 Stimmen für Korell zuzuzählen find, lieber 2 weitere Stimmen steht der Beichluß noch ans. Mit diesen Beschlüssen sind die zu dieser Wahl cingegaugenen Proteste jedoch nur zum Teil erledi't.

0 Znr 2. Lesung deS Etats des Juuern hat die Zentrumsfraktion des Reichstags außer den drei bereits mitgeteilten Resolutionen noch einige wei­tere eingebracht, gegen die Zigeunerplage, gegen Auswüchse des Hausierhandels, betr. Feier­tagsruhe in den Metall-, Hütten- und Walzwerken und Ausstellung einer Statistik der inländischen Er­werbsgruppen behufs Vorbereitung der künftigen .Handelsverträge. Die Resolutionen entsprechen den stich« mitgeteilten Anträgen.

+ Di« Wehrvorlage« haben am Montag das preußische Staatsmini st erium beschäftigt. Tatsache ist aber, daß die Vorlagen auch bereits den einzelnen Mtgliedern des B u n d e s r a t § zuge­gangen find.

** Der Abg Hoffmann (Soz.) hatte gegen einen in der Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses vom 1. März ihm erteilten Ordnungsruf Be­schwerde erhoben. Im Abgeordnetenhaus? wartete man gestern vergeben- auf die Abstimmung über diese Beschwerde. Die Einreichung des Protestes war nach § 64 Abs. 4 der Geschäftsordnung zu spät erfolgt. Rach diesem Paragraphen muß der Protest innerhalb 24 Stunden beim Bureau des Abgeordnetenhauses eingegangen sein. Diese Frist ist nicht innegehalten worden, deshalb wurde die Beschwerde einfach mit Stillschweigen übergangen.

--- Verlegung der Austlirnngsfloile von Kiel nach der Nordsee. Dte Marmeverwaltung sog, wie die ,Tägl. Rundschau' erfahren haben will, beabsichtig: n, die au8 vier großen und sechs kleinen Kreuzern be­stehende Ausklörungsflotle von Kiel nach Wil­helmshaven zu verlegen und dauernd in der Nordsee zu stationiercu. Die vier großen Kreuzer sind „Roon", Wtoltfe', „von der Tann" und „Jork'. Wir müssen dem genannten Blatt die Verantwor­tung für die Richtigkeit dieser Mitteilung über­lassen. Der Grund sür die Verlegung soll sein, daß der Ausbau des Rordostsee-KanalS noch etwa drei Jahre dauern wird, und daß er deshalb für die großen Schiffe schwer passierbar sei. Mit den eng« lisch-deutschen Begehungen hat di« Verlegung der Aufklärungsflotte, so bemerkt das Blatt, nichts zu tun.

" Weimar, 5. März 1912. Der Weimarische Landtag erledigte heule zunächst kleinere Vorlagen. Das Gesuch der Vorstände der Rechnungsämter usw. um Versetzung in eine HSbere Besoldungsklasse wurde der Staalsregierung als Material überwiesen. Der Gesetzentwurf bett. Errichtung eine« Gemeinschaft, lichen BenvaltungSgerichteS wurde vom Minister Dr. Panlßen eingehend begründet. ES entspann sich eme lebhafte Debatte. Sämtliche Redner be* zeichneten den Gesetzentwurf a!S halbe Arbeit und eine« modernen Rechtsstaates nicht würdig. Be* anders wurde getadelt, daß das neue Oberver- wallungSgericht nicht zuständig in Polizeisachen ein soll.

S, Die Sieeikaesahr im Ruhrgebiet.

Auf den beiden Zechen Kaiserstuhl sind Dienstag srüh die Belegschaften wieder vollständig ange­fahren, dagegen verharren die Ausständigen von Zeche Scharnhorst i m S l r e i k. Hier sind von 616 unterirdisch beschäftigten Bergleuten nur 19 uni) von 234 über Tage beschäftig ten 100 angefahren. Sie wollen dir Arbeit nur bann wieder aufnehmen, wenn befriedigende Antworten von den Zechen­verwaltungen auf die Arbeiterforderungen etugr- gangen sind. ,

Inzwischen wird dis Antwort der Zechenbesitzer auf die Forderungen der drei Verbände bekannt. Sie lautet: Wir müssen es ablehnen, uns zu den gestellten Forderungen zu äußern, denn nur der nach dem Gesetz gewählte Arbetterausfchuß ist lerechligt, die Wünsche der Belegschaften vorzu- bringen. — Tas bedeutet also, daß die Zechen zwar ablehnen, mit den Vertretern der drei Organi- fativnen zu verhandeln, nicht aber, daß sie es über­haupt ablehnen, mit den Vertretern der Beleg- schäften, das ist mit den gesetzlichen Arbeileraus- schüffen, zu verhandeln

Es fragt sich nun, »b der sozialdemokratische Ver­band (von den beiden miilaufenden Verbänden braucht man ja nicht zu reden) die formell« Streitfrage, ob mit der zentralen Organisation oder mit den Arbeit« «ausschüsscn verhandelt werden soll, zum Kriegsvorwand machen will. DaS wäre eine verwegene, sehr beklagenswerte Maßnahme. So lange noch die Gelegenheit geboten ist, durch friedliche Ver,Handlungen Vorteile für die Arbeiter zu erreichen, darf man sie nicht unge­nutzt laffen. Sonst setzt sich die Vcrbandsleitung dem Verdachte aus, daß es ihr ni ch t auf die Woh 1- fahrt der deutschen Arbeiter ankommt, sondern daß sie die Arbeiter zum Kanonenfutter ma­chen möchte in eineln Kriege, der nur im Interesse der sozialdemokr-atisch en Parjei und zugleich im Interesse der Engländer liegen kann.

Iü einer Versammlung, die letzter Tage zur Beschwörung des „wilden Streiks" auf der Zeche Kaiserstuhl stattfand, wurde es von einigen sozialde­mokratischen Rednern als a u s g.e m a ch t hinge- stellt, daß am Donnerstag die drei Verbände den allgemeinen Ausstand beschließen und derselbe mit der nächsten Woche seinen Anfang nehmen würde. Wir wollen hoffen, daß diese Ankündigung wesent­lich von dem Wunsche diktiert war, auf die „wilden" Strciker der betreffenden Zeche beschwichtigend ein­zuwirken, aber nicht bereits auf einer festen Ent­schließung der leitenden Persönlichkeiten beruhte. Letztere werden sich trotz aller parteipolitischen Be- sangenheÜ doch nicht verfehlt haben, daß sie eine Entschließung von so furchtbarer Tragweite erst fas- | tn dürfen, (venu die gesamte Lage sich vollständig überschauen läßt.

Jeder unbefangene Beobachter ist sich darüber klar, daß ein großer Arbeiterausstand, wie er hier in Frage steht, nut unter zwei Voraussetzun­gen die genügende Wahrscheinlichkeit des Erfolges für sich hat. Erstens müssen die betreffenden Arbei­ter und ihre große Masse einig sein, und zweitens muffen fie die Sympathie der breiten Volksschichten in dem betreffenden Bezirk für sich hoben. Beide Voraussetzungen sind zur Zeit nicht gegeben. Der christliche Verband mit seinen zahlreichen Mitgliedern und seiner sesten Organisation hält aus Gründen, denen man auch auf der Gegenseite den Respekt nicht versagen kann, einen Kampf im gegenwärtigen Augenblick für ver­fehlt und aussichtslos. Schon dieser SDiangd an Eintracht muh die Kriegstreiber, soweit sie noch verständig und gewissenhaft sind, zum Bremsen nö­tigen. Die Stimmung im Publikum ist, tote fick bet früheren Kämpfen deutlich gezeigt Hai, von sehr großer Bedeutung, und zwar nicht bloß wegen der moralische n Unterstützung der streikenden Arbeiterschast, sondern auch wegen bermateriet* Ien Unterstützung, wie sie sich z. B. in der Kre­ditgewährung sehr wirksam zeigte. Das Pub­likum wird aber diesmal den Streikenden seine Sympathien versagen, wenn sie in frivoler Hebet» treibung losfchlageu, ohne erst die angebotenen Ver­handlungen mittels der Arbeiteransschüffe versucht zu haben. Die Unterstützung des Publikums ist aber in vorliegendem Falle üutso weniger zu ent­behren, je schwächer die Kriegskaffe der Verbände im Verhältnis zu dem richtigen Bedarf sich darstellt.

Hoffentlich behält die Vernunft im Ruhr- revter die Oberhand. Und sollten die roten Führ« fteventliche Beschlüsse fassen, so muß man an den gesunden Menschenverstand und das Gewissen der einzelnen Arbeiter appellieren. Ter christliche Ver- Hand bildet ja de» Kristallisationspunkt für die B e - sonnen« n.

— Der englische Riesens! reik.

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