55.
Dienstag den 5. März 19(2
59. Jahrgang.
" fuldaer
t Zeitung
2. Blatt.
t>ru<! «ad Verlag 6er Snlbatt Actientruckerri in Selbe.
Amt Geisa und Umgebung
Aus dem Uachbargebiete.
* Hana«, 4. März 1912. Ter Staatssekretär bc§ Reichskolonialamts Dr. Sols war tit Sleglfi« tung zweier Ministerialräte heute eingetroffen, uni ich über die Verhältnisse in dcrDiamant- lndustrie zu informieren. Vormittags sand im Laudeshause eine Besprechung statt, an der die tädtischen Behörden, die Arbeitgeber und Vertreter der Arbeitnehmer teitnahmen. Im Laufe des Nachmittags fanden Besichtigungen statt. Von hier reiste der Staatssekretär nach Idar und Obersteiu, um die dortigen Betriebe kennen zu lernen.
„Ich möchte sie sprechen. Hier meine Karte."
Tie schweigsame Alte öffnet das Tor und bedeutet dem jungen Mann, ihr zu folgen.
Der Nebel hat sicher derart verdichtet, daß Eriks Hut wiederholt an spitzig hervorstechenden Felskau- ten hängen bleibt. Vergebens spähen seine Augen nach irgend einem lebenden Wesen in dieser tröst losen Einöde.
Gesuch der Gemeinde Schleid um Unterstützung zu den Lehrervertretungskosten soll dem Großherzoglichen Staatsministerium mit Fürwort überreicht werden.
* Frankfurt, 4. März 1913. Ein überaus reicher $mtb von antiken Schriftstücken auf Ton, ogenannter Ostraka, ist von Dr. Karl Diana Kaufmann in Oberägypten erworben und sür die Frankfurter Anlikensainmlung bestimmt worden. Dieser literarische Schatz besteht aus nicht weniger
* Stadtlengsfeld, 3. März 1912. Gestern erfolgte in der hiesigen Porzellanfabrik die Aussperrung der organisierten Arbeiter und damit gleichzeitig die vorläufige Schließung des Betrie-
als siebenhundert Schriftstücken in fünf verschiedenen Sprachen. Neben griechischen und koptischen Texten, die in der Mehrzahl sind, kommen aramäische und arabische vor. Es befinden sich unter diesen Schriftstücken, nach dem Ergebnis der ersten vorläufigen Prüfung, private und kaufmännische Korrespondenzen, Rechnungen, liturgische Texte
wenigen Tagen der älteste Junge gestorben war, ist jetzt das jüngste K iid einer Krankheit erlegen. 10 Kinder mußten die Eltern bereits zu Grabe tragen. — Bürgermeister Ar old feierte heute sein 2 5 j ä h r i g e s D i e n st j u b i l ä u m.
Ztadtverordneten-Versammlung
A Fulda, 5. März 1912.
An der gestrigen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung nahmen 22 Mitglieder des Kollegiums teil. Der Magistrat war durch den Oberbürgermeister Dr. Antoni vertreten. Den Vorsitz führte der Stadtver- ovdnetcnvorsteher Justizrat Gcgenbaur.
des. Diese der hiesigen Porzellanfabrik durch die Bestimmungen des Schutzverbandes aufgezwungene Maßnahme bedeutet für dieselbe eine schwere finanzielle Schädigung. Die „Organisierten" zogen in geschlossenem Zuge, unter Absingen der Arbeiter- Marsaillaise nach der „Schützenburg".
* Dankmarshausen, 4. März 1912. Die hiesigen Landwirte beabsichtigen eine Zuchtbullenge- n o s s e n s ch a s t ins Leben zu rufen.
* Oechseu, 4. März 1912. Vom Unglück verfolgt wird eine hiesige Familie. Nachdem erst vor
23 b" “"t"*'»« i" M-»
... * Anstadt, 4 März 1912. Die hiesige israeli- lilche Gemeinde baut ein neues Schulhaus mit Lehrerwohnung. w ■ "lu
* 4„März 1912. Ein Autounfall
etetgnete sich gestern am sog. Zuckerberg. Ein Auto mit Marburger Studenten rannte in'voller Fahrt gegen einen Chausseestein, wobei das Au o s4wcr £Äfl\roUtbe- Insassen kamen mi dem Schrecken davon.
1. EtatSiiberschreitungcn bei der Armenverwaltung. Der für das laufende Etatsjahr angesetzte Betrag von 22 000 Mk. reicht nicht aus. Am 3. Febr. standen nur noch 1000 Mk. zur Verfügung. Ilm die Durchführung der Armenpflege bis zum Ende des Etatsjahres am 31. März zu ermöglichen, sollen auf Vorschlag des Magistrats noch 8500 Mk. bewilligt werden. Wie der Referent. Stv. Kapp, anführt, und Oberbn^crmeister Dr. Antoni bestätigt, ist cs bei der allgemeinen Teuerung und der unerwartet starken Belegschaft des Heiliggeist-Hospitals sowie des Waisenhauses nicht möglich gewesen, trotz sparsaurster Wirtschaft mit der ausgeworfcnen Summe durchzukommen. Auch nun. mehr, wo für hie Insassen des Hospitals pro Kopf und Tag 65 Pf. in Anschlag zu bringen sind, darf von einer sparsamen Wirtschaft geredet werden. Es läßt sich aber nach Ansicht des Referenten daraus erkennen, daß,zur heutigen Zeit eine Durchschnittsfamilie (fünf Köpfe) unter 3,25 Mk. Tageseinnahme nicht auskommen kann. Der Betrag von 3bvu Mk. wird bewilligt.
2. Gastweise Zuweisung von Schulkindern zur Schule Bnchrain. Nach dem ausführlichen Referat des Stv. Wohlgemuth will der Landwirt M., wohnhaft an der Gemarkungsgrenze der Stadt Fulda gegen Vachrain, seine Kinder wegen des weiten Weges nicht nach Fulda in die Schule schicken. Früher gingen sie m Künzell kostenlos zur Schule, seit Errichtung der Schulfiliale in Bachrain verlangt die Gemeinde Künzell Schulgeld in Höhe von 45 Mk. M. erklärt, dieses nicht mehr zahlen zu können, die Gemeinde Künzell will ledoch nicht auf das Geld verzichten. Der Bürger- mcyter von Künzell hat drastisch erklärt: Erst mußten ÖI1-, ber Stadt Fulda die Schulbänke abkaufcn und be- zahlen und nun sollen wir umsonst die Schulkinder Der 'Stabt Fulda auf diese Bänke setzen. (Heiterkeit.) Ter Kreisschnlinspektor und die Regierung haben dem l 3«gestanden, daß er seine Kinder nicht in die Fuldaer Schule zu schicken braucht. Die Regierung hat wvar die Angelegenheit verallgemeinert und cme Verfügung in Aussicht gestellt, wonach künftig alle
Uber östlichen Mauer des neuen Friedhof mi Abstand von 300 Meter Parallel laufen« wohnen, nach Bachrain zur Schule vUJ nrunb be§ Schulunterhaltungs- ßAtzes kann diese Zuweisung an die Bachrainer Schule erfolgen, ohne daß die Stadt eine Entschüdig-mg Et, solange nicht der gastweise besuchten Schule in- folge der Gaste Mehrkosten entstehen. Das ist in diesem Falle nicht anzunehmen. Die Zuweisung der Kinder nach Bachrain wird genehmigt. Ein Zusatzan- trag des Referenten wird angenommen, wonach aus- E'ck -ch erklärt wird, daß durch die Zuweisung der Stadt Fulda keine Kosten erwachsen dürfen ^-Beschaffung von Schulbänken. In der oberen Madchenklasse der evangelischen Volksschule sind die Banke zu klein, außerdem weisen sie infolge hohen Alters Splitter auf, die bereits Beschädigungen der Kinder verursacht haben. Der Referent, Stv. Prof. V.ollmer, empfiehlt die Beschaffung neuer Bänke, und zivar solcher nach dem System Rettig. Von diesen zweisitzigen Bänken, die die Kinder zur geraden Körperhaltung zwingen und auch in einem neuen Schulhause Verwendung finden können, sind 24 Stück nötig, bie 625 Mk. Anschaffungs-Kosten verursachen werden.' Die Mittel können aus Ersparnissen beim Volksschul- ctat 1911-12 (Titel persönliche Ausgaben) entnommen werden. Stv. Ka p p macht darauf aufmerksam, daß bor allem die in der städtischen Volksschule aus den jüngsten Schülern gebildeten Wanderklassen in Bezug auf Bänke sehr schlecht daran seien. Die kleinen Weltbürger wanderten zuloeiken in die allergrößten Bänke, worin sie bis zum Scheitel versänken. Außerdem kämen sie in Räume mit durchaus verbrauchter Luft Vielleicht lasse sich durch Schaffung neuer Schulzimmer ui der alten K-yerne die Bildung solcher Wander- ttafsen vermeiden. Der Oberbürgermeister- US können leider keine neuen Klassenzimmer mehr ae- an6™?/ Z" ?e.'' vorhandenen Räumen m ?°^vlb müssen diese Waiidei-i lassen bestehen bleiben und zu Ostern noch um eine vermebrt uoClaus schlechten Lage des Handwerks vor allem ams, der lnestaen ischrciner, mo^ .e ich wünschen, daß die neuen Bänke bei hiesigen Sandwerks- me.ster.i 'n Auftrag gegeben werden ' Dw Firnm Rettig, deren System in Anwendung kommen soll, gibt die Lieenz zum Bau solcher Bänke bereitwilligst ab, falls von ihr d,e notwendigen Eisenbestandteile bergen werden. Oberbürgermeister: Dem Wunsche des Vorredners wird entsprochen werden. Auch bisher wurden solche Bänke bei hiesigen Hand-
vermischtes.
* Hochwasser in Schlesien. Infolge anhaltend.r Regengüsse in den letzten Tagen ist die Oker bc- denlend angeschwollen. Bei Breslau sind die Wiesen
I überflutet. Infolge der starken St.ömung ist unweit von Masselwitz ein mit 8000 Roinucker belatiener eiserner Frachtkahn gesunken. Der Schaden betragt aegen 200000 Mark.
I.** 150 000 Mark von einem Lehrling nntcr- I c. fcC?’ ®,n tucht alltäglicher Unterschlagnngspro- zetz beschäftigte die Strafkammer in S a a r b r ü - ck e n, vor der sich der erst 20 Jahre alte Banklehr- Wr’icnnet 3» verantworten hatte Der junge Elsch lvar bei der Filiale einer Bank in Sulzbach beschäftigt und zeigte fiel) sehr gewandt und tüchtig. Man brachte ihm daher allgemeines Vertrauen entgegen und ließ auch öfter größere Geldbeträge durch in die letzte Zeit war er ehrlich. Als die ihm anvertrauten Beträge immer großer wurden, faßte er den Plan, bei Gelegenheit eine Unterschlagung zu begehen und damit ins Aus- land zu fliehen. Zu seinem Unglück machte er noch die Bekanntschaft eines Kellners, der ihn in seinem Vorhaben bestärkte und ihm versprach, einen falschen Auslandspaß zu verschaffen. Ende Sevtom- ber v. xV. führte der junge Mensch seinen Plan aus, '»dem er zirka 150000 Mark, die er zur Reichs- bankflliale bringen sollte, unterschlug und mit dem Kellner das Weite suchte. Nach vielerlei Kreuzfahrten, auf denen der Angeklagte zirka 30 000 Mark ausgab, landeten die beiden in Paris, wo sich Neuner in einem Hotel als angeblicher preußischer Offizier einmietete. Zufällig wohnt- in derselben Straße ein deutscher Botschaftssekretär, dem die Manieren des angeblichen Offiziers sehr verdächtig vorkamen und der rhn deshalb verhaften ließ. Auch des Kellners wurde man bald habhaft. In der Verhandlung waren beide Angeklagte geständig, der Gerichtshof verurteilte sie zu je zwei Jahren Gefängnis.
Wie geblendet verharrt Erik in dieser nächtlichen blau-gelb-silbern-schillernden magischen Beleuchtung voll märchenhaften Zaubers.
Und doch kann er sich eines leisen Schauderns nicht^erwehren. Eine Nacht, welcher der Schleier der Dunkelheit fehlt, erscheint ihm wie eine unver- biindene Wunde. Wie heißt es doch in der „Fritjofs-Sage? °
»Es ist nicht Tag, es ist nicht Nacht —
Es ist ein dämmernd Grauen."
Und weiter zieht das Schiff in Heller, felsenstarrender Nacht — weiter gen Tromsö.
Soeben hat Erik im Hafen von Tromsö den „Nordstjemen" verlassen.
Es ist früh am Tage — kaum acht Uhr. Soll er einen Wagen nehmen und sogleich nach seinem Ziel „Schloß Sandsgaard" fahren? Vom alten Kapitän des „Nordjtjernen" erfuhr er, daß es etwa eine Stunde von Tromsö entfernt liegt, in einem win- 3'9e" riorb, direkt an den schäumenden Wassern. ~ ■.rfj"-»*'»' Vielleicht stehen die Bewobuer von «ri Sandsgaard spät auf und er stört so früh! <'lte Damen sind oft wunderlich.
@ogi6t er sein Gepäck vorerst in einem Hotel ab und schlendert planlos die schmalen Straßen mit ihren kleinen ziegelgedeckten Holzhäusern auf und ab. U-berall ernstblickende, dunkelgekleidete Menschen — ein Städtchen, wo ersichtlich wenig gesprochen und noch weniger gelacht wird.
Am Nachmittag macht er sich auf den Weg nach Schloß Sandsgaard.
Fenchtkalter Gletscherwind haucht daher. Schwere Wolken bangen am bleiernen Hinrrnel. Ein leichter -^bel schwebt über der ganzen Natur.
Fester zieht Erik den dunkelbraunen Reisemantel über den Schultern zusammen. Ihn fröstelt.
Aus Gberhefsen u. den Hess. Ämtern.
* Frankenberg, 5. Mar; 1912. Laut,Frankenb. 8fg/ hat der Regierungspräsident mit Ermächtigung des Ministers des Innern als Tag für die erforderliche Wahlmänner-Ersatzwahl Donners- I tag, den 21. März 1912, und für die Neuwahl I des Abgeordveten Donnerstag, den 23. März 1912, festgesetzt.
* Marburg. 4 März 1912. Im Alter von I 73 Jahren starb hier der Union sitäts-Obergärtner II. Kahl mann. Er war der letzte Ueberlcbenbe I derjenigen, die am 26. Januar 1846 bei dem großen Mauereinstürz bei der Universität verschüttet wurden. — In den letzten Tagen fanden hier die Meist e r» Prüfungen für die Steife Marburg, Kirchhain und Ziegenhain statt. Von 86 Prüflingen bestanden 84.
* Kirchhain, 3. März 1912. Heute sand im Bahnhofhotel die 40. Delegiertenversamin - hing des Kreiskriegerverbandes Kirchhain statt. Der Verband umfaßt jetzt 36 Vereine mit i über 1500 Mitglieder. Tie Einnahmen für 1911 ! betragen 3607,17 Mk., die Ausgaben 3229,48 Mk.
Tas Ba.vermögen des Verbandes beträgt 4.392.65 Mark. An Unterstützungen wurden vom Verband im Jahre 1911 693 Mk. an bedürftige Käme a en und deren Witwen anSgezahll. — Heine < e iet beim Spielen das ft.nl> eines hiesigen Arbeiters in eine Gcmüsemühte und schnitt sich die Finger der rechten Hand ab.
♦ Ziegenhain, 3 März 1912. Der Arbeiter Rohde hatte das Unglück, auf dem Hose eines hiesigen Einwohners mit einem schweren Zern ent- sacke auf dem Rücken zu stürzen, wobei er der-1 artig schwere Verletzungen am Kopfe erlitt, daß er I nach dem ftrat kenhaus Hephata verbracht werden I mußte.
* Treysa, 2. März 1912. Zum ersten Male! war in diesem Winter in hiesiger Stadt von der I Handwerkskammer in Kassel ein Meisterkursus eingerichtet word.n, an dem sich bis zum Schluß 28 Kursisten beteiligten. Im Lause dieser Woche I
t Offenbach a. M., 4 März 1912. Kirchliche Großstadtnöt e. Bei dem rapiden Wachstum der Fabrikstadt Offenbach durch Zuzug auswärtiger Arbeiterfamilien wird die Kirchennot immer größer. Die Protestanten haben eine Kirche im Westen der Stadt im Rohbau fertig; die Katholiken ihre St. Marienkirche im Osten bis zum Gewölbe hochgebracht. Sie wird 1913 fertig sein. Die Mittel sind zum größten Teil durch Anleihe von 280 000 Mark seitens der Pfarrei beschafft worden. Unterdessen wird bereits wieder im Süden der Stadt, der durch die Bahnlinie vom Zentrum abgetrennt ist und für sich selbst fast eine Stadt von 15 000 Ein- iDobnern bildet, von beiden Konfessionen zu weiteren Kirchenbauten gerüstet. Die Evangelischen haben sich dort m der Waldstraße einen Bauplatz seit Jahren gesichert und werden noch dieses Jabr das Werk beginnen. Tie Katholiken besitzen seit 1906 ein an- ; sehnliches Gelände am Friedrichsriug. Sie sind nicht in der Lage, durch neue Schuldanleihe sich die Mittel zu beschaffen, da die Kirchensteuer nicht erhöht werden darf. Es hat sich deshalb ein Sam- meloerein gebildet, um zunächst für eine Notkapelle und Kleinkinderschule milde Beitrage zu beschaffen. In dem Stadtteil, der durchschnittlich eine halbe I stunde von der Pfarrkirche entfernt ist, wohnen etwa 4000 Katholiken mit 600 Schulkindern, befinden sich die Oberrealschule, das Stadtkrankenhaus, 2 Bezirksschulen und die meisten großen Fabriken. Notkapelle und später Kirche sollen den hl. Joseph als Patron erhalten, nachdem die zweite Kirche der hl. Gottesmutter Maria geweiht ist. Gaben von I auswärts nimmt das kathol. Pfarramt St. Pauli (Kaiserstraße 60) stets entgegen. Der Monat März I und das nahe Fest des hl. Joseph häufte manchen I Wohltäter, der die religiöse Großstadtnot kennt, diel-1 leicht auch Bekannte in Offenbach hat, gern bestim-1 inen, sein Fastenalmosen dieser Gemeinde zuzu-1 wenden.
Jetzt eine Wegbiegung--
Hinter einem starrtrotzenden Felsen taucht ein hohes graues Gc bände auf mit einer breiten steinernen Freitreppe.
^ie Alte klimmt die glitschigen Stufen hinan, d nk folgt ihr.
Schon nach wenigen Sekunden steht er in einet geräumigen, angenehm durchwärmten Vorhalle.
,.Treten Sie!" läßt sich die Stimme der Alten zum erstenmal vernehmen. „Meine Herrin ist noch beschäftigt. Ich werde Sic später melden."
Damit öffnet sie eine Tür und ist gleich darauf verschwunden.
Erik folgt der Aufforderung.
Im ersten Augenblick unterscheidet er nichts. Dämmeriges Halbdunkel erfüllt den ganzen Raum. Nur an der einen Längsseite knistert lustig ein helles Feuer im Kamin.
Langsam nähert er sich der Flamme, um sich die Hände zu warmen. Dann blickt er sich um.
Die schweren Vorhänge der beiden großen Fenster sind herabgelassen; doch beginnt er beim flackernden Schein des Feuers die Gegenstände um sich herzu erkennen. Augenscheinlich befindet er sich in einem luxuriös ansgestatteten Empfangszimmer.
In der Nähe des einen Fensters steht eine Ottomane. Daneben ein ganz eigen geformtes Tischchen, das feinen Kunstsinn reizt.
Er tritt näher, um das Tischchen besser sehen zu können.
Doch was ist das? Ruht dort auf der Ottomane nicht eine Gestalt — still, bewegungslos?
Enk tritt zurück und wendet das Gesicht wieder mfl9 die augenscheinlich Schla- fende nicht belauschen. (Forsetzung folgt.)
Nebel, als ich Konsul Dalands Empfehl»ngs-» schreiben in Empfang nahm,' Nebel, als ich Gerda j Lebewohl sagte; Nebel bei meiner Ankunft in1 Tromsö. Soll das eine Vorbedeutung fein?" mur- inelt er verstimmt in sich hinein, mit großen Schritten den Felsenpfad, der, am Meer entlang, nach „Schloß Sandsgaard" führt.
Immer einsamer wird der Weg.
Zuerst noch ein Vogelriff, von dem bei Eriks Nahen Hunderttausende von Möveu mit lautem, unheimlich in die Stille hineingellenden Gekreisch ent« poisschwirren und ängstlich die Felsgrate entlang flattern.
Werkern bestellt. Stv. Sanitätsrat Dr. R a ab e : In gesundheitlicher Hinsicht sind die Sitzgelegenheiten in der Volksschule in der Tat recht verbesserungsbedürftig. Ein großer Mißstand ist es auch, daß die Bänke teilweise zu nahe an den Oesen stehen müssen. Wir sollten doch die Anlage einer Zentralheizung für den Stadtschulbau in Erwägung ziehen. Eine solche Anlage würde vielleicht 25 000 Mk. kosten. Aber dafür, , ö.,„,v ^>4lv könnten bei der Heizung, die zurzeit vielfach ganz plan- und and.re kulturhistorisch und sprachwissenschaftlich los gehandhabt wird, viel gespart werden. Der Ober- wertvolle Dokumente.
burgermeister: Diese Anregung ist überaus be-1
grüßenswert. Durch die Schaffung einer Zentralheizung würden zahlreiche Mißstände und Klagen wegen zu geringer oder übermäßiger Heizung in Fortfall
erleicküert Än* I ** $ad>a' 4" März 1912. Der gesamte Neubau
auf die Vorzüge einer Zentralheizung aufmerksamere ^el"oikittell^e V v/"^Mestellt und Forderung für die neuen Bänke wird bewilligt. I das >>..otel offiziell eröffnet worden.
4. Aenderung des § 3 der Satzungen der Spar- * Dermbach, 4. Marz 1912. Von den Beschlüs- und Borschnhkasse. Durch eine Rechtsentscheidung des feit der Bezirksausschußsitzungen feien noch erwähnt: Oberverwaltungsgerichts ist es bekanntlich der Stadt- Der Wert der Naturalbezüge' für gewerbliche Ar- Ce.rh?aj.tun6 bei der diesjährigen Etatsaufstellung un- beiter int Tischlergewerbe wird für den 4 möglich geworden, einen Verwaltungskostenbeitrag von Verwaltungsbezirk auf 350 Mark festgesetzt. — Das der Sparkasse zu erheben. Jetzt soll durch Abänderung 1" - >- "• 0 • ■ 1 ~ - -
des § 3 der Satzungen diese Erhebung wieder ermöglicht werden. In den bisherigen § 3, der lediglich dem Magistrat die Verwaltung der Kasse zuweist, soll ein Absatz eingeschoben werden, wonach der Magistrat einen festumgrenzten Betrag (6000 bis 7000 Mk.) zur Entschädigung für feine Bemühungen von der Sparkasse für die Stadtkasse beanspruchen kann. Die Aenderung wurde genehmigt.
Schluß der öffentlichen Sitzung %9 Uhr.
ttnd ein Segelschiff, das in der Ferne wie ein Gespenst vorbeischleicht.
Dann erstirbt auch dies letzte Zeichen von Leben. Kein Baum mehr. Keine Wiese. Nur hie und da dürres Gestrüpp und ein paar kümmerliche Birkenstämmchen, das groteske Gestein einsäumend, wie das Spitzengekräusel den Nacken einer schönen Frau.
In tiefster Seele ergriffen schreitet Erik weiter.
Immer schauriger gestaltet sich die Felsenein- samkeit, als habe sie ein Riefengeist mit der Phantasie eines Michel-Angelo aufgebaut.
Und dazu dort unten die ewigschäumenden Monologe des Eismeeres.
Endlich — nach mehr denn anderthalb Stunden steht er vor einer hohen Mauer mit einem breiten eisernen Tor, durch das mau in ein Labyrinth von Dünen und Gestrüpp blickt.
Von einem Hause keine Spur.
An der einen Seite des Tores befindet sich eine altersmüde Glocke. Nervös zieht Erik an dem verrosteten Knopf Ein heiserer, unangenehmer Ton durchgM die Lust.
Dann wieder alles still — unheimlich still.
Nach einiger Zeit werden schlürfende Fußtritte hörbar. Das bertoetterte Gesicht einer alten Frau taucht hinter dem Gitter auf.
„Ist dies „Schloß Sandsgaard"?"
Stummes Nicken der Alten.
„Ist Fräulein Sigrid Arnoldsen zuhause?" Abermaliges mürrisches Nicken.
tn. * Zwei Einbrecher drangen in einer der letzten l lachte in das Haus des in dem Antwerpener Vorort Berchem wohnenden Rentners De Bronwer- I ia- nf ■e'li unb gerieten in das Schlafzimmer des IJjabrtgeit Töchterchens. Der eine der beiden Einbrecher, die beide geschwärzte Gesichter hatten, faßte das Kind an der Kehle und bedrohte es mit dem 4.obe, faus es Lärm schlagen wurde. Trotzdem hatte das Kind die Geistesgegenwart und den Mut, den Nachttisch umzustoßen. Als ans den Lärm der Vater und der Bruder des Kindes herbeikamen, Umrden sie von den Banditen mit Dolchmessern niedergesto- chen. ~ Dem Mädchen war es inzwischen gelungen, | ™ das obere Stockwerk zu entkommen, wo es das dort schlafende Dienstmädchen weckte. Dieses ries I bom Fenster aus Hilft herbei, worauf die Einbrecher die Flucht ergriffen. Ein beherzter Nachbar vermochte mittels seines Hundes den einen zu stellen und festnehmen zu lassen. Er gab bei seiner Ber- Imftitng vor. Mereier zu heißen und aus Paris zu flammen. Der andere Verbrecher ist entkommen. De Brvuwer Vater und Sohn sind schwer verletzt und ins Krankenhaus i.bergeführt worden.
.handel nnd Judnstkie.
* Berlin, 4. Mrz 1912. Heute war die Börse ganz erheblich verstimmt; die Kurse gingen ganz erheblich zurück. Bankaktien büßten meist anderl- halb Prozent ein, Montanwerte sanken sogar bis 3',Ü Prozent. Schiffahrisaktien gaben bis 2Vs Proz. nach: ElektrizitätSwnte flau und 2-3 Prozent rückgängig.
• Rranffurter Getreidemar.il erlchi vom 4. Mär,. Am heutigen Markt war infolge des schleppende!! Mebl- absahes der Verkauf von Land-Wet;en nnd Roggen sehr schwierig. Die Mühlen klagen auch über Neuverkäufe.
Nach und nach alles tu safrangelber Beleuchtung. Am Horizont orangefarbene Wolken. Das Meer ein geisterhaftes Gewoge von bleicher Schieferfarbe.
Und jetzt erstrahlt sie in vollster Pracht — die dunkelglühende, tiefhängende Mitternachtssonne.
Helden der pflicht.
Roman aus dem Lande der Mitternachtssonne von Erich Friesen.
3 Aegen Mitternacht.
bin chuch die uÄl^ffch Zieht der „Nordstjemen" $ Atmenbc« Wellen.
£rorlbeini^b<’ftwQt ^"rls den Dampfer in Reisezft! Tromsö cr ^nträgt nach seinem eA'Ä hraüm?;“ SW - 'm der Mitternachtskonne! ' ” 3eIfen: ,m Land lieber die Rehling gelehnt, blickt er um firfi t^rotz der tiefen Nacht alles in dämmeriger Helle
, Ringsum stimmungsvolle Weihe. Das All-r- heiligste der Natur in ihrer intimsten Zurückae- zogenheit öffnet sich seinem trunkenen Auge —
Ragende Felsen, himmelhoch, abgrundtief. Schneebedeckte Bergriesen, hinter denen sich kleine Fjords ibzweigen. Hier an einem vorspringenden Riff ein >aar spielende, sich wohlig im Sande wälzende Seewinde. ~ Dort ein Schwarm Eidervögel, der trägen ylitgä über die Wogen schwebt. Langsam schwimmt n der Ferne ein Walfisch daher, feine Wafferstrah- en hoch tn die Luft spritzend.
tf. seltsames Gefühl durchbebt Eriks Herz. Ihm A.vlS ziehe er ans der Welt hinaus — hinein in ^s Schweigem Die Felftnufer ringsum ein Sm iS Todes, die Blasse der Verzweiflung auf dem steinernen Antlitz. ö 1
■ Wie weit entfernt erscheint ihm in diesem Au- Senblick ine Vergangenheit. Wie fern Chrfftiania mit «rem alltäglichen Einerlei! Wie himmelfern das 'vjige Antlitz seiner Braut! Ein Nebel lagert über >ll dem, wie dort hinten über den Häuptern der „Lo- oten", jener in wilder Schönheit emporragenden Inselgruppe.
Nun trennen sich die Nebelschleier von den Gt- Die nächtliche Sonne geht auf.