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39. Jahrgang.
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Zeitung
2. Blatt.
vrn« und Verlag der Silben Httienbntdnti in Snlbo.
Aus Mche und Schule.
X Schukorganifafion. Anlählich der in Nr. 45 ber „Fuld. Ztg." von Herrn Oberlandesgerichtsrat Marx-Düsseldorf gestellten Frage „W o bleibt die Schulorganisation?" ist es zweifellos von großem Interesse, zu erfahren, welche Stellung der Kaiy. Lehrerverband des Deutschen Reiches zu dieser außerordentlich wichtigen Frage einnimmt. Denn von der Tätigkeit der kath. Lehrerschaft hängt es mit ab, ob diese groß, zügig geplante und zumteil schon verwirklichte Organisation ihrem Zweck nachkommen kann. Im all- gemein en hat man sich in der Fachpresse der kath. Lehrer zu dieser Frage noch abwartend Verhalten, desto erwünschter werden die Ausführungen sein, welche die „Pädagogische Woche", das Organ des Kath. Lehrervereins in Westfalen, brachte, indem sie ausführt: „Der Kath. Lehrerverband des Deutschen Reiches wird sich zur gegebenen Zeit schlüssig werden, ob und inwieweit er die Organisation unterstützt, in welchen Punkten er sich passiv verhält und welchen Schritten er event. entgegentreten muß?" Im weiteren veröffentlicht das Klatt bte_ Statuten und fügt hinzu, „das ist ja s e l b st v e r st ä n d l i ch, das; wir katholische Lehrer gern und tatkräftiqalle Schritte begrüßen und unterstützen, die geeignet sein kön- n e n, den christlich-konfessionellen Charakter der Volksschule zu erhal- t e n und zu stärken und im Volke Verständnis und Begeisterung für das Hobe Gut der christlichen Schule und ihre und des Volksschullehrerstandes Wertschätzung und Hebung zu fordern, vorausgesetzt, daß alle Maßnah-nen nicht über den Rahmen der Satzungen des Kath. Lehrerverbandes hinausgehen, die berechtigten und von ihm ausgesprochenen Forderungen des Lehrerstandes berücksichtigt werden und alles unterbleibt, was dem Anseheu des Standes im allgemeinen und seiner einzelnen Glieder schadet." Damit ist die Stellung des Kath. Lehrerverbandes zu der Fr<^e der Schulorganisation gegeben. Ta an dem bisherigen Arbeitsausschuß, der bestehen bleibt, u. a. euch Rektor a. D. Brück, der Vorsitzende des Kath. Lehnrverbandes des Deutschen Reiches, der zugleich auch Vorsitzender des Weltverbandes katholischer Lehservereine ist, beteiligt war, so steht zu erwarten, daß, wie schon oben gesagt, die Schulorganisation durch die kath. Lehrerschaft eine kräftige Unterstützung zuteil werden wird.
V Eltville, 27. Febr. 1912. (Königl. kath. Lehrerinnenteminar.) Ta bis jetzt nur eine beschränkte Anzahl von Anmeldungen für die IL (Mittel-)Klasie der Seminarpräparandi« eingegangen Mt werden noch weitere Anmeldungen bis zum 10. März ds. Js. angenommen. Die Aufnahme- Prüfung findet am 25. und 26. März statt.
Aus -em Nachbargeblete.
* Hiinfe», 28. Febr. 1912. In Eiterfeld ist der Ausbruch der Maul- und Klauenseuche amtlich festgefteSt worden. Das gleiche ist von Hers- f e I d zu melden.
* Hanau, 28. Febr. 1912. Am 18. d. M. wurde in der Nähe des Bahnhofes Hanau-West von dem über die .Kinzig führenden Laufsteg ein schwerer Stein nach dem Personenzug 370 Hanau-West— Frankfurt-Ost geschleudert, wobei ein Wagenfenster zertrümmert und ein Reisender verletzt wurde. Für die Ermittelung des Täters ist eine Belohnung von 100 Mark ausgesetzt.
* Offenbach, 27. Febr. 1912. Eine besonders ft a n d alöse Milchfälschungsgeschichte beschäftigte das Offenbacher Schöffengericht. Der 62jährige Milchhändler Lorenz Väth betreibt in Ge- nleiuschaft mit seinen beiden Söhnen einen Milch- grotzhandel und verkonsumiert täglich etwa 2000 Liter Milch. Rach der chemischen Analyse des Dr. ilhl wurde sestgestellt, daß die voll den Angeklagten vertriebene Vollmilch teilweise nur einen Fettgchalt von 1,7 Prozent auswies, wahrend der Mindestprozentsatz 3 Prozent beträgt. Amtsanwalt Dr. Aull beantragte gegen den Vater und Gregor Väth eine Gefängnisstrafe von je 3 Monaten und je 300 Mark Geldstrafe und gegen den Dihann Väth 1 Monat Gefängnis und 100 Mark Geldstrafe. Nach längerer Beratung hielt das Gericht eine Bestrafung von je 300 Mafik bezw. 60 Mark für angemessen.
। * Aus Thüringen, 28. Febr. 1912. Das Elek-
Itrizitätswerk in Eisenach erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Brutwreingewinn von 189541-09 Mk.; dem stehen Obligatwnszinsen, Handlungsuukosten u. Abschreibungen von 94 592,68 Mk. gegenüber, sodaß ein Reingewinn von 94 858,41 Mark verbleibt, der die Verteilung einer Dividende von 11 Prozent gestattet. — Der Erfurter Bezirksausschuß entsetzte den Bürgermeister von Kindelbrück, Wilhelm Carh nach rechtskräftiger Verurteilung wegen Unterschlagung seines Amtes.
* Winkel im Rheingau, 27. Febr. 1912. Der Gemeinderat hat in seiner letzten Sitzung dem Bau eines gemeinsamen Gaswerks zwischen hier und Geisenheim seine Zustimmung gegeben.
* Weilburg, 27. Febr. 1912. Beim Bau der Grävenecker Brücke stürzten zwei Arbeiter mit einem Balken in die Lahn. Einer konnte gerettet werden, der andere ertrank vor dcn Augen seiner eben mit dem Mittagessen gekommenen jungen Frau.
* Limburg, 28. Febr. 1912. Die Maul- und Klauenseuche greift im hiesigen Kreis immer mehr um sich. Gestern und heute wurde sie in dem benachbarten Staffel und Eschhofen festgestellt.
Amt Geisa un- Umgebung.
* Dermbach, 28. Febr. 1912. Mit dem Erweiterungsbau des hiesigen Bahn ho fs fft gestern begonnen worden. Es wird ein zweilerWarte- raum für Inhaber von Fahrkarten III. Klasse eingerichtet; ferner wird das Emvfangsgebäude einen Durchgang erhalten, in welchem auch die Fahrkartenausgabe erfolgen soll.
* Geistimgen, 27. Febr. 1912. Das verflossene Geschäftsjahr des hiesigen Vorschußvereins war wiederum durchaus befriedigend. Sowohl Umsatz wie auch Reingewinn sind gestiegen. Der Gesamtumsatz belief stch auf 2936398 Mk. 52 Pfg. mit einem Reingewinn von 6280 Mark. In der Generalversammlung eine fünfprozentige Dividende bewilligt.
* Tieseuort, 27. Febr. 1912. Seit einigen Tagen ist der in hiesiger Gegend sehr bekannte Gutspächter Meyer vom Gute Weißendiez, das zwischen hier und DöngeS liegt, abgängig. Meyer hat das Gut 7 Jahre bewirtschaftet und war vorher auf dem Hetzeberg. Der Grund seines Verschwindens ist noch nicht genau festzustellen; die Gegend wird nach dem Vermißten abgesucht.
Aus Oberhessen u. -en heff. Aemtern.
JZx Marburg, 28. Febr. 1912. Das Kurhessische Jägerbataillon Königin Margherita von Italien begeht im August nächsten Jahres das Fest seines 100jährigen Bestehens. Aus diesem Anlaß findet am nächsten Sonntag nachmittag im Restaurant Fronhof hier eine Besprechung che- maliger Angehöriger des Bataillons statt. — Die diesjährigen Marburger Ferienkurse mit Vorlesungen und Hebungen in deutscher, französischer und englischer Sprache finden vom 7. bis 27. Juli und vom 5. bis 25. August statt und werden aus zwei Teilen mit je dreiwöchiger Darier bestehen.
* Frankenberg, 28. Febr. 1912. Für das diesjährige Musterungsgeschäft im Kreise Fran- kenberg sind folgende Termine bestimmt worden: Donnerstag den 21. März d. I., Freitag den 22. März d. Js., Samstag den 23. März d. I., jedes- mal vormittags um 8 Uhr. Am 3. Musterungstage findet für den ganzen Kreis Frankenberg die Losung und Klassifikation statt. Das Musterungsgeschäft wird in den Wirtschastsräumen des Gastwirts Georg Trost, Deutsches Haus, zu Frankenberg, Obermarkt, abgehalten.
* Frankenau, 28. Febr. 1912. Am Sonntag war eine Bürgerversammlung einberufen worden, um nochmals Stellung zu nehmen zur Verlängerung der Bahnlinie Zimmers rode— Frankenberg, von Gemünden nach Frankenberg über Löhlbach-Frankenau. Voraussichtlich wird im diesjährigen Eisenbahnetat die Teilstrecke Ge- münden-Haina in Vorlage kommen und wann dann der Rest erledigt wird, liegt in weiter Ferne. In der Versammlung wurde beschloffen, eine Deputation von drei Herren von Frankenau, Franken
berg und Löhlbach an den Eisenbahnminister zu senden, um nochmals in der Sache vorstellig zu werden, damit event. endgültiger Bescheid wird. Meses wäre umso mehr zu begrüßen, da die Strecke Wildungen— Frankenau durchs Wesetal sicher gebaut werden soll. Die ausführende Gesellschaft mußte jedoch die Ver- meffungen einstellen, da sie nicht weiß, wo der künftige Bahnhof Frankenau zu liegen kommt.
[:] Momberg, 28. Febr. 1912. Die durch den plötzlichen Tod des bisherigen Inhaber- erledigte
Stelle eines Totengräbers konnte bis jetzt noch nicht besetzt werden, da sich kein Liebhaber zu derselben
meldete. Dieser Zustand dauert nun säst ein ganzes Jahr.
f:l Neustadt, 28. Febr. 1912. Der Magistrat beabsichtigt, mehrere Waggons Setzkartoffeln ko nmtn zu lasten. Gewiß eine gute Absicht, denn die Kartoffeln werden, wie man allerseits hört, schon etwas ,dünn"; wenn erst die Setzkartoffeln ausgelesen find.
bleibt für den übrigen Bedarf nicht viel übrig. — Wenn man dem Erwachen der Natur trauen kann, kommt der Frühling bald gegangen. Auch viele Zugvögel, darunter besonders die Stare, sind schon in großer Zahl angekommen und machen die Quartiere instand; jeden abend gegen 6 Uhr versammeln sie sich, um nach mehrmaligem Kreisen und aller Hand Fl ugformationen ihre gemeinsameSchlaf stä t t e auszusuchen, welche stch in der Nähe unsere Stadt befindet.
* Fritzlar, 27. Febr. 1912. Hier wurde ein Wiederholungskursus der landw. Winterschule eröffnet. 60 Teilnehmer waren erschienen. Winterschuldirektor Rehbock hielt den ersten Vortrag über „Bodenbakteriologische Neuheiten" und über „Bodenbearbeitung". — Dieser Tage tagte hier die FritzlarerPferdezuchtgenossenschaft. Die aus etwa 40 Mitgliedern bestehende Genossenschaft kommt nicht recht vorwärts, sie länipft auch diesmal mit einer Unterbilanz.
vermischtes.
* Hingerichtet wurde gestern auf dem Hofe des Gerichtsgefängmfses in Koblenz der Arbeiter Liliza, der am 27. Oktober vorigen Jahres den Landwirt Hörten in Münstermaifeld ermordet batte.
* Wieder ein englischer Spion verhaftet. In der Nähe von Moers wurde ein Engländer verhaftet, der sich seit einigen Tagen in den rheinischen Festungsanlagen Köln und Wesel durch zahlreiche photographische Aufnahmen verdächtig gemacht hatte. Es wurde ein großes Plattenmaterial bei ihm vorgefunden, das noch untersucht werden soll. Man vermutet, daß es sich um einen Spion handelt.
* Reinecke in Nöten. In Seckenheim bei Mannheim hat sich ein Fuchs, der int Walde aus seinem Bau ausgegraben worden war und den die Hunde schon übel zugerichtet hatten, seinen zwei- und vierbeinigen Verfolgern durch die Flucht in das mitten im Orte gelegene Gasthaus zum Zähringer Hofe entzogen. Als die Wirtin abends zu Bett gehen wollte, bemerkte sie im Schlafzimmer einen Schatten und schlug Lärm, da sie einen Einbrecher im Zimmer wähnte. Der Wirt, die Gäste und die Polizei eilten herbei und sanden Meister Reinecke trübselig in einer Ecke sitzen. Einen Polizeidiener, der ihn am Kragen nehmen wollte, biß er in die Hand Schließlich erlag Meister Reinecke doch der Uebermacht.
* Ein deutsches Dorf der Vergangenheit. Die Stadt Brandenburg an der Havel beabsichtigt, am Ufer des Gördesees ein deutsches Dorf der Vergangenheit errichten zu lasten, das ein Stück Heimatgeschichte, wie es noch besteht, darstellen wird. Tue Stadt wird dazu ein 30 Morgen großes Wald- und Wiesengelände an den Ufern des Gördesees hergeben, wo für eine Summe von 220 000 Mark eine Art Freilicht-Museum errichtet werden wird. Ein solches war bereits einmal für den Grünewald geplant, scheiterte aber damals an den zu hohen Ansprüchen des Forstfiskus. Das zu errichtende „deutsche Dorf" soll die Entwicklung des dörflerischen Hausbaues aller Stämme unseres Vaterlandes anschaulich entrollen und alles soll der Eigenart der Landschaft angepaßt sein. Die Häuschen, die von Jnvalflien bewohnt werden sollen, werden mit Trachten, Schmuck, Hausrat und Erzeugnisten der Volkskunst der Vergangenheit ausgestattet.
* Vier Kinder erstickt. Die Fran eines Arbeiters in Köthen (Anhalt) hatte in der verschlossenen Wohnung am eisernen Ofen Tücher zum Trocknen aufgehängt, die in Brand gerieten, wodurch das Zimmer vollständig verqualmt wurde. Als die Frau zurückkehrte, fand fie ihre vier Kinder im Alter von einhalb bis sechs Jahren erstickt vor. Zwei Kinder im Alter von sieben und acht Jahrev find schwer erkrankt.
* Ein Dampfer verschollen. Der in Gotenburg beheimatete schwedische Dampfer „Lisa", der am 26. Januar mit einer Getreideladung von Danzig nach den dänischen Gewässern abgegangen war, ist seitdem verschollen. Verschiedene Anzeichen sprechen dafür, daß er in der außerordentlich strengen Kälte, die am Ende des vorigen Monats herrschte, auf seiner Reise allmählich mit einer so dicken Eiskntste überzogen wurde, daß diese ihn schließlich mit Mann und Maus in den Grund drückte. Die Besatzung bestand aus elf Personen, darunter zwei Frauen. Bei Rügenwalde wurde ei. . weibliche Leiche int Eise gefunden, von der man annintmt, daß sie die eine der beiden Frauen vom Dampfer „Lisa" ist.
* Vom Schneesturm überrascht wurde auf dem Wege von Koktschetow nach PetropmvloSk in Sibirien eine Abteilung von zwölf Häftlingen. Zwei Soldaten der Begleilmamtschaft erfroren. Ein Häftling ist verschwunden.
Gottesdienstor-nung.
Freitag, 1. März. Fnida. Frauenberg. (Herz- Jesu-Freitag.) Aussetzung des Allerhstltgsten von 5 Uhr morgen? bis 5 Uhr abends zur Anbetung deS götilichen Hertens Fetu. 8 Uhr hl. Messe, 9 Uhr L?- vitenamt. Nachm. 2 Uhr feiert. Komplet, 4 Uhr Cchluß« andacht mit Umgang. — Nonnenkirche. V-9 UI Hochamt, nachm. 4 Uhr Herz-Jesu-Andacht.
Handel und Industrie.
* Berlin, 28. Febr. 1912. He.sie war die Börse ganz empfindlich verstimmt. Die führenden Morttan- aklien büßten durchschnittlich IV»—2 Prozent ein. Der Bankenmarkt war gleichfalls schwach. Schifffahrtsaktien V« Prozent niedriger. Eiektrizitätswert» nicht einheitlich.
Reklamen- und Anzeigenteil.
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iMfgienÄi
Kinder auch bei rauhem Welter gern, ohne an eine Erkältung und ihre Folgen zu denken. Aengstliche Mütter halten sie dann gern im Zimmer, obwohl die Zimmerluft sie verweichlicht und zu Erkältungen noch eher geneigt macht. Richtiger ist es, ihnen bet ungünstiger Witterung einige der ausgezeichneten Wybert-Tabletten zu geben, die die Atumngsorgaae kräftigen. Unentbehrlich sind die Wybert. Tabletten bei eintretendem Husten, den sie rasch und sicher vertreiben; sie kosten in allen Apotheken 1 Mark pro Schachtel.
Helden der Pflicht.
Roman aus dem Lande der Mitternachtssonne von t] Erich Friesen.
1.
. In Christiane ist's — der herb-stolzen ,^köni- g«t des Nordens", deren Reize schmeichelnd die dunklen, unruhig wogende» Fluten deS Skagerracks nmffnelen.
... Ernst auf den Straßen. Kein Hasten, kern Schreie», kein lebhaftes Gestikulieren, tvie ettoa m den jannenubergluteten lauten Städten deS Südens.
Norwegen, das „Sanb der Mitternachtssonne", ist eines der wenigen „stillen" Länder auf diesem lärmenden Erdball . . .
-■ Leise sollt ein mit Nebel durchsetzter feiner Xeaeit nieder auf die fast einsamen Straßen und Mätze, auf die schmucklosen Häuser und Villen, auf die wenigen, gedankenvoll ihrer Wege dahergehenden Menschen.
i Festen Schrittes steigt auch soeben ein junger tz-chgewachseuer Mann die Treppe xu einem düsteren .Gebäude der „Oestcr-gade", einer der Hauptstraßen ThristtaniaS, empor.
):-v »Ist der Herr Konsul zu sprechen?"
-Jl Bankbeamte fährt ruhig in seiner Berech- teür^tgen*' °^ne ^en Fragenden einer Antwort zu Lr $etr Konsul Daland zu sprechen?" biederholt der junge Mann etwas lauter.
? JW W d" Beamte den Kopf vom Pult. Mit seinen klemen wafferblauen Augen mustert er schweigend die schlanke Gestalt des Fremden, defien einfache Kleidung ihm nicht sonderlich zu imponieren fcheint.
„Ich danke Ihnen für Ihre liebenswürdige Auskunft", fährt der junge Mann mit leicht sarka- stischer Verbeugung fort. „Bemühen Sie sich nicht weiter! Ich kenne den Weg.
Und mit der ihm eigenen ruhigen Bestimmtheft geht er an dem verblüfften Beamten vorbei und klopft an eine Tür, die den Vermerk „Privatbüro" trägt.
„Herein!" ertönt eine harte, kalte Stimme.
Geräuschlos öffnet sich die gepolsterte Tür.
An einem kunswoll geschnitzten Schreibttsch sitzt der Konsul Sven Daland, einer der angesehensten Schiffsreeder Norwegens. Er hält einen Brief in der Hand in dem er gleichmütig weiterliest, ohne von dem Eintretenden Notiz zu nehmen. Nach einer Weile erst wendet er den Kopf. Trotz seiner fünf- undvierzig Jahre zeigt seine von kurzgeschnittenem dunklem Haar umrahmte Stint noch kein Fältchen. Hochmüttg und kalt blicken die stahlgrauen Augen unter fast zusammengewachsenen Brauen dem Ein- ttetenhen entgegen.
„Niels! Sie?" ruft er verwundert. „Schließen Ste, bitte, die Tür! — So, danke! Nehmen Sie Platz, bis ich diesen Brief beantwortet habe! Ich stehe alsdann zn Ihrer Verfügung."
„Vielleicht störe ich —", bemerkt der jüngere Mann zögernd.
„Durchaus nicht."
Damit taucht .Konsul Daland die Feder ein, die gleich darauf rasch überS Papier fliegt.
Enk Niels legt die Hände auf dem Rücken zusammen und beginnt, die wenigen, aber ausgesucht wertvollen Gemälde und Kupfersfiche, welche die Wände fieren, zu studieren.
Sein Gesicht entspricht durchaus nicht dem klassischen Schönheitsideal. Das Kinn ist etwas zu lang, der Mund ein wenig zu groß. Heber einer triftig ausgebildeten, breiten Stirn lockt sich eine Fülle" dunkelblonden Haares, während der starke Schnurrbart eine hellere Farbe zeigt. Das Auffallendste und Bestechendste an dem ganzen jugend- frischen Gesicht jedoch bilden die großen graublauen Augen, die in seltsamem Feuer erstrahlen und eine fast faszinierende Wirkung ausüben.
Inzwischen beendet Konsul Daland in aller Gemütsruhe seinen Brief. Dann lehnt er sich in sei
nen Seffel zurück, schlägt die Beine übereinander und deutet auf einen Stuhl in seiner Nähe.
„So! — Was verschafft mir also das Vergnügen Ihres Besuches, Erik Niels?"
Leichte Röte steigt in die gebräunte Sfirn des jungen Mannes. Em paar Sekunden lang blickt er etwas befangen vor sich hin. Dann aber sagt er ernst:
„Ich bin gekommen, um Ihnen mitzuteilen, daß ich die Stellung attfgegebcn habe» die ich Ihrer gütigen Empfehlung verdankte, Herr Konsul."
Kein Zug in dem kalten Gesicht des Konsuls verändert sich.
„Wann?"
„Vor drei Wochen."
„Mann traten Sie die Stellung an?"
„Vor drei Monaten."
„Sie hielten es also nicht einmal ein Vierteljahr dort aus?"
„Nein, Herr Konsul "
Ein etwas ironisches Lächeln umspielt für einige Sekunden die schmalen Lippen des Konsuls.
„Sie haben also meiner Empfehlung bei meinem Geschäftsfreunde nicht gerade Ehre gemadjt, junger Mann. Darf man wiflen, aus welchem Grunde Sie die in jeder Hinsicht günsfige Stellung aufgaben?"
„Weil ich mir meiner Unfähigkeit bewußt war.
„Hm — ein offenes Geständnis. Fahren Sie fort!"
Konsul DalandS kalter Sarkasmus hätte jeden anderen aus der Fassung gebracht. Ans Erik Mels Übt er die entgegengesetzte Wirkung aus.
,.Jn der Tat — ich fühle mich völlig ungeeignet für den Kaufmannsberuf", fährt er lebhaft fort. „Im Büro bin ich linkisch, unbeholfelt, kurz nicht am Platze. Feder, Tinte, Zahlen, Hauptbücher — alles wirbelt in buntem Chaos durch meinen Kopf und erdrückt jeden vernünftigen Gedanken. Sie zum Beispiel, Herr Konsul, sind das Muster eines Schiffsreeders; aber sicher würden Sie weder als Seiltänzer noch als Schneidermeister Hervorragendes leisten. Auch ich bin nicht gänzlich talentlos —
Ein Schimmer von Humor huscht über Konsul DalandS unbewegliche Züge.
„So —! Und worin haben Sie Talent, wenn inan fragen darf?"
„Im Malen."
„Hm —! Wirklich? Wieviel Bilder haben Sick bereits entworfen?"
Ein frohes Leuchten breitet sich über Erik Riel's frisches Gesicht.
„Unzählige, Herr Konsul, liebet hundert."
„So! Und wieviele haben Sie ausgesührt?"
„Etwa zwei ober drei."
„Aha! Und wieviele verkauft?"
„Noch kein einziges."
"Ich gratuliere Ihnen zu Ihrem Talent, Erik Niels."
Die Röte des Unwillens steigt in die Stirn bei jungen Mannes; doch beherrscht er sich rasch.
„Herr Konsul, verurteilen Sie mich nicht $u bart! Ich weiß, daß ich ein wetterwendischer Geselle war, der es nirgends lange aushielt. Aber —- ich beabsichtige, ein neues Leben zu beginnen. Unb wenn Sie mir von Anfang an den Mut nehmen —*
„Warum wandten Sie sich nicht gleich an mich, als Sie Ihre letzte Stellung aufgaben?'
„.Ich wollte Ihre Güte nicht mehr in Anspruch nehmen."
„Warum nicht?"
„Weil Sie bereits genug, ja zuviel für mich getan haben. Sie kleideten mich. Sie ließen mir eine Bildung zuteil werden, die mich schon früh auf eigene Füße stellte. Und bas alles nur, weil ntetni Eltern auf einem Ihrer Schiffe verunglückte«! Ich wollte Ihnen nicht abermals zur Last fallen. Aber —"
Er zögert.
„Weiter!"
„.Ich habe meinen Entschluß geändert, Hen Konsul. Ich möchte Sie um eine letzte Gunst bitten.“
„Die wäre?"
(Fortsetzung folgt)