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»^5* wochenbeilag«: „Illustrierte Sonntagrzettung"

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33. Jahrgang.

Fulda, Donnerstag den 29. Februür 1912.

Erstes Blatt

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ist die vornehmste Aufgabe diese? Reichstages. Wir ! nehmen und es ist erfreulich, datz sie begonnen hat, den Nabel, hat sie bann noch aufgehängt und sich selbst

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Abg. Wurm (Soz.) hält eine sozialpolitische Um«

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Monatsbeilage: „§UldüLk GeschichiZblAter"

bei den Katholiken ungefähr zehn.Prozent. Aber um die Religion selbst ist cs den Herren ja auch weniger zu tun, sie ist für sie nur ein Mittel der besitzenden Klassen im Klassenkampf. — Als skandalös mutz eS bezeichnet werden, datz die „Kpffhäuser-Korrespondenz", welche gegen die Sozialdemokratie hetzt, zu Zwecken po- litischer Popaganda an die Schüler der Fortbildungs­schulen verteilt werde. Ich verlange hierüber Auf-

stnzelge«: ver Raati einereinfp Tolonel» Stil«, 4« mm breit, tostet lSpsg Reklamen: ver Kaum einer Cole« nelzeile, 74 mm breit, tastet 40 Pfg. bei Wie. dirholanzen Rabatt ZSrGsterl u Auimnst» anzrigen 20 pfg. extra.

UotationrdruS a. Verlag der Knldaer ActiendteSercl i.Zuldg Ktrnsprecher llr. 9.

zugrunde legen «innen. Ich möchte der Hoffnung Aus­druck geben, daß der Reichstag der Tatsache eingedenk sein möge, daß er über die wichtigen Handelsverträge zu entscheiden hat Wir wollen hoffen, daß wir nicht wieder Obstruktionspolitik erleben wie im Jahre 1302. (Lebh. Beifall im Ztr.)

Abg. Paulk (kauf.): Die"Heranziehung der Fabrik­betriebs zu den Kosten der Lehrlingsausbildung ist eine Frage von größter Bedeutung. Das Submstsionswssen muß bald reformiert werden. Bei den staatlichen Lieferungen müssen die Handwerkergenossenschaften be­rücksichtigt werden. Die Regierung sollte kleine städtische und ländliche Unternehmer durch Aufträge leistungs­fähig machen. Die Konsumvereine der Beamten dürfen nicht weiter ausgedehnt werden. (Zuruf links: Bund der Landwirte!) Ganz etwa? anderes ist es, wenn sich Genossenschaften bilden zur Förderung der Produktion. Jene Konsumvereine aber reißen den Detailhandel an sich zum Schaden drS Mittelstandes. (Lachen bei den Eoz.) Die Sicherung der Baufordernngen muß weiter ausgebaut werden. Die sozialpolitische Gesetzgebung darf nicht Halt machen. Unsere Arbeiterschaft verdankt die Hoden Löhne nur unserer Wirtschaftspolitik.' Die Zollpolitik entspricht den Interessen des gesamten Volkes.

Dbg. v. MorwaSki (Pole) führt Beschwerde, daß die Polen auf wirtschaftlichem wie politischem Gebiete zurückgesetzt würden.

Abg. Graf PosadowSki (wild): Wenn man die Kri­tik unserer inneren Zustände, namentlich bei den Wah­len, hörte, so sollte man meinen, datz es in Deutsch­land sehr schlecht bestellt sei. Es geht durch das deutsche Volk eine Art Mttzmut, diese beruht zum Teil darauf, datz nicht die nötige Fühlung zwischen den leitenden Regierungsständen und dem Volke besteht. Daher sollten die Beamten, die mit dem Publikum zu tun haben, sich bemühen, daS Volk über die wirklichen Zustände unseres Landes und über die Haltung unse­rer Regierung aufzuklären. Im modernen Staat mutz der Beamte mit allen Erinnerungen an den alten Po­lizeistaat brechen, er mutz das Gefühl haben, datz er das auSfübrende Organ öffentlicher Interessen ist. Er mutz die Gesetze nach dem Buchstaben und nach dem Geist auSlegen. DaS ist beim ReickSvereinSgesetz nicht immer geschehen. Mit neuen Steuern dürfen wir nicht kommen, daS Volk ist bereits zu sehr belastet. Für einen gewissenlosen Agitator gibt eS kein dankbareres Feld, als immer wieder auf diese Steuerlast hinzuweisen. Die wichtigste Aufgabe der Sozialpolitik ist heute eine Verbesserung der W o h • nungsverhältnisse. Für diesen Zweck ist eine Ergänzung des Erbbaurechts notwendig. Das Grotz- kapital mutz herangezogen werden. Der Redner wen­det sich gegen Angriffe bet sozialdemokratischen Presse. Das Erfurter Programm sagt: DaS Privateigentum wird abgeschafftI (Widerspruch der Soz.) Wenn Sie das Erfurter Programm für überlebt halten, dann müssen Sie auch den Mut haben, es Ihren Leuten £u sagen. Sie werden sich mit der Zeit auf andere Gleise begeben müssen, wenn Sie überhaupt ein produktives Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft und des Staates sein wollen. (Lärm der Soz.) Die Erhaltung des Bauernstandes ist eine der wichtigsten Fra­gen. Er mutz gekräftigt und vermehrt werden, ich muß aber jetzt etwas sagen, was mir schon lange auf

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tut, der soll nicht öffentlich sagen, datz er ein Freund des Mittelstandes ist. (Erneuter Beifall links.) Wenn die Töchter deS Mittelstandes in das Erwerbsleben getrieben werden, so ist daS viel besser, als datz sie Romane lesen oder Salonstücke üben zur Qual ihrer Nachbarn. (Heiterkeit.) Zur Herabsetzung der Al­tersgrenze bei der BersicherungSorduung liegt kein Grund vor. Cs ist auch unrichtig, fortwährend die Gehälter der Beamten zu erhöhen. Die Forderungen der Beamten müssen endlich einmal aufhören. Die Angriffe gegen daS allgemeine Wahl- recht, die in letzter Zeit laut geworden sind, richten sich an eine falsche Adresse. Nicht daS Wahlrecht ist schlecht, sondern die Wahlkreiseinteilung. Ein Fehler wäre es, rein arithmetisch auf je 100000 Einwohner einen Abgeordneten zu wählen. Der Red­ner bedauert die Streichung deS Gnadenfonds in Elsatz-Lochringen und erklärt, datz das Volk für eine erweiterte politische Freiheit erst reif werden müsse.

Donnerstag: Weiterberatung.

Preußischer Landtag.

Rbgtordneteaba,,?.

Sitzung vom 28. Februar 1912.

Die zweite Beratung über den Handelsetat

fortgesetzt.

Beim Kapitel .Baugewerkschulen' wünscht

Abg. Fetisch (konf.), datz nicht ausschließlich demiker, sondern auch praktische Leute zu Lehrern

Deutscher Reichstag.

Sid««S vom 28. Februar 1912.

Aus der Tagesordnung steht die 2. Beratung deS Etats deS ReichSamtS des Innern.

klärung von der Regierung.

Handelsminister v. Svdow: Diese Aufllärung kann ich sofort geben, die Verteilung der Korrespondenz er­folgt mit meiner Genehmigung und kann nicht bean­standet werden, da. sie sich im Rahmen einer gesunden vaterländischen Gesinnung bewegt (Lebh. Beifall.)

Abg. Dr. Glattfelter (Ztr.): Dem Abg. Liebknecht habe ich zu erwidern, daß die Kriminalstatistik nur dann zu einem sichern Ergebnis führen kann, wenn man die gleichen soz. Schichten der Bevölkerung inbetracht zieht ES leben in Deutschland viele Aus­länder, die nur dem Namen nach Katholiken sind mib die von der Kirche vollständig losgelöst sind . Wohin die religionslose Schule führt, zeigt Frankreich, wo von 100 Kindern, die vor Gericht gezogen wurden, 90 in religionsloser Schule erzogen wurden. Wir haben von Sitte einen anderen Begriff wie die Sozialdemokratie. Sie werden Ihren Zukunstsstaat ja nicht erleben, wenn aber doch, so würden Sie die Wahrheit deS Satzes eines alten heidnischen Schriftstellers bewahrheitet fin­den, daß es leichter ist, eine Stadt ohne Boden, als eine Stadt ohne Religion aufzubauen. Ich erinnere an das Wort Washingtons: .Religion und Moral sind die mächtigsten Stützen der öffentlichen Wohlfahrt. Der ist kein Freund deS Vaterlandes, der diese kräftigsten Pfeiler der menschlichen Glückseligkeit untergräbt."

Abg. Grmwwski (Ztr.): Der Abg. Liebknecht hat unS dargelegt, datz die katholische Bevölkerung bie meisten unb die jüdische die verhältnismäßig wenigsten Verbrechen begehe. Diesem Uebelstande wäre nach der Ansicht deS Hrn. Liebkneckt wohl Abhilfe geschafft, wenn die Katholiken Juden würden. Der Abg. Liebknecht hat sich alsdann darüber aufgeregt, daß in den Fortbildungsschulen die „.Kysfhäuser Korrespon- denz" gelesen werde. Ich glaube, dazu hatte er weder Recht noch Grund. Wenn unserer Jugend ein patrio­tisches Blatt in die Hand gegeben wird, so ist unS daS tausendmal lieber, als wenn sie eine sozialdemokratische Zeitschrift zu lesen erhält. Die sozialdemokratische Jugendorganisationen sind wahrlich nicht danach an­getan. datz die Regierung oder auch wir von der Rech- ten denselben mit besonderem Wohlwollen begegnen müßten. Es ist dielmhr hier das größte Mißtrauen gegen derartige Jugenderziehung am Platze. Denn nirgends mehr wird unsere Jugend so sehr bis zur Bewußtlosigkeit verhetzt, als gerade in den sozial­demokratischen Jugendvereinen. Wie weit die Sozial­demokratie mit ihrer Jugenderziehung geht, das möchte ich auS einem Werkchen erweisen, das von der Zentral- kommission der Dildungsausschüsse für Rheinland und Westfalen als e m p f h le n s w e r t e WeihnachtS. gäbe für die Heranwachsende Jugend - Pfohlen wird. Es finden sich darin u. «-folgende Er­güsse: „Und den Eltern neben den Kindern wnch-> de Geldsack unterm Hintern, bis der Vater einen ^Schlag bekam, weil er sich beim Saufen übernahm, mud an anderer Stelle heißt es von der Mutter. .SprachS und n^hm vom Mist die Gabel, stach den Kindern durch

berufen würden.

Abg. Giemsa (Ztr.) weist den Vorwurf zurück, als ob die Baugewerkschulen den Technikern eine mangel­hafte Ausbildung gäben, und so an der Verschandelung deS platten Lande» die Schuld trügen. Die Schuld liege in bet Hauptsache bei den Grundstücks- und Bau- spekulanten. Zu empfehlen sei für den Lehrplan bet Baugewerffchulen eine baukünstlerische Ausbildung bei MdMItt im Rahmen unserer ländlichen Bauweise.

Abg. Lieber (natl.) fordert Gleichstellung der aka­demisch gebildeten Baugewerkschullehrer mit den Ober­lehrern.

Beim Titel »Ausgaben für Kunstgewerbe- und Zei­chenschulen" führt

r. Ab«. Schröder-Kassel (natl.) Klage über die Unzu- läiiglichkett der Räumlichkeiten der Kunstgewerbe- und gewerblichen Zeichensckule in Kassel. DaS Zeichnen würde an der Kunstgewerbeschule zu sehr in den Vordergurnd gestellt gegenüber der praktischen Ausbildung.

Geheimrat Dönhoff: Dir werden die Beschwerde prüfen und erforderlichenfalls Abhilfe schaffen. Ueb- rigenS hat die Gewerbehalle eine Reihe von Räum- lichkeiten, die für die Kunstgewerbeschule noch zur Ver- fügung gestellt werden können.

Beim Titel .Fortbildungsschulen" wünscht

Abg. Lienewe, (kyns.), daß die Wünsche deS Hand- werkerstandeS beim Kuratorium mehr Berücksichtigung fänden und man bezüglich der Strafverhängung weni­ger rigoros vorgehe. Daher würde es sich empfehlen, die Unterrichtsstunden möglichst auf den Abend zu ver- legen. Den fakultativen Fortbildungsschulen ist e» oft schwer, geeignete» Lehrpersonal zu erhalten. Die Re- gierung muß sich daher dieser Schulen besonders an-

zu sprechen, und gegen eine solche Art von Erziehung und Heranbildung unserer Jugend zu protestieren. (Lebhafter Beifall.)

Abg. Hirsch-Berlin (Soz.) gibt zu, daß auch bei den Sozialdemokraten bisweilen Entgleisungen vorkommen, daß jedoch der Ton in der Zentrumspresse zehnmal schlimmer sei.

Hieraus wird ein Antrag auf Schluß der Debatte

angenommen.

In einer persönlichen Bemerkung wirst der Abg. Liebknecht (Sozd.) dem Abg. Granowski gröbste Un­wahrhastigkeit vor.

Abg. Eronowski (Ztr?: lieber Begriffe von Un- wahrhastigkeit und Roheit mit den Sozialdemokraten zu streiten, lehne ich ab.

Beim Titel .Fortbildungsschulen in Westpreußen und Posen" versucht

Abg. Dr. Liebknecht (Sozd.) wiederholt aus die Kyffhäuser-Korrespondenj zurückzukommen, wird jedoch vom Präikdenten fünfmal zur Sache gerufen. Red­ner wiederholt bann gegenüber dem Adg. Dr. Glatt­felter, daß Religion, wie sie bie bürgerlichen Parteien predigten, mit der Eindämmung der Kriminalität nichts zu tun habe. Wozu man die Religion gebrauche, das ersehe man ja aus dem .Kreuzzeitungs'-Artckel, in welche.n der Rus erhoben wird: „Herr gib uns Krieg". Warum? Damit wir der Sozialdemokratie Herr werden. Was wollen Sie denn überhaupt mit Ihrem Golt? (Lebhaft- Unruhe und entrüstete Protestrufe.) Mit Ihrem Herrgott, der angeblich die Eigenschaft haben soll t---(die weiteren Worte des Redners

gehen in der allgemeinen Unruhe verloren. Präsident Frhr. v. Erssa ruft den Redner wegen seiner den größten Teil des Hauses beleidigenden Reußerung zur Ordnung. Lebh. Bravo!)

Beim Titel „Rechtsauskunftsstellen' erörtert

Abg. Dr. König (Ztr.) die Entwickelung dieser Auskunstsstellen, die für andere Länder vorbildlich ge­worden seien. Der politischen Propaganro, welche die sozialdemokratischen Auskunslsstellen machten, müsse entgegengetreten werden. (Zustimmung.) Der Staat | habe ein Interesse, die katholischen und evangel,scheu Vereinsauskunflsstellen zu unterstützen und bezüglich des Personals führend emzugreisen. Geiichtsreferen- dare und Assessoren müßten zu den Auskunftsstellen herangezogen werden unb letztere auch bei den Amts» unb ßanbgeridjien eingerichtet werden. Zu einer Kon­kurrenz für die Rechtsanwälte dürfen sie aber nicht werden. _

Handelsminister v. Shdow: Den konfessionellen Auskunftsstellen können wir keine Unterstützung ge­währen, weil sonst der Schein besteht, daß bie Unter­stützung nur für einen Teil bet Bevölkerung fei. Die Referendare können sich an den Auskunftsstellen be» teili-en.

Donnerstag: Fortsetzung.

j? Die Neuwahl des Reichstags- Präsidiums

ist vorn Seniorenkonvent auf Freitag, den 8. Mä r; festgesetzt worden. Dieser Beschluß stützt sich darauf, baS die erste Wahlhandlung, als deren letzte Frucht Herr Scheidemann, der rote.Vizepräsident, übrig- geblieben ist, bereits am 9. Februar fiattgefunbeu hat, so daß am 8. März die gekckäftsorbniiug?- Ntätziae Frist von vier Wochen verfloffen sein wird.

Es ist gut, daß der Seniorenkonvcnt die end- giltige Präsidentenwahl möglichst beschleunigt. In der Tat wird es die höchste Zeit, zum Abschluß der Zänkereien und des Ränkefpiels zu kommen. Das ewige Hin und Her totrft wie ein Aergernis für das Volk. Ter gewöhnliche Mann kann es kaum verstehen, wie die Volksvertreter in dieser Frage zu keiner Einigung und auch zu keiner durchschlagen­den Kraftprobe kommen können. Die ganze Schuld an dem tmwürdigen Spiel trägt ja die n a t i o n al- liberale Partei in ihrer Zerfahrenheit und litt« schlüfsigkeit. Aber das wird nicht allen Zuschauern klar, mid so leidet das Ansehen des ganzen Reichstages.

Ob nun bis zum 8. März eine Vereinbarung un­ter den bürgerlichen Parteien oder den arbeitswilli­gen Mehrheftsparteien zustande kommen wird, ist freilich noch sehr fraglich. Bis jetzt scheitert die Ver­ständigung immer noch an der sonderbaren Haltung der natiönalliberalen Fraktion, die einerseits dre konservative Partei vom Präsidium ganz ausschlietzen will, andererseits sich aber auch gegen die Teilnahme an einem reinen Linkspräsidium verwahrt. Daraus ergibt sich, daß dieselbe nationalliberale Partei, die sich sonst als Lodfeindin des Zentrums aufzuspielen liebte, jetzt 1 Teilnahme am Präsidium von der Genofiensch des Zentrums abhängig macht. Aller­dings möchten die Bassermänner den zur Zeit unent­behrlichen „schwarzen" Kollegen gerne ans die zweite oder dritte Stelle hinabdrücken und für sich selbst, obschon sie nur die viertstärkste Fraktion bilden, den ersten Posten in Beschlag nehmen. Bescheidenheit gilt manchen Leuten nickt für eine Zier.

In der liberalen Presse ist nun schon die schreck­lich- Drohung laut geworden, daß die Natwnalttbe- ralen sich in den Schmollwinkel und auf weiß- Zet­tel zuruckziehen würden, wenn man ihren Forderun­gen nicht entspreche. In diesem Falle würden die Rechte und das Zentrum, wenn ihre Frequenz nicht qar zu schlecht ist, die Mehrheit haben und eu Prä­sidium nach ihrem Geschmack bilden können. Ange­sichts dieser Eventualität hat man schon den Verdacht ausqesvrochen, die Baffermänner arbeiteten lis. g auf ein „sckwm-zblcmes Präsidium" hin, um diesem und seinen Hintermännern das Leben möglichstHmV machen Wir glauben nicht, daß sick wmand bu.ch

Ä

tnänrter der Mehrheit ganz ruhig die Praftdtalge- schäfte übernehmen. Irgendwelche Obstruktion Ware nur möglich mit Hilfe der Sozialdemo­kratie, und es wäre ja hochinteressant, das Aus­wachsen der Bassermann'scken Wahltaktik zu einer Großblock-Ob st ruktion zu beobachten.

Wir haben angesichts der bevorstehenden endgilti- gen Wahl nur einen Wnnsch von entscheidender Bedeutung, und d?r ist negativen Inhalts: e8

verlangen zu diesem Zweck eine eingehende Produktions- statistik. Wir wollen auf diesem Wege ein objektiver Material bekommen, daS wir später unseren Beschlüssen

(hau und meint, daß die Millionen-Massen deS VotkeS ntt der Reichsversicherungsordnimg durchaus nicht zu­rieb en seien. Die Art und Weise, wie der vorige lleichsiag die Sozialpolitik betrieben hat, hat dazu ge­ährt, baß bie Sozialdemokraten verstärkt in ben ReichS- ag zurückgekehlt sind. Es gibt keine Sozia.polttik ohne Sozialbemokratie. (Beifall links, Lachen rechts unb im Ztr.) Man braucht uns nicht aufzuforbern, prak­tische Arbeit für bas Volk zu leisten, bas tun mir ohne ihre Aufforderung. (Schallende Heiterkeit.) Wir ver­langen, baß eine großzügige Sozialpolitik mit flotterem Tempo betrieben wirb. Speziell verlangen wir bie Einführung bes gefetzt. Maximalarbeitstages, größeren Schutz gegen Unjallgefahren, unb vor allem ben weite« xen Ausbau ber Gewerbeaufsicht.

’ Abg. Dr. Mayer-Kaufbeuren (Ztr.): Bei beut gro­ßen Gebiet ber Sozialpolitik haben wir beschlossen, in unserer Stellungnahme zu bem Etat eine Scheibnng in wirtschastspolüiiche, sozialpolitische unb Mittelstanbs- sragen eintreten zu lassen. Ich werde mich auf bie Wirtschaftspolitische Fragen beschränken, wäh- ^enb anbere Herren unserer Fraktion zu ben beiben anbeten Fragen sprechen werben. Unser Außen- hanbel weil eine erfreuliche Entwicklung auf. Im Jahre 1911 ist er gegenüber beut Vorjahre noch um «ne halbe Milliarbe gestiegen, sobaß er nunmehr bie Gesamtsumme von 17,6 Milliarden Mark erreicht hat. Damit weist unser Export ein um daS Doppelte schnelleres Entwicklungstempo Englanb gegenüber auf. Wenn bas so wettergeht, werden wir in 10 Jahren Unfein Hauptkonkurrenten auf bem Welt­märkte überholt haben. In Eiuzelprodukten ftnb wir bem englischen Welthandel bereits sehr nahe. Unser Roheisen-Import geht weiter zurück, wäh­rend ber Roheisen-Export weiter gestiegen ist. Wir sind heut« dasjenige Land, welches nächst Amerika

dein Weltmarkt am meisten Roheisen zuführt. Diese Entwicklung des Außenhandels ist umso höher zu be­werte», alS ihr viele Schwierigkeiten entgegenstanden, So ber hohe Diskont, bie MarokkokrisiS, ber Rückgang ier Inlands- und Anslandsernte, bet geringe Wasser­staus der Wasserstraßen usw. Unsere Zahlungsbilanz hat sich seit 1909 allmählich aus ber Passivität heraus- gearbeitet. Ruch unsere Volkswirtschaft im Inneren zeigt eine kräftige Aufwärtsentwickelung. Die Industrie bot steigende Arbeitsgelegenheit und dementsprechend hatten die Arbeitslöhne eine steigende Tendenz. Aller- dings lastete auf der Industrie zum Teil bie Ungewiß­heit wegen Erneuerung ber großen industriellen Ver­bände. Soweit es sich um das rheinisch-ivestjälische Kohlensyndikat handelt, ist diese Ungewißheit genommen. Der Abschluß deS preußischen FiskuS an dieses Syndikat unb bie ihm auf bem Fuße folgende bedeutend« Erhöhung ber Richtpreise des Kohlensybikats ist volkswirtschaftlich so wichtig, baß bet beutsche Reichstag nicht achtlos bar an vor beigehen bars. (Zu­stimmung im Ztr.) Die voigenomme.ie Erhöhung ber Kohlenpreise bedeutet eine Mehrbelastung des deutschen KohlenkonfnmS allein zugunsten des Kohlensyndikates um 22 Millionen Mark. (Hört, hörtl im Ztr.) Da dieses auf bie Braunkohle usw. etmunkrnb wirkt, können wir mit einer Mehrbelastung ber beut« scheu Volkswirtschaft um 75 Millionen jährlich rechnen. Das ist eine Belastung, bie einet großen Konsum« steuer vollständig gleichkommt, nur mit bem Unter­schied, daß das Parlament dabei nichts zu sagen gehabt hat. (Seht richtig im Ztr.) Der preußische Fiskus hat sich damit im Gegensatz zu ben Wünschen beS Reichs­tages gestellt. Das Kohlensyndikat allein hätte es niemals wagen können, so mit den Preisen in bie Höhe zu gehen. Wozu bie Stellungnahme bes Reichstages zu bet Kartellfrage? Wozu die von ber Regierung veranstaltete Euquee, wenn der preußische FiskuS jetzt selbst hingeht unb bie Preiserhöhung eines ber wichtigsten Proauktionsmittel milmacht? Will sich ber Fiskus am Syndikat beteiligen, so soll dies geschehen zum Schutze ber Interesse» bet Allgemeinheit, nicht aber zur Unterstützung der Auswüchse ber Monopol­stellung, die bie Kartelle nun einmal einnehmen. (Lebh. Beifall im Zentrum.) Dieser Vorgang zeigt ausS bie Notwendigkeit e nes KartellgefrtzeS, uni .... werben niemals erlahmen, die Interessen der Allgemein­heit zu schützen in bem schweren Kampfe gegen bie Uedermacht unb Auswüchse unserer Privatmonopole. (Erneuter lebh. Beifall im Zentrum.) Da unsere reinen Stahlwerke von der Gnade der Rohprobuzenten abhängig Ed, möchten wir bie Regierung briugenb bitten, ihre

Wägungen über bie Verleihung von Einfuhrscheinen du die reinen Siahlwerke zu beschleunigeii. Was ben Plan eines Reichspetroleum Monopols anlangt, so möchte ich doch bei aller Achtung vor den trefflichen Jbecn, bie in letzter Zeit aus der natiönalliberalen Fraktton hetvorgeganaen sind (gro6e Heiterkeit), dieser Anregung energisch widersprechen. Ein solcher Monopol würde bie ffonturienten in bet Petroleummdustrie ein« axber näher bringen unb ju einet Verteuerung des Petroleums führen. Unsere innere Wirtschaftspolitik har, wie schon seit Jahren, im Iahte 1911 unter nicht genügender Liquibiläk unterer Großbanken unb ber daraus ziirückzusühtenben Diskontsätze gelitten. Eine Aendetung ist nut möglich durch eine Einschränkung beS industriellen Kredits, vor allem des ungesunden WechsellrebitS an die industriellen Unternehmungen. An unserer günstigen Wirtschaftslage ist auch die Landwirtschaft beteiligt, trotz Maul- und Klauen, feuche, trotz bet Dürre ist bie Mehprodultion gewaltig in die Höhe gegangen. Unter der Wirkung bei Schutz, '»ölle haben wir heute einen Viehs!and im Werte von 11 Milliarden, während rott vor 25 Jahren knapp (tttf 5 Milliarden kamen. Dank der Schnhzvllpoutik hat bie Landivnisch ist bie um 40 Prozent vermehrte Bevölkerung dir zu 93 Prozent mit Lebensmitteln ver­sorg-, unb eS wird nicht lange mehr bauern, baß sie den inländischen Konsum ganz zu decken vermag. Heute kommen auf ben Kopf bet Bevölkerung

Fleisch, gegen 25 Stig, vor bet Schutzzollpolitik. >d8 ist unrichlig, wenn bie Sozialdemokratie behauptet, daß bie Arbeitslöhne zurückgebtteden feiern ein Blick 'auf Rheinland uno Westfalen widerlegt has. Dort And die Löhne in ben lehren 25 Jahren um bas Dopple S-Mrgen. Durch bie Schutzzollpolitik haben wir Arbeit und «rbettsgeleg-nheit geschaffen unb bte Borbebtngung für bte Sozialpolitik. Wir würden uns freuen, wenn die Sozialdemokraten hier positiv mit- wirken würden. Wenn der Adg. Gothein diefer Tag« 'gemeint Hatz die Bauern wurden durch die Schutz-Slle beunruhigt, so glaube ich, daß er sehr wenig von der Sache versteht. (Heiierkeft.) Ebenso unrichtig ist es, wenn Herr Gotdein behauptet, mit hätten Herrn Dr. H, i m aus Unserer Fraktion berausgeekeltz Herr Dr. Heim hat doch im Januar öffentlich erklärt, daß er wegen seines Gesundheitszustandes sein Mandat mebetgelegt habe. Die Borbereftung ber neuen HanbelSverträg«

aus ben Kreisen des Handwerkes Fortbildungsschul- im Jauchfaß ertränkt." (Lebhaftes Pfuirufen), lehret heranzuvilden. Dringend notwendig ist, daß die ' Höher kann man bie Roheit und Gemeinheit ländlichen Fortbildungsschulen Staatszuschüsse er- ; wohl nicht treiben. Wenn solche Sudelwerke unter die halten. i Jugend verteilt werden, bann ist es unsere Pflicht,

Adg. Dr. Schepp (Vp.) bittet um eine neue Vorlage 1 ™ r*«—*>«• deS Fortbildungsschulgesetzes, welches besonders die Zuschüsse an die Stadt neu regele, da diese so wie so schon zu große Schullasten zu tragen hätten. Auch für daS weibliche Geschlecht müßten Fortbildungs­schulen errichtet werden. Im weiteren begründet Red­ner, warum seine Partei den Religionsunter­richt nicht in den Lehrplan der Fortbildungsschulen ausgenommen wissen wolle. Die Konservativen unb das Zentrum haben durch eigensinniges Festhalten an der Forderung des obligatorischen ReligionSunter- richtes die Vorlage zu Fall gebracht. Laut einer Blät­termeldung sei in Neuß der Religionsunterricht obli­gatorisch gemacht worden und erhalte der ReligiouS- lehrer dasselbe Gehalt wie die übrigen Oberlehrer. Er bitte um Aufklärung hierüber.

Handelsminister v. Sudow: Den Neußer Fall werde ich untersuchen. Offenbar erhält der geistliche Ober­lehrer das Gehalt aus städtischen Mitteln. Die Wie- dereinbringung des Fortbildungsschulgefetzes halte ich gegenwärtig nicht für angezeigt, da sich an den Auf­fassungen seit dem vorigen Jahre nichts geändert hat. Das hat die Rede deS Abgeordneten Herolds erkennen lassen. Den Wünschen des Handwerks bezüglich Er­teilung des Unterrichts am Abend werden wir nach Möglichkeit entgegenkommen. Die Förderung des Fort- bildungsschulwesens erachte ich im Interesse des Mit- ielstandcs als wichtiger, wie manche andere Vorschläge, die zu seiner Hebung gemacht worden sind. Der Zu­schuß für die ländlichen Fortbildungsschulen geht das Landwirtschafts-Ministerium an.

Wg. Dr. Glattfelter (Ztr.): Die obligatorischen Schulen haben sich besser entwickelt als die freien. ES ist vielleicht noch mehr Gewicht zu legen auf kalku­latorisches Rechnen und Buchführung. Auch wir sind der Auffassung, datz praktische Kräfte als Lehrer her­angezogen werden müssen. In der Bürgerkunde mutz den Schülern beigebracht werden, welche Vorteile der Staat ihnen gewäbrt unb welche Pflichten sie gegen­über dem Staate haben. Durch den Religionsunter­richt müssen die Kinder innerlich gefestigt werden, nicht nach Art der Volksschule, sondern durch anregenden Vortrag mit anknüpfcnder Besprechung. Soll die Fort­bildungsschule ein allgemeines ErziehungSrnstitut sein, so darf der Religionsunterricht nicht fehlen. Die Re- ligion bietet die besten Beweggründe zum Wohlver- halien ■ ■ -cnüber dem Staat und dem Nächsten. Ohne sie hält die Sittlichkeit nicht stand, daher müssen wir an unserer assen Forderung festhalten. (Beifall im Zentrum.) , • ,

Abg. Hammer (kons.): Es ist nicht richtig, datz das Foribildungsschulgesetz, wie von der Linken be- haupiet wird, an der Forderung bei Konservativen unb des Zentrums nach obligatorischem Religionsunterricht gescheitert sei. Wir haben voriges Jahr. zwar die religiöse linterweisung gefordert, aber mit Rücksicht auf die Schwierigkeiten in den Städten uns mit dem fakultativen Unterrricht bcanügt. Grund-ätzlich unter« schreibe ick das. was der Abg. Glatifelter auSgcsührt bat. Das Gesetz ist gescheitert, weil die ForibildungS- schule auch dem Kultusminister unlersiehen sollte unb dieses de? Handelsminister nicht wallte.

Abg. Tr. Liebknecht (Soz.): Wenn der Abg. Dr. Glatifelter recht hätte, dann müßte die Kriminali­tät bei den Katholiken geringer sein, als bei

der Seele brennt. Ich halte eS für das schwerste Um tat bei den Katholiken geringer fern, als vet glück, datz der Grundbesitz fortwährend, um seine La- der andren Bevölkerung. Das 'st aber nicht der Fall, tifunhien zu vermehren, Bauern aufkauft, ja Me betrug in den letzten Jahren bei den Juden an- ganze Dörfer. (Stürm. Beifall links.) Wer das L deshalb, bei den Protestanten etwas über vier, und