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MMwoch 28. Zedruar 19(2
59. Jahrgang.
«Tuldaer M Zeitung
2. Blatt.
vruck und Verlag ter $nl6aer Hetienl niiferd
in $nlb«.
6 lieber das Religionsbekenntnis der Beamtenschaft
im Deutschen Reich hat Geh. Regierungsrat Professor Dr. Petersilie, Mitglied des Königl. Statistischen Landesamtes, an Hand der Berufs-Sta- tistik von 1907 in der Zeitschrift „Verwaltung und Statistik" beachtenswerte Ergebnisse niedergelegt.
Geheimrat Petersilie hat alle Hof-, Staats-, Reichs-, Kommunal- und Standesherrlichen Beamten in den Kreis seiner Untersuchung eiubezogen, nicht aber die Militärbeaniten, die Beamten von Betriebsverwaltungen (Forst-, Berg-, Hütten-, Salinen-. Eisenbahn-, Post-, Bau-Beamte ufto.), auch nicht die Lehrer und die sonstigen Beamten der Schul- und kirchlichen Verwaltung und nicht die Beamten der Landes-Versicherungs-Anstaltcn. So verblieb für ihn eilte Zahl von rund 400 000 Beamten. Während das Verhältnis der Evangelischen zu den Katholiken und Israeliten (soweit in Berufen tätige Einwohner in Betracht kom- tnen) wie 02,17 zu 36,52 und 0,92 ist, so verschiebt sich das Verhältnis in der Beamtenschaft bei oen Evangelischen auf 71,06, bei den Katholiken auf 27,62, bei den Israeliten auf 1 Prozent. Die Zahl der katholischen Beamten erreicht also keineswegs den Prozentsatz der katholischen Berufstätigen überhaupt, während die Zahl der Protestanten und Israeliten den Durchschnittsprozentsatz übersteigt. Die Katholiken überwiegen nur bei. den standesherr- lichen Beamten von 37,83 bis zu 51,67 Proz. (gegen 86,52 Proz. der allgemeinen Zählung). Die Israeliten übersteigen den allgemeinen Prozentsatz von 0,92 Proz. bei den höheren Reichs- und Staatsbeamten auf 1,94 Prozent, bei Richtern und Staatsanwälten aus 4,29 Prozent, bei den Rechtsanwälten, Notaren und Patentanwälten auf 14,67 Prozent. Die geringste Anzahl Katholiken findet sich unter den höheren K o m m n n a l b e a m t e n , näiulich nur 24,9 Prozent, und bei den Richtern und Staatsanwälten 24,34 Prozent.
Geheinirat Petersilie bezeichnet das Zurückbleiben der Katholiken an sämtlichen Arten unb Schichten der Beamtenschaft als besonders auffallend und gibt der Vermutung Ausdruck, „daß das lleberwiegen der Evangelischen bei allen Beamtenklassen auf besserer Schulbildung beruht". Das ist eilte willkürliche Behauptung. Wenn die Katholiken Peispiels- iveise unter den höheren Kommunalbeamren zurückstehen, so liegt das vorwiegend daran, daß die K o nt in u n e n meist liberal regiert sind und die liberalen Machthaber ihre Personalien zu wahren wissen. Ein Katholik ist in deren Augen allenfalls zum Rachtwächterposten geeignet, die höheren Stellen werden für die eigenen Leute reserviert. Da liegt der Hase im Pfeffer.
Ausland.
*♦ Tas französische Fliegcrregiment. In der französischen Zeitschrift „Correspondent" schreibt General Mait rot: Das Fliegerregiment wird errichtet werden, aber man darf auch den Bau von Lenkballons nicht vernachlässigen. Es ist unerläßlich, daß Frankreich in kurzem eine mächtige und zahlreiche Luftflotte besitzt, deren Rolle m Beginn des Krieges darin bestehen wird, in die deutsche Mobilisierung Verwirrung zu bringen, sie zu verlangsamen und zu behindern. Ihre Aufgabe ist in dieser Hinsicht von dringender Klarheit. 'Alle Konzeutrationswege der deutschen Armee hängen von acht Sisenbahnbr ü ck e it ab, die den Rhein zwischen Köln und Basel überbrücken. Diese Brücken werden das Ziel der französischen Lenkballons bilden.
** Das weite französische Flottengesetz. Rach dreitägiger Debatte hat die Depuiiertenkammer mit allen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten das
Das ArnuLstt.
16] Seeroman von Jof. Baierlein.
Feierlich trat der Obi aus der Tür des Tempels, an seiner rechten Hand führte er den Knaben, an feiner linken dessen Vater. Bei diesem Anblick ftei- herte sich der allgemeine Jubel der Neger.
So sahen sich Doktor Jephfon und Robert in einem Augenblick von Gefangenen, die mit dem Tode bedroht Waren, zum Range von Halbgöttern empor- gehoben.
Rach einer großen Festmahlzeit erklärte dann der Häuptling:
„Ihr seid frei, und Eurer Abreise zum Hafen steht nichts im Wege. Tort liegt die Brigantine noch per Anker und alles Eigentum, das sie von Euch Enthält, dürst Ihr mit Euch fortnehmen. Denn ich werde Euch nicht nur die Mittel bieten, zu den .Wohnplätzen der Weißen zurückzukehren, sondern ßv auch das Gold erhalten, das ich Euch als Belohnung versprochen habe, falls sich die von dem Knaben mitgebrachte Hand als jene des Tapu erwiese. Doch diese Hand müßt Ihr zurücklasfen! Sie gehört uns.
Rach dem Häuptling kam auch Goring zu Doktor Jephfon.
„Well, Doktor!" sagte er mit bösem Lächeln, „Sie haben das Spiel gewonnen. Aber ich müßte lügen, würde ich Ihnen versichern, daß mich das reut. . Ganz, im Gegenteil macht es mir einen rie- F igeit Verdruß, daß ich Sie und Ihren ^Bengel lau- - 'en lassen muß; ich hätte so gerne die Farbe Ihres Blutes fehen mögen. Aber es geht nicht, — leider! Denn dies dumme Volk würde mich lynchen, wenn ch mich au Ihnen vergriffe. — Grüßen Sie denn, venn Sie heimkommen, Amerika, das Land der gro- ; (en Unterdrücker, von Septimins Goring, dem Mas- enmörder!
: »Ich aber bleibe hier bei meinen ..schwarzen Brudern in Afrika. Ich hoffe, hier irgendwo einen Opferen Stamm zu finden, mit dem ich mein Schicksal verbinden, und welchem ich meinen Haß gegen die Weißen einimpfen kann. Wenn Sie einst Pom eines schwarzen Stammes hören sollten, her als Sohn eines Weißen gleichwohl einen Vernichtungskrieg gegen alle Menschen mit weißer \ baut fuhrt, dann, -roktor ^ephson, mögen Sie den Unterdrückern unserer Rasse verkünden, daß dies Septimins Goring von New-Orleans ist, den weiße Sklavenhalter zwangen, der Auspeitschung seiner eidlichen Mutter zuzuschauen!"
Flottengesetz angenommen, das für die nächsten sieben Jahre 1400 Millionen Francs für Neubauten von Kriegsschiffen fordert. — Aus den Verhandlungen verdienen besonders die Darlegungen des Marineministers De I c a s s e e Beachtung. Mit Anspielung auf die Mittelmeerwünsche Italiens sagte der Minister, daß für Frankreich nichts wichtiger sei als das Mittelmeer. Im Kanal und auf dem Ozean könnte sich Frankreich zu seiner Verteidigung mit Torpedo- und Unterseebooten begnügen, "für das Mittelmeer brauchte es im Falle der Notwendigkeit eines Angriffs, die einträte, wenn man Frankreichs Verbindung mit Nordafrika trennen wollte, großer Kriegsschiffe. Englands Ueber- legenheit auf dem Meere erkannte der Minister an. Deutschlands Machtstellung gründe sich auf die vom Kaiser.gegen eine starke Opposition geschaffene Achtung gebietende Kriegsflotte. Frankreich dürfe hinter Deutschlands Beispiel nicht zurückbleiben, zumal es die Mittel zu den erforderlichen Aufwendungen besitze. Nach dem Minister sprach der Präsident des Marineausschusses Thomson. Als er einen Vergleich zwischen der deutschen und französischen Flotte zog und der Sozialist Brizon bemerkte: „Im Kriegsfälle werden wir uns nicht zur See schlagen", sprang der frühere Admiral Bienaimee von seinem Platze und rief aus: „Wir werden Deutschland zur See schlagen und auf dem Meere erdrosseln!" Obwohl der Herr Admiral a. D. diese Heldentat nur mit dem Munde vollbrachte, luitrbe ihm stürmischer Beifall zuteil.
Aus. -em Nachbarqeblete.
* Hersfeld, 27. Febr. 1912. Ein etwa 19 Jahre alter in einer hiesigen Maschinenfabrik beschäftigter Schlosser aus Bebra hatte seit etwa acht Tagen gefeiert. Als heute morgen der Vater des jungen Mannes aus Bebra hier aukam, seinen Sohn noch im Bett liegend fand und ihm Vorwiirfe tvegen seines Benehmens machte, sprang der junge Mann plötzlich auf, ergriff einen Revolver und schoß sich vor den Augen seines Vaters eine Ku- geliiidieSchläfe. Die Kugel durchbohrte den Kopf und drang auf der anderen Seite wieder heraus.
* Witzenhausen, 27. Febr. 1912. Ein etwa zwölfjähriges Mädchen aus Laudenbach bei Witzenhausen hatte sich durch Unvorsichtigkeit mit einem Messer, das in das rechte Auge drang, eine derartig schwere Verletzung zugezogen, daß das Augenlicht gefährdet ist. Es wurde in das Krankenhaus nach Kassel gebracht.
Kassel, 26. Febr. 1912. Dem Ernste der Fastenzeit enlsprechend war der auf dem gestrigen Familienabend der katholisch en Bürge rqe- 1 c l l s ch a f t gehaltene Vortrag ernster Natur. Herr Fabrikdirektor Höhmann sprach über seine Rom- jahrt. Die Schilderung der Reise und die nur persönliche Eindrücke roiebergebenbe Darstellung feines Aufenthaltes in Rom, sowie der durch besonders glückliche Umstände erlangten Nudiciiz beim hl. Vater machte, in Verbindung mit einer Anzahl schöner Lichtbilder einen erhebenden Eindruck und ließ erkennen, wie tief der Vortragende von der Größe der Natur- und Kiinstschöuheiteu ergriffen worden war. Besonders wohltuend berührle der Ausdruck der Gefühle, die Herr Höhmaim empfand, als ihm, dem gläubigen Katholiken, vergönnt war, Pius X in das Auge zu schauen. Der forgfdltig ausgearbcilete Vortrag sand allgemeinen Beifall. Hoffentlich wird die Börgergefellfchaft noch öfters ähuli-tze Leistunaen ihrer Mitalüder verzeickinrnlöunen.
* Mainz, 26. Febr. 1912. In dem Prozeß gegen die 32 diebischen Berkänferiuneu des Warenhauses Tietz wurde heute das Urteil gesprochen. Es erhielten die .Hauptangeklagte Christine Rauth au» Kastel eine Gefängnisstrafe von drei Monaten, verschiedene erhielten drei Wochen, zwei Wochen, eine Woche und mehrere Tage. 14 Angeklagte wurden srcigesprocheu.
Nach diesen Worten drehte sich der Quarierone hastig um und verließ ohne Gruß die Hütte.
*
Beim Morgengrauen des nächsten Tages ließ der Häuptling den Dottor und seinen Knaben unter Vedeckung nach dem Schlupfhafen zurückführen. Dort lag die Brigantine noch vor Anker. Alles Eigentum des Dostors, das sich an Bord befand, wurde unversehrt in ein Negerboot verstaut. Nachdem dies geschehen luden die Schwarzen auch noch ein Fäßchen mit Triitkwaffer, eine Kiste Schisss- zwieback und einen blechernen Henkeltopf mit gekochtem Pökelfleisch ein, welche Gegenstände aus den Schiffsvorräten genommen wurden.
Hierauf übergab der Anführer dem Doktor ein kleines Säckchen. Es enthielt eine ziemliche Anzahl französischer, marokkanischer und tunesischer Goldmünzen, — die vom Häuptling versprochene Entlohnung für die im Fetischtempel zurückbehaltene schwarze Hand. Freilich war der Hausen Gold nicht so groß, daß Stöbert und sein Vater ihre Hände drei- und viermal damit hätten füllen können, wie der Häuptling prahlerisch gesagt hatte.
So waren alle Vorbereitungen getroffen, den kleinen Hafen zu verlaffen. Der Anführer der Neger bestieg mit einem zweiten Schwarzen das Boot und machte dem Dostor und Robert ein Zeichen, gleichfalls Platz zu nehmen.
Die Weißen fliegen ein.
■®9nn ergriffen die Neger die Ruder und trieben ba» Boot mit kräftigen Schlägen hinein in den schmalen Kanal zwischen den Felsen und durch die zischende, tosende, schäumende Brandung hinaus ins offene Meer. Es war Nacht geworden und der Mond stand wieder am sternbedeckten Firmament, wie vor zwei Tagen, als die Brigantine dem Lande zugeschleppt wurde.
Da zogen die Neger die Ruder ein und legten sie auf dem Boden des Kahns nieder. Der Anführer streckte den Arm aus und deutete nach Nordwest.
„Dort hinaus", sagte et auf Englisch, „liegen die kanarischen Inseln."
Die Worte waren ihm vom Häuptting eingelernt worden. .
Dann sprangen die Schwarzen ohne Abschiedsgruß hinaus ins Meer und schwammen der Küste zu. Eine Zeit lang konnten der Doktor und Robert ihre Köpfe noch sehen, die sich von der im Mondlicht glitzernden Wasseiffläche abhobeu. Als aber die Schwimmer in den Schatten der Klippen kämm, war nichts mehr von ihnen zu entdecken
* Rüdeshrim, 27. Febr. 1912. Der beim 3. Bataillon des Infanterieregiments Nr. 56 in Cleve dienende Einjährige Diehl von hier hat Selbst- mord verübt aus Furcht vor Strafe. Diehl hatte einen Soldaten durch ein Geldgeschenk veranlaßt, für ihn auf Wache zu ziehen und dieser Vorfall war zur Kenntnis seiner Vorgesetzten gekommen. Diehl erscheß sich darauf in seiner Wohnung.
Amt Geisa und Umgebung.
* Geisa, 27. Febr. 1912. Den Reservelokomotiv- sübrern Kilian-Geisa und Caloo-Dorndorf, den Lokomotivführern Kumpel und Teichinüller-Dorn- dorf und dem Weichensteller Ernst-Kaltennordheim sind die D i e n st a u s z e i ch nu n g s s chn ü r e verliehen worden.
* Tiefenort, 27. Febr. 1912. Die Kanalisationsarbeit Hierselbst hat eine unliebsame Unterbrechung dadurch erlitten, daß infolge des Hock)- wassers der Werra fast sämtliche Kanäle unter Wasser stehen, sodaß eine Weiterarbeit vorläufig unmöglich ist.
* Wenigentaft, 28. Febr. 1912. lieber die schon gemeldete polizeiliche Abnahme der n e u e r b a u- ten Nebenbahn Wenigentaft—Oechsen verlautet noch: Am Tage vor der Abnahme fand eine B e l a st n n g s p r o b e der großen eisernen Ulsterbrücke statt, tvelche mit zwei der schwersten Gü- terzitgsmaschinen mit je 7 Achsen vorgenommen wurde und ein sehr günstiges Ergebnis geliefert haben soll. Diese Brücke ist die größte im Ul- st e r t a l e und besitzt zwei Oeffnungeit von je 29 Nieter Spannweite. Das vorhandene Dnrchffnß- prosil ist zur Aufnahme selbst der größten Hochwas- sermengen der in dieser Beziehung so gefürchteten Ulster berechnet. Doch auch die übrige Bahnstrecke bietet mit ihren übrigen Brücken und Viadukten viel interessant, besonders sind es die tiefen Einschnitte und ziemlich hohen Dammschüttungen, welche beim Befahren ein sehr abwechslungsvolles Bild geben, sodaß man die neue Bahnstrecke zu den interessantesten Rhönbahnen rechnen kann. Vorgesehen sind Bahnhofs-Anlagen für die Ortschaften Buttlar, Bermbach und Oechsen deren Ausbau jedoch erst mit dem Uebergang zum öffentlichen Verkehr erfolgen soll. Außerdem wird jetzt schon bei Maßbach eine besondere Verladestation angelegt für das daselbst errichtete und durch eine Drahtseilbahn mit dem Dietrichsberge verbundene Basalt- fchoiterwerk. Enn zweites derartiges Werk befindet sich am Ende des Bahnhofes Oechsen und ist mit dem Basaltlager des Schorns durch eine Drahtseilbahn verbunden. Es werden demnach bis zur Ver seudung von Kalisalzen umfangreiche Verfrachtun gen von Basaltschottermaterial stattsindeu.
Ans Oberheffen u. -en Hess. Aemtern.
r. Aus dem Kreist Marburg, 27. Febr. 1912. Die von feiten des Kreises vor einigen Jahren mit so großen Hoffnungen ins Leben gerufene Wander- Ha ushaltungsschule dürfte wohl wieder ein« gehen. Es hat sich nämlich dis jetzt keine Gemeinde mehr gemeldet, die auf einen Haushal-ungskursus reflektiert. Wenn bis zum 24. März keine Diel- Dung zu einem Kursus eiugeht, soll diese Schule, bereit Existenz man schon einmal im Kreistage le« zweifelte, ganz geschlossen werden.
* Kirchhain, 25. Febr. 1912. In der am 23. ds. Mts. ab..cbaltcnen Sitzung der Stadtveroid- neiett»Versammlung wurde der Bild', ug eines Handwerker« und G e werbe au sschusfes zugestimmt und als Mitglied dieses Ausschusses der Stadtverordnete Siebert gewählt. In die Kommission, welche Vorschläge für den Rathans- umbau machen soll, wurden die Stadlverorditetcn Lang und Schwcmeberger gewählt. Tic Aufnahme eines Darlehns zu dem Umbau des
Die zwei Weißen befanden sich allein int kleinen, schwachen Boot, das nicht einmal ein Segel führte.
Die Lage des Doktors und seines Sohnes war nichts weniger als erfreulich. Beide verstanden zwar etwas vom Rudern, waren aber doch nicht genügend geübt, um das Fahrzeug gut zu regieren. Wenn schlechtes Wetter oder gar schwere See ciu- trat, konnten sie die Nußschale überhaupt nicht über Wasser halten. Zudem war der Doktor ein alter Mann, Robert ein kränklicher -Knabe. Fhre ohnehin nur geringen Kräfte, durch die Strapazen der letzten Tage und den heutigen Marsch in der Wüste auf ein Mindestmaß herabgedrückt, mußten bald versagen. »
Dennoch gaben sie sich keiner verzweifelten Stim- mung hin. Die mächtige Hand Gottes hatte sie während dieser schrecklichen Reise schon durch so viele Gefahren heil und unverletzt geführt, die himmlische Vorsehung hatte so sichtbar über ihnen gewaltet, daß sie auch jetzt die Hoffnimg nicht verloren. Wohin sie aber rudern sollten) konnte sie im Dunkel der Nacht nicht entscheiden, darum überließen sie sich gotwertrauend der st> driitgend nötigen Ruhe.
Schon brach der Tag an, als der Doktor und sein Sohn fast gleichzeitig die Augen öffneten. Ein sonderbares Geräusch hatte sie geweckt. Als der Doktor sich nach der Richtung kehrte, aus welcher es kam, stieß er einen Freudenschrei aus.
Hinter ihrem Boot her und dessen Fahrwasser kreuzend dampfte ein großes Schiff. Es war keine halbe Seemeile mehr entfernt, sonst hätte das Keuchen der Maschine und las Getöse der Schraube nicht bis zu ihnen bringen können.
Der Doktor ergriff da; Ruder und änderte den Kurs des Bootes, um dem Dampfer entgegenzufahren.
„Knüpfe Dein Taschentuch an das andere Ruder", rief er Robert zu, „steig auf die Ruderbank und schwenke das Tuch in der Lust!"
Der Knabe tat wie ihm geheißen. Und Gott sei Dank, das Mtsigual wurde bemerkt.
Der Doktor und Robert hörten gleich darauf die schrillen Töne der Bootsmannspfeife und das Kommandowort „Stop!"; sie sahen, wie der Dampfer vom Kurse abfiel und beidrehte, um das Boot zu erwarten.
Jetzt war es unter dessen Backbord angekommen.
„Boot ahoi!" rief es der Offizier an.
„Wir sind Amerikaner", gab der Doktor zurück, „die von Negern auf dem Meere ausgesetzt wurden. Wir bitten um Aufnahme."
alten Schnlhaiffes in der Bricßclsgasse in Höhe von 6300 Mark wurde genehmigt. Der Verwal- tungsbericht des Magistrats pro ‘1911 soll gedruckt roeroen. Die Ko cn wurden bewilligt
* Treysa, 26. Febr. 1912. Tie tmsigeu Metzger haben bte (5 r ft n b u n g e i n er In u u n g beschlosscu. Der Anschluß an eine benachbarte Häutcvcrwciimtgs- zentrale und die Errichtung einer Viehversichetnngs' kaffe sind bereits in die Weoe g leitet worden.
* Neukirchen (Str. Ziegenhain), 26. Febr. 1912. Die hiesige Molkereigenossenschaft mit ihren 205 Mitglieder! ist eine der größten des Regierungsbe- zirks. Die für das Jahr 1911 ausgestellte Bilanz schließt in Aktiva und Passiva mit rund 66 600 Mk. ab. Der Gewinn betrug etwas mehr als 1230 Mk.
— Fritzlar, 28. Febr. 1912. Für die eine y2 Stunde von hier gelegene Donarquelle, welche vor einigen Jahren in den Besitz des Fürstlich Waldeckffchen Domaninms übergegangen ist, ist, wir schon von uns gemeldet, die Bildung eines Schutzgebietes in Aussicht genommen. Hiergegen hat Großkattsmann Edmund Dietrich, Fritzlar, einer der neuen Beteiligten bei der Bad Wildunger Heil- quellen-Aktiengesellschast Königsquelle, als Besitzer einer an die Donarquelle grenzenden Wiese, auf welcher bereits Bohrungen nach Mineralwasser vorgenommen worden sind, rechtzeitig Protest erhoben.
Dermibijtes.
* Zur Berufswahl. Empfiehlt es sich für Eltern und Vormünder, ihre Söhne resp. Mündel die Gärtnerei erlernen zu lassen? Das vor einiger Zeit vom Prenß. Statistischen £ mdesamt herausgegebene Material gibt uns darauf die beste Antwort. Es kommt demnach auf 2P gelernte Gehilfe» in Preußen 1 Lehrling. Nach der statistischen Aufnahme des Königlichen Statistischen Landcsamts sind für Preußen gezählt: 26638 gelernte 6-örtnergehil- feu und 9498 Lehrlinge. Bei Umrechnung in die Praxis und der Voraussetzung der dreijährigen Lehrzeit ergibt sich, daß in rund 8V4 Jahren die Gehilfenexistenzmöglichkeit aufhört. Der junge Wann opfert demnach seine Jugend einem Berufe, in dem er schlecht entlohnt wird und den er hernach wieder aufgeben muß. Wohlgemerkt, besagt die oben angebene Zahl den Durchschnitt.. Es gibt ja Möglichkeiten, unter bereit Gunst ein Teil der gelernten Gärtner eine längere ober bauernbe Existenz erhält, dafür muß aber auch ein ebenso großer Teil schon vor den 8'/- Jahren aus dem Berufe ausscheiden. Das besagt sehr klar, daß der Gärtuerberus mehr als über- f ü l l t ist und der Eintritt in ein Lehrverhältnis für die jungen Leute nur ein umsonst gebrachtes Opser bebentet. Es empfiehlt sich nur für besonders gut veranlagte, berufsfreudige junge Leute, in einer aber auch dazu geeigneten Gärtnerei in die Lehre zu gehen, die eine ziemliche Sicherheit für eine Zukunft im Gärtnereiberufe bietet. Auch gesundheitlich belehrt uns das von Dr. Metzner heraus- gegebene berufsstatistische Material, daß im Glätt« nerberufe die Gesuiidheitsverhältnisse nicht so glän- zeitd sind, wie die vom Reichs-Gesnubheitsamt her- ausgegebeuen Alterstabelleu annehmeit lassen. Die günstigen Altersziffern entstehen nach Dr. Metzner, und wie auch jeder Fachmann aus Erfahrung weiß, dadurch, daß eben die meisten kränklich Veranlagten entweder Erkältungskrankheiten, denen sie im Gari- nerbernf wohl am meisten ausgesetzt sind, frühzeitig erliegen ober unter bereu Einfluß aus dem Berns ausscheiben, weil chnen infolge ber dadurch enistehenden Körperschwäche die Verdienstmöglichkeit erschwert und die Bernfsfreudigkeit abhanden kommt. Nur die körperlich kräftig Veranlagten überstehen die Strapazen, bis sie sich akklimatisiert haben; es sei denn, daß eine günstige Vermögenslage eine ausreichende Schonung zur rechten Zeit ermöglicht. Damit fällt aber das Märchen von dem „gesunden" Gärtnerberuse in sich zusammen. Wenn ein junger
Sogleich wurde eine Schiffsleiter herabgelassen und Vater und Sohn kletterten an Bord des Schiffes. Dann nahm der Dampfer seinen Kurs wieder auf. Doktor Jephson und Robert waren gereitet
Das Schiff, welches die Amerikaner aufgeiiom- men hatte, war der „Eagle" der aiiglo-afrikanischeit Tampfschiffgestttschast, von der Kapstadt nach den kanarischen Inseln und Liverpool in Fahrt, und wurde von Master Forster, einem schottischen Kapitän, befehligt. Als dieser den Doktor und feinen Knaben sich vorstellen ließ, hörte er deren Geschichte zwar mit großem Interesse an, schüttelte aber ein um das andere Mal den Kopf. Es kam ihm mehr als abenteuerlich vor, was Herr Jephson erzählte. Daß ein von einem tüchtigen Kapitän geführtes, von fünf weißen Seeleuten bedientes amerikanisches Fahrzeug durch die List und Schlauheit eines einzigen Schurken auf offener See der schwarzen Bemannung und darauf wilbeu Negern in die Hände gespielt werden konnte, vermochte er nicht zu fassen. Noch weniger ging ihm in den Sinn, was der Dottor von dem Dorf in ber Wüste, dem Bild ans Meteorstein itnb ber dazu gehörigen schwarzen Hand berichtete. Das klang alles so ungewöhnlich, so seltsam unb geradezu unerhört, baß er nicht wußte, was er davon denken sollte.
Als er aber die silberne Kapsel sah, worin Robert die schwarze Hand als Amulett getragen hatte, und als er die Goldmünzen erblickte, die ber Doktor von ben Schwarzen bekommen, mußte er wohl oder übel annehmen, daß die wunderbare Geschichte kein Märchen war, sondern auf wirklichen Erlebnissen beruhte. Waren die Amerikaner doch tatsächlich aus einem Negerboot an Bord gekommen.
Vielleicht geht es dem einen obev anderen meinet Leser ebenso wie dem wackeren Kapitän Forster, das heißt, vielleicht zweifelt einer von ihnen an der Wahrheit der in diesen Blättern erzähltenBcgcbnisse. Dem gegenüber kann der Verfasser die Tatsache an- ft'ihren, daß Dottor Jephson nach seiner glücklichen Heimkehr an die Finna White Rüssels in Boston einen ausführlichen Bericht über das ^chrcftal ber „Marie Celeste" und der auf ihr befindlichen Passagiere und Mannschaften schrieb. Der Bericht putzte sich teils auf das Tagebuch, welches der Doktor aus dem Sckiiffe führte, teils auf seine nicht ausgezeichneten Erinnerungen und wurde für so merkwürdig befunden, daß er in mehreren amerikanischen und englischen Zeitungen veröffentlicht wurde.