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JV§ 47.

vienrtag 21. Februar 1912.

59. Jahrgang.

* Tuidaer W Zeitung *

2. Blatt.

Druck unb Verlag btt $eibatt Udienbruatttl in Selbe.

Ausland

den

jetzt als Ordenspriester.

er

einer und

aufderLahn mit einem Betrag von 2000 Mark beizutreten. Bekanntlich hängt von der Rentabili­tät des vorgesehenen Schiffes die weitere Entwicke­lung der Lahnkanalisation ab. Die Gesamtkosten des Schiffes fallen 32 000 Mark betragen, von denen die Regierung und die Interessenten je die Hälfte tragen werden. Die Stadt Großen trat mit 3000 Mark bei.

vermischtes.

** Em bezeichnendes Inserat, das die Furcht vor dem sozialdemokratischen Boykott klar zum Aus­druck bringt, steht im Koburger,Gen»Anz/:

Belohnung 50 Mark, wer mir d. Beweis er- dringt, daß ich am 10. 1. die stets. Volksversammlung in Oeslau besucht habe u. von da nach d. Bahnhof, 1. Kl., gegang. bin, änderns, belange ich ied. gerlchtl., der mir solche Unwahrheiten nachspricht. Joh. Ludwig, Schubmacher, Oeslau.

3« dem kleinen Jndustrieort Oeslau sind 165 sozialdemokratische und 70 bürgerliche Stimmen abgegeben wordeu. Der biedere Schuhmacher be­fürchtet nicht mit Unrecht den Boykott der Genosten, wenn ihm nachgewiesen würde, daß er das „Ver­brechen" des Besuches einer bürgerlichen Versamm- lunq begauoen hat.

* Weil sie ihm kei« Akmosee sieben hatte, er­stach in Ellerstadt in Elsaß-Lothrinzen der 50- jährige Schuhmacher Weilbrenuer die Frau des Bürgermeisters Meinhardt.

Schluß: Der Eigentümer wird verhaftet. Es rft eine eigentünrliche Erscheinung, daß es in Konstan­tinopel und auch in anderen Städten des Orients so oft brennt. In Beirut weigerte sich der Agent einer großen Feuerversicherungsgeseüfchaft Verträge in bestimmten Quartieren der Stadt abzuschlreßen.

Bei unserer Weiterwanderung tönt Trommelwir­bel an das Ohr. Schon sehen wir eine Kompagnie Soldaten, die zum Exerzieren anrückt, «ns entgegen- gehen. In ihren schmucken Uniformen machen die türkischen Marssöhne einen vortrefflichen Eindruck. Wie überall in der Welt sind die Soldaten auch hier gern gesehen und besonders bei der Jugend beliebt, hie scharenweise dahinterherläust und von der Mu­sik begeistert ist. Letztere läßt allerdings viel zu wünschen übrig und muß selbst das unmusikalische Menschenkind jum Lachen und Kopfschütteln bringen. Die Hauptsache bei bett Musikern ist an­scheinend, möglichst geräuschvoll zu werden uttd rechten Spektakel zu machen. Dadurch daß man jeden Ton mit der Pauke begleitet und so das ge­sündeste Zwerchfell beinahe zum Platzen bringt, glaubt man detn Publikum am meisten zu impo­nieren.

Europäer gehen fetten zu Fuß. ^.arum hören wir bis zum Ueberdruß von jedem vorbet­fahrenden unbeschäftigten Kutscher die liebenswür­digsten Einladungen, sich seines Wagens zu be­dienen. Ein solcher Kutscher ist ost ein Original. Diese Leute wissen auch alles. Auf jede Frage etneS Europäers haben sie eine Antwort, die meistens un­genau und oft grundfalsch ist. Anstatt zu gestehen ich bedauere, Ihnen Auskunft geben S» können, wird ein solcher eher mit der zuverlasNstüen üiiene der Welt etwas erfinden, selbst auf bte sofort überführt zu werden. Eines Abends war ich — es war am Anfang meines Hierseins y zu einer Abendgesellschaft auf dem deutfwen Konsulate eingeladen. Um 9 Uhr verließ ich meine Wohnung und gab dem Kutscher den Auftrag, dorthin zu fahren. „Weißt du es?" stug ich ihn auf arabisch, welche Frage er gewissermaßen als Beleidigung em­pfand. Der Gute fuhr mich in der Dunkelheit ui-

bie ganze Präfidialfrage durchaus nicht eine so große praktische Bedeutung, wie die Arbeit an den vor­liegenden Gesetzentwürfen. Eigentlich wird der Reichstag nicht von dem Präsidenten oder dessen zeitweiligen Stellvertretern regiert, sondern vom Seniorenkonvent. Die Präfidialfrage hat nur in diesem Reichstage eine außerordentliche sympto­matische Bedeutung erlangt, und zwar infolge der Unschlüssigkeit und Zerfahrenheit der natio- nalliberalen Partei. DaS Zentrum und die Rechte haben eine feste Stellung eingenommen und ssehen in Gemütsruhe den Entschlüssen der Natio­nalliberalen entgegen: ,68 geht auch so!" sagte Meyer-ArnSwalde.

je* Auf welelfer Seite ist Vie Mehrheit?

Die Großblock-Schwärmer prahlen gern mit der ziffermäßigen Uebcrlegenheit der zusammengezählten Liberalen und Sozialdemokraten. Neuerdings ver­weisen sie auf die Verteilung der Kommissions» sitze unter die rechtsstehenden und die linksstehen­den Parteien, um daraus den „Beweis? herzuleiten, daß die „Blauschwarzen" wirklich in die Minderheit gerat m seien, also bei den Wahlen eine Niederlage (stellenweise hieß es sogar „vernichtende Niederlage") erlitten hätten.

Tie Verteilung der Kommissionssitze erfolgt nach einer herkömmlichen Proporz-Rechnung, wobei nur die anerkannten Fraktionen, d. h. die Verbände von wenigstens 15 Mitgliedern, berücksichtigt werden. Es kommt dabei natürlich zur Bruchrechnung. Je nach der Stärke der Kommission erhält bald eine Fraktion etwas zu wenig Stimmrecht, weil ihr em Bruchteil eines Sitzes nicht angerechnet wird, bald aber zu viel Stimmrecht, weil ihr ein beträchtlicher Bruchteil, in der Abrundung nach oben, ais ganzer Sitz zugute gerechnet wird. Im allgemeinen ist diejenige Seite des Hauses benachterlizt, welche die meisten „Wilden" und die meisten kleineren Gruppen anfzuweisen hat. Das ist unter den jetzigen Verhältnissen die rechte Seite wegen der Absplitlerung von konservativen Kräften in die Reichspartei, die Wirtschaftliche Vereinigung und in die Wildenschast. Dagegen ist die Linke in drei größere Parteien zulammengeballt (Nationalliberale, Fortschrittler und Sozialdemokraten), die Linke hat also weniger Ausfall bei der Proporzrechnung.

Die Verteilung der Kommissionssitze liefert also an sich noch keinen Beweis für eine Linksmehrheit. Allerdings auch keinen Beweis für das Gegenteil. Es bleibt bei ter alten Feststellung, die schon gleich nach sem Abschluß der Wahlen" gemacht wurde: daß die Linke um ein paar Stimmen lieber» gewicht hat, wenn man sämtliche Nationallibe­rale zu der Linken rechnet. Diese Mehrheit ist aber nicht so groß und nicht so zuverlässig, daß daraus eine Vorherrschaft der Linken im Reichstage begründet werden könnte. Auf dem rechten Flügel der Nationalliberalen sitzen bekanntlich manche Abgeord­nete, die als Gegner der Großblockpolitik gewählt sind. Wenn sie Bewegungsfreiheit sich gestatten, so gerät die Linke in die Minderheit, wie z. B. bei ber Stichwahl um den ersten Präsidentenposten, als Spahn gegen Bebel durchdrang. Andererseits hat die Linke sofort wieder das Uebergewicht, wenn die rechtsstehenden Gruppen nicht geschlossen und einmütig vorgehen; so drang der rote Linkskandidat Scheiscmann bei der Vizepräsidentenwahl durch, weil die, polnische Partei zum Protest gegen den konservativen Gegenkandidaten weiße Zettel abgab.

Nun kommt noch in Betracht, daß die Wahl- prüsungskommisfiou den Rechenkünstlern von der Linken bald in die Quere kommen kann, wenn sie ihre vernünftige Absicht durchführt, vorweg die- jenigcn Wahlen in kritische Behandlung zu nehmen, bei denen einige wenige Stimmen den Ausschlag gegeben haben. Zufällig sitzen die Abgeordneten, die mit einer so knappen und deshalb zweifelhaften Mehrheit gesiegt haben, fast sämtlich auf der Linken. Auch der gegenwärtige Präsident, der Fortschrittler Kämpf, gehört zu ihnen.

Wenn nun einige von diesen „Zufalls-Man­daten" für nngiltig erklärt werden sollten, so würden wir deshalb nicht mit einer errechenbaren Rechtsmehrheit prahlen, sondern einfach an die An­sicht halten, daß ein Gleichgewicht best.ht zwischen den beiden Hälften des Hauses: Zentrum und Rechte einerseits, Liberalismus und Sozial­demokratie anderseits. Ob die positiven, ar­beitswilligen und arbeitsfähigen Parteien die aus­reichende Mehrbeit erlangen, das hängt nach wie vor von den Nationalliberalen, im letzten Grunde von der Haltung ihres rechten Flügels ab. Daher die große realpolitische Bedeutung, welche der Gärungs- und Klärungsprozeß innerhalb der ualionalliberalen Partei augenblick­lich hak.

Am 13. März, bei der definitiven Präsi­dentenwahl, wird nun abermals eine Stich­probe gemacht werden, aus der man den Fort- gang der natioualliberalen Partei- und Frakttons- krifls erkennen kann. Im Grunde genommen hat

in seiner Villa in Cronberg im 70. Lebensjahr ge­storben. Er genoß den Rus als tüchtiger Porträt- und Genremaler. Unter seinen Bildnissen find die des Kaisers Wilhelm I., des Kaisers Wilhelm II. (int Besitz der Kaiserin^, der Kaiserin Friedrich, des Kronprinzen und der Kronprinzessin von Griechen­land, sowie die vieler Mitglieder de§ Adels und der Frankfurter Gesellschaft zu nennen.

* Mainz, 25. Febr. 1912. Wie der Kunsthisto­riker unb» Archttett Dr. Prestel vor einiger Zett nachgewiesen hat, ist ber Pfahlrost im Ostbau bes Mainzer Domes total verwittert, so baß ber Dom auf ganz unsicheren Funbamenten ruht. Das Domkapitel hat dem hessischen Denk­malsrat vorgeschlagen, einen Kunstrat zur Begut­achtung der Dombaufrage einzusetzen. Um bauliche Acuderungen vorzunehmen, die eine Gefährdung des Domes ausschließen sollen, sind einige Millio­nen notwendig. Wie man hört, ist eine Mainzer Dombaulotterie zur Aufbringung dieser Dumme geplant.

* Biebrich, 25. Febr. 1911. Infolge Ein- atmens von Schwefelwasserstoff verun­glückten Samstag in der chemischen Fabrik von Kalle u. Ko. fünf Arbeiter. Einer von ihnen, ein Mann aus Eltville, ist tot; die anderen konnten, nachdem sie bereits das Bewußtsein verloren hatten, durch künstliche Einatmung von frischer Luft außer

Kraft und Geschicklichkeit im Tragen großer Lasten sich erworben haben. Was bei uns unmöglich scheint, die größten Kisten und Ballen tragen sie mit der größten Leichtigkeit, Garnballen von 150 Kilo, ja 200—250 Kilo. Frühes Altern, rasche Aufzehrung der Kräfte, Krampfadern find die Folgen dieser Ueberanstrengung. Hinter dem ganzen Troß, oft auch an der Spitze oder zur Seite, fährt der Be­sitzer ober Aufseher in einem Fiaker.

Wir wanbern also zu Fuß. Zuerst begegnet uns ein blinber Mann, ber auf einem Esel sitzend in ber ganzen Stadt herum reitet. Er ist ganz ohne Be­gleitung. Der Esel scheint schr intelligent zu sein, denn er bringt den blinden Herrn, von deflen Blind­heit er ja keine Ahnung haben kann, immer an den gewünschten Ort. Man trifft hierzulande auffällig viel Blinde, die allein mtt einem Stabe in der Hand durch die Straßen wandern. Dies hat einen zwei­fachen Grund. Erftens herrscht die Augenkrankheit gerade im Oirent vor, sodann gibt es eben keine Blindenanstalten wie bei uns in Europa, in denen diese Arme untergebracht unb so ben Augen bes Pub­likums entzogen ftnb. Darum erscheint ihre Zahl so groß. Bon ferne schon tönen laute Rufe an unser Ohr. Es fft ein Bettler, ber in einen Sack gehüllt, barfuß unb barhaupt, einen langen Stab in ber Hanb, lautschreienb ben Paflanten mitteilt, welche Leiben ihn brücken. Allem Anscheine nach ist es noch ein kräftiger Mann, ber gut arbeiten könnte. Ost schon habe ich bedauert, daß ich keinen photogra­phischen Apparat zur Hand hatte, oder daß die Be­lichtung eine zu schlechte war, um eine Ausnahme zu machen. Denn es gibt kein intereflanteres Gebiet als in einer orientalischen Großstadt solche Bettler­typen im Bilde zu fixieren. Auf Schritt und Tritt in den verschiedensten Gewandungen unter den son­derbarsten Vorwänden belästigen sie das Publikum. Auch heute baten mich zwei junge Bürschchen um ein Almosen. Zersetzt und zerlumpt sind beide, der eine markiert den Blinden, ber anbere sammelt bie Gaben ein, bie bann zunächst in bie unvermeidlichen Zigaretten umgesetzt werben. Oft kann man Bett-

AU5 Oberheffen u. den heff. Remtern.

• Kirchham, 27. Febr. 1912. Das diesjährige Militär-Musterung8-Geschäft findet für den Kreis Kirchhain im Saale des BahnhosshoielS Kirchhain in folgender Ordmmg statt:

1. Montag, den 11. März, von vom. 8.10 Uhr ab: Musterung der Mannschaften der Gemeinden: Amöneburg, BlbShausen, Allendorf, Anzefahr, Burgholz, Emsdorf, Ersnrtshausen, Ernsthausen, Erksdorf, Groß- seelheim, Halsdorf, Hatzbach, Hertingshausen, Himmels- berg. Holzhausen und Gutsbezttk Holzhausen. — 2. Dienstag, den 12. März, von vorn. 8.10 Uhr ab: Musterung der Mannschaften der Gemeinden: Josbach, Kirchhain, Kleinseelhrim, Lanzendort, Langen- fteiu, Mardorf, Momberg, Neustadt mtt Gutsoezirk Neustadt, Niederklem, Niederwald, Rauschenberg und Roßdorf. — 3. Mittwoch, den 13. März, von vorm. 8.10 Uhr ab: Musterung der Mannschaften der Ge­meinden: Rüdigheim, Schiffeibach,Schönbach, Schwavcn- dorf, SchweinSberg, Sindersfeld, Specksivinkel, Stause. dach, Wohra, Wolferode und Wolsskaut». Hieran an­schließend: Losung und Klassistiaiion der Reserve und Landwehr, der Ersatzreserve und der «usgebildeien Landsturmpflichtigen des zweiten Aufgebots. Die Ge­st ellunaspfiichti gen haben sich an den genannten Tagen jedesmal V- Stunde vor der oben angegebenen Zeil zmn Verlesen einzufinden.

* Frankenberg, 25. Febr. 1912. Der Was, er­stand der Ed der betrug Freitag früh 89 Zenit- meter Samstag nachmittag 94 Zentimeter, Sonntag morgen 124 Zentimeter. Im Ober- und Vttttel- lauf ist der Fluß an vielen Stellen aus beut Bett getreten; Ackerländer und Wiesen sind unter Wasser gesetzt. Ein wetteres Steigen ist zu erwarten. — Auch Schwalm, Gilsa und U r f f sind rapid gestiegen; Schwalm und Gilsa fuhren an ihrem Unterlauf Hochwasser, und sind teilweise an niederqeleaenen Stellen bereits ausgetreten.

[:] Neustadt, 25. Febr. 1912. Zwei Zoglwge der Zwaugs-Erzirhungs-Anstalt zu Wabern waren vorige Woche aus demselben entwichen und m der Richtung nach Franksurt eniflohen. Samstag abend wurden sie im „Herrenwalde' zwischen hier und Allendorf durch einen Förster ergriffen, um m bie Anstalt »urücktrausporliert zu werden.

* Fritzlar, 26. Febr. 1912. Rohlinge sind hier wieder an der Arbeit — etwa 25 junge Obststämme sind an der Straße nach Rotleberhau- ken abgebrochen worden. Ein Spürhund konnte lei­der keinen Erfolg erzielen und so wurde ein Polizei­hund aus Kassel requiriert. Ueber ben Erfolg ver­lautet noch nichts. Einer anderen Bande aber ist man auf ber Spur, bie mit Anwendung von Spreng­mitteln einen Massen mord in der E d er be­gangen und einen großen Teil ber getöteten Fische gekauft haben. Man sucht jetzt bie Leute zu er­mitteln, die die Fffche gekauft haben, und deren soll es eine ganze Anzahl fein, da die Räuber ganze Ruck­säcke voll Vertrieben haben. Der billige Fischbrate» kann den Leuten sehr teuer zu stehen kommen.

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* Salzungen, 26. Febr. 1912. Ein schwere, Automobilunfall ereignete sich gestern. Dcv^ fiüher den erbprinzlich Meiningifchen Herrschaften gehörige Automobil, jetzt im Besitz bes Fabrikbesi­tzers Paul Jungk, welches zum Auftockieren nach Coburg bestimmt war, geriet hinter Themar in die Werra, wobei der Führer schwerverletzt wurde.

Aus Airche und Schule.

* Mit 66 Jahren Orbeusmann, mit 68 Jahren Priester. Als Pater Lambertus würbe kürzlich vom Karbinal Kopp zum Priester geweiht ein Mitglieb bes Franziskaner-Orbens, ber in wetten Kreisen be­kannte Historiker, Geh. Regierungsrat, Professor Dr. Phil. Wilhelm Schulte, zuletzt im Ruhestand in Breslau lebend, ehemals Direktor des König!, katholischen Gymnasiums in Glatz. Er hat sich ganz besonders um die schlesische Geschichte verdient ge­macht. Er ist geboren zu Münster i. W. am 26. August 1843. Anfang des Jahres 1909 trat Ge­heimrat Schulte zu Neiße in den Franziskanerorden ein im Alter von 66 Jahren. 68 Jahre alt wirkt

Ami Geisa und Umgebung. _

□ Geisa, 26. Febr. 1912. Am Sonntag, den 25. Februar, hatte der Katholische Männerderein seine Mitgli^er unb Freunbe zu einem Lichtbilber- v o r t r a g eingelaben. Herr Dr. med. Ackermann eüber bie Hygiene ber Kleidung, Wohnung unb jrung, wobei er besonders auf bie Fehler hin­wies, bie gerade inbezug auf die Kleidung unb Wohnung gemacht werben. Der Vortrag fanb bei den zahlreich Erschienenen eine sehr gute Aufnahme.

* Vacha, 26. Febr. 1912. An ber Eisenbahn­strecke Vacha—Gerstungen lösten sich zwischen den Stationen Heimboldshausen und Lengers an der Böschung größere Felsen mass en los, die gegen den Eisenbahndamm herabrutschten. Wahr­scheinlich wird an dieser Stelle die Böschung mit einer Schutzmauer versehen werden müssen.

* Dermbach, 25. Febr. 1912. Der gestrige Schweinemarkt war stark besucht. Das Geschäft gestaltete sich äußerst lebhaft, sodaß die an­getriebenen Tiere flotten Absatz fanden.

" * Zetta (Feldabahn), 26. Febr. 1912. Das im Jahre 1908 von der Gemeinde Zella käuflich er­worbene Kammergut geht am 24. Juni 1914 in deren Besitz über. Die kammerfiskalischen Grund­stücke verteilen sich auf die Gemarkung Zella unb Dieborf. Die in letzterer gelegenen haben eine Größe van 35 Hektar einschließlich ber der land­wirtschaftlichen Gebäude und sollten als Ganzes demnächst an auswärtigen zahlungsfähigen Reflek­tanten veräußert werben. Erstere werden in Tei­len an die Gemeindeangehörigen verkauf Die auf ihnen ruhenden Gebäude, Schloß mit parkartiger Umgebung, Scheunen, Stallungen und Schuppen, dürften für Anlage einer Fabrik, eines Er- ziehungs - ober Säuglingsheimes geeig­net erscheinen. Verhanblungen in biefer Hinsicht werben bereits gepflogen

* Ostheim (Rhön), 27. Febr. 1912. Im nahen Stockheim feiern am 25., 27. und 28. Febr. b. Js. bie Brüder Philipp Storath und seine Ehe- fian Christine, Ambros Storath unb seine Ehefrau Regine, sowie Bruno Link, Kunstschneider und seine Ehefrau Lubwine die goldene Hochzeit. Die Jubelpaare erfreuen sich noch einer entsprechenden Gesundheit und zähle» zusammen 459 Jahre.

Mosaikbiwer aus Sem Orient

Reiselizzen ron Tr. Jos. Lammeyer, Beirut (Syrien), (Fortsetzung.)

Rach dieser kurzen Skizzierung dürfte es inte­ressant fein, das Leben und Treiben einer orieiita- lischen Großstadt etwas näher kennen zu lernen. Diese Krmitms wird der freundliche Leser am besten erlangen, wenn er mich im Geiste auf einem Spa­ziergänge durch die Straßen Beiruts begleitet. Wir werden bald diefes, bald jenes wahrnehmen, bunt durcheinander, wie cs uns gerade^ begegnet. Mitten durch Beirut führt eine große Straße, in bie von links unb rechts zahlreiche Seitenstraßen einmün­den. Ta kommt die Trambahn, wir wollen sie be­steigen, um gleichsam im Fluge alles an unserem Auge vvrüberziehen zu lassen und einen allgemeinen Eindruck zu gewinnen, aber es ist nicht möglich. Denn zufällig findet ein Umzug statt, bet uns daran hindert. Möbelwagen kennt man nicht. Je nach Umfang der Mobilien treten 10—15 Lastträger an. Auf mich machte der Zug einen komischen Eindruck. Ein Lastträger hatte einen großen Küche rischrank auf dem Rücken, ein anderer wankte daher mit ‘ einem Schreibftkretär von riesigen Dimensionen, ein dritter seufzte, äifoie und stöhnte, besonders wenn der Eigen­tümer in seiner Nähe war, unter der Last eines fast 3 Meter langen Divans und versperrte damit die ganze Straße, wieder ein anderer trug mindestens eineinhalb Dutzend Stühle, die hoch aufgetürmt zu- fanitociigtbunben waren. Daran konnte man er- femien, daß es eine bessere Familie war, denn der gewöhnliche Araber braucht keine Möbel, besonders keine Stühle, er hockt auf dem Bode«, und wenn ihm ein Stuhl zu Verfügung steht, so setzt er sich oft so auf denselben, wie er auf der Erde zu sitzen ge- wchnt ist, fo daß die Füße auf dem Stuhle sich be­finden. Da kommt einer mit einem 2 Meter großen Spiegel, der eben in Gefahr war, in 1000 Stücke zu gehen durch einen hart vorüberfahrenden Wa­gen. Man macht sich kaum einen Begriff davon, was diese Leute durch jahrelange Hebung für eine

Gefahr gebracht werden.

* Limburg, 26. Febr. 1912. In der letzten Stadtverordnetenversammliing wurde beschlossen, zu gründenden Gesellschaft m. b. H. zum Bau Betrieb eines Probe-Motorschiffes

*♦ Ei« katholischer Bischof Irlands gegen den Boykott. Aus Irland totrb gemeldet, daß dort der Kampf um die Home Rule (Selbstverwaltung) auch zu der bedauerlichen Erscheinung des wirffchaftlichen Boykotts geführt, den Katholiken und Protestanten infolge der Erbitterung übereinander verhängt ha­ben. Nun wendet sich der katholische Bischof von Galway, Mons. O'D ea, an seine Geistlichkeit, da­mit sie von der Kanzel herab gegen den Boykott Stellung nehme. Es sei Ehrenpflicht, auch den Kampf um ein Recht nicht derart ausarten zu las­sen, daß ber Gegner ruiniert werbe. Die Katholiken sollten sich versöhnlich zeigen, ihr Ebelmut werbe bann auch bie Gegner überwältigen.

** Börsensteuer in Frankreich. Der Senat hat bie Arttkel bes Finanzgesetzes angenommen, wo­durch bie Einführung des amtlichen Kurszettels unb einer Steuer auf Termingeschäften an ben Produktenbörsen festgesetzt wirb.

lern begegnen, bie eine brennenbe Zigarette in ber einen Hanb, mit ber anderen um Almosen bitten.

Einen noch widerlicheren Eindruck machte es auf mich, als ich ait ber Türe bes päpstlichen Delegaten ber uns gerabe gegenüber wohnt, am Neujahrstage eine Bettlerin antraf, bie nach ben dort ein- unb ausgehenden Gratulanten dieselbe Hand ansstreckte, ht der sie eine brennende Zigarette hielt, wie denn auch jeden Sonnabenb, an welchem Tage im Hospiz ber beutschen Borromäeriunen Amosen veri-ilt wirb, Arme mit brennender Zigarette anzutreffen sind. Das Rauchen bes weiblichen Geschlechts ist überhaupt eine Unsitte im Orient. Oft kann man junge unb alte Weiber vor ben Fenstern öder an der Daus- türe sitzen unb besonders Pfeife rauchen sehen. Als ich eine kranke Frau im Hospital besuchte und frug, ob ich ihr nicht einen Gefallen eriveisen könnte, gab sie mir zur Antwort: Hanwäze gibli sigära, b. h. Meister gib mir eine Zigarette! Am cmberen Tage war sie fchon tot. Im Orient raucht jebermaun unb überall enttoeber Zigaretten ober die gewöhnliche türkische Pfeife ober bie persische Wasserpfeife, letz­tere wird mit besonderem aus Persien tmportierten Tabak gestopft. Der beste türkische Tabak kommt aus Mazedonien. Zigarren dürfen in die Türkei ein­geführt werden, aber nur gegen einen Prohibitivzoll von 75 Prozent des Wertes, dagegen ist die Einfuhr ausländischen Tabaks strengstens untersagt.

Horch! da wird Lärm geschlagen, die Polizisten pfeifen, das Volk strömt zusammen. Im Bazar ist ein Brand ansgebrochen. Es ist Großseuer. Feuer­wehr gibt es-nicht. Was tut man? Zunächst läßt man es ruhig brennen. Der Eigentümer wenigstens rührt keine Hand. Es ist ja versichert und — so erzählt man schon — er hat es selbst angezündet. Schließlich wirft man noch einige Ballen Baumwolle, Manufakturwaren herunter, um sie zu retten! Biele geschäftige Hände regen sich, die etwas nötig haben. Mittlerweile kommt einer mit einer Kanne Wasser und gießt sie in das wütende Element hinein, ist eine Frau, die alles, was sie auf,bet Straße sicht, Papier, Lumpen rc. auflieft unb ins Feuer wirft, auch sie glaubt in ihrer Weise mithelfen zu müssen.

Aus dem Nachbargehleie.

* Aus bem Bogelsberge, 26. Febr. 1912. In Wetzlar tagte bie Jahresversammlung der „Herd- b u ch g esellsch af t für das Vogelsber­ger Rin b." Der Geschäftsbericht weist eine^ er­freuliche Zunahme der Eintragungen ins Herdbuch nach. Die Mitgliederzahl beträgt 686. Die Ver- kaufsvermittlungsstelle wurde auch im vergangenen Jahre mehrfach in Anspruch genommen. Der Rot­viehzüchterverband plant, im nächsten Jahre in Gie­ßen eine große Ausstellung abzuhalten.

* Marköbel (Kr. Hanau), 25. Febr. 1912. Ueber das Projekt der Erbauung einer Kleinbahn von Büdingen nach Hanau ist zu berichten, daß die Unternehmerfirma, Aktiengesellschaft für Bahnbau unb -Betrieb Frankfurt a. M., einen neuen Finan­zierungsplan ausgearbeitet hat, der die Beteiligung des preußischen Staates an dem Unternehmen durch Gewährung van Kapital zu niedrigem Zinsfüße ooraussetzt.

* Spangenberg, 26. Febr. 1912. Der 18 jährige Buchhalter Karl Schneider kam beim Fußball­spiel zu Fall und erlitt einen schweren Schenkel­bruch des rechten Beines. — Durch auswärtige Händlersschweine ist die Maul» und Klauen­seuche tu bie hiesige Stadt und in die benachbarten Dörfer Nausis unb Elbersdorf eingeschleppt worden. Erkrankt sind bis jetzt annähernd 30 Stück Rind­vieh, ebensoviel Schweine und 5 Ziegen.

* Cronberg, 26. Febr. 1912. Der Frankfurter Kunstmaler Professor Norbert Schr ödl ist heute