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39. Jahrgang

Fulda, Montag den 26. Februar 1912.

Erstes Blatt

.40 46.

und

Rauch

Englisch:

schien.

Lange musterte dec Schwarze den Doktor und

anjelgta: ver lkasnr einer dKfy.iloIetttl« $«U«, 47 ms birlt, kostet ISPfg. Htflaints: ver Baern einer Sols« nelzeile, 74 msi breit, kostet 40 Pfg. vrilvie» brrhoiltszea Babalt 8SrSSert-u Aurlvnftz. cnzrigen 29 Pfg. extra.

BotatUatbraB

Anhand.

♦* Ter Großherzog von Luxemburg f

Der Großherzog ist Sonntag abend 7 Uhr nach längerer Krankheit gestorben. Großherzog Wilhelm Alexander ist 1852 in Biebrich geboren. Nachdem er seit 1902 die Regentschaft geführt balle, wurde er mit dem am 17. November 1905 erfolgten Tode Großherzog Adolfs selber Großherzog. Nach weiteren drei Jahren, am 19. November 1908, ging die Regentschaft an die Großherzogin M a r i e Sl n n a über, da dem Grobherzog das unheilbare Leiden, dem er nunmehr erlegen ist, die Weiterführung der Regierungsgeschäfte unmöglich machte. Da der Großherzog nur Töchter bat, wurde im Jahre 1907 ein Familienstatut geschaffen, nach dem die Krone auf die älteste Tochter vererbt wird. Tie neue Großherzogin Marie Adelheid ist jetzt 18 Jahre alt.

wschenheüage: ,Illustrierte Sonntagrzeitung"

' Unter der vereinten Kraft der Matrosen der ins Boot gekommen Neger drehte sich knarrend das Gangspill, rind die Ankerkette wand sich langsam in die Höhe. Als der Anker gehoben und an seinem gewöhnlichen Ort befestigt war, ertönte Gorings neues Kommando:

„Los die Segel und brasst sie halb vor der» _ Auch dieses Manöver wurde schnell vollzogen. L-er Westwind faßte die Leinwand und blähte sie auf, daß die Brigantine unter ihrem Druck erzitterte find gleichsam ungehalten darüber, daß sie so lange ans einem Fleck hatte still liegen müssen, mit einem mächtigen Ankauf die Fahrt aufs neue begann.

„Das Steuer hart an Backbord, und Ihr vom Doot nehmt das Schiff rns Schlepptau und bugsiert es durch die Brandung!"

Das Amulett

15] Eeeroman von Jos. B a i e r l e i n.

Erscheint täglich mtt Abnahme bet $o.m- ued Feiertage viertel­jährliche? Bev: s'preis ohne tzciiigciiohn und VefteLgelomFii'da so­wie amwörtrl-SOMt.

»e-aitiw. stedskteurr

Als ob die Neger selbst der Ungewißheit em schnelles Ende bereiten lvollten, trafen sie ohne Ja­gern Anstalten zum Aufbruch. Sw brachten dl Weißen ans Land, nahmen sie dort in tbte ®htte und begannen mit ihnen den Marsch lns Jnnere.

„Wenn der Kriegsdampfer die „B.'arie Celeste" I ebenso deutlich gewahrte, wie die Regere ihn sahen, dann waren die Mordbuben verloren; denn ein 1 Fahrzeug, das in der Nacht von einem Ruderboot der Brandung zugeschleppt wird, mußte Verdacht erregen, und wenn das große Schiss der Brigantine auch nicht an Bord kommen konnte, weil die Klip­pen dies verhinderten, so konnte es dieselbe doch in den Grund bohren; die zwei Schiffe befanden sich nur aus Kanonenschußweite von einander.

Allein die Schufte hatten Glück. Im gleichen Moment, wo der Dampfer hinter dem kleinen Vor­gebirge hervvrkam, fuhren das Boot und die „Marie Celeste" in den tiffen, dunklen Schatten ein, den die Felsen weit hinaus ins Meer warfen; dort wa­ren sie für daS Kriegsschiff nicht mehr sichtbar. Zu­dem kannten die Neger im Boot das Fahrwasser aufs genaueste; sie lootsten die Brigantine durch einen ganz schmalen Kanal, der die Felsenwand in einer Breite von höchstens dreißig Dietern unterbrach in einen dahinter befindlichen Hafen, wo sie vor aller Augen verborgen, vor jeder Entdeckung sicher war. Statt im Hafen von Lissabon warf die „Marie Ce­leste" an der Küste Afrikas ihren Anker aus.

Erst als es gegen Abend ging, erreichte man eine von Palmen und grünem Gebüsch umschattete Oase, auf der sich eine Anzahl Häuser, Hütten und Zelte zeigte, die ein Dorf oder eine Stadt vorstellen sollten. Es war Zeit, daß das Ende der Reise bevorstand; denn die todmüden, erschöpften Weißen drohten die letzten Kräfte zu verlassen.

Ms die Reisenden sich dem Ort näherten, stießen die Männer Kriegsruse und die Weiber Schimpf­worts aus. Es bedurfte des Ansehens und der stren­gen Befehle des Häuptlings, die Fremden vor Miß­handlungen zu schützen. Erst nachdem er der auf­geregten Horde in kurzer Rede Mitteilung von dem Schatze gemacht hatte, den der weiße Knabe in sei­nem Amulett mitbrachte, schwieg der Lärm, um fiat- rem Erstaunen und grenzenloser Verwunderung Platz zu machen,

12. Kapitel.

Am folgenden Morgen versammelte sich der ganze Stamm vor der Hütte, worin Doktor Jephson und sein Sohn untergebracht waren, und nun ging es zum Fettschhaus, einer Att einfacher Tempel.

Mitten in demselben, auf einem großen Posta­ment, stand eine merkwürdige Figur: das Bild eines Negers von Meterhöhe, kunstvoll aus schwarzem Material gemeißelt, das gemeinsame Tapu, der Fe­tisch oder das Helligtum zahlreicher Negerstämme.

Der Obi warf sich vor dem Götzenbild aufs An­gesicht nieder und näherte sich ihm, auf den Knien rutschend.

„Zeig' die schwarze Hand; es beginnt die Probe?", sagte der Häuptling zu Robert. _

Der Knabe gab den Stein dem Häuptling, wel­cher ihn dem Obi einhändigte. Letzterer erhob sich vom Boden und streckte den Arm aus, um die schwarze Hand an die Bruchstelle des Bildes zu pas sen. Und — sie paßte wirklich! Es gab seinen Zweifel mehr: das dem Tapu von weißen Mannern vor Alters geraubte Stück war wieder gefunden. Ta stimmte der Obi einen wilden Freudengesang an.

Die jubelnde Sttmme drang durch den Vorhang hinaus aus dem Fetifchtempel zu dem draußen har- rendeu Volke und verkündete diesem das wichtige Er- eigniS. ' ■ i

(Schluß folgt.)

„Unser Bruder Goring hat uns eine seltsame Mär berichtet. Ihr seid die ersten zwei Weißen, die er lebend mit an diesen Strand brachte, und er be­hauptet, das sei nur geschehen, weil Ihr die verloren gegangene Hand unseres Tapu besitzt Wie verhält sich die Sache?

„Es ist wahr, daß mein Sohn von unserer Die­nerin Sarah em Amulett zum Geschenk erhielt, in welchem sich eine aus schwarzem Stein gemeißelte Hand befindet. Ob diese die Hand Eures. Götzen ist, wissen wir nicht. Doch sagt es Goring, und die Ne­ger aus dem Schiffe haben es bestättgt," gab der Doktor zur Antwort.

„Zeig Deinen Stein!" wandte sich der Hätlplling an Robert

Der Knabe öffnete seine Weste, zog die auf der bloßen Brust verwahrte Kapsel hervor und. nahm die schwarze Hand aus derselben

Ein lauter Schrei der Ueberraschung ertönte. Me Neger drängten sich um den Knaben und blickten ju­belnd, frohlockend mit ekstasischer Ehrfurcht auf das Bildwerk.

Nachdem dec Häuptling die schwarze Hand genau besichtigt hatte, sagte er freundlich:

„Fremdlinoe! Es scheint kaum zweifelhaft, daß dies wirklich renes Stück von unserem Fettsch fft, welches weiße Sklavenjäger vor langer Zeit geraubt haben. Wenn die Probe, die wir deswegen anstel- len iverben, dieses augenscheinlich und tatsächlich be­weist, dann — seid Ihr Eures Lebens sicher bei uns, und wir werden Euch überdies alle Hände drei- und viermal mit Gold füllen. Ergibt aber die Probe, daß die schwarze Hand nickt diejenige ist, für welche wir sie halten, so müßt ihr sterben. Ich habe das unserem Bruder Goring versprechen müffen. Bis alles entschieden ist, betrachten wir Euch als unsere Gefangenen."

tags in Schwarzbnrg-Rudolstadt die Beratung des Etats ablehnte, Mont,

die Wahlen hätten gezeigt, daß das Land eine zeit­gemäßere und freiheitlichere Polittk wünsche, im Gegensatz hierzu verharre die Regierung in ihrer reak­tionären Polittk, wie die WahlrechtSänderung zu Gun- ten der Höchstbesteuerten und zu Ungunsten der all­gemeinen Wählklasse dattue. Die sozialdemokratische Fraktion reiche deshalb zur sofortigen Beratung eine Reihe Anträge ein, darunter: Einführung der Wahl an Sonntagen, Trennung von Staat und Kirche und Zurückziehung eines der fürstlichen Zivilliste be­willigten Zuschusses von 82 000 Mk., ferner staatliche Besoldung der Lehrer, Einführung der VermögenS- leuet und Abänderung der Einkommensteuer in dem Sinne, daß alle Einkommen unter 8000 Mark nie­drigere, alle Einkommen über 4000 Mark höhere Steuersätze zu tragen haben. Einführung des Pro- portionalwahlshstems für den Landtag.

Man sieht, die Sozialdemokratte machts noch gnädig, sie verlangt wenigstens noch nicht die so­fortige Einführung des Zukunftsstaates. Ihre An­träge indessen sind sie in der Sage durchzusetzen, und da die Regierung diesen Widerstand leisten wird, so wird bereits ernsthaft mit der Möglichkeit einer Auflösung des Landtages gerechnet. Minister Frhr. b. d. Recke hat sich über die Lage folgender­maßen geäußert: „Die sozialdemokratische Partei will es anscheinend auf einen Konflikt ankommen las­sen. Sie hat der Regierung ein Programm mit sehr radikalen Forderungen unterbreitet und zu verstehen gegeben, daß von der Annahme dieser Forderungen die Arbeitsfähigkeit des Landtags abhängen würde. Wenn der Konflikt auch jetzt noch nicht da ist, so ist er infolge dieser intransigentenHaltung doch zu be- Sten. Die Regierung hat zwar noch keine Ent- ung getroffen, doch erscheint die Annahme der Forderungen des sozialdemokratischen Programms, in chrer Gesamtheft mindestens, als ausgeschlossen." Die Regierung hat natürlich Recht mit der Weige­rung, den schwarzburg-rudolstädtischen Staat als Versuchskaninchen benutzen zu lasten.

Deutsches Reich.

* Berlin 25. Febr. 1912. Der Kaiser halte heute mittag im Schloß eine längere Konferenz mit Staatssekretär u. Kiderlen-Wächter. — Der Kaiser wird gelegentlich seiner Mittelmeerreiie dem Kaiser Franz Joseph in Wien einen Besuch abstatten uub wahrscheinlich auch mit dem Kön.g von Jtatten eine Zusammenkunst Halen. — Der Gesetzentwurf be(r. die Erhöhung der Zeugen» und Sachver- ftäudigen-Gebühren ist, Blattermeldungen zu­folge, im Reichsjustizetat ansgearbeilet worden. Es ist aber nicht damit zu rechnen, daß der Entwurf dem Reichstag bereits in nächster Zeit zugehen wird. Es sind vorwiegend Bedenken finanzieller Natur, die der. Einbringung der Vorlage entgegen« stchcn — Der Gesetzentwurf über die Konkurrenz« klanselfra ae, mit dem sich zurzeit das RerchZ- justizamt beschäftigt, ist über das Stadium der Vorbereitung noch nicht hinausgelommen. VsMoeie Schwierigkeiten bereitet, Blättermeldungen zufolge, die Frage der bezahlten Karrenzzeft, über die in den interessierten Kreisen die Anschauungen soweit aus- einairdergehen, daß es sehr schiver ist, die mittlere Linie zu finden. — Ter Kronprinz ist in St. Moritz beim Eishockey ausgeglitten uub hat sich eine unbedeutende Geschwulst an der Wange zu­gezogen.

** Verzicht auf die Erbschaftssteuer? Wie man in Reichstagskrcisen wissen will, ist die geplante Wiedereinbringung der Erbschaftssteuer bis auf weiteres aufgegeben worden. Ob andere Decknngsvorfchläge gemacht werden sollen, oder ob man versuchen wird, zunächst die Mehrausgaben für die Wehrvorlagen durch die vorjährigen lieber« schiisse des Reichshaushaltsetats auszugleichen, scheint noch nicht endgültig entschieden zu sein. Die „Schiff. Vztg." hält es für wahrscheinlich, daß dem Reichstag eine Erhöhung der Wertzuwachs- und Ku­ponsteuer, sowie eine Dividendensteuer borgeschlagen werden wird.

)( Petitionen der Unietbtamkn um TeueningLzu- lazen. Da? gesamte Unterbeamtenlum hat sich zu einer gemeinsamen Eingabe au die Parla­mente enlschlossen. Unter Hinweis auf die Not- fiandspreise, die für Kartoffeln, Kohlen und Gemüse gezahlt werden müssen, wird dringend um Hilfe gebeten. Tie vom Neunerausschuß der Unter» beamten an den Reichstag und Landtag abgefanbte Petition bittet:

1. auf eine ausreichende Erhöhung der Ge­haltsbezüge der Unterbeamten hinwirken zu wollen. Vorqcschlagen wird die allmähliche Beieinheillichung der ffluterbeamtentlaffen durch Zusammenlegung aller vorhandenen Kategorien in höchstens 3 Gehaltskiassen;

2. für alle Unterbeamten eine sofort zahlbare Teuerungszulage erwirken, und

3. daraus himvirkeu zu wollen, daß bet sämtlichen Reichs- und Staatsbehörden mit der Ueberttagung einer elatsmäßigen Stelle auch an die Unterbeamten grundsätzlich die unkündbare Lebensstellung verknüpft fein soll.

X Der Katholische Lehrerverband des Deutschen Reiches, der jetzt die einzelnen Lehrervereine zum 15. Berbandstag in Erfurt für Pfingsten 1912 einlädt, wird sich auch über die Gründung eines B e r- bandsorgans für den Kath. Lehrerverband S;ig werden. Ter Gedanke, ein solches Organ ins t zu rufen, ist nicht neu, und feine Verwirkli­chung wäre mit großen Freuden zu begrüßen. Ein Haupthemmnis bildeten seither und zumteil auch jetzt noch einige Lehrervereine, die durch die Neugrün­dung eines Bcrbandsorgans größeren Stils eine Be- einträchligung der von ihr geschaffenen Fachpreffe befürchtete». Eine Umfrage bei den einzelnen Leh- rerbereittee ergab jedoch, daß der größere Teil für die geplante Neugründung ist und so wurden dem Kath. Lehrerverein für die Diözese Fulda und dem Nassauischen Lehrerverein die vorbereitenden Arbei-

Kontrolle geübt, ob auch alle unsere Kollegen ihr Wahlrecht ausgeübt haben. Zu diesem Zwecke muß gier Kollege fein Mitgliedsbuch zur ah l mitnehruen und am sozialdemo­kratischen Standquartier abstempeln lassen. Hat ein Mitglied dasselbe vergessen, so muß eher sich eine andere Legitimation ausstellen lassen. Keine AuSrede ist für uns stichhaltig. Verbandsmit­glieder tut eure Pflicht I Die Verbandsleitung.

Zur Stichwahl im Wahlkreis München I wurde ein zweites, ähnliches Schreiben an die Mitglieder gerichtet, worin sie für die Zeit von 10 bis 12 Uhr zur Wahl befohlen wurden. „Außerdem brauchen wir bis 11 Uhr vormittags oder längstens bis halb 12 Uhr mindestens 200 Kollegen ,. .. zu einet ehr wichtigen Wahlarbeit," heißt es da wörtlich. — lud diese Gewerkschaften, die einen solchen Wahl­terrorismus auf ihre Mitglieder ausüben, ha^n noch die Stirn, sich als parteipolitisch neutral auszugeben, wenn sie auf den Mitgliederfang aus­ziehen.

* Heidelberg, 25. Febr. 1912. Prof. Dr. Czerny, Generalarzt mit dem Rang als Generalmajor, ist „auf sein Ersuchen" aus dem Verhältnis ä. la suite des Sanitätskorps ausgeschieden. Der Generalarzt ä. la suite hatte es mit seiner militärischen Stellung vereinbar gehalten, für die Unterstützung der Sozial­demokratie Propaganda zu machen, deshalb muß er jetzt gehen.

d* München, 25. Febr. 1912. Gegen das Mi­nisterium Hertling beabsichtigen di« bayerischen Liberalen gleich mit Beginn der Kammerverhaud- lmigen in Angriff vorzugehen. Durch den Mund des Abg. Casselmann fordern sie schon jetzt, daß das neue Kabinett Ausschluß über die Vorgänge im Landtage gibt, die zum Ministerwechsel führten. Caffelmann erklärt, daß er die Geschehniffe in „schwerem und erbittertem Kampfe" auf« greifen werde. Aehnliches Haden auch schon die Sozialdemokraten erklärt. Hierzu bemerkt das führende Zentrumsorgan, der .Bayerische Kurier', das Zentrum sei an einer solchen Generalerörterung nickt mehr besonders interessiert. Die alte Staats­regierung sei nicht mehr vorhanden, mit der sich das Zentrum „nach all den sinnlosen politisch un­verständlichen Vorgängen in unerbittlicher Weife ausemandcrzusctzen gehabt" hätte. Ti« neue Staats­regierung aber sei für all« jene Vorgänge nicht ver­antwortlich, sie kenne sie nicht einmal. Mit ihr habe das Zentrum bis jetzt nicht die allergeringste Kollision. Die Antwort der neuen Staatsregierung wird vermutlich febr kurz ausfallcn.

*♦ Straßburg, 24. Febr. 1912. In der gestrigen Sitzung der Budgetkommiffion des Land­tages beantragten die Sozialdemokraten beim Etat der Finanzen, den Gnadenfonds d. Kaisers in Höhe von 100 000 Mark und den Disposi­tionsfonds des Statthalters in Höhe von 130 000 Mk. zu streichen und die dadurch gewonne­nen 230 000 Mk. zu einer Teuerungszulage für die Beamten zu verwenden. Die Regierung erklärte, diesem Verlangen nicht stattgeben zu können, da der Fonds als Gnadenfonds nicht der parlamentarischen Kontrolle unterliegen könne. Nach längerer De­batte wurde der Gnadenfonds gestrichen. Der Dis­positionsfonds wurde gegen die Stimmen der So­zialdemokraten bewilligt. Von dem Repräsentations­fonds des Statthalters in Höhe von 200 000 Mark werden auf Antrag des dem Zentrum angehörigen Vorsitzenden der Budgetkommiffion 100 000 als künftig wegfallend bezeichnet. Gestrichen wurde auch der Geheime Fonds der polittschen Polizei (44 000 Mark, weil auch darüber die Regierung die Vorlage der Belege verweigerte, was in keinem Parlamente geschehen dürfe.

Der rote Landtag.

*» Rudolstadt, 24. Febr. 1912. Die Erklärung, mit der die sozialdemokratische Mehrheit des Land-

ten zur Verwirklichung des Planes übergeben. Der emsigen Tättgkeft der Kommission ist es nun gelun­gen, nachzuweisen, daß das Unternehmen schon inan,ziel! gesichert erscheint auf Grund der Unter« tützung durch Lehrervereine, von denen man im voraus die Geneigtheit zur Gründung des Perbands­organes voraussetzen darf. Auch die Frage der Re- daktton und der Mitarbeit ist spruchreif und so wäre zu wünschen, daß eine der schönsten Fruchte der Ver- ämmlmtgen zu Erfurt die Gründung des Verbands­organes fei, welches von hoher Warte sich die Pfleg« der ideellen und materiellen Güter des Kath. Lehrer- verbandes zur Ausgabe stellt, getreu der Devise, die ihm stets voranleuchtet, „Treu dem Glauben» treu dem Vaterlande".

* Eine protestantische Stimme gegen den Evan­gelischen Bund. Im Blankenburger Kreisblatt hatte am Tage vor den Reichstagswahlen der Evan­gelische Bund einen Aufruf erlassen „An die Mft- glieber und Freunde des Evangelffchen Bundes im Herzogtum Braunschweig", der mit dem Satze schloß: „Darum ist es Gewiffenssache eines jeden Pro­testanten, gegen die Jesuiten Stellung zu nehmen und keinen Reichstagskandidaten zu unter­stützen, der erklärt hat, für die Aufhebung des § 1 des Jesuftengesetzes eintreten zu wollen." Dazu be- nterft die Evangelische Kirchenzeitung Nr. 5:

Zu welchem Zwecke ist dieser Erlaß veröffentlicht? Doch sicherlich, um gegen das Zentrum, welches eine politische Partei ist, die neben der Vertretung der In- teresse ihrer Kirche nationale Ziele im Auge hat, vorzugehen. Deshalb bezeichnet der Kandidat der rechtsstehenden Parteien in einer Wahlversammlung im Braunschweigischen dieses Vorgehen als einen poli­tischen Att und wir fügen hinzu, der genügend ist, Verwirrung unter den bürgerlichen Parteien an­zurichten. Meint der Evangelische Bund tatsächlich, daß es b e s s e r ist, bei der Stichwahl zwischen einem Zentrumsmann und einem Sozialdemokraten letzterem, welcher mit der Religion die Monarchie abschaffen will und die Staatsordnung zertrümmern, seine Sttmme zu geben? Wir können nicht annehmen, daß dies seine Absicht ist. Also wozu eine Erklärung, die noch im Hintergründe die Geschäfte einer politi­schen Partei besorgt. Es wäre ja für die ausgesprochen kirchlich rechtsstehenden Vereinigungen verführerisch, auch für die politisch rechtsstehenden zu wirken, und doch wäre ein solches Vorgehen falsch. Wenn wir am Zentrum tadeln, daß es die Religion von der Polittk nicht zu trennen weiß, so sollten wir Evangelische doch nicht in denselben Fehler fallen. Deshalb wäre die Veröffentlichung des Evangelischen Bundes besser un­terblieben.

Der Artikel ist gezeichnet v. Rohr. Was den Schlußsatz betrifft, so ist das Zentrnnc sicher nicht schuld Daran, daß es Forderungen zur Verteidigung der Religion erheben muß. Das Zentrum hat das Recht und die Pflicht, für volle religiöse Freiheit der katholischen Reichsbürger einzutreten und dem­gemäß auch die Beseitigung des Restes des Jffuften- gesetzes zu fordern. Aber trotz alledem weist der Artikel eine kleine Besserung insofern auf, als man auch in protestantischen Kreisen mehr und mehr zu begreifen scheint, daß die Parole des Evangelischen Bundes „Lieber rot als schwarz!" zum Ruin und zur Zertrümmerung der Staatsordnung und unbe­dingt zum Schaden der Religion wie Mo­narchie führen muß.

* Wahlterrorismus in den „freien" Gewerkschaf­ten. Mit welchem Druck die sogenannten „freien" Gewerkschaften ihre Mitglieder für die Sozialdemo­krat ie an die Wahlurne getrieben haben, ist aus nach­folgendem Schreiben zu ersehen:

Verband der Bäcker und Konditoren Deutschlands, Mitgliedschaft München. Verbandsmitglieder und Kol­legen! Heimzahlen müssen wir den Menschenrechts- räubern und Volksaushungern, was sie seit 10 Jahren an der Arbeiterschaft verbrochen haben. Jeder Väcker- gehilfe, der sein Wahlrecht nicht auSübt, begeht ein Ver- brechen an sich und seiner Familie, sowie an der ge­samten Arbeiterschaft. Unsererseits wird eine strenge

? Zeitung

u. vertag brr finlbaer

m-natrb-llags! „Fuldaer EeschichtrblStier"

Doktor Jephson und Robert merkten an der gänz­lichen Bewegungslosigkeit des Schiffes, daß das­selbe den von Goring gewollten Bestimmungsort erreicht hatte. Jetzt mußten sie bald darüber aufge­klärt werden, welchem Schicksal sie der Ouartetone überliefern wollte.

Während der Nacht blieben aber beide unbe­helligt. Als der Morgen kam, erschien Goring in der Kajüte und befahl ihnen barsch, auf das Verdeck zu steigen. Sie fanden dasselbe gefüllt mit Negern von schwarzer Ebenholzfarbr uub schönem kräftigem Wüchse.

Als Dokwr Jephson und der Knabe auf das Verdeck traten, .führte sie Goring zu einem alten Neger, der die Würde des Häuptlings zu bekleiden

Vom Boot geschleppt und vom frifchen Wind vor­wärts getrieben, durchschniit die „Marie Celeste" in rascher Fahrt die Fluten, über welche der soeben über den Bergspitzen des nahen Landes ausgehende Mond ein Helles Licht goß. Im Scheine desselben erblickte tnan in geringer Entfernung eine langgestreckte Fel- fenntauer, eine Art steinerner Palisfaden, gegen welche das Meer seine grünen Wellen heranwälzte, die ihre mächtigen Häupter drohend erhoben, aber kraftlos in einer Schaumwolke an den mächtigen «teinmafsen zerstoben. Hinter den Felsen ragten 5?er62 und Hügel empor, welche die Küste ein- fauntteu, soweit das Auge sie verfolgen konnte.

»'m beschien jedoch noch etwas anderes, wa» Goring iind seinen Raubgesellen einige Minu- ten lang banges Herzklopfen verursachte. Denn hin- *eJ ss'.ffr toeu ins Meer hinausragenden Klippe, die x» bisher den Augen der Neger entzogen hatte, dampfte em großes Kriegsschiff hervor. Das blaue und rote Licht brannte auf beiden Seiten seines Ver- . .. decks, uub hoch oben am Mast die hell leuchtende > Robert mit prüfenden Blicken Endlich öffnete er Schiffslaterne; aus dem Schornstein quoll schwarzer! den wulstigen Mund und begann in gebrochenem

♦♦ Ein trostloses Bild freisinniger Fiuanzwird. schäft bilden die Rechnungsabschlüsse des mähri­schen Landtages pro 1908 und 1909, die ein großes Defizit ausweisen. Der Voranschlag für 1911, der gegenwärtig zur Beratung steht, verzeichnet einen Abgang von 13 Millionen Mark, das Budget für 1912 hat einen Fehlbetrag von 15% Millionen Mark.

♦♦ Italiens Luftrüstung. Das Kriegsministe­rium verlangte einen Kredit zur Anschaffung von 300 Aeroplanen und 24 lenkbaren Luftschiffen. Ge­genwärtig besitzt Italien 50 Aeroplane und 9 lenk- bare Luftschiffe. Außerdem solle« Schulen für Flie­ger errichtet werden.