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JV» 45.

Samrtag 24. Sebrnar 19(2

59. Jahrgang.

Tuldaer

Zeitung *

3. Blatt.

druck und Verlag der Znldarr Aetltndn>seret in znida.

* Es fehlt an Führern im Hand- werk!

Hier helfend mitzuwirken, ist Aufgabe der so­zialen Kurse für Handwerker, welche die Zentralstelle des BolksvereinS jedes Jahr in M.» Gladbach veranstaltet. Die Kurse erfreuen sich einer wachsenden Beachtung. Bis jetzt sind ungefähr 500 Handwerker durch diese Kur-se hindurchgegangen. Und jene haben sicher belebend auf die Handwerker­bewegung eingewirkt. Der diesjährige Kursus fand vom 4.-9. Februar statt und war von rund 110 Handwerkern besucht.

Der Zweck des diesmaligen Kursus war ein rein pädagogischer. Eine allgemeine Orientierung über die Handwerkerbewegung wurde bei den Kursusteil- uchmern vorausgesetzt. In der Hauptsache, sollte gezeigt werden, wie der Handwerker Praktisch in sei­ner Standesbewegung arbeiten kann. Darauf deu­teten schon die Themata hin: Wie sichern wir dem Gesetz betreffend den kleinen Befähigungsnachweis den Erfolg; Mittel und Wege zur Nutzbarmachung der Fortbildungsschule; Wie Pflegt der Handwerker­stand seine Eigenart in der bürgerlichen Gesellschaft; Arbeitsprogramm und Arbeitsmethode der Innun­gen usw.

Einleitend wurde den Teilnehmern ein Bild ge­geben über den Aufbau »n-serer heutigen Volkswirtschaft. Das Handwerk leidet noch an dem Mangel, das; es vielfach die Zusammen­hänge des Wirtschaftslebens übersieht. Bei der Ge­winnung vou Einfluß auf die Gesetz­gebung arbeitet das Handwerk noch nicht shstc- matisch genug. Es versteht tn der Oeffentlichkeit zu wenig nachzuweisen, welche Kraft noch in ihm steckt, welches Intereffe der Staat, die Allgemeinheit an seiner Erhaltung haben. Es begnügt sich noch zu sehr mit der Anbringung allgemein gehaltener Petitionen ohne durchschlagendes, beweiskräftiges Material. Deshalb wurde auseinandergesetzt, tarn welchen Gesichtspunkten das Handwerk sich bei dieser Arbeit, die Gesetzgebung zu beeinfluffen, leiten lassen müsse: Betonung der Lebensfähigkeit des Mittel­standes und dec Bedeutung selbständiger Existenzen, Nutzbarmachung der Organisationen, Einbringung von fachlich gut durchaearbeiteten Petitionen, An­teilnahme am parteipolitischen Leben. Das Thema: Reformen im Handwerk im Zusammenhänge mit den Handwerkskammern sollte die Bedeutung der Handwerkskammern zeigen und den Weg angeben, wie die Innungen als Unterbau der Handwerkskam­mern mit diesen in entsprechender Weife zusainmen arbeiten könnten. Neu im Gegensätze zu frühern Kursen war der Bortrag: Handwerk und Wirtschaftspolitik. In letzter Zeit uiachen sich int Handwerk Strömungen gegen unsere bis­herige Schutzzollpolitik geltend. Als wenn das Handwerk, das in erster Linie für den lokalen Markt arbeitet, nicht besonders an der Erhaltung eitles kaufkrästiqen Binnenmarktes interessiert wäre. Der Bortrag ktzlt gar manche Bedenken beseitigt. Bei der Besprechung von Fragen des A-rbeits- verhältniffes zeigte sich in weitenr Maße Ver­ständnis sirr die Notwendigkeit der chriftlichnatio- ualcit Arbeiterbewegung; die segensreiche Wittimg der Tarifverträge wurde allseits anerkannt. Zugleich wurde die Gelegenheit benutzt, um zu zeigen, in­wieweit die Handwerkerfrage eine Bildunqs- frage des Publikums ist. wie der Handwer­ker als Produzent auf die Geschmacksbildunq des Publikums Einfluß gewinnen kann. Ein Lichtbil- dervortraq über Kunkt rrnd Wohnungspslege wirkte ergänzend.

So läßt auch der diesjährige Handwerkerkrtrsus hoffen, daß er für das Handwerk von Vorteil ist, daß er dem Handwerk eine Reihe von weitern Mit- clbeitern und Führern zur Verfügung gestellt hat.

Aus dem Nachbargebiele.

* Frauksnrt, 22 Febr. 1912. Beim Thca'er- publikum einer benachbarten Stadt fleht ein junger Bonvivant und „erster Liebhaber" in hoher Gunst. Namentlich die junge Garde des weiblichen «Stamm« pullikums schwärmt für ihren Liebling, und es ist begreiflich, daß der »Liebling* alle Minen springen läßt, wenn es an den Tagen der Vorstellung gilt.

das Publikum zu entzück«. Da passierte dem Herrn eines Abends das Malheur, daß ihm gerade bei einer Glanzstellr in seiner Paraderolle, wo er mit mächtigem Wortschwall richtig »loSlegen* muß, das — falsche Gebiß au» dem Munde sprang und mit lustigen Sprüngen nach der Rampe kollerte. Glücklicherweise wurde der fatal« Vorgang nur von einigen der in der vordersten Reihe sitzenden „Anbeterinnen* bemerkt. Um aber für alle wetteren Fälle geschützt zu sei«, trägt der jugendliche Held und Liebhaber jetzt ein — Reservegebiß in der Tasche, wenn er die weltbedeutenden Bretter betritt.

* Rotenburg, 23. Febr. 1912. Die Fabrikan- lagen der Firma A. Gobiet u. Co., Kassel, sind so weit fertig gestellt, daß die Uebersittckung mit etwa 130 Leuten in der Mette des nächsten Monats er- folgen soll. Infolge deS Zuzuges fremder Arbeits­kräfte ist Wohnungsman^l eingctreten, sodaß viele Leute in den umliegenden Ortschaften Wohnung nehmen mußten.

— Jena, 21. Febr. 1912. Eigentümliche Verhältnisse scheinen i« dem fortschritt­lichen Jena, das nur von Roten und Rosaroten re­giert wird, sich herausgebildet zu haben. In Nr. 43 der „Jenaischcn Zeitung" finden wir anläßlich der Wahl eines 2. Bürgermeisters ein „Eingesandt", in dem es u. a. heißt:

„Jene Auffassung, daß, wenn bei unS irgendwo Bedürfnis von Vermehrung von Schankstätten und das Gewissen sich gegen den Schank st ätten- unfug regt, nur das meine es sein könnte gereicht mir zu einer besonderen Ehre . . . der eine städtische Beamte, der neulich in Weimar vom Landgericht zu Gefängnis verurteilt wurde, ist als nüchterner und gut beleumundeter Beamter nach Jena gekommen, und cm denjenigen Stätten, die die .Nichternstzunehmenden" als etwa? Bedenkliches bekämpfen, ist er fähig gemacht lvorden für sein Verbrechen. . . . Bei allen anderen Beamten, die noch vor die Schranke des Gerichts treten müssen wegen Unterschlagung, wird die Ursache wohl kaum eine andere sein. Die städtische „Realpolitik" bereitet ihnen die Bahn des Verbrechens ..." Es wird geklagt, daß die Wege in einem Stadtviertel in trostloser Verfassung seien. „Dagegen hat man ge- wegt, Mk. 40 000 auszuleihen, also uns Steuerzahler dafür mit Schulden zu belasten, um Schankstätten allerlei Art zu vermehren, zu erhalten, anzukaufen oder doch mindestens durch Darlehen zu unterstützen. Und wir Steuerzahler erfahren nicht einmal, welche Kneipen und Varietes auf diese Weise unser Eigen­tum oder wir ihre Gläubiger werden. Heimlich geschieht so etwas. ES hat gewiß auch allen Grund, das Licht der Oeffentlichkeit zu scheuen."

Zum Schluffe stellt der Einsender an die Kan­didaten folgende Fragen, über die man sich seine Gedanken machen muß:

Was werden Sie, talls Sie als zweiter Bürger- ; meister von Jena gewählt werden, tun, wenn an Sie als ; Mitglied des Gemcindevorstandes die Frage nach dem Dirnenlokalen tritt? Werden Sie die Frage bejahen, i weil die Stadt wegen der Brauerei ein Interesse an der Vermehrung des VoNselendes hat? . . . Oder werden Sie den Mut haben, gegen den Strom zu schwimmen und das Volkswohl höher bewerten, als die Einnahme einer Brauereikasse oder der Braue­rei-Aktionäre? Werden Sie als Polizeichef für die nächtliche Ruhe friedlicher Bürger sorgen und von der öffentlichen Straße bei Tag und Nacht fernhalten, was nüchternen Menschen mit sittlicher Bildung schlecht­hin Ekel einflößen muh? Werden Sie diese allernot­wendigste Ordnung aufrecht erhalten ohne Ansehen der Personen und der sozialen Stellung der Ruhe­störer? Und werden Sie mit derselben Energie da­für sorgen wollen, daß das, was unsere Gemeinde in jeder Hinsicht positiv fordern kann, gehegt und gepflegt werde?"

Als Eiuseuder zeichnet Herr Trüper, der Direktor des bekannten Erziehungsheimes auf der Sophien- höhe bei Jena. Das beweist uns, daß nicht bloß Lärm gemacht werden soll, sondern daß wirklich etwas faul sein muß, trotzdem d i e Parteien im Stadthaufe sitzen, die sonst im Lande die alleinigen und privi­legierten Hüter von Recht und Sitte u. s. w. sein wollen. Das ist die Stadt, in der man keine grö­ßere Sorge kennt, als die Abwehr der „ultramon- tanen Gefahr".

* Vom Westerwald, 22. Febr. 1912. Wie ge­sucht der Posten eines Bürgermeisters ist, geht dar­aus hervor, daß sich um die Bürgermeisterstelle des kleinen Kreisstädtchens Marienberg (Westerwall») nicht iveniger als 214 Kandidaten beworben haben.

* Awlsen, 23. Febr. 1912. Ein geheimnis- volles Verb rechen ist in dem benachbarten

Kleines Feuilleton

Für diese kommen die gesetzlichen Bestimmungen über Dtenstverträge in Betracht. Verweigert der

Erbe aus irgendwelchen Gründen seine Verpflicht n tung hinsichtlich des „Rechtes des Dreißigster?, so wäre die Einleitung einer Klage ersorderlrch, zuvor

innerhalb fünf Jahren 1000 Nachkommen haben. An einer Stadt mir 1000 Hunden würden nach fünf Jahren 1 Million Hunde leben 1 100 Kühe ver­wehren sich in 10 Jahren zu einer Herde von 2000 €lütf, und diese in abermals 10 Jahren zu 40000 Stück! Ein einziges Kaninchen-Weibchen ist nach

aber, da die Klage viel zu spät erst verhandelt wer­den könnte, der Antrag auf „einstweilige Ver­fügung", die schließlich bet Gericht schon in wenigen -stunden erlangt und auch sofort zwangsweise voll­streckt werden kann. ,rb.

Menschheit ist dennoch im Laufe der Jahrtausende ntcht degeneriert, sondern hat int gesamten Kultur- und Geistesleben gewaltige Fortschritte geutacht. vs- — Das Recht des sogenannten Dreißigsten. Unser Bürgerliches Gesetzbuch enthält in § 1969 eine Vorschrift, die nur den wenigsten bekannt ist, aber doch eine große Bedetttnng hat. Nach diesem Paragraphen ist „der Erbe verpflichtet, Familien- angehorigen des Erblaffers, die zur Zeit des Todes desselben zu besten Hausstand gehört und von ihm Unterhalt bezogen haben, in den ersten dreißig Ta­gen nach dem Eintritt des Erbfalles in dem gleichen Umfange, wie es der Erblasser getan hat, Unterhalt zu getvähren und die Benutzung der Wohnung und der Haushaltungsgegenstände zu gestatten". Das ist in vielen Fällen eine gar köstliche Bestimmung, die schon int Sättelalter als Rechtssatz gegolten hat, bei­nahe aber nicht wieder in unser Gesetzbuch hinein­gekommen wäre. Man denke, wie sehr der Tod emes einzigen Menschen oft alle möglichen Rechts- vechaltnffse ändert, und wie notwendig es daher ist, dte Schroffheit des Ueberganges zu mildern, denn leider sind;a die lieben Angehörigen durchaus nicht immer, selbst nicht nach einem Todesfall, friedlichen Herzens untereinander. Unter Familcenanqehöttqen versteht das Gefeh sowohl Verwandte jeden Grabes

nta)!, wie besonders auch das Wild in unseren ilbal- bSrn' getöteten Tiere dann

über Nicht zuverspcijeu.liegt kein Grund vor, um« fo!»cniget, üls ö;e Wissenschaft nachgewiesen hat, daß der Mensch nicht ausschließlich Pflanzene srr sein darf, sondern von gemischter Kost — Fleisch und Pflanzen — leben muß. Seit den Uranfängen der Menschheit lebte diese auch von Fleisch, aber die

— Wenn all« Tiere leben bliebe«. Was Gott geschaffen hat, soll der Mensch nicht töten — so und ähnlich lauten die Ansichten mancher Eiferer, und viele derselben bekennen sich nur aus diesem Grunde zum Begetarisnnis. Sie verzehren nichts, was vom toten Tiere kommt. Aber schon in der Natur kann man fortwährend beobachten, wie sehr und wie oft der Stärkere sein Recht dem Schwächeren gegenüber geltend macht: eins frißt das andere auf. Biele ^ere sind überhaupt nut Fleischfresser. Und es muß Wohl fo fein! Denn wie wäre es, wenn alle Tiere nur eines natürlichen Todes sterben würden? Es würde sehr bald keinen Platz mehr für die Men­schen geben, auch fehle Pflanzennahrung und füg­lich — wurden die Menschen selbst bon allerhand Tieren aufgefreflen werden. Eine Hündin kann

E ^Mil-! ccks auch Verschwägerte, z. B. eine Enkelin, die dem

Ä H die Vermehrung, Großvater, eine Nichte, die dem Onkel, eine Schwie-

ä ‘„ ’i 2" asubTn M°n b«ck nur, gekochter, di- der Schwiegermutter den Haushalt

föSre^nn18 ■Küd<tfe' TtaT j geführt hat usw. Allen diesen steht „das Recht des Sn "Li auszudenken,! Dreißigsten" zu, gleichviel, wer Erbe geworden ist,

Hieben toenn & aLe .bie’\ Tiere leben , nicht aber z. B. einer fremden Haushälterin, einer

Würden, wwi^ uffA orS‘-£Cl"an?Cr ^rmd£n ' Nütze, Gesellschafterin, einem Diensttnädchen ufw. eine a!c"' »ttter ihnen für Für diese kommen die gesetzlichen Bestimmunaen

Otte Wrexen aufgedeckt worden. Heute vormtttag wurde nämlich dort die Leiche des Schuhmacher- Meisters Rothauge mit zertrümmertem Kopfe aus der Diemel gezogen. Von dem Täter hat man nicht die geringste Spur. Das Gettcht arbeitet an der Aufllarung des Mordes.

Amt Geisa und Umgebung.

* Dermbach, 23. Febr. 1912. Gestern fand eine Probefahrt mit den drei neuen Feldabahn­wagen statt. Die neuen Wagen, welche bequem ein» gerichtet sind, entsprechen bezüglich ihrer Einttchtung und Ausstattung denjenigen der Bollbahnen.

** Vacha a. Werra, 23. Febr. 1912. Die neue beim Kraftwerk Philippsthal in der Werra erbaute Wasserkraftanlage soll mit einem Walzenwehr ausgerüstet werden. Dieser legt bei Hochwafser einen Stau von 2,5 Meter frei, da die Walze tn der ganzen Wehrlänge freitragend auf­liegt und bei einer Hochachtung der Walze das Wehr ohne Hindernis freilegt. Die Kosten dieser Wehr­anlage belaufen sich auf ca. 25 000 Mark.

♦ Stadtlengsfeld, 22. Febr. 1912. Gestern kam auf dem Schacht „Schrammhof" beim Bahnbau der Arbeiter Gebhardt zu' Fall. Ein Kippwagen ging chm Über das rechte Bein, welches arg zerquetscht wurde.

* Ostheim v. d. Rhön, 23. Febr. 1912. Ein hie­siger Einwohner will ein Stück von dem am Sonn­tag nachmittag niedergeqangenen Meteor gefun­den haben. Es ist ein faustgroßer grün-gelber Schwe- fclstein, der bei Bettchrung mit Feuer brennt und stark nach Schwefel ttecht. Tas Mineralogische Institut in Jena ist von dem Funde in Kenntnis gesetzt worden.

* Dorndorf, 23. Febr. 1912. Wie schon gemel­det, li gt dem Bezirks-Ausschüsse ein Genehmigungs- Gesuch vor, worin die Kali-Gewerkschaft Heiligen- roda in Heringen a. d. Werra um die Erlaubnis bittet, eine neue moderne Chlorkalium-Fabrik mit einer täglichen Mindestleistung von 10,000 Doppel- Zentnern auf dem Gelände der Gewerkschaft in Dorn­dorf errichten zu dürfen. Die Kali-Endlaugen sollen in die Werra abgeleitet werden. Die Kali-Gewerk- schasten Hersa und Heringen in Heringen a. d. Werra hatten vor einigen Wochen gleichfalls beschlossen, neue Chlorkalium-Fabriken mit Ableitungen der End- laugen in die Felda zu errichten; die Genehmigung hierzu steht aber seitens des Bezirks-Ausschusses noch ans. '2________________

Aus Oberhessen u. den hefi. Remtern.

* Neustadt, 22. Febr. 1912. Die Ausbeu­tung der in unserer Gemarkung vorhandenen Ouarzitlager ist beendet, da die Steine nicht die Eigenschaften besitzen, welche die Chamottstein- Jnduftrie an ihre Feuerfestigkeit stellt. Von der Firma Scheidhauer u. Giessiug in Duisburg, welche den Betrieb übernommen, ist der Versand nach ihren Werken eingestellt worden. Vielleicht lassen sich auf der Suche nach anderen Mineralien in unserer Ge­markung, wie Eisenerze. Braunkohlen, die ja mehr­fach gefunden wurden, bessere Resultate erzielen.

* Aus dem Urfetal, 23. Febr. 1912. Die Wei­terführung der Eisenbahn Zimmersrode- Gemunden bezw. von Kirchhain nach Gemünden bis Kloster Haina hat auch für das Ursetal, beson­ders für Armsfeld, Hundsdorf, Fischbach und Berg­freiheit eine gewisse Bedeutung. Bahnhof Haina dürfte in 1 y? Stunden zu erreichen sein, während nach Bahnhof Wildungen über 2 Stunden erforder­lich sind.

* Fritzlar, 23. Febr. 1912. Das diesjährige Musterungsgeschäft des Kreises Fritzlar findet an den Tagen vom 4. bis 7. März d. I. hier ini Stadtpark-Saale statt und beginnt jedesmal 16 Uhr ootm. Gestellungspflichtig stad die im Jahre 1892 geborenen männlichen Personen, und zwar am 4. März die Leute aus den Orten mit dem Anfangsbuchstaben B. bis einschließlich G., außer Gudensberg, am 5. März Gudensberg und alle Orte mit dem An­fangsbuchstaben H. bis mit 9t, am 6. März alle anderan Orte. Am. 7. März ist Losung und Klassi« fikation. — Die Stadtverwaltung plant eine Ver­größerung des Wasserwerkes, da sich im vergangenen Jahre ergeben hat, daß der jetzige Wafferzufluß den Anforderungen nicht genügt. Man hoffte, in den Blaumühlen-Wiesen Wasser zu finden, uno es wurde schon im vorigen Herbste gebohrt, je­doch ohne Erfolg. Die Bohrungen werden jetzt an einer andern Stege fortgesetzt.

vermischtes.

* Folge» des Klatsches. In Dessau tauchten plötzlich Gerüchte auf, der Stadtkämmerer habe sich SBerunltcuengen zuschulden kommen lassen. Eine sofort vorgenommene Reoffion der Stadtkasfe ergab die völlige Haltlosigkeit dieser Beschuldigung. Da- rauf hat sich der Stadtkämmerer aus verletztem Ehr­gefühl erschossen.

* * Grober Unfug in der Leben-Jefu-Literatur. In Berliner Blättern fanden wir folgende Annonce:

„Das Christusproblem gelöst! Soeben erschienen: Vor 1900 Jahren! Wer war Jesus Chrislus? In einer alten orientalischen Bibliothek ist ein Dokument gesunden worden, das klipp und klar mitteilt, wer Jesus ChriftuS war: ein Bundesbruder des Effäer- dundes, einer Art Freimaurervereimgung. Es ist der Bericht des Aelleslen des Bundes in Jerusalem an den Aellesten in Alexandria. Ein christlicher Priester ver­suchte bei der Entdeckung das Dokument zu vernichten, da sich die ganzen mystischen Wundergeschichten aus einmal ganz natürlich erklären. Die Vernichtung gelang ihm aber nicht. Dieser historische Bericht ist ins Deutsche übertragen worden mit einem Borwort über Pontius PilatuS. Neu bearbeitet von Ferd. Schmidt. Kein Denkender wird das Buch unbefriedigt aus der Hand legen."

Wenn der letzte Satz heißen würde: Kein Denken­der wird das Buch unentrüstet aus der Hand legen — wäre der Satz richtig; denn das Ganze ist'ein ungeheurer Schwindel tnb der Herr Ferd. Schmidt entweder ein Betrogener oder ein Mit­glied des Esfäerordens, bei dem er es jedenfalls zum höchsten Grad der — Naivität gebracht hat unter Verleihung des Ordens vom dicken Brett. Das Machwett ist zusammenfabuliett aus dem Leben- Jesu-Roman des im Jahre 1849 verstorbenen pro­testantischen Pfarrers von Hordorf bei Brarm- schweig, Karl Heinrich Venturini, dec in den Jah-

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Dr. Hoaimel's Haemafogen.

WARNUNG! Man verlange aus­drücklich den Namen Dr. Kommet

Gottesdienstorbnung.

Sonntag, 25. Febr. Fulda. Dienstmädchen» Kongregation. Nachm. 3V» Uhr Predigt und Andacht.

Handel und Industrie.

* Berlin, 23. Febr. 1912. An der heutigen Börse herrschte nahezu völlige Geschäftsstille. Aus dem Montanmarkte gaben die meisten Werte ’/s—1 Pro­zent nach. Schiffahrts-Aktien sehr ruhig, Bankaktien etwas niedriger, Elektrizitätswerte gefchästslos und stagnierend.

reu 1800 bis 1802 eine „Natürliche Geschichte des großen Propheten von Nazareth" herausgab, die 1806 in 2. Auflage erschien und seitdem als Quelle dient für Broschürenschreiber, die mit sensationellen „Enthüllungen" Geschäfte machen wollen. Ferd. Schmidt ist seines Zeichens Okkultist uud will die Wunder Jesu, die Venturini mit einer geheimnis­vollen „Reiseapotheke", die Chttstus mit sich führte, erklätt hatte, nach seinen Anschauungen okkultistisch erklären. Das ist der ganze Unterschied seines Machwerks von seiner Vorlage. Woran mau mit dem Manne ist, dürfte hinlänglich ersichtlich sein aus seiner Erklärung des Wanderns Christi über das Waffer. Herr Ferd. Schmidt sagt nämlich: „Ich bin der Meinung, daß jeder, der sich bewußt in die Astralebene zu versetzen vermag, auch auf einem Waffer zu erscheinen vermag, noch dazu, wenn er gerufen werden sollte." Und wir sind der Meinung, daß Herr Ferd. Schmidt auf dieser Astralebene schon recht weit vorgedrungen ist.

* DaS Gehalt der Tochter. In vielen, besonders kleineren Geschäften müssen die Kinder, speziell die Töchter, den Eltern beim Bedienen der Kunden, bei der Buchführung und sonstwie helfen, fo daß dadurch fremde Arbeitskräfte erspatt werden. Nun lautet der § 1017 des V.-G.-B.: „Das Kind ist, solange es dem elter­lichen Hausstand angehört und von den Eltern erzogen und unterhalten wird, verpflichtet, in einer seinen Straf­ten und seiner Lebensstellung entsprechenden Weise den Eltern in ihrem Hauswesen und Geschäft Dienste zu leisten." Auf diesen Paragraphen wollte ein Kon- kursverwalter vor dem 'Leipziger Kaufmannsgericht seine Weigerung stützen, der Dichter eines in Konkurs geratenen Kaufmannes das von ihrem Vater ausge­setzte Gehalt von 80 Mk. monatlich zu zahlen. Die i Tochter ist 19 Jahre alt und fungierte im väterlichen | Geschäft als Verkäuferin. Das Leipziger Kauftnamls- gericht entschied, daß die Tochter ein angemessenes Ge­halt zu bekommen habe; der Altwendung des oben an­gezogenen Paragraphen stehe die Verkehrsüblichkeit entgegen, die hier maßgebend sei.

* Ein Dorf vom Felssturz bedroht. Der Absturz eines ungeheuren Felskolosses von 800 Kubikmeter bedroht einen Teil des Dorfes Deutschnofen in Ti­rol. Sofort wurden viele Arbeiter beauftragt, um durch Sprengung die Gefahr zu beseitigen.

— FaunUkntmnmer. „Aber, Girqlbauer, wie ist es bei Eurem Fleißs möglich, daß Ihr euch so schwer fottbringt?' — „Ta san meine Ochsen d'ran schuld, Hochwürden! . . . Die da fressen z'oiel und der auf der Universität faust z'viel!"

Mord «ud Mordversuch durch Zigeuner.

Am 15. Februar 1912 ist in Kämmerzell bei Fulda der Gendarm van B ü r ck und der Bauer Wehner durch drei junge Zigeuner durch mindestens 20 Schüsse beschossen und Wehner ernstlich verletzt worden.

Im Anschluß hieran ist der Königliche Förster RoMaNtts im Walde von Zigeunern er­schossen worden.

Die drei Zigeuner sind dem Aussehen nach genau bekannt:

Sie heißen wahrscheinlich: i) Wilhelm Ebender, geboren den 17./9. 87, 1,65’/» m groß, Narbe an der linken Hand, vielleicht auch verstümmelte rechte Hand.

2) Ernst Ebender, *

23 Jahre a!t, 1,65 m groß, Narbe auf der rechten Backe.seile über dem Kiefer (*/» cm breit, 3 cm lang).

3> «ätscht» (Katschko) Reinhardt etwa 20 Jahre alt, 1,62 m groß.

Die Leute nennen sich aber arrch: Weitz oder Steinbach.

Sie sind wahrscheinlich von Fulva über Hil­ders in das Meiningische (Umgebung von Wcr» fangen) gezogen.

Alle Behörden werden ersucht, eile Zigeuner, die überhaupt in Betracht kommen tönnen, fest- zunehmen und Drahtnachricht hierher gelangen zu lassen, auch diese Bekanntmachung zu verbreiten.

Fulda, den 21. Februar 1912.

Der Nntersnchnnasrickter.