Waer
Leitung
♦ Gilserberg, 18. Febr. 1912. Der 72 Jahre alte Auszüger Völker in dem benachbarten Jtzen«
Amt Geisa und Mgebung
macht sich eine Neuwahl zu diesen, * Ei« Opfer seines Berufes wrrrde der leitende In der letzten Sitzung wurde dem Arzt des städtischen Krankenhauses in W e t t e r a. d.
Der Arzt suchte unter seinen Gepäckstücken her- um, bis er das richtige fand, einen reich mit Messing beschlagenen Lederkoffer. Diesen öffnete er, entnahm ihm ein Kästchen mit Medikamenten und eine in letzterem befindliche Phiole. Dann ließ er aus derselben zehn sorgfältig abgezählte Tropfen des
* Limburg, 16. Febr. 1912. Die Eifenbahndirektion Frankfurt a. M. hat nunmehr dem Zentrumskandidaten Gütervorsteher Klein auf eine nochmalige Eingabe die Genehmigung zur Annahme des Stadtverordnetenmandats erteilt. Zuerst war die Genehlnigung versagt worden.
Ruhr, Wulffers. Bei der Behandlung eines Diphtheriekranken hatte sich der im 47. Lebensjahr stehende Arzt eine kleine Verletzung an der Hand zugezogen. Es trat eine Blutvergiftung ein, an der Dr. Wulffers im Krankenhause zu Barmen gestorben ist.
Lehrer Leister in Boesch das Amt eines Konferenzvorsitzenden für die nächsten drei Jahre übertragen.
* Dermbach, 18. Febr. 1912. Dem Weimari- chen Landtag ist auch ein Gesuch wegen Gewährung eines Zuschusses zur Einrichtung einer Automobilverbindung nach Wernshausen zuge-
Aus Merheffen u. den Hess. Aemtern.
* Marburg, 19. Febr. 1912. Frau Hitzig hier, die Witwe des weiland Professors der Psychiatrie it Halle, Dr. Eduard Hitzig, hat der preußischen Akademie der Wissenschaften ein Kapital von 85 000 Mk. überwiesen zur Begründung einer „Eduard Hitzig. Stiftung", die wiflenschaftliLe Arbeiten auf den: Ge- biete der Funktionslehre des Gehirns belohnen und zu solchen anregen soll. — Seinen Verletzungen erlegen ist der Jäger Roos, der Samstag morgen sich in selbstmörderischer Absicht vor einen Zug geworfen hatte und überfahren worden war. Wie es heißt, hat der Verstorbene in dem Verdacht gestanden, einem Kameraden 20 Pfg. entwendet zu haben.
* Kirchhain, 17. Febr. 1912. Mit dem Bau der Wohratalbahn wird in nächster Zeit bestimmt begonnen. Am lekten Donnerstag fand die Oeffnung der Angebote für den in Submission ausgeschriebenen ersten Teil der Bahnstrecke Kirchhain—Gemünden statt. Während die Firma Witzel-Bebra 308867,40 Mk. berechnet, würde Thiemann-Soest die Arbeit für 154003,50 Mk., alo um weniger als die Halste, herstellen und die hiesige Firma Bieker und Geisler für 163 380,30 Mk., nur etwa 9000 Mk. mehr als letztere. — Da die Maul- und Klauenseuche in Niederklein erloschen ist, ist der Kreis Kirchhain jetzt völlia seuckensrei.
* Frankenbrrg, 19. Febr. 1912. Regierungsassessor Dr. Stapenhorst, bisher beschäftigt im Ministerium des Innern zu Berlin, ist mit der kommissarischen Verwaltung des hiesigen Landratsamts betraut worden und beginnt schon heute seine amtliche Tätigkeit.
* Treysa, 17. Febr. 1912. Die von der Königlichen Regierung genehmigten in hiesiger Stadt abzuhaltenden Wochenmärkte sind diese Woche eröffnet worden. >
* Homberg, 16. Febr. 1912. Die Abgangs« Prüfung am hiefigen Lehrerseminar erreichte heut« ihr Ende. Das Resultat war gegen das vorjährige ungünstig. Von 33 Abiturienten bestanden 27 das Examen.
Parität in so schroffer Weise verletzt worden ist, noch weiter fortzusetzen.
♦ Geisa, 18. Febr. 1912. Durch die Pensionierung des Rektor Trabert dahier, welcher Vorsitzender der Lehrerkonferenz für den Bezirk Geisa war, macht sich eine Neuwahl zu diesem Posten nötig, r
♦ Tiefenort, 17. Febr. 1912. Der Landwirt Georg Krug hier hatte ein Zahngeschwür. Beim Streuen von Thomasmehl kam ihm von diesem Düngemittel etwas in die Wunde, was eine Blut. Vergiftung verursachte und den Tod des im besten Mannesalter stehenden und von Gesundheit strotzen den Mannes herbeiführte.
Während Doktor Jephson mit zur Lampe em- t , ,, .m t j Porgewandtem Gesicht die Tropfen abzählte, stand
Diese Eröffnung beschwichtigte alle Bedenken des Goring hinter seinem Rücken. Hätte der Doktor Doktors: nur unter dem Einfluß seines Pflichtge-l dessen' von einem wilden Triumph strahlendes Ge-
„Gewiß", sagte der Doktor, „habe ich daS Mittel bei mir, und es steht Ihnen zu Diensten. Rehmen Sie die Tropfen lieber in Wasier oder auf Zucker? Letzteren Falls müßten Sie sich aber zuerst noch einmal auf Teck bemühen und in der Schiffsküche
»Ich, Herr Doktor", antwortete der Draußenstehende, an besten Stimme Herr A-phson deMkich —----- _
oen Ouarterone erkannte. „Entschuldigen Sie meine Laudanumpräl>arates auf das Stück Zucker fallen, »nzeltrge Störung. Mein ich komme zu Ihnen in Ihrer Eigenschaft als Arzt."
M 41
20. Srbruar 1912
5». öahrzanz.
2. Blatt
•t*< mb verleg der lknlbaer Actieadrucktttl ie 8»lba.
„Für Zucker habe ich bereits vorgesorgt", entgegnete Goring, indem er dem Dokwr ein Stückchen einhöndigte. „Im Vorbeigehen von der Kambüse nahm ich mir eine Kleinigkeit mit."
Aber diese Erwartungen werden, wie es scheint, nicht gangen. Nach der anderen Seite soll Oechsen Enderfüllt werden; es verlautet, daß wieder ein - —•- *- • - - - - -
Protestant mit der Direkwrftelle betraut werden soll. Die Stadt Cleve zählt rund 15000 Katholiken und nur 3000 Andersgläubige, der Kreis Cleve 61500 Katholiken und 8000 Protestanten.
Jahre 1910 wurde das Gymnasium
lern besucht, davon waren 167, also nahezu zwei Drittel, katholisch; unter den 10 Abiturienten befanden sich 8 Katholiken. Bei dieser Sachlage und unter den heuttgen Verhältnissen wäre es, sagt der Clev. Volksfreund, unverständlich und die Auftegung der katholischen Bevölkerung im höchsten Grade herausfordernd, wenn man es wagen sollte, die seit einem Jahrhunderte befolgte Praxis, wodurch die
am Halse aufgefunden worden. Wie die Unter- a“e Auszüger Völker in dem benachbarten Jtzen» suchung ergab, hat Kienitz, der schon lange Zeit entternie sich am vergangenen Donnerstag von leidend war, in einem Verzweiflungsanfall selbst wmen Angehörigen. Der Verschwundene, der in Hand au sich gelegt. Er ist seinen Verletzungen fetzter Zeit Spuren von Schwermut zeigte, konnte erlegen. noch mcht aufgefunden werden. .-
* Unterschlagungen in Höhe von 44000 Mark suü> bei der Bochumer Ortskrankenkasse aufgedeckt worden. Zurzeit findet eine größere Re- bision statt. Der Hauptkassterer wurde beurlaubt.
station werden, da in Gehaus keinerlei Interesse da- mr vorhanden zu sein scheint. Weder Private noch die Gemeinde haben einen Beitrag gezeichnet.
* Vacha, 19. Febr. 1912. Die hiesigen Kaufleute Sroteftanten. Im und Gewerbetreibenden gründeten einen Rabatt- t von 256 Schü- verein unter dem Namen Rabatt-Svarverein "---‘.....Vacha.
sühls handelnd, ging er zur Kajütentür und schob den Riegel zurück. Goring trat über die Schwelle.
„Von Teck aus", begann er, sich höflich verbeugend, „nahm ich wahr, daß Sie entweder so spät noch wach, oder schon so früh wieder außer Bett lind. Denn ich erblickte auf dem Master einen Lichtstrahl der nur aus dem Fenster Ihrer Kabine kommen konnte. Des war ich sehr froh; ich leide nämlich schon den ganzen Tag so an heftigen Zahn- schmerzen, die sich während meiner nächtlichen Wache auf dem windigen Deck bis zur Unerträglichkeit ge- fteigert haben. Da mir nun gegen diese von Zeit zu Zeit mich heimfuchenden Qualen stets einige Tropfen Laudanum von großem Nutzen gewesen sind und Sie als Arzt gewiß eine Reiseapotheke mit dem genannten Mittel bei sich führen, wende ich mich an Ihre Güte mit dem Ersuchen, mir Linderung meiner Schmerzen zu verschaffen."
Tas war wieder ganz der Goring von früher: höflich, mit gebildeter, wohlgefetzter Rede und klangvoller, wenn auch leiser Stimme.
vermischtes.
• Ein rheinisch-westfälischer Flugplatz soll bei Gelsenkirchen errichtet werden. Es stehen da- für bereits 1,100 000 Mark zur Verfügung. Die Eröffnung kann voraussichtlich schon zu Pfingsten statt- finden.
o Die drohende Erbschaftssteuer
Auch gestern wieder bestritt im Reichstage die Erbschaftssteuer einen Teil der Debatte. Der konservative Redner Edler zu P u t l i tz hob noch einmal mit Deutlichkeit hervor, daß sich die ablehnende Haltung der Konservativen gegen die Erbschaftssteuer nicht geändert Ija&e. Der national!. Redner P a a s ch e betrachtete die Ablehnung der Erbschaftssteuer als eine Art Vaterlandsverrat, hoffte aber, daß auch dieser Steuer gegenüber der „patriotische Geist" noch erwachen werde. Der Letter des Schatzamtes hatte am Samstag die Hoffnung der Liberalen schwellen gemacht, "indem er die Wiederkehr dieses ärgerliche» Entwurses an die Wand malte. Am Tag vorher hatte der Reichskanzler selbst sich bereits verbeten, daß man in einem solchen Rückgriff der Regierung eine „Brüskierung" der Mehrheits- partcien von 1909 sehe. Die Herren auf der Linken haben ein richtiges Gefühl: sie lachen sich ins Fäustchen über die sonderbare Steuerpolitik der Regierung, weil sie voraussehen, in welch' scharfen Gegensatz die Regierung zum Zentrunc und zu den Konservativen und in welche Abhängigkeit von der Linken sie geraten wird.
Die Dankbarkeit, sagt man, gehöre nicht zu den Politischen Tugenden. Nun, eine gewisse Vertragstreue gehört doch zweifellos zum Politischen Geschäftsbetrieb. Als 1909 die „blauschwarzen" Parteien das Opfer von 400 und soviel Millionen neuer Steuern brachten, galt als ausgemacht, daß die Regierung mit diesen Mitteln für die nächste Zukunft auskommen muffe und wolle. Man versicherte sich gegenseitig, daß jetzt ganze und gründliche Arbett, nicht bloß ein Flickwerk für das eine oder andere Jahr gemacht sei. Aber es ist noch kaum die Hälfte einer Legislaturperiode verflossen, da geht di« Steuerfabrikation schon lvieder von neuem los. Ferner durfte man 1909 annehmen, daß die Regierung, als sie die halbe Milliarde in Empfang nahm, sich praktisch auf den Boden stellte, auf dem diese Ernte gewachsen war, b. h. daß sie sich abfand mit der Tatsache der Ausschaltung der Witwen- und Waisensteuer, für die als Ersatz andere Besitzsteuern eingesetzt waren. Durch die Zustimmung zu der Finanzreform von 1909 hatte die Regierung die Verpflichtung übernommen, nach allen ihren besten Kräften ein erneutes Anziehen der Steuerschraube in den nächsten Jahren zu verhüten und zum mindesten, wenn unvorhergesehene Ereignisse das doch notwendig machen sollten, den Rückgriff auf die gefallene Witwen- und Waiieufteuer zu vermeiden. '
Seit 1909 haben sich nun die Reichsfinanzen gut, sehr gut, überraschend gut entwickelt. Man wllte denke», daß die Regierung umso leichter sich an die erwähnten Voraussetzungen halten könnte, lind doch handelt sie nach der Parole: „N u n g e- rade nicht!"
Wen» die Parteien der Finanzreform zu bedenken geben, daß wir doch so riesige Ueberschüsse halben (bis zu 150 Millionen Mark jährlich), und daß aus diesen Ilcberschüsien doch wohl die neuen Rü- stungskoften gedeckt werden könnten, so wird das scharf zurückgewiesen, weil der Schahsekretär durchaus die ganzen Ucberschüsie zur Schuldeittilgung frei halten will. Er tut jetzt so, als ob die „Sanierung" vollständig verfehlt und preisgegeben wäre, toenn wir nicht die Schuldentilgung in einem so großartigen Maßstabe betrieben, wie 1909 niemand sie zu erhoffen wagte.
Und wenn wir wirklich genötigt wären, in den sauren Apfel von 50 Millionen neuer Steuern zu beißen, kann man dann nicht wenigstens erst nach andern Steuerqnellen sich umfehen, ehe man die Witwen- und Waisensteuer wieder hervorholt und den Schöpfern der Finanzreform unter die Nase hält mit dem lieblichen Ruf: Schwarzblauer Vogel, friß oder stirb!
„Coll die K l u f t, die sich aus Anlaß dieses Wortes (Erbanfallfteuer) eröffnet hat, denn auch noch fernerhin erweitert und vertteft werden?" So fragt wiederum der Schahsekretär. Gerade er und der Reichskanzler erweitern und vertiefen, die Kluft, wenn sie diesen zersetzenden und verhetzen- den Steuervorschlag wieder einbringen.
Oder WA bie Regierung fortan ihre Finanzpolitik gegen He Rechte und das Zentrum, mit Hilfe des liberal-sozialdemokratischen Linksblocks betreiben? Run, dann hätte sich der Reichskanzler bie Strafpredigt gegen die Liberalen wegen ihrer Verbrüderung mit der Linken sparen können.
Darüber kann ja gar kein Zweifel herrschen: die SBiebeceinbringung der Witwen- und Waisen- steuer wäre eine riesige Freude für die Herren Bassermami bi» Bebel; sie würde ausgebeutet werden als eine nachträgliche Rechtfertigung der ganzen Hetzerei, als ein Triumph der Groß- blockpolitik.
Ist das Staatskunst, wenn man wegen der paar Millionen Mark die ganze innere Entwicklung in heillosen Wirrwarr stürzt?
Und was sagt denn der Bundesrat dazu? Herrscht dort heute noch dieselbe Begeisterung für die gefährliche Steuer auf das Witwen- und Kindererbe, wie in der liberalisier«ttzen Aera Bülow?
In 4 Wochen wird es wohl klar gestellt sein, ob nicht am Ende ein Großblockpräsidinm zu dem Regierungskurse paßt.
Das AmuLett.
10] Seeroman von Jos. Baier lein.
„Rein, Sir! Sie haben das Amulett mit der b°rum müssen sie am Leben bleiben. Geht jtyr auf diese Bedingung nicht ein so gilt unsere ganze Abmachung nichts. '
Damit war dem Mischling jedes wettere Wort Lbgejchmtten. Zähnekmrschend mußte er das Versprechen geben, nichts gegen den Doktor und feinen Sohn zu unternehmen. 1
»Wann soll mit der Ausführung des Anschlags begonnen werden, Sir?" fragte hieraus der Reaer- matrose. a
1 „Nicht augenblicklich", gab Goring zur Antwort „Wir sind noch viel zu wett von den Küsten der Alten Welt entfernt und können die weißen Seeleute noch nicht entbehren. Wenn die „Marie Celeste" lvieder schweres Wetter auszuhalten bekäme, waren wir allein nicht imstande, sie zu regieren. Erst wenn wir uns der afrikanischen Küste nähern, jvird es an der Zett fein."
„Gut, Sir! Wir verlassen uns auf Euch. Ihr werdet uns das Zeichen geben."
- „Mer ich schärfe Euch ein, bis dorthin aus Eurer Hut zu sein. Kein Wort — keine Miene darf veiraten, was den Weißen bevorstehtl"
„Allright!"
„Ten -Lilpcrcargo nehme ich persönlich auf mich, gr Ijat mich int Beginn unserer Fahrt manchmal r betrachtet, daß ich glaube,
et ^rm«erung nach mir. Das hat
ö hS' Unb ldj toÜt es ihm jetzt heim-
♦
Die aufregenden Ereignisse der bisherigen Reife sind das heurige Benehmen Gorings hatten den Doktor so nervös gemacht, daß et es im Bett nickt Malte« konnte.. Er verließ daher das Lager Bbete die m seiner Kajüte Hangende feuersichere
iffslanipe an, Nüym em Buch aus dem Reife- et unh begann zu leien.
+ Tie Zahl der Znttativauträge, die bisher im Reichstag eingegangen sind, beträgt nicht weniger als 109. Die Zahl dürfte sich aber wohl noch ver- großem. Bon den Anträgen sind vom Zentrum 30 gestellt, von den Sozialdemokraten 32. Die Ratio- nalliberalen haben 18, die Freisinnigen 14, die Konservativen 11 und die Reichspartei 4 Jnitativ- anträae eingebracht.
♦ (Hebe, 15. Febr. 1912. Der Direktor des hie- rgen Konigkchen Gymnasiums, Professor Fi- fcher, wird mit dem Schluffe des Schuljahres abgehen. Die Katholiken von Cleve und Umgegend durften mit vollstem Rechte erwarten, daß nunmehr endlich ein K a t h o l i k als Direkter berufen werde, nachdem seit dem Bestände des Gymnasiums von 1817—1912, also durch nahezu 100 Jahre, nur Protestanten das Direktorat innegehabt haben.
Aber seine Gedanken hafteten nicht bei der Lektüre, und die Buchstaben schienen vor ihm herumzutanzen. Sein geistiges Auge sah stets nur das gelbliche, von Pockennarben verunstaltete Gesicht Gorings, seine rollenden Augen und den häßlichen Handstumpf. Es ärgerte ihn, daß dieser unsympathische Mensch seinen Geist derart im Banne hielt, und er wünschte den Morgen herber, um wieder auf das Verdeck steigen und im Licht des klaren Tages die Beschwerden der Nacht vergessen zu können.
Da hörte er aus dem Getrampel an Deck, daß droben die Wache wieder gewechselt wurde. T-ie schwarzen Matrosen zogen ins Logis, und Hehson übernahm mit der weißen Mannschaft den Dienst. Gleich daraus vernahm der Doktor Schritte, welche me Gangtreppe herabkamen. Das mußte Goring fein, Der seine Kabine aufsuchte. Aber merkwür- mger Werse hielten die Schritte vor des Doktors wajute an.
hatte seit dem barschen Auftreten tob-b« °nto?fuh9en Mittag geaen diesen rack , Mißtrauen ge aßt, daß ei leist
E?JFff und ihn schußbereit in IW Zacke steckte. Er wollte sich nicht überraschen lassen, sondern auf alle etwa kom- SlShi?t^eent,On^eif Ir ^lleicht der
Msichlmg einen UeberfaH tm Sinne, den er im
Aucht, letzt wo alle weißen Matrosen aus Lache waren, ausführen wollte.
wunderte er sich, als ziemlich kräf- *9 ™ d-r Tur feiner Äabtne geklopft wurde So meldet sich menrand an, der einen anderen Heinrich überfallen will. Tenuoch ließ der Dollar keine Vorsicht außer acht. Darum fragte er laut: ^„äßer begehrt denn Einlaß zu nachtschlafender
Aus dem Nachbargebiete.
* Frankfurt a. M., 16. Febr. 1912. Der Magistrat beantragte den im Entwurf znm städtischen Haushaltsplan für 1912 vorhandenen Fehlbetrag von 750 000 Mk. durch eine Schankkonzession ssteuer von 500 bis 4000 Mk. und durch eine Erhöhung des Wassergeldes von 4 auf 4y2 v. H. des ?J?iettoertc§ der Wohnungen mit einem Mietwert von mehr als 300 Mk. und 4% v. H. bei unmittelbarer Verbindung mit Gewerberäumen zu beseitigen. Der Rest des Fehlbetrages soll den an der Steigerung der Ausgaben wesentlich beteiligten städtischen Betrieben entnommen werden.
* Höchst a. M., 18. Febr. 1912. General-Konsul v. Weinberg auf Waldfried, der seit 1905 dem Kreise Höchst jährlich 5000 Mark zur Beschaffung von Milch für schwache und krankeKinder unbemittelter Kreiseingeseffenen überrviesiy hat, will vom 1. April d. I. an b:efe Spende auf 6500 Mk. jährlich erhöhen und sie gleichzeitig aus 15 Jahre durch eine Stiftung von 100,000 Mark sicherstellen.
* Aus Thüringen, 17. Febr. 1912. In der Schweiz ist vor kurzem die Freifrau von Jud, geb. Prinzessin von Schwarzburg-Sondershausen, gestorben. Die Verstorbene war, woran jetzt erinnert wird, vor vielen Jahren in die Schweiz gezogen und hatte, ihrer Herzens- neigung folgend, den Kutscher Hans Jud geheiratet. Diese Ehe war in Sondershausen nicht ganz angenehm. Man machte dann anscheinend ans der Not eine Tugend und der Schweizerbub wurde in den Freiherrnstand erhoben. Auch in militärischer Beziehung wurde aus dem einfachen Trainsoldaten ein Hauptmann im eidgenössischen Generalstab. 1864 starb der Freiherr nach kurzer Ehe, und die Witwe hat bis jetzt auf ihrem Landsitz Glockenthal im Kanton Bern gelebt, ohne einmal in die Gefilde Schwarzburgs zurückzukehren.
* Weilburg (Lahn), 17. Febr. l912. Der 32 Jahre alte unverheiratete Privatlehrer Kienitz von hier, der seit Dienstag vermißt wurde, ist in einem Tannendickicht mit schweren Schnittwunden
sicht sehen können, würde et geschaudert haben. Denn der Quarterone prägte sich alle Kennzeichen des ledernen Koffers mit gierigen Augen ein, werkte sich die Stelle, Ivo die Phiole int Futterale des Arzneikastens stand, und jubelte im Stillen, als er gewahrte, daß dieser nur mit einem ganz einfachen Schloß versehen war, in dem der Schlüssel steckte, als der Doktor es öffnete.
Aber in dem kurzen Moment, den Herr Jephso» brauchte, um nach beendigter Abzählung der Tropfen die Phiole in das Kästchen zurückzustellen und sich zu seinem Besuch umzuwenden, hatten Gorings Zuge ihren wilden Ausdruck schon wieder verloren. Der Manu sah so harmlos aus, als könnte er keip Wasser trüben.
„Hier, Brister Goring", sagte der Doktor, „haben Sie das verlangte Mittel. Ich hoffe, die Dosis wirb genügen, Ihre Schmerzen zu mildern. Ich habe absichtlich nur zehn Tropfen gegeben, ha Laudanum ein starkes Gift ist, das in größeren Gaben betäubend sogar tödlich wirken kann. Wenn es notwendig werden sollte, können wir ja das Medikament morgen wiederholen."
»Ich danke Ihnen von Herzen, Herr Jephson", erwiderte Goring, das Stückchen Zucker in Empfang nehmend. „Sie sind so gütig und zuvorkommend gegen mich, daß mich die Erinnerung, wie ich Sie heute nachmittag beinahe rücksichtslos behandelte, peinlich berührt. Ich bitte Sie deshalb um Vergebung, Herr Doktor! Denken Sie, daß ein Kranker sich gegen Sie vergangen habe, welchen Zahnweh schon damals so arg peinigte, daß er in Mißmut unb übler Saune nicht mehr wußte, was er redete noch was er tat."
Als Goring die Koje des Dollars verlassen hatte, sagte letzterer zu sich selbst:
„Wieder ein Beispiel, wie man sich tauschen kann! Habe ich nicht von einem hinterlistigen lieber« fall geträumt? Statt dessen kommt ein Mann zu mir, bewaffnet mit einem Stückchen Zucker, und bittet mich um etwas Laudanum, später sogar um Verzeihung. Wahrhaftig, ich bin auf diesem Schiff nervös geworden." *
(Fortsehunz folgt)
Deutsches Reich.
♦ Anträge der Zentrumssraktiim im Reichstage. Außer den bereits mitgeteilten Anträgen hat das Zentrum im Reichstag noch eine weitere Anzahl Anträge eingebraebt.
So werden durch einen Antrag die verbündeten Regierungen ersucht, tunlichst bald Gesetzentwürfe vor- zulegen, welche bezwecken: 1. den Schutz und den weiteren Ausbau des Koalitionsrechtes der Arbeiter (§ 152 G.-O.), insbesondere auch dahin, daß Vereinbcnmngen ober Maßnahmen zur Verhinderung des Gebrauchs des Koalitionsrechtes unter Strafe gestellt werden, 2. die Sicherung und weitere Ausgestaltung der Tarifverträge; 3. eine auf freiheitlicher Grundlage aufgebaute Regelung der privatreckt- lichen unb öffentlichrechtlichen Verhältnisse der Berufsvereine aller Art; ferner im Reichsamt des Innern eine Zentralstelle zur Förderung der Tarifverträge zu errichten und diese mit der Zeit zu einem Reicks- einigungSamt fortzubilden. Ferner werden die verbündeten Regierungen ersucht, tunlickst bald dem Reichstag einen Gesetzentwurf, betreffend Kartelle, Trusts unb ähnliche Vereiniungen vorzulegen.
Behufs Vorbereitung der künftigen Handels- v ertrage ersucht ein Antrag: 1. eine umfassendere Produktionsstatistik im Jnkande für bie einzelnen Er- werbsgruppen zu veranlassen, 2. Erhebung« über bie Produktionsverhältnisse, insbesondere über Gewinnung von Rohstoffen, Bodenpreise, Löhne, Lebenshaltung der Arbeiterschaft, soziale Lasten usw. der mit dem deutschen Volke im Wettbewerb stehenden fremden Staaten anzustellen; 3. auf eine größere Gleichmäßigkeit in der sozialen Gesetzgebung der beteiligten Länder hinzuwir- ken. Ein Antrag ersucht um Vorlegung einer er« erschöpfenden Denkschrift: 1. über die Gesamist euerbela Pu ng des deutschen Volkes, getrennt nach der Art des Aufkommens dieser Einnahme im Reich, Einzelstaat unb Selbstverwaltungskörpern (direkte und tndirelle Steuern) und verteilt auf die einzelnen Wohlhabenheitsschichten des Volkes; 2. über die Verwendung dieser Einnahmen für die einzelnen Zweige der Verwaltung. Ein anderer Antrag verlangt für Gesch worenen und Schöffen außer der Reisekostenentschädigung auch eine Vergütung für Zeitver- säumnis aus Mitteln der Bundesstaaten. Schließlich wird noch durch einen Antrag ersucht, um Vorlegung eines Gesetzentwurfs, welcher bie Verantwortlichkeit des Reichskanzlers regelt.
lber zuerst noch der Schiffsküche nach Zucker suchen; denn ich habe keinen solchen in der Kabine."