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5am5l«a 17. S^ruar 1912 59 Zugang-
* fuldaer W Zeitung
5. Blatt.
vrock «n> Verlag der Ktlldaer Xctten(ruäet<i in Swlta.
Aus dem Nachbargebiete.
* Göttkr^e«, 15. Febr. 1912. Der Privatdozent In der medizinischen Fakultät und Abteilungsvor- siehcr am anatomischen Institut, Dr. Max Volt, ist zun> außerordentlichen Profeffor in derselben Fa- .kittiär ernannt.
* Ans Franken, 16. Febr. 1912. Mit der 99- jährigen Witwe Marie Rötzlein starb die älteste Be- wohnerm Würzbu rgs. — In Al; enan stürzte der 1 8jährige Georg Langhans beim Tannenzapieu- brechen vom Baume und zog sich schwere Ver- ketznngen zu. — Der*'.n Würzburg verstorbene Dom-
Aus Airche und 5chu!e.
Faflcuhirtenbrirfe.
♦ Limburg, 14. Febr. 1912. Der diesjährige Fasten-Hirtenbrief des Bischofs Fr. Dominicus Ord. Eist. Ijaubdt von der Liebe zuGott, denr Geber aller zeitlichen un.d ewigen Güter, den die Menschen, das Geschöpf dem Schöpfer vorziehend, im irdische» Getriebe so oft vergessen. Und doch besteht in dieser Liebe zu Gott die vornehmste, ja die ganze Au'gabe des Menschen und von der Erfüllung oder Nichterfüllung dieser Aufgabe hängt sein zeitliches und ewiges Glück ab. Wenn wir nun gar sehen, daß so viele Menschen jegliche Liebe Gottes in ihrem Herzen erftidt haben und nicht nur dem kirchlichen Leben ganz entfremdet sind, sondern alles Heilige uiii Füßen trete», so müssen wir durch um so größere Liebe zu Gott die großen Unbilden dieser vernrten Miickriften wenigstens einigermaßen gutzumachen suchen. Die Mittel hierzu gibt uns Christus selbst an die Hand und dir von ihm gestiftete Kirche, die uns besonders ai Beginn der Fastenzeit zur Erfül- luna der göttlichen Gebote einlädt und ermuntert. Glücklich wird der Christ sein, der in der österlichen Zeit zu Gott zurücktchrt und wenn auch ungeachtet vieler Fehler init dern Apostel Petrus sprechen kann: „Herr, du weißt, datz ich dich liebe."
* Mainz, 14. Febr. 1912 Der Hirtenbrief des BisckosS Georg Heinrich von Mainz will die Gläubigen in, Wunsche bestärken „festzustehen im heiligen katholischen Glauben." Noch kurzen Strichen über den Wert des Glaubens wird vor einigen Gefahren für den Glauben gewarnt, zunächst vor glaubens- seindlicher Lektüre. Weiter wird gewarnt „vor dem ver:rauten Umgang, vor der Freundschaft, vor dem Zusammenschluß in Bereinen, vor ehelichen und sonstigen Verbindungen mit solchen, die durch ihre verkehrten Grundsätze uns zu einer Gefahr für unsere» Glauben werden". Als Schutzmittel für den Glauben werden empfohlen Gebet, gründliche Kenntnis des Glaubens, lausiger Empfang der heiligen Kommunion und Zusammenschluß in katholischen Ber- cincu, besonders in den Marianischen Sodalitäten.
* Würzburg, 16. Febr. 1912. Der Fasten- h i r t e u b r t e f des hochw. Herrn Bischoss Dr. von Schlör behandelt die Unsterblichkeit der menschlichen Seele und zwar spricht er 1. von der Tatsächlichkeit der Unsterblichkeit der menschlichen Seele', 2. von der Wichtigkeit der steten Be- rüclsichtigung dieser Wahrheit.
* Paderborn, 16. Febr. 1912. Der diesjährige Uc n Hirtenbrief des Bischofs Karl Jose^k,
lt von dem Schlußartikel im Credo: „Ich Gaube an ein ewiges Leben." Den Gedanken an ßre Unsterblichkeit der Seele in der Gegenwart zu be- ivnen, hält der Bischof für um so wichtiger, als viele moderne Menschen diese ablehnen und behaupten, mir für das Diesseits hätte der Mensch eine Lebensaufgabe zu erfüllen und nur hienieden sein Heil rmd Glück zu suchen.
dechant Dr. Kihn hat seiner Heimatgcmeinde Michelbach zur Errichtung einer eigenen Pfarrei 75 000 Mark und zur Unterstützung bedürftiger Erst- kominunikanten 1000 Mark vermacht. — Das zweijährige Kind des Landwirts Büttner in R ü ck (Un- terftanken) fiel in einem unbewachten Augenblick in einen Topf mit heißem Wasser und verbrühte sich dabei derart, daß es nach großen Schmerzen starb.
Amt Geisa und Umgebung.
— Dermbach, 14. Febr. 1912. Im Eisenacher Oberlande sind Lu ngenhülfsfürsorge st el- len in Dermbach, Stadtlengsfeld, Gehaus, Wiesen- kbal, Weilar, Dorndorf, Oberweid, Kaltennordheim, Ostheim, Böllershausen eingerichtet worden. Auch werden solche in Vacha, Unterbreizbach, Tiefenort und Zillbach in Aussicht genommen. Den Ge- nicindevorständen ist zu empfehlen, alle Tuberkulosekranken bei den Hülfsfürsorgestellen zur Anmeldung zu bringen.
:X: Geisa, 16. Febr. 1912. Zum Nachfolger d s scheidenden Herrn Rektor Trabert hat das Großberzvgl. Sachs. Staatsministerium als 1. Lehrer und Ortsschulaufseher Herrn Kantor Klug von hier auserfehen. An die Stelle des Herrn Kanwr Klug soll Herr Lehrer Köhler aus Geismar treten? Die Gnsübrung der beiden Herren in ihr Amt wird voraussichtlich anfang März erfolgen.
* Dorndorf (Rhön), 16. Febr. 1912. Hier ist vor kurzem mit dem Bau der Hochdruckwässe r l e i t u n g begonnen worden. Zur Bestreitung der Kosten des Wasierleitungsbaues soll ein Darlehen von 85 000 Mark und außerdem zur Deckung der Kosten des Schulneubaues ein solches von 37 000 Mark bei der Grotzherzogl. Landeskredit- kasie ausgenommen werden.
* Tiefenort, 16. Februar 1912. Die Gewerschaft Heiliaenroda hat unterhalb Springen Land vermessen lassen, um daselbst in Bälde einen »weiten Schacht zu errichten. — Die Gewerkschaft Alexandershall baut drei neue Schächte und »war je einen bei Abterode, bei Gospenrode und bei Dankmarshausen.
* Frauensee, 16. Febr. 1912. In der vei floffenen Nacht brach in der Hofratte von Gering Feuer aus. Während die Scheunen und Stallungen ein Opfer der Flammen wurden, ist es den Anstrengungen der Feuerwehr gelungen, das Wohnhaus zu retten.
Aus Oberhessen u. ben Hess. Aemtern.
* Marburg, 16. Febr. 1912. Auf noch nicht aufgeklärte Weise brach in der letzten Nacht im Dachstuhl des Hildemannschcn Hauses (Barfüßerstraße) »euer aus. Es gelang, die Kinder der Familie in Sicherheit zu bringen, auch das Mobiliar wurde zum größten Teil gerettet. Nach einiger Zeit angestrengter Arbeit vernwchte die Feuerwehr den Brand zu dämpfen. Die Flammen haben zwar nur den Dachstuhl zerstött, doch ist der Schaden, der namentlich durch die Waffermaffen angerichtet wurde, ziemlich erheblich. Der Tapezierer Bör wurde, als er sich im Innern des Hauses an den Rettungsarbeiten beteiligte, infolge des Rauches bewußtlos, wobei er nicht unerhebliche Verletzungen erlitt.
A Kirchhain, 16. Febr. 1912. Das Landgericht in Marburg verurteilte beute den 17 Jahre alten Bäckeraebilfen Heinrich Martin aus Burgholz, der beim Reujahrsschießen in Kirchhain das gleich»
Wenn man die „Johannisa u" (zwischen Hornungs- und Kohlhäuser Brücke) durchstreifte, so konnte man Eisvögel, Wasseramseln, Fischreiher, Wildenten nsw. an der Fulda aufstöbern: im Fluß, den vielen Tümpeln der Wiese und den Bächen der Nachbarschaft fand man Weißfische aller Art, Hechte, Barsche, den Aal, die Bachforelle und den Flußkrebs, wenn man sie am richtigen Platze suchte.
Was mag heute noch von all diesen Herrlichkeiten vorhanden fein? Ich weiß es nicht: saft 25 Jahre sind ins Land gegangen, feit ich jenes Gelände zum letztenmal betrat. Die Anlage eines Sportplatzes in der ehemals so einsamen Gegend, die Pflasterung der Landstraße und die Anlage eines Kali- toerkes bei Neuhof, dessen Abwässer, wie auch die einer Zellulosefabrik bei Kohlbaus, in die Fulda gelangen, läßt das Schlimmste befürchten.
Andere schöne Erinnerungen knüpfen sich an die „S chen gda l l".**) Es ist ein von einer Reche Tümpel, die durch einen Bach zusant- menhängen, durchzogenes Tälchen. Sttchlinge und Schmerlen treiben im Wasser ihr Wesen, über seinem Spiegel tändeln Wasserjungfern und in den Uferböschungen haust die Wasserratte. Gebüsche des Weidenröschens (Epilobium hirsutum L.) umsäumen die Ufer, ein Fundplatz für die Raupe des großen Weinschwärmers (Deilephila elpenor L-). 3n mulmigen Kopfweiden lebt die Larve des Weidenbohrers (Cossus ligniperda Fahr.), dessen Fal- ter abends mit mächtigem Gebrumm dir Kronen der Baiime umfummt. In der Hecke, welche ein im Lolchen liegendes Brachfeld umzieht, blüht das ^»eisvlan (Lonicera caprifolium I-), an warmen Sommerabenden umschwirrt von Schwärmern und Eulen. Winters durchstöberte die Hecke der große Würger und der Sperber nach Feldsperlingen Als seltener Gast zeigte sich im Winter der Eisvogel und im Frühling der Lkiebih Am „Geisküppel" flog im Sommer der Schwalbenschwanz, blühte im Herbst die Silberdistel und herrlich blauer Enzian (Gentiana ciliata L.).
Meine liebsten Erinnerungen knüpfen sich an lene herrlichen Stunden, die ich auf dem Florenberg verlebte, wenn die Segelfalter unter blauem Himmel die blühenden Qbstbäume umkreisten und Ku- schallte.^ aU$ ^ent maigrünen Wäldchen herüber-
Wenn ich an meine Heimat denke, kommen mir derartige Jugenderinnerungen in den Sinn. Anderen wiib es ähnlich gehen. Man darf deshalb Derartige Nebensächlichkeiten nicht unterschätzen, weil Jie es sind, welche dem Menschen die Heimat zur
[] Naturschutz UUÄ Heimat
(Schluß.)
Welche Folge» es hat, wenn so die insekiensres- stud n Bogel in ihrer Vermehrung behindert wer- ,«», hat sich recht in den Weinbau treibenden Bezirken unseres Paterlandes in den letzten Jahren ge- jeigt. Der Heu- ober Sauerwurm trat viel weniger fthädigend dort aus, wo man dem Vogelschutz feine Aufmerksamkeit zuwandte.
Ein anderer Umstand, der für die Erhaltung der geidgehölze spricht, ist der, daß das sie bildende lrauchwcrk der Honigbiene in den Frühblühern (Haselnuß, Kornellirsche, Sahlweide usw.) die erste Tracht bietet, deren anregende Wirkung aus das Bienenleben durch kein Kunsttnittel ersetzt werden kann.
Schon der kleine Grundbesitzer kann sich um seine Heimat verdient machen, indem et zu der Erhaltung ihrer Eigentümlichkeiten nach Kräften beittägt. Es handelt sich habet um solche, die dem Fremden ganz "obcuwchttchfmd: umsomehr sind sie dem einhei- muchen Naturfreund ans Herz gewachsen. An sie knupieu sich ferne schönsten I ug en d er i n n e- rungen und die Heimat ist ihm ohne sie nickt denkbar. Soll ich Beispiele aus meinereigenen Jugendzeit anführen? — Als Gymnasiasten besuchten Wir ost das sogenannte Ze l l c r L o ch, ein ungefähr eine Stunde südwestlich von der Stadt Fulda ent Waldrand gelegener stiller Weiher. Aus den Polstern des Sumpfmooses breitet der rnndblätte- rigc Sonnentau (Drosera rotnndifolia L.) die Rosette feinet merkwürdigen, Insekten fangenden Blättchen. In der sumpfigen Umgebung blüht das Blurauge (Coiaarum palustre L.) auf dem Wasser- spiegel schwimmen die Blätter der Teichrose (Nu« phar luteum Sm.), und in den geheimnisvollen liefen wuchert die Wassergarbe (ütrieularia vul» gsris Sd.). Der Teich steht mit keinem Fischqewäs- kt in Verbindung und es werden darin auch keine 8'sche gehalten. Wie groß war daher meine Hebet« 0 on der Angel eine Schleie vom eine Bestätigung der Erzählung m XnTn iT,fuaUern; ?uch Hievon riesigen H llnffc «'"■ bcn unergründlichen Tiefen U m-ihrh ^^chc ein solches Wasser-
loch iM'spiclt, sollte einigen yubem sauren Grases geopfert werden. In einem anderen Wasserlmh.w der Wiese Hutter dem städtischen Dadcgarten fand ich seinerzeit me mc:Be Seerose (Nymphaca alba L.) wieder, jene herrliche Pflanze, die mau schon aus der Rhönflora derschwunben wähnte.*)
*) Leydig gebtnlt dieser Wiederentdecknna von
Mir in feinen Horae Zoologicae, 1902, 6. 40.
Der Dialektname des TälchenS, da» stütz« als Schindanger benutzt wurde.
falls aus Burgholz stammende Dienstmädchen PauluS durch einen Schuß in den Kopf fahrlässigerweise tötete, zu 4 Monaten Gefängnis, außerdem wegen Führung einer Schußwaffe zu 30 Mark Geldstrafe.
♦ Frankenberg, 16. Febr. 1912. In der letzten Kreistagssitzung wurde beschlossen, aus Kreismilteln dem verstorbenen verdienstvollen Landrat Riesch ein Denkmal zu errichten. Der Kreisausschuß wurde beauftragt, dem Kreistag geeignete Vorschläge zu unterbreiten.
[:] Momberg, 15. Febr. 1912. Am vorigen Dienstag wurde zum erftenmale der Unterricht an der hiesigen ländlichen Fortbildungsschule durch den vom Herrn Regierungspräsidenten neu ernannten schultechni chen Leiter, Herrn Pfarrer Schlitt« Mardorf, revidiert.
[:] Neustadt, 15. Febr. 1912. Im Laufe der vorigen Woche wurde die mit einem Kostenaufwande von 1500 Mk. errichtete Freibank dem Verkehr übergeben. Als erstes „Op;et* kam ein Kälbchen zum Verkauf. Selbst bei einem Preise von 45 Psg. pro Pfund ging der Absatz langsam öonftatten. Nach den gemachten Erfahrungen scheint sich das aufgewandte Kapital schlecht zu verzinsen. — Die Kaiserliche Postverwaltung beabsichtigt, das Gestänge der Telegraphen-Lei» tun gen aus den Straßen auf die Dächer zu verlegen, da sich Unzuträglichkeiten und Störungen, hauptsächlich durch Girlanden- und Flaggenschmuck bet Festlichkeiten, ergeben haben.
* Homberg, 16. Febr. 1912. Der Etat für den Regierungsbezirk Kassel enthält u. a. für Inventar- Ausstellung des Neubaues der hiesigen Taub« stu.mmen-Anstalt den Betrag von 20000 Mark als Pauschalsumme.
vermischtes.
* Riesenschüsse. Die Westfälische Steinindustrie zu Nachroth lieg eine Sprengladung aus 10 000 Kilogramm Löwenpulver tit drei getrennt liegenden Mineukammern durch elektrische Zündung von dem 500 Bieter entfernt liegenden Bureaugebäude zur Explosion bringen. Die Tiefe der Minen betrug 35 Meter und je 30 Meter rechts und links in zwei Gängen von der Mitte. Der Schuß hatte eine ungeheure Wirkung. Ueber 100 000 Kubikmeter Steine, also fast 17 000 Doppelwaggons, wurden durch den Schuß losgebrochen. Das Material wird zu Kleinschlag, Betonmaterial und Pflastersteinen verwendet. Da sich das Verfahren bewährt hat, beabsichtigt die Firma derartig große Schüffe mehrfach anzuwenden. Ein Kinematograph hielt das Schauspiel im Bilde fest.
* Großes Pech hatte ein Dieb in Köpenick. Nachts hatte er in einem Hause einen größeren Posten Wäsche und Kleidungsstücke entwendet und damit den Weg über den zugesrorenen Frauenteich genommen. Das Unglück wollte es aber, daß der Dieb in der Dunkelheit an eine offene Stelle geriet. Erbracheiu und rief jämmerlich um Hilfe. Ein paar Bäckergesellen befreiten ihn aus seinem Bade, wunderten sich über die viele Wäsche und das große Paket Kleidungsstücke, kamen aber bald auf des Rätsels Grund, verbläuten den Geretteten und führten ihn auf die Polizeiwache.
* Im Nebel verirrt. In Augustfehn (Oldenburg) haben sich die Eheleute Buchholz auf dem Wege nach ihrer Wohnung verirrt und sind in den Kanal geraten und ertrunken.
* (|ine Vergiftung durch Parfüm. Eine junge Dame in Paris erwachte eine Woche lang jeden Morgen unter den heftigsten Kopfschmerzen, ohne daß
es gelungen wäre, dem Uebel auf die Spur zu kommen. Es stellten sich in den folgenden Tagen noch andere Vergiftungserscheinungen ein, und der hiu- zngezogene Arzt fand ben Grund in der Anwendung eines zu starkeu Parfüms. Tie Erkrankte selbst hatte sich an den Duft derart gewöhnt, daß sie ebenso wie ihre Umgebung ihn kaum noch wahruahm. Systematisch führte dieser konzentrierte Geruch, der sich im Schlaszimmer, in dem Haar der Erkrankten, in ihrer Wasche, in ihren Kleidern befand, eine Verqifwng herbei, die wahrscheinlich zu einer schweren Erkrankung des Nervensvstems geführt hätte, wenn nicht der Arzt die entsprechenden Gegenmittel sogleich angewendet hätte.
* Meuterei auf einem amerikanischen Kriegsschiff. In Norfolk in Virginia meuterten 200 Manu oes amerikanischen Schlachtschiffes „Vermont" wegen eines Befehls zu ihrer Impfung mit Anti- tvphusserum. Die Meuterer wurden von ihre» Offizieren mit Hilfe der Mannschaften anderer Kriegsschiffe überwältigt und in Eisen gelegt.
* Eine »kl» Zufahrtsstraße zum Gotthardt. Tie Finanzierung der Randenbahn, die eine bessere Zu- tahrt von Süddeutschland über Schaffhausen zum Gotthardt schaffen soll, macht rasche Fortschritte. Für die Uebcrnahme des Obligationeukapitals im Betrage von 21 Millionen Francs bat bereits ein Bank-Konsortium eine Offerte gemacht. Ein Sub- ventions-Aktienkapllal von 18 Million Francs soll demnächst aufgebracht werden.
Literarisches.
(Ein Riesenprojekt, das in seiner Monumentalität echt amentanifd) ist, taucht in Kanada auf. Es soll ein neuer Kanal von der Georgian-Bai im Oberen See in Kanada nach Montreal gebaut werden. Das würde in der Erschließung Kanadas einen solchen Schritt vorwärts bedeuten, daß die Beremigten Staaten von ihrer kommerziellen Suprematie bedeutend einbüßen würden. Dieses hochinteiesionte Projekt, das auf den gesamten Welthandel von mächtigstem Einfluß wäre» wird in der neuesten Nummer der illuflrierlen Wochenlchrift „Die Welt" lBertag der Germania, Berlin C 2, Stralauer-Str. 25) in Wort und Bild ein» gehend behandelt. Auch Kalifornien, das Land des ewigen Sommers, wird in prächtigen Illustrationen gezeigt. Der Tflngtauer Korrespondent des Blattes schildert eine Kaiiergeburistagsseier auf dem Indischen Ozean. Ein prächtiges Titelbild und die zahlreichen aktuellen Bilder vom Tage vervollständigen das reiche Jllustra ionsmaterial dieses Heiles, in welchem auch ein neuer sv mnrnder Roman „Helden der Pflicht" von Erich Friesen beginnt. Die Frauenwelt, die Rätsel« und bnmoriftische Ecke, sowie die aus allen Teilen Deutschlands und des Auslandes reich beschickte Amateurphotographenecke vervollständigen den Inhalt diese! HeflyS, das trotz ferner Reichhaltigkeit nur 10 Pfen < nige kostet.
Reklamen- und Anzeigenteil.
Rehmen Sie i
täglich «fa Sik-rgkSsch« Df. Ysmm«?, Hueu-atoo«, unmittelbar vor der Haupt- wahh^Ül Ihr Av,'ettt wird reger, Ihr Rervenftzstem erstarkt, dt, körperlichen Iräll, werden gehoben. Warnungr A»an verlange ausdrücklich den Namm Dr. tjomeuL
Heimat machen. Man fällte sie daher ohne zwingenden Grund nicht vernichten. Gebäude und Menschen, gut und böse, schöne und häßliche gibt es schließlich überall.
Wir haben gesehen, welche Verwüstungen der Mensch in der heimischen Tierwelt angerichtet hat, zugleich aber auch, wie der Gedanke immer mehr um sich greift, daß der Naturschutz ein wichtiges, vielleicht das wichtigste Nioment des Heimatschuhes ift Allerorts betätigen sich in diesem Sinn Staat, .Gemeinde und private Bereinigungen.
Wie steht es nun damit in Deutschland?
Die staatlichen Behörden tragen erfreulichreweise dem Verlangen nach einem Vogelfchutzgesetz der heimischen Natur weitgehend Rechnung.
Am 30. Mai 1908 kam das deutsche Bogelschutz- gesetz zustande, welches das lang erwartete Verbot des Krammetsvogelfanges in den Tohnenstiegen brachte, den mit Beeren gekörderten Schlingen, in denen neben Krammetsvögeln auch so viele Singvögel den Tod fanden.
Von behördlichen Verordnungen ist ferner zu erwähnen die Errichttlng einer Vogelfreistätte auf dem Memmert, einer zwischen Juist und Borkum gelegenen ostsriesischen Insel. Durch eine Verfügung des preußischen Landwirtschaftsministeriums (1907 werden die untergeordneten Behörden darauf hingewiesen, daß bei Zusammenlegung von Grundstücken Rücksicht auf Naturschönheiten, Baumgruppen, Wasserläufe nsw. zu nehmen und nicht alles ausschließlich nach Praktischen: tGesichtspunkt zu behandeln sei.
Durch besondere Vorschriften soll dem Aussterben bezw. der Aiisruttuna seltener Tiere vorgebeugt werden. Es geschieht dies u. a. durch die Aufnahme besonderer Bestimmungen in die Jagdpachtverträge. So wird in Ergänzung des Vogelschutzes vom Jahre 1907 durch Erlaß des Landwirtschaftsministeriums (August 1911) darauf hingewiesen, daß der nur noch selten vorkommende Uhn einer besonderen Schonung bedürfe.
Ferner besteht feit 1906 in Preußen unter dem Vorsitz von Prof. H. Conwentz in Danzig als Kommissar eine staatliche Stelle für Naturdenkmalpflege. Sie hat die Aufgabe, für die Erhaltung der Naturdenkmäler zu wirken. Das Kultusmin'istertum ordnete an, daß die Naturdenkmalpflege einen besonderen Beratungspunkt auf Lehrerkonferenzen bilden und die Erzieher der Jugend in entsprechender Weise aiff diese einwirken sollen, um in ihr die Liebe zur heimischen Natur zu Wecken.
Die Staatsforstverwattung hat in einer Reihe von Erlassen angeordnet, daß Äcaturschönheiten und -seltenheiten auch dann zu erhalten sind, wenn dies mit pekuniären Opfern verbunden ist. So wird in Kurheffen ein Bestand des Bergahorns am Meiß
ner geschont, und mehrere besonders schöne Eichen in der Umgebung von Hanau bleiben unberührt.
Die Biusters! ' m für Vogelschutz des Freiherrn Hans von Berlepsch wird staatlich : tterstutzt. von Berlepsch hat sich besondere Verdienste erworben durch künstliche Anlage von Nisigehölzen, die Konstruktion von Nistkästen nsw. In Seebach werden alljährlich im Winterhalbjahr besondere Lehrkurse zur Ausbildung im Vogelschutz abgehalten.
Auch die anderen deutschen Staaten sind in ähnlicher Weise im Interesse des Vogelschutzes vorgegangen.
Um die Erhaltung der Sttandvögelfauna erwirbt sich hervorragende Verdienste der Verein Iordsand durch Begründung von Vogelfreistätten auf den Inseln Iordsand und Norderoog an der deutschen Küste.
Im Herbste 1909 endlich wurde der Verein „Naturschutzpark" gegründet und hat in der kurzen Zeit seines Bestehens schon Heworrazendes geleistet. Aus naheliegenden Gründen ist es unmöglich, einen einzigen Park zu gründen, der entsprechend dem amerikanischen Nellowstone-Park alle in Betracht kommenden Formationen umfaßte: Hoch-, Mittelgebirge und Tiefland. Man muß sich damit begnügen, drei getrennte Geländekoinplexe als Naturschutzpark ein« zurichten.
Ein österreichischer Großgrundbesitzer stellte ein Gebiet von 150 Quadratkilometer Umfang für einen billigen Pachtpreis zur Verfügung. Das Terrain enthalt Laub- und Nadelholzwäld^ - Seen und Wasserfälle und erhebt sich bis in die Jlegion des ewigen Schnees. In Mitteldeutschland wird ein Gebiet ausfindig gemacht werden, das die Tier- und Pflanzenwelt des Mittelgebirges umfaßt. Das Tiefland ist repräsentiert durch eine der schönsten Teile der Lüneburger Heide. Es liegt dicht südlich von Hamburg und umschließt die Wilseder Hohe und ben Totengrund, vielleicht die schönsten Puntte der Heide. Das preußische Abgeordnetenhaus hat ziim Ankauf des Geländes 40 000 Mark, die Hamburger Bürgerschaft 10 000 Mark bewilligt. _ Der Verein „Naturschutzpark" (Der Name Naturschutzpark darf nicht die faifche Vorstellung erwecken, daß es sich um etwas Künstliches handle.) zählt bis jetzt über 7500 Mitglieder und es steht bei der engen Propaganda, die er entfaltet, und bei dein idealen Ziel, welches er erstrebt, zu hoffen, daß diese Zahl noch erheblich wächst.
— Tas dumme Eischen. Eischen; „Mama, warum hat Papa keine Haare mehr?" — Mama: „Weil er so viel denkt, siehst Du." — Eischen: „Mama, warum hast Du beim jo viel Haare auf bem Kopfe?" — Mama: „Sei nun endlich still mit Deinen dummen Fragen!"