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Zeitung
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* Stadtlengsfeld, 13. Febr. 1912. In der Nacht zum Sonntag haben drei ausländische Arbeiter den hiesigenPolizeibeamten überfallen und miß« handelt. Die Täter wurden verhaftet.
* Salzungen, 13. Febr. 1912. Vor 19 Jahren wurde im benachbarten Allendorf einer Familie eine Taschenuhr entwendet. Vor wenig Tagen ging den Beswhlenen aus Breslau ein Postpaket zu, das eine neue Taschenuhr und ein Begleitschreiben enthielt. In dem anonymen Briefe bat der Absender um Verzeihung, daß er damals die Uhr in der Not eniwendet habe. — Nach einer Bekanntmachung des Herzoglichen Landrats sind im Kreise Meiningen die Schweinemärkte wieder frei gegeben worden. Dagegen bleibt das Verbot, Viehmärkte im Kreise Meiningen abzuhalten, vorläufig bestehen.
* Dankmarshausen, 13. Febr. 1912. Die hiesigen Brunn en besitzer verlangen von der Gewerkschaft Merandershall in Berka wegen der Versalzung ihrer Brunnen, die durch die Kalibergwerke hervorgerufen worden ist, eine Abfindung von 15 OOO Mk. Die Gewerkschaft hat sich bereit erklärt, 11000 Mk. Entschädigung zu gewähren. Seitens der Bezirksdirektton wird angestrebt, daß dann 5000 Mk. die Brunnenbesitzer und 6000 Mk. die Gemeinde Dankmarshausen erhalten sollen. Sowohl mit der Höhe der Entschädigung als auch mit der Verteilung wollen sich die betroffenen Brunnenbesitzer nicht zufrieden erklären.
^schwächliche, Jr in derEnfwkkfang ^zurückgebliebene Kinder.
Handel unb Industrie.
* Berlin, 13. Febr. 1912. Auch heute war die Haltung der Börfe keineswegs fest. Die Nervosität hat im Gegenteil noch eine Zunahme erfahren. Auf dem Montamnarkte gab es Preisrückgänge von 1 bis 2 Pro reut. Bankaktien dielten sich dagegen etwas besser. Elektrizi ätswerle angeboten und etwas nied-1 rieger.
Weltmarktpreise: Weizen: Berlin Mai 218.75 (-1.00), Budapest April 202.-15 (— 2.35 >, Liverpol März 177.15 (—1.15), Paris Februar 222 15 (— 1.20), Chicago Mai 159.50 (— 1.35). Roggen: Berlin Mai 196.25 (— 3.00). Hafer: Berlin Mai 193.50 (— 3.25. Futtergerste cis. Hamburg schwim. 157.50 l— 3.00, Febr. Mär, 157.25 (— 3.25), Mais Mixed Febr. biS Mär, 138 00 (- 1.50), Odessa schwim. 136.00 (- 3.00, Donau schwim. 128.00 (— 2.00), La Plata Mai - Juni 121.00 (— 2.C0) Mk. per 1000 Kilogr.
eus französischen Weinen /
Hervorragendes Erzeugnis^ der Cognacbrennerei: Landauer a Macholl, Heilbronn.
WueetM ett der Hammer-Schutzmarke, überall erhältlkH.
JV5 36.
lMtv-ch U. §evn»ar l»|2 »9.
Aus Gberhefsen u- den Hess. Aemiern.
* Marburg, 13. Febr. 1912. In der Universitätsstraße siel ein ländliches Fuhrwerk infolge Scheuwerdens der Pferde um. Der Führer, der unter den Wagen zu liegen kam, erlitt Ver. letzungen. — Unter den Teilnehmern ter Grönland-Expedition, die in diesen Tagen von Kopenhagen unter Leitung des Kavitäns Koch abgeht, befindet sich auch Privaldozent Dr. Wegener von hier.
* Frankenbrrg, 12 Febr. 1912. Die gestern tut Saale des „Deutschen Hauses" abgehaltene 28. Ab- geordnetenvers uumlung des K r e i s - K r r e g e r- verbandes Frankenberg wurde von dem Vorsitzenden v. Baumbach mit einem Hoch auf Kaiser und Reich eröffnet. Es waren 32 Vereine vertreten. Das Kriegewerbandsfest für 1912 soll am 7. Juli in Haina stattfinden. Die nächste Sitzung des Deutschen Kriegerbundes findet am 17. März in Kassel statt. Ter seitherige Vorstand wurde wieder- gewählt.
* Treysa, 11. Febr. 1912. Im Saale »Zur Burg" fand heute eine vom K n ü 1 l k l u b und Ver- schönerungsverein veranstalteter öffentlicher Vortrag statt. Herr Oberlehrer Dr. Gaebel-Kaffel sprach über Heimatschuß. Semen feffclrden Vortrag belobte und veranschaulichte Redner durch zahlreiche wohlgeluagene Lichtbilder, die in dem „einst" und „jetzt" so recht erkennen ließen, in welcher Gefahr unsere Wälder Berge und Ortschaften durch „Ver. schandelung" schweben.
* Homberg, 12. Febr. 1912. In WallerSbrück brach heute das 6jährige Mädchen der Witwe Martin au» dem morschen Eise der Schwalm ein und ertrank, ehe Hilfe kam.
Weizen Roggen
210 ( - 2 ) 186*/«( -4-1
214 ( ) 192*/,( —2
223V. ( -4-1V.) 203 ( -8
230 ( — 2 ) 213 ( —2
2. Blatt.
vryck und Verlag der .Wtett Aktie«! rmkrrrt in Sulla.
Amt Geisa irnb Umqebuna.
♦ Vacha, 13. Febr. 1912. Das am Sonntag abgehaltene Sfiftunqsfest des k a t h. Männerver- ei n s erfreute sich eines äußerst zahlreichen Be- uches. Eingeleitet wurde die Feier durch den Festmarsch „Deutschlands Waffenehre" Beifällig auf- genoimnen wurden die von Frl. D. Plöchl vorgetragenen Sopran-Soli „Das Abendläuten" und „Das Mutterherz". Bei der humoristischen Duo- zene „Köchin und Gouvernante" und den dreiaktigen Schwank „Ein guter Kerl" waren die Rollen gut verteilt. Die Spieler und Spielerinnen ernteten lebhaften Beifall. Herr Kuratus Schumann entbot den Festteilnebmern einen herzlichen Willlom- mensgrnß. Die Bachaer Stadtkapelle trug schöne Weisen vor, und so herrschte den ganzen Abend eine recht fröhliche Feststimmung. Den Schluß der Feier bildete ein Ball. — Einen recht schwachen Betuch hatte der gestrige Krammarkt aufzuweisen, wes- balb verschiedene Budenbefitzer schon am srühen Nacht ittag wieder einpackten. Der schwache Besuch tst darauf zurückzuführen, daß der Viehmarkt wegen der Maul- und Klauenseuche verboten ist und der Krammarkt allein auf viele Landbewohner keine Anziehungskraft ausübt.
Besfbewährle
„Gewiß, — ganz ohne Zweifel!" bestätigte der Doktor, der b« Gorings frommen Worten den Argwohn schwinden schwmden fühlte; den er infolge Hartons Mitteilungen gegen ihn gehegt hatte. Em Mann, der angesichts eines Selbstmörders als der einzige unter den vielen an das Seelenheil des Hinübergeschiedenen dachte, konnte kein schlechter Mensch sein, konnte nicht selbst unentdeckt gebliebene Mordtaten auf dem Gewissen haben. Dokwr Jephson nahm daher an, daß ein Irrtum von seilen Hartons vorlag, und daß Gorina nicht idenfisch war mit dem Quarterone, welche« der Supercargo einmal im
Westen der Vereinigten Staaten gesehen haben wollte.
Sehr lieb war es dem Doktor, daß sein Sohn Robert durch die Seekrankheit geisfig und körperlich so abgespannt war, daß er in völliger Apathie auf seinem Bett lag. Dadurch waren ihm das Verschwinden der Frau Tibbs und ihres Töchterleins, sowie der Plötzliche Tod des Kapitäns kaum zum Bewußtsein gekommen. Wenigstens hatten die traurigen Ereignisse, wenn er sie ungeachtet seiner Krankheit begriffen hatte, nicht den gleich starken Eindruck auf ihn ausgeübt, wie wenn er sie im Zustand der Gesundheit miterlebt hätte. Und darüber freute sich sein Vater, welcher als Arzt wußte, baß die Rückwirkung der grauenvollen Vorfälle den ganzen Zweck der Reise in Frage gestellt hätte, die ja nur unternommen worden war, um die Brust und die schwache Körperkonstttttfion des Knaben zu kräftigen.
Aber auch der Suvercargo Harton war von der Seekrankheit so mitgenommen und derart deprimiert, daß es unmöglich war, mit ihm zu unterhandeln. So blieb denn den zwei gesunden Passagieren, Herrn Jephson und Goring, nichts übrig, als gemeinsam mit dem Bootsmann Hevson jene Anordnungen zu treffen, welche die Bestattung des armen Kapitäns notwendig erscheinen fieß.
Als die Nacht verstrichen war und der Morgen das Firmament im Osten purpurn färbte, fand da- her an Bord der „Marie Celeste" eine ergreifende Zeremonie statt. Die Matrosen hatten ihren toten Befehlshaber in ein Stück Segeltuch eingenäht und zu Füßen des improvisierten leinenen Sarges eine Quantität alten Eisens angebunden.
Hierauf wurde der Leichnam nach oben getragen» auf dem Verdeck niedergelegt und die amerikanische Flagge darüber gebreitet.
Doktor Jephson und Goring, sowie sämtliche Seeleute stellten sich entblößten Hauptes und mit gefalteten Händen um die Leiche auf und Goring Begann die bei einer Bestattung üblichen Gebete nach dem Ritus der anglikanischen Hochkirche zu sprechen.
/ Aus dem Rachbargebreie.
[1 Großenlüder, 11. Febr. 1912. Der hiesige katholische Arbeiter-Verein konnte am heu- tiflen Sonntag sein 12. Stiftungsfest feiern. Am Morgen gingen die 227 Mitglieder fast ausnahmslos zur hl. Kommunion. Das Hochamt für die lebenden und verstorbenen Mitglieder des Vereins wurde besonders verherrlicht durch eine 4stim- mige Messe, in exakter und kunstgerechter We se gesungen von der Gesangsabteilung unter der Leitung des Herrn Lehrers Schade. Die Gesangsabteilung verschönerte auch durch mehrere Lieder die Festandacht am Nachmittag, in der der hochw Herr Pfarrer Hillenbrand, der Protektor deS Vereins, die Festpredigt hielt und in überzeugenden Worten bewies, daß das Christentum, die Religion des Arbeiters von Nazareth, allein imstande sei, die soziale Frage zu lösen. Nachdem nun der Verein wie alljährlich im Psarrhose dem hochw. Herrn Protektor leine Huldigung dargebracht batte, fand im Vereins- lokal Konzert statt, das ebenso wie die theatralisch- musikalische Abendunterhaltung einen erhebenden Verlauf nahm. Besondere Anerkennung verdienen die Theaterspieler, die unter der bewährten Leitung deS Herrn Hauptlehrers Schrimpf Schönes leistete«. Auch die Musik, gestellt vom hiesigen Mustkverein, trug wesentlich zur Verherrlichung des Festes bei.
* Hersfeld, 13. Febr. 1912. Die Kali-Ju- d u st r ie scheint in unserer Gegend immer größere Ausdehnung anzunehmen. Nachdem von den bestehenden Gewerkschaften das Mutungsrecht noch für ein größeres Gebiet erworben worden ist, sollen im kommenden Frühjahr auch im Solztal an der Bahnstrecke Hersfeld-Heimboldshausen wieder an mehreren Stellen Bohrungen vorgenommen werden.
Hofgeismar, 12. Febr. 1912. Nachdem vor kurzem in einem Familienabende des hiesigen katholischen Männervereins Oberlehrer Dr. W e - stenberger einen lehrreichen Vortrag über .Linder und Alkohol" gehalten, wurde gestern der Schutzengelbund hier eingeführt. Pfarrer Gutberlet -Mackenzell feierte in eindringlicher Predigt, zu der auch .viele Erwachsene, insbesondere die kathol. Mannschaften des hiesigen Dragonerregiments vollzählig erschienen waren, die Triumphe der Mäßigkeitsbewegung, worauf etwa 50 Kinder vor schön geschmücktem Schutzengelbilde mutig und tapfer ihr Abstinenzversprechen ablegten.
Das Amutett.
6] Seeroman von Jos. Baierlein.
„Mir scheint die Sache ziemlich einfach zu liegen. Da wir einen Supercargo an Bord haben, der die Eigentümer der „Marie Celeste" vertritt, so tragen wir diesem die Angelegenheit vor. Wahrscheinlich wird er dann Befehl geben, das Schiff zu wenden und nach Amerika zurückzusegeln. Dorthin kommen ivir leichter als nach Europa."
„Und wenn dcr Supercargo den von Ihnen vermuteten Befehl nicht gibt?"
!r nid’t? Es wäre doch der ver- nnnftigste. Tut er« aber nicht, dann steuern wir eben inimerfort nach Osten. Auf diese Weise müssen wir wM nach Europa kommen. Es fragt sich nur, vo auch nach Lissabon." ” '
«Wir wollen das Beste hoffen! Vielleicht für- bet sich der Kapitän trotz aller Trübsal doch .oieder zurecht und behält feinen Geist klar. Aber wo ist er? Ich sehe ihn mcht utehr auf Deck."
In diesem Augenblick, und ehe Hehson eine Antwort geben konnte, ertönte unter Deck in der Gegend, wo sich die .Kapitänskajüte befand, ein lauter, scharfer Knall. Kein Zweifel, das war ein Schuß gewesen!
Erschrocken unb von schrecklichen Ahnungen gepeitscht, stürzte dcr Doktor, mehr als er ging, die Treppe hinab, die vom Oberdeck in den Kabinen- gana führte, eilte der Kajüte Tibbs zu, riß die Türe vsif und stand vor einem entsetzlichen Anblick.
Goring, der dem Doktor trotz dessen Eile zuvor- ,01ym£n, sbi" mußte, war in der Kajüte und sich über eine Leiche mit zerschmettertem 'o vv' x . r? u.n? stumm auf dem Boden lag, die m ?^,.?"stEns. Der enge Raum war nut bsr^nt rl ^"gefüllt, bet das darin herrschende .abendliche dunkel noch vermehrte. Dennoch bemerkte der erfahrene Arzt, daß menschliche Hilfe da zu spat kam: Kapitäns Tibbs war tot! Ter unglückliche Mann hatte wahrscheinlich den plötz- ltchen Doppelverlust seiner Frau und seines Kindes nicht v v-rmoch» im Zustand geisti
noch besondere Fehme halten über den Fall, aber ihrer haben wohl nur wenige für Wittum gestimmt. Die Sozialdemokraten werden natürlich tüchtig schimpfen unb wettern, aber dann wirds ooch dabei bleiben, daß der Bezirk den Sozialdemokraten durch die Einigkett des Bürgertums entrissen ist, wie das die Zentrumspartei als Exentpel wünschte.
Deutsches Reich.
# Karlsruhe, 12. Febr. 1912. Der Schmerz Über die Niederlagen in Karlsruhe und Pforzheim sitzt bet den Sozialdemokraten tief. Die Nationalliberalen, die an den Niederlagen ihrer Blockfreunde recht unschuldig sind, müssen es büßen. Der sozialdemokratische Abg. Dr. Frank, der Herr im Großblvck, brachte in der Finanzdebatte in bet Zweiten Kammer einen Brief des in Pforzheim durch die entscheidende Unterstützung des Zentrums gewählten liberalen Großblackgegners Wittum zur Sprache, worin Wittum um die Unterstützung des Zentrums nachgesucht hat. Kein Eingehen irgend welcher Bedingungen, nichts als eine einfache Bitte um Unterstützung, ohne die Wittums Nieder- läge unbedingt sicher gewesen wäre. Was ist bet einer solchen Bitte Schreckliches oder gar Ungehöriges? Nichts! Aber Frank kennt die National- liberalen, soweit sie auf den Großblock emgeschworen sind, er verlangte nichts mehr und nichts weniger, als daß die nattonallibcrale Parteileitung Wittum zwinge, sein Mandat niederzulegen! R e b m a n n, dcr Führer, der Nationalliberalen, benahm sich dieser Forderung gegenüber geradezu j ä m in erlich. Das könne ja gar nicht jein, hat er behauptet, Wittum habe so etwas „Schreckliches" nie geschrieben, und wenn er es geschrieben hätte, würde es die Parteileitung aufs ärgste verurteilen usw. Hat Rebmann auch so gejammert, als die nationalliberale» Kandidaten die Jenaer Bediitgun- gen unterschrieben und sich damit unter das Joch der Sozialdemokraten begaben? Nein! Und dort wäre doch eher Grund zum Jammern gewesen. Aber sobald, der sozialdemokratische Meister im Großblock die Stirne kraus zieht, wird die national- liberale Parteileitung in Baden blaß vor Schrecke». Das ist die tatsächliche Sachlage. Inzwischen wurde Wittums Brief, der tatsächlich aber auch gar nichts weiter alck die kurze, einfache Bitte um Wahlhilfe enthielt, veröffentlicht. Die sozialdemokratische Presse wiederholte die Forderung, das Mandat müsse niedergelegt tverden. Und die nationalliberale Parteileitung — schwieg. Wittum selbst ergriff in einem öffentlichen Briefe das Wort zu seiner Verteidigung. Er sagt:
Ich schrieb kurz und bündig an ein mir schon läng t befreundetes Zentrumsrnitglird, eS möge bei lewer Parteileitung in meinem Namen um Unter« fiögiiug meiner Kandidatur ersuchen. Habe ich damit etwaL Unehrenhaftes getan V Habe ich ein Prinzip verletz', ober gegen Parteigrundsätze verfloßen. Versprech: ngen gemacht, oder irgend welche Bedingungen Uüterlchrieden?--Ich war, bin und bleibe ein
Gegner des Großblocks. Auf Grund dieses Bekenn tmsseS wurde ich gewählt. Trotz dieses Bekenntnisses wurde ich von der nationalltberalen Partei aufgestellt und von der Fortschrittlichen Volkspartei unter, stützt. Die Unterstützung fettens des Zentrums war aber eine Grundbedingung für den Sieg.--Nirgends
und niemand gegenüber habe ich erklärt, daß ich Zentrumshilse nicht erbeten habe.
Dieser Bries ist ein Keulenschlag nicht nur für die sozialdemokratische Anmaßung, sondern in ganz besonderem Maße gegen den nationalliberalen Par- teiches. der in seiner Angst vor der Sozialdemokratie nichts besseres zu sagen wußte, als Wittum habe versichert, er habe das Zentrum nicht um Wasilhilfe gebeten, unb eine solche Bitte sei, wenn doch geschehen, aufs ärgste zu verurteilen, Siebmnnn ist nach diesem Briefe als Parteiführer und als Politiker gerichtet. Eben nun Hal die national- liberale ^Parteileitung eine Erklärung zum Fall Wittum erlassen. Darin wird gesagt: Wittum habe sich an das Zentrum gewendet, ohne die örtliche Parteileitung und die Parteileitung des Lindes in Kenntnis zu setzen, die Parteileitung stabe davon nichts geahnt, sie würde Wittum den Schritt sonst widerraten baten. Es wird daher das Bedauern über den Verlauf der Sache ausgesprochen. Man sicht also, der Sünder ist auf die Anklage des Gencralprokurators des Rotblocks Dr. Frank zwar verurteilt, ater mit der glimpfiichsten Strafe davon gekommen. Man Hal es trotz der Drohungen Franks nicht gewagt, mit dem Willen der Pforzheimer Wählerschaft sich in Widerspruch zu setzen. Man darf *lU1’ gespannt sein darauf, was die anderen Groß- blockbrüter dazu sagen. Die Fortschrittler wollen
. . - ---iS Als er daS „Unser Vater" mtt leiser Stimme
Supercargo ernmal im | beendigt hatte, zog der Bootsmann die Flagge weg
und gab einen Wink. Zwei Matrosen ergriffen di« Leiche, hoben sie über Bord und ließen sie ins Meer fallen. Die an der Leinwand befestigten schweren Eisenstücke zogen sie augenblicklich in die Tiefe.
Der letzte Akt einer harten Tragödie war ans- gespielt, und der unermeßliche Ozean hatte dem Kapitän Tipps die letzte Ruhestätte gewährt, wie zuvor schon dessen Frau und Tochter in ihm ihr Wellengrab gefunden hatten.
6. Kapitel.
Es leuchtet ein, daß die Lage der an Bord der „Marie Celeste" befindlichen Personen keine beneidenswerte war. Die Brigantine hatte keinen Kapitän mehr, und die anderen Seeleute waren nur daraus eingeübt, ihnen befohlene Manöver auszu« führen; das Schiff selbständig zu letten, verstanden sie, wie gesagt, nicht. .
Unter solchen Umständen gereichte es dem Doktor • zur großen Erleichterung, daß Goring nach der Versenkung des Kapitäns in seine Kajüte kam und ihn anredete:
„Wir sitzen tüchttg im Pech, Mister Jephson, daS läßt sich nicht leugnen. Der Kapitän ist tot, die Matrosen sind nur Handarbeiter und keine Schiffsführer, der Supercargo und Ihr Sohn leiden an bei Seekrankheit. Dennoch halte ich unsere Lage nicht für verzweifelt."
„Auch ich nicht, Mister Goring."
„Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir mit» teilen würden, warum Sie die Sache für besser betrachten, als sie aussieht."
„Der Bootsmann Hehson", ertoiberte ter Doktor, „ist der Meinung, Herr Harton werde, sobald ihn die Seekrankheit verlassen hat, als Supercargo unb Vertreter der Schiffs-Eigentümer, den Befehl erteilen, die Reise nach Lissabon vorläufig aufzugeben unb nach Amerika zurückzusegeln. Und da wir nicht viel mehr als vier bis fünfhundert Seemeilen von ter Küste entfernt sind, traut Hehson sich wohl zu, die Brigantine nach einem amerika- Nischen Hafen zurückzusteuern. Sie sehen also, Mister Goring, daß die Lage wirklich weniger verzweifelt ist, als sie scheint."
(Fortsetzung folgt.)
ger Umnachtung zur Pistole gegriffen und sich eine Äugel in den Kopf geschossen.
Die gleiche Ansicht sprach auch Goring au8. Alle Umstande deuteten darauf hin, daß sie die richtige sei: das verstörte Wesen des Kapitäns, seine Augen, in betten die Glut des Wahnsinns geloht batte, Pie aber jetzt gebrochen und gläsern gen Himmel schauten. Zur rechten Sette der Leiche lag die Waffe, mit der Tibbs sich den Tod gegeben; sie war seiner sterbenden Hand entfallen.
Tief erschüttert drängte sich die ganze Beman. nung in die Kajüte, sodaß das Schiff eine Zeit lang sichrer- und stenerlos auf dem Meere trieb. Ater Tibbs war fernen Leuten stets ein gütiger Borgesetz- tcr gewesen, und deshalb wollten jene Matrosen, die schon früher Fahrten mit ihm gemacht hatten, wenigstens noch einen letzten Blick auf chn werfen, ehe mit seinem Leichnam nach Seemannsbrauch verfahren wurde. Den weißen Matrosen stauten Tranen in den Augen, als sie den Körper vom Boden aufhoben und auf das Bett legten; selbst die ■Neger machten traurige Mienen.
."Ich tefanb mich in meiner Koje", erzählte Go- rtng dem Doktor, nachdem die Seeleute wieder nach oben gegangen waren, „da hörte ich Herrn Tibbs die Gancstreppe herabkommen und die Tür seiner Kaiute offtten. Gleich darauf knallte ter Schuß, unb als ich ohne Zeiwerlust zur Hilfe eilen tootlte, fanb ich den schwer geprüften Dulder schon entseelt
<*9e Gott ihm gnädig sein und die Tat nicht als Sunde anrechnen; et hat sie sicher bei getrübtem Geiste begangen."
Kurjtr Getreide-Wochenbericht
der Preisberichtsstelle des deutschen Landwirtschaft«^ ratS vom 6. bis 12. Februar 1912
Mit dem Umschwung zu milder Witterung nahm) der Getreidehandel eine ruhigere Haltung an, und
Deutschere
wie zuvor die gesteigerte 9tad)frage nach Futtermtt- teln, so blteb zuletzt das Nachlassen derselben nicht ohne Einfluß auf die Lage des BrotstoffmarkteS. Tiefe Rückwirkung zeigt sich namentlich beim Roggen, da dessen Berwendung zu Futterzwecken ja lediglich von der Höhe der Fitttermittelpreise abhängt Neben derartigen Erwägungen spielte tn dcr Ve- nchiswoche aber der Umstand mit, daß die B ovinz zu Preisen, die sich ca 18 Mk. unter Maiwert stellten, als Abgeber für September auftrat Da außerdem die Käufer an der Küste wie im Jnlaude etwas mehr zurückhielteu, büßten Soinmertermin im Verlaufe gleichfalls. 3—4 Mk. ein. Weizen konnte feinen Preisstand im allgemeinen besser behaupten, da für diesen Artikel die andauerd feste Sage des Weltmarktes den Ausschlag gibt. In Argentinien dauert der Streik fort, sodaß die Verschiffungen wieder nur geringen Umfang anftviescn und mehrfach Rückkäufe von Januar- und Februarkoutralten erfolgten. Hinzu kommt, daß Italien und zuletzt auch Frankreich Interesse für deutschen Weizen betenden, zumal sich dieser wesentlich billiger stellt, als andere Provenienzen. Meldungen über scharfen Frost in Amerika trugen heute weiter dazu bei, die Preise zu stützen, sodaß der Verlust im Lieferrmgsgeschäft sich auf 1—2 Mk beschränkt. Für Hafer zeigten die Händler sich merklich zurückhaltender. Die Provinz trug dieser Situation mit einer Ermäßigung chrer Forderungen Rechnung, schien aber zuletzt - .item Untergeboten Widerstand entgegenzusetzen, zumal Rußland fest blieb und Argentinien manches zncück- kauste. Fütlergerste mußte sich auch etwas niedriger stellen, aber das Angebot von. Rußland bleibt knapp, da die Vorräte dort schon sehr zusammengeschmolzen sind. Für Mais zeigte sich Amerika entgegenkommender, und damit mußten auch die Preise für Odessa- teitb Donau-Mais entsprechend nachgeben, während die iveseittltch niedrigeren Forderungen für Plata-Mats nur eine leichte Abschwächung erfuhren.
Es stellten sich die Preise für inländisches Getreide am letzten Markttage in Mark pro 1000 Kilogr. je nach Qualität, wobei das Mehr i-H bezw. Weniger (—) gegenüber der Vorwoche in Klammern () beigefügt ist wie folgt: