Pas AmuLett.
9] Seeroman »cn Jaf. $aierlei?i.
SS er DaÜor tutb fein Sohn richteten sich hierauf in ihren Sojen, so bequem wie möglich em und fan« wnr daß die „Marie Celeste" für eine längere Seereise euren ganz leidlichen Aufenthalt bieten fronte. Namentlich war der neben der Kap'uäuskajüte lies Ssnde, gemeinsamen Bersaiumlungsott der $affa:pcre bestimmte sogenannte Salon ein behaglicher Raum. Als bann beide Wieser jutn überdeck hurauiflregen, sahen sie. daß die Brigantine sich bereits vorwärts bewegte. Sn befand sich im Schlepp- wu eines kleinen Dampfers, der sie langsam aus dem .Vas«, und der Bai hinausbugsierte. Nachdem dre hohe See erreicht war, kehrte'das Schleppboot nach Boston zurück, die Brigantine aber setzte alle Segel und steuerte in den Ozean hinaus
3. Kapitel.
L. Tie erste Nacht zur See war vorüber und für die Passagiere günstig verlaufen
^.-'Ka.piicm Tibbs!" rief Doktor Zepdfro dem Ec^fsesuhrer xu, der mit befriedigten Staren das Ausichen des Morgenhimmels musterte, „wie kwwe gedenken Sre zu brauchen, bis Sie die „Marie Ce- lafiro?"” §afe" ti0“ ViRabon Anker gehen
»Das kommt aufs Wetter an, Herr Doktor' Heute ist Ihre Frage wohl etwas bcrtuibT Ju- desien lmll ich wenigstens soviel sagen, daß wer kaum wehr als drei Wochen Fahrt haben wudro, wenn der Wind ht der jetzigen Stärke bleibt und wenn wrr gegen kerne Gegenwinde auflreuzen müssen."
"®ie Dauer unserer Meise hängt also von verschiedenen „Wenn ab?
„Gewiß, Herr Doktor! Doch wollen Sie mir picht die Ehre geben, em Mas Portwein mit mir
JV9 53.
Samstag 10. Sebmar 1912
Itz. Jahrgang.
• fulllaer W Leitung
3. Blatt.
druck und Verlag der Fuldaer Actientruckerei in Snl&a.
ülttB -«lHA-iMe« ßkielz
erzielen Ihre Anzeigen tu der wertver- breiteten „Fuldaer Zeitung" Geschäfts- Anzeigen jeglicher Art. kleine Anceigen wie Beiwielunaen, Berkäuie. Stellen» Angebote und Gesuche re., ebenw Fa» luilten-Anzeige» finden in hem gern gelesenen Blatte größte Beachtung.
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 9. Februar 1913.
Das Haus schreitet gleich zur
Wahl des Priisidinms.
Tas Ergebnis des ersten WahlgangeS ist folgen es: Abgegeben sind 388 Stimmen, darunter 3 unailliae. Von den gütigen 385 Stimmen sind entfallen auf den Adg. Dr. Spahn (Ztr.) 185, Bebel -So;.) HO, Prn j Lchönaich-Carolaty (ntlb.) 83, Dr. Paasche (ntlb.) 1, Heine (So,., 1.
Ta sich eine ablolute Mehrheit mcht ergeben hat, so muß zwischen den genannten 5 Abgeordneten eine engere Wahl erfolgen. Es sino wieoerum 388 Stimmzettel abgegeben worden, darunter 3 ungiltige. Bon den verbleibenden 38 , Stimmen haben erhallen: Spahn Ztr.) 186. Bebel lSo,.) 114, Prinz Schönaich. $arola:i) (ntlb.) 85. Die absolute Mehrheit, die 195 beträgt, ist von keinem der Kandidaten erreicht worden und es muß daher btt zweite engere Wahl statt- tttlbfli. ,
YNter-prSsident Träger: Es kommt fetzt zur engeren Wahl üerjentgen beiden Herren, die die meisten Stimmen erhalten haben: das sind die Herren Dr. Spahn und Bebel.
Bei der zweiten engeren Wahl werden abgegeben 384 Stimmen, darunter 13 ungiltige. Von den verbleibenden 371 Stimmen erhielt Dr. Spahn (Ztr.) 196, Bebel (Soz.) 175.
Abg. Dr. Spatz» nimmt die Wahl an und dankt dem Alterspräsidenten für seine nicht ganz mühelose Eeschäftssührung im Namen deS Hauses. Er bittet d;8 Hous, ihn in dem Bestreben zu unterstützen, die Würde und das Ansehen des hohen Hauses zu wahren und feine Geschäfte zu fördern. (Bravo k)
Es folgt die Wahl des
ersten Vizepräsidenten.
Abgegeben sind 386 Stimmen, darunter 21 unail- tige. Aon den verbletbenoen 365 Stimmen haben erhalten: Abg. Scheidemann (Soz.) 188, Dtttrich (tont.) 176, Tr. Paasche (ntl.) 3.
Abg. Scheidern ann ist somit gewählt und nimmt die Wabl unter lebhaften Bravorufen der Linien an. Auf der Rechten herricht ziemliche Erlegung, es hüben sich im ganzen Haute Gruppen, die die Wahl Echetdemanus lebhaft bis bitteren. — Bei der Wahl oes zweiten Vizepräsidenten
sind 365 Stimmzettel abgegeben worden. Darunter 95 ungtUige. Bon den verbleibenden 290 Stimmen erhieltcu Abg. Dr. Paasche (nil.) 274, Adg. K lempi (fteif.) 12, Dr. Diilrich (kons.) 2, v. Heydebranv (teuf.) 1 und Stadthagen (Soz>> 1.
Paasche ist somit gewählt und nimmt die Wahl dankend an.
In einem Wahlgang werden bann, gleichfalls durch Stimmzettel, die acht Schriftführer gewählt; das Ergebnis wirb in der nächsten Ätzung feftgeiteUl werden. Zu Quästoren ernennt der Pi ändern die Abgg. Bafferinaan (ntl.) und v. Savtgny »Zentr.)
Präsident Spahn: Damit ist bas Haus konstituiert. Er. Majestät dem Kaiser werbe ich Mitteilung davon mache,,.
D e Tagesordnung ist erledigt. Dienstag, den 13. Februar: Interpellationen über die Zuckerlonvention (Baffern,ann) und über die Teuerung iAvlast).
Aus dem Nachdargebiete.
* Hünfeld, 9. Febr. 1912. Eine njeder träch - tige Lat wurde in einer der letzten Rächie an 5 jungen Obftbäumcken an der Abzweigstraße nach Hünhan vollbracht; die Kronen der Bäumchen wurden abgebrochen. Leis« verliefen die Forschungen nach dem Tä'er durch den KreiS»Poklzeth»nd ergebnislos.
* Schlitz, 9; Febr. 1912. Der Bahnbau Schlt tz-L rederau la wird iw Kurze beginnen, da nunmehr in den Bet Handlungen mit den in Betra cht kommenden Genuinven eine Einigung erzielt worben ist. Die ersten Arbeiten für den Badn» bau A isfekd-Medercmla find bereits zur Ausschreibung gelangt.
* Heichftkb, 8. Febr. 1912. Der Personenzug 893 der F anksurt-Bebraer-dahn, der hier 7,57 IIgr abends einttifft, kam heute mit ^»stündiger Der. fpä’iuig hier an. Die Ursache war ein Defekts den d e Lokomotive zwischen den Stationen 3teu» firchen und Oberhaun erhielt, sadafi sie den gug nicht wetterbrachte. Es nnivte erst eine Ersatzma- schiue U iprvcrert werden.
* HoigriSurac, 9. Jan. 1912. Der älteste Sara er unserer Stadt, der am 19. April 1.819 hierseli-'r. gebotene Wechbindcruieister Konrad Berg- manu L-ot heute matyn im 94. Lebensjahre das Keilli-che. gesegnet. Noch dis irr die letzte Zeit war der Verstorbene verhältnismäßig rüstig.
* Kassel, 9. Febr. 1912. Ein tödlicher U n- : g l ü ck s f a l l hat sich gestern bei Tennhausen an : der Fulda 511 getragen. Der Restaurateur Schröter hatte seinen 13 Jahre alten Sohn zur Ausübung der Jagd mitgenommen. Als der Bater eine Wildente geschossen hatte und diese auf das Fuldaeis gefallen war, eilte der Junge nach. In seinem Eifer beachtete der Knabe eine offene Stelle des Eises nicht, er sank ei« und verschwand unter der Eisdecke, wo er seinen Tod fand.
* Dieburg, 6. FÄr. 1912. Unsere Maria- nilche Jünglings- Sodalität feiert in diesem Jahre Ende Juni ihr 50jähriges Bestehen in unserer Gemeinde. Ter eigentliche Gr^mdungstag der Kongregation ist der 23. Mätz 1862. Aber schon fünf Monate vorher, gegen En« November 1861, hatte der damalige Kaplan Lud- toig Erler, der spätere Domkapitular und langjähriger erster Rektor des hiesigen bischöflichen Knaben- Konvikles, nach reiflicher Ueberlegung einige Jünglinge in der Gnadenkapelle um sich versammelt und mit ihnen einen Rosenkrmrzverein gebildet. Aber bei der raschen Ausdehnung und Verbreitung des . jungen Vereines, — der anfangs 12, nt kurzer Zeit aber 60 Mitglieder zählte, '— entschloß sich Herr Kaplan Erler im Einverständnis mtt deut damaligen Dekan und Stadtpfarrer Goh anstatt des . lebendigen Rosenkranz-Vereins den schon beinahe 300 Jahre lang in der katholischen Welt blühenden und an vielen Orten verbreiteten Marianischeu Sodalitäts-Derein einzuführen Der erste Aufnahmetag war der Sonntag nach dem St. Josepbs- tag, der 23 März 1862. Unsere Jüngliugs-Sodali- tät rüstet sich schon jetzt eifrig, ihr goldenes Jubelfest am 29. Juni glänzend zu begehen. Bereits sind an die auswärtigen Vereine die Einladungen versandt worden. Man bösst auf reckt zahlreiches Erscheinen von Vereinen und Deputationen.
Ami Geisa und Umgebung.
* Dermbach, 8. Febr. 1912. Der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Hanptvereins im 4. Verwaltungsbezirk gibt bekannt, daß durch die Landwirtschaftskammer auch im Jahre 1912 Anbau- Versuche m i t Hafer angestellt werden. Den . Bersuchsanstellern wird her Unterschied zwischen dem Marktpreis des Getreides und dem für die Versuchszwecke bezahlten Saatgutvreis ersetzt. Außerdem erhält jeder Versuchsanfteller eine P r ä- mie von 20 Mark zuerteilt, wen« der Versuch richtig zum Abschluß gebracht wird. Anmeldungen zu diesen Versuchen find bis zum 15. d. M einzureichen. •
* Stadtlengsfeld, 8. Febr. 1912 Als gestern abend die Karrolpost von Gehaus zurückkam, stürzte der Wagen infolge der Glätte u m, sodaß der Postillon und sein Passagier unter den Wagen zu liegen kamen. Ersterer blieb unversehrt, aber bcnt Passagier wurde das Gesicht arg zerschunden.
* Gehaus, 9. Febr. 1912. Am 16. Februar d. I. find 200 Jahre verflossen, seitdem durch kaiserlichen Burgfrieden die Güter derer v. B 0 i n e - burg-Lengsfeld vereinigt wurden. Me Grafen und Freiherren von Boineburg sind noch heute tm Besitz dieser in Gehaus und Weilar telegenen Besitzungen, während das Gut in Lengsfeld durch Kauf in anderen Besitz gelangt ist.
* Tiefenort, 8 Fekw. 1912. Der hiesige Schulvorstand und Gemeinderat beschloß die Anstellung eines z w ö l f t e n 8 e h r e r s an der hiesigen Volksschule von Oster» d. I. ab.
* Ms Thüringen, 9. Febr. 1912. Eine Wiederherstellung des Refidenzhanfes in Eisenach wird geplant. Dem Landtag wird -roch in dieser Tagung eine Vorlage zugehen, die 137 000 Mark zur Restaurierung bezw. Wiederherstellung des Residenz- hauses z» Eisenach fordern ttrirb. Wahrscheinlich sollen in dem wiederhergeftellten .Hause mehrere Behörden urttergebracht werden. — In Ober« lauter lebte ein Man» fist Jahren als arotzer Held und Vaterkcmdsvetteidizer, der für Eroberung einer Kamme 1879 das Eiserne Kreuz erhalten haben wollte, auch angeblich den weimarischen Krv- uenorden befaß, dorr es gar nicht gibt Er gründete schließlich einen Militirvereiu, an dessen Spitze er gestellt wurde. In der Kirche zu Unterlauter ist der Name des Helds» auf einer Ehrentafel verewigt, j Jetzt hat man ermittelt, daß der Mann nie au | einem Feldzug teHgenromren hat) er stand kurze I
Zest bei der 5. Kompagnie in Hildburghausen und wurde wegen Dienstuntauglichkest entlassen.
Aus Gberheffen u- den heff. Aemtern.
* Kirchhain, 10. Febr. 1912. Zur Landtagsersatzwahl schreibt die „Frankenb. Ztg.": Tie im Jahre 1908 gewählten Wahlmänner haben auch den neuen Abgeordneten zu wählen, sodaß nur Ersatzwahlen für durch Tod, Krankheit oder Veränderung des Wohnsitzes ausscheidende Wahlmän- mer vorzunehmen sind. Im Kreise kommen etwa 12 Ersatzwahlen in Frage. Die Gesamtzahl der Wahlmänner im Kreise Frankenberg beträgt 91, im Kreise Kirchhain 80 Wenn sich sämtliche Wahlmänner des Kreises Frankenberg auf einen Kandidaten einigen, wird dieser das Mandat sicher behaupten. Eine am Mittwoch in Frankenberg abgehaltene Versammlung der Wahlmänner aus dem Gerichtsbezirk Frankenberg einigte sich einmütig, nachdem Bürgermeister D e r tz zu Gunsten des Gegenkandidaten von seiner Kandidatur zurückgetreten, auf den Kandidaten Kreisausschußfekretär Ueberschaer. Die Zahl der anwesenden Wahlmänner betrug 30. Erwähnt sei noch, daß die derzeitige Legislaturperiode des Landtages int Herbst 1913 abläuft.
* Geismar, 8. Fcbr. 1912. Für die in unserer Gemarkung gelegene Heilquelle, die sog. Steuer« quelle, auch „Sauerbrunnen* genannt, ist ein Schutzgebiet gebildet. Em griffe in den Boden dürfen nur bis zu 3 Meter Tiele, zur Gewinnung oon Steinmaterial nur bis zu 6 Meter Tiefe tun» genommen werben. In den ang-enzevdeu Gebieten dürfen nur Eingriffe bis zu 15 Meter Tiefe gemacht werd n. Die genannte Quelle ist vom Fürst!. Torranitttn in Waldeck käuflich erworben worden, offenbar deshalb, um einer Konkurrenz des Badeortes Wildungen vorzubeuoen; die Quelle soll nämlich bteielbe Heilkraft besitzen, rote die Königs- quelle in dieiem Babeort.
* Gemünden a. d. Wohra, 7. Febr. 1912. Mit dem kommenden 1. März wird die zw e i t e P 0 ft- verbindung von Gemünden nach Kirch- hain wieder eröffnet. Als am 1. Oktober v. I. die Bahn eröffnet worden war, ließ die Oberpoftdirektion die Perfonenpoft, die morgens gegen 8 Uhr von Gemünden abging, ausfallen. Dadurch entstand für die Orte des Wohratales ein großer Mißstand. Man war von dem Sttz des Amtsgerichts in Rauschenberg, sowie von dem Sitz der Kreisbehörden vollstcindrg abgeschlossen. Deshalb wird die Eröffnung der Verbindung mit Freuden begrüßt.
* Fritzlar, 8. Febr. 1912. Ter jetzt ausgestellte Etat des Kreishaushattes pro 1912 schließt in Einnahme und Ausgabe mit 191000 Mk. ab. Es ist bei der sparsamen Wirtschaft möglich gewesen, wieder mit 15 Prozent Kreis- steuern auSzukommen; dazu kommen 10 Prozent Bezirkssteuern. Die hiesige Gemeinde erhebt 75 Prozent, sodaß in unserer Stadt die 100 Prozent noch nicht überschritten sind, trotz sehr kostspieliger und wichtiger Neuerungen. Mr Landwege-Unter» Haltung sind 33500 Btt. in bat Kreisetat eingestellt, außerdem 2630 Mk. für das Walzen der Ortsstraßen in Niedeustein und Kirchberg und den Brückeubcm in Niederurff. Für Grunderwerb der Bahn Znmnersrode-Densberg sind wieder zirka 10000 Mark vorgesehen. Die auf den 20. Februar anberaumte Sitzung des Kreistags wird sich außer mst dem Etat noch mit der Frage der Beteiligung an der großen Ileberlandzen- träfe befassen.
vermischtes.
* Die GrmldfiückSpreise in Berlin steigen ungeheuer. Für ein Grundstück an der Friedrichstraße wurden pro Quadratrute 72 000 Mark gezahlt. Tas ist pro Quadratmeter über 5000 Mark. Sein Lunder, wenn da die Luden- und WohnungSmieten gewähl t in die Höbe schnellen.
* Im Fieberwahn. Zwei Leipziger Juweliere Burghardt und Preusch bewohnten eine gemeinsame Wohnung. Burghardt, der seit längerer Zeit krank ist, stürzte sich nachts im Fieberwahn mit einem Dolche auf seinen Kompagnon und seine Schwester und verletzte beide lebensgefährlich.
* Zu wüsten Szene» kam es im Schwurge - richtsfaal in Czernowitz (.Bukowina) nach der Nrteilsverkündigung im Mordprozeß gegen die Prüder Kottek. Als der Gerichtsvorsitzende das Urteil verkündete, wonach der eine Kottek zum Tode durch den Strang, der andere zu fünf Jahren Kerker verurteilt wurde, stürzten sich die Beiden auf die Gefangenenaufseher, die sich nur mit knapper Mühe retten konnten, und versuchten bann zu fluchten.
I Das meist aus Frauen bestehende Publikum warf ; sich den Flüchtlingen entgegen und drängte sie in ! den Saal zurück, worauf die Türen von außen oer- i rammelt wurden. Die beiden Verurteilteti stürzten , sich nun wie rasend auf den Gerichtshof und schlu- , gen mit Stühlen auf ihn ein. Im Saale entstand ; ein unbeschreiblicher Tumult. Inzwischen waren j Gendarmen herbeizeholt worden, denen es nach i vieler Mühe gelang, die Verbrecher unschädlich zu machen.
* Eine sechsköpfige Einbrecher bände die in Berlm und den west ticken Vororten allem über 50 Einbrüche verübt und dabei an Geld und Waren etwa 100000 Mark erteutet hat, ist in der Re.chs'jaupt- stadt feftgenommen worden. Ter Haupttäter ist ein 27iäbriget Artist, ein Schüler des berüchtigten ,Ein- bretheifönta#" Sirrt).
** Deutsche Mädchen in Frankreich. In letzter Zett hat sich die Zahl der Fälle außerordentlich vermehrt, daß die deutschen Konsularbehörden in Frankreich durch Bermittekungsauträge deutscher Erzieherinnen, Kinderfräulem u. weiblicher Dienstboten in Anspruch genonrmen werden, die sich über ungerechte Behandlung seitens ihrer französifchen Dienstherrschaft beklagen. Derartige Beschwerden lassen sich am besten dadurch vorbeugen, daß deutsche Mädchen, die in Frankreich ht Dienst tuten wollen, sich vor lieber nähme einer Stellung über die Herrschaft, mit besten durch das zuständige Konsulat erkundigen Bor Uebernahme soaeuann- trr Stellungen „au pa i r" ist grundsätzlich zu warnen. Unter allen Umständen empfiehlt es sich, dir Abichließung eines ht beiden Sprachen ausgefertigten Bertrages.
* Dreihundett Hinstr eingecilckert. Das in der Nähe von Rodofto aefegene griechische Dors Panitz cm, das aus über dreihundert Hänsern bestand, ist ■ durch eine Feuersbrunst vollständig zerstört worden.
— Presaisch Sie (singt): .Wenn ich ein Vöglein wär' . . — Er: »Was tüt' das nützen?
Den Schnabel könuftst Du ja doch nicht hallen l*
Haudei nnb Jndnftrie.
• Die Hypothekenbank In Hamburg verössentlicht im Anzeigeteil cer heutigen Nummer ihre Bilanz ultimo Dezember 1911. Wir machen unsere Leser darauf bk sonders aufmerksam.
* Berlin, 9. Febr. 1912. Heute neigte die Börse wieder zur Schwäche; sie reagierte auch auf günstige polnische Meldungen nicht. Auf dem Monianmarkte gab e8 Preisabschläge von 1 Prozent. Bankaktien ’/« Prozent niedriger. Schiffahrtsaktien nur wenig verändert, aber gleichfalls schwächer. Elektrnität-werte ruhig.
Reklamen- n«d Anzeigen teil.
Appetitlosigkeit
IDr. Bommers Haematöge» ?
—- ■■■■ ■■■ - 20 jä riger @rfclg! -- ’
Warnung! Man verlange ausdrück- *
U. ttch den Namen Dr. Hommel. i
in der Hütte*) zu trinken? Ich will, dort nach den Jitstrnmenten sehen, und loggen kaffen, um zu erfahren, wie viel Knoten ttnr bei dieser Brise machen. In der Hütte habe ich aber auch meinen eigenen kleinen Flaschenkekler mttergebracht."
Dokwr Jephson nahm die Einladung des Kapitäns mst Donk an und folgte ihm nach dem Htn- terdeck. Aks aber Mister Tibbs die Schiebkncke, welche die Hütte von den übrigen Räumlichkeiten des Schiffes absperrt, zurückzog, machte er ent sehr erstauntes Gesicht. Denn an dem runden Tischchen, das die Mitte des KämmerckrenI einnahm, faß Goring, der Pflanzer von New-Orleans. Er hatte einen geöffneten Chronometer in der Hand und betrachtete das Werk desselben mst gespanntem Interesse Dabei war er fo nt seine Gedanken vertieft, daß ihm sogar das Geräusch des Zurückziehens der Schieblucke ettt- gangen war.
„„Herr", rief ihm der Kapitän zu, „was treiben Sie da?, Was haben Sie hier z« schaffen?"
Erst jetzt schreckte der Suarterone zusammen, dafür ober so mächtig, daß fein gelbliches Gesicht noch bleicher wurde, und daß seine Hände heftig zitterten. Er mutzte dos Jnitrument auf den Tisch nie- berlegen. Tort) schnell batte er sich wieder gefaßt.
„Entschuldigen Sie mich/ sagte er mit feiner letten, vibrierenden Stimme „3d) bin Vorwitztq gewesen, konnte aber meine Begierde, diese schöne» Fnstrmnente yt bewundern, nicht int Zaume halten. Schon gestern habe ich Ihnen gesagt, daß ich mich als Tilettant viel mst Physst beschäftige) heitte will ich hsttZtrsugen, daß die Mechanik eine ebenso große Anziehungskraft auf mich cu?übt. Als ich nun vorhin durch das Fenster der Hütte diesen herrlichen Chronometer erblickte, unterlag ich der Versuchung,
«; Auf fleuittt Schissen befindet sich auf dem Himer- deck neben dem Steuerruder ein hölzerner Verichl-g, eine Art Sammer, die «Hütte* genannt, worin alle Sextanten, Barometer, Ctzronometer usiv., also die bei jeder Seefahrt nötigen Instrumente, ausbewahrt werden.
ihn in der Rähe genauer ;n betrachten. Ich bttte nochmals um Entschuldigung, Kapitän Tibbs!"
Ter Mann hatte so gut gesprochen und seine Anwesenheit in der Hütte so pstmsibel erklärt, daß der schnell befänftigt« Schiffsführer sich beinahe Ge- iviffensbisse machte, ihn so barsch angerufen zu haben. Um vieles freundlicher sagte er daher z» ihm:
„Es ist freilich nicht gestattet, die Hütte ohne Erlaubnis zu 6etreten, da sie gleichsam das Heikigttkm des Kapitäns ist. Würde nämlich an den Instrumenten etwas verdorben, oder zerbrochen, so käme dos ganze Scoiff in Gefahr, weil sich keine richtige Srtsbestimmnng mehr treffen ließe Dann konnte das Fahrzeug aber auch feine Richtung nicht genau einhakten, und es wäre möglich, daß es nm bedeutende Entfirmingen von feinem Kurs abwiche, und etwa in Havre landete, falls es nach Gibraltar se- aeln sollte. Sie scheinen das nicht gewußt zu haben, Mieter Goring, und deshalb ersuche ich Sie, mir späterhin stets anftrzeigen, wenn Sie meine Instrumente besichtigen oder Bersnche mit ihnen machen wollen Ich hoffe dann immer selbst dabei zn sein, um Ihnen das Nötige 5» erklären und acht zn geben, daß nichts Ungutes passiert. Für heute aber soll dieser Zwischenfall abgetan fein, und ich lade rmch Sie ein, mir bei einem Glas Portwein Pefcherd zu hm."
Goring lehnte das Anerbieten des Kapitäns nicht ab, und die drei Männer standen daher — sitzen konnten sie nicht in der engen Kammer — gleich darauf um den runden Hüttentifch herum und labten sich an dem funkelnden Wern. Bei dem Gespräch, das sich während des Trinkens entspann, ertt- puppte sich der Plantagenbesitzer als ein Mann von wirklich nennenswerten Kenntnissen und großer Erfahrung. Er kannte alle Schiffsinstru mente und wußte, wozu sie dienten, zeigte sich vertraut mit der Abweichung der Magnetnadel wie mit der Lage und Richtung der Meeresströmungen nsw. und bewahr- hestete so seine Aussage, daß er ein Freund der Wis
senschaften fei. Den Herren in der Hütte verstrich ein Stündchen unter anregendem Geplauder, und als sie sich trennten, wünschte der Kapitän sich Wück, neben Doktor Jephson und dem Supercargo Hatton noch einen dritten Passagier von unbestreitbarer Bildung und angenehmen U mzangsfonuen an Bord zu haben.
Auf den Doktor hatte jedoch Goring leinen fo überaus günstige» Eindruck gemacht. Ihm schien es, als hafte dem Quatterone etwas Gebeimnisdol- les an, als verberge sein pockennarbiges, abstoßendes Gesicht ein »ach häßlicheres Innere. Seine schmeichelnde Stimme harmonierte nicht mit den rollendrö Augen, die einen hatten, stechenden Blick besaßen, und feine langsamen, abgemessenen Bewegungen trugen das Gepräge, daß sie gehinftelt und erzwungen seien. Auch war es dem Doklor aufgefallen, daß Gottng in bezug auf seine Person sehr zurückhrekt und dem Gespräch schnell und geschickt eine andere Wendung zu geben wußte, wenn es sich auf seine Geschäfte und aus nähere Einzelheiten über seine Persönlichkeit hinzulenken schien. Sbwohl diese Dekalls nichts Greifbares enthielten, nichts, was einen Verdacht gegen den Mantagenbesi-zer hätte rechtfertigen frönen, hielt der Dokwr den Manu gleichwohl für «ne Mischung von Widersprächen, und er nahm sich vor, das pfpchologischr Rätsel, das sich ihm so unerwatte! darbot, während der Fahrt genau zu studieren.
In diesem Beschluß bettärtte ihn eine Unterredung, die er kurz darauf mit dem Supercargo hatte. Herr Hatton war etwas später auf dem Verdeck erschienen und trat, als er den Arzt erblickte, sofort auf denselben zu, um ihm kardial die Hand zu schütteln. Tann aber begann er ganz ohne Umschweife:
„Sagen Sie mal, Doktor, was ist das für ein Bursche, der vorhin mit Ihnen und dem Kapitän in der Hütte stand?"
(Fortsetzung folgt.)