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Tuldacr M Leitung

2. Blatt.

Vr«ck Hilft Verlag ter r»I»««r Sdieni rihlerd in 8«I-a.

Väter mache.

sei, daß . . . doch, Leser, höre:

, Unb nun die Konservativend?!! Einst standen

Worden."

sicheren Besitz glaubte, stattsinden konnten, beweist doch, daß ihre Position selbst in der Nähe der Stadt Tripolis die denkbar ungünstigste ist. Wie wollen die Italiener ihren schon so ost angekündigtcn „Vor­marsch in das Innere des Landes" bewerkstelligen mit einem unbesiegten und ungeschwächten Feinde vor der Front? Gin solches Unternehmen müßte bei dem heutigen Stande der Dinge elend scheitern. Auch bei Derna haben die Italiener nach türkischen Berichten eine ganz empfindliche Schlappe erlitten.

In Portugal herrscht wieder Revolution, diesmal eine Arbetterrevolution. Im Anschluß an

Oeser zu stimmen. Hat nicht Herr Oeser sich ver­pflichtet, im Reichstag für Trennung von Staat und Kirche und Schule und Kirche einzutreten? Hat er nicht den Diflidenlen und Freidenkern versprochen, für deren staatliche Gleichberechtigung mit den anerkannten Religionsgeiellschasten zu wirken? Kann ein gläubiger Katholik einem solchen Abgeordneten seine Stimme überhaupt geben, ohne seine religiösen Grundsätze über

Zwar meint dann das Blatt, vom wirtschaftli­chen Gesichtspuntt aus betrachtet, könne der katho­lische Arbeiter doch den Roten wählen, weil der etivas mehr für die Arbeiterinteressen eintrete. Aber wo hat denn die Sozialdemokratte sonst im Wahl­kampf verlautbaren lassen, daß ein sozialdemokratt- scher Arbeiter vom wirtschaftlichen Standpunkt mt5 betrachtet in der Stichwahl für einen — Zentrums­mann eintreten könne, da von dieser Seite doch mehr geschehe für die Arbeiterinteressen als sonst?

geben dürsten. Die Sozialdemokratte also besorgt, daß die Katholiken treu kirchlich handeln! Ein Bild zum — Heulen. Der Wortlaut dieser absonderli­chen Weisheit verdient dec Vergessenheit entrisse:: zu werden:

.Bei der diesmaligen Stichwahl wird, wie bei der Wahl von 1907, wiederum das Zentrum den Ausschlag geben. Aber während damals die Katholiken Mann für Mann für Otter als das .kleinere Hebel" eintraten, ift es ihnen diesmal geradem unmöglich gemacht, für

einer Versammlung der Fottschrittlichen Volkspar­tei am 11. Januar in Braunschweig: „Die Jesuiten sind anzusehen als Verbrecher, die man hin- ausjagen muß." Ist am Ende eine Niederlassung der Jesuften in — Braunschweig? daß dort der Herr sich sein Urteil gebildet hat? Hat er überhaupt jemals einen Jesuiten gesehen?

Das Endergebnis, das aus diesen Wahlbeobach­tungen folgt, ist wahrlich kein schmeichelhaftes für die Polittsche und geistige Reife des deutschen Volkes, wenn es sich solche Sachen vorfetzen läßt! Es ist im Grunde genommen tief beschämend, wenn der konfessionelle und religiöse Haß in diesem Maß und Umfang ausgebeutet werden kann! Wo in der Welt gibt es eine ähnliche traurige Erscheinung?

Schon sind die Konservativen feibft Jesuiten "

Und wozu die Auspeitschung der Jesuitenangst? Sind vielleicht dort die Katholiken stark vertteten. Man höre: in dem ganzen Wahlkreis gibt es — Ka­tholiken, Männer, Frauen und Kinder über 12 Jahre gezählt, sage und schreibe: 490! Das ist die Zahl der Osterkommunikanten' Bon diesen 490 dürfen wir die Hälfte dem weiblichen — nicht wahl­berechtigter, — Geschlecht zuzählen, ein anderer Bruchteil entfalle auf junge Leute von 12—25 Jah­ren. Wieviele bleiben als wahlberechtigt übrig! Nnd vor diese» Paar Leuten fürchten sich die libe­ralen Manncsseelen!

Sehr vergnüglich wäre es, zu wissen, was die Leser dieses Flugblattes ebenso wie sein Unfertiger unter einem — Jesuften überhaupt verstehen?

Das weiß ganz ausgezeichnet der Braunschwei­ger Rechtsanwalt Dr. H e y s e r, denn der sagte in

daß die K o n s e r v a t i v e n Hier nur eine Probe davon:

Oeser den Vorzug vor Dr. Ouarcf? Allerdings: für Dr. Quorck, der dir gleiche Verpflichtung wie Herr Oeser übernommen bat, kann der gläubige Katholik auch nicht stimmen." — So die frank­furter Bolksstimmtt Nr. 14 vom 17. Januar.

4414 auf über 65 Millionen Einwohner gestiegen. Demgegenüber ist die Ziffer der Artswanderung immer mehr zurückgegangen. Seft 1881 sinkt un­sere AuswanderungSziffer ununterbroche». 1881 waren es 221 000, 1908 nur mehr 20 000 Deutsche, die das Heimatland verließen. In andern Län­dern, England, Oesterreich-Ungarn, Italien, Spa­nien, geht die Entwicklung de« umgekehrten Weg; hier nimmt die Abwanderung zu. Der Verlust der deutschen Bevölkerung betrug durch Abwanderung im Jahrfünft 1881/85 noch 980 000 Personen. Dieser Verlust verwandelte sich in der zweite« Hälfte der 90er Jahre allein durch Einwanderung vom Auslande her in einen Gewinn von 94000, im Jahrfünft 1901/05 in einen Gewinn vo« 52000. Dazu kommen noch die Hunderttausend« von Saisonarbeitern. Diesem gewalttg steigende« Angebot vo« Arbeit-Händen Avbeit, die­ser wachsenden Bevölkerung Verdienst jw ge-

Wochen-Kundschau.

s:s Fulda, 2. Februar 1912.

Lasten wir bei einer kurzen Ueberschan zuerst dem Humor sein Recht. Und da haben die biederen Neckarschwaben vom dritten württembergischen Wahlkreis Hxilbronn-Neckarsulm den Bortritt. Daß Naumann durchgefallen ist und von der roten Flut, die er noch in Konstanz so ntächtiglich gegen das böse Zentrum geleitet hat, selbst weggeristen wurde, hat einem Wackern Schwaben schweres Her­zeleid verursacht, und in seinem tiefsten Seelen- schmerze schrieb er in der „Neckarzeitung" eine To- tenklaqe, aus der der nnaläubigeit Welt mitgeteilt

Deutsches Keich.

• .Schwankende Gestalten." Die ,Ostpr. Ztg., schreibt:

Jntereffant ist die in dem Wahlkampfe hervor­getretene Abneigung der Wählerschaft gegen Renegaten aller Art, sofern st« nicht gleich bet der Sozialdemo­kratie angelangt waren, wie Göhr« und etliche ander«. Sv ist Dr. Böhm«, der frühere Antisemit, als libe­raler SBaueinbunbSfrfretär durchgesallen. Der Exjesuit Graf HoenSbroech erzielte alS Fortschrittler eine kaum nennenswerte Etimmenzahl, di« zur Stichwahl in Osnabrück natürlich nicht genügte. Der ehedem Konservative, Demokrat v. Ger lach konnte Marburg nicht wieder holen, obwohl er dort eine eigene Zeitung besitzt. Ja, sonor der geistreiche Raumann, der die national* 1 oyabf reiftnnige Mauser schon längst hinter sich hat, fand nicht mehr den Weg zum Reichstag. De« Breitscheid und Gädk« ist «s erst recht übel ergangen. Wenn schon, denn schon, sagt sich der Wähler, der für sie in Betracht käme, und wählt knall­rot, statt rötlich.

Das kann schon stimmen. Auch hat di« Ansicht

4« Die im Wahlkamp? offenbar gewordenen katholikenfeindlichen Gedanken.

So ein Wahlkampf hat auch eine gut« Seite: er bringt Gedanken ans Licht, die sonst ängstlich in des Herzens Kämmerlein bewahrt werden.

„Es bleibt da? Geschick ter ganz Großen in

Deutschland, eines List, Bismarck und — N aumann, n u t n w e u u, 1 a u v । v m u, u, ,

vom kommenden Geschlecht erst erkannt und verstanden r e n« /gr;r gls. Wenn aber irgendwo eine Jude«' und in würdigen Denkmälern geehrt zu werden." - - - - - - - - - -

____ * 900 000 Köpf« beträgt in Deutschland der letzten Schlägen des Papstes gegen den Ev-Ngeii«. jährliche Bevölkerungszuwachs. Die deut- mus em Sturm der Entrüstung ihre Rechen hatte {f{ Bevölkerung ist in den letzten 20 Jahren von dmchseaen müssen, da predige, sie Duld amkeit..... ' . ... MnNinbn^- neftien-n.

gen Frankfurt am Main. Allda konnte der zeitgenössische Geschichtsschreiber hochinteressante Studien machen über moderne Charakterfestigkeit und zielsichere Polittk. Denn in der Bedrängnis um den eignen Redaktionsgennsse::, der mit dem ro­ten Genosien in Stichwahl stand, schimpfte die „Frankfurrei Zeitung" im lokalen Teil mächtig wi­der die verwerfliche Kamvfesweife der roten Presse

und bettelte um die Stimmen des Zentrums; weil inan aber außerhalb der Stadt mit dem roten Bun­desgenossen gegen den schwarzen Helfer Hetzen wollte, so lasen die auftnerkigmern Zeitttnasleser, daß die­selbe Sozialdemokratie, der auf den Innenseiten des Blattes der Todkrieg angesagt ward, auf der ersten Seite arg poussiert wurde! und umgekehrt stand es mit dem Zentrum: auf der ersten Seite als der schwarze antinationale Wauwau hinqeftellt, wird es auf den andern Seiten als nationale Hilfe wider den roten Ttichwahlkonsitrreuten ««gerufen. Ja, in, die Politik verdirbt den Charakter.

Weil wir gerade in Frankfurt sind, wollen wir es nicht unterlassen, ein kleines Sclbstporträt der Sozialdemokratte festzunageln. Wett dort eine Wahlbeteiligung der Katholiken den roten Bewerber um das Mandat Dr. Quarck ins Hintertreffen brin­gen könnte, soll den Katholiken beigebracht werden, daß, wenn sie gläubige Christenmenschen sein wol­len, sie überhaupt keinem der beiden ihre Stimme

Ti« Erregung über den Ausgang der Reichs- t a g s w a h l e n zittert noch immer nach und kommt in zahllosen Artikeln in der Parteipresse zum Aus­druck. Insbesondere beschäftigt man sich damit, ob die Linke ihren Erfolg jetzt auch dadurch zum Aus: druck bringen Will, daß sie Anspruch auf die Be­setzung deS ersten Prästdentenpostens erhebt. Die Sozialdemokratie hat sich zu dieser Frage noch nicht geäußert, ftyegen verlangt aber die sehr weit links­stehende Presse, so das „Berl. Tagcbl.", unumwun­den eine solche Präsidentenbesetzung, in der die „Mehrheit" der Unken klar zum Ausdruck käme. Vorläufig find derartige Erörterungen allerdings ohne großen Wert, denn es steht noch gar nicht fest, wie sich die sehr zweifelhaften Mehrheftsverhaltmsse ..

im ,ieuen Reichstage gestalten werden. Die sonst suchen, die Ordnung aufrecht zu erhalten, und den ttemlich nebensächlichen Fragen, zu welcher Seite Streikenden gekommen. Nicht nut Unrecht tauchen KiSZX Äe«" Gruppen schla- Gerüchte aust daß es sich um roftalifti d>e W» aen werdet und ob dieser ober jener „Wilde" noch hingen handele und der König Manuel sich Hoff­nungen auf die Rückkehr auf den Thron ferner

In Frankfurt am Main erscheint dann noch ein Freidenkerorgan, „Das Freie Wort" zubenannt. Wer das lieft, wird nie dieses Organ der antikirchli­chen Amokläufer in dem Verdacht haben, daß es von Europas Höflichkeit oder von Wohlerzogenheit ange­kränkelt sei. Es ist unverfälschter Sachsenhäuser Stil, in dem hier geschrieben wird, um sich seine kochende Wut von der Seele zu schreiben, da die Zeit noch nicht gekommen ist, um Kirchenfenster ein- zuwerfen und die „Klerisei" im Main zu ertränken. Und so liest man in der Wahlnummer: „Mit den Schwarzen liegt die Sache allerdings anders. Sie können sich nicht ändern; man muß sie aus den Ländern hinausschmeißen mit Dreck und Speck — so wie sie sind. — Man hat es in Fr a n k- reich und Portugal so gemacht und wird eS auch in Deutschland so machen müs-

können.

In Frankreich hat die Senatskommission endlich den Marokko-Vertrag, über den das ganze Ministerium Caillaur gestolpert war, angenommen. Jetzt tohb sich noch die Plenarsitzung des Senats mit dem Abkommen zu beschäftigen haben, man rechnet aber damit, daß hier die Beratung in nicht mehr wie 30 Stunden erledigt ist. Dann besteht Aussicht, daß endlich einmal das leidige Wort Ma­rokko auS den Zeitungen oerschwindet, vorausgesetzt allerdings, datz die Franzosen ihre Bertragspflichten einhalte».

In Oesterreich -Ungarn war der Mini­sterpräsident Graf Aehrenthal nicht unbedenklich er­krankt. Man rechnete schon mit seinem Rücktritt, jedoch hat der Kaiser, dessen besondere Gunst Aeh­renthal besitzt, das Abschiedsgesuch nicht bewilligt, sondern dem verdienten Ministerpräsidenten einen längeren Urlaub bewilligt.

Die französisch-italienischen Zwi- schenfalke find, wie wir vorausgesetzt haben, beigelegt worden; in der Presse beider Länder kommt allerdings noch eine kleine Mißstimmung Sm Ausdruck, dagegen verkehren die Diplomaten oi! wieder in alter Herzlichkeit. In Tripolis haben die Italiener zu ihrem Bedauern weniger Erfolge gehabt, als bei ihren Verhandlungen mit den Franzosen. Bei Ainzara fand abermals ein heftiger Kampf statt; die dreifachen Angriffe der Türken auf die Oase in der Nähe der Küste wurden allerdings abgeschlagen, aber die Taffache, daß t« ftirzer Zeit verschiedene solcher Angriffe auf die Küstenfielkungen der Italiener, die man in ihrem

gen inerben, und ob dieser oder jener „Wilde noch sein fraktionelles Herz entdeckt und sich einer grö­ßeren Gemeinschaft an schließt, sind m diesem „Reichstage der Zufallsmehrheiten von ausschlag, gebende, Bedeutung. Durch derartige Verschlebnn- gen, di« in der noch ungellärten politischen Persön­lichkeit einzelner Abgeordneten liegen, kann es noch zu Ueberrafchungen kommen.

Tas Abgeordnetenhaus hat inzwischen seine Beratungen mit der ersten Lesung des Etats begonnen. In den ersten Sitzungen redete man begreiflicherweise weniger vom Etat, als von den Wahlen und ihren Folgen. Da war es erfreullch, daß der Minister deS Innern in der Mittwochsitzung eine ebenfi) deutliche wie energische Erklärung der Regierung über die Stellung der Beamten zur So- zialdemofiwtie abgab. die auch an Schärfe nichts zu wünsche» übrig ließ. Von Bedeutung war ferner eine Erklärung des Ministers über das, was man eigentlich schon wußte, nämlich, datz eine preußische Wahlrechtsvorloge tn diesem Jahre nicht zu erwar­ten sei. Di« Debatten um den Etat werden sich wesentlich um tfie Frage drehen, ob die s. Z. zur Deckimg der Beamtenbesoldungserhöhungen als „vorübergehende" Gtenerzuschläge bewilligten Mehr- einnahmen nun zu einer dauernden Einrichtung ge­macht werden sollen. Die Steuernovelle der preu­ßischen Regierung weist die Notwendigkeft einer sol- chen Maßnahme nicht genügend nach, und es ist noch fraglich ob sich die Abgeordneten unter diesen Umstände» für die Steuernovelle werden erwärmen

einen Landarbeiterausstand in einer portugiesischen Provinz ist der Generalstreik in ganz Portugal er­klärt worden. In der Hauptstadt des Landes geht es wüst zu, das Kriegsrecht ist erklärt worden und alle Betriebe ruhen. Schon verschiedentlich ist es - v ------ --- „ ■ ~ .. . . ,

I“ ByfammenWn zwischen den republi- J

kamschen Regierungstruppen, die vergeblich Ver­

des .Reichsdotew viel für sich, daß demselben Grunde, der Abneigung gegen Schwankungen, der Zusammenbruch deS Liberalismus zuzu« schreiben sei. Das Volk verlange Entschiedenheit: hier rechts, hier link». Das habe sich in den Haupt« wählen deutlich ausgeprägt, mußte aber natürlich durch die Stichwahlen etwas undeutlicher werden, lieber die Zentrumspartei spricht der.Reichs« bote/ sich nicht aus; sie läßt eS auch an Ent« ichiedenheit, wie das Volk sie verlangt, nicht man« geln, und kennt keine .schwankenden Gestalten".

11.. v,w uM. _______ _____ v,_____ * In bet Nationolliberale« Partei bestehen, wie

Hetze losgeht und Hepp! Hepp! gerufen wird, welch dem „Volk" auS parlamentarischen Kreisen gemeldet ein Geseire gebt da los, und wie wird da Waih! ge- wird, erhebliche Unstimmigkeiten. „Dre letz« schrien über Intoleranz der Christen!! ten Taten Bassennanns haben starke Berstimmun«

Hinten int fernen Ostpreußen, int Wahlkreis Zk» hervorgerufen. Etwa neun natiMialliberale

Vielleicht stellen die Heilbronner dieses Nau- mann-Denkmal selbst auf; denn schwerlich wird an­derwärts dazu Lust ünd Liebe vvhanden sein! Dann .... „-----„ ------

wird die Nachwelt wenigstens daraus entnehmen, yyfefn,2nten6uraf fiat nationalliberale Wahlver- Reichstagsabgeordnete sind gewillt, sich dem Macht- daß man in der Neckarstadt Naumannsche Schaum- ^in ein Flugblatt herausaeworfen, in welchen? dem Wort Bassermanns, ter ben neuen Abgeordneten von lageret neben Btsmarck stellt! biedern Volksmann die Schaudermär erzählt wird, Bmgen Dr^Becker-Sprendlingen, Nicht 'nd.eFrrck-

Gehen wir den Neckar herunter, so kommen tvtr tue Konservativen — Jesuiten sind!! tum aufttehmen totff, mcht zu fügen; bte Rechte der — ---et.._L — ».—- 0 - nattonalliberalen Partei will sich nicht Wetter an die

Wand drücken lassen. Mag der Zwist beigelegt wer« auch sie'auf der Wach: gegen das Zentrum! Seit ben den mag «schon der PrWdentenwahl öffentlich Tagen bet Rttchsstnanzrttorm haben sie eine feste Burg werden, m jebent Falle find bte inneren Gegensätze „erlassen unb bieten ihre grausame Rüstung dem Feinbe in der Mittelpartei in den letzten Tagen herber ge« Luther« — alS Söldner bezahlt mit der Liebesgabe und der Ablehnung der Erbanfallsteuer. Wo nach den

Unpolitisch« Äcitläufe

N. Berlin, 1. Februar 1912.

(Nachdruck verboten.)

Wenn die Kerzen in der Kirche geweiht wer- kn, so stimmen wir in den Ruf ein: Es werde Licht! Möge die Menschheit wandeln im wah­ren Licht des Glaubens^ im sanften Licht der Hoffnung, im warmen Licht der Liebe!

Einen Lobgesang auf die alte, liebe, ehrwürdige Kerze habe ich schon zu Allerseelen und zu Weih­nachten angestimmt. Die Kerzen am Christbaum, bte Kerzen am Taufbrunnen, die Kerzen der Erst- kommunikanten, die Kerzen am Altar, die Kerzen am Totenbett, die Kerzen auf dem Grabbügel am Allerseelentay — die gehören alle zusammen; sie bekunden die Sehnsucht der Menschen nach dem ewigen Licht.

Der moderne Beleuchtungskünstler sieht mit et­was Geringschätzung auf die Kerze herab, weil das «in altmodischer und wenig leistungsfähiger Appa­rat zur Lichterzeugung sei. Auch wenn man von dem einfachen Talg und Wachs zu Stearin und Pa­raffin ober ähnlichen Kunstfetten übergegangen ist, so hält doch der Asphaltmensch, der an richtige Glüh­strumpf- und Flammbogenlampen gewöhnt ist, die bescheidene Kerzenflamme für eine „Funzel". Und doch leben noch manche Leute, die bei einer arm- feligen Kerze oder einer gleichwertigen Ocllampe ausgewachsen sind, die lange .Jugendjahre hindurch ^."solcher" Beleuchtung gearbeitet, gelesen, ge- t ^öen und heute noch ganz brauchbare

9'11 besitzen. Ach, wie gern denke ich an mein Gymnasiumszeit zurück, auf dem erst mtLl*nzr Dochtscherze, später eine Schere stand Die modernen Ge- ;e Wurden sagen, bei solch mangelhafter Beftuchtuch, .. . r.ri we Augen zugrunde. Ich toockie n«L.^. ... all meine alten Körperstücke noch 1° W urv' ' und waren, wie die angeblich miß­handelten > er Mensch leidet mehr unter

Nebcrmaß, als unter Mangel. Tas gilt sowohl vont sogen. Ltchrbedursnis, wie vom Fleischhunger

und oom Bierdurst. Wir genießen jetzt zu viel I Licht, zu grelles Licht. Das reizt die Nerven und zehrt an der Augenkrast. Tas alte Kerren- unb Oellicht war so hübsch milde und sanftmüttg.

Gas- und elektrisches Licht sind auch schon in die Kirchen gedrungen Nun gut, möge man für die Beleuchtung der Bänke und der G ä ng e die Hilfsmittel der Reureit verwenden Aber auch da ist kein grelles Licht am Platze. Nicht mehr Beleuchtung, als zum Lesen im Gebetbuch und zum sicheren Ein- und Ausgeben notwendig ist. Die Kirche ist kein weltliches Bersammlungs- oder Fest- lokal, sondern ein Bethaus, und die rechte andäch- ttge Stimnmng würde unter einer blendenden Be­leuchtung des Kirchenschiffes leiden Der Altar mutz den leuchtenden und strahlenden Brennpunkt bilden, gleichsam die Sonne in der Kirche sein. Aus dem Altar darf man mit den Lichtern verschwende­risch umgehen. Trotzdem würde ich, wenn ich Pfarrherr wäre, in meiner Kirche nur Wachskerzen auf dem Altäre dulden. Nicht einmal elettrische Glühbirnen, obschon die allen Kohlenfadenlampen in ihrer Lichtwirkung den Kerzen sehr ähnlich find. Es fehlt ihnen nur an der symbolischen Wirksamkest. Sie leuchten, aber sie verzehren sich nicht; sie stellen nicht das Opfer dar. Außerdem geht ihnen d.rs Ehrwürdige ab. das in der Wachskerze steckt, die schon in den Katakomben den ersten Christen bei tbrembeiftgen Gottesdienst und bei der Beisetzring ihrer Märtyrer geleuchtet hat. Die lebendigen Flämmchen der Wachskerze reichen zu einer schönen, erhebenden Beleuchtung des Altars vollkommen aus.

Würde der Bänkeraum durch Gasglühlicht oder starke elektrische Lantpen zu grell erleuchtet, so müßte natürlich das warmgelbe Altarlicht unter dem Kon- traft leiden. Ebenso benachteiligt würde die Be­leuchtung vor gewissen Stiftern und Statuen. Wie schön wirken dagegen die von frommen Gläubigen gestifteten Kerzen vor der Mnttergottesftatu e ober dem Josephs- oder dem Patronsbilde, wenn die übrige Kirche in Halbdunkel bleibt.

Wer ein schwaches oder verwohntes Auge hat, sagt vielleicht, er könne b i her schwachen Beleuch­tung in seinem Gebetbuche nicht lesen. Nun, in

meiner Jugend war in dem Kirchenschiff überhaupt kein Beleuchtungskörper angebracht. Wer Licht ha­ben wollte, brachte tn der Tasche oder im Muff sei­nen Wachsstock mit, und es machte sich sehr lmbsch, wenn in den Bänken die .Kerzen wie verstreute (Sterne auf leuchteten. Manche behalfen sich aber ohne Licht und Buch Ein anftädbtiqeS Herz und noch ein Rosenkranz dazu — ist daS nicht genug? Wer so sehr am Gcbetbuche klebt, der kann sich gut und gern mal die Frage vorlegen, ob bet dem vielen Lesen nicht manchmal das Denken und Fühlen zn kurt kommt. Es schadet wirklich nicht, wenn zeit­weilig das Buch zngeklavpt bleibt und nur aus dem Herzen gebetet wird. Vielleicht gibt das keine schön abgerundeten Sätze und keinen flüssigen Stil: aber der siebe Gott ist kein Sprachlehrer, sondern ein nötiger Vater, der auch ans dem Seufzen und Stammeln seiner .Kinder heraushört, was sie fühlen und wünschen. —

Die Kerze gehört nicht bloß in die Kirche, son­dern auch ins Haus, ja sogar in das öffentliche Leben. Der Christenmensch soll der brennenden Kerze gleichen

„Lasset euer Licht leuchten vor den Menschen, datz sie eure guten Werke feben und euren Vater preisen, der im Himmel ist." Da ift das Bekennt­nis des Glaubens aubefohlen; aber es steht dabei, datz Werke sichtbar sein sollen. Auf die Wort­fechterei wird nickt besonders hingewiesen, wohl aber auf das gute Beispiel. Ein gutes Wort zur rechten Zeit ist wie ein goldener Apfel auf silberner Schale; das belehrende, mahnende, toarneube, werbende Wort muß aber bei her rechten Gelegenheit in der rechten Form erfolgen, aus der Liebe entspnlngen. von der Demut gesttitzt und von der Klugheit ge­leitet, die .Hauptsache bleibt immer die Tat, das fort­gesetzte gute Beispiel. An ihren Früchten werden die Anhänger des Glaubens erkannt.

Tie Kerze verzehrt sich, indem sie Luht mift Wärme aussendet Langsam aber sicher schwindet der Vorrat an Kraft dahin. Ein Sinnbild mentch- licheü Lebens. De-tte an das Ende! Aber nicht m Mißmut öfter Verzagtheit, sondern in pflichttreuer

Verwertung deiner Kräfte bis zum letzten Rest. Was da erschöpft wird, ist nur derirdische Kraft- Vorrat. Wenn im Diesseits das Flämmchen er» lischt, so beginnt im Jenseits das ewige Licht zu keuchten. Das Erdenleben des Christen ist eine Osterkerze; wenn sie ihren Zweck erfüllt hat, so wirft daraus eine unvergängliche Weihekerze vor dem Throne des Allerhöcksten.

Man macht gern einen Unterschied ^vischen na- türsickem und künstlichem Licht Ms das natürliche Licht bezeichnet man die unmittelbare Wirkung der leuchtenden Himmelskörper, hauptsächlich unserer Sonne Bei dieser Teilung kommt auch die alte einfache Kerze in die Abteilung für Kunstlicht. ?lber stammt denn nicht im letzten Grunde auch alles künstliche Licht von unserer Mutter Sonne? Unter den Sonnenstrahlen ist das Fett entstanden, das wir in den Kerzen öfter Lampen verbrennen. Die Son­nenstrahlen haben bte Wälder hervorgerufen, die vor grauer Zeit in den Erdenschoß gesunken sind und jetzt als Kohlen wieder beraiisgeholt weiden. Aus diesem Vorrat von ausgespeichetten Sonnenstrahlen gewinnen wir unser Leuchtgas und die elektrische Kraft, die in Glühbirnen und Bogenlampen leuch tet. Alles künstliche Licht ist auch nur Sonnenlicht. Tagsüber leben wir von den gegenwärtigen Sonnenstrahlen und in den nächtlichen Stunden leben wir von ben frühere« Sonnenstrahlen. Zu unserem irdischen Teile find wir Kinder unb Kostgänger des Sonnenballs, den der Schöpfer an den Erder,Himmel gesetzt hat. Mit der menschl'chen Kunst ist es aus und vorbei, wenn einmal bet Sau­nenball erlöscht und das Steruenshstem zuiammen- stürzt Dam: ist es vorbei mit den, natürlichen L-cht und dem soaeu. künstliche:: Licht. Aber es wrrd nicht vorbei sein mit Deut übernaturluyen Lickt, dem ewigen Licht, mit der Sonne, die f v:m- melsthrone in: Jenseits strahlt und ~icot uno .Lärme spendet ohne Aushören. An dem Sttaüi dieser Senne wird fick die Kerze wieder cR:;ü:.bin, die hier der Tod zu lopheu vortucht llat.

Und das ewige Lickt leuchte un5!