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Notation,druck u. Verlag der Luldaee Lettendruckerei uZuldst gernfpredjer Br. 9.
Fulda, Samstag den 3. Februar 1912.
Erstes Blatt.
39. Jahrgang.
2lu$ Kirche und Schule
Diese Berichtigung ist am 29. Januar an das cliner Taqeblatt abgegangen, gestern endlich hat
liche Lteucrhetze getrieben hätten.
hierauf wird ein Schlußantrag angenommen. In etn.'t persönlichen Bemerkung streitet
&ba l-irbfncd-t die Richtigkeit d«S Zitates aus der „Humanitee" ab.
Nach weiteren persönlichen Bemerkungen vertagt sich das £>0118.
Der Etat wird an die Budgeltommission verwiesen.
Näcksite Sitzung Montag bim 11. Februar: Beratung der Steuervorlage.
Kulturkampf dorn heimatlichen Boden verbannt, widmete er sich in Holland der Seelsorge, bis die preußische Kirä'enpoliük wieder friedliche Bahnen eingeschlagen hatte. Dann stellte er sich der thüringischen Franziskanerprovmz zur Verfügung. _ Er wirkte in den Klöstern Ottbergen, Gorheim, Bornhofen, Marienthal und S a l m ü n st« r, war Guardian von Gorheim und Ottbergen und einmal Defi« nitor der Provinz. Eine überaus segensreiche Tätigkeit entfaltete er als Bolksmiflionar in den Diözesen Fulda, Hildesheim, Mainz, Limburg, Frei« bürg und Rottenburg.
Fntzlar, 2. gebt. 3912. Die Aufnahmeprüfung an der hiesigen Königlichen Präparanden-Anstalt wird am 27. und 28. März abgebalten. Anmeldungen sind bis spätestens vier Wochen vor Begmn der Prüfung an den Leiter der Anstalt einzusenven; der Anmeldung sind folgende Schriftstücke beizusügen: n. ein von dem Prüfling angelertigter Lebenslauf, b. der Geburtsschein, c. der Imps- und Wiederimpfschein, d. ein Gesundheitszeugnis, ausgestellt von einem zur Führung eines Dienltsiegels bered}» tigten Arzte, e. ein EchulabgangszeugniS, f. ein Sittenzeugnis, g. die amtlich beglaubigte Erklärung des Balers oder Vormundes, daß er die Mittel zum Unterhalt der «Spiranten während der Tauer des
Deutscher Reich.
st Berlin, 2. Febr. 1912. Freitag vormittag stattete der Kaiser dem Generalfeldmarschall v. Hahnke einen Besuch ab. — DaS deutsche Kron - vrinzenpaar ist Donnerstag nach niltag in Teterina (Schweiz) ringeiroffen. — An zuständiger Stelle wird mitgeteilt, daß die Zeitungsmeldungen von einer bevorstehenden Reife des Prinzen Adalbert von Preußen nach Amerika und von der Entsendung eines deutschen Geschwaders nach den Bereinigten Staaten unbegründet sind. — Ter Kaiser wird die Thronrede zur Eröffnung deS Reichstage» im Wechen Saal des Schlaffes persönlich verlese«.
Preußischer Landtag»
Sitzung vom 1. Februar.
<^ie erste Beratung über den Etat wird fortgesetzt. . Abg. Gifi'ling «Jortschr. Vp.): Unsere Staatsschul- den bestehen nach der Rechnung des FmanzmnnsterS zu 95 Prozent aus werbenden Anlagen Im Vergleich zu Frankreich und England ist unsere Finanzlage glän- zend. In der Denkschrift zur Einkommenfteuernovelle ist der Nachweis für die Notwendigkeit einer dauernden Erhöhung der Emlommensteuer nicht erbracht Zur wissenschaftlichen Erforschung der Maul- und Klauen- seuche müssen die Mittel in den Etat eingestellt wer- den. Wir wünschen eine Herab,etzung der Eismiba^n- tarife, damit ein Ausgleich der Preise für Gemüse und Kartoffeln eintritt. Einer dauernden Erhöhung der Einkommensteuer können wir nicht zustrmmen. Weiter meint der Redner, wenn der Minister deS Innern gestern den liberalen Beamten wegen ihrer Stellungnahme bei den Reichstagswahlen einen Vor- wurf machte, dann hätte er sich gerechterweise auch an die konservativen Beamten wenden müssen. In dem Lehrplan d:r Fortbildungsschulen ist für die Religion lein Platz Herr Hirsch hat gestern unwiderlegbares Material dafür beigebracht, daß das Zentrum früher mit der Sozialdemokratie oft gemeinsame Sache gemacht hat (Widerspruch im Ztr.), ich erinnere nur an den Briefwechsel Müller-(Fulda)-Singer und an den Dom zu Speyer. (Gelächter.) Selbst die Konser- vativen haben keinen Anlaß, uns Vorwürfe zu machen, da sie doch auch jüngst noch der Sozialdemokratie wenigstens durch Stimmenthaltung indirekt Vorschub geleistet haben. (Stürmisches Gelächter rechts.) Wir beklagen den antisemitischen Ton, der in der konservativen Presse Platz gegriffen hat.
Abg. Ströbel (Soz.) polemisiert gegen das Zen- trum und wiederholt die Behauptungen des Abg. Hirsch über angebliche Wahlbündnisse des Zentrums mit der Sr^ialdemokratie. Redner kommt dann auf die preußische Wahlrechtsreform zu sprechen und wirst den Konservativen heuchlerische Haltung vor. — Vize- Präsident Dr. Krause ruft den Redner dafür zur O r d- n u n g — Der Diensteid ist nichts anderes als die Verpflichtung zu treuem Dienst und hat nichts zu tun mit außerdienstlicher Ausübung der staatsbürgerlichen Rechte. Es ist also eine unerhörte Rechtsberaubung, wenn man Beamte hindert, nach ihrer Anschauung zu wählen. Auch Herr v. Dallwitz hat den Verfassungseid geleistet. Dieser verbürgt das freie Wahlrecht, und wenn der Minister das freie Wahlrecht der Beamten antastet, hat er sich selbst auf seine Stirn das Kainszeichen des Eidbruches gedrückt (Unruhe.)
Vizepräsident Dr. Krause: Ich rufe Sie zum zwei- len mal zur Ordnung wegen dieser Beleidigung. !ferner haben Sie im Laufe Ihrer Rede gesagt: „Das ft der Patriotismus und die Königstreue der sich an den Thron herandräugendcn lakaienhaften Afterpatrio, ten dort drüben." Damit können Sie nur Mitglieder deS Hauses gemeint haben. Ich rufe Sie zum drit- ten mal zur Ordnung!
Abg. v. HenuigS-Techlin (K.) Je toller sich im Reiche die Zustände in demokratischer Richtung ent» wicklen, umso notwendiger ist das Gegengelvicht des preußischen Staates. Die Regierung hoffte, der Wahl- kamvf werde ruhig verlaufen. Dieser Schmutz, diese Heh»e, diese Verlogenheit, diese — (in der tosenden Unruhe gehen die Worte des Redners unter) _ das hat mir ein Gefühl des Widerwillens erweckt (lebh. Beifall rechts) — das nennt die Regierung die Volksstimmung in ruhigen Bahnen! Da möchte ich gern sehen, waS unruhige Bahnen find! Die gestrige, etwas agitatorische Rede des Abg. Freiherrn b. Zedlitz, der u. a. eine Reform der Fideikommitz- bildung befürwortete, hat uns einigermaßen befrem- bet. Wir haben das Odium neuer Steuern auf uns Kamen. Wir wußten, daß wir Einbuße an Man- haben würden, als wir die Finanzreform mach- ten. Wir sagten uns aber: das Staatswohl Über die Partei! (Lebh. Beifall rechts, stürm. Heiterkeit links.) Wir werden unsere Verluste wieder gut machen. Der abgegangene Kanzler hat sich dazu berftiegen, das Verhalten der Mehrheit als den Volks- intereffen entgegengesetzt zu charakterisieren. Das ist ein unerhörtes Stück. Das durfte die nachfolgende Regierung nicht zulasseu, daß unser Verhalten derartig gekennzeichnet wird Die Liberalen haben aus eigener Kraft nichts erreicht. Sie humpeln auf den verschiedenartigsten Krücken im Reichstage umher. Wie wollen Sie mit der roten Kette um den
Ausland.
** Krisis In Serbien. DaS Kabinett Milowano- witsch hat dem König einen Antrag überreicht mit Rücksicht auf die parlamentarische L.ge das Parlament aufzulösen. Für den Fall, daß der König dem An- trag nicht zustimmen sollte, bot Milowanowitsch den Rücktritt des gesamten Kabinetts an.
* Wieder Ruh« in Portugal? AuS Liflabon gehen dem Pariser,Matiw solgend« Meldungen zu: .Die Unruhen sind so gut wie beendet. Trotzdem wird der Belagerungs.Zustand noch aufrechterhalten, aber er wird in niilderer Form angewandt. Die Eisenbahner, Gasangestellten, Elektriker, Bäcker, Postbeamten und Kutscher arbeiten bereits wieder; die Zeitungm erscheinen. Die Regierung hat vor dem Parlamente Rechenschaft über ihr Tun abgelegt. Das Parlament hat der Armee in einer Adresse seinen Dank sür ihre Haltung während des AuS« staudes ausgesprochen,
»* Der Bürgerkrieg in Mexiko nimmt wieder sehr ernste Formen an. Rach einer Depesche auS der Stadt Mexiko geben der Präsident und das Kad-net zu, daß dir von Zapala angezettelten Un« ruhen zu einer so ernsten Gefahr geworden sind, wie sie die neue Regierung noch nicht erlebt hat. Die Truppen Zapatas operieren jetzt in den Städten MoreloS, Mexfto, Guerrero und sogar im Bundes« distrikt. Wie eine Depesche aus El Paso berichtet, haben die Aufrührer in Juarez eine Bekanntmachung erlassen, die Emilio Vasquez Gomez zum vorläufigen Präsidenten proliamirrt und erklärt, Madero sei feinen Verpflichtungen nicht nachgekommen, und die Wahlen seien ungültig. Der Kongreß sei auf. elöst, und sein« Beschlüsse seien ohne gesetzliche Kraft. Die Garnison von Casas Grandes wird jeden Augenblick in Juarez erwartet. Eine spätere Meldung, die über New Aork kommt, besagt: die mcxiianische Regierung schloß einen Vergleich mit den Meuterern in Juarez.
X Heber den Umfang der Wehrvorlagen glaubt die »Freisinnige Ztg/ berichten zu können:
Es ist richtig, daß die Militärverwaltung zwei neue Armeekorps fordert, deren Kosten sich ungefähr auf 50 Millionen Mark belaufen sollen. Wegen dieser Kosten sträubt sich einstweilen der Reichsichatzsekretär Wermuth gegen die neue Forderung. Die Flottenvorlage, über die in der Regierung bereits eine Einigung erzielt werden ist, würde ungefähr 30 Millionen beanspruchen.
Nach der -Franks. Ztg/ soll dagegen die Summe, die jährlich durch neue Steuern aufzubringen fein wird, 100 Millionen überschreiten. Bis jetzt sei noch keine der Vorlagen an den Bundesrat gelangt und da der Reichstag am nächsten Mittwoch zusammentritt, sei es ausgeschlossen, daß bis dahin die Gesetzentwürfe zur Eindringung fertig sein können.
* lieber das sreifionig-sozialdrmokratische Stichwahl- bünduis wissen die /Berliner Politischen Nachrichten' zu berichten,
daß das Abkommen am 17. Januar vormittag im Direktionszimmer der Mitteldeutschen Kreditbank in Berlin von einigen Herren der Fortschrittlichen Volkspartei und den Vertreiern bet Sozialdemokratie geschlossen wurde. Die Verhandlungen, die unter dem Vorsitz des ehemaligen Reichstagsabgeordneten Direktor Mommsen stattsanden, hätten zu einem glatten Abschluß geführt.
Der Früstnn soll dann auch die Nationallibera- len zum Beitritt aufgesordert, aber eine Ablehnung erfahren haben.
* Liberale Verleumder. Unter der Ueberschrift .Das letzte Aufgebot' brachte daS «Berliner Sägeblatt' in Nr. 50 eine freche Verleumdung der Geistlichkeit von St. Wendel. Das Blatt druckte einen, angeblich von dort stammenden Bries ab, in dem behauptet wird,
die Geistlichkeit habe .grenzenlose religiöse Hetze' getrieben und das Zentrum infolge deren gesiegt, was »durch feierliches Geläute auf allen katholischen Kirchen gebührend geleiert' worden sei. »In einer Zcnttumsoersammlung für Frauen und Mädchen habe der Geistliche als Kampfmittel empfohlen, falls der Ehegemahl liberal wählen sollte, ihm di« eheliche Gemeinschaft zu.verweigern.'
Dem »Berliner Tageblatt' ist vom Vorsitzenden deS Zentrumsvereins St. Wendel, Herrn Pfarrer Fischbach, folgende, vom 29. Januar datierte Berichtigung zugegangen:
1. Unwahr ist, daß „infolge der grenzenlosen religiösen Hetze durch die Geistlichen das Zentrum Sieger geblieben ist". Wahr ist, daß e? liberale pratestantifche Nichtgeisiliche waren, die in der liberalen Wählerver- sammlung durch ihre konfessionelle Hetze die zahlreich erschienenen Zentrumswähler zur eifrigen Agitation für das Zentrum anregten. 2. Unwahr ist ferner, daß der Zentrumssteg .durch feierliches Geläute auf allen katholischen Kirchen gefeiert wurde". Wahr ist, daß dir Liberalen in Nr. 10 des hiesigen Kreisblattes erklärten, ihre Annahme vom Siegesläuten „der Glocken der Kirche des Missionshaiises beruhe auf einem bedauerlichen Irrtum". Wahr ist ferner, daß dir Liberalen in derselben Nr. 10 öffentlich auf die allen bekannte Tatsache Bezug nehmen, won-rch daS zwei Stunden nach Belannlwerden des Zentrumssieges beginnende Glockengeläute in der Wendelinuskirche „ohne Vorwiffen des Vorstandes des hiesigen Zentrums- vereinS gegen das ausdrückliche Gebot der zuständigen Persönlichkeiten geschehen ist". 3. Unwahr ist, daß hier eine „Zentrumsversammlung für Frauen und Mädchen" stattsand. 4. Erst recht unwahr ist, daß auf einer solchen Versammlung als „Kampfmittel Verweigerung 6er ehelichen Gemeinschaft von den Geistlichen an» geraten wurde". Wahr ist, daß in ferner unserer Zen- ttumsversammlungen ein derartiges Kampfmittel genannt wurde.
Stand nicht nur wahrend des Wahlkampfes verübt worben sind, sondern auch jetzt noch fortgesetzt werden, empfiehlt die „Germ." Der Geistlichkeit von
Akg. Lobmann (natlib.) sucht dem Abg. Herold enigeuenzutreten. inb bcr. Abg. Müller-Fulda als Beweis für ein BüudniSangrbot bcS Zentrums an die Sozialdemokratie hmzust- llen. Herr Trimborn ist nach seinem Durchsall für die Unterstützung in Rheinland und Westfalen eingetreten, w-il das Zentrum Regie- ruugsportei werben toll'. (Zuruf beS Abg. Bell: Also glauben Sie. baß man durch die Unterstützung
len. Es ist dies allerdings das einzige Mittel, gewissenlosen Verleumdern, die mit_bei Ehre katholischer Geistlichen ihr schändliches Spiel ungestrast treiben zu dürfen glauben, ihr rnsanres Handwerk zu legen. Die Geistlichen aber sind es ihrem Stande und ihrer Würde schuldig, gegen die systematische Schädigung ihres Ansehens und ihres Wirkens so nachdrücklich wie möglich sich zu wehren. Was speziell die im Berliner Tageblatt erhobene ungeheuer- liche Behauptung bezüglich des von einem Geistlichen Frauen und Mädchen erteilten Nates betrifft, so möchten wir darauf Hinweisen, daß die Zweite Strafkammer des Landgerichts Dortmund am 30. August vorigen Jahres einen Verleumder, der in einer Versammlung in Bezug auf einen Geistlichen die gleiche Behauptung, die im Berliner Tageblatt erhoben ist, aufgestellt hatte, zu 150 Mark Geldstrafe verurteilt hat. Nur mit Rücksicht auf besondere Milderungsgründe — es handelte sich um einen Bergarbeiter — wurde von Verhängung einer Gefängnisstrafe abgesehen. Diese Schauermär liest man nämlich alle Paar Jahre mal wieder. Sie ist ein Bestandteil der liberalen Äossen-Argumente. Auf die Frage: Wer, wann und wo, antworten die Herren nie. So wird es auch dieses Mal sein DaS Zentrum wird aber durch diese erbärmliche Gemein- $eit weiter nicht berührt.
* Di« Herkunft Dr. Jakob Rietzers wird viel- leicht bei der Bedeutung, die Herr Rießer als Präsident des Hansabundes in kürzester Frist erlangt hat, manch einen interessieren. Gottfried Ko- nigt weist in einer Schrift über die Familie Rießer nach, daß sie aus einer Aschkenasischen Rabbinerfa- milie stammt, die bei einer der vielen antisemitischen Bewegungen des Mittelalters nach Polen gedrängt worden war, und in bei Bewegung zur Emanzipation des JudenMmeS eine große Rolle spielte.
d* München. 1. Febr. 1912. Der .Vollzugs. anSichnß" der vier Amizentrumsparteien m Bayern, der Liberalen, der Sozialdemokratie, deS Bayerffchen
Hals nationale Politik treiben! (Lachen links.) Der Freisinn wirb nun doch galvanisiert durch die Sozial- bemotratie. Kein Mandat aus eigener Kraft! In der Provinz mußte ihm die Sozialdemokratie helfen und in Berlin 1 die höchsten Staatsbeamten. (Große Heiterkeit. Abg. Hoffmann (Soz.) ruft: Haben die nicht die weißen Stimmzettel abgegeben?) Wir schauen Ohne Furcht in die Zukunft. Wir haben schlimmere Zeiten überlebt und überwunden. Was der Minister deS Innern über den Kampf gegen die Sozialdemo, kratie gefügt hat, unterschreiben wir. Wenn die „Norddeutsche Allgemeine" sagt, der Reichskanzler mache feine Ausnahmegesetze — gut, wenn es ohne sie gehl, um so angenehmer. Wie sieht es mit der Handhabung der jetzigen Gesetze aus? Genießt der steuernzahlende Bürger den Schutz der ihm doch auch garantierten Freiheit? Ich erinnere nur an Moabit.
Präparandenkurjus zahlen werde.
* Eine Verteidigung der deutsche« Katholiken
Köln, 2. Febr. 1912. In seinem Fastenhirten. Briefe nimmt Kardinal Fischer Stellung gegen die Angriffe, die im Auslande, namentlich in Franc« reich, aber auch im Jnlande, gegen den deutschen Katholizismus erhoben werden. Rheim chen glatter« Meldungen zufolge (das Kölner kirchl. Amt-b at liegt uns nicht vor) fuhrt der Kardinal n. a. ans.
Wo hat der Papst treuere Kinder, wo gehorcht man seinen Weisungen bereitwilliger wo betet und opjert das katholische Volk für ihn freudiger, wo ist das ütd). liche Leben blühender, wo bewährt sich die katholisch« Ueberzeugung entfdriebener, kraftvoller, toirffamer, als gerade im katholischen Deutschland unb, innerhalb des» feiben, wahrlich nicht an letzter Stelle in bet Erzdiözese Köln unb in brr Kölner Kirchenp rötst uz. in Rheinland
r«htigtk)
Abg. Dr. Liebknecht (Sly.) ruft: Freche Provo- letion!
Vizepräsident Dr. Krause: DaS ist eine unerhörte Beleidigung. Ich rufe den Abg. Liebknecht zur Orb. Iwnng.
Abg. V. Hennigs (fonf.): Traurig, wenn es nicht eine Ausnahmegesetze abgeht, aber bie Schuld haben He, welche bie Gesetze überschreiten (Der Lärm bricht dan neuem los. In ben lebhaften Beifall bet Konser- bjtiöen schreien bie Sozialdemokraten Schimpfwörter jinein.) Die Aufrechterhaltung der Gele tze ist nnbebingt nötig, eventuell mit Ge- ÜL».. <3tnbauern&ct Tumult. Abg. Hirsch (Soz.) 5*2,Rede verbreiten wir als Flugblatt!) Wir Arbeitswilligen, Schutz bet per- ,a5lt wollen eine feste Politik, eine ftarfe Monarchie, Inn Scheinkönigtum, Schutz bet christ- Re'gwn. W,e hat bie jüdische Presse Christentum gemäht! Diese Att Preßfreiheit ist Revolution! Erhalten wir uns ein starke, Preußen. Wir hoffen, daß wir uns mit der Regierung auf diesem Wege begegnen. Aber wir buhlen nicht um diese Begegnung. Wir werden allein stehen und auf tigenen Füßen. (Lebh. Beifall rechts.)
Abg, v. Kardorff (freit.): Mit ben von dem Vorredner bezeichneten Zielen feiner Partei find wir ein
verstanden, wir müssen aber dagegen Verwahrung ein« legen, daß bie Rebe beS Abg. Freiherrn v. Zedlitz als agitatorisch bezeichnet wird. Gegenüber den Klagen bet Polen treten wir energisch für eine Stärkung des Deutschtums ein. Mit dem Abg. Friedberg stimme ich darin überein, daß das letzte Motuproprio des P a p st e S geeignet war, den konfessionellen Frieden aufs äußerste zu bedrohen. Wir wären der Staats« regierung dankbar, wenn sie der Kurie einmal mit aller Deutlichkeit sagen würde, daß es so nicht weitergehen kann. Wenn un» in Deutschland heute trotz der schweren Belastungsproben noch der konfessionelle Frie- den erhalten geblieben ist, so verdanken wir dies dem weitsichtigen und friedfertigen Episkopat. Die Erklä- rungen der „Nordd. Allg. Ztg." können auch meine Parteifreunde nicht befriedigen. Ueberhaupt sind wir mit der offiziösen Presse recht unzufiieden. Ich erinnere nur an bie Behandlung der Marokkofrage.
Abg. Fischbeck (Bf.) verteidigt bie Regierung gegen ben Vorwurf, untätig zugesehen zu haben, wie bie Sozialdemokratie anwachse. Daß bie Freisinnigen mit bet Sozialbemokratie zusammengegangen seien, baran trage Herr v. Heydebrand bie Schuld.
Abg. Herold (Ztr.): In der Debatte haben mehrere Redner die Frage aufgeworfen, ob das M o t up r o - fr io de» PaffteS auch für Deutschland gelte. Das Motuproprio gilt für Deutschland nicht: das hat KirchenrechtSlehrer Heiner ausführlich dargelegt und vöm Kardinalstaatssekretät ist diese Darlegung aus- drück!ich als richtig bezeichnet worden. Ich meine, damit könnte man sich zufrieden geben. (Widerspruch links.) Die Tonart deS Herrn Friedberg, der von dem „Niveau" des Abg. Herold sprach usw., tritt« fiert sich selbst. Ich wundere mich, daß ein so alter Parlamentarier dermaßen persönlich wirb; es sollte wohl ben Mangel an Grünben verdecken. Die Debatte hätte angenehmere Formen gehabt, wenn die Ratio- nalliberalen mich nicht fortgesetzt durch Zwischenrufe und provokatorisches Lachen unterbrochen hätten. Die Anerkennung deS Dr. Friedberg, daß wir den Konser- vativen von vornherein eine Anzahl Mandate verschafft haben, quittieren wir; wir haben ja auch den Ratio- nalliberalen schon in der Hauptwahl zum Mandat Pforzheim-Durlach verholfen; also den vierten Teil ihrer Hauptwahlmcmdate verdanken die Nationallibe- ralen dem Zentrum. (Heiterkeit int Zentrum und rechts.) In den linken Presse hat sich ein gewaltiger Entrüstungsfturm erhoben, über die Andeutungen, die ich über die Haltung von Beamten in Dussel- darf zur Wahl gemacht habe. Wie einer wählt, daS ist und bleibt selbstverständlich sein Geheimnis; ob aber einer wählt, da» vollzieht sich in voller Oeffent- lichkeit. (Sehr richtig im Zentr.) Das kann jeder kontrollieren und von Denunziation kann dabei wahrhaftig keine Rede sein. (Sehr richtig.) Die Behauptung des Abg. Hirsch von einem Wahlbündnis der Elsässer mit den Sozialdemokraten ist unrichtig, ganz abgesehen davon, daß die Elsässer mit dem Zentrum in Verbindung stehen, sondern eine selbständige Gruppe bilden. Auf die ausdrückliche Frage von Dr. Spahn jun. nach Beweisen, ist der Abg. Böhle die Antwortschuldig geblieben. (Hort, hört! im Zentr.) Auch daran, daß daS Zentrum in Oberschiesten an die Sozialdemokraten herangetreten ist ist kein wahres Wort. (Hört, hört! im Zentrum unb rechts.) Immer wieder wird Herr Müller- Fulda al» Beweis für Bün'misverlmndlungen mit der Sozialdemokratie angeführt. Abg. Herold verliest einen Teil deS BrolrfcBS deS Stichwahlausschuffe» der
Bauernbundes und des Deutschen Bauernbundes, erläßt schon wieder mal eine Kundgebung an die Landtagswähler. Mit bemerkenswerter Deutlichkeit wird darin die Auffassung vertreten, daß der „Zweck" der Landtagsauflösung „nur die Beseitigung der Zentrumsmehrheit sein konnte". Der Block spricht also die Regierung ganz und gar als seine Verbündete und sich als Vollzugsorgan des Willens der Regierung an. Ob die Regierung, die bisher zu allem, was der Block gesagt und getan hat, schweigt, aber zu Aeußerungen von Zentrumsseite sofort Stellung nimmt, der Beschuldigung, die Verbündete und Auftraggeberin der Umsturzvartei zu sein, entgegentreten wird? — Die ,Münch. N. N/ hatten sich in letzter Zeit ein Geschäft daraus gemacht, immer mehr Geistliche der Wahlbeeinflussung im Dienste deS Zentrums unter Mißbrauch ihres Amtes zu beschuldigen. Der ,Bayerische Kur/ veröffentlicht neue Berichtigungen von mehr als einem Dutzend der Beschuldigten. Es zeigt sich, daß die Mitteilungen der ,Münch. N. N/ teils auf direkten Erfindungen, teils auf groben Entstellungen absolut unpolstischer Vorgänge bc« ruhen. In einer Reihe von Fällen haben die ,Münch. N. N/ die ihnen zugegangcnen Berichtigungen nicht ausgenommen.
Mmsaesetz'eMui-Rue M Ä weiteren verwahrt sich Redner bagegen. daß bte
M ob dft Sitzung indem Lärm nl$ fortgeÄ^ I ^tionaUtbentJen im Wahilampf ernt unvercmtwort- den kann. Vizepräsident Dr. Traufe erzwingt sich schließlich daS Wort: Solche Zurufe find doch nicht be-
i Fulda, 2. Februar 1912. Unter großer
_____.. „ ; Beteiligung wurde am 1. Februar in der Kloster- Berliner Tageblatt abgegangen, gestern endlich hat ■ g^uft auf dem Frauenberg ein allgemein bekannter es sich bequemt, einiges daraus mitzuteilen. Ange- lt geschätzter Franziskaner p. Lambertus Börger fichts der alles Maß übersteigenden Angriffe auf ,ur [eyten Ruhe bestattet. Geboren 1845 ,;n Küll- bie katholische Geistlichkeit und der infamen Ver- , smdt auf dem Eichsjelde, trat er 1863 zu Warendorf leumdunaen, die gegen diesen für die liberale unb ,n Westfalen bem Franziskanerorden bei und wurde die fozialbemokratische Presse anscheinend bügelfreien ^71 zum Priester geweiht. Bald darauf durch den
Zentrumspartei von 1907, worin Bebel im Auftrage Singers dem Zentrum ein Kompromiß auf Ge- genfeitigleit für die Stichwahlen (1907) anbietet. Der Stichwahlausschuß beschloß, diejes Anerbieten abzu- lehnen. Ich habe Herrn Müller-Fulda gestern mitge- teilt, daß ich da» alles hier Vorbringen würde. Da- tauf ist mir umgehend von Müller-Fulda eine Antwort zugegangen des Inhaltes: „Einverstanden — bitte hinzuzufügen daß ick mir von niemanden Vorschriften machen lasse? (Große Heiterkeit.) Die Freisinnigen haben sich in gefährliche Bmtdesgenofsenfchaft bei den letzten Wahlen begeben. Herr Gyßling bestreitet zwat die BundeSgenossenschaft mit den Sozialdemokraten bet der praktische-.! Arbeit. Wenn man bei den Wahlen so zufammcngeht, so totrb e» schwer, nachher bei der praktischen Tätigkeit sich ganz von einander zu trennen unb berfebiebeue Wege einzuschlagen. (Sehr richtig! rechts unb im Zentrum.) ES wird unS freuen, wenn die Fortschrittspartei fick auf ben »oben ihres alten Führers Eugen Richter stellt. In der „Humanitee ist über eine Unterhaltung deS Herrn Liebknecht berichtet; er sagt. „Die Kräfte bet sozialdemokratischen Partei müssen im Hi- ^ct auf Kriegszeiten stärker ___ _7„ . .. „______ _ , ,
fein, als in FriebenSzeiten. Wenn der Krieg erklärt | (gj. Wendel, gegen dieses Blatt Strafantrag zu fiel werden sollte, müssen wir ihn verhindern können, - — — - • - - - —
indem wir ur3 ihm c' r-'*i widersetzen. (Stär- misches Hört! Höri! rechts.) DaS ist bte Partei mit ber Sie (nach links) sich bei ben Wahlen eingelassen haben. (Leb. Bctfall int Zentr.)