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Leitung

Tuldaer |

Kämpfe.

teinischen Bruder" Italien arg verschnupft.

Vielleicht sind wir in zielbewutzter Tätigkeit

Rechtsbeistand der neten gebührend KleruS zugunsten

dern, und der letzte zog sich sieben lange Jahre hin. Kein flotteS Marschieren von Sieg zu Sieg, sondern im fortwährenden Wechsel von Erfolgen und Nie­derlagen. Darunter fürchterliche Niederlagen, die

des Herrn Rießer an den ersten Wahltagen nur Meten zogen, hielt der Hansabund sich gegen seine sonstige Gewohnheit im Hintergründe. Als später nach und nach auch Fortschrittler und Jungliberale durchkamen, konnte man in liberalen Berliner Blät­tern bei den einzelnen erfolgreichen Kandidaten be-

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hoch ansschwellen. Mit Stolz blicken wir auf die Helden jener Erlösungszeit, jenes Bölkerfrühlings. Doch ist auch das Mitleid am Platze, das Mitleid

des gewohnten ganzen Pfundes begnügen muß, der fchlägt sich aus Wut zur Umsturzpartei, während {eine Vorfahren brav und bieder blieben, wenn sie auch gar kein Kochfleisch zn sehen bekamen.

Man sollte meinen: je bester es der Menschheit

sozialem Gebiet von den verständigen Leuten aller Parteirichtungen anerkannt werden.

Von der Mitschuld an dem riesigen Wachstum der sozialdemokratischen Fraktion ist der Hansabund gar nicht weiß zu waschen. Gerade daS Entstehen diese? Bundes irnd seiner leidenschaftlichen Agitation gegen alles, was agrarisch genannt werden konnte, jiat wesentlich dazu beigetragen, daß die unglückselige Großblocktaktik auflam mit dem Bestreben, um jeden Preis mit Hilse der Sozialdemokratie den vermeint­lichen schwarz-blauen" Block" zu zertrümmern. Im Vertrauen auf die großen materiellen Hilfsmittel des Hansabundcs dachte der Linksliberalismus, er könne den Jaqdzug tnt Verein mit der Umsturz­partei schon riskieren, da der Löwenanteil der iueute doch sicher ihm, dem Linksliberalismus, zufallen würde Nun haben aber die liberalen „Hanse" den Schaden, und die Sozialdemokratie hat die Beute.

Wir möchten wünschen, daß Herr Jakob Rießer eine Aufstellung der Geldsummen gäbe, welche die Hanfabundskasse bei der Wahlagitation ausge­geben bat. Dann könnte man ausrechnen, wieviel durchschnittlich für jeden sozialdemokrati­schen Wahlsieg von den kurzsichtigen Kauf- Herren, Banken und Industriellen ge­zahlt worden ist.

Kraft genug das Joch abzuschütteln und aus den Ruinen langsam ein neues Leben aufblühen zu

X Der Hansabund im Wahl Schauspiel.

hinzustellen

? München, 25. Jan. 1912. Die Propheten des bayerischen Großblocks wenden sich unter der Firma „Vollzugsausschuß" mit einer lan­gen Ansprache an „alle bayerischen Landtags-! Wähler". Es find chrer acht, die sich für diese Leistung verantwortlich erklären. Was die acht, Autoren, die bisher verschiedenen politischen Lagern angebörten, allen bayerischen Landtagswählern ge­meinsam zu sagen haben, lieft sich wie ein Leit­artikel des „Vorwärts" mit „liberalem" Einschlag. Wenn acht starke Männer zusammen helfen, dann gibts etwas kräftiges. Die Sprache der Epistel ift' denn auch so, daß sie Bäume ausreißen könnte. Es ist da mehrfach die Rede von der „schreienden Un­gerechtigkeit" des Landtagswahlrechts, von einer „unehrlich erworbenen parlamentarischen Macht", von einer „widerrechtlich erschlichenen Mehrheit". Nach der formellen Seite braucht man sich über, diese Redeblüten nicht zu äußern. Sachlich bedeuten sie einen vollendeten Unsinn. Daß Sozialdemokraten solches Zeug schreiben und unterschreiben, ist um {o sonderbarer, als ihre Partei bei der Ausgestal­tung des Landtagswahlrechts mitgearbestet und die zur Annahme notwendige Zweidrittelmehrheit schaf­fen half. Von den Liberalen konnte ja etwas ande­res nie erwartet werden, obwohl das bayerische Wahlrecht seinerzeit so ziemlich überall als das fort-

Bolkszeitunq" geprägte Wort von der „blöden Hammelherbe" Schreien und zahlen darf die Maste, aber zu sagen hat sie — ntchts! Wir gra­tulieren den Keuosten wirklich zu dieser Rolle in der ‘toten „Volkspartei". Beneidenswert ist sie wirk­lich nicht. Kolb geht in seinem Eifer sogar so weit, den Li b e r a l i s m u s, der die zwei roten Reichs- tagssihe wegnahm, zu verteidigeul Wir ha­ben in der badischen Sozialdemokratie schon manches erlebt, aber daß Kolb seinen gläubigen Genosten etwas derartiges zu bieten wagt, ist doch das Stärkste. Wir können es aber vollauf versieben, wenn die Genossen unzufrieden sind mit ihrem rubmgefronten Feldherrn, wenn sie keinen Sinn haben für seine „Erfolge", die im glatten Verlust zweier Mandate und im glatten Verzicht auf ein weiteres bestehen. Tenn was die foz. Leitung nicht einmal in ihrer Stichwahlparole zu sagen wagte, ist ja am Samstag bekannt geworden: sie hat auch den Kampf um das Heidelberger Mandat in der Stich­wahl ohne weiteres aitfgegeben und tn letzter Stunde ihren Kandidaten den Nationalliberalen zuliebe zu­rückgezogen! Kann man noch mehr tun'?

wochen-Rundschau.

f:] Fulda, 26. Januar 1912.

Deutscher Reich.

11 Straßburg, 24. Jan. 1912. Da? Oberlandes« geeicht in Colmar (Els.) hat bereit? drei Zentrums­mandate in der elsaß-lothringischen Zweiten Kam­mer für ungültig erklärt und zwar wegen „Wahlbeeinflussung durch Geistliche". Mit den fa­mosen Einsprüchen gegen die Landtagswahlen erlebt

JV5 22.

Sftiwitod 27. Januar W2 59. Jahrgang.

2. Blatt.

vrack «ad Verlag der .Hulda«, Sctitntmdete in Salto.

Unpolitische Zeitlanfe.

N. Berlin, 25. Januar 1912.

(Nachdruck verboten.)

Einhundert Jahre blicken wir am 17. Januar zurück — bis auf die Wiege Windthorsts. Zwei­hundert Jahre blickten wir gestern zurück — bis önf i>ie Wiege des „alten Fritz". Bei diesen •Hudbhcfen auf die „gute alte Zeit" gefällt mir die 'wmer bester. Was haben unsere dipn mrrr1 I" zweihundert Jahren alles durchma- die schwere Tage sind auch noch über

aen eu'Ptet in unserer Mitte hinweqgegan- 8 nicht verhältnismäßi? gut?

beit « ^mPr?.nb L" natürlich nicht. Die Mensch- « ^ Emier nn-msrreden, weil es eben keinen Hirn- Äflo9en viel und schelten y Lbru<tt-Un§ manchmal hier und manchmal da. Aber wie war es früher? Da drückte mal^^E vom und hinten und an allen Seiten zugleich, -ra hatten die Leute oft qar keine Stiele! T 'Md mußten barfuß laufen, mit wunden Fußen. Da gab es nicht bloß Teuerunaen fonhem WEch Hungersnöte. Da starben die Menscbm wie die Fliegen: auf den Schlachtfeldern, an Ent- »ehrungen, an verheerenden Seuchen, welche di- junge Welt kaum noch dem Namen nach kennt Ünd^was die Hauptsache ist: Wir leben jetzt schon vre rnr Frieden, während früher der bCt 5riebVlUt eb,e kürzere itnb^en bon dem Siebenjährigen Krieg

sich jetzt lebt ZNangenen Schlesischen Kriegen lieft

Wundert die Folgen, welche diese- & Deutschlandr^nd ganz

M »«b sich gczogenhat. Aber machen wirunS aU? En» Bild davon wre schwer, wie unsäglich Met dte beteiligten Volker unter dem andauern. Wn Krieael eiben mußten! Ein Krieg folgt« vem an-

an den Rand des Verderbens führten und die Auf­bietung des letzten Groschens und des letzten Man­nes nötig machten, um einen letzten verzweifelten Rettungsversuch zu ermöglichen. Als endlich die Ftiedenstzlocken geläutet wurden, lagen die betref­fenden Lander wie ausgepreßte Zitronen da.

* Karlsruhe, 24. Jan. 1912. Mit tausend Ma- ftcn fuhren die badischen Sozialdemokraten in den Wahlkampf hinatis. drei sozialdemokratische Sitze gabs zu verteidigen und das ganze badische Oberland sollte vom Zentrum gesäubert werden: still auf ge­rettetem Kahn kehrt e i n Genosse zurück, die andern zwei gingen unter und die Säuberung des Ober­landes gelang vorbei. Im ganzen übrigen Reiche Siegeszug der roten Internationale, in Baden allein 66' Prozent Verluste. Und das im gepriesenen Lande des G r o ß b 1 o ck s, besten Herrlichkeit der . —o.---------------- , . - ,

rote Großblockdirektor und fein Adjutant der stau- gen, welche Bischof Beuzler fernem Klerus geben nenden Genostenwelt in allen Tonarten zu preisen ließ; auf die Sozialdemokratie ist auch als auf bte wußten! Was Wunder, daß die gewöhnlichen Ge-s „Umsturzpartei" hingewiefen worden.. Die Klage noffen übler Laune sind, und zwar gründlich. Wenn ging allerdings viel weiter; so sollte em Geistlicher es noch eines Beweises dafür bebnrft hätte, der ; auf der Kanzel gesagt haben, wer den Soztaldemo- „Volksfreund" hätte ihn geliefert. Kolb, der Heraus- traten wähle, fei schon verdammt und habe ferne gewählte, marschiert in höchst eigener Person auf Rettung mehr zu erhoffen. Die Beweisaufnahme mit der Feuerspritze, dm Hausbrand zu löschen. Er ergab, baß der fragliche Geistliche auf der Kanzel schreibt zu seiner Verteidigung eine ganze Druckseite . überhaupt nie von Wahlen geredet hatte! So er* seines „Volksfteunds" zusammen, die Großblocktak- ging es auch der Klage, ein Geistlicher habe auf der tik zu rechtfertigen, ihre Fortsetzung zu verteidigen i Kanzel gesagt: „Wer nicht für den Zentrumsfandü- und heu Genossen die Niederlagen mundgerecht zu baten stimmt, den werde ich mcht absolvieren l Auch machen Daß er dabei natürlich nicht gut auf das hierfür fehlte der Beweis. In einer Gemeinde Zentrum zu sprechen ist, begreifen wir. „Beispiel-. wird dem Geistsichen vom Kläger vorgeworfen, er los skrupellose und schwindelhafte Politik", „voll-! habe nach dem Gottesdienst in einer,W^ab lDer« tische Ehrlosigkeit", „verlogenes, heuchlerisches Scheinmanöver" sind so einige Kosewörter, die der Zentrumstaktik gelten sollen. In allen möglichen Variationen sucht er dann nachzuweisen, daß die von ihm empfohlene Takllk die einzig richtige und Et- foln verheißende sei, sucht klar zu machen, daß nur allein die Großblockverbrüderung der Sozialdemo, kralle Lust verschaffen könne gegenüber der „Reak­tion". Glatt sagt er den Genoflen ins Gesicht, daß jetzt nicht sie und ihre Stimmung zu entscheiden habe, sondern nur das Urteil der Führer. Wer denkt da nicht an das von der „Leipziger

gehe, desto mehr müsse die Unpffriedenbeit abneh­men. Doch nein: die Unzufriedenheit tritt bei Auf­besserung der Lebensbedinaungen, bei Hebung der Gesundheit und der Lebensdauer, bei Steigerung des Wohlstandes und der gesamten Kultur immer lauter und leidenschaftlicher hervor. Darum haben schon lleffinnige Leute gesagt: Es muß wieder ein Krieg kommen, bamit die Menschheit erkennt, wie gut sie es int Frieden hatte. Eine Beleuchtung des Dichter­wortes: Nichts ift schwerer zu ertragen, als eine Reihe von guten Tagen! —>

Wenn wir nun einen Rückblick auf die r e l i- fliöfen und kirchlichen Verhältnisse werfen, so finden wir ebenfalls allen Grund, dem Himmel dankbar zu sein für die Fortschritte, welche die gute Sache in den letzten Jahrhunderten gemacht hat. Das uns noch f e h l t auf diesem Gebiete, das wissen

kräftigsten Männer unter fürchterlichen Leiden da- hin sterben mußten als Opfer eines verblendeten Üebenmttes, — das ist ein Bild vom Anfang des 19. Jahrhunderts noch Christi Geburt, das einen an der menschlichen Kultur verzweifeln lassen könnte! Unsere Ahnen vor hundert Jahren haben Jahr aus, Jahr ein die schrecklichsten Heimsuchungen ertra­gen, und am Schluß der Leidenszeit hatten sie noch

mit unseren Vorfahren, die unter der Pariser „Gat- teSgeißel" so lange Jahre Unsägliches gelitten ha­ben

Was wir Aelteren noch miterlebt haben an Krie- gen (64, 66 und 70), daS waren großartige und auch opferreiche Äraftleiftungen, doch kamen sie verhält­nismäßig schnell zum Abschluß und konnten also längst Nicht eine solche Unmasse von Jammer, Elend und Not herbeiführen, wie daS Jahrzehnt, in dem das Würgengel-Geschäft Napoleons L in seiner Blüte stand. Die Völker mußten immer neue Kon­tributionen an Gut und an Rekruten leiste». Der beste Teil des Nachwuchses wurde auf die Schlacht­felder geschleppt und verschwand da zum größten Teil im Rachen des Todes. Es gibt kaum ein ent­setzlicheres Blatt in der irdischen Jammergeschichte, alS daS vom Feldzug nach Rußland, dessen hundert­jähriges Gedächtnis vor der Türe steht. Wie da panbetttaufenbe bet blühendsten Jünglinge und

das Zentrum merkwürdige Dinge. Am Tage der ! Hauptwahl hat die liberale Parteileitung ihre Par« i teigänger im ganzen Lande aufgefordert, alles genau festzustellen, was eventuell bte Ungültigkeit einer Wahl zur Folge haben könnte. Denn dir Wahlprü- fungen lägen jetzt nicht mehr beim kaiserlichen Rat 1 wie früher, sondern beim Oberlandesgericht. Von ! dieser Gerichtsinstanz sei für die liberale Sache ' mehr zu erwarten als von der früheren. Die Hoff- ! nungen der Liberalen gehen in Erfüllung. Nach­dem schon früher die Zentrumswahl im Kreis ' Bitsch-Wolmüuster (Lothringen) kassiert worden, kommen jetzt noch die Zentrumsmandate von Habs- heim-Landser (Oberelfaß) und Saargemünd (Lothr.) hinzu. Wie in Bftfch-Wolmünfter, wurden auch die beiden letzten Wahlen in der Hauptsache „wegen geistlicher Beeinflussung" für ungiltig erklärt. Im gleichen Augenblick wurde ein liberales Mandat, das von Zentrumsseite angefochten war, für giftig erklärt, obwohl festgestellt worden war, daß der Ar­beitgeber in einer Fabrik einen unerhörten Druck auf die Arbeiter ansgeübt hatte. Das Gericht vertrat jedoch den merkwürdigen Standpunkt, daß ein Unterschied gemacht werden müsse zwischen der Beeinflussung durch einen Arbeitgeber und der eines Geistlichen. Die Einwirkung des Arbeitgebers habe keine Willensänderung zur Folge, während dies von der amtlichen Tätigkeit des Pfarrers angenommen werden müsse! In den Fällen „geistlicher Beein­flussung" handelt es sich meist um Ausführungen ■ allgemeiner Natur, in der Richtung der Erntahmin-

fen; bemerkenswert ist aber, daß ein solch ernfteS Gefecht überhaupt in der Nähe der Stadt Tripolis stattfinden konnte. Bisher glaubte man allgemein, daß die Italiener in unbeschränktem Besitze des Küstenstriches wären. Der italienische Oberkom­mandierende soll „auS Gesundheitsrücksichten" bie Absicht haben, zurückzutreten. Dieser Rücktritt wird mit der Schlacht in Zusammenhang gebracht.

AuS China werden täglich Ueberraschnngen gemeldet: nachdem es wochenlang hieß, der Thron bereite seinen Rücktritt vor und die Kaiserinwitwe habe das Abdankungsdekret bereits unterzeichnet, heißt es jetzt, dir Kaiserin denke nicht daran, zurück, zutreten. Im Gegenteil, bie Mandschns wollen bis zum Aeußerften kämpfen. Diese Wendurig in China bedeutet den Ausbruch neuer schwerer

Ein paar Jahrzehnte mühseliger Erholung, — lassen.

dann brach bie große französische Revolution auS, f " ‘

die der Menschheit wieder ein Unmasse von Blut unfern schlecht organisierten Vorfahren überlegen, und Gut abzapfen sollte. In Frankreich spielte bie ; Aber in der zähen Ausdauer, im zielbewußten Lei- Guillotine, und bald war ein noch wirksameres ! b e n waren sie offenbar uns überlegen. Wir find Mordmstrument im Gange: der Krieg, den die ■ verzweifelt wehleidig geworden. Wir jammern Franzosen erst unter republikanischen Führern, bann über einen hohlen Zahn ärger, als unsere Vorfahren unter dem gewaltigen kleinen Korporal Napoleon über zerschossene Gliedmaßen, lieber ein paar Gro­in das ganze Europa hineintrugen. Freiheits- schen Steuer gibt eS heute mehr „Entrüstung", als kriege! Die Erinnerung an bie Abschütkelung damals über Plünderung und Brandschatzung. Wer des napoleonischen Joches läßt jede deutsche Brust । heute sich mit dreiviertel Pfund Fleisch an Stelle

Seine „Erfolge" sollte man in diesen Tagen des Ünkslibetalen Jubels nicht übersehen.

Welche riesigen Hoffnungen wurden auf das Ein­greifen des Bundes in bie Wahlagitation gesetzt! Unb waS ist mit den aufgewendeten riesenhaften Geld- und Arbeitskräften erreicht worden? Nichts ande­res als die Verstärkung der s o z i a l d e m o- kratifchen Fraktion auf über 100 Köpfe. Nichts anderes, als die Erhebung der Umstttrzpartei zur größten Fraktion des Reichstages!

Aber — so wird Herr Jakob Rießer sagen —, die Agrarier (Rechte und Zentrum) haben doch eine Reihe von Mandaten verloren. Freilich, aber seine Schützlinge, die Linksliberalen, haben ebenfalls eine Reihe von Mandaten verloren. Die Verluste der bürgerlichen Parteien gehen gegeneinander auf, ifl bleibt vom Ganzen, ist der Gewinn der

und fühlen wir ja deutlich genug; wir verschließe» auch unsere Augen nicht vor der wachsenden Macht und der steigenden Agitation des Unglaubens. Und doch können wir uns trösten unb aufrichten au der Tatsache, daß in den Bolkskreisen, bie noch auf dem Boden des christlichen Glaubens stehen, bie religiöse Ueberzengung an Klarheit und Tatkraft zugenom­men hat und daß namentlich auf katholischer Seite die Verteidiger des Kreuzes sich fest zufammenge- schlossen haben ztl einer Phalanx, mit der im öffent­lichen Leben gerechnet werden muß. Was war vor 200 Jahren der Katholizismus im össentlichen Le­ben? Und vor hundert Jahren, als Windthorst das Licht der Welt erblickte, wo war da mich nur ein An­satz zu einer Organisation der katholischen Volks- Irafte zu entdecken? Weiterhin erstickte das kirchlich« religiöse Leben unter Josephinismus und Febronia- insmuS, unter hu reankr-Wischer Bevormundung von außen und Schlendrian int Innern; die mehr nach weltlichen, als nach geistlichen Rücksichten erfolgende Besetzung der Bischofsstnble und Domherrnstelleu usw. lähmte lange Zeit jeden Auffchwung. Müssen wir nicht dankbar und ftoh fein, daß diese Versump. fung gründlich überwunden ist?

Der kirchenpolitische Frühling begann in Deutsch« land 1837 mit der Gefangennahme des Erzbischofs Klemens August von Köln. „Gott fei Dank, sie brauchen Gewalt." Diese Gewalttat glich der Pflugschar, die den Acker aufwühlt. Das war der Acker, aus dem die großartige Organisation des ka» tbolischen Bolksteils allmähftch hervorsprießen sollte. Und zur rechten Zeit kam Windthorst als Obergärt­ner an die rechte Stelle.

Unsere jüngeren Genossen, bie über bie Mangel der Gegenwart seufzen ober gar verzagen wollen mögen gefälligst die Geschichte des Kulturkampfs bet siebziger Jabre studieren. WaS haben bie Geglichen unb Laien leiden müssen! Mchr noch, als bie zahl reich Verurteilten und Gefangenen waren biejeni- Sien zn bemitleiden, die ohne geistliche Hilfe in bej etzten Stunde sterben mußten. Da wurden an die Geduld unb die Selbstbeherrschung, an die AuSdauet und dar Gottvertranen Anforderungen gestellt, von

Italiener, die seil einiger Zeit einen Sport daraus machen, harmlose Dampfer nach Kriegskonterbanbe zu untersuchen, haben zwei französische Dampfer .beschlagnahmt unb auf dem einen eine Flugmaschine unb auf dem anderen türkische Krankenpfleger und ...

eine Waffensammlung einer Jagdgesellschaft ent- Wahlziffern ganz klar und unwiderleglich, daß Herr deckt. Die Krankenpfleger wurden in Haft bebalten, ' Kämpf sein Mandat keinem andern verdankt als den während die Dampfer nach einigem Parlamemieren dort wohnenden Ministern und Staatssekretären so- freigegeben sind. Ganz Frankreich tobte, bie Mini- wie den sonstigen hilfsbereiten Konservativen und fier führten eine energische Sprache, unb die Presse ' Zentrumsleuten.

verlangte sogar, daß mau bis zum Abbruch der dip-1 Richt der deutsche Gewerbefleiß und Handel bat lomatischen Beziehungen fein Recht gegenüber den dem Hansabund etwas zu verdanken, sondern nur Italienern verfechten solle. So weit ließ man es Herr Bebelhat allen Grund, bie spendende Hand selbstverständlich nicht kommen Italien gab nach, des Herrn Jakob Rießer dankbar zu küssen. Schon und lieferte die Krankenpfleger aus. ! vor den allgemeinen Wahlen hat man es ja Hand-

Im Tripolis!riege hat wieder eine ' grciflich sehen können, wie erfolgreich der Hansa« Sckssacktt in der Oase Gargareth stattgefunden. Merk- : Hund der Umsturzpartei vorarbeitete, so namentlich würdigerweise schildern wieder beide Parteien ihren ; bei der Ersatzwahl in D ü s se ld o r f, wo der San- Sieg in dieser Schlacht. Die Türken waren bte An- sabund bazu mitwirfte, daß an Stelle eines Bank- ?reifer. Während nun die Italiener behaupten, sie bireftorS, der selbst Mitglied, aber zugleich „schwarz" ätten den Angriff der Türken erfolgreich abgeschla- war, ein toter Gegner des deutschen Bürgertums gen, meldeten am folgenden Tage bie Türken, die gewählt wurde. Es fällt der Leitung des Bundes Italiener hatten infolge dieser Schlacht mehrere , ferner zur Last, daß sie nichts getan hat, um bie Bertetdtgungslinien aufgegeben und sich in die Oase Metropole Köln vor der roten Fahne zu schützen und bts vor die Stadtmauern zurückztehen müssen. Wer . ihr einen Mann wie Karl Trimborn zu erhalten, geschwindelt hat, wtrd sich erst später feststellen las- j dessen Verdienst und Tüchttgkeit auf wirtschaftlich-

Hefen Tage», in denen wir den 200. Ge- burtStaq des großen Preußenskönigs, des „alten Fritz , feiern, zieht die Sozialdemokrat r e As stärkste Partei tu den Reichstag. Was wurde dieser Mann bet Autorität, der Preußen groß ge- macht hat und damit bas Fundament zu dem hnv- tiaeu Deutschen Reiche gelegt hat, dazu sagen, dag über 100 Abgeordnete einer Partei bet verneuien- ben Kritik, einer Partei der Autoritätslosigkeit und gersetzung in da« Reichsparlament zieht, lenes Bet- etcrhaus, das dem deutschen Volke gegeben tft, Weil es mündig geworden ist? Dieser Wahlgang mit seiner v-rhetzenden mtü verletzenden Agitatwu, hüt seinem unerfreulichen Ausgang ist wirkuch^e-

schämend für den Grad ber UnmäuRgkett ober In­teresselosigkeit des deutschen Volkes. Em Volk, das feiner Zukunft gewiß ift, das weiter bauen todl auf den erprobten überlieferten örunblaqcu, darf nicht einer Partei zu solcher Macht verhelfen, die alles Gewordene über den Hausen rennen wtQ. ®te jabu reichen Soualdemokraten, bte jetzt ttn Reichstage ihre Revolution sreden zum Fenster hinaus halten werden, sollen uns zur Besinnung rufen, uns zur Umkehr mahnen. Der alte Fritz sei uns Wegweffer.

Heber die Mehrheitsverhältnifle im neuen Reichs- tage, der durch kaiserliche KabinettSorder auf den 7. Februar einberufen ist, läßt sich sagen, daß die So­zialdemokratie zwar die stärkste Partei geworden tft, das Zentrum aber wieder zur ausschlaggebenden Partei avanciert ist, bie es vor ber Auflösung 1907 war. DaS Zentrum ist wieder das Jünglein an der Wage. Es kann eine positive Mehrheit mit der Rech­ten bilden und auch eine Abwehrmehrheit mit ber Linken. Eine Mehrheit ohne bas Zentrum ist im neuen Reichstage schlecht denkbar. Das Zentrum gibt nach beiden Seiten unbedingt den Ausschlag. Das ist ber Erfolg des Feldzuges ber Liberalen, bie bie Mehrheit des „schwarz-blauen Blockes" undc-

dingt brechen wollten. Für Wehrmachtsvorlagen toQ§ übrig bleibt vom Ganzen, ist ber Gewinn der scheint eine wenn auch kleinere Mehrhett als im Sozialdemokratie. Wenn das ein „Er- viSherigen Reichstage gesichert zu sein. Nach allem, f,,lg" Hansabundcs sein soll, so muß Herr Jakob was man sich auf den Hintertreppen der Ministerien Rießer die internationale, revolutionäre Sozial- erzählt und was von geschäftstüchtigen Leuten in d e m 0 k r a t i e als die rechte Schutzpatronin die Presse gebracht wird, scheint die Regierung bie deutschen Handels, ber deutschen Indu- Absicht zu haben, den Reichstag gleich beim Zu- strie und des deutschen Mittelstandes be» sammentritt zu erproben durch Einbringung einer trachten.

Militär- und Flottenvorlage. Sollte sich bann keine > ysls bie linksliberalen Schützlinge unb Freunde Mehrheit finden, so rechnet man schon heute mit bet Auslösung des Reichstages In wirtschaftlichen Fragen ist bie Schutzzollmehrheit allerdings nicht mehr so sicher, wie früher, und es besteht die Mög­lichkeit, daß der Liberalismus versuchen wird, sich hier bie Früchte, bie der Großblock an anderen vvii

Zweigen nicht reifen ließ, zu pflücken. Welche Ein- nterfHintien: 7sanfabunb)~ Dieser Zusatz, ber offen« flüsse die neuen Mehrheitsverhaltnisfe auf die So- 6ar bl)n der Leitung des Bundes veranlaßt war, zialpolitik haben werden, läßt sich noch nicht fest- . foBte offenbar den Glauben erwecken, daß diese stellen. (Glücklichen dem Hansabunde ihr Mandat ber»

In Frankreich hat man sich mit dem „la- banken. Die guten Leute waren aber fast durch- teinischen Bruder" Italien arg verschnupft. Die gängig entweder von der Sozialdemokratie cM-ri---- x ----a burchgebracht ober von gutmütigen „Agrariern"

als kleineres liebel gegenüber ber Sozialdemokratie herausaehauen worden. Sogar im Parade-Wahl­kreis des Hansabundes, dem ersten Berliner mit dem Vizepräsidenten Kämvs als Kandidaten, ergeben die

sammlung geäußert, es märe dem früheren Abg. Roellinger (Gebweileri nicht recht, wenn seine Her- matsgemeinde rot wählte. Die Tendenz ber Ein­spruchskläger ging überhaupt dahin, was auch bet " " angegriffenen Zentrumsabgeord-

hervorhob, jede Tätigkeit deS eines Äanbibaten als unbefugt