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»Hfl und Verlag der früher »t#tibrw«mt hi 8eiH.
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A Zum Geburtstage des Kaisers.
Dieses Jahr fällt das GeburtStagssest deS Monarchen in die Wahlbewegung, zwischen die letzten Atichwahlen und die amtliche Feststellung deS SchlußergebnisteSi Hoffentlich wird weder die Stimmung, noch der äußere Verlauf der Feier unter dem Staube, den die Parteikämpfe auswirbrl- ten, zu leiden haben. Jedenfalls werden die Anhänger der OrdnungS- uns Ardeitsparteien jetzt m't ganz besonderem Eifer ihre Augen und ihre Herzen dem Throne zuwendev, La sie aus dem Anwachsen der verneinenden Stimmzettel soeben erkannt haben, wie unentbehrlich und wie segensreich für Staat und Gesellschaft, für Frieden und Kultur die feste monarchische Ai'vrttät ist.
Drei Lage vor dem Gcbuctsfeste des regierenden Kai er; und Königs ist der zweihundertste Gedenktag der Geburt des großen Ahnherrn Friedrich'sH. begannen wordcn. Die Verhältnisse der damaligen .ßut und die außerordentlichen persönlichen Eigen- schasten Friedrichs II. brachten es mit sich, daß er mit mindestens dem gleichen Rechte, wie der Sonnenkönig Ludwig XIV., hätte sagen können: „L’etat e'est n>oi“, der Staat bin ich! Alle Kräite, die de>n damaligen Staatswesen für die militärischen, die administrativen, die finanz« und wirtschasts- politnchen Aufgaben k zur Verfügung standen, sanden in der ungeheuren Geistesschärfe, Willens- stärke und Arbeitskraft Friedrichs des Großen ihren Brennpunkt. Er war der Herricher, der alles be- dachte und alles mochte. Er bezeichnete aber selbst sich nicht als die Vertörpernng des Staatswesens, sondern als den einen Diener des Staates, und auch die, die seinen Grundanschauungen und seiner Methode nicht überall voll zustimmen können, müffen anerfiHncn, daß er wirklich seine Person der Sache, fein rtesenhaftes Ich dem Staatsgedauken geopfert hat. Er besaß die Fülle der Rechte uns der Macht, aber er trug auch in gewissenhafter Arbeit die Fülle der Pflichten.
Von der absoluten Monarchie sind wir zur konstitutionellen Monarchie gekommen. Diese Entw ckrlung der Verfassung paßt zu dem Umschwung der staatlichen Verhältnisse. Die Ausdehnung der Grenzen von Staat und Reich fällt Dabei weniger ins Gewicht, als das erstaunliche Anwachsen der staatlichen Arbeiten und Aufgaben, sowohl der Maste als der Schwierigkeit nach. Bei dem komplizierten Betriebe der Gegenwart würde auch ein solcher Säku» lärmen ch, wie der alle Fritz, die Lasten d.'s absoluten Regimentes nicht tu gen können. Die Mitarbeit der Wähler an der Gesetzgebung und die Betätigung der Bürger in der Selbstverwal nng sollen nicht die Entsetzung, sondern die Entlastung der monarchischen Autorstät bedeuten. Die Voltsrechte sollen keinen Gegenwy, sondern eine Stütze der Kronrechte bilden. »Liede des Vaterlands, Liebe des freien Manns sichern den Herrtcherthron, wie Fels im Mccr." Tas gilt für Preußen und das Reich im vollsten Maße, weil alle braven Bürger misten, daß der Kaiser und König von seinem großen Ahnherrn die Pflichttreue, die Hingabe der ganzen PersvuUchkeit an den Staatszweck und das Nationalwohl geerbt bat.
Vor drei Jahren, in der unglückseligen Blvckära, nxtt eine geweste Bewegung gegen das „persönliche Regiment" in Gang glommen. Dieser ,Zwgchen- sall" ist bald erledigt worden. Es zeigte sich, daß der Beunruhigung nur Mißverständnisse und Mißgriffe der Bülow'icken Getchättslührung zugrunde tagen. Inzwischen sind Die Verehrung gegenüber der Person des Monarchen, Die Hochschätzung seiner {roßen Geistesgaben, Die Dankbarkeit sür feine er« olgreiche Wirksamkeit unD das Vertrauen auf seine Selbstlosigkeit unb Opferwilligkeit im Dienste des Staates und des Reiches noch höher gestiegen unb toch fester geivurzelt, als vorher.
C iien gewissen Schatten auf dieses schöne Bild wirst treilich das Anwachsen der fozialdemokratischen Stimmen und noch mehr die Verbrüderung vieler Liberalen mit den Umsturzleuten, Die in Der letzten Wahlbewegung zutage getreten. Tie bedauerlimen Erscheinungen der Gegenwart darf man nicht unter« schätzen, aber man soll sie auch nicht überschätzen, als ob die Uebel unüberwindlieh und die Zersetzung von Staat und GeielllÄatt unaufhaltsam wäre. Krisen gibt es von Zeil zu Zeit; sie muffen überwunden werden. Und bet ruhiger Betrachtung
wird man erkennen, daß die Kräfte zur Ueberroin« Dung der gegenwärtigen Krisis noch vorhanDen sind. Es gilt nur. Daß alle diejenigen, die es redlich meinen mit Kaiser unb Reich, mit Staat und sozialer Ordnung, sich fest zusammen schließen untereinander und mit der monarchischen Autorität. Dann werden die erhaltenden Kräfte im Staats« und Bolls leb en der grudsätzlichen Verneinung einen Damm zu setzen und Die zeit« roeilig Verführten wieder an sich zu ziehen vermögen.
Die Festtage lehren uns dasselbe wie die Kampftage: Treue, Eintracht und Arbeitswillig« feit.
Deutscher Reich.
+ Die Leistungen der Reichspost. Die getoal» tige Summe von 8,4 Milliarden Sendungen befördert die Reichspost nach ihrer soeben erscheinenden Verkehrsstatistik jetzt jährlich; davon entfallen auf den eigentlichen Briefverkehr 5,8 Milliarden, auf die Zeitungsnummern und außergewöhnlichen Zeitungsbeilagen 2 Milliarden, auf die Packerei- und Mcrtfeitdungen 271 Millionen Stück. Der ® cf amt» betrag der Wertabgaben sowie der Postbankverkehr (Postanweisungen, Postaufträge, Postnachnahmen, Zahlkarten, Zahlungsanweisungen) umfaßte nahe« zu 42 Mlliarden Mark. Die Zahl der beförderten Telegramme betrug 55,8 Millionen, die Zahl Der vermittelten Gespräche 1664 Millionen, 34 600 Pcstan stallen, 35 400 Telegraphenanstalten, 30 000 Fernsprechanstalten und 907 770 Fernsprechstellen dienten der Bewältigung dieses Verkehrs. DaS eigentliche Beamtenpersonal umfaßte 209 590 Köpfe; darunter befanden sich 19440 weibliche Personen und 114 000 Unterbeamte. Außerdem waren noch insgesamt 60 900 Beamte und Beamtinnen im Nebenamt befibäftigt. Postbriefkasten waren nicht weniger als 128 470 im Reichspostgebiet vorhanden. An Postwertzeichen wurden 4615 Millionen Stuck abgesetzt im Gesamtwerte von 431 Millionen Mark. Die Zahl der unbestellbaren Postsendungen betrug 2 Millionen. Im Vergleich mit den übrigen Ländern Europas nimmt die deutsche Post, wobei Bayern und Württemberg mit eingerechnet sind, mit 9.3 Milliarden beförderter Postsendungen bei weitem die erste Stelle ein. Nach Deutschland folgen Großbritannien mit 5,5 Milliarden, Frankreich mit 4 Milliarden, Oesterreich und Ungarn mit insgesamt 3,1 Milliarden und Rußland mit 1,8 Niil- Itarben Sendungen. Im Telegrammverkehr lvird Deutschland mit rund 59 Millionen beförderter Telegramme in Europa nur von Großbritannien (92 Millionen Telegramme) übertroffen, Frankreich hat 52 Millionen, Rußland 33 und Italien nur 18 Millionen cmfzuweisen. Im Fernsprechverkehr wird Deutschland mit über 1 Million VermittlungSan- stalteu und Sprechstellen und 1850 Millionen Gesprächen auch nicht annähernd von einem anderen Lande der Alten Welt erreicht. Großbritannien besitzt demgegenüber nur 613000 Vermittlungsanstalten und Sprechstellen.
Rus dem Nachbargebiete.
E. RückerS (Kr. Fulda), 26. Jan. 1912. Ein einzigartiger, unverg ßlicher Feit- und (rubeltag war der Tag Pauli Bekehrung, der 25. Januar, für unsere Pfarre». An Dieiem Tage feierte, wie schon gemeldet, unser hochw.Herr Pfarrer Stephan Gnan lein 50jäbtige§ Priesterjubiläum. Ob'ckon es Winter war, so glaubte man sich in den Frühlmg versetzt, wenn man die mit frischem Waldesgrün und sinnigen Ebrenplort.-n geuhmückten Straßen vom Pfarrhaufe bis zur Kirche betrachtete. Unser Gotteshaus seldft war mit Strömen, Blumen und Inschrif en herrlich ge chmückt. Am Vorabende des Felles brachte die Pfarrgemeinde ihrem greifen Jubelpriester als Zeichen Der Liebe unD Verehrung einen schönen Fackel» und Lampionzug Dar. Namens der Gemeinde hielt Dabet Herr Lehrer Groß eine Ansprache, in Der er die großen Bcr- oieufie würdigte. Die Der hochw. Jubilar sich um die hiesige Gemeinde erworben hat. Nach dem Voi- bilDe des guten Hirten ift er seinen Pmrrkindern stets ein guter Seelenhirte gewesen, unablässig bemüht für Die Ehre Gottes und das Hell Der ihm
anvertrauten Seelen. Der hochw. Herr dankte tief« gerührt seinen Pfarrkindern, die er mit Recht Pfarr- linder nennen könne; die meisten habe er getauft, vielen den Ehebund geschloffen und allen daS Brot des Lebens gereicht. Er ermahnte feine geistigen Kinder, allezeit Jesum Christum und seiner Kirche treu zu bleiben unD sich zu hüten vor dem gefährlichen Unglauben unserer Tage. Am Festtage selbst gegen 10 Uhr vormittags bewegte sich ein großartiger Zug vom Pfarrhofe nach nach unserer ehr- roürDigen Muttergotteskirche. In der Mute des Zuges ging der greife Jubelpriester, geschmückt mit dem goldenen Jubelkranze, umgeben von feinen dochw. geistlichen Mttbrüdern, die zur Feier des TageS herbeigeeilt waren. Herr Dechant Ber- mofer«Neuhof hielt die Festpredigt, welcher er die Worte der Hl. Schrift: ,DaS ist der Tag, den der Herr gemacht, lasset unS frohlocken und fröhlich fein' zugrunde legte. Ein Begrüßungsschreiben des Hochw. Herrn Bischofs und hochw. Domkapitels von Fulda kam zur Verlesung. DaS Hochamt feierte Der hochw. Jubilar, wobei seine geistlichen Reffen ministrierten. Än Geschenken wurden dargebracht: von der Gemeinde ein kostbares Meßgewand, von den Lehrern und der Lehrerin zwei schöne Stolen, vom kothol. Arbeiter verein kirchliche Gefäße, von den Schulkindern em Bild, darstellend Jein den guten Hirten, die Jungfrauen der Pfarrei stifteten den goldenen Jubelkranz. So schloß denn die schöne Feier, welche von neuem zeigte, wie unser katholisches Volk seine Priester ehrt und in Liebe ihnen zugetan ist.
* Mainz, 26. Jan. 1912. Als in Mommenheim in Rheinhessen eine Gefellschaft von der Jagd heimkehrte, entlud sich das Gewehr eines der Teilnehmer. Von Der Ladung wurde ein anderer Jagdteilnehmer, Vater von 8 Kindern, ins Herz getroffen. Er war sofort lot.
Ami Geisa und Umgebung.
* Völkershausen, 26. Jan. 1912. Mit Rücksicht darauf, daß es in hiesigem Orte bisher noch an einer geeigneten Badegelegenheit fehlte, haben die Gemeindebehörden beschlossen, im Schulneubau ein Schul- und Bolksbad einzurichten, in dem Schuler wie Erwachsene sich an bestimmten Tagen baden können. Der Beschluß, in dem Schulbau ein Schulbad einzurichten, entspricht einer Anregung des Großh. Staatsministeriums.
* Aus dem Eisenacher Oberlande, 26. Jan. 1912. Die Bohrungen nach Kali, die seitens der Gewerkschaft „Thyrn" in Hannover im Flurbezirk zu Unter w e i d seit ca. 1 Jahre vorgenommen werden, sind resultatlos v-erlaufen. Da kein Kali gefunden wurde, sind die Bohrungen jetzt eingestellt worden. Es wird allgemein bedauert, daß sich hier kein Kaliwerk auftun konnte.
* Aus Thüringen, 26. Jan. 1912. Die älteste noch lebende Prinzeffin von Schwarzburg-Sondershausen, die in Glockenthal bei Thun in der Schweiz lebende Freifrau von Jud, ist in der letzten Zeit völlig erblindet. — In einem Kalkbruch bei Görk- Witz bei Schleiz wurden zwei Arbeiter durch einen vorzeitig losgegangenen Sprengschuß schwer verletzt. Bei dem einen Arbeiter ist das Befinden so bedenklich. daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. — Der Magistrat in Erfurt hat beschlossen, einen Zentralfriedhof zu errichten, deffen Kosten auf eine Million Mark veranschlagt sind. Zur Erlangung von Entwürfen soll ein öffentlicher Wettbewerb stattfinden.
2lu$ Gberheffen u. Öen Hess. Remtern.
* Frankenberg, 26. Jan. 1912. In Frankfurt verhaftet wurde am 13. Januar der abends vorher hier aus dem Zuge gesprungene Kuhschweizer Arthur Zeichner aus Viermünden, welcher seinem Nebenarbeiter 340 Mark aus einem Koffer gestohlen hatte und sich seinen Verfolgern durch Den kühnen Sprung glücklich zu entziehen wußte. Der Täter gestand den Diebstahl ein, gab die 340 Mark gleich heraus und meinte zu dem ihn verhaftenden Kriminalbeamten: „Da habt Ihrs; Ihr wißt ja doch alles!" Die Behendigkeit des Ausreißers beim Sprung aus dem Fenster des Eisenbahnwagens dürste sich daraus erklären, daß der derzeitige
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Kuhschweizer früher länger, Jahre Zi,txfr c l o to n war. ,
* Kirchhain, 86. Jan. 1911. Se einer ordentlichen Versammlung des xrtea«te<t«>' eins Wurde, nachdem Bürarimeistei @rüx di» ’ Wahl als Vorsitzender abgeleh«. Herr Landrat fc, Gilsa zum Vorsitzenden einstimmig gewählt.
* Ziegenhain, 26. Jan. 1912. Zwischen Men,' darf und Ziegenhain geriet vor einigen Tagen ei« Automobil in Brand, nachdem der Benzinb«, hälter explodiert war. Von dem Fahrzeug bliebe» nur noch die Eisrnteile Übrig. Die Jnsaffen blieben unverletzt.
[:] Neustadt, 26. Jan. 1912. Heute nachmittag ereignete sich abermals int Stadtwalde, und zwar int Distrikt „Trillern", ein schwerer Unglücksfall. Der Holzmacher Heinrich Sentmer wurde von einem sich drehenden Baumstamm so unglücklich getroffen, daß ein schwerer Beckenbruch entstand. Durch den sofort herbeigerufenen Kaffenarzt, Herrn Hoffmann, wurde dem Schwerverletzten die erste Hilfe zuteil. Der Verunglückte ist Familienvater und erfreut sich eine» guten Stufe», sodaß das Mitgefühl allgemein Ift
* Gudensberg, 26. Jan. 1912. Das Gehöft der Oekonomen Bred« brannte nachts gänzlich nieder. Große Getreide», Stroh» und Futter» Vorräte fielen den Flammen zum Opfer. Das Vieh und einiges Mobiliar konnte gerettet werden. Der Schade« ist durch Versicherung gedeckt, lieber Die Ursache des Feuer» konnte noch nichts festgestellt werden. — Am 1. April tritt Etadtkämmerer und Sparkassenrendant Detgmann in den Ruhestand, nachdem er volle 34 Jahre segensreich im Dienst« der Stadt gewirkt bat. Zu seinem Nachfolger wurde der Stadtfchreiber Ad. Brede gewählt.
Handel und Industrie.
* Berlin, 26. Ja«. 1912. Heute zeigte die Börf« abermals die fchon mehrere Tage anhaltende Utu cntfchloffenheit und Lustlosigkeit. Nur auf de« Montanmarkte konnte sich eine etwas lebhafter« Gefchäftslä'igkeit entwickeln, und einzelne Wert« stiegen. Auf dem Bankenmarkte herrschte vollständig« Geschäftsstille. Schiffahrtsaktien ruhig; Eiektrizitätfr werte wenig verändert.
y. Bad Wildlingen, 26. Jan. 1912. Die diesjährige ordentliche General»Versammlung der Bad Wildunger Heilquelle« Aktien-Ge- fellschaft Königsquelle fand gestern in Raffet statt. Der Geschäftsbericht bezeichnet daS abgelaufene Jahr als außerordentlich günstig, sowohl hinsichtlich dcs Wasserversandes, als auch für den Rur» und Badebetrieb. Der Versand der KönigSquell« ist gegen da» Vorjahr um fast 50 Prozent gestiegen, infolgedessen konnte zum ersten Male eine Dividend« von 3 Prozent genehmigt werden. In den Auf» sichtSrat wurden gewählt die Herren Hotelbesitzer ööhle-Wildungen als Vorsitzender, Karl Dietrich b» Firma Gebrüder Dietrich-Fritzlar al» Stellvertreter, Lehrer Drinhaus-Wildungen, RechtSanwalt Dr. Hey» Bremen, Rentier Koch-Wildunge«, Kaufmann Lar- big-Fritzlar, Kaufmann Liedmann - Sachienhausen, Rentier Ludwig-Hamburg und Gerichts-Assessor Schutte-W.nlrop in Münster. Sämtliche Beschlüsse und SBablen erfolgten einstimmig.
Reklamen- und Anzeigenteil. -
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Dr. Bommers Baematogen.
WARNUNG I Maa verlange au»- oröddlch den Namen Dr. Kommet
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Taonns
M Tuchler i.j Velbmten.
55] Rowan von Adele Böttcher.
„Tu hast recht", erwidert sie nach einer Pause Icije. »Wrr muffen unsere Freunde meiden. O Orlando, Orlando —" beschwörend hebt sie beide Hande — „so kann es nicht weiter gehen. Verdiene ich nicht em Fünkchen Mitleid? — Es ist wahr — ich wurde durch Betrug dein Weib; aber bedenke auch, daß du mir vorher deine Liebe gestanden und mich nm meine Hand gebeten hattest; — Es ift wahr — ich nahm deinen Antrag an, um mich vor Schande und Entbehrung zu schützen; aber bedenke wich, daß ich aus Liebe zu dir das große Berniögen inriuftme», daS dein Vater mir anbat, salls ich aus dich verzichtete! — Es ist wahr — ick habe gefehlt; aber bedenke auch, daß ich Hari gekämpft habe, um richtig zu handeln! — Es ist wahr — ich war er« barmlich schwach; aber bedenke auch, daß ich nur ein Weib frm!"
Mit ausgestreckten Armen steht sie vor 'hm; die übergroßen, angstvoll auf ihn gerichteten Augen drücken ihre ganze Qual aus. Ihre ganze Qual, aber auch — ihre ganze Siebe!
Stumm wendet Orlando sich ab. Regt sich nichts mehr in seinem Herzen für die Frau, die er so namenlos geliebt?
„Ich bin dein Weib! Du darfst mich nicht so ffemd und kalt ^handeln!" schluchzt sie auf, indem siE dar ihm niedersinkt. „Schilt- mich! Schlage derzeihfti"" 6u *Est! Aber — sage, daß du mir Zm^Dvch^u^ein» "Sr f2iUe Eiteren ** •’ \"’lr e‘üen Augenblick.
schrosß °U ' niedrigst dich!" erwidert er
„«ein?* ruft sic mit dem Mute der Verwveik- lung „Ich kann Mich nicht var dir erniebdgTn; denn — ich hebe dich, Orlando! Liebe dich mehr dis mein Leben'" y
Abgewandten Gesichte» beugt er sich über sie, um sie vom Boden aufzuheben.
Da ergreift sie mit krampfhaftem Druck seine Hände und flüstert in bebender Angst:
„Orlando, küsse mich, wenn auch du noch einen Funken von Liebe für mich fühlst! Orlando, Orlando--"
Er sieht sie starr an; dann schüttelt er den Kops und murmelt dumpf:
„Meine Liebe ist tot!"
Kein Laut kommt über ihre Lippen. Kein Senf- zer. Kein Aufschrei. In wortlosem Schmerz schleudert sie seine Hände von sich. Dann erhebt sie sich langsam vom Boden und verläßt gesenkten Hauptes das Zimmer.
Eine Zeitlang starrt Orlando bewegungslos auf die Tür, die sich hinter seinem Weibe geschlossen. Gewaltsam rafft er sich auf und geht in fein Gemach. Sein Blick fällt auf das Blumenkörbchen. Zuerst betrachtet er es völlig gleichgültig . . . Tann zieht er es näher zu sich heran; der erdige Geruch des Mooses erinnert ihn an das Gehölz neben fernem Häuschen in Frascati. Er beugt sich über die her- abbangenden Blüten und ahnet den frischen Dust
„Sonja hat sie hierher gestellt, um mir eine Freude zu machen," benft er, und ein erwärmendes Gefühl durchzittert sein Herz.
Aetzt gewahrt er das daneben liegende Kuvert. Wie mechanisch öffnet er es und überfliegt den In- halt. . .
Sonia, die Frühlingsblumen und sein idyllisches Heim in Frascati vermischen sich miteinander in seinen Gedanken ... Er sieht sein Weib vor sich in ihrem weißen Mullkleide, mit dem großen, hellen Etrvbhut; er fühlt die Berührung ihrer warmen Hand, als sie ihm eine Blume nach der anderen zum Strauße reicht; er hört ihr melodisches Lachen, als „Diana", der kleine Hund, mit tollen Sprüngen über die Beete jagt . . Welch frohe, glückliche Tage das waren! Sind sie wirklich für immer vorbei? . . . Sein Herz hämmert mächtig. Sollte es doch «och nicht tot fein — diele» 6er*? . , . Schlägt
es noch immer heiß, leidenschaftlich? Für sie — für Sonja, fein Weib? . . .
Ein befreiender Atemzug hebt seine Brust.
„Sonja! Meine Sonja!" flüstert er vor sich hin. „Ja, ich liebe dich noch!"
Vorsichtig öffnet er Die Tür nach dem Wohn- zimmer. Er will hin zu ihr, will ihr sagen, daß —
Plötzlich sinkt seine Hand wieder von der Türklinke herab; sein Fuß stockt. Wie, wenn ihrer Vereinigung Kinder entsprießen, die über ihre Mutter erröten mußten? Oder in deren Blut das uuglück- felige Erbteil der Mutter, des Großvaters, der ganzen Familie--! Barmherzigkeit! . . .
So, zwischen Herz und Grundsätzen hin und her schwankend steht er einige Augenblicke unschlüssig. Dann tritt er in fein Zimmer -mrnck, sinkt auf einen Stuhl, legt die Arme auf den Tisch und vergräbt baS Gesicht in den Händen . . .
Sonja, die in ihrem Gemach zusammengetauert in einem Sessel liegt, vernimmt das Ooffnen der Tür!
Wie elektrisiert springt sie empor und lauscht . . . Daß kann nur er sein! Er, ihr Gatte, der zu ihr will, um ihr seine Verzeihung zu bringen! Mit elementarer Gewalt zieht es sie hin zu ihm . . . Aus den Fußspitzen eilt sie in das dunkle Wohnzimmer und späht durch die halboffene Tür . . .
Dort sitzt er am Tisch, das Gesicht in den Händen vergraben. Unterdrücktes Schluchzen entringt sich seiner breiten Brrift Die ganze Haltung drückt namenloses Weh. tiefste Verzweiflung aus. Roch nie hat sie ihn so gesehen. Wo ist seine überlegene Ruhe geblieben ? Was ist es, das ihn so oeränOert haben kann? . . Da fällt ihr Blick auf das Blu- menlörbchen, das er zu sich heranaezogen hat. Eines der Schneeglöckchen liegt auf seiner Hand. Sein Arm ruht auf dem geöffneten Kuvert. . . .
Rur mit Mühe unterdriickt das bleiche Weib Dort auf der Schwelle einen Schrei der Verzweiflung.
Tas also ist es! Nicht an sein Weib denkt er; Graziella ist es, iint die er trauert! Erst jetzt kommt es ihm zum Bewußffein, was er mit Graziella ver
loren hat — jetzt, da es zu spät ist! Und er überläßt sich seinem Schmerz, feiner Reue . . .
Sonja fühlt eine plötzliche Schwere in den Gliedern. Ein Blutstrom schießt ihr zum Herzen. Gleich einer Rekonvaleszentin, die zu früh vom Krankenlager aufgestanden ist, taumelt sie nach ihrem Zimmer und finft wild anffchluchzend auf ihr Lager.
„Seine Liebe für mich ist — tot!" ächzt sie. „Er liebt Graziella! Allmächtiger Gott, wie soll Sa» enden?"
26.
Am nächsten Morgen verläßt Orlando bereits zu früher Stunde, noch bevor Sonja aufgestanden ist, seine Wohnung. Im Cafö Nazwnale nimmt ec seinen Kaffee und schlendert bann planlos hie Straße« auf und ab. Er hat die ganze Nacht gegrübelt, was aus ihm und Sonja werden soll, ohne zu einem Entschluß zu gelangen. Daß sie beide so nebeneinander nicht so weiterleben können, steht fest. Aber wat macken! Wa» macken!!
So rennt er weiter — planlos, ziellos, bis eine Menschenmenge feinen Schritt hemmt. Er steht vor der großen Musikhalle der „Societa musikale". Von riesigen Reklamezetteln leuchtet Der Name feiner Frau herab
Ein unerklärliches Verlangen packt ihn, Re noch einmal singen zu hören. Er nimmt ein Billet für die heutige Matinee und schließt sich der Menschenschlange an, die sich langsam in den Konzertsaal ringelt. In nervöser Ungeduld hört er den ersten Vorträgen zu. Als die Nummer, die Sonjas Lied von angehl, sich ihrem Ende zuncigt, beginnt sein Herz stürmisch zu pochen.
Wie stets, wird auch heute das Auftreten bet allbeliebten Marchesa Campaneüi mit Jubel begrüßt. Doch schon, alß sie dem Publikiim ihr And litz voll zuwendet, geht leises Gemurmel durch den Saal. Alles Licht und Leben scheint aus diesen starren Zügen geschwunden. Die großen Auge« tragen einen erloschenen, gleichsam toten Ausdruck. Jetzt beginnt sie zu fingen.
^Fortsetzung folgt.)