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JV5 19.

milleKl 24. Januar 19(2

39. Jahrgang.

* fuldaer ® Zeitung

2, Blatt.

Vruck und Verlag der znldaer Aetleatruckerri in Suita.

W WchMOlvahlen.

* üi-ln, 22. Ian. 1912. Solche Aufregung rote int Stichroahltage hat Köln uo^> nicht erlebt. In den Abendjiimde« durchzogen große Massen die Hauptver­kehrsstraße». Die Wahllokale waren dicht gefüllt, und namentlich vor den Zeüungsexpeoitionen, sowie vor dem sozialistischen Geroerkschafrshaufe sammelten sich große Volksmengen an, so daß der Verkehr in jenen Ttraßcn unterbunden war. In einer von vielen Tausend besuchten Zentrumsversammlung wurde am Abend der Ausgang der Wahl bekanntgegeben und unter allgemeiner Erbitterung verkündet, daß die Schlacht verloren ist. Zugleich wurde aus dem Ver­gleich mit den Ztssern der Hauptwahl festgestellt, daß Die Kölner Nalionalliberalen in großer Zahl sozialdemokratisch gewählt haben; in einzelnen Beztrken sind sie bis auf den leijte 11 Mann inS rote Lager abgeschwenlt. Justizrat Trimborn danUe den Wühlern für ihre Treue; er sei gefallen, aber in voller Ehre. (Brau|ende Zustimmung.) »Ich bin — so sagte er nach dem Bericht der,Kö!n. Bztg.' — nicht der Sozialdemokratie unterlegen, sondern dem Band- nis der Sozialdemokraten und der Liberalen. Der Ein­druck dieses Ereignisses wird in ganz Deutschland ein gewaltiger sein. Die traurige Tatsache möge sur srch reden ' Heute hat das Gros der liberalen Wähle, sozialdemokratisch gewählt; die .Kölnische Zeitung' und ihr ,S:ad!anzeiger' sind in letzter Zeit immer mehr in den Kurs des .Berliner Tageblattes' eingesteuert; diese beiden Blätter haben die Schuld an der Niedeitage des Bürgertums in Köln. (Sehr richtig!) Ader in freudigen Tagen haben wir uns immer daran erinnert, daß über der Zentrumsfahne die schwarz- iveiß-rvte Fahne stehen müsse; auch jetzt, wo wir unsere ruhmreiche Fahne traurig senken, bleiben wir treue Anhänger von Kaiser und Reich. Das Glück des Vaterlandes wird immer unser Leitstern fern." In das Hoch mlis Kaiser und Reich stimmte die Versammlung biaufeno ein; mit Begeisterung sang man He k Dir im Siegeskranz! Pfarrer Kastert, der Parteichef von Köln-Land, sühne u. a. aus: Den Sieg über das Zentrum in Köln habni unsere verbündeten Gegner errungen, nicht der einzelne Gegner hat gesiegt, lieber das Kö net Zentrum haben gesiegt die politische Un- danlbarkeit, dei Zenlrunuhaß; es waren keine sachliche Motive, es war der Haß! Es war der systematisch geübte Verrat uns gegenüber, namentlich seitens der Zungliberalen und Fortschrittler. Es hat gesiegt der Äthei?mus und es har gesiegt Der Antinationallismus. sSehr richtig!) Der Si-g ist erfochten worden durch Die Unwahr Hastigkeit und den Unanstaud. Indirekt trage Schuld auch Die verantwortliche Stelle der Regie­rung, Die in der Vergangenheit nichts getan habe, um jener verhängnisvollen Steuerhehe entgegenzutreten. Mit unserer Gutmü igteik ist's zu Ende! Für uns heißt-rs: Nichts vergessen und handeln! (Stürmische Zuiirmmung.) Wir werden jetzt unsere Organisal-on besser ausvauen. Wir sind ehrenvoll und stolz unterlegen, >vir sind ungebrochen. (Brausender Beifall.) Nun erst recht sür die Zukunft an die Arbeit, die rote Fahne muß wieder herunter und sie kommt wieder herunter, i Bravo!) Wir werden dafür sorgen, daß Köln jpäier wieder ivürdig im Reichstag ver­treten sein wird!

** Liberaler Protest in Rheinland-Westfalen. Tas Berliner Tagebl. läßt sich aus Essen melden, in weiten liberalen Kreisen, namentlich unter den Zungliberalen, herrsche über den „nationalen Kuhhandel" mit dem Zentrum große Empörung. Besonders heftig sei der Unmut in Essen. Das Blatt hält es für sicher, daß viele Tausende naiional- liberaler Wähler trotz einer entgegengesetzten Wahl­parole her Parteileitungen bei der Stichwahl ihre Gegnerschaft gegen das Zer^rum durch die Wahl des Sozialdemokraten dokumentieren werden. Als Stimmungsbild sei das hier festgehalten.

d* * Die Stichwahlen in Bayer«. Bayern hat 48 Reichoiagsmandate, von denen das Zentrum je nach beut Wahlglück 28—30 besitzt. Nur 1907 erhielt es durch Znsallsfiege 33 Diesmal Hat es 29 Sitze ge­wonnen, kann also ganz zufrieden fein. Leider ging Würzburg an die Noten verloren, die von "den Liberalen unterstützt waren. Würzburg ging schon einmal und zwar 1881 dem Zentrum verloren; da­mals fiel es an die Demokraten, jetzt an die Roten. Z w e i b r ii d e n, das 1907 vom Zentrum mit Hilfe der Roten erobert worden war, ist diesmal von den Liberalen mit Unterstützung der Roten zu- rückerobert worden. Das Zentrunr hat in der Stich­wahl um 844 Stimmen zugenommen, der Rotblock 1115 Stimmen verloren. Daß in Schweinfurt nnt> -Kronach das Zentrum und in Neustadt- Landau die Liberalen siegen würden, war selbst-

Zustihren in den deutschen Häfen steht andauernd ein sehr starker Bedarf gegenüber, so daß für bald greifbare Ware in den letzten Tagen Preise von 160 Mark cif Hamburg bewilligt wurden. Angesichts der hohen Gerstenpreife wendet sich das Interesse in stärkerem Maße dem Biaisangebot zu, und da sich auch zu Brennzwecken vermehrte Nachfrage be­merkbar inachte, so gestaltete sich das Geschäft bei um 3—6 Mk. gesteigerten Preisen ziemlich lebhaft. Die Knappheit des inländischen Hascrangebvts hat auch für diesen Artikel zu einer weiteren Erhöhung der Preise geführt. Der Konsum kaust zwar nur vorsichtig, ist aber schwach versorgt und muß die Forderungen bewilligen. Rußland ist kaum int Markte, Argentinien hielt auf höhere Forderungen. Die hohen Preise für sämtliche Futterartikel bringen es mit sich, daß viel Roggen von den Landwirten zu Futterzwecken zurückgehalten wird. Berücksich­tigt man außerdem, daß bereits 7 Monate seit der Ernte verstossen sind, in denen der Verbrauch ledig­lich aus das eigene Produkt angewiesen war und viel Material vom Export in Anspruch genommen wurde, so erscheint die Schwäche des inländischen Angebots durchaus begreiflich. Die Bkuhlen griffen allgemein stärker zu, während Slbgeber int Liefe­rungsgeschäft sehr vorsichtig waren. Für Weizen wirkten höhere Äuslandsforderungen sowie der an­dauernde Eisenbahnerstreik befestigend. Kleine Welwerschistungen, knappes JnlandsangeüSt und andauernde Nachfrage zum Export, namen ilich für italienische Rechnung beeinflußten die Tendenz in gleicher Sichtung, indes vermochten sich die Höchst­preise der Woche angesichts der milder gewordenen Witterung nicht zu behaupten.

Es stellten sich hi« Prelle für inländisches Getreide am letzten Markttage in Mark pro 1000 Kilogr. je nach Qualität, wobei das Mehr (-H bezro. Weniger (—) gegenüber der Vorwoche in Klammern 0 beigefügt ist wie folgt:

Weizen Roggen Hafer

Danzig 212 ( 4- 3) 186 ( 4-2’/.) 194 ( 4- 5)

Berlin 214 ( 4- 4 ) 195 ( 4-5*/.) 208 ( 4- 1’

Frankfurt 220 ( ) 200 (-bl) 207*/»(4-2*/.)

München 234 ( -f- 1 ) 215 ( + 1 ) 210 (4-4)

Weltmarktpreise: Weizen: Berlin Mai 219.00 (4-1.50), Budapest April 201.90 (-{- 2.60:, Liverpol März 173.10 (-s- 3.30), Paris Januar 220 95 ( 4-5 70), Chicago Mai 155 65 ( 4* 1.35). Roggen: Berlin Mai 198.25 ,-si 2.00). Hafer: Berlin Mai 195,75 (b 2.00). Futtergerste cif. Hamburg schroim. 158.00 (4- 6.75), Jan. 158 25 (-s- 7.00), Febr. März 158.50 (4- 1.00), Mais Mixed Jan.bisMär, 13600 (+3 50), O efsa schroim. 138.00 (-f- 4.00, März-Avril 135.00 (4- 5.00), La Plata Mai. Juni 123.00 (4- 3.00) Mk. ver 1000 Kilogr.

Verständlich. Erfreulich ist der Sieg in Augs­burg, wo der Liberalismus sich aus Leibeskräften bemüht hat, das Zentrum zu Fall zu bringen. Bon den 8400 liberalen Wählern der Hauptwahl sind mindestens 7400 für den Sozialdemokraten zur Wahl gegangen, so schlecht der Liberalismus die Sozialdemokratie auch anderweitig gemacht hat. Die vereinigten Gegner brachten 18 284 Stimmen auf, über die das Zentrum mit 18785 Stimmen siegte. Das Zentrum hat gegenüber der Hauptwahl noch über 1500 Stimmen eigene Reserven ausgebracht. Immenstadt wurde trotz größter Anstrengung mch- zurückgewonnen, aber das Zentrum vermehrte seine Stimmenzahl aus der Hauptivahl noch um säst 1000, und die Mehrheit des Rotblockes beträgt mir mehr 700 Stimmen. Daß Straubing, dieser ewig unsichere Wahlkreis, an den Bauernbund ver­loren gehen würde war vorauszusehen.

Ans dem Rachbargebieie.

* Aus der Rhön, 21. Ian. 1912. Die Bahn Mellrichstadt-Fladungen war im Jahre 1910 eine der rentabelsten Lokalbahnen in Bayern; sic ren­tierte mit 8,58 Pro;.: es folgt dann die Lokalbahn Neustadt-Bischofsheim v. d. Rhöhn mit 3,69 Proz.

* Frankenheim (Rhön), 22. Ian. 1912. Gestern abend verunglückren drei Leubacher Einwohner ans der steilen Strafe von Frankenheim nach Leubach mit einem Handschlitten. Sie verloren bei dem starken Glatteis die Herrschakt über den Schlitten und fließen mit großer Gewalt gegen einen Baum. Ter Anprall war so hektig, daß einer von den Fahrern, Markus Beriet, tödlich ver­letzt wurde. Heute ist er seinen Verletzungen er« l-gen. Die Ellern, bereit einziger Sohn der Ver­schiedene war, werden lief bedauert.

* Vom Kieuzberge, 23. Jan. 1912. Das sil­berne Profegjubiläum begeht beuer im Franziskanerorden (Fratres minores S. Franciscii) der allen Besuchern des Kreuzbcrges (Rhön) be­kannte Frater Wendelinus Ables ans Lahm.

-b Schweben, 22. Jan. 1912. Mit der gestrigen Mv n a tsversammlu ng des hiesigen Ar­beitervereins war Line Kaisergeburtstagsfeier verbunden. Der Besler sche Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Die zündende Festrede hielt der Präses, Herr Kaplan Ellenbrand von Flieden.

* Hanau, 21. Jan. 1912. Am Bahngeleise in der Nähe der Stockstadter Brücke wurde der pensio­nierte Bahnwärter Konrad Schmitt tot aufge­sund e n. Er war offenbar in trunkenem Zustande zu Fall gekommen und ist erfroren.

* Griesheim, 22. Jan. 1912. Die Frau des Lehrers Pracht erlitt t *+Ige der Explosion des Herdes schwere Brandwunden.

* Heiligenstadt, 21. Jan. 1912. Eine unge­mein rohe Tat, die in der Stadt große Entstö­rung hervorgerufen hatte, fand vor dem hiesigen Schöffengericht ihre Sübne. Die wegen Körperver­letzung schon bäusig vorbestraften Gebrüder Metze von hier hatten im Herbst v. I. einen in den Fe­rien hier weilenden Lehrer ohne irgendwelche Ver­anlassung an der belebtesten Stelle der Haustlstratze roh beschimpft, dann tätlich angegriffen und schließ­lich in ein Haus geschleppt, die Haustür verriegelt und den Lehrer gemeinschaftlich verprügelt und übel zugerichtct. Für diese Körperverletzung diktierte das Gericht dem einen Angeklagten vier Mon ate, dem andern drei Monate Gefängnis zu unter Versagung milvernder Umstände. — In Kreuzever sind die Scheunen und Stallungen von drei Ge­höften mit großen Erutevorräten niedergebrannt.

Amt Geisa und Umgebung.

* Kaltensundheim, 22. Jan. 1912. Hier ist eine Diphtherie-Epidemie unter den Kindern ausgebrochen. Behördlicherseits ist bis auf Weiteres der "Schulschluß verfügt worden.

* Bacha, 22. Jan. 1912. Ein in der Ladestraße auf dem hiesigen Bahnhof stehender Waggon der Engelhardtschen Brauerei geriet i n B r a n d. Da das Feuer sofort bemerkt wurde, konnte es, ohne

größeren Schaden anznrichten, gelöscht werden. Das Feue» ist wahrscheinlich durch Ueberheizung des Wa­gens entstanden.

♦ Buttlar, 22. Jan. 1912. In der historischen Heimschen Gastwirtschaft war abends ein Essen- brand ausgebrochen. Dem sofortigen Eingreifen einiger beherzter Männer, als auch dem guten Funk­tionieren der Waffcrleiiung ist es zu verdanken, daß das Feuer, ohne größeren Schaden anzurichten, ge­löscht werden konnte.

♦ Merkers, 23. Jan. 1912. Zwischen streikenden Arbeitern vom Badubau und hiesigen Bauern kam es in einer Wirtschaft zum Streite. Der Wirt ließ Ben Bürgermeister kommen, dem es gelang, die Störenfriede ins Freie zu transportieren. Jetzt ging es aber erst richtig los. Mit Steinen, Stöcken und sor fügen Gegenständen wurde gekämpft und es entwickelte sich eine regelrechte Schlacht. Mehrere Personen trugen zum Teil schwere Ver­letzungen davon.

Ans Gberhesien u. den Hess. Aemtern.

* Kirchhain, 22. Jan. 1912. In der am 19. d. M. aögc-haltenen Sitzung der Stadtverord­netenversammlung wurde der eingegangene Einspruch gegen die Wahl des Stadtverordnetenvor- stehers abgelehnt und dieselbe für giltig erklärt. Dem Erwerb von Grundeigentum, sowie einer kleinen Kanalanlage wurde zugestimmt und das Schulgeld für die Rektoratschule in gleicher Höhe wie bisher auch sür das Jahr 1912 genehmigt.

* Treysa, 23. Jan. 1912. In der Anstalt He- phata trug sich dieser Tage ein bedauerlicher llnfnll zu. Das etwa 1 Jahr alte Söhnchen eines dort angestelltenArztes stieß, als er gebadet werden sollte, einen Eimer mit heißem Wasser um. Er erlitt dabei derartige Verletzungen, daß er nach einigen Stunden starb.

* Willingshausen, 22. Jan. 1912. Zwei Holz­hauer gerieten wegen der Reichstagswahl in Streit, in Verlauf dessen der eine von seinem Arbeitskollegen derart mit der Axt in den Rücken gehauen wurde, daß er schwere Verletzungen erlitt und sich in ärztliche Bebcwdluncr begeh;n mußte.

* Fritzlar, 22. Jan. 1912. Ein tragisches Ge­schick ereilte in der Nacht zum Sonntag den 39 Jahre alten Schuhmachergesellen des hiesigen Schuhmachermeifters Ncumeier. Der Geselle wurde im Hausflur in einer großen Blutlache liegend, be­sinnungslos vorgefunden. Vermutlich ist der Mann nachts in betrunkenem Zustande nach Hause und dann auf der Trevpe derart zu Fall gekommen, daß er eine klaffende Kopfwunde davontrug, deren Blut- Verlust ihm die Besinnung raubte. Im Hospital ifl er nun noch int Lause desselben Morgens, ohne dal Beton ßtsein wiedererlangt zu haben, gestorben.

Handel und Industrie.

* Berlin, 23. Jan. 1912. Die Börse zeigte heute noch eine weit größere Vcrstim nung wie gesterc Trotzdem stiegen einige 'l'iontanatticn über den gestrigen Kursstand. Bankaktien stagnierten durch­weg. Schiffahrtsaktien still. Elektrizitätswerte fast unverändert.

Kurier Getreide-Wochenbericht

der Preisbcrichtssielle des deutschen,Landwirtschaft­rats vom 16. bis 22. Januar 1912

Die Aufwärtsbewegung auf dem Getreideniarkt hat in der Benchtswoche weitere Fortschritte ge­macht, wobei die Anregung in der Hauptsache von der festen Situation für Futterartikel ausging. Die ohnehin schon ungewöhnlich hohen Preise für rus­sische Futtergerste haben weiter scharf angezogen, und man kann die seltene Beobachtung machen, daß die Cif-Forderungen für diesen Artikel sich um ca. 8—10 Mark höher stellen als für den an sich schon teuren russischen Roggen. Der Umstand, daß auch zu den so gestiegenen Preisen nur wenig russisches Angebot herauskommt, deutet darauf hin, daß die Ware dort tatsächlich knapp ist, was sich übrigens in den geringen Verschiffungen der letzten Wochen zum Ausdruck bringt. Den infolgedeffen geringen

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M Tochter H Mannten.

52 Rowan von Adele Böttcher.

Richt nur, daß mit dem schwarzen Diamanten das Erbteil fäner geliebten Tochter empfindlich gc- schmälert wurde — es will dem jovialen Manne nicht in den Kops, daß jemand von seiner erprobten Dienerschaft, bet er stets der gütigste, uneigennützig- vE Herr Ivar, ihn bestohlen haben könne. Die nicht " selbstverständlich dabei überhaupt

$eulc „wieder blickt er den „feuer- und r xS; ' IST Geldschrank, dessen Sicherheit sich als InpiTcn^ erwies, wehmütig an. Wo mag es SS ' f L nirc/ Klemod: sein schwarzer Dia- WeI beneidet worden war?

6 r rL-.et “l’ei die Augen — är- 0etM über sich selbst datz ^nte der Verlust, «X C1'Ja^fLtiTCXUnbes Raubte, besonders nahe schuht “ Geldschrank und schickt rügen"' bem de'sp'el ferner Frau und Tochter zu Da tritt fein Diener ein und überreicht ibm ein braunes Reife-Necessaire nebst einem Brief — mit dem Bemerken, der Ueberbringer warte unten in der Halle auf Antwort.

Erstaunt öffnet der Oberst das Kuvert, das die et.ner. bekannten internationalen Kommis­falt bat"*“1 ,n Hamburg trägt und folgenden Jn-

Sehr geehrter Herr Oberst!

trauenspe^," b^,e'r^|nen durch eine Ber- mit stäb^^^Lnledernes Re se-Necessaire mania Nr N) t ? dem Stempel Ger- «ÄhSÄ ®»“<« ®«, M "ft. und d«, mlfcgmfi1 torrihen ßrfilnffi'i ^nipfangsschetn unter« S0Tgm M ne6ft «««enden Zeilen folgt Hochachtungsvoll

Zimmermann, Lewv u. G«

Der Oberst besichtigt das Necessaire eingehend und unterzeichnet den Empfangsschein. Dann nimmt er die geheimnisvolle Tasche mit sich in sein Zimmer nnd begibt sich zu Bett.

Schlafen? . . . Keine Spur. Die ganze Nacht hindurch rumort dem guten Oberst die mystische Sendung im Kopf herum . . . Will es denn gar nicht Morgen werden? Endlich rötet sich der öst­liche Himmel.

Graziella nnd ihre Mutter schlafen noch fest — da ist der Oberst Morgano schon auf den Beinen. Boll fieberhafter Ungeduld erwartet er den Brief­träger. Endlich — endlich hält er einen eingeschrie­benen Brief in den Händen, in dem er einen sta­chen Schlüssel fühlt.

Ohne feiner Frau und Tochter, die gerade beim Frühstück sitzen, Mitteilung davon zu machen, eilt der Oberst hinauf in fein Zimmer. Hastig steckt er den kleinen, seltsam geformten Schlüssel ins Schloß des geheimnisvollen Necessaires und dreht ihn her­um. Das Schloß springt auf. Er überstiegt den Inhalt des Necessaires. Nichts wie Toilettegegen­stände! Nacheinander nimmt et all die kleinen Flacons, Bürsten, Kämme, das Rasierzeua, die Seife heraus und legt sie enttäuscht wieder an ihren Platz.

„Per bacco! Was soll das heißen? Weshalb schickt man ihm dieses alte Ding, das kaum zwanzig Beranken wert ist. durch eine Bertrauensperion ans amburg?"

Mißmutig dreht er das Kartonpapier, auf dem der Schlüssel ausgenäht war, zwischen den Fingern.

„Halt! Steht da nicht etwas geschrieben?"

„Weichen Sie die Seife in heißem Wasser auf! Wenn Sie dann etwas finden, das Ihnen S^rcude bereitet, so forschen Sie nicht nach dem rheber der Ueberraschung!"

Graziella und ihre Mutter, die in gewöhntet Ruhe im Nebenzimmer ihr Frühstück zu sich neh­men, werden plötzlich durch einen aufgeregten Ruf des Vaters aufgeschreckt.

„Graziella! Graziella! . . . Heißes Wasser! Einen Topf heißes Wasser! Rasch, Rasch!"

Schweigend gehorcht das Mädchen. Das ver­störte Aussehen des Vaters beunruhigt sie.

„Gieß das Master in diese Schüssel — so!"

Aengstlich blickt Graziella bald auf ihren Vater, bald auf das Stück Seife, das er mit bebenden Hän­den in die Schüssel geworfen hat.

„Mehr Wasser drauf! Mehr!" ruft der Oberst aufgeregt. „Brauchst mich nicht so anzusehen! Ich bin nicht verrückt . . . O Himmel, wenn sich nur nicht jemand einen grausamen Scherz mit mir macht!"

In fieberhafter Hast tauchte er seine Hände ins Wasser und hilft durch Reiben der Seife nach — reibt und reibt--

Jetzt tritt Signora Morgano ein und bleibt ver­blüfft ob des eigentümlichen Anblicks an der Türe stehen. Bon Zeit zu Zeit hält der Oberst das im­mer kleiner werdende Stück Seife vor die Augen und kratzt mit dem Fingernagel daran herum.

Dann reibt er wieder — und reibt--

„Allmächtiger Gott, es ist wabr!" ruft er plötz­lich mit vor Erregung heiserer Stimme. ,„Kommt 6er, mein teures Weib, mein geliebtes Kind! Seht ihr hier den glänzenden dunklen Punkt in der Seife? ... Es ist euer Vermögen! Mein verloren gegan­gener schwatzt Diamant!"

An demselben Tage noch sucht der überglückliche Oberst Orlando Eampanelli auf, um ihm die wun­derbare Neuigkeit mitzuteilen.

Zu seiner VerwnndertM zeigt Orlando nicht das geringste Erstaunen. Nut ein mattes Lächeln huscht über seine bleichen Züge, als er ihm mit wenig Worten gratuliert.

Uebethaupt gefällt Orlando dem Oberst ganz und gar nicht. Als er ihn nach seiner Frau fragt, zuckt „der Junge" schweigend die Achseln. Und als er sich „als väterlicher Freund" erkundigt, ob das junge Paar sonst irgendwelche Sorgen habe, schüttelt er finster den Kopf. /

e Als er ihm aber schließlich gutgemeinte Bor- würfe über ferne Verschlossenheit macht — da reicht Orlando ihm mit traurigem Lächeln die Hand.

„Ich danke Ihnen von Hetzen, lieber Oberst: aber mir kann niemand helfen. Ich muß meine Sorgen allein tragen. Glauben Sie mir — von keinem Menschen auf der Welt würde ich liebet ein Darlehen aunehmen ,als von Ihnen Doch in die­sem Fall ist es unmöglich."

Kopffchnttelnd entfernt sich der Oberst wieder.

Orlando aber nimmt einen Brief aus feinem Portefeuille, den die Frühpost gebracht und setzt sich zur Beantwortung desselben an den Schreibtisch.

Der Brief ist von dem alten Samueloff und lautet:

„Mein Sohn! Wenn Sie diese Zeilen erhal­ten, ist der Stein wieder int Besitz des Oberst Morgano. Sie sehen, ich habe mein Wort gehab­ten. Nun halten Sie das Ihre. Ich steige im Hotel de 1'EuroPe ab und gedenke aus naheliegen­den Gründen morgen abend Rom wieder zu ver­lassen. Schicken Sie mir einen Wechsel oder Scheck, auf die vereinbarte Summe lautend, zahlbar an Boris Samueloff alias Orloff nach dem Hotel. Nach Erhalt desselben wird Ihr Schuldschein um­gehend retourniert.

Mit den herzlichsten Wünschen für Ihr und meiner teuren Enkelin Wohlergehen

Ihr zärtlicher Großvater.'

*

In seiner Herzensfreude hält der gute Oberst mit der Nachricht, daß sein verloren gegangener Diamant sich wiedergefnnden, nicht hinter dem Berge. In den Abendblättern bereits kann man die Notiz lesen. Und am anderen Tage weiß es „ganz Rom".

Auch der Makler Edward Morrnou.

Zuerst ärgert er sich ein wenig, daß der Diamant ohne sein Zuttm, wie er es so schön geplant, in den Besitz seines rechttnäßioeu Eigentümers kam. Dann ergibt er sich darein, da es ja nun feststeht, daß der „alte Schurke" wenigstens diesmal Wort gehalten hat — wenn es auch zu seinem eigenen Vorteil ist.

An demselben Abend noch wird er auf Telephon gerufen. (Fortsetzung folgt.)