JV> 15.
Frettas 19. Januar 19U
59 Zatzrgang.
* fuldaer M Leitung
2. Blatt.
Drutt und v»I«g ter Sulbctr Lelienkr ck-eei in $wl6e.
Aus dem Vachbargebiele
Deutsches Reich.
funbeit.
sann nicht ncichgeahmj werden, weil Ecolls Emulsion die tinjicte nach dem Erotischen Verfahren hergestellte, seit 35 Jahren Gewährte Leber tictn-Emulsion ist.
Darum nur die echte Seoitr Lmnlfion.
Zwei Zliegen aus einen Schlag
glaubt mancher zu sangen, der sich zum An- sauf einer Nachahmung von ScoilS Emulsion verleiten läßt, die billiger aber ..eben so
Hebet die Beamtenbrsoldungsresorm bestehen ix ten 5treifen der zunächst Beteiligten, der Beamten selbst, teilweise noch recht irrige Ansichten, speziell hinsichtlich der Stellung, die das Zentrum zu ihr einqcuvuime« Hal und nach Lage der Dinge em- nehmen mußte, sso s triims die Sache so dar, als wenn die
Jungfrauenkongregation wird am 21. d.Mls. I abends */i7 Uhr im Saale der Bewahranstalt zum zweiten Male das religiöse und tiefergreisende Sckau- piel „Syra" aufführen. Das Stück führt uns in jene Zeit, in der glaubensstarke Christen aus allen Schichte» ver römischen Bevölkerung mutig für die hl. Lehre Christi Gut und Blut opferten. Auch ein mit köstlichem Humor gewürztes Lustspiel wird seine Wirkung nicht verfehlen Die Pausen wird in dankenswerter Weise die Musikkapelle des Männervereins unter ter bewährten Leitung des Herrn Lehrers Rausch aussiillen. Bemerkt sei noch, i aß der Neberschnb aus dem Thealererlös in gewohnter Weise unferm Herrn Pfarrer für löbliche Zwecke übergeben wird.
?'Zohannerberg, 18. Ian. 1912 Wie schon kurz gemeldet, feierten" vorgestern die Eheleute Schäfer Konrad und Katharina Krönung von Harmerz ihre goldene Hochzeit. In dcr Pfarrkirche zu Johannesberg fand die kirchliche Feier statt. Aus Anlaß deZ 50jährigen Ehejubiläums wurde dem Paare durch Herrn Dechant Wiegand ein Geldgeschenk von 50 Akk. von Er. Majestät dem König und Kaiser überreicht. Tie Schashaller von Har- nierz^ überreichten e n Geschenk von 20 Mk. und diejenige von Z rlenbach ein Geldgeschenk von 30 Mark, um ihrer Anelkennuug für die treuen Dienste Ausdruck zu geben, die der Jndelehemann ihnen als Schäfer geleistet hat. Auch von anderer
•w..» Xah. I abgehalten, der soeben mit einer glänzenden Ab-
Aus OCIH llGd)vQrQ(DUl€. schliitzprüsung beendet wurde. Die Stadtverwaltung .. PeterSbera, 18. Jan. 1912. Unsere Mariamsche hatte das Lokal frei zur Verfügung gestellt. Zu der - '■ — O1 *■ m,f> ' Abschlußprüfung hatten sich Vertreter der Hand
werkskammer Erfurt und der Stadtbehörde einge-
Er fährt in die Höbe. Hat Sonja während der ganzen Zeit da gestanden? Oder ist sie foeüen erst aus ihrem Zimmer gekommen, in der Meinung, er habe jetzt seinem Merger lange genug die Zügel schießen lassenL — Was erschien ihr am vorteilhafte,len — ihr, der gelehrigen Schülerin des herzlosen, heuchlerischen alten — Samueloff?
„Gitte Nacht, lieber Orlando!" wiederholt sie etwas lauter, wenn auch mit noch merklich bebender Stimme, die Hand leise auf fein n Arm legend.
„Gute Nacht! "
Sein Ton ist eisigkalt, die Bewegung, mit dec er sich bet Berührung entzieht, schroff.
Ein Merndo-Seufzer — ein paar leise Schritte — das Schließen einer Tür — dann ist alles wieder still.
Orlando wendet sich um. Sonja hat das Zimmer verlassen.
Einem plötzlichen Impulse folgend, springt er auf und will ihr nacheilen.
Da fallen ihm die Worte seines Vaters ein: ich kenne deine zärtliche Natur besser als du selbst, mein Soh«. Diese Frau wird ihre Künste aufs neue und nicht vergeben? an dir versuchen —" „Erbärmliche Schwäche!" preßt er zwischen dm Zähnen hervor, indem er die Türklinke wieder los-
läßt.
Dann nimmt er seinen Hui und eilt die Treppe hinab — hinaus ins Freie.
In ihrem. Schlafzimmer aber liegt Sonja auf den Anim und birgt das tränmfeuchte Antlitz in den Händen. Ach, das goldene Wort, das sich lind heranschmeichelt an schmerzhaft aufzuckende Herzen, das goldene Wort, bei deffm süßem Klang cs in der stürmischen Brust ruhiger klopft, bis plötzlich die Amre sich offnen und die wunden Herzen in alter treuer
Handel und Industrie.
♦ Berlin, 18. Jan. 19H. Die Börse eröffnete mit sehr niedrigen Preisen, zeigte aber eine feste Grtindstimmung. Emzeine Montanwerie zogen au Sckpffahrtsattlen ge ragt. Bankenmarkt lag voll ständig still. Elekttizilälsivcrle ebenfalls still uni teilweise umsatzlos.
gut* sein soll. Der
Irrtum
stellt sich indes bald heraus, wenn man gewahr wird, daß nur die äußere Verpackung, diese ci'.'crdings bi5 an die Grenze des Er'audten, nach- geahml ist, denn der Inhalt, Scotts Emulsion selbst.
So ffir ist e$, daß Orlando glaubt, sie habe das Zimmer verlassen. Mechanisch blatt', rt er die Seiten des Buches um und überfliegt die Zeilen, ohne den Sinn zu verstehen. —
„Gute Rächt!" murmelt plötzlich ihre vor Tränen fast erstickte Stimme dicht hinter ihm.
vermischtes.
* Hätte und Eis. Der Frost hat dcu seit Jahren nicht mehr cuigehclcncn Stillstand des Eises auf der Elbe ds weit oberhalb Mazdeburgs bc- w.rkt.
* Als ein schlagfertiger Eheftandskaudidat erwies sich auf dem Bcrlin-Wilmersdorfer Standesamt ein Bräutigam, bet feiner Gereiztheit über das Zu-
Sie Tchler LerbmiM.
47 Roman von Adele Böttcher.
Zum ersten Mal blickt er sie an — erstaunt, wie aus einem Traum erwachend.
„Womit anfangen?"
„Mit unserem Buch. In einem Monat muß eS beendet sein."
„Ach, das Buch! Dar hatte ich ganz vergessen."
Seine Stimme klingt hart, rauh.
In ängstlicher Spannung folgt sie feinen Bewegungen, als er rasch zum Schreibtisch grht und das Manuskript aus der Schublade nimmt.
„Alles Lüge, Falschheit, Heuchelei!" knirscht er, mit einem finsteren Blick auf dir eng beschriebenen
Amt Geisa und Umgebung.
• Geisa, 17. Jan. 1912. Der Schachiarbcfter Hofmann von hier, der in den Echachtanlagen bei Oechsen beschäftigt ist, wurde durch einen herunter« fallender Kübel getroffen und schwer verletzt.
* Bach«, 17. Jan. 1912. In der Lydingschen Maschinensadrik wurde einem jungen Mann aus Sünna von der Hobelmaschine drei Finger weg- aerissen. Ter Verletzte wurde dem hiesigen Krankenhanse nberlührt.
* Te mbach. 17. Jan. 1912. I» der gestern abgebaLeuen Generalversammlung des Turnvereins wurde n. a. beschlossen, da; 40jährige Bestehen des Vereins im Juni oder Juli d. I. durch eine größere Festlichleit zu feiern.
* Buttlar, 17. Jan. 1912. Entgegen anderslautenden Gerüchten teilt die Verwaltung des Kali- bergwerks „Buttlar" mit, daß die Werksarbetten einen normalen Verlauf nehmen. Tas grotze Elektrizitätswerk wird in ungefähr 2 bis 3 Wochen soweit fertiggestellt sein, daß es Strom liefern kann. Die bereits eingebauten großen Ab- teuspnmpen werden alsdann sofort in Betrieb genommen und dürften die Arbeiten nach Jnbetrreb- nahme der Pumpen flotter voran schreiten.
* Aus Thiinnzku. 18. Jan. 1912. In der Ilm. gebung von Jena findet man viele Meisen, Stieg« tttze, Finken, Goldammern usw. erfroren, Opfer der , roßen Sülle. Selbst Krähen erliegen der Kälte und dem Hunger. Man sieht daran, wi: berechtigt die Mahnung ist, dcr hungernden Vögel zu gedenken. — In Zeitz ist ein großes Tapetenlager ! durch Feuer vernichtet worden. — Bei Hörschel wurde eine ä'ierc Flau toi aus der Hörsel gezogen. Sie war in einem Anfall geistiger Umnachtnnz ins Wasser gegangen. — Auf behördliche Anregung haben die Gemembcn Ruhla, Eichrodt, Gerstungen und llnterhrbl beschlossen ein Orlsstatut zum Schutz des LandschastSblldes gegen Verunstaltungeu mancherlei Art zu erlassen. - In der Papierfabrik von Wittig in Wernshausen entstand ein größeres Schadenreuer. * er Brand nabm gleich einen solchen Umfang an, daß das ganze Embttffement als ver- loun gilt. Die Fcuerwchr war sowrt zur Stelle, ooch dauerte es längere Zeit, b 3 d e Spritzen in Funktion treten konnten, der die Werra zugefroren ist.
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Liebe aneinandeischlagen — es blieb uugefpcochen. Das strahlende, segenspendwde Himmelswort:
„Ich oerzeibe dir!"
22.
Edivard Moiiison ist ait§ Florenz wieder heim gekehrt. Länger, als er gedacht, war er durch die verwickelten ErbschaftSverhälti'.iffe dort zurückgehalten toorbn. m
Als er in den Zeitungen von der Vermahlung der Prinzessin Orlofs mit dem jungen Marchese Orlando Campanelli gelesen nnb auch später von bei: Erfolgen der jungen Marchefa — da hatte sich sein mahnendes Gewissen etwas beruhigt.
AileS scheint zum Guten ausgelaufen zu sein und er braucht sich keine Vorwürfe zu machen, daß er damals aus Geschäftsinteressen jenen „Thealer- coup" mit den russischen Flüchtlingen arrangierte.
Um so itrtangenebmer überrascht ist er, als er jetzt bei seiner Heimkehr allerhand seltsame Dinge erfährt — durch feinen Burochef Roberts, wie auch durch den Detektiv Tofelli. Auch von seinem alten Geschäftsfreund Goldstein in Hamburg erhalt er mysteriöse Andeutungen in bezug ans einen gewissen großen schwarzen Diamanten, der sich in Hamburg befinden soll. Und was ihm nicht mitgeteilt wird, das reimt sein schlauer Kopf sich selbst zusammen.
Hm, hm — wer hätte das gedacht — damals, als er den alten Russen und seiner schonen Enkelin Gastfreundschaft in der Billa Morrison gewahrte! — Fatal! Wirklich.fatal! —
Am peinlichsten jedoch berührt es ihn, als wenige Tage nach seiner Heimkehr Orlando Campanelli ihn in seinem Büro aufsucht und er in dem Wesen, ja selbst in dem Aeußern des jungen Mannes eine große Veränderung wahmimmt.
Nach einer guten Viertelstunde verläßt Orlando wieder das Büro. Edward Morrison aber stützt nachdenklich den Kopf in die Hand und überlegt. —
Zwar hat auch Orlando ihm nicht völlig reuten Wein eingeschenkt, sondern nur erklärt, er müsse binnen wenig Tagen eine Ehrenschuld von Lwethun- derttausend Franken bezahlen und er, Edivard Kot« rifott, möge ihm dabei behilflich sein. Aber auch
Stile wurde dis Paar reich beschenkt.
! Pfaffenhansen, 16. Jan. 1912. Ein Akt roher Gewalt wurde wä,rend der letzten Feiertage hier zum drittelt Male au der Schule verübt. In der I Abwesenheit deS Lehrers zertrümmerte matt dre nach I Dem letzten Einbrüche mit schweren Eiseniiegeln versehene Schultüte rind suchte Den Schulschrant zu erbrechen, der aber dank seiner festen Bauart den I rohen Fäusten widerstand.
* Salmünster, 18. Jati. 1912. Zum Tode des Amtsgerichtstats Rothe wird int „Kasseler Tageblatt" u. a. geschrieben: Rothe galt innerhalb unserer hessischen Richterkreise für einen der feinsten Köpfe. Von idealer Auffassung seines Richterberufes erfüllt, verband er mit juristischem Scharfsinn äußerste Ge- wisseithaftigkeit ht der Verwaltung des ihm anver- trautcu Amtes, und mit besonderem Erfolg widmete er 'sich der Ausbildung der jungen Juristen, die Tal- münfter mit Vorliebe aufsuchten, um dort unter seiner Anleitung zu arbeiten.
* Bad Kissinger,, 18. Jan. 1912. Mittelst Einbruch wurden nachts aus einer hiesigen Wohnung | zirka 120 Mk. gestohlen. Damit der Dieb nicht gestört werde, schloß er die im festen Schlafe liegenden Bewohner in ihr Scblassimmer ein.
* Bingen, 18. Jan. 1912. Tas Bingetter k a- t h o l i sch'e V e re i n s h a u s , der alte Mainzer Hof, ist in der letzten Rächt einer Feuersbrunst zum Opfer gefallen.' Gegen 4 Uhr brach im Dachstuhl Schadenfeuer aus, das sich mit großer Schttel- ligkeit über den gesamten Gebäudekomplex verbreitete und sämtliche Battlichkeiteu ei n -1 äscherte. Seit Menschengedenken war kein solcher Brand in Bingen. Das Verein shaus war vor 15 Jahren erst umgebaut und beit Anforderungen | der Neuzeit entsprechend eingerichtet worden. Es verfügte u. a. über den größten Saal von Bingen mit bett modernsten Einrichtungen. Die große Bibliothek, die sich im Mainzer Hof befand, verbrannte. Glücklicherweise ist der Verlust von Menscheitleben bei dem Brande nicht zu beklagen. Sämtlichen Jnsaffett gelang es, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Berücksichtigt man, daß der Mainzer Hof eines der ältesten Bauwerke von Bingen ist, dessen Eigenart auch beim Umbau vollständig gewahrt bljeb, dann kann inan ermessen, welche ideellen Werte neben den materiellen ein Raub der Flammen wurden. ®*.e im Mainzer Hof befindlichen Akten, politischer und anderer Art, founten nut zum Teil in Sicherheit gebracht werden. Der Feuerwehrmann Kaal ist von der zweiten Etage abgestürzt und wurde mit schweren Verletzungen ins Hospital gebracht. Viele Fahnen und wertvolles sonstiges Material ist verbrannt z gerettet wurde fast nichts. ,
* Bom fciwfdbe, 18. Jan. 1912. Die Hand- werkerinnenbewegungaufdemEichs- felde hot jetzt einen schönen Erfolg cm>zuweuen. In der Stadt Dingelstädt wurde der erste Meiswrümenkursus für weibliche Handwerke .men
pätkommen seiner Brant in einer schallenden B» grüßungsohrfeige Ausdruck verlieh. Dieser au sich etwas eigenartigen Einleitung zu dem feierlichen Akt der Eheschließung ließ der junge Gatte nach Beendigung der standesamtlichen Zeremonie beim Ver- lassen des Standesamts ein Nachspiel in gleicher Gestalt folgen, und zwar so ausgiebig, daß die Verwandten und Trauzeugen, wie vom Wind zerstoben, ich nach allen Windrichtungen zerstreuten. Ans dem sonst so beliebten Standesamtsschoppen —- auch Ehestandsschoppen — konnte natürlich nichts werden.
* Die Aussicht eines Grubenarbeiterstreiks in England hat in Londo it wie die Ankündigung eines nationalen Unglücks gewirst. Es beginnt sich eine gewisse Panik der Bevölkerung zu bemächtigen, die sich darin zeigt, daß man nie so viel Kohlenwagen durch die Straßen fahren sah, wie feit ein Paar Tagen. Man hat ausgerechnet, daß Loudon nicht ein- mal zwei Wochen ohne Kohlen leben könnte, daß nach Verlauf von noch nicht einem halben Monat das Feuerungsmaterial fehlen müßte, so daß das elektrische Licht und das Gaslicht ausgehen und alle Beförderungsmittel für Waren und Menschen still- steheu würden. Da rüstet man sich denn wie für einen Krieg. Und überall sieht man Kohlenzufuhren, wie wenn ein sibirischer Winter vor der Türe stände. Die Preise sind stark gestiegen. Bor allem sieht sich auch die Admiralität vor. In der Chatamwerft werden seit einigen Taoen von Hunderten von Aushilss- arbeitern Gleise gelegt, um dort ein Riescnkohle u l a g e r für die Flotte zu errichten. Die Admiralität hat sich in Südwales 100 000 Taimen Kohlen gesichert, um ja nicht in Verlegenheit zu kommen, doch hofft man immer noch, daß bis zum 1. März, au dem der Streik beginnen würde, eine Schlichtung der Streitfrage möglich fein wirb.
* Das Schülerattentat in Suczawa in Sübgali- zien, das vorgestern aus Czarnowitz gemeldet wurde, ist auf ein Komplott der ganzen Klasse (Obertertia) zurückzuführen. Die Schüsse wurden abgegeben, während der Professor einen Brief zu lesen begann, der mit den Worten anfing: „Herr Professor! Die Rache naht!" Der Attentäter, der 17- jährige Schüler Greciue, war durchs Los zur Ausführung der Tat bestimmt worden. Schon zwei Tage vorher wurde durch die Wohnnngsfenster des Professors geschossen.
Seiten. , , _ .
„Phantasien — stammelt Sonia.
„Bah, Phantasien! — Gemeine Lügen sind es, durch die ein vertrauensseliger Ehemann übertölpelt wurde!"
Und verächtlich auflachend, zerreißt er das Manuskript in zwei Hälften. , _ „
„Orlando, Orlando!" schreit sie auf. Das Manuskript ist Tausende wert!"
„Und wenn e? Millionen wert wäre — es würde ebenso gut brennen!" ruft er mit bitterem Spott. „Denkst du, ich werde mich selbst deS Betruges schuldig machen, indem ich deine Fälschungen und Lügen gutheiße?"
Und mit einet zornigen Bewegung schleudert er die zerrissenen Blätter in den Kamin. Tann wirst er sich in einen Sessel und ergreift ein Buch.
Mir gefalteten Händen steht Sonja vor dem Ka- plin. Sie verfolgt mit den Äugen die hell auflodernde Flamm?, die ein Blatt nach dem andern gierig auf« leckt.--
Aus Gberhcssen u. -en Hess. Remtern.
* Marbrg, 18. Jan. 1912. Nordische G äste, nämlich Seemöven, wurden in den letzten Tagen wieder am Lahmster bemerkt.
* Herzbausen, 17. Jan. 1912. In Herbsen in i Waldeck, brannte gestern das Gehöfte des Landwirts Rock nieder.
* Bottenhorn, 17. Jan. 1912. Gestern verunglückte auf dem Wege von der Station Friedensdorf nach hier ein schwer beladener Möbelwagen der Speditionsfirma Alb. Vogt ans Taruiktabt. Das Gefährt kam infolge der 'beeisten Straße an einer abschüssigen Stelle ins Nutschen und kippte u m. Leider ist die uns zunächst gelegene Eisenbahnstation Niedereisenhausen nicht mit der erforderlichen Nam- penaulage versehen, obwohl sie einen umfangreichen I Güterverkehr für neun umliegcr.be Ortschaften auf« zuweifen hat, uub so müssen wir derartige Frachten nach wie vor von dem 3 Stunden entfernten Frieden- | dost absahrcn.
hier glaubt der gewiegte Geschäftsmann klar zu sehen. Wozu braucht ein so solider Mensch, Ivie de, junge Marchese Campanelli, eine solch hohl Summe?
Edward Morrison ist nicht schlecht, auch nicht hartherzig oder schadenfroh Orlando tut ihm wirk, lich leid, und er beschließt, soviel in seiner Macht steht, ihm zu helfen.
Zuerst fragt er bei Goldstein in Hamburg telegraphisch an, ob bei große schwarze Diamant noch dort, uub wenn ja, ob er noch käuflich fei
Dann fährt er nach dem Palazzo Campanelli auf dem Corso Umberto zu einer vertrauliche« Unterredung mit dem Marchese Silvio.
„Ich null Ihre Zeit nicht lange in Anspruch nehmen, Herr Marchese —" beginnt ci nach, de ersten förmlichen Begrüßung. „Ich sprach gefiert Ihren Sohn Er ist in großer Verlegenheit —"
„Wenn ich meinen Du ner richtig berftanöc!» habe, so wünschten Sie mich in einer — Geschäfts- angelegenbeit zu sprechen", unterbricht ihn der Marchese Silvio mit einer kühl abwehrenden Haudbe- toegung.
„Ganz recht. In einer Geschaftsang-leaenheit Kurz und gut: Ihr Herr Sohn benötigt Ende dieser Woche zweihnnderttansend Franken und wollte meinen Rat emholen, auf welche Werse er litt b'.cfe Summe am besten beschaffen kann. Ich h.ttre ihm ein gutes Dutzend Lenke nennen könucn _ Wucherer großen Stils. Aber weil ich Jbrou^ohn hoch ■ schätze und außerdem die Ehre habe. Sie zu len« neu —" .
„Ich habe meinem Sohn bereu-:- gesagt, daß ei von mir nicht? zu erwarten bar"
„Tas werß ich. Die Väter ärgern sich gewöhnlich über die Schulden ihrer Sohne^ Ihr Herr Sohn hat mir nicht die Art ferner schuld nutge« Mt; aber so viel steht fest: es rst eine Ehrenschuld. Wenn Ihr Sohn diese Ehrenschuld nicht bezahle» kann, so sallt die Strafe dafür mehr auf Sie, den Vater, als auf den Sohn selbst. Die Welt sympathisiert zumeist mit junges Setten, welche Ehrenschulden haben." (Forts, folgt.)
stellen die Gegner des Zen-
v.. als wenn die R e g i er» n g
feiner ;, it willens aetoefen fei, die h ö ch ft e n S atze zu bewilligen. Da sei aber das Zentrum gekommen und hätte die Regierungsvorlage a b g e l e h u t! Dieses Bild stellt die Dinge gerade auf den Kopf. Tas Zentrum bekämpfte vielmehr die Regierungsvorlage, weil sie nur 100 Millionen vorsah, und es gelang dem Zentrum, durch geschickte Perhandlungen ii od) weitere 17 Millionen herauszuschlagen. Die Liberalen brüsten sich damit, bah sic nicht gleich dem Zentrum „ruiigefallen" waren. Aber Harum haben sie denn nicht in der dritten Lesung ihr Votum der zweiten aufrechterhalten? Antwort: Sie erklärten, sie sähen nunmehr em, daß das Unannehmbar der Regierung ernst sei. Der angebliche „Fehler" des Zentrums, den ihm die Geaucr 'andichte», bestand nur bann, baß es bei bet" tm ai Spanne Zeit von ein bis zwei Tagen ein sali, daß es besser sei, 117 Millionen statt nichts zu nehmet!. Verbi ent bas Zentrum also hier An- crfenmtitg oder nicht? Wer weiß, daß es sich in der praktischen Politik nicht bloß darum handeln kann, mir Forderungen zu ste11 en, sondern zu erreich c ii was eben nach Lage der Verhältnisse zu erzielen ist, wird dem Zentrum die Anerkennung, richtig achandelt zu haben, nicht versagen kömien.
Jetzt sind die Bogen alle schwarz gebrannt; raschelnd fallen sie zusammen. Ach, genau so liegt ihr Glück in Asche — zerstört, unwiderruflich dahin! Heiße Tränen steigen in ihre Augen. Si- stcht dicht hinter ihrem Gatten, im Bereich seines Arme«. Doch sie tragt nickt, sich, zu rühren.
# Die „betrogenen Soldaten". Im Wahlkampf sucht dir Sozialdemokratie den Unfftand gegen,das Zentrum auszubeitteu, daß bei der letzten Reichs- befolbuiigsrefsrm die Soldaten nicht in den Genuß der in der Dedarfsrechnnng für die Besoldungsord- nuitg vorgesehenen erhöhten Ma int s ch a fts - gelber gekommeu seien. Diese angebliche Schuldfrage des Zentrums erledigt sich einfach durch die Tatsache, daß, nachdem die Beschlüsse des Reichstags zugnnstrn.der Beamteiibeso>duiiq eine Mehrausgabe von IG bis 17 Millionen Mark nötig machten, im Rahmen der Finanzgesetze die Mittel nicht mehr vorhanden waren, um daneben noff eine Erhöhung der Mannschaftslöhnung ein« treten zu lassen. Das Zentrum gab zu verstehen, daß ihm dieser Gang der Dinge nicht behagte und drückte die Erwarttmg aus. daß im nächsten Etat dem Reichstage eine Erhöhung der Mannschafts- löhnnng in dem Umfang unterbreitet werde, wie im Regieiiiugsprojekt vorgesehen war. In diesem Sinne erklärte sich das Zentrum auch für folgende von den Mchrhsttsparteicn eingebrachte und angenommene Resolution:
,Tcr Reichstag spricht bei der Annahme des Be- solditogsgesetzes die Crwartiuig aus, batz b e in Aussicht eenommeiie Eihühuitg der Mannschaslslöhnuna tm Ci-u 1910 erfolgen wird und erklärt sich bereit, die hierdurch entstehenden Mehrkosten zugleich zu bereinigen, sofern nicht durch Eisparmsse der Bc- barf o-ftgebracht werden kann."
Tie Raiionalliberalen, Freisinnigen und So- zialbouiLkraten stimmten xe g c n die Resolution. Ter snftaldemokratischeu Presse steht im übrigen bie Phäriiaermiene, die sie zur Schau trägt, gut an. Für bie „(knüffen" im Reichstag ist es allerdings itn» geheuer leicht, allerhand Anträge beim Heeres- ctat zu stellen und sich als Bolksfreunde aufzuspielen. Kommt cs aber darauf an, für diese Forderungen durch Annahme des Heeresetats auch die uottoenbigen Mittel zu bewilligen, bann lehnen die „Genossen" brti Etat schlankweg ab. Speziell auch im vorli."enden Falle haben die „Genossen" nicht die geringste Veraulassuiig, gegenüber anbereit Parteien beit Rftchter zu spielen. Denn bie Erhöhung der ManuschastslShming wie auch die Neuregelung der gesamten Beanitenbesoldung war ausschließlich ab- hänqi von der Annahme der Reichssinanz- r e f o r m. — Wer aber dem Staat überhaupt bie Mittel zur Erfüllung seiner Ausgaben verweigert, der hat nicht das geringste Recht »sich über mangelnde Fürsorge des Staates für seine Soldaten moralisch zu entrüsten! ’