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»eroKtw. Redakteur: karl Schütte; ffc sie Anzeigen-.

Z.psrzcLer iu KulX.

Hufti»«*? Ver Nau» einer tinto. äolonth zrile. 47 mm breit, tostet ISPfg. Lekismrn: ver Saum «ix« <fole* ueizel-e, 74 em breit, bvtt ii) pj4. Lei wie. derhoruuzea Ladatt.

Aurwitst- anzeigen 2t> P;g. qtre.

Bet« He« slrwi X. Verlag der Luid»«; RetieadruLrrei i.Zuldl, Lernsprechet Ur. 9.

Fulda, Mittwoch den 17. Januar 1912.

Erstes Blait

13.

3 >. Jahrgang.

Ae ReiWaMshIk?.

X Die Strmmenzalrlcn vom 12. Januar.

Or>die.vorläufizen' Zahlen ver sb gegebenen Itimmen, dre rott gencrn nach der,Notdd. Allg. Zig.' Wiedergaben, übtall stimmen, muß fit) erst nach Verarbeit» g der amtlich leslgesteUren Er» gebntsfe der A'.stimmung zeigen. Im großen und ganzen wird roobl das Sluumenxerhälints fo fein, mir es jetzt angegeben i't.

Der Kernpi nkl der Sacke iti die starke stet* gernn g der sozialse inokraliicheu Strm« nentz a i)l: von »und 3* U Btillionen auf 41/* jJÜüiontn; ßlfo ein Ämvackwn um mehr als 1 Ulilii««. Das ist traurig, aber nicht übet» rajchend. Dir leidenschaftliche und verlogene Hetze oegto der Ftnanzretorm, die Teuerung ic. Haden die Wtriung gehabt, die »vir den lin(«liberalen Schürern der Unjuiiteöcnljeit 'eil zwei Jahren warnend vorauKgefagt haben. Di* auipeilfcheuden Reden und ZeNunasarlste ver Liberalen Haden der Sozialdetnokralie eine Sckar von neuen Genoffen oder wenigstens eine Maste »euer üiitläuftr zu- getrieben.

-Der eigeue Borteil, den die liberalen Parteien Son ihrer gewaltigen Hctz irbni erreicht Haden, ist aegenüber dem M>ll onenprofit Der Sozialdemo­kratie bescheiden. Die nalionatliberale Parket (oll 34130' Stimmen gewonnen hoben 'darunter sind auchHilssstunmen vom Zentrum), die Forüchrittitche BaMxartei 320000. Wenn man bte Ernte des deutschen Bauernbundes hmzurechnet, fo hat der Gesamt Liberalismus rund 31/* DlUltone» Llimnien aufgebracht.

Deutgegenüber sind für die sogen, »schwarz« biene* Partei gegen 4 Miuionen Stimmen aoge» geben worden. Für das Zentrum über 2 Mill, bei eutem Bergletch mit der ZentrumSstimtuenzobl oen 1907 ist zu berücksichltoen, daß die Zentrums« paetei diesmal etwa eine Viertel Riilliou Stimmen sofort kür rechlLstehenoe Kandtdaluien abgegeben bat. Es ist allo oer ziffernmäßige Rückgang der ZevitrumSstrnnnen nur scheinbar; tn Wirklichkeit ist ein Zuwachs von 100000 bis 150000 Stimmen zu verzeichnen. Die Liften und Lügen der Heyer find also an dem gefunden Sinn der ZentruniSwälfler« fcheist ooüstiindtg abgepraüt. Die konservativ« Partei hat nicht bloß m der Mandatsziffcr, sondern auch ui der Sttmmenzaht vervAlmsmätzttz gut ad- gefchnillen. Ihre Stimmemohl ist gegen 1907 um etwa 90000 gewachsen, wozu freilich daS Zentrum durch feit« »aMommanötenen* Stimmen erheblich beigelragen hat. Es kam aber keineswegs dir ganze Zahl der abkommMdrerten Zcmrumsftimmcu der konservativen Partei zugute; abgesehen von der Utttertfl^trng vereinzelter Rechtsnationalltveraler trat das Zentrum auch für emtge Ritt, lieber der Wivlfchastlrchen Vereinigung ein, tue leider im Ganzen ihrerseits nicht viel Glück gehabt hat. Die (tret» to^ervative) ReichSparter werft einen auffallend starken Rückgang der Stimmenzahl aus: von 47ttoi) auf 365000. Iu der Gesolgschcht Vieser MfldrlpLrtri scheint die liberale Hetze erhebliche Der« wursng antzrrichtet zu habe«.

Rech»« man aSe Stimmen bet rechtSstrh en- d ru Parteigruppe» zusammen, fo ergeben sich nahezu 2 Millionen. Zentrum und Rechte zusam­men haben also über 4 Millionen gemustert, also beträchtlich mehr, als der Gesam tlibera» lismus. Daneben stehcn dann noch etwa 1I» Mütorr polnischer Stimmen, sowie etwa 200000 Stimmen von Elsaß «Lothringern und Deutsch- Hannoveraner».

Für dar Verhältnis der Mandatenzahlen zu den Sstn mzahlen '!t entscheidend, daß dir städtischen Wahlkreise dichter bevölkert sind, als die ländlichen, und daß gerade die Sozialdemokratie und der Links- liberalismuS in den Großstädten und Jndustrie- bezitkeu vorzugsweise ihr Rekrutierungsfeld Haden. Sm allgemeinen wird auch die Wahlbeteiligung in u i:übtifeben Bezirken größer sein, als in ben ISnb'tden, da unter der dicht zusammengedrängten Bevö'kerung die Agitation und oer Schlepperdienst intensiver betrieben werden. In den sog. bomben- sicheren WahUreiien, deren namentlich das Zentrum Jebr viele Hal, dispensieren sich manche von dem Wahlgange, weil chr Kandidat ,<orowfoN durch- ton,mm werde.

^dRoral von der ganzen Wahistimmenrech- die. daß angesichts der 41/* Mill. LA1.“, fratifd)er Stimmen (über ein telen - n f amÜ1'mmen) ö’e bürgerlichen Par-

J sinin^" der Liberalismus, der lerne 3 Millionen mummen bat die toien hchwaizÄauen Parteien mit ihre« <_5 Millionen Stin.men an die Wand drücken und für sich mit Hilfe der Umfiurzpat!« die Herrschaft über ben tzröHeren, christlich gesinnten Teck der Bürger- Mast erringen will, dann muß es natürlich zu der «rwinung und dem Zwiespalt kommen, woraus ne Sopachewokratie ihren Vorteil schöpft.

Ergebnis vom 12. Januar lehrt, richtig der jbdtol' *“dits anderes, als de» Zusammenschluß VelserzhN^parteien gegen di« Rote« tmd ihre

(i) * ^kkSstl» • Schlüchtern.

»WtrBug Wahlökkilisruis der Landie-

um fo mehr $n«Ti!e 8«lba und Gersfeld verdient Wahlbezirke Diei?Q5lnun9- als sich in d.r Rdön die Gehöften weit auseinander gelegenen

daher au dem bitiet”l^riL Die Wähler mußten Wege zurückteae«- ^rn Wahltage zum Tril wette Glätlr befeabetf. be'^c waren infolge der schwerlich, vor a^n, f^r AI^eb>£fi*@e9eflb recht be« Jtr? ichirirr-xe- Terrm,, -‘fo* Wöhler. Ein beton» beriri Slei« wand, ss sicherlich der Wahl« W7 Wahlberechtigten 124 Ach haben dort von m»«.ra-.itb o«tn**r- ,?n'-fnb0^ *taee Wahlrecht

-3*. ^kwshnung finde

auch die von höchstem Pflichtbewußtsein zeugende Tat eines 87 Jahre alten Auszügers von einem Gehöfte zu Horwieden (Gemeinde Rer). Der Greis machte den über 1 Kilometer langen Weg zum Wahllokal in Rex, um seiner Wahlpflicht zu ge« nützen. — Der 82jährige Auszüger Johann Adam Storch von Obetdetndatvs ließ >ch »an fernem Sohne nach dem »-* Stunde Weges entfernten Wahllokale fahren, um abzustinmten. Als der alte Mann dort vo n Wagen stieg, kam er wegen etwas Eis zu Fall. Da ihm bat Lauten überhaupt schwer fällt, wurde er in einem Lehnsefiel an die Wahlurne getragen. — In Sarrod bet Ulmbach erschien der llbjährtge Nikolaus Ruppel im Wahllokale und gab ferne Stimme ab. ©ein So n faß al8 Mitglied des Wahlvorstandes am Wahltische. Auch sein Enkel, der den Großvater begtätete, ist schon lange wahlberechtigt und tat auch feine Pflicht. Ein herzliche» Bravo diesen wackeren Alten! Gegen­über solchen Beweisen der Zentrum streite will es nichts besagen, wenn m einigen ländlich en Wahl­bezirken eine oder zwei Stimmen für den .Genossen" Göller abgeliefert wurden. Aus einem der be­troffenen Dörfer wurde uns unter dem Datum des 13. Januar geschrieben:

Gestern abend 7 Uhr sind zwei fremde Böge! in unserem Orte er «bienen, die niemand kannte. Selbst ein llstjähriger (Btetf onnte sich trotz seines nuten Ge- dächtnifies nicht erinnern, solche Ex.mviare in unser em Dorfe je gesehen zu haben. Ihr Gefieder ist rot ge­sprenkelt. Plan könnte annehmen, sie oehörten in8 Eulengeichleckt und es handelte sich um die ^genannten Stäuben. Glücklicherweise sind beide Exemplare männ­lichen Geschlechts. Eine Vermehrung ist daher un­wahrscheinlich.

Wenn man nach einer Erklärung für diese „ifiaturerschemuig" sucht, so möchten wir folgende Riöalichkeit zu bedenken geben: Die Sozialdemokraten behaupten bekanntlich, daß die Bauern sich durch eine .,chi m bora s s oh aste Dummheit* auszcichneteu. Für die Allgemeinheu des Bauernstandes ist das natürlich eine Beleidigung ohne gleichen. Allerdings gibt t$ einzelne Dumme tn alle» Ständen. Des­halb wird man nicht fehlgehen in der Annahme, daß es keine Beleidigung, sondern eine treff en 6e Bemerkung wäre, wenn man von den belasten ^käuzen' behauptete, ihre Dummheit sei höher als der höchste Berg der Erde, fei höher als der Chimborass 0.

"" Ter Maiftr uu die Wahlen. Die ausländische Preise kann es rucht taffen, trnmer wieder den Kaiser iu Zusamwenhang mit politischen Klat'ch« geschichten zu bringen, die nebenbei eine erstaunliche Unkenntnis der polttifcken nnb staatsrechtlichen Sieüuug des Kaisers verraten. So muß denn die „Nvrdd. Atlgem. Ztg." heute gleich zwei Märchen em Ende bereiten. Sie schreibt:

Heber den Ausfall der deutschen Wahlen und die künftige Stellung der Regie, uug und der Parteien Ist in der ausländiichen Prefie manches un­gereimte Zeug geschrieben wmcden. Wir wollen nur zwei Beußerungen herausgrelfen. Im .Gaulois" wird erzälflt. Seine Masestäl der Kaiser habe einem deutschen Diplomaten gegenüber gesagt, da st de sozialdemo­kratische Gefahr der Monarchie die Pflicht auf« eriegen könne, die deutsche Bolkseele durch einen Krieg wieder zu stärken. Daran ist natürlich kein wahres Wort. Sodann spie t die „Stimei* mit be® Gedanken, der Kaiser könne sich angesichts des Anwachsens der Sostaldenwkratie auf den Katho- lizismirs iu Deutschland stützen und zu deffen Stärkung GebietSieile der Hadsburgifchen Monarchie annektieren. Das ist der Grpiel.

* Liberaler Wählte,roriSmns. Lus Reunki r cken (Saar) w.rd der Ruin. Bolksztg. berichtet: Der Bor- sitzende des Wahlkreiskomttees der Zentrumspartei hat heute im Namen der Partei folgender Tele­gramm an den Reickskantter grinnM:

Herrn Reichskanzler. (Berlin. Da zurzeit der Reichs­tag nicht tagt. lenken wir die Äufmerffamteit des Herrn RächSkanzlerl auf eine flagrante Verletzung der gesetzlichen (Beftimmungen übet die Wahrung bei Wahlaeheimniffel. Angestellte del Neunkir- cher Eisenwerk« der Kimm Stumm (Mitinhaber Ex- &v. Sckubert) haben bestimmten Arbeitern des derschiedenartig geschriebene Stimmzettel gegeben mit der Zumutung, nur mit diesen durch Schrift und Fassung gekennzeichneten Zetteln zu wäblen. B-i Feststellung de« WahlresultateS konnte durch inS Wahllokal gesandte Zugehörige der li­beralen Partei sestgesteüt werden, ob diese Stimm- zettel abgegeben wurden und ob mithin die abhängigen arbeitet ihren Arbeitgeber gewählt hatten. Wit btt- ten um Sicherung de« Wahüeh-rmnisse« für die Stich- wähl. A A. de« Ktei«wahikomiteeS bet Zentrums- Partei: Dechant Hausen, Illingen (Trier).

Die ßentrumspartet bat sich zu dteiem Schritt veranlaßt gesehen, well einer großen Anzahl von Hüiteuarbettern in Neunkirchen und den umliegeu- den Orten solch« Zettel in die Hand gegeben wur­den, mit dem Bemerken, es wnde angenommen, fit hätten nicht liberal gewählt, wenn diese Zettel bei Feststellung des Resultates sich nutzt vorfändeu. In oen Wahllokalen wurde auch von den abgefanbten Kontrolleuren ein wachsames Auge auf die ge- lajriebenen Zettel gerichtet. In einem Wahllokale

- »tircheu roQI <tn Tell der Zettel mtt Imte cn!??,.*"/ «wbew mit Blaustift, wieder andere in orundfchrrst- ein weiterer Stimmzettel trug den -Kamen des Kandidaten oben am Rande, ein an­derer unten. Die tzüttenardeiter, die solche Zettel von ihren Meistern bekamen, wußten, rote viel die Uhr geschlagen hatte. Wenn ihnen ihr Brot lieb war, mußten sie liberal wählen. Unter der ge. samten Arbeiterschaft des Wahlkreises herrscht über dieses Wahlmanöver Entrüstung.

Die Sttchwahle«.

+ Ltichwahltrnnine. Die rund 190 Stichwahlen ^ei^«tag« hie nach dem Wohlausfaü vom 11 zu vollziehen find, werden fich auf Samstag w ^.JEomn, den 21 nnb Donnerstag ben 25. tz att. verteilen. Irgend efa* Etntzettlichkett in b« Anberaunuwq ^r Snchwahlterimne ist nicht p, b» merken; selbst mnichatt» b«, einzeln« ReotetMng*. bezirke werb« vergeben« «ttchwahilage seftgttcht.

Die ÄntfwfliberaUe nnb Me Seichwcht«. Der Vorstand der nettonantberaU* Bartet huckt

, am Dienstag in Berlin eine Sitzung ab, um über die Stellung der Partei für die Stichwahlen fich fchlüffig zu werden. Man kam, BläTtermdbungen zufolge, überein, eine offizielle Wahlparole nicht ouszuqricn, Indessen wird eine Erklärung veröff nt- licht werde» dahmgchend, daß überall, wo Fort­schrittler -ux Sttchtvahl stehen, für düse zu ftimmen ist, tote gleichzeitig auch von fortschrittlicher Seite aus ein« gleiche Bekaimrmachung vTschsiuen sosll. In allen übrigen Wahlkreisen soll die Ent­scheidung den örtlichen Organisationen überlassen bleiben1. — Eine andere Stellungnahme der AationaUiberalen haben wir nicht erwartet. 23öS wir aber vermissen, ist eine unzweideutige Erklärung über die Haltung der Nationalliberaleu gegen die Sozialdemokratie. Die Nationalliberalen werden nicht umhin können. Farbe zu bekennen. Sonst werden es sich die reditiftebcnbcn Parteien sehr überlegen müsse, ob sie den Nattouallibcralen Hilfe cmgedeihen lassen können, da sie unter Umständen gewärtig fein müssen, daß sie über« Ohr gehauen werden.

Die sogen, liberale Arbeitsgemeinschaft de- rechts­rheinischen Llahcrns, deren Führung vorwiegend in jungliberalcn Händen liegt, fordert die Nationallibe» raten und Fortschrittler im Reiche zu einem allge= meinen Stichwahlabkommen mit den Sozialdemokra- teu auf.

In Sachse» hatten die Rationalliberale» be­schlossen, überall den bürgerlichen Kandidaten zu un­terstütze:!. Die Fortschritüiche ZLotkspartei dagegen gibt eine offizielle Stichwahlparole aus, sie überläßt nach betn OrganisationSstatut die Entscheidung den einzelnen Wablkreisen.

* Wahlkreis Hünfelb-Hersfcld-Rotenburg.

« He.kfkld, 17. Ian. 1912. Ter Vorstand des 9?ationa liberalen Vereins für Hersfeld und Umgegend fordert die Parteisreu''ds auf, am Such- Wahltage für Werner (R iormp.) einzutreten.

*,♦ Aahlkrris Rardurg-llirchhmu.Frankendtrg.

Dis Nationalliberalen ziehen mit Kling - Klang- Gl oria ab nach links; viele nahonaCiberale Wähler erklären in Nr. 12 der,£>eff. Landesttg/: .Wenn un§ die Znmu ung gestellt rvird, in der Stichwahl für Rupp zu stimme», dann findet ein Maffenaus- tntt aus der Partei statt. Die Raitonalliberalen miissrn wie ein Mann Herrn » Gerlack wählen.* Mag angesichts der roten S'.ulflut dem befounrnen Biir ertum noch fo ewdringllch iUfieruim werden: .Alle lönigZtreu?» national aesiLuten Männer nach rechts.' Die .National"liberalen sehnen sich nach dem roten Meer, rote ein ft die Väter ihrer heuf.geii Verbündeten nach den Flerschtö^rn EgyptenS. Aber gläubige Vlänner sind sie doch, die Marburger Nationalliberalen; sie schließe,! ihren Aufruf mit den Worten: „Daß Herr v. Gerlack seinem Prv- cramm tr u bleiben wird, veriteht sich von selbst.' Nun soll uns uock einmal einer sagen, was sich von selbst versteh:! Nach der Bergangenhett des Herrn v. Gerlach kann man viel eher sagen, daß Herr v. Gerlach bei der nächsten Reichstagswahl mit einem neuen Programm erscheinen wird, versteht sich von elbst. — ttme weitere Kuriosität findet sich auch in Nr. 13 der,LaudeSztg.'. Da ruft der liberale Volks­verein, der auS bekannten Gründe» b i der Hauvt- ronbl v. Gerlacks die Unterstützung versagte, die Bürger zu den Waffe» gegen Rupp, das Anhängsel der Koulrrvaliven und vcS Zentrums. Warum? „Dos gegenwärtig« konservatwckierikale Syftem ist lchnld an den 4 Millionen sozia!demokrati;ck)«r Wäh­ler." Es erübrigt fich, auf diesen Unsinn näher ein- zugehen. Herr Prof. Schückma, der mit unterzeich­net, mag sich einmal an die ,Beri. Börfenztg.' wen­den, da lieft man's anders. — Angesichts dieser Kon­zentrierung der getawtenLwkeuergeht an die treuen Zentrumswähler b« dringende Bitte, auch am 20. Januar wi der in der gleichen Geschloffenheit an die Urne zu treten und auch dir Einspänner heranzuholen; 2—800 Stimmen können noch immer aufgebracht werden, wenn diesmal auch der letzte Mann herangihoU wird. Notivendig ist es, denn die Wahl RuppS ist stark gefährdet. Darum alle Mann heran, keiner bleibe zurück! Rechts oder linls ? Christentum und Antichriftentum? Tas ist tote . große Frage, bi« zur Ent|che,du g steht!

Wahlkreis Ssch rege-Schmalkaldeu.

♦ Eschwege, 16. Jan. 1912. Die Fortschrittliche Bolkspartei im Wahlkreis Efchwegc-Wttzenhanieii- Schmaltalbrn beschloß Stirnmenfreigabe für die Stichwahl Raab «Wirtsch Vgg.), Tdöne iSoz.) Die uatwnalliberale Entscheidung steht noch aus.

Wahlkreis Sisenach-Dermbach

— Geis«, 16.Januar 1912. Di« Zentrums« Partei un Wahlkreise Eijenach-Dermbach wird nur dann in der Stichwahl für den natiouaUrberalen Kandidaten Marquardt eintreten, wenn die Nattonal- libeialen in Köln für den Zrntrumskandidaten Dr. Trimdorn stimmen. Andernfalls rottb sich daS Zentrum der Wahl enthalten.

• Kassel, 16. Jan. 1911 Die LandSorganlfatlon bet Fortschrittlichen Bolkspartei füc Kurhesien hat für bte Wahlkreise Efchwege-Schmab- lalbtn, HofgeiSmar-Rintrlir Wolfhagen und HerSseld- Hünfckd-Rotenburg, wo fämüich 6o$ialbcmotraten gegen Deutsch-Soziale tn bet Stichwahl stehe», die Srichwahlparvle für die Sozialdemokraten ausgegeben.

• Wiesbaden, 15. Jan. 1912. Die Fort­schrittliche Bolkspartei tat Wahlkreis« Wiekbo deu-R hetngau hat beschlossen, ta der Stich­wahl für den nattoualllberalm Kandidat« Bart­ling, der Mitglied de» Bunde« bet Landwirte ist. einzutreten. Segenkonbibar ist der bisherig« sozial­demokratisch« Abg. Lehmann. Würde di« Fretamriq« Parole strcktr desolat, woran aber sehr zu zweifeln tt, fe wäre der Verlust de» Mond«» für die Sozial­demokratie gesichert.

# «ataz, 16. Jam. 1918. In einer heute da- hier abgehatt«« überaus zahlreich besuch len Ver» fammluna be« 8anbeMemttee« bet tzefsifchen

Zentrumspartei wurden enbgilttge Beschlüsse hmstchttich der Stellungnahme zu ben Stichwahlen m Heften gefaßt. ES wurde habet be-chloffen, ti Worms-Hrppenheim-Wlmpfen bw Kanmvalur bei Frhrn. von Hegt gegen den Sozialdemokraten Engelmann mit aller Macht zu unterstützen.

Kp. Zm Riesenwahttrnse Bochum - Eelfeukircheu hat das Zentrum uniet denkbar schauerigsten Ver« hältniffen den Ladtkompf m Ehren bestanden. Unter den bürgerlichen 'Barteten hat es den größten Ltimm.nzuwachS. 1907 brachte es 83905 Stimmen auf, fetzt 87 649. Die Nattonalltbrralen wuchsen um 2966, dabei muß man aber beachten, daß der Freisinn und die Ehristlichfoztslen unter Zurück­ziehung ihrer Ran6toaiuren die Raitonalltderalen unterstützten. Auch traten wreder die protestan­tischen iVlaniren geschloffen für den Nattonallibe- ralen ein, wählend bte liefen ihre Eonderkandi- datur aufrecht hielten unö so bas Zentru n aber­mals aus einer günstigen Stichwahl dräng-en. Durch dieses Verhattrn werden sie es etmögltcheu, daß ein Feind de» Polentums in den Reichstag gelangt. Der Strchwablkamps, der jetzt zwischen Sozialdemokraten und Ralionallideralen tobt, rottb außerordentlich heftig werden. Die sozialdemokra­tische Partri, bte ihr Mandat von den Bürgerlichen ernstlich bedroht sicht, läßt bis zum Wat-l aa eine tägliche Kampftckrist in mehr als 100 000 Exem­plaren im ganten Wahlkreise verbreite». Die Fiage, rote fich das Zentrum verhalten wird, hängt tedwlich von dem Verhalten der Nativnalltberalen iu dc» übrigen Wahlkreisen des rhemiich.lvcstfäUfcken Bezirkes von Köln dis Hamm ab. Es muß an­erkannt werden, daß der Wahlkampf der National- liberalen im Gegensatz zu krr wüsten kousetstonellen Verhetzung der Maffen be, früheren Wahlen dies­mal vornehmere Forme» trua.

th Au« dem Wahlkreise Bingen-Alzey wird uns ge­schrieben: Al» vor zwei Jahren bet einer Nachwahl der Zerttrumskandlda, Hebel in der Stichwahl mit Un­terstützung der Narumatlib.-raten gegen den freisinni­gen Pfarrer Korcll siegte, setzte in unserem Wahlkreise eine schamlose konfessionelle Hetze eilt. I» den protestantischen Gtemeinben wurden die liberalen Wähler, die für Hebel gestimmt hatten, in unerhörter Weise beschimpft und diele von ihnen aus den @r- meindevertretungen entfernt. Während des Wahl­kampfe» verstanden es die Anhänger Korells, die ko»- fessionelle Hetze bis zur Riebet.ye anznfachen, sodaß selbst strenggläubische Protestanten sich von dies:r Kampfesweise angewidert fühlten. Bei der diesmaligen Wahl hat diese konfessionelle Hetze schon gleich ein­gesetzt. Nachdem wider Erwarten Dr. Becker, dessen Kandidatur bekanntlich vom Zentrum direkt unterstützt loutbe, im ersten Wahlgange nicht gewahtt wurde, toerbcu nunmehr wieder die Schleusen der konfessio­nellen Hetze in der widerlichsten Weise über unsere» Wahlkreis ergossen. Wie weit e» der hetzerische Frei­sinn treibt, mögen folgende Borfälle der letzte» ~age beweisen. In einer Gemeinde nahe bei Alzey fuhren vor einigen Tagen auf einem Wagen freisinnige Agi­tatoren, von denen einer ein große» Kreuz und bet andere ein mächtige« Gebetbuch zuin Spott zeigte». In einer anderen Gemeinde unsere» Wahlkreises ging •man soweit, an die Häuser der Anhänger Becker» Kreuze zu zeichnen; auch wurden Plakate an die Häuser geklebt, auf denen ein Kreuz mit folgenden blasphemischen Worten fich fand: .In diesem Zeichen wolltet ihr siegen! Eree bemal* Zu solchen Mitteln der schlimmsten fonfefftonellen Hetze ernied­rigt sich der Freisinn, um seinen Kandidaten, den evangelischen Pfarrer Karell zum Sieg zu füh­ren. E» hat fich infolge dieser Vorgänge, die wohl einzig int Wahlkampf stehen, der Bevölkerung eine tiefgehende Empörung bemächtigt und auch streng­gläubige Protestanten erklären, daß sie nun erst recht alles anfbieten werden, um den Kandidaten dieser Partei abermals zu Fall zu bringen. Die Zetitrums- Partei wird alles aufbieten, um den natioimlltberalen Kandidaten Dr. Becker, der in der Stichwahl auch noch die sozialdemokratischen Stimmen gegen sich hat, zum Sieg zu führen. Die Freisinnigen haben sich bereit» namhafte Persönlichkeiten als Redner verschrieben; so Utcrdim Pfarrer Naumann und der Präsident des an­geblich neutrale» Hansabunde» Rießer für den Vor­abend erwartet. Aber auch da» Zentrum, welches unter allen Umständen bis auf den letzten Mau» bei der Stichwahl seine Wähler für Dr. Becker an die Urne bringen will, ist nicht untätig; eß werden noch in dieser Woche eine größere Zahl von Versammlungen stattftnden, für welche hervorragende redn-rifetze Kräfte herangezogen wecken.

* Stuttgart. 15. Jan. 1912. Dor würilemberglsche halbamtliche Staat»a«zetg«r richtet heute eine Mahnung an bte bürgerlichen Parteien, sich bei b.i, Stichwahlen gegen die Sozialdemokratie znsammenzuschlicßen.

Deutsches Reich.

*♦ Berlin, 16. Jan. 1912. Der Kaiser hörte Dienstag »ormtltag die Borträge des Chefs frei Mllttärkabmetts und des Chefs 6e8 Admiralftabes ver Marine. — Prinz Waldemar, der älteste Sohn deS Prinzen Hetntich von Preußen, wurde am Dienstag in Kiel als Referendar vereidigt. — Der deutsche Staatssekretär des Aenßern, v. K t d e r « len-Wächter, der fich gegenwärtig aus einer llr» laubsretse befindet, wird auf dieser Reise am 20. Januar eine Zusammenkunft mtt dem italienischen Mmifter de» Aeußern, San Giuliano, haben. — Der Raine des vierten Kronprinzen­sohn ti, der am 28. b. Mts. getauft wird, wirb Georg sein. — In der Sekundärbahnvor­lag«, bte dem preußischen Landtage auch in diesem Jahre zugehen rottb, werden, bet Fkreutztg/ zufolge, beträchtlich« Summen für bi« Herstellung zweiter unb wetteret Gleise auf einzelnen Etfenbahnsttecken gefordert werden.

* votschaftet III NadNvitz f. Der frühere beut« fch« Botschafter in Madrid und Konstantinopel v. Ravowtz ist m Berlin im 72. Lebensjahre ge« stotben. Mit Herrn ton Radowitz ist ein aus­gezeichneter Diplom t unö emet der letzten noch lebenden Mitatbeiter BlsmarckS an dem groß« Werk bet Einigung Deutschlands dahinge- gangen. Seine letzte bedeutender« biplomanfd)« Mrffum erfüllte et al» Vertreter des Deutschen Reiche« auf bet Matoktokonfetenz in Al« gtcita«. 16 Jaht^ von 1892 dis 1908, bat bet