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yeraatw. Redakteur:

-ar» Schütt«;

M di« Anzeigen: z.Parz«Ker in Knlda.

ulöfler

Zeitung

Monakbeiiage: „Zuldaer Geschichtsblätter"

flejeiitea: Btt Saum einet eins». Lolonel« teilt, 47 mm breit, kostet ISPsg. Rcktam.rn: ver Saum einer Solo- adjtilt, 7i am breit, kostet 40 psg. Sei wie. derho.nngen Rabatt, fiük Djfert- n Aur.unst. ünzeigen 20 psg. extra.

Rotatioilrdruck u. Verlag der Kuldatr Aetlendrockerel l.Zulda Lernsprecher Nr. o.

Erstes Blatt

8.

Fulda, Donnerstag den 11. Januar 1912.

3). Jahrgang.

Morgen, Freitag, den 12. In. Reichstagswahl!

Wer die Wahl hat, hat die Qual.

So sagt man.

Stimmt aber nicht!

Wer die Wahl hat, hat die Ehre!

Er darf seine Stimme werfen in die Wagschale des deutschen Volksschicksals, und die Stimme des einfachen und schlichten Mannes wiegt genau so Vie! wie die Stimme des vornehmsten und reichsten Mannes.

Wer die Wahl hat, hat auch die

Pflicht!

Wenn die braven und vernünftigen Leute die Schlafmütze nicht von den Ohren ziehen, dann haben die Wind« beutel und Volksverführer das Heft in der Hand!

Die Stunde schlägt!

Laß dich nicht bange machen; die Wahl ist geheim.

Laß dich nicht verblenden; Eigen­sinn und Eigennutz führen irre.

Laß dich nicht verblüffen; wer am lautesten schreit, hat deshalb noch lange nicht recht. Programme und Reden, hinter denen keine be­währten Taten stehen, sind wie tönendes Erz und klingende Schellen!

Wer weise wägt, w ählt

Zentrum?

Die Wahl beginnt 10 Uhr vormittags und dauert ununterbrochen bis 7 Uhr abends.

Zentrumswähler!

1 kommt, wenn irgend möglich, schon zwlschenlvund tl 2 Uhr zur Wahl; verschiebt die Erfüllung Eurer f Pflicht nicht bis zur letzten Stundei Punkt 7 Uhr i wird die Wahl geschlossen, wer bis dahin von seinem t Wahlrecht noch keinen Gebrauch gemacht hat, kann s nicht mehr wählen, auch wenn er schon vor 7 Uhr 'im Wahllokal anwesend war. Daraus folgt, daß die f Wähler nicht etwa in größerer Zahl kurz vor 7 Uhr 'abends erst zum Wahllokal gehen dürfen, es kann dann leicht passieren, daß sie bis 7 Uhr abends nicht fertig -werden und unverrichteter Sache wieder abziehen müssen. Also gehe man so frühzeitig zum Wahllokal, daß man unter allen Umständen vor 7 Uhr fertig ist. Wenn ein Wähler seine Wohnung ge. wechselt hat und sein Name nicht in der Liste de« Wahlbezirke» steht, wo er jetzt wohnt, muß er sich in da» Wahllokal des Wahlbezirkes begeben, wo er früher gewohnt hat, um sein Wahlrecht auSzuüben. Der (Wähler muß seinen Stimmzettel in da» Wahllokal mitbringen. Die Wahlvorsteher sind berechtigt, von den zur Wahl erscheinenden Personen, wenn sie persönlich nicht bekannt find, eine Legitimation zu verlangen. ES ist deshalb den etwa hier nicht be- kannten Personen anzuraten, sich mit einer solchen zu versehen. AIS Legitimation gilt: Militärpaß, tzei- matschein, NaturalisationSurkunde, Steuerzettel usw. De» Wahlakt geht folgendermaßen vor fich.

1. Beim Eintritt in da» Wahllokal erhält der WSH. Kr einen gestempelten Briefumschlag, auf dem keinerlei Merkzeichen sich befinden dürfen.

L. Mit diesem Briefumschlag geht er in »1«^ (Raum, in dem er von keiner Seite beobachtet b*rden kann, den sog. Jsolierraum. Dieser Raum darf ein nur durch das Wahllokal betretbarer und un­mittelbar mit ihm verbundener Rebenraum oder eine Wahllokal selbst angebrachte, von dem Wahlvor» standStisch getrennte Vorrichtung sein.

S. Unbeobachtet also legt der Wähler seinen Stimm, »ettel in den Briefumschlag. Der Zettel m u ß in da» .«vert, gesteckt werden, sonst ist er ungiltig. Die Jta. Bert» find nicht gummiert, können also nicht zuae. klebt tverden.

«lufgepeßt! Ehe man den Wahlzelle? in den Brief. .11;.8 VE, überzeuge man sich, daß man auch den

M*. 8W.

'Land ßeb«rjl bct Ture zum Wahllokal in die JE? 'b€n' «-rinn«--- «an sofort, dann Ort« keine Verwechselungen!

nmschl^aett^t^" ’T ^lzettel in den Brief, »msch.ag gesteckr, dann geht er an den Wahltisch, nennt Jefaen Samen und gibt dem Wahlvorsteher oder seine« «ehrtet den Briefumschlag.

5. Der Wahlvorsteher steht nach, ob auf dem Brief, umschlag auch kein Merkzeichen gemacht ist, und wirst ihn dann in die Wahlurne.

6. Jetzt erst Ist der Wähler fertig und et darf sich nach getaner Pflicht — wenn er mag — den Wahl, schoppen genehmigen.

Vom Laude gehen uni noch folgend« beherzigens, werte Mahnung«« und Anregungen an die Wähler zu:

Die fozlalbemokäolischen Sendlinge treten im gegenwärtigen Wahlkampf auch auf dem Lande und i« entferntesten Gebirgswinkel so keck auf, daß diese Art de» Gebähten», bei der nicht einmal da» Hau»recht respektiert wird, öffentlich gebrandmarkt werden muß. Den Gipfelpunkt wird diese Z u d r i n g- lichkeit — man gebe sich keiner Täuschung hin — am Wahltage selbst erreichen. E» sei des­halb jeder Zentrumsfreund vor einer solchen Dreistig. leit gewarnt, die bekanntlich bei gutmütigen, ver­trauensseligen Leuten und besonder» bei unerfah­renen Jünglingen geradezu suggestive Wir. k u n g haben kann. Jeder Katholik sei gerüstet und jeder erprobte ZentrumSmann nehme sich nötigenfalls seiner Rachbarschast und besonder» der ErstlingSwäh. ler an. Gerade sie find viel umworben, aber noch unerfahren in der Politik und fallen gar leicht einem roten Schwätzer in die Hände. Wer aber da» erste Mal gegen da» Zentrum wählt, ist später schwer für uns zu gewinnen. Also besondere Aufmerksamkeit den Neuwähler nl

1. ZentrumSstimrnzettel müssen heute schon in jede« Hause vorrätig fein.

2. Am Vorplatz be» Wahllokale» müssen Zentrums-Stimmzettel durch einen zuverläs­sigen Mann angeboten werden; die Zentrums- stimmzettel blo» bereit zn legen (ohne Aufsicht) ist bedenklich, da sie von den Gegnern ausgewechselt oder weggenommen werden können!

3. Auf dem Hinwege und wenn nötig auch auf dem Heimwege spreche man bei Nachbarn und Freunden vor und erkundige sich, ob sie schon abgestimmt haben. Saumseligen Kameraden gebe man keine Ruhe, bi» sie abgestimmt haben.

Wahlkreis Fulda-Gersfeld-Schlüchtern.

Die Stadt flulda

ist in folgende 7 Wahlbezirke eingeteilt:

1. Wahlbezirk (Wahllokal: Stadtv e tor dne. tensitzung»saal): Augustastraße, Am Bachrain, BonifatiuSplatz, Borgia« straße, Buseckstraße, Butter, markt, Dalbergstraße, Doll, Florengasse, Am Franzo­senwäldchen, FriedrichSmarkt, Friedrichstraße, Kaiser, platz, Kasernengäßchen, Künzellerweg, Marktstraße, Kleine Marktstraße, Nonnengasse, Ohm, Peterstor, Sack, SchlachthauSgasse, Schlotzstratze, Schulstraße, Pfandhausstraße, Schweinemarkt, Steinweg.

2. Wahlbezirk (Wahllokal: Viktoria): Brau, hausstraße, Edelzellerweg, Gemüfemarkt, HirtSrain, Judenberg, Judengasse, Kanalstrahe, Karlftratze 1—21, Kapuzinerstraße, Am Landkrankenhaus, Luckenberg, Meistergasse, Mittelstraße, Mühlenstraße, Rangstraße, Rittergasse, Rosengasse, Severiberg, Schildeckstrahs, Truchseßstrahe.

3. Wahlbezirk (Wahllokal: StadtsaaI): Ada!« bertstraße, Artilleriestraße, Blücherstraße, Bosestraße, Buttlarstraße, Hohenzollernstraße, Josephstraße, Leip­zigerstraße, MichaelSberg, Moltkestraße, Niesigerstraße, PauluSpromenade, Paulurtor, Roonstraße, An Bier, zehnheillgen, Wittichstraße, Parkstraße.

4. Wahlbezirk (Wahllokal: Turnhalle): Am Bahnhof, Bahnhofstraße, Kurfürstenstraße, Liobastratze, Viehmarktplatz, SturmiuSstraße, An der Waide», Waldschlößchen, Wörthstraße, Zieherserweg, Linden, straße, Sebastianstraße.

5. Wahlbezirk (Wahllokal: Gute Quelle am Kaiserplatz): An der Bretterhalle, Georgstraße, Hein- richstraße, RikolauSstraße, PeterSgasse, Rhabanu». straße, Rhönstraße, EchröderShäuSchen, Schützenhau».

6. Wahlbezirk (Wahllokal: Waisenhaus): Frankfurterstraße, Feldstraße, Fischfeld, Gartenstratze, Am Hopfengarten, JohanuiSstraße, Karlstraße von Nr. 22 bi» Schluß, Im Kessel, Königstraße, Löherstraße, Hinter den Löhern, Arn Pröbel, Am Rosengarten, Hin. tere Schleifersgasse, Vordere Schleifersgasse, Simpli. ziuSbrunnen, Wallweg, Wiesenmühle.

7. Wahlbezirk (Wahllokal: Hinterburg): AbtS- tor, Angel, Breiterweg, Domdechanei, Domplatz, Eich», seid, Elisabethstraße, Frauenberg, Haimbacherstraße, Hinterburg, Horaferweg, Am Tt. Katharin, Kronhof. straße, Langebrückenstraße, Lichtweg, LengSfeldergafle, Maberzellerstratze, Marieustraße, Im Münsterfeld, Tranke, Wilhelmstraße.

Die Obmänner ver 7 Wahlbüros sind ange­wiesen, älteren Leuten Wagen für die Fahrt zum Wahllokal bereit zu stelle«. Herr FuhrwerkSbefitzer I. Deldung hat anerkennenswert erweise dem Wahl­ausschuß einen Wagen zur Benutzung am Wahltag kostenlos zur Beifügung gestellt.

WV Zentrumswähler in Fulda Stadt und Land! Achtet auf die richtige« Stimmzettel, welche lauten müffeu:

Richard Mütter,

Rentner, Fulda.

* Asch einet! Die von dem Aufruf der reich», treuen Wähler hn Streife «erSfeld beklagte Zer- sptitterung innerhalb der bürgerlichen Parteien in unserem Wahlkreise wird von libe. raler Seite noch gesteigert. In der.Schlüchterner

Zeitung* wird «in Aufruf veröffentlicht, unter­zeichnet von .Viele (?) reichstreue Wähler*. Der Aufruf bekämpft die offiziell auSaegebene Parole r Stimmenthaltung und fordert zur Wahl de< national- liberalen hannöverischen Gutsbesitzers Wach horst de Wente auf.

△ Mrnbach, 10. Jan. 1911 (Del.) Auf dem hohen VogclSbe-g« herrsckt große Wahlbegrtsterung, die in den letzten Tagen durch überau» stark besuchte gentrumswähler-Versammlungen in U l m b a ch,

arrod und U er zell angefacht wurde. SS sprachen Pfarrer Hild»Mmbach über die jetzige politisch« Lage und tzauptlebrer Freund über die verderblichen Bestrebungen der Sozialdemokratie.

Wahlkreis Hünftld-tzerSfeld-Rotenburg.

(!) Gimpelsan« schlimmster Art treibt der Libera­lismus im hiesigen Wahlkreis. .An unsere katholischen Mitbürger" wendet sich ein Auf» ruf deS MahlauSschufle» der Forttchrittlichen Volks­partei. @r mahnt unter Hinweis auf die abgelebnte Witwen- und Waisenbedrückungssteuer, die sog. Erd« fchaftbsteuer: Keine Stimme dem Zentrumskandidaten Trinnenberg! Katholiken des Hünfelder Landes! Ihr wißt, wer Euere heiligste Güter nicht weniger schützt wie Euere materiellen Jntereffen. Ihr werdet Euch nickt dem Vertreter einer Partei zuwenden, die den blutgierigen Kirchenstürmern von . Portugal, den fanatischen OrdenSfeinden von Spanien, dem großschnauzigen Papsthasser, dem Bürgermeister Nathan von Rom gestnnungSverwandt ist. DaS werdet Ihr nicht tun, wenn auch dieser Vertreter in Hünfeld versprochen hat, im Falle seiner Wahl eine Steuer aufDamenhüte einzuführen. Seine millionenschweren Parteifreunde aus Berlin W, die jetzt schon sehr viel Geld für Damenhüte aus­geben müffen, werden Herrn Fiedler den originellen Steuerplan arg versalzen. Zunächst aber versalzt Ihr am 12. Januar den Fortschrittsleuten ganz gründlich die Hoffnung, die Katholiken des Hünfelder Landes ließen sich fangen wie Gimpel. Mann für Mann lautet an die Wahlurne und einmütig heißt die Parole: Wir wählen Zentrum! wähle« Drinnenberg-Fulda l

△ Aus dem Wahlkreis Hanau-Gelnhausen-Orb.

Seit dem 1. Januar sanden in folgenden Gemein­den Versammlungen statt: Horbach, Reuse», Altenmittlau, Aufenau, Groß-Auheim, Mernes, Burgjoß, Oberndorf, Höch st, Kassel, Groß-Krotzenburg und zweimal in Bad Orb. In allen diesen Versammlungen sprach der Kandidat der Zentrumspartei, Herr Re­dakteur G e is, unter sehr zahlreicher Beteiligung der Zentrumswähler. In Orb war eine -werte Ver­sammlung notwendig, weil Hoch-Hanau, der soziak- demokrattsche Kandidat, in einet am Sonntag statb- gefundenen Versammlung sich an Verdrehungen und Entstellungen das Menschenmöglichste geleistet hatte. Um den Herren nicht die Ausrede zu ermöglichen, sie hätten keine Gelegenheit in unseren Versammlun­gen zum Wort zu kommen, wurde auf den 9. d. M. eine öffentliche Wählorversammlung mit freier Dis­kussion einbk rufen, in der unser Kandidat über daS Thema sprach: .Der Volksbetrug der Sozialdemo­kratie und die Anwürfe des Genossen Hoch gegen das Zentrum/ Diese Versammlung war, wie auch die erste. Mit gut besucht. Die Genossen fteilich zogen e» vor, der Versammlung fernzubleiben und auf der Straße, vor dem Lokal, die Besucher der Versamm­lung anzupöbeln. Ein Redner, den sie angefünbigt, erschien nicht. Es findcn noch Versammlungen start in Rernbach, Somborn und Bockenheim, womit die Wahlkampagne vorläufig beendet ist.

Wahlkreis Marburg - Kirchhain - Frankenberg.

s") Zentrumswähler in Oberhessen! Bedenkt folgen­des und klärt in diesem Sinne alle Nachbarn und Freunde auf:

In letzter Stunde versendet Herr v. Gerlach ein raffm'ert abgefaßles Flugblatt, wodurch er mit Hilfe längst klargestellter Scheingründe in unseren Reihen Verwirrung anrichten will. Von Jesuiten­gesetz, Toleranzantrag, Trennung von Staat und Kirche rc. handelt es. Wohlwollen für die Katho­liken träufeln wir Honig von Gerlachs Lippen. Geht dem Freund der Sozialdemokraten, der sogar den Freisinnigen schon allzu rötlich angehaucht ist, nicht aus den Leim! Bedentt: Herr v. Gerlach im Jahre 1912 ist nicht mehr der Hellmut v. Gerlach der Jahre 1903 und 1907. Er gehört zu den Leuten, die den Ferrer-Rummel begeistert mitgemacht haben. Zentrumswähler! Die Augen auf; bleibt fest bei der Parole; keine Stimme für Gerlach!

Noch etlvas! Dr. Böckel, eingestandenermaßen bis vor kurzem BredtS Wahlhelfer, verbreitet eine anonyme Schmähschrift: „Rupp und die Jesuiten". Er wird deswegen zur Rechenschaft ge­zogen werden. Bredt gibt ein Flugblatt auS mit der Aufschrift: „Evangelische Mitbürger! Rupp ist Zentrumskandidat." ZentrumSwähler! Da habt thr die konfessionelle Hetze in vollster Blüte! Bredt spekuliert auf die niedrigen Instinkte, die der Evangelische Bund pflegt.

Zentrumswähler l Von Marburg auS geht heute eine Gesellschaft aus in alle katholischen Dörfer, um Euch irre zu machen. Euch zur Fahnenflucht zu ver­leiten gegen die Parole, die von allen wirklichen Zentrumsmännern in vollster Uebereinstimmung aus- gegeben ist! Diese Parole lautet: Alle Mann für Rupp, den Schneidermeister und Landwirt! Nur dessen Stimmzettel darf morgen von Euch abgegeben werden. Zentrumswähler, bleibt trotz aller Quer­treibereien treu der Partei! Alle für Rupp!

<f Darmstadt, 10. Jan. 1912. Die Reichstags­wahlen in Hessen sind von allen Parteien in em­siger Weise vorbereitet worden. Bor allen hat die Zentrumspartei nicht» unversucht gelassen, um in dem einzigen für sie in Betracht kommenden Wahlkreise Mainz-Oppenheim den Steg ihres Ranbibaten Kommerzienrat Molthan vorzubereiten. Bekanntlich war die» Mandat lange Jahre im Besitz de» Zentrum», bi» es vor zwei Legislaturperiode»

den Sozialdemokraten zustel. Bet der eigenartigen Zusammensetzung be» Wahlkreises, der neben der Großstadt Mainz «tuen ausgedehnten rein ländlichen Bezirk umfaßt (ft an einen Steg des Zentrumskaw dtdateu gegen die möchttge Sozialdemokratie dann nur zu denken, wenn tu der Sttchwahl ein Zusammen­gehen der bürgerlichen Parteien herbeigefuhrt wird. Di« Gefahr, daß der Sozialdemokrat David im ersten Wahlgange stegt, ist vorhanden, wenn seitens der liberalen Parteien lässig gewähft wird, worauf die Sozialdemokraten ihre Hoffnung setzen. Kommt der Zentrumrkandidat mtt dem Sozialdemokraten in ole Sttchwahl, bann liegt die Wahrscheinlichkeit des Sieges de» Zentrum- vor. Da» Mandat in Bingen- Alzey, dar seither der ZentrumSabg. Nebel inne hatte, soll bekanntlich nach den Abmachungen der Parteien in den Lefitz des nattonalliberalen Dr. Be­cker übergehen, für den das Zentrum im ersten Wahl­gang bereits seine 6000 6iS 7000 Stimmen zur Ver­fügung stellt. Der bekannte Reiseapostel der Frei- sinnigen, Pfarrer Korell, macht zwar verzweifelte An­strengungen, um diesen Jahrzehnte lang von dem Freisinnigen Bamberger vertretenen Wahlkreis zu er­obern; aber die Gegnerschaft gegen den bauernfeind» liehen Freisinn und seine wüste, den Sozialdemokra- len entlehnte Agitation ist so tief in der ländlichen Bevölkerung begründet daß mtt dem Siege des Na- .ttonalliberalen Dr. Becker im ersten Wahlgang wohl gerechnet werden darf. Im Wahlkreise Worms- Heppenheim ist an der Wiederwahl des Frei­herr« v. Hehl nicht zu zweifeln. Das Zentrum hat den feicherigen Kbg. liebet aufgestellt, der 1907 mit Herrn von Hehl in die Stichwahl kam, kann ober in dec Stichwahl auf einen Sieg nicht rechnen. In der Provinz Stackenburg ist der Wahlkampf ganz beson­ders lebhaft entbrannt; dort drohen der nationallibe. raten Partei zwei Mandatsverluste in Darmstadt- G r.-G er au, wo der Abg. Dr. Osann zur Wieder­wahl steht, sowie in BenSheim-Erbach. In BenSheim-Erbach unterstützt da» Zentrum wie 1907 gleich im ersten Wahlgang den Christlich-Sozialen Rippet, der aller Voraussicht nach diesmal nicht mit dem Nattonaltiberaten, sondern mtt dem Sozialisten in die Sttchwahl kommen und dann sicher siegen wird. In Offenbach-Dieburg, dem Wahlkreise deS aus den Zolltarifdebatten bekannten sozialdemokrcv' tischen Abg. Ulrich sind letztorem diesmal nicht weni­ger als dvci bürgerliche Äanbibatucen entgegenge­stellt worden. Dar Zentrum hat für den Fall, daß Ulrich nicht bereits im ersten Wahlgang siegt, die meiste Aussicht, diesmal in die Sttchvahl zu kommen; an dem schließlichen Sttg der Sozialdemokratie ist aber nach Lage der Dinge nicht zu zweifeln. — In Ob e r- Hessen macht die Sozialdemokratie alle Anstrengun­gen, den früheren Oriola'schen Kreis Friedberg- Büdingen, den sie in der Nachwahl infolge der Uneinigkeit der bürgerlichen Parteien erobert, zu be­halten; aller Voraussicht nach dürste es ihr aber nicht gelingen. Ebenso dürfte auch Gieße n-G r ü n- b e rg, das nach dem Tod des langjährigen Vertre­ters Köhlev-Langsdorf dem Bauernbündler Wemec zusiel, vor einer sozialdemokratischen Vertretung ver­schont bleiben. Da? Mandat des Antisemiten Binde- wald im Wahlkresse Alsfeld-Lauterbach, das lediglich von den Nationalliberalen ernstlich br- sttitten wird, wird aller Voraussicht na-ch dem seit­herigen Mandatsinhaber erhalten bleiben.

* Aus Thüringen, 10. Jan. 1912. Wohl in keinem der deutschen Gaue ist man über den ver­mutlichen Ausfall der Reichstagsivahlen so im Un­klaren wie in Thüringen und den angrenzenden preußischen Wahlkreisen. Mtt Ausnahme der Wahl­kreise Schwarzburg-Rudolstadt und Reuß j. L., in denen Sammelkandidatnren gegen die Sozialdemo­kratie zustande gekommen sind, und des Wahlkreises Jena-Aeustadt, wo vier Kandidaten ausgestellt sind, stehen sich in allen Wahlkreisen zwei bürgerliche und ein sozialdemokratischer Mandatsbewerber ge­genüber, von denen der letztere vielfach große Aus­sicht hat, schon im ersten Wahlgang durchzukommen. Tas gilt besonders für die Wahlkreise Sachien-Alteu- burg, Gotha, Eisenach-Dermbach, Sonneberg-Saal- seld, Naumburg-Zeitz, Erfurt-Ziegenbrück und Halle- Saalkreis, für die die Gefahr besteht, daß sie ohne Stichwahl der Sozialdemokratie anheimfallen. Im­merhin werden in diesen Wahlkreisen von bürger­licher Seite die größten Anstrengungen gemacht, die bürgerlichen Wählermassen zu regster Wahlbeteiii- gung anzusenern. Es läßt sich aber nicht leugnen, daß ein häufig hervortretender Pessimismus und der von sozialdemokratischer Seite mit rücksichtslosester Energie geübte Terrorismus auf die Kreise des ge­werblichen Mittelstandes und der christlichetl Ar­beiterschaft vielfach lähmenden Einfluß übt. Aber auch in den Wahlkreisen, in denen das sozialdemo­kratische llebergewicht noch nicht so drohend gewor­den ist, hat sich die Lage des Bürgertums sehr er­heblich verschlechtert. Bei der Erbttternng, mit der zwischen den Liberalen und Antisemiten namentlich in Gotha, Weimar, Eisenach usw. nm das Mandat gekämpft wird, ist auch für den Fall eines Sieges des Bürgertums im ersten Wahlgang zu befürchten, daß der tiefe Gegensatz der Anschauungen zahlreich» Anhänger der unterliegenden Partei veranlassen wird, bei der Sttchwahl zu Hause zu bleiben.

* Jmpfzegner und Reichstagswahl. Der Hagr- ner Jmpfgegnerveoein hat dioser Tage einen Licht- bildervvrtrag über den Vierwaldstättersee stattfinden lassen. Nach dem Vortrage forderte Dr. MayuS, der Vorsitzende des Vereins die Versammlung auf, bei der Reichstagswahl für den sozialdemokra­tischen Kandidaten einzutreten. Dies aus dem Grund«, weil der sozialdemokratische Kandidat im Gegensatz zu den beiden anderen, sich als Anhänger der Jmpfgegnerbewegung bekannt habe. Bemerkens­wert ist, daß der sozialdemokratische Parteikafsterer in der .Freien Presse" für einen Wahlkosten- beitrag von 500 Mack vom Jmp'xegnerverein Hagen quittiert. —I

• Eine Beschimpfung der deutschen Bauer« durch Liberale wird in der .Deutschen Tageszeitung' iv einem Bericht au» Bayern festgenagelt. Dort kandidiert im Wablkreise Dinkelsbühl für die Libe-