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Mittwoch 10. Januar 1912
59 Jahrgang.
* fuldaer W Zeitung
2. Blatt.
vruck Mn* Verlag »er zaldarr Xetienbrn in Z»»a.
Kn unsere Witkürger!
Die Stunde der Entscheidung naht! Am 12. Januar findet die Reichstagswahl statt.
Unsere Gegner, die Sozialdemokraten, haben schon eingesehen, daß ste ans dem Lande nichts machen können, weil der gesunde Sinn der Landbevölkerung ihnm eine gründliche Absage erteilt.
Um so mehr machen sie jetzt alle Anstrengungen, am 12. Januar in -er Statt Ma die Mehrheit zu gewinnen.
Im Jahre 1903 wählten hier von 3746 Berechtigten 2185, davon 630 unsere Gegner,
1555 unfern Kandidaten.
Im Jahre 1907 wählten hier von 4141 Berechtigten 3443, davon 1127 unsere Gegner,
2295 unfern Kandidaten.
Mitbürger, lassen wir uns an Pflichttreue von den Landgemeinden nicht übertreffen. Kein 3vuyler bleibe zu Hause, wo es sich darum handelt, ob unser langjähriger Abgeordneter oder ein Vertreter der roten Umsturzpartei die Mehrheit in der Stadt Fulda erhalten soll.
Wer für glauben und Vaterland, für Wahrheit, Hecht und Freiheit eintreten will, wähle am 12. Januar unsere Kandidaten:
Rentner Richard Müller iniulda.
Hulda, tun 10. Januar 1912.
schlaf die
vertaten.
Eines über, daß honoriert erinnern.
Schon
. Ach, sie steht, nicht Talent, dos sich überall Bahn bricht, war es, das sic so rasch berühmt machte! Aein, nur die begleitenden eigenartigen Umstände verschafften ihrer „Flucht ans Sibirien" solch großen Erfolg.
Da es also mit dem Geldverdienen durch Schrisi- stellerei für die Dauer nichts sein wird, beginnt sie, im Haushalt zu sparen; sie knausert, wo es nur irgend sieht und flickt ihre Kleider selbst, um einige Franken mehr für ihre Peiniger zu erübrigm.
An ihren Großvater denkt sie kaum mehr. Aie- nmls hat sie auch nur einen Hauch von Svmpathie für den Alten gefühlt, dessen Chargier sie von Kindheit an kannte und verabscheute.
Um so unangenehmer berührt e8 sie, als plötzlich ein Brief ans Hamburg eintrifft, in dem der alte Mann mit seiner schwer ju entziffernden steilen Handschrift, deren Unleserlichkeit durch feine Blindheit her-
vorgerufen wird, sie vor den Lungos warnt und fob grnde, nur ihr verständliche Zeilen anfügt:
»Der Stein der Weisen befindet sich nicht mehr in meinem Besitz — ist jedoch für zwnhunderttausend Franken käuflich. Fünfzigtausend Franken bar als Anzahlung genügen. Der Rest als Schuldschein."
Es ist Sonja vollkommen klar, daß der Brief nur um dieser letzten Mitteilung willen geschrieben ivurde. Eine neue Unruhe beginnt sie zu quälen
Wenn sie fünfziztausend Franken auftrciben könnte um den Diamanten dem Oberst Morgmio, dem rechtmäßigen Eigentümer, zurückzugebm. so wäre sie für immer von den Lungos befreit. Mögen die Leute dann reden, waZ sie ivollen. Das Beweisstück fehlt, und geredet wird viel auf der Welt! . . .
Deges äußert Orlando fein Befremden dar- der Verleger den letzten Artikel noch nicht ha e und fügt hinzu, et wall- ihn daran
die taufenb Franken gegeben, die im Schreibtisch lagen.
"Bist du böse?" fügt sie erregt hinzu, als sic fein verwundertes Gesicht bemerkt.
„Nein. Obgleich ich es für eine übertriebene Gutmütigkeit von dir halte. Immerhin — das Geld gehört dir; du kannst damit machen, was du willst."
Tic Sache wird nicht weiter zwischen ihnen berührt.
Als aber ein paar Tage daraus das Honorar für dc« nächsten Artikel eintrifft, schickt Sonja es sofort, ohne ihrem Manne davon Mitteilung zu machen, an Frau Nina Lungo, um einem weiteren Bestich des verhaßten Weibes zu entgehen.
Sie atmet auf. Jetzt hat sie einen Monat Ruhe. Vielleicht ist es ihr möglich, in dieser Zeit noch auf andere Weise Geld zu verdienen, um damit den Lun gos den Mund zn stopfen.
Der Erfolg ihrer ersten literarischen Arbeit er» m«ugt sie. In den wenigen Stunden von Orlandos Abwesenheit schreibt sie eine kleine Novelle und sendet sie anonym an die Tribuna. Schon nach kurzer Zeit erhält sie das Manuskript zurück mit dem Ver- ’ merk: Unbrauchbar.
Das Weib erbleicht. Soll der Raub, den sie Son sicher in ihren Fingern wähnte, ihr wieder ent- . lüpfen?
.Rach und nach, Signora! Ich gebe Ihnen ein •dogr zur Zahlung der ganzen Summe — vielleicht auch noch ein bißchen länger," schmeichelt sie. „Bis dahin ist der Diamant vergessen, und auch Sie denken gar nicht mehr daran, daß er einmal durch — Ihre eigenen Hände spazierte."
Der gewiegten Heuchlerin entgeht nicht der furchtbare Eindruck ihrer letzten Worte auf ihr Opfer.
»Geben Sie mir die tausend Franken und ich verspreche Ihnen, vierzehn Tage lang nichts von mir hören zu lassen," tuschelt sie Sonja ins Ohr.
Todesangst vor einer Entdeckung ihrer früheren Lügen und Heucheleien treibt die unglückliche Frau wieder zmn Schreibtisch.
Nur noch eine Schunde zögert sie. Dann dreht sie rasch den Schlüssel herum, entnimmt der Schub- labc ein Pack Banknoten und wirst es, angewandten Hauptes, dem Weibe hin.
Behutsam sammelt Nina die Scheine auf und zahlt pe.
Mit bei ihr ganz fremder Heftigkeit widerspricht sie dem Gatten. Es sei ihr lieber so; sic wünsche, später eine größere Summe auf einmal zu hoben I
Ihr Tori ist so eigentümlich, ihre großen Augen blicken so fieberhaft erregt — Orlando wird ernstlich be’orgt um die Gesundheit seiner Frau. Er entschließt sich, ihrem Wunsche nachzugeben, um sie nicht noch mehr aufzuiegen.
Je mehr Tage in» Land ziehen, um so auffaKen* der verändert sich Sonja. Tas liebmswürdig-nlhig« frische Mädchen hat sich in eine exaltierte, nervöse Frau verwandelt.
(ffortfefung folgt.)
Dies beständige Grübeln, die Furcht von End berfung und besonders die steten Bemühungen, ihrem Gatten ihren Gemütszustand zu verbergen, machen sie ganz krank und elend. Ost sucht sie sich nachts wach zu erhaltcn — aus Angst, sie könne im Wahrheit
lange hat sie diese Bemerkung gefürchtet und sich eine vaffende Antwort zurechtgelegi. Doch die Lüge will diesmal nicht über ihre Lippen.
_ »Stimmt! ... Es erscheint Ihnen jetzt eine große summe. Aber Sie werden sich schon daran gewöhnen. Heute ein bißchen, morgen ein bißchen — wie'» gerade kommt! Und Icenu wir irgendwo eine Chance ergattern, wodurch Sie es sich ein wenig erleichtern können, werde ich nicht versäumen —"
^Hinaus mit Ihnen!" ruft Sonja mit erhobener Hand.
Dann läßt ihre Spannkraft nach und sie sinkt laut aufstöhnend auf einen Sessel.
Rina Lungo ober verläßt triumphierend das Zimmer. Ihr Opfer ist in die Falle gegangen. Alles andere folgt von selbst.
_ Aiic mit Aufbieten aller Willenskraft vermag es Lonja, ihrem Gatten nach jenem verhängnisvollen Beuch ruhig zu begegnen. Sie glaubt, am leichtesten eine Stagen abzuschneiden, wenn sie sofort erzählt, krüh-r« Kammerfrau auf ihre inftän- btgen Betten zum Einrichten einer kleinen Geschäfte-
T'.e Tochter i>es Mannten.
38) Roman von Adele Böttcher.
Sonja schweigt. Darf sie sich durch eine plumpe Drohung einschüchtern lassen? — —
»Die Sache ist nämlich so: Der Herr Marchese Silvio Campanclli zog durch einen Privatdetektiv Erkundigungen über Die Vergangenheit Ihres Großvaters ein. Als sein Sohn Sie heiratete, wünschte er diese Nachforschungen abgebrochen zu sehen. Das Drtekt v Bureau aber, das der Fall interessierte, setzte ach eigene Faust seine Nachforschungen fort und fand bie «pur Ihre» Großvaters. Die Spur des Diamanten freilich fanden sie nicht, die Idioten! Wir aber — wir wissen, wo der kostbare Stein steckt. Nicht mehr in den Händen des alten Schurken — das glauben Sie mal sicher Woher wir das alles wissen, werden Sie fragen? Hm, man hat doch auch seine Verbindungen . . Und dieses unser Geheimnis köw» neu wir täglich, stündlich an Interessenten verkaufen. Zum Beispiel an den Oberst Morgano. Der würde sich frcu.n, seinen lieben Stein wieder zu haben, selbst wenn »r ein hübsches Sümmchen dafür blechen müßte!"
Noch einmal überlegt Sonja. Ninas Bersichenrng sie wisse, wo der Diamant steckt, erscheint Sonja wenig ölaubwürdig. Aber weiß das Wnb nicht auch noch ohne dies genug, um imstande zu fein Sonjas ganze?
Zerstören, sobald es plaudert?
tou,*"5 Lt>,rb'e beüd?" drängt Rina. .Für hrindert- Ä. ionfta-°L?nfOUfe Rnen mein Geheim-
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Mit gierig« Blicken folgt Nina jeder Bewegung früheren Herr.w Schon krümmen sich ihre plun^ Pen Finger, als wollten sie das heiß ersehnte Geld gN sich reißen--
• „Ich — ich kann nicht!" ächzt Sonja.
Der Wahlausschuß der Zentrumspartci.