wachi»beilagt: „Illustrierte Sotttrtagsyttung“
Erstes Blatt
Fulda, Mittwoch den 10. Januar 1912
M 7.
39. Jahrgang.
tag zu tresftnden Einrichtungen schritt der Schrift
führer zur „Rekrutierung".
lige vor!" folgten nach Verlesung
ben: Am Sonntag beging der hiesige kathol. A fr beiterveretn St. Joseph seine diesjährige Weihnachtsfeier. Die Stücke wurden von den Daostellern flott gespielt und ernteten verdienten^ Beifall. Mein die hiesigen »Genoffen* konnten die Gelegenheit nicht vorüber gehen kaffen, ohne die Feier durch wüste» Johlen und Gröhlen zu stören. Ja, einer der Genossen ockaubte sich die Gemeinheit, ein Mitglied de» Arbeiterverein» durch tätlichen Angriff zu mißhandeln. Da zeigt sich wieder so recht die rote Brüderlichkeit: »Willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein*. Durch solche Vorfälle wird wohl mancher, der bi» jetzt noch als Mitläufer den Genossen zugehörte, sich eines anderen besinnen und ihnen den Rücken kehren.
Eine ergötzliche Geschichte, lvelche gewiß verdient, weiteren Kreisen bekannt zu werden, wird uns au»
' Pfaffenrod (Kreis Fulda) mitgeteilt: Rote ' Genossen — 3 an der Zahl — waren eifrig an dar ' Arbeit, die hiesigen Bewohner mit sozialdemokrati- ’ scheu Flugblättern, Kalendern usw. zu beschenkt». , Von Haus zu Haus wurde gegangen und den Leuten ' eine ziemlich große Anzahl solcher Wische ein* ' fach in d i e Stube geworfen. Kaum aber hatten diese edlen Volksbeglücker ihr „segensreiches* ’ Wirken am Eingang des Dorfes begonnen, wurde ihnen sofort klar gemacht, daß hier keine sozialdemokratische — sondern eine fern gesunde Zentrums- luft weht. Ein wackerer Landwirt, der gerade „6* schenkt* werden sollte, machte dem Genossen klar, daß er kein Recht habe, ihm seine Stube mit Papierfetzen zu verunreinigen — und forderte ihn auf, das hingeworfene Papierzeug sofort aufzuhchen und wieder mit zu nehmen. Das fiel jedoch dem Genoffen nicht ein; er fing an eine Rede zu halten über die Dummheit der Bauern am Vogelsberg. Da riß aber dem Hausherrn der Geduldsfaden — und er ein. wackerer Gardist von 1,90 m LeibeSlänge — packte sich das rote mundferlige Brüderchen — anscheinend ein Schneiderlein von Gewerbe — und beförderte es unsanfterweise zu jener Stelle seines Hauses hinaus, >vo der Zimmermann ein Loch gelassen hat. Seine roten Flugblätter, Kalender usw., flogen ihm selbst- verständlich nach und gelangten unglücklicherweise (?) auf eine Stätte, welche man die Missstätte nennt. Mit einem Gerät, womit man dm Stallmist bearbeitet, wurden dieselben zusammengegabelt, und vor den Augen des roten Volksbeglückers nach jenem Häuschen befördert, da? da auf einem einsamm Gange steht und eine tiefe Grube unter sich hat. In die Grube hinein flogen die raren, zur Aufklärung der „dummen Dauern" hier am Vogelsberg dienen sollenden Flug- chriftm. Der so energisch abgefertigte Genoffe verduftete sich angesichts deS Schicksals seiner Elaborate mit Windeseile, suchte seine beiden Helfershelfer auf und beriet mit ihnen, wie man sich am besten an der Unverschämtheit des Dauern rächen könnte. Zunächst meinte man, beim Bürgermeister muffe man sich beschweren. Aber einer dieser Herren — jedenfalls der vernünftigste von den Dreien — meinte, mit dem hie- igcn Bürgermeister sei auch nichts anzufangen, die ser sei ebenfalls (wie alle die hiesigen Dummköpfe) ein kohlschwarzer Zentrumsanhänger. Die „Genossen" einigten sich deshalb, von einer weiteren Verteilung abzrssehep, den Ausgang des Dörfchens zu gewinnen und das Weite zu suchen. Wer dürfte cS auch einem Bauern verdenken, daß er von seinem Hausrechte Gebrauch macht, wenn solche Apostel der Umsturzpartei es wagen, in friedliche Bauernhäuser einzu'- dringen, um ihre Schundfchriften zu verteilen und sich obmdrein Noch frech und herauSfordemd beneh- nen? Den Roten möge gesagt sein: bei uns Vogelsberger Bauern können sie sich alle Müh: — besonders ihr Geld — sparen. Wir Vogelsberger Bauern wis- ’en schon, wen wir zu wählen haben; nicht geben luir am 12. Januar unsere Stimme einem ZentrumT- kandidatrn, weil es (wie die Roten uns vorwerfen) der Pfarrec so haben will, nein, aus Ueberzeugung tun wir dieses — weil wir wissen, daß die Interessen unsres Standes gleich wie die auch all der übrigen Stände — in den Händen der Zmtrumspartet gut aufgehoben sind. Deshalb wählen wir am großen Tage der Wahl, feinen andern, als unfern verehrt:» und bewährtm Herm Richard Müller, Fulda.
* Wahlkreis Lauterbach-Alsfeld-Schotten.
Im Wahlkreis Lauterbach-Alsfeld-Schotten ringen 4 Parteien um die Siegespalme — die nationallibe-
Deru Rufe: „Freiwil- sung der betr. Straßen
rate, die freisinnige, die sozialdemokratische und die deutsch-nationale (christliche) Partei. Die Kandidaten haltm überall ihre Programmreden und machm die großartigsten Versprechungen. Mit allen Berufsstän- ben meinen sie es sehr gut, wenn man ihren Worten Glauben schenken darf. Das Zentrum, das mit seinen ca. 800 Summen schon früher öfters den Ausschlag gegeben hat, hat keinen Zähflandidaten Wlfgestellt. Wem sollen die ZentmmSwähler ihre Stimme geben? Rach bar allgemeinen Wahlparole ist gegen „links* zu stimmen, bas verlangt die Liebe zum Vaterland und zur Religion. Links stehen aber 3 der Kandidaten — der sozialdemokratische Vetters, der freisinnige protestantische Pfarvrr Möbus und der nativ- nalliberale Heck — es bleibt demnach nichts anderes übrio, als daß die ZentrumStvähler schon im ersten Wahlgang für den deutsch-nationalen Kandidaten V i n de w a l d ihre Stimme abgeben. A u s d e n n — alle Mann an Bord!
K Wähler, denkt an Windthorst!
Gerade in die entscheidenden Tage des diesjährigen WahikampfeZ auf den 17. Januar fällt die Hundertjahrfeier des Geburtstages Wiildthorst's.
Was uns und der Welt der verewigte Führer gewesen ist, ivird in der nächsten Woche des näheren zu erörtern sein. Heute wollen wir nur kurz auf den b.vorstehenden Denk- und Dan'tag aufmerksam wachen, damit nicht etiva ein Leser am 12. Januar ein Versäumnis oder gar einen Fehltritt begehe, worüber er am Erinnerungsfeste des 17. Scham und Reue empfinden müßte.
Gedenken wir alle rechtzeitig, noch vor der Hauptwahl ,'an diesen Freitag, des alten, hochverdienten, herrlichen und lieben Vorkämpfers, den uns die Vorsehung vor ICO Jahren der Welt geschenkt hatte, damit er nach Ausrüstung seiner Kräfte im engeren hannoverschen Heimatiande ent« scheidend mitwirke für die Neuordnung der Dinge im jur gen deutschen Reich, — damit er jene Partei zur Blüte bringe, die mehr als alle anderen brigr- tragen hat zur Verteidigung und Pflege der religiös- sittlichen und der wirtschaftlich-sozialen Ideale unb Interessen in Deutschland, und die durch ihre vortreffliche Organisation vorbildlich geworden ist für alle unsere Gesinnungsgenossen in der ganzen Welt, die gleich uns für Wahrheit, Freiheit und Recht in's Feld ziehen möchten.
Nach der Gründung des deutschen Reiches waren r fast sechzigjährigen Exzellenz noch zwei Jahrzehnte einer reichgesegneten, aber auch mühe« und sorgenvollen Wirksamkeit beschieden. Er rieb sich auf im Dienste an Kirche, Reich und Volk. Zwei Jahrzehnte sind nun schon verflossen, seitdem er auf der Berliner Arbeitsstätte zusammenbrach. Seine Hintkllaffenschafl ist in dieser Zeit treulich gepflegt worden von den dankbaren Erben. An schweren Stürmen bat es in den zwanzig Jahren der Epi- gonenzeit wahrlich nicht gefehlt; aber die Zeutrums- partri mit den zugehörigen Organisationen hat sich bis heule ruhmvoll behauptet in ihrer Festigkeit und auch in ihrer Fruchtbarkeit. Mit vereinteil Kräften sind zu den Lorbeeren aus der Windthorst'schen Zeit neue und reiche V-rdienste der Zentrumspartei hinzugesügt worden. Der verewigte Führer wird, wenn er vom Himmel blickt, mit den Trägern und der Gefolgschaft seiner Fahne zufrieden fein.
Bis jetzt! Soll er auch nach dem 12. Januar zufrieden fein, — dann müssen wir allzumal bei dieser entscheidenden Kraftprobe uns als treue Elben des Windthorst'schen Eesstes bewähren, — nicht bloß in Gedanken und Worten, sondern in der Tat, durch dis eifrige Wahlarbeit. Das ist
»«leigen: Dee rkanw einer eins«. Colonel«! »eile, <7 mm breit,1 kostet jspfz. Reklamen:/ Der Raunt einer €cie< ««heile, 74 mm breit, kostet 4« Pfg. Sei wie.' berhotN«seä »«bett' SSrSfferl-u.Lsemnst.
«reis«« 23 pfg. extra.' «etatkou,druck )
Crschrint täglich mit Annahme »er «ndLeierta-e-viertel- i«h7?w!erve;«g-preir ohne Sriuserlohr? nnb »est^getbinzuldci sowie Ni-wärtrk-SvMk
verantw. Redakteur: Sarl Schutte;
den Herrn Kandidaten, der seit einigen Tagen erkrankt sei, nicht st a t t f i n d e n können. Umso intensiver müsse jetzt die Kleinarbeit am Wahltage sein. Nack kurzer Erläuterung der für den Wahl-
Männer aus allen Schichten der Bevölkerung, die sich begeistert in den Dienst der Sache stellten. Nachdem so alle Straßenzüge „besetzt" waren und die „Schlachtordnung" in Umrissen bekannt gegeben war, wurde die Versammlung mit einem Hoch auf das Zentrum geschlossen.
□ Die Sozialdemokraten entfalten in unserer Stadt in den letzten Tagen vor der Wahl noch eine ungemein rührige Tätigkeit. Treppauf und treppab laufen die Zettclverteiler und überschwemmen die ganze Stadt mit ihrm Flugblättern. Ist eben ein „Genosse" mit seinen Flugblättern abgezogen, dann kommt gleich schon wieder ein anderer und liefert uns die zw-.ite Auflage; nicht lange nachher liegt schon wieder ein neues Flugblatt ans dem Treppew absah. Auch an dm Fabrikeingängen werden die Arbeiter mit der roten Gratislcktüre bedacht. Wie ung von mehreren Seiten berichtet wird, kann man aber beobachten, daß unsere Fuldaer Arbeiter keineswegs ein besonderes Verlangen nach der Weisheit der so- zialü.ü'.okrat. Flugblätter zeigen, sie behandeln sie vielmehr recht mißachtend. Ein Flugblatt, das betitelt ist: „Hilfe, die Sozialdemokraten kommen!* wendet sich gegen den Vorwuss, daß die Sozialdemokraten Terrorismus übten. Die Tatsache, daß von sozialdemokratischen Arbeitern Terrorismus geübt werde, wird wohlgsmerkt in dem Flugblatt nicht abgestritten; sie ist eben so offenkundig, daß alles Leugnen nichts helfen würde. Das Flug- blatr fragt naiv: „WarumsollcndieArbei- ter denjenigen lieben, der ihnen die Früchte der Organisation zerstört?* Ach, dies Kind, kein Engel ist so rein, wie die harmlose Sozialdemokratie — auf dem Flugblatt»-. Im Leben draußen, da fragen die Sozialdemokraten ihren Gegner nicht: warm» soll ich dich lieben? Da heißts: Unb willst du nicht mein Bruder sein, dann schlag ich dir den Schädel ein! Das ist die „Liebe" der Sozialdemokraten zu ihren Arbeitsbrüdern. Hunderte von den Arbeitern aus unserer Gegend, die im Sommer in die Jndustriegegenden gehen, um dort ihr Brot zu verdienen, wissen davon ein Siebten ;u singen. Wie viele von ihnen haben ihre Arbeitsstelle verlassen müssen, weil ihre roten Arbeitskollegen sie „nicht lieben* wollten. — Ein anderes Flugblatt wendet sich an die christlichen Arbeiter und sucht sie aus den christlichen Gewerk- schasteu zu den Sozialdcmokralen herüberzuziehen. Der Inhalt ist so seicht, daß man sich ein Eingehen darauf schenken kann. Wenn die Sozialdemokratie unter den christlichen Arbeitern sich Anhänger holen will, dann möge sie ihnen erst einmal sagen, aus rvelchen Gründen die Sozial- bcniofraten eine Börsensteuer ablehnte.
* Die Wahlurnen. Die Aufsichtsbehörden sind, tote die „Deutsche Tageszeitung" erfährt, angewiesen worden, bei den diesjährigen Reichstagswahleu darauf zu achten, daß von den Wohlvorständen zweckmäßige Wahlurnen verwendet werden, bei denen eine Verletzung des Wahlgeheimnisses ausgeschlossen ist.
Tie Beamten und die ReichStagöwahl.
Die gestern von uns erwähnte Kundgebung von Ber!re!eru bedeutender Beamten- und Staalsarbeiter- verbände hat fplger.ben Wortlaut:
»Der 12. Januar ruft mich die Beamten und Arbeiter de» Reiche» und der Bundesstaaten zur Wahlurne. Al» freie Männer sollen sie da» vornehmste Recht be» Sraatsbüroer» da» Wahlrecht euSiufiben.
aus welchen Gründen sie eine Luxusstcuer wie die Champagnersteuer ablehnten, ferner wie hoch die Beträge sind, die den Arbeitern aus beit sozialen Gesetzen zufließen, die unter hervorragender Mitwirkung der So- zialdemokratie geschaffen sind. Diese Fragen wären zugleich auch einige Themata für die Versammlung, zu der das sozialdemokratische Wahlkomitee die große Güte hatte, die Redaktion der „Fuldaer Zeitung" „persöhnlich" (!) einzuladen. Wir lehnen dankend ab; wir baden nicht den Ehrgeiz, als „Zugstück" für eine sozialdemokratische Veranstaltung zu dienen.
* An die reichst»«;« Wähler im Kreise Gersfeld, soweit sie nicht dem Zentrum angehören, wendet sich ein im »Gersfelder Kreisblatfl vcröffenilichter Aufruf. Die reichstreuen Wähler werden darin gebeten :
„von der Aufstellung eines eigenen Kandidaten abzusehen, damit die leiser tm Kreise vorhandene Zersplitterung innerhalb der bürgerlichen Parteien nicht noch vermehrt wird. Selbstverständlich kann kein reichSlreuer Manu dem Sozialdemokraten feine Stimme geben. Wir bitten daher, entweder Herrn Müller-Fulda die Stimme zu geben ober aber sich der Stimmabgabe zu enthalten" Unterzeichnet Ist der Aufruf: Faiolö, Gersfeld; Goldbach u. Gutmann, Rengersleld; Röder, Sei. fert u. Schüßler, Gersfeld; Schußler und SU. Schüßler, Sandberg; Frhr. v. d. Tann, Tonn; Bey, Brombach; Weikard, Schachen; v. Watdthauscn, ©erife.b.
Mit dieftm Aufrufe nehmen die Konservativen im Kreise Gersfeld eine Stellung ein, die sich wohltuend von dem seinerzeit mitgeteilten Beschlüsse der Konservativen tm Kreise Schlüchtern abhebt. Dort teuren bekanntlich die reichstreuen Wähler aufgeflw- dert, am 12. Januar keine Stimme abzugs» b en, aber hinzugefügt: gemeinsames Zick aller vaterländisch gesinnten Männer muß fein, die Sozial- demokratte mit aller Kraft zu bekämpfen* Einr Wahlenthaltung kann doch wohl kaum al» „Bekämpfung der Sozialdemokratie mit aller Kraft* ausgelegt werden. — Das „GerSf. Kreisblatt* meldet auS Tann: In Tann und den umliegende« Wahlbezirken haben sich die liberal gesinnten Wähler dahni geeinigt, am 12. Januar dm Oberpfarrer Wilhelm Bäun.lerzu wählen.
)!( Ei« starke» Stück sozialdemokratische« Heber« ■mfä. Lu« Nladerkalbach wird uni aatorte»
volkspartetuchen Versammlung in Niedcrrad hat, der ,Franks. Zta/ zufolge, der linksliberale Kandt- dal Redakteur Oes er bei Besprechung des Zerfalls des Bülow'olocks u. a. gesagt:
..Die Negierung war bereit, den Linksliberalen in der Frage keS Wahlrechts entgegen,ukommen. In der Thronrede waten bekanntlich Versprechungen gemacht worden. Das paßte den Konservativen nicht, da sie ihre Macht bedroht fühlten. So fanden sich d-un die Konservativen und das Zentrum, das in uuver- antwortlicher Weise — die ich von meinem bemoha« tischen Standpunkt verurteilen muß — von Bülow brüskiert worden roar.‘
Wir haben nie gehört, baß Herr Ocser, solange er Reichstagsabgeordneter war, gegen die „unverantwortliche Brüskierung* des Zentrums protestiert hat. Fühlt man vielleicht, daß da» Zentrum hier die Entscheidung gibt?
* Köln, 9. Jan. 1912. Rach einer Mitteilung der Nationalliberalen Korrespondenz für die Rhein- Provinz sind die Einigungsverhandlungei» in der Rheinprovinz zwischen den Rational» liberalen und ben Fortschrittliche« ge> scheitert.
(^München, 7. Jan. 1912. Bayern ist für den Bestand de» Zentrum, eine« der wichtigsten Ge- Mft, in D«"lschsm,l> Sinn, (Ernfjxnll h» !
gebunden nur durch Pflicht und Gewissen, geleitet • durch gereiften politischen Sinn. Daraus ergibt sich t str den Beamten ohne toeitet» seine Stellung. Set, 1 Diensteid wehrt ihm schlechthin die Wahl eins» : Gegner» der bestehenden StaateorbK 1 nun g. Man lasse sich durch kpiegelfechtereten nicht irreführen! Eid bleibt Eid! Und Eidbruch bleibt : Eidbruch! Wer den Diensteid geschworen hat, kann also, solange er tm Amte ist, einen Sozialdemokraten nicht wählen.
Aber auch au» Gründen politischer Klugheit unb Erfahruntz gehört der sozialdemokratische Stimmzeitel weder in die Hand de» Beamten noch be» Staat»« arbeittr». Denn was ihnm auf religiösem, sittlichem, kulturellem unb wirtschaftlichem Gebiete teuer und wert ist — ble Sozialbemokratte will ei zerstören. Wa» auch immer auf sozialem Gebiete für Arbeiter und Beamte errungen wurde — die So«, zialdemokratie hat e» zu verhindern gesucht oder durch unfruchtbare Polittk erschwert. Arbeitern und Beamten hat ste stet» nur Steine statt Brot, Berfprh- chungen unb Vertröstungen statt fataler Taten, ®et«: hetzung statt Befriedigung geboten. Blind und taub' für politische Forderungen des Tage», verweigert sie grundsätzlich dem rings von Feinden umgebenen Vaterlande ben nötigen Schutz. Ja -» hat nicht an so», zialdemokratischen Drohungen gefehlt, e» lanbeSver- räterisch tn bet Stunde der Gefahr wehrlos zu m», chen. Ein Tor, her ben Ast abfägen Hilst, auf bem ex! sitzt! Also nur ein politisch Verblendeter kann eine« Sozialdemokraten wählen.
Deutsche Beamte und deutsch« Staatsarbeiter! \ Dte rote Flut steigt höher und höh«. ($| gilt, ihr einen unerschütterlichen unb unüberstetgbarm Damm emgegenzusetzen. Den feste« Kem btefe# Damme» muß bk unwanbelbare Treue zu Kat-' ser unb Reich, »u Fürst unb Saterfanfc bilde«,' die im Herzen d-, deutschen Beamtentum» und der deutschen Staatsarbetterschast lebt. Bet den Wahl«' von 1907 haben 15 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme nicht abgegeben. Am 12. Januar und d« nachfolgmttm Stichwahlen kommt es 'auf leb» Stimme an. 1
Darum auf zur Wahl! gebet wähle, ab« kein Beamter ober Staats ar v ejt»»- stimme für einen Sozialdemokraten.* .?
11 . Ä
* Die nicht wlederkehreu. Der neue Reichstag Wird infolge bei freiwilligen Verzicht» zahlreich«) bekannter Parlamentarier ein ziemlich beränbertel' Aussehen erhalten. Nachdem di« Kandidatenlsst« ‘ jetzt vollständig vorliegen, läßt sich eine genaue» Zu»' sammenstellung der Abgeordneten geben, die sich 6et ben Neuwahlen um ein Mandat nicht mehr W werben. Es sind da» 18 Konservative, 7 Reich»- pm'eilsr, 81 Anhänger de» Zentrum?, 17 National- liberale, 17 Fortschrittler, 8 Polen, 3 Sozialbemo«' traten, 4 Mitglieder der Wirtschaftlichen Vereinigung unb 7 Fraktionslose.
)( Eine naiionaüiberale Beschwerde über ben Hanfsbund. Das Verhalten des Hansabundcs im Wahl«' kreise Hamm-Soest gibt bet »Süddeutschen Nationalliberalen Korrespondenz^ Anlaß zu einer bemerkenswerten Beschwerde. $n Hamm-Soest kan« bibicten neben den Kandidaten des Zentrums (Wiedeberg), der Wirtschaftlichen Vereinigung (Roer) und der Sozialdemokratie (Hufemanu), der Kandidat der Fortschrittlichen Volkspartei (Traub) und der nationalliberale Kandidat (Kaufmann Schulenburg).'
„Nun müßte", schreibt die Korrespondenz, „jeder vernünftig denkende Mensch wohl ohne weiteres annehmen, daß der Hansabund al» Vertretung von Handel und Gewerbe auch ben Kaufmann unter« stützen werde. Aber weit gefehlt; der Hansabund proklamiert Neutralität, derselbe Hansabund, der es sich angeblich zur Aufgabe gemacht hat, Vertreter von Handel und Gewerbe in den Neichstaa zu bringen. Ja, noch mehr: eS tft im Wahlkreise öffentliches Geheimnis, daß der Hansabund aus feinem Geheimfonds den freifinnigen Pastor geten den nationalliberalen Kaufmann unterstützt. So betätigt sich der „unpolitische" Hansabund."
* Heber die Stichwahlersolge der Sozialdemokratie veröffentlicht die „Kreuzztg.* folgende Statistik:
der rechte Dank am hundertsten Geburtstag:
Wähle selbst am 12. Januar so, wie Windt- horst, ivenn er noch lebte, es dir anraten würde!
Und wirke in deiner Umgebung, so gut du es kannst, damit recht viele andere Wähter im Sinne Windthorft's nnd zu Ehren Windthorst's das gleiche tun!
Jetzt müssen wir zeigen, ob wir des Geschenkes würdig waren, bas nns bet Himmel in dem unvergeßlichen Windthorst beschert hatte.
Wähler, denkt an Windthorst!
Wahlkreis Fn!da»Gersfels« Schlüchtern.
[] Fulda, 10. Jan. 1912. Am Dreikönigsfeste fand in Kämmerzell eine Wahlversammlung statt, welche sehr gut beiucht war; beionders zahlreich hatten sich die Mitglieder des Volkevereius eingefunden. Herr Benesipal Krieg behandelte in einem gediegenen Bortrage das Thema: „Was beabsichtigen die Linksparteien tm neuen Reichstag," Er neigte, was wir von dieser Seite zu erwarten haben: Cntchrnllichung der Schule, einen verfeinerten Kulturkampf, Ausschaltung der Katholiken von allen höheren Aemtern. Dagegen wurde die Finanzreform des Zenlrums glänzend gerechlfertigl. Im Anschluß hieran mahnte Herr Kaplan Lippert, der bieVerfammlung leitete, treu festzuhatten an der gegebenen Wahlparole und gewissrnhafl der Wahlpflicht zu genügen. — Einen fehe schönen Verlauf nahm auch die gestern abend in Bachrain abgehaltene Versammlung. Herr Bankvorskand Singer behandelte die Haltung der liberalen und fo)ia'.bemclrati|d)en Partei auf religiösem und wütschafilichem Gebiete. D e Herren H o f e n I e 1 b unb Zimmermeister Fritz sprachen über die christliche und sozialistische Weltanichauung. Herr Zivcktngenieur Schneider empfahl die Wahl beS H nn Rich. Müller, worauf Herr Lehrer Schmitt eindringlich aufforberte, Mann für Mann zur Wahl zu kommen. Das Schlußwort des Herrn KuratuS Becker mahnte ebenfalls zur gewissen hatten Ausübung der Wahlpflicht. — In der sehr gut besuchten Wahiverfainmlnng in Herolz sprach gestern abend Herr Oberpostasftstenl Kuhn über die Stellung des Liberalismus und der Sozialdemokratie zum Christentum. Herr Volksoereinssekretär Frank ^s"ZH">,oete die Schäden, die unserer nationalen Bolks- wtrtfch.ist drohen, wenn der Liberalismus und der »^talisnms im künftigen Reichstage dis Mehrheit er- Wih«rbnn Redner richteten einen begeisternden
airnnS nmppta d«e anwesenden Wähler,
KÄw’ä”6
❖ Die Agitationsversammlung, die vom Wahl- «t-schuß der Zentrumspartei auf gestern abend ein- berufen war. aibt butcb ibr Verlaus und mr Er
gebnis die beruhigende Gewähr, daß die Kleinarbeit am Tage der Wahl prompt und exakt ausgeführt wirb. Tie Säle btt Harnwnie waren dicht besetzt, als der stellv. Vorsitzende de» Wablausschusses der Zentruntspartei Herr Carl Arnd die Erschienenen begrüßte und ihnen den Dank des WahlausschuffeS übermittelte. Seine Worte, nunmehr auch in Fulda an die Arbeit zu gehen, fielen auf guten Boden. Der Schriftführer des Wahlausschusses Herr I. Par- zeller legte den Zweck der Bersamnilung in kurzen Zügen dar. Er wies u. a. darauf hin, daß ut» sprünglich die Absicht bestanden habe, auch in Fulda am 10. Januar eine Versammlung abzuhal- ten. Leider habe diese fßetjmnmhutg, wie auch einige andere im Kreise Schlüchtern, mit Rücksicht au
ultzaer W Zeitung
u. vertag oer niooQ
Monairbrilage: „Ktldaer Seschichtzblätter" ^SerxfDre^er^
Sozialistische
Sozialistische
Sozialistische
Gewinne in der
Beteiligung an
Stichwahl- 1
Hauptwahl
Stichwahlen
gewinne
1871
2
8
0
1874
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32
98
24
19 3
56
118
25
1907
29
87
14
♦ Frankfurt a. M,
7. Jan. 1912.
In einer