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Montag 8. Janaar (9U

59 Jahrgang.

« suiaaer W Leitung «

2. Blatt.

vrack und Verlag der sinldaer Htiicnbru in Zulda.

lassen.

und zwar gerade einen solchen.

milbringen

Amt Geisa und Umgebung

Herr

Mindestens einen Wähler noch

besten Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit nicht ganz zweifelsohne sind. Wenn die Gegner heute schon über die Klughest der »Schwarzblauen" sich ärgern, o sollen sie am 12. Januar über unsere Treue und unseren Eifer erst recht in Entsetzen geraten. Unser Heil liegt in der strammen Disziplin und in der allgemeinen Kleinarbeit.

)::) Geisa, 7. Jan. 1912. Bekanntlich ist Rektor Trabert von hier am 1. Januar in den

Mhestand getreten. Zu seinem vorläufigen Nach­folger und Stellvertreter wurde Herr Kantor Klug ernannt, lieber eine definitive Besetzung der Stelle verlautet noch nichts.

* Vacha, 6. Jan. 1912. Der bei Dr. Rademacher Hierselbst in Diensten stehende Kutscher ist seit Don-' nerstag unter Mitnahme einer Kassette seines Dienst- Herm verschwunden. In der Kassette sollen sich 750 Mark befunden haben. — In den Tagen vom 28. bis 30. Juli d. I. wird hier eine große bienen­wirtschaftliche Hauptversammlung u. Ausstellung des Bienenwirtschaftlichen Haupt­vereins Thüringen stattfinden. Zweck dieser Veran­staltung ist, der jung aufstrebenden Bienenzucht iy den Rhöngebieten und angrenzenden Landesteilen einen kräftigen Ansporn zu geben.

* Dermbach, 7. Jan. 1912. Laut Bekanntmach­ung des Großherzogi. Sachs. Herm Bezirksdirektors ist die Maul- und Klauenseuche im 4. Ver- ivaltungsbezirk erloschen.

? Zella, 7. Jan. 1912. Der Volksverein veranstaltete Weihnachten und am Neujahrstage ein Bühnenspiel für die Weihnachtszeit mit Gesang in 4 Aufzügen und 2 lebenden Bildern von Heinrich Houben. Dem Spiele voraus ging eine kurze An­sprache des Herrn Pfarrverwalters Braun, sowie der Vortrag eines Gedichtes: »Weihnacht der Völker" von Lorenz Krapp und ein Weihnachtsspiel für Kinder: »Unter dem Weihnachtsbaum". Die mit viel Fleiß und Mühe einstudierlen Rollen wurden mit Geschick wiedergegeben. Auch die heitere Seile kam durch einige kleine Nachspiele zu ihrer Geltung. Der Reinertrag ist zur A n s ch a f f u n g f ü r B ü ch e r zur Volksbibliothek bestimmt. Diebetreffenden Werke sind bereits eingekaust. — Am 7. Januar hielt der Volksv.'rein der Pfarrei Zella eine patri­otische Feier in dem Gasthaus »Zum schwarzen Kreuz" ab. Der Ertrag dieser schön verlaufenen Feier ist für die Jugendbibliotbek bestimmt.

* Motzlar, 6. Jan. 1912. Mit dem 1 Januar d. I. ist hier eine Fo rstaufs eh erstelle einge­richtet und dem Forstaufseher Schleichert aus Tie­fenort übertragen worden.

"f\ Wenigentaft, 5. Jan. 1912. Zu einer Volksvereinsversammlung hatten sich eitte Anzahl Männer und Jünglinge Wenigentafts gestern abend im Henningschen Saale versammelt,, Herr Pfarrer Klitsch begrüßte die Erschienenen und brachte ein Hoch auf die höchsten Gewalten in Kirche und Staat aus, ivorauf das Lied ,,Deutsch­land, Deutschland über alles" gesungen wurde. Es sprach alsdann Herr Kuratus Schumann, Vacha über „Die Pflichten des kath. Mannes auf religiö­sem, politischem und sozialem Gebiete". Gemäß der Wahrheit des Wortes „Einigkeit macht stark" fordert; er zum Schluffe auf zu innigem Zusammew schlusse in Männer- und Arbeitervereinen, in chri'tl. Gewerkschaften und besonders im Volksverein für das kath. Deutschland. Herr Pfarrer K l i t ch sprach dann noch in treffenden Worten über die Aufgaben des Bolksvereins als Abwehrorganisation gegen den sozialdemokratischen Irrtum. Der Erfolg des Abends war der Gewinn von 1 8 neuen Mit­gliedern für den Bolksverein-

* Weilar, 6. Jan. 1912. Der Briefträger Fried­rich Heisen, welcher' schon viele Jahre bei der hiesigen Postagentur tätig ist, wurde zum Oberbriefträger ernannt.

□ Tiefenort, 7. Jan. 1912. Eine Bezirks- ausschußfitzung findet am 10. Jan. im Gast­hof „zum Stern" dahier statt. Auf der Tagesord­nung stehen 35 Punkte, darunter „Beschwerde

Zu Oen WWWMW.

' A»tj s Ganze!

Hüben und drüben hört man vielfach den Rufi es yuwde »um's Ganze" gekämpft und die An ftrei qungen müßten sich -auf s Ganze Achten Zu unserer Genugtuung ftndm wir in der libe raten Preile das Betennlnis, die »schwarzdlauen Parteien" und besonders die Zentrum parwi hatten fuchtig verstanden, ihre Wahltaktik auf s Ganze zu richten und in zahlreichen kritischen Kreisen schon em Zusam men gehen im ersten Wahlgange chorbereitet, um eine sogen, falsche Stichwahl zu oer» meinen. Das ,Berl. Tagebl/ stellt die „Klugheit der Schwarzblauen" als ein leuchtendes Exempel für feine linksliberalen und sozialdemokratischen Freunde hin und empfiehlt noch in letzter Stunde die Zurück- ffich. ng von zersplitternden Kandidaturen oder wenig» Mrs die Abkommandierung der nötigen Anzahl von Wc. 5ent, wo sich durch solche Maßnahmen eine ge­fährliche Stichwahl vermeiden läßt.

DaS Lod der Gegner ist sehr erfreulich, — wenn ks verdient ist! Es muß für alle Partei­genossen ein neuer Antrieb sein, am 12. Januar die strengste Parteidisziplin zu betätigen, sich keinerlei Seitensprünge zu gestatten und stets daS Ganze im Auge zu behalten.

Aufs Ganze müssen unsere Bestrebungen ge­richtet sein, nämlich auf eine Zusammensetzung des Reichstags in unserm Sinne. Es kommt 8Iso auf das Gesamtergebnis der Wahlen an. )ic Gegner wollen eine libero-sozialdemokratische Mehrheit schaffen, um das Zentrum und die Rechte im künftigen Reichstag lahm zu legen. Wir müssen Mit aller Kraft eine solche Großblockmehrheit zu verhindern suchen und also dahin streben, daß nicht bloß das Zentrum selbst seine Stärke hehauptet, daß auch die positiven Parteien Huf der Rechten stark genug bleiben, um mit dem Zentrum eine Arbeitsmehrheit bilden zu können.

Wer dieses Ganze richtig erkennt und als Ziel im Auge behält, wird in den Wahlkreisen, die wir Im Sinn Haden und die wir nicht zu nennen brauchen, feine persönlichen Liebhabereien oder die örtlichen -Eonderwünsche gern hintanstellen. Wir haben ja bei dieser Wahl nicht einmal den einseitigen Partei» Porte!! unbedingt und überall als das Höchste be­trachtet. Wenn die Aufstellung eines eigenen Partei- kavdidaten zu einer Stichwahl führen würde, bei der unser Kandidat keine SiegeSausstch'en hätte, dagegen ein Linksliberaler oder Sozialdemokrat den Sieg erringen könnte, da haben wir den sonst be­greiflichen Wunsch nach Sammlung und Zählung der Zentrumsstimmen in dem betreffenden Wahl­kreis hintangestellt und treten sofort für einen positiven Kandidaten ein, auch wenn dessen Per­sönlichkeit oder dessen Parteistellung manchem Zen­trumswähler nicht besonders gefällt. Jeder, der den liberalen Kandidaten auszustechen vermag, ist zum mindesten als das »kleinere Uebel" zu begrüßen und im Hinblick auf das Ganze zu unterstützen.

Eine derartige kluge Selbstverleugnung haben schon früher die Zcutrumswähler in mehreren streiken geübt. Jetzt muß es in noch größerem Um» Fange geschehen, und über die Vorbereitungen dazu grgcrn sich unsere Gegner wirklich. In diesen kritischen Stunden sind „Extratouren" nicht gestattet. Gehorsam ist die erste Pflicht des Wählers, der für eine christliche arbeitsfähige Mehrheit des Reichs­tags ficht. Gehorsam gegen die berufenen Partei­instanzen, die von hoher Warte aus das Wohl des Ganzen am besten besorgen können. Und sollte ein Wähler mit starkem Selbstbewußtsein auch glauben, daß er in diesem oder jenem Punkte klüger sei, als die Parteileitung, so muß er doch vorläufig sich fügen, um die Aktion nicht zu verderben; er kann ja "nach der Wahl seine Ansicht geltend machen, um künftig eine andere Taktik herbeizuführen.

Parteidisziplin ist die erste Pflicht. Die |wei e Pflicht ist die eifrige Mitarbeit. Daß jeder treue Parteigenosse selbst zur Wahl sich ein­findet und den richtigen Zettel abgibt, ist selbst­verständlich ; aber damit soll man sich nicht genügen

gegen die Gemeinderatswahl in ® ei» s a". i ferner ist Beschwerde erhoben gegen die Ge­meinde /.atswahl in Diedorf, Andenhausen, Ostheim, Schleit> Emphertshausen, Zillbach, Oechsen und Motzlc fc.

♦ Aus Thüringen, 7. Jan. 1912. In Gera stürzte die Frau des Maschinisten Heine eine unge­nügend beleuchtete Treppe hinab. Sie fand den Tod infolge Schädelbruchs. — Auf der Wartburg bleiben wegen baulicher Veränderungen die Burg­höfe bis auf weitere? geschlossen. Die Besichtigung der Räume der Burg findet jedoch weiter statt. — Der Gemeinderat in Ilmenau, in dem die So­zialdemokraten noch die Mehrheit haben, hat wieder­um einen sozialdemokratischen Vorsitzenden und einen ebensolchen Stellvevtwter gewählt. Die Gemindy- umlagen wurden, wie im Vorjahr, auf 150 Prozent estgesetzt. Also trotz „toter" Mehrheit ebenso hohe Steuern wie tonst. — Ein: Arbeiter in Koburg erschoß am Donnerstag seine Frau und dann sich; echs kleine Kinder wurden dadurch der Eltern be­raubt. — Aus einem fahrenden O-Zuge sprang vor Erfurt ein auf der Heimreise begriffener ruffischer Oberst. Er wurde sterbend ins Erfurter Kranken­haus gebracht. Vermutlich liegt plötzliche Geistes­störung vor.

Ans Gbsrhsssen u. den Hess. Aemtern.

* Kirchhain, 7. Jan. 1912. Den hiesigen Post­schaffnern Kraft und Stenner ist der Titel Ober­postschaffner verliehen worden.

* Treysa, 6. Jan. 1912. Wegen Wilddieberei wurde ein hiesiger, mehrfach vorbestrafter Einwoh­ner M. verhaftet und dem hiesigen Gerichtsgefängnis zugeführt. Der Missetäter hatte am Schwalmberg Schlingen gelegt und wurde bei seinem „Hand­werk" auf frischer Tat ertappt.

* Zwesten, 7. Jan. 1912. Der hiesige Schuh­macher Adam Suhre fiel so unglücklich die T r e p p e herunter, daß er schwere Kopfwunden davon­trug und nach kurzer Zeit v e r st a rb.

Q Niedenstein (Kr. Fritzlar), 8. Jan. 1912. Die Ausgrabungen auf der Altenburg bei Nieden­stein, in denen uns das Bild einer germanischen Siedelung verheißungsvoll entgegentritt, sind, tote der Verein für hessische Geschichte und Landeskunde in Kassel mitteilt, im Jahre 1911 fortgesetzt wor­den. Für das Jahr 1912 hat die römische Abteilung des kaiserlich deutschen archäologischen Instituts tviederum einen Beitrag von 1000 Mk. bewilligt. Die Größe der Siedelung auf der Burg tritt immer klarer hervor. Um ein möglichst vollständiges Bild von ihrer Anlage, ihrem Alter und ihrer Geschichte zu gewinnen, wird es noch einer sich über mehrere Jahre erstreckenden Arbeit bedürfen.

* Fritzlar, 6. Jan. 1912. Unter dem Schweine- bestande des Landwirts Karl Schäfer Hierselbst ist die S ch to e i n e s e n ch e ausgebrochen.

vermischtes.

* Beim Rettung-weck verunglückt ist in Iser­lohn in Westfalen ein freiwilliger Helfer. Bei einem dort ausgrbrcHmwn Brande beteiligte sich ein 30jähriger unbekannter Mann am Retten der Mö- bel. Als er eine Bettlade aus dem Fenster reichen wollte, verlor er das Gleichgewicht unb stürzte in die Tiefe. Er war sofort tot.

* Stiftung eines deutschen Offizier. Der Haupt­mann a- D. Herwarth v. Bittenfeld hat dem italieni­schen Kriegsminifter seine Billa Beatrice in Levico (Tirol) als Aufenthalt für erholungsbedürf­tige italienische Offiziere unb Unter- offziere, besonders aus der Lustschiffer-Abteilung, zur Verfügung gestellt.

* Ein greiser Klosterbruder geriet im Benedik- liaerlloster Pankstcttten in Bayern in die Trans­mission eines Motors. Er wurde auf der Stelle getötet.

* Ein von de» Franzosen mittellos abgeschobener Fremdenlegionär aus Helmstadt in Braunschweig, der jetzt aus Afrika nach fünfjähriger Dienstzeit zu­rückgekehrt war, suchte sich in der Nähe von Trier auf offener Landstraße zu vergiften, ba er . vbne Nahrung und Geldmittel war. Er hatte sich in der

es

Sonja zuckt zusammen. Doch noch immer gelingt ihr, sich zu beherrschen,.

„Ich habe mit meinem Großvater nichts zu tun." „Natürlich nicht, weil es Ihnen jetzt bequemer

waltsam zur Ruhe zwingend. „Sie wissen, daß ich Ihne» alle Ihre Sachen unter Skgnör Roberts' Adresse zurückgesandt habe -"

„Tun Sie nur nicht so! Als ob mir an den Paar Lumpen und unechten Schmucksachen was ge­legen wäre!"

Höhnisch lachend steht die Frau auf, verschränkt die Arme unter der Brust unb tritt dicht an Sonja heran, sie au? ihren stechenden Augen boshaft an- funkelnd.

„Wo ist bet Diamant, ben Ihr Großvater gestoh­len hat?" zischt sie wütend.

stunden, bis wir eine Position erlangt hätten--

bann würden wir Ihre Dienste sicherlich bezahlen können —"

„Aha! — — Das ist schon etwas. Das also geben Sie wenigstens zu?" _

„Ja", murmelt Sonja, zitternd vor Scham.

„Gut also." Nina setzt sich wieder und nimmt einen protektonnäßrgen Ton an. „Sie haben Ihre Rolle fein gespielt unb erreicht, was Sie wünschten, Signora. Durch uns fmb Sie die Marchese Campa- nellt geworben, ble Schwiegertochter eines Park>- mentsmitgliedes, und nehmen in der Gesellschaft eine geachtete Stellung ein. Alles durch uns! Und Sie wagen mir ins Gesicht zu sagen, daß ich keine Rechte bei Ihnen geltend machen kann--Sie, die Sie

uns alles verdanken, was Sie sind?^

Zum erstenmal erblickt Sonja die Sache in diesem Licht, unb sie vermag es nicht, dem Weib da ganz unredii zu geben. Hastig springt sie auf.

„Was wollen Sie haben?"

„Unser Anteil an dem gestohlenen Diamanten be­trägt Bunbertieufenb Franken. Zahlen Sie unS das!"

Erschrocken blickt Sonja in das kalte, grausame Gesicht vor ihr.

„Unmöglich!" Woher soll ich eine solche Summe nehmen?"

„Hm — wir sind nicht mitleidslos", grinst die Frau spöttisch liebenswürdig. „Wir nehmen die Summe auch ratenweise. Wieviel haben Sie ge­rade da?"

„Ich besitze kein Geld."

„Unsinn! Wo sind die tausend Franken die sie vor ein paar Tagen für Ihre letzte Schreiberei be­kamen?"

Sonja preßt die Hände aneinander. DaS Be­wußtsein, daß dieses schreckliche Weib über ihre pekuniäre Verhältnisse so genau unterrichtet ist, raubt ihr fast den Atem

„Nun?" fragt Nina lauernd.

„Mein Gatte hat sie eingeschloffen."

„Also heraus damit! Es ist zwar erbärmlich we- Ä" aber für den Anfang wollen wir ein Auge zu- en."

ist! Aber Sie hatten mit ihm zu tun, als wir — ich und mein Mann — Sie beide vor dem Armenhaus bewahrten. Und Sie werden die Bedingungen ken­nen —"

„Ich weiß von keinen Bedingungen."

„Schlimm genug! Er hätte sie Ihnen nennen Essen, der alte Schuft! Ja, ja, leugnen Sie cs doch, wenn Sie können! Leugnen Sie, daß er ein Dieb ist!"

Sonjas Kopf sinkt an die Lehne des Sessels. Stürmisch hebt und seickt sich ihre Bnist. Kein Laut kommt über ihre blassen Lippen.

„Sehen Sie. Sie wissen ganz genau, was für eine Sorte Ihr Großvater ist!" fährt ble Frau, die mit Genugtuung die Wirkung ihrer Worte bemerkt, fort. „Sie wissen, daß wir ausgemackt hatten, die amü­sante Komökfle als Herr und Wiener so lange zu spielen, bis sich uns eine angemessene Entschädigung bot

„Nein, nein!" ruft Sonja verzweifelt. „Ich weiß nichts!"

Wieder lacht das unheimliche Weib höhnisch auf.

„Unsinn! Sie besitzen mchr Verstand als die meisten Frauen. Womit gedachten Sie unsere Dienste zu bezahlen?" ,

Ich dachte —" erwidert Sonja mit Anstrengung — „ich dachte, wenn Sie uns so lange zur Seite

W Tochter des Verdünnst!!.

87; Roman von Adele Böttcher.

„Kann ich ihr nicht bestellen, was Sie von ihr wünschen?"

„Nein, danke. Ich möchte die Prinzessin selbst sprechen."

„Wie Sie wollen! Ich werde meiner Frau sagen, daß Sie roiebertommen. Paßt es Ihnen morgen?"

„Ja. Um wieviel Uhr?"

„Sagen wir: um elf Uhr."

„Gut. Um elf Uhr. Empfehl mich Ihnen, Herr Marchese!" —

Sonja verfuchre, die Sache mit gleichgültigen Kugen anzusehen. Trotzdem — al« am nächsten Morgen Punkt elf Uhr Nina Lungo mit überein« kmdergeschlagenen Armen vor ihr steht und sie höhnisch .lachend fixiert — —, da wird es ihr schwer, Ihre ruhige Haltung zu bewahren.

„Meine Gatte sagte mir, daß Sie mich zu spre­chen wstnschen", beginnt sie mit erzwungener Ruhe, indem sie sich setzt und auf einen Stuhl in einiger Entfernung beutet.

Die Frau blinzelt nach der Tür hin.

„Ist Ihr Gatte zu Hause?"

„Nein."

„Oder sonst jemand, der uns hören könnte?"

„Nein." ,

„Gut." Nina setzt sich unb nimmt eine noch un- kerschäinrere Miene an. „Warum beantworten Sie ben Brief nicht, ben ich vor ein paar Wochen nach Frascati an Sie schrieb?"

„Weik er in einem Ton gehalten war, ber mir sticht behagte. Hätten Sie höflich geschrieben —*

. " „ h» das hat gar keinen Zweck!" unterbricht Kma sie brüsk. „Wir verstehen uns auch so. Bilden Sie sich nicht etwa ein, daß ich um Almosen betteln lvill! Ich om gekommen, um meine Rechte geltend ju machen!"

„Sie können keine Rechte geltend machen, weil sie keine besitzen", erluibert Sonja, sich qoch immer «e-

Fremdenlegion eine schwere Krankheit zugezogen und wurde daher ins Krankenhaus übergeführt.

* Für eine Million Kunstwerke verbrannt. Vor einigen Tagen brach im Palais des Grasen Ludwig Ballhyany in Budapest ein Zimmerjeuer aus, Vas zwar bald gelöscht werden tonnte, bei dem aber wertvolle Gobelins, Teppiche unb Gemälde v r« brannten. Ter Schaden beträgt über 850000 Mk.

* Dir jüdische Bevölkerung der Welt. Einen sta­tistischen Ueberblick über die Zahl der Inden, soweit zuverlässige amtliche Angaben zu erlangen waren, gibt die „Nature". Nach dieser Aufstellung beziffert sich die Gesamtzahl ber Juden auf 11817 783, wo­von weitaus der größte Teil, 9 942 266 in Europa leben. In Amerika zählte man 1 894 409, in Asien 522 635, in Afrika 341867 und in Australien 17 106 Bekenner des israelitischen Glaubens. An der Spitze der einzelnen Länder steht Rußland mit einer jüdischen Bevölkerung von 5 110 584 Köpfen, Oesterreich folgt mit 1224 899, Ungarn mit 851 378, Deutschland mit 607 842, die europäische Türkei mit 282 277, Rumänien mit 238 275 und an siebenter Stelle England mit 105 988. In Holland zählte man 105 988, in Frankreich dagegen nicht ganz 100 000, von denen nahezu 70 000 in Paris leben, Italien weist nach der Volkszählung 52115 Inden auf. Anders liegen die Verhältnisse in den Groß­städten der Welt. Hier steht Newyork mit einer Be­völkerung von 1 062 000 Inden an ber Spitze. Es folgen Warschau mit 204 712, Budapest mit 186047, Wien mit 146 926, Lonbon mit 144 300, Obessa mit 138 935, Broklyn etwas über 100 000, Berlin mit 98 893.

* Hutnadelverbot in der Schweiz. ~ Zürich ist vor kurzem eine Polizeiverordunng erlassen wor­ben, durch bie ben Damen das Tragen von lang» hervorstebenden Hutnadeln untersagt nnd jedes Zu- toiberbanbeln mit Geldstrafe belegt torb. Obwohl diese Verordnung erst am 1. Januar 1912 in Kraft getreten ist, sind bis am Mittwoch bereits 12 0 .Strafverfügungen gegen Damen, die die neue Polizeiverordnung nicht beachteten, erlassen worden.

Literarisches.

Inmitten heißer, parteipolitischer Kämpfe, in ben Tagen zwischen ben Haupt- unb Stichwahlen zum beutschen Reichstag, begeht bie deutsche Zentrums­partei und mit ihr das ganze katholische Deutschland einen bedeutungsvollen Gedenktag. Hundert Jahre find es am 17. Januar 1912, daß Ludwig Windthorst, ber hervorragendste Parlamen­tarier bes Zentrums unb vielleicht des gesamten beutschen Reichstags, ber bebeutenbfte Politiker unter den beutschen Katholiken bes 19. Jahrhunberts, auf bem hannoverschen Gute Kalbenhof bas Licht der Welt erblickte. Als bei weitem das beste, was tn kurzer, zusammenfassender Darstellung über Winbt- horst geschrieben tourbe, ist allseitig anerkannt wor­ben ber Artikel Windthorst im Staatslexikon der Görresgesellschaft, aus der Feber Dr. Jul. Bachems, des vertrauten Freunbes unb langjährigen Mitar­beiters von Winbthorst. Für bie zurzeit erscheinende 3. und 4. Auflage des Staatslexikons wurde der Aufsatz Wieberum wesentlich überarbeitet unb et- qänztfi Dankbar zu begrüßen ist es, baß dieser Ar« titel anläßlich ber Jubelfeier in eigenem Büchlein für ben geringen Preis von 25 Pfg. als Sonder­druck erschienen ist nnd so auch den Richtbesitzern des Staatslexikons eine willkommene Gelegenheit flp geben wird, einen Einblick in ben Lebensgang dwses großen Deutschen und Katholiken zu tun kennen in. lernen seine religiöse und kirchenpolitische St', l- lnno, seine parlamentarische Tätigkeit, seme hervor­stechende Charakterzüge, seine rednerische Eigenart k rc. In toürbiger Weise trägt das Büchlein bet zur Ehrung „unseres Windthorst", zur Pflege bet von ihm vertretenen Ideale. Möge darum jeder nach dem kleinen Schriftchen greifen, ohne Rücksicht auf Stand und Alter; es dient dem Sandmann und bent Industriearbeiter nicht minder wie dem Kaufmann .unb bem Beamten, es bietet eine Fülle von Anre» gung bem Mann bes Volkes sowohl wre bem Ge- iehrten. Auch zu Massenbezügen für Volksbtlduna»> Männer-, Arbeiter-, Gesellen- und Juaendvererue, für Windthorstbunde unb anbre politische Organr» fationen dürfte sich bas Büchlein vortrefsltch eignen.

Entsetzen malt sich in Sonjas Zügen.

„Ich — ich soll meinen Mann — bestehlen?' "Es ist mir ganz egal, wie Sie es nennen oder woher Sie es nehmen! Wenn Sie was Besseres wis­sest — mir auch recht! Aber ohne die tausend Fran­ken gehe ich nicht fort. Verstanden?"

Sonja sieht: von diesem Weibe ist kein erbarmen zu erhoffen. Sie überlegt. — Sie weiß, der Scheck ist bereits eingelöst. Die Schlüssel zu dem Schretb-- tisch, in dem Orlando das Geld aufbewahrt, befind« sich in ihren Händen. Tut sie unrecht, Wenn sie ihr selbstverdientes Geld dem Weibe gibt, um es los zu werden und den Frieden ihres Hauses zu bewahren?

Schon nähert sie sich dem Schreibtisch, als ihr plötzlich ein neuer Gedanke kommt.

„Erklären Sie sich mit dieser Summe für abge­funden?" fragt sie schnell. .

Spöttisches Lachen verzieht Ninas Mundwmkel. Es lohnt ihr nicht einmal, darauf zu antworten.

„Wenn ich mich nun weigere, Ihnen überhaupt etwas zu geben, was bann?"

„Aha! Die Frage habe ich erwartet , zücht die Frau, indem sie aufs neue drohend auf Sonja zutritt. „Wenn Sie sich weigern, uns unseren Anteil an bem Diebstahl auszuzahlen — meinetwegen nach unb nach in Raten — so verkaufen wir gewisse Jwormanouen unb lassen ben alten — Samueloff einsverren. fugt sie, ben Namen scharf pointierend, hinzu.

Sonja preßt die Hände auf ihr w'.ldktopfendes

$ ^Das können Sie nicht, ohne sich selbst 0115i;fl re­gen!" murmelt sie erregt.

Sind Sie naiv!" fpotiet das Weib. „Wir brau­chen" uns nur vom Oberst Morgano ober vom Mar­chese Silvio, Jh»em hochgeborenm Herrn Lwwie- gerpapa, eine Summe für die Offenbarung uub-'«^ Geheimnisses auszahlen zu lassen unb bann — heidi, weg! Kein Hahn kräht nach ans. W'.r I'aUenS längst getan; aber —"

»Aber —?" wiederholt Sonja angstvoll.

Mir glauben, daß Sie uns Met bezahlen wer­den, wenn toir unser Geheimnis für un3 behalten." (Fortsetzung folgt.)