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3). Jahrgang.

Fulda, Freitag den 5. Januar 1912,

Erstes Blatt

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|] Wahlanssichten

Die Marburger

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den der be-

Z ent rum geleitet wirb*. Darum müßten die Wahlen „auf die Niederlage dieser Ver­einigung gerichtet werden". — ES ist eine un­bestreitbar« Tatsache, -daß der Liberalismus durch und durch kulturkämpferisch ge­sinnt ist, daß sein ganzes Sinnen und Trachten dar­auf hinausgeht, den christlichen Gedanken aus unse­rem Staatsleben zu entfernen. Wir haben schon wie­derholt auf die Gefahrrn hingawissen, die dem christlichen Staatsgedanken, vor allem aber der katho­lischen Kirche von dem Liberalismus und dem Groß- block, der ihm ein Mittel zur Förderung seiner Be­strebungen sein soll, droht. Den Katholiken gilt in erster Linie der Ansturm, seien wir daher aus der Hut. Es muß uns gelingen, dm Ansturm des Groß­blockes abzuschlagen, sonst ist es vorbei mit dem Rest von Freiheit, dm der katholischen Kirche im deutschm Reich gelassen ist. Nicht die Freiheit der Kirche will der Liberalismus, fonbem ihre Knecht tung. Und diesem Ziele soll die Beseitigung des Ein- fluffes der Kirche auf dm Volkschulunterricht dimm.

wird zum Schluß erklärt, daß die Parteileitung es für ausgeschlossen Mit, daß ein fortschrittlicher Parteigenosse seine Stimme einem Kandidaten der Rechten zusührt.

verantw. Redaktmr.

Sari Schütte;

X'.»- w-ch-MUagu „IlbWerte SomtagrMmg

schreiben.

* Marburg, 4. Jan. 1912.

fortsciMtliche Parteileitung erläßt eine Erklärung, daß sie sich gezwungen sehe, von einer Unterstützung der Kandidatur v. Gerlachs abzustehen, wie dies früh r in Aussicht genommen sei. Die Partei des Herrn v. Gerlach, die Demokratische Vereinigung gehe überall im Reiche mit Kandidaturen gerade gegen die fortschrittliche Vollspartei vor. Ange­sichts der Verhältnisse im Wahlkreis sehe man von einer Sonderkandidatur ad. Mit Nachdruck

0 Sozialdemokratie

und Bauernstand.

Wenn die Wahlm kommm, dann mtdeckt die So­zialdemokratie jedesmal ihr gutes Herz für dm Bauernstand. Zu anderen als zu Wahlzetten hat man davor- nichts bemeckt. Es ist daher gut, daß man zu Zeiten der Wahlen einmal einen Rückblick hält auf die Stellung, welche di« Sozialdemokratie dem Bmremstand gegenüber bislang eingenommen hat.

Die Sozialdemokratie hat bisher nicht nur keine positive Arbeit für den Bauernstand geleistet, fonbem sie ist seine ärgste Feindin. Sie hat kein Interesse an ber Erhaltung einer blühenden Landwirtschaft, im Gegenteil, der sozialdemokratische Weizen blüht nur dann, wenn die Zahl der besitz­losen, in Abhängigkeit lebendm Existenzen recht groß ist. Der Sozialdemokratie liegt darum nicht daran, durch gesetzliche Maßnahmm unfern Bauernstand zu schützen. Zudem wüten die sozial­demokratischen Agitatoren und ihre Preffe bet jeder Gelegenheit gegen dir Landwirte, die als beutegierige Dolksausplünderer, als Blutsauger usw. bezeichnet werden. Mit keinem Worte wird man ber Tatsache gerecht, daß im Geldbeutel des Bauern meist wmiger Geld vorhanden ist, als in dem des DurchschntttsarbeiterS. Ein unglückliches Ernte­jahr genügt manchmal, um den Bauern zu ruinieren. Aber davon erzählt man dem Volke nichts, sondern man wütet über den Bauernstand und schließt sich mit den im Freisinn und zum Teil auch auf natio­nalliberalen Bänken sitzenden Freihändlern zusam- mcn, um den Schutzzoll abzuschaffen, der seinerzeit geschaffen wurde, um unser« Landwirtschaft vor der Konkurrenz der ausländischen Getreides und somit vor dem sicherm Untergang zu bewahren.

Rur wenn man Stimmen braucht, dann kommen die Sozialdemokraten auch auf das Land. Und da­bei haltm die Sozialdemokraten noch heute im Prin­zip an der Aufhebung des Privateigen­tums fest, also auch ber Bauer soll nach ihrer An­sicht fein, Hab und Gut, das er von den Vätern er­erbt und im Schweiße seines Angesichts bebaut, an die Gesamtheit v erlter en! Um allen denjenigen, die die Sozialdemokratie noch nicht zur Genüge ken­nen sollten, die Augen vollends zu öffnen, feien hier einige Zitate von hervorragenden Parteigrößen an­geführt, die dem Landmanne beweisen, wohin die so­zialdemokratisch« Reise geht.

Bebel sagte auf dem Frankfurter Parteitage „Die Rücksicht auf die Bauern darf uns in unseren Vorgehen nicht bestimmen!"

Aus einem anderen Parte tage «klärte Bebel: „Nur üb« die Leichen des SBauetnuauves werden wir zum Siege gelangen!" Und ein anderer fozmttstischer Führer sprach sich wie folgt ans: „Wir «klären den Krieg nicht nur dem große» Hof, sondnn auch der kleinsten Bauemhütte!"

Auf dem Breslauer Parteitage meinte Genosse Fischer: „Die Sozialdemokratie kann den Bau«» erst gewinnen, wenn er von seinem Eigentum loSgelöst ist und bankrott gemacht hat."

Und Liebknecht erklärte seinerzeit auf dem internationalen Sozialistenkongreß zu Paris: „Das stärkste Bollwerk gegen die Sozialdemokratie ist der Bauernstand. Das amerikanische Korn ruiniert den Bauern, eS stößt ihn ins Proletariat hinab!"

DaS weiß auch die heutige Sozialdemokratie und deshalb erstrebt sie die A b s ch a f f u n g des Schutz­zolles, damit der Landmann recht bald durch das amerikanische Korn in das besitzlose Proletariat hin­ab gedrückt wird, wo dann die Sozialdemokratie ihre Krallen nach ihm ausstrecken würde! Ueberall, wo es sich um daS Wohl und Wehe des Bauern handelt, finden wir die Sozialdemokratie daher in den Reihen btt Bauernfeinbe, so z. B. 1880, als sie gegen da» Wuchergefetz stimmte.

Ab« auch an frechen Beschimpfungen aegemiber dem Räbrstand unseres Volkes hat es die Sozialdemokratie biSh« nicht fehlen lassen. Nicht nur Duhendagitatoren, sondern auch die sozialistische Preffe und die Führer ber sozialdemokratischen Par­tei pöbckn bat Bauernstand in der taktlosesten Weife an.

Aus dem sozialdemokratische» Parteitag zu München sprach Bebel von der Unverschämtheit der christliche» Bauernvereine und fügte hinzu: „ES gibt kerne egoistischere, rücksichtSlos«e, brutal«« und borniertere Klasse als de» Bauernstand." I» ihrer Verärgerung üb« eine sozialdemokratische Wahlniederlage schrieb am 18. Juni 1908 die in KotbuS erscheinend« sozialdemo- kratisch« »MLrk. Volksztg.': . „Man kennt de» Bauern, tyvus an d« glattrasierten, mit kecke» Stoppeln besetzten Visage. Echlevpenden Gange? und ihre StinkadoreS schmauchend, bewegten sich die denkfaulen, schwer­fällig en Bartlosen zum Wahllokal. So haben die Konservativen noch einmal den Sieg davongetragen dank bet schimboraflohasten Dummheit d« Land« btDÖlterung!"

Am 12. Januar bietet sich bem Bauernstand Ge­legenheit, diesen sonderbaren Volksfreunden, die sich bei ihm etndrängen wollen, zu zatgett, wo der Zim- mermann da» Loch gelassen hat!

und Mtdagt- virrtrk- eint vrwgtrlohn und viea««Srt-l.S0Mk.

Snfei,««: Der «ae* einer eww Colonel« teile, 4- mm breit, tostet lSpf«. Reklamen: ver Kaum ein« Lolo- »elzei e, 74 nun breit, feilet 47 Pf !, vr: »le« derh» nngea Habitt. KSkSssett-u Hiis.unit« anzrigcu 23 pfg. extra.

Kota Hon sbrud u. Verlag der Zuldaer Aettendrnckerei l.$ulba siernsprechrr Nr. 9.

Wahlaufruf zur geschloffenen Stimmabgabe für den rechtsstehenden Kandrdalen Rupp auf. Keine Stimme dürfe dem Vertreter d« auf dem linken Flügel stehenden demokratischen Partei Herrn von Verlach zufallen. Herr Rupp habe den Vorzug, im Wahlkreis kein Fremder zu sein und sei durch Stand und Stellung der großen Mehrzahl der Wähler und auch der Zentrums-Wähl« persönlich nahe gerückt; hab« sich aus eigener Kraft so weit vorangebildet, daß er sich, was Redegewandtheit angehe, mit seinen Gegnern wohl messen könne, an llrberzeugungstreue und Begeisterung für seine Sache sie alle übertreffe. Seine Partei sei durch ihre ganze Zusam mensetzung gehalten, in allen wirtschaft­lichen Fragen ähnlich wie das Zentrum einen Aus. gleich der verschiedenen Interessen auf mittlerer Linie zu suchen. Als die Vertretung des noch im Kerne gut christlichen hessischen Bauernvolkes werde sie die Erhaltung deS christlichen Gedankens und den Kampf gegen den Unglauben auf ihre Fahne

Ausland.

*♦ D«k Kircheuhstz der radikale» Sladtverfvallmtg in Genua iss so groß, daß fie selbst die gewöhnlich^ sie» Anstandsformen unbeachtet läßt. Dor einige« Tagen wurde der Erzbischof von Genua, Migr. Pulciano, bendigt. Dies« eble Mann, der zur» zeit der Cholera«Epidemie voll« Todesverachtung

* Kassel, 3 Ian. 1912. Die hessische Rechts. Partei hat in ihrem Organ, den .Hessischen Blättern', die Anhäng« und Freunde der Partei aufgefordert, sich roeber an den Haupt- noch an den Stichwahlen zu beteiligen. Bei früheren Wahlen stelle die Partei verschiedentlich eigene Kandi« baten auf.

♦ Darmstadt, 4. Jan. 1912. DaS hiesige Zen­trum beschloß in Anbetracht der allgemeinen Lage des Wahlbezirkes den Wählern zn empfehl«!, bett seitherigen, bett rechtsstehend«» Parteien angehörigen ReichelagSechg. Herrn Dr. Osann im ersten Wahl, gano.e zn unterstützen oder aber Stimmenthal, tung zu üben.

* Bromberg, 4. Jan. 1912. DaS Zentrum hat beschlossen, in der Provinz Posen keine Kandidaten aufzustellen und die Kandidatur deS Gras«! Oppersdorff in Siffa nicht anzuerkennen.

)( Leipzig, 4. Dez. 1911. Die Abkomman­dierung soziald emokratifcher Reichs- tagswähler aus dem der Sozialdemokratie ziem­lich sicherm Wahlkreis« Leipzig-Land In bett bet so­zialdemokratischen Partei nur wenig Hoffnung ver- sprechenden Wahlkreis Leipzig-Stadt Ist diesmal nach Leipziger Blättern in viel größerem Umfange erfolgt als bei früheren Wahlen. Es hat sich nun ergeben, daß es sich bei bat Umgezogenen in manchen Fällen um S chetnmeldnn g en hanbelte, nur zu bem Zwecke, baß ber anscheinend umziehende Wähler, in die Wählerliste des Wahlkreises Leipzig-Stadt auf- gmormnen wurde. In Wirklichkeit blieb er in seiner bisherigen Wohnung Leipzig-Land, zumtell meldete er sich dort gar nicht ab. Es sind Strafverfügungen In Höhe von je 50 Mark an dir ermittelten Personen ergangen.

** lieber die Wahltakt» be8 Zentrums fällt der ,Tag' folgendes an«kennmdes Urteil:

„Die Parteien der Rechtm ließen sich mit ihrem Aufmarsch zum Wahttampf mehr Zett als ihre Gegner. Aber je näher d« Wahltag heranzieht, desto klar« und entschiedener formt«« sie ihre Truppm. Uno«, kennbar rücken dabei die Konservativen und daS Zen» trum immer dichterzusammen. Namentlich ist e» das Zentrum, da« mit seiner überlegenen Strategie der Linken einen Wahlerfolg nach dem andern streitig zu mache» sich entschlossen zeigt. Unter Aufopferung zwar nicht eigener Mandate, aber eigener Mandats- aussichten stellt eS feine Wähler in zahlreichen Wahl­kreisen anderen rechtsgerichteten Kandidaten zur Verfügung, um diese in sichere Stichwahlen zu bringen, und es hat ganz den Anschein, als ob daS Gesamtergebnis der Nmwahlen durch diese- kluge Ber- fahren nicht unwesentlich beeinflußt werden sollte. Die Konservative» erhalten auf diese Weise die Möglichkeit, für eine ganje Reihe von Verlusten, mit denen sie rechnen müssen, an ander« Stelle Ersatz zu finden, und ob die Zahl d« libnalen und sozialistischen Wahl« erfolge groß genug sein wird, um die jetzige Mehrheit trotzdem zu werfen, ist eine Frage, die nur schnell- fertige Optimisten ohne weiteres bejahen tönnen. Jedenfalls dürst« die Entscheidung auf des Messers Schneide stehm."

O Freisinnig« Forderungen. Der freisinnige Abg. Schraber hat mtbeckt, welches bte dringendsten Forderungen bet deutschen Volkes in politisch« und kulturelftr Beziehung find und fie im Berliner Tage­blatt der Oeffmtlickpeit übermittelt. Es sind folgende Forberungen: Am beachtenswertesten ist seine Stel­lungnahme zur „Kulturpolitik":

Eine Kulturpolitik, welche bei gleicher g«echt« Behandlung der Kirchen und soustigen religiösen Ber» etnigtmgtn nnb bet gleichmäßiger Gewährung freier Bewegung und Gestaltung alle Eingriffe in anßerkirchliche Gebiete, tnibefonbere in di« BolkS- erziehung desritlgt nnb das ausschließliche Recht de« Staates auf bi« öffentliche Erziehung ent­schieden wahrt.

Di« ehtldtenba Borte sehen fast so au«, al» ob Schraba für bat Toleranzantrag b«8 Zentrum» sich autzsprrch«, wolle; in Wirklichkeit aber fordert er ble Trennung von Staat und Kirche und völlige Ausschaltung ber Kirche aus bei Schule, als« Beseitigung brr christliche» Dolkrer- ziehung. Da» hat Herr Schrader auch früh« schon sehr deutlich ausgesprochen. Jetzt meint er, keine diese Forderungen »erbe erfüllt werbe» „so­lange die Politik von der Bereinigung ber beiden reaktionären Parteien, ben den K onservativen in Verbindung mit ber protestantischen Orthodoxie uitb dem untpan Druck b« römische» Kirche stehenden

Wegen des Feiertags Hl. 3 Könige wird die nächste Nummer der »Fuldaer Zeitung' erst am Montag nusgegeben

Mdaer W Zeitung

““ L Monatrb-Uage: „gulboet Geschichisblätter"

Prophezeien ist ein gewagtes Dingi lieber Ausgang eines Wahlkampfes zu durch so viel lokale und provmzielle Momente stimmt wird, ist schon mehr als ein Wagnis! xsnS* besondere da ziemlich die Hälfte aller Wahlen erst durch eine Stichwahl entfchiwen werden muß. Pros. C Metzger bnt im „Tag" trotzdem das Wagnis rmicrnommm und orakelt nicht nur Über den evm- luellen Ausgang des Wcchlktmepse-, sondern auch schon über die sich daraus «rgebeden Re 1 chstagsmeh r- Veiten. Er schreibt: k. o

Wie wird sich aber voraus,ichilech bte Lage tm zukünftigen Reichstag gestalten k Die Beurteilung wird dadurch erschwert, bah m dieser Wahlbewegung »roei neue Momente hervoatrete», deren Wirkung sich nicht übersehen läßt: einmal das taktische Zujamme». gehen der Nationalliberalen und Frei» sinnigen, das für viele Bezirke durchgeführt werden könnte, sodann die Tatsache, daß das Zentrum in zahlreichen Fällen auf eine ZSHrtandidatur verzichtet und seine Anhänger sofort für di konservativen Kandidaten ins Feld führt. Nach den bei den früheren Wahlen gemachten Erfahrungen wird man aber annehmen können, bah das Zentrum in an* sehnlicher Starke mied er erscheint, während vamit gerechnet werden muß. daß die Konservativ en manchen Verlust «leiden, so daß die an sich schon nicht ganz große Mehrheit des schwarzblauen Blockes nicht mehr möglich fern wird. Dafür taucht aber eine andere Kombination am Horizont auf. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Abwebrmehr» Helt des Zentrums und der Sozialdemo­kratie roiebeitommt, die aber nicht mehr eie frühere Beeentung hat, da der Gegensatz zwischen den Parteien sich inzwischen bedeutend verstärkt hat, und da auch das Zentrum jetzt eine wesentlich andere Stellung em» Nimmt. Ferner wird za bedenke» fein, daß auch eine Mehrheit der getarnten Linken nicht außerhalb des Bereichs der Möglichkeit liegt, die aber ebenfalls eine vtaktische Bedenumg fo lange nicht gewinnen wird, als man auf die Satialoemolratie bet der positive» Arbeit an der Gesetzgebung incht rechnen kann. Diesen mehr aber weniger zweisskhafie-i Annahmen gegenüber gewährt eine Kombination ein größeres Maß von Sicherheit: das ist die Mehrheit der sämtlichen

Deutscher Neich.

♦♦ Bern«, 4. Jan. 1912. Die Königin von Schweden ist in Berlin eingetroffen. — Tie Zahl ber neuen Richterstellen, die der preußische Etat für 1912 fordert, beträgt 79. Sie ist damit gering« als in den vorigen Jahren.

* Zur Verminderung der Schutztruppe in Süd­westafrika. Aus den bisher vttöffentlichten Zahlen des neuen Kolonialetats geht hervor, baß die Schutz- truppe für Sübwestafrtka um 10 0. H. vermin- b e r t werben soll. In der Presse ist die Meinung vertreten worden, daß diese Verminderung nicht den Versprechungen entspricht, die die Kolomaloerwal- tuna dem Reichstag vor Jahresfrist gemacht habe, sie habe damals von einer wesentlichen Ver­minderung der Schutziisuppe gesprochen. Dir Kolonialverwaltung steht jedoch, der Tägl. Rundschau zufolge, auf dem Standpunkt, daß sie mit der Ver­minderung der Schutztruppe um 10 v. H. ihr Ver­sprechen eingelöst hat und die Stöcke der Schutzimppe weiter nicht herabsetzen kann, wenn der militärische Schutz d« Kolonie nicht erheblich darunter leiden soll. — Wir sehen nicht ein, warum eine weitere Ver­minderung der Schutztruppen in Südwestafrika für einen späteren Zeitpunkt, wenn sich die Verhältnisse noch mehr gefestigt haben, nicht möglich sein sollte. Die Bestimmung des geeigneten Zeitpunktes wird man allerdings der KooluraLv«.waItung kchetlaffen müssen. Der Reichstag lvird sie nötigenfalls schon baran erinnern.

* Speyer, 3. Jan. 1912. Die ZerttrumSstaktion des hiesigen Stadlrates hat gegen die Wahl des Berussbürgermeistns Dr. Her tri cd Prokest erhoben.

♦ München, 4. Jan. 1911. Die „Frankfurter Zeitung" (Nr. 361) stellt die Behaupiuny auf: „Speziell in München ist die Zahl der ansässigen Jesuiten in letzter Zeit ständig gewachsen. In München bewohnen ihrer zwölf in der Blütcnstraße ein eigenes, dem Orden gehörendes Haus." Die „AugSb. Abmdztg." (Rr. 1) druckt dies ab und nennt es eine „Feststellung", wir aber «klären es als eine grobe Unwahrheit. Die Jesuiten haben in München kein eigenes Haus. Das Haus Blütenstr. 14 in München, welches gemeint ist, gehört einem Ingenieur, der mit seiner Familie darin wohnt. Ferner sind Hausbewohner: 1 Traiteur, 1 OberlandeSgerichts- rat, zwei Sprachlehrerinnen, 1 MajorSwttwe, 1 Pri­vatdozent, 1 Kunstmaler. Es muß als ein Schwindel bezeichnet werden, was von dem „dem Jesuitenordeit gehörenden Hause" da erzählt wird. In dem Hause Blütenstraße 14 wohnt P. Aschenbrenner. In seiner Behausung haben äußersten Falls hier Herren Platz; zurzeit wohnen im ganzen zwei Herren dort, ben P. Astienbrenner mitgerechnet. Das ist bie Fabel von ber Jesuilennieberlassung in München, bie eine schlechtverhüllte Dmunziation, jedenfalls aber «in Schwindel ist, mit welchem man dl« Fraickfurter Zeitung hercingelegt Hai.

0 Eulhüülmgcu über Herr» BaflnmamtS Politik.

Ein ehemalig« nationailib«aler Redolkeur hat der „Deutschen Tagesztg." eine Zuschrift über den „Dividendentrick des Abg. Baffermann" zugehen lassen, die, wenn sie zutiifft, Herrn Basser- mann in einem recht eigentümlichen Licht «scheinen läßt. Bekanntlich haben die Rationallibetaien ihr Bemühen, das Großkapital von jeder Steuer nach Möglichkeit frei zu halte», dadurch zu be- mänteln vrrsucht, daß sie den Dividenden­steuerantrag des Abg. Baffermann als Gegen- beweis anführten. Dies« Dividendensteuerantrag ist aber bekanntlich niemals gestellt worden. Ueb« die Beweggründe hierzu teilt nun die ge» nannte Zuschrift folgende Einzelheiten mit:

L In ber im Berlin« Zeutralbüro der »ationallibnolen Partei in Anwesenheit deS Abg. Baffermann, der beiden nattonalliberalen General­sekretär- Breithaupt und Kakkhoff und ber bekannteste» nattonalliberalen Journalisten abgehaltenen Presse- vertrelersitzung würbe der Abg. Baffermann nach dem Stand« d«r brabstchligten Einbringung eines Dividenden-« steuerantragS befragt.

2. Der Abg. Safferman erklärte darauf, daß die Einbringung deS Antrages bish« unterblieben fei, da nach Rücksprach« mit bem Präsidenten des Hansa- bunbe», Geheimrat Rießer, dies« entsetzt ein« Steuer abgelehnt habe, bie „schlimm« fei al« bte Talon­oder Kotierungssteu«".

8. Der Abg. Baffermann gab auf Befrage» jtt, daß der Dividendensteuerantrag lediglich bezwecke» solle, dem Vorwurf der Gegner einer Schonung be« Börsenkapitals feiten« der Nationalliberalen be», gegnen zu könne». Auf eine Annahme feiten« der neuen Mehrheiten fei ja nicht z» rechnent

4. 3U< dem Abg. Baffermann von fast sämtlichen^ Pressevertretern eutgegengetjaUe» ward«, in welchj seltsame» Licht bte »attonalltberal« Po»', litik kommen würde, wen» bie Oeffentlichkeit diese«, Manöver burchblicken ob« d« Antrag doch gar an­genommen würbe, konnte b« Ada. baffermann nur mit einem Achselzucken und bei Entschuldigung ant­worte», baß sich bi« «nbgftlttg« Entscheidung Ja »ach Gestaltung ber politische» Lage schon «geben mürb«.

5. Zum Schluff« dieser denkwürdige» Sitzung riet btt Abg. Bafferman» ben Pressevertretern an, die Be­tonung in de» Artikeln nicht so sehr auf bte neuen Steuern zu legen, den» da« Geschrei über die Belastung würde doch bald verstumme» und halte nicht an, al» vielmehr auf da- Zusammengehen bie« Zentrum« und, der Konfervattveu, also Echürung der tonfef» sionellen Gegensätze. ' s

Soweit die Tatsache», jede «mderSlauienbe Dar«, : stellung ist eine Fälschung. Wenn Herr Baffermann I ben Mut dazu hat, mag « antworten.

Wir sind gespannt darauf, wa« Herr Baffer» , mann auf diese schweren Anklage« zu antwortest , haben wird. Antworten wird et jedenfalls roüffat-

bürgerlichen Par leien, die schon in den letzten Jahre» in Tätigkeit war. I» ihr würden allerdings, fall« der schwarz-blaue Block bie Mehrheit verliert, bte liberalen Par leien einen stärkere» Einfluß gewinnen, aber sie würde mr.er allen Umstände» die ArbcitS» fähigfeit des zukünftige» Reichstages sicher». Auch wenn es also eine zuverlässige Mehrheit wie die fünfer« Vaiiv-kiberale Paarung oder ben fchivarz-btaue» Bieck sticht geben sollte, so würde doch immer für die rein fachliche Behandlung und Erledigung der Gesetze eine Mehrheit vorhanden fein.

Der foßenointie „schwarz-blaue Block", dessen Zertümmerrmg der Herr Professor erwartet, besteht bekanntlich gar nicht. Das gelegentliche Zusammen- aeheu zwischen Zentrum und Konfervatioen, insbeson­dere. wenn eS sich um Fragen ber christlichen Welt­anschauung handelt, kann doch weder als Bündnis, noch als Block bezeichnet werden. Bedauerlich wäre kS allerdings, wenn bie Möglichkeit einer solchen Mehcheitsbtldung ausgchoben würde. Wer wird bann fn Zukunft dafür sorgen, daß die Jntereffen deS Christentums beider Konfessionen bewahrt bleiben. Wer lvird die christl. Weltanschauung vor den Uebet- flrificit atheistisch« und sozialistischer Gesetzesmachrr schützen? Das christliche Volk wird dafür zu sorgen habe», daß gerade diese Mehrheirsbildung, die seine höchsten ideellen Güter schützt, nicht auSgeschal- t e t lvird I

Wahlkreis Fulda - Gersfeld - Schlüchtern.

** Salmünster, 5. Dez. 1912. Die vom Herrn Rich. Müller für Conulag in Salmünster in Aus­sicht genommene Zentrums-Versammlung mußic wegen Erkranlüng desselben abbestellt werden. Herr Müller hat sich auf einer in den letzten Tagen abgehallenen Versammlung eine Erkaltung zuge- zogeil und darf infolgrdeffen zunächst das Zimmer nicht verlassen.

Ans bem Wahlkreis Hersfeld-Hünfelb-Rotenburg.

A Hünfeld, 5. Jan. 1912. Der Wahlaufruf der Z e n t r u m s p a r t e i brS Wahlkreises Hün- kelb Hersfeld-Rotenlnirg hebt hervor, baß ber Zen- iruniskanbidai Herr Lanbiagsabg. Drinnenberg n Fulda durch seine bisherige Tätigkeit iin preußt- chen Abgrordnekenhause den Beweis geliefert hat, »aß er ein warmes Herz für bas berufstätige Volk, ür Bauern, Gewerbetreibenbe und Arbeiter besitzt, »aß er seine ganze Tätigkeit in ben Dienst der öffent^ tchen Wohles stellt. „Seine 20jLhrige uneigennützige lrbeit auf bem Gebiete bes RaiffeisenkassenwesenS oben ihm bas Vertrauen unb bie Liebe ber gesamten kandbevölkerung erworben, aber nicht minber war er iets bestrebt, auch baS Wohl bes gewerblichen Mft- rlstanbes und ber Arbeiter zu fördern. Von Geburt us gehört er dem Steife Hünfeld an, lange Jahre »üben wir ihn da auch i» sein« vvlkssreunbltche» Migkeft kennen gelernt; aber sein ArbeftSfelb reicht etzt weit über die Grenzen unseres Kreises hinaus Jnb überall hat er sich bes in ihn gesetzten VettrauerS Zsvchig gezeigt. Im Herbst 1908 würbe er von ben vahlmönnern bet Kreise Hünfeld unb GerSfeld ein- lnnniz zum Lanbtagscü»georbneren gewählt; er ha äe Erwartungen, bie man auf ihn fetzte, in jed« »«,e gertditfertiflt Dechalb bietet Herr Land- ^«tbneter Drinnenberg auch bie Goran- unnT? ” bas ReichstagSmanbat in treuer Pflicht

Baterlanb unb Kirche unb »um Dphle alle Bttufsstanbe auSLben wirb."

AsMriS Marburg. Kirchhain - Fraukeubttg. <-P Marburg, 6. Ja». 1912. Die Derirauen»- Kä»n« der Zentru ms Partei des Wahlkreise« Mart-»rs.Ktrchtz»ln-Frankenb«ra fordern in einem